6. August 2017

Gelb
elektrosmart @pixabay

Menschen, die tot sind, hören scheinbar nicht auf zu fehlen. Das eigene Gefühl zu diesem Verlust verändert sich etwas. Es dämpft sich langsam ab. Wie ein Abend, der dämmert.

Am Anfang war ich v.a. wütend über die Ungerechtigkeit des Lebens und verzweifelt, dass man nicht einfach die Zeit zurückdrehen kann, nur um zehn Sekunden, nur um einen Augenblick, nur um einen Zufall.

Es sind jetzt drei Jahre und immer noch steckst Du im Alltag. In meinem Milchschäumer, den ich nach jedem Kaffee ordentlich auswasche, weil der in der Arbeit immer einbrannte und Du ihn für alle anderen geschrubbt hast.

Du bist in allen Frauen, die die Farbe gelb tragen, die, die schulterfrei tragen und die, die auf gewagt hohen Absätzen ohne Gewackel und dafür umso zielstrebiger laufen können.

Wenn ich mir beim Backen mal die Finger verbrenne – was gar nicht so selten passiert – dann ist das wie ein kleines Hallo von Dir. Du warst in allem schnell und temperamentvoll, da war einfach manchmal keine Zeit für Topflappen.

Du bist nie 40 geworden. Wie gerne würde ich mit Dir Auto fahren und darüber jammern wie ätzend es ist immer älter zu werden.

Ich habe Fotos von Dir, deswegen werde ich wohl nie vergessen, wie Du aussiehst. Ich kann mich gut an Deine Lachfalten erinnern, an die Form Deiner Augenbrauen, nur bei Deiner Haarfarbe bin ich mir manchmal nicht sicher, ich hab Dich schwarzhaarig gesehen, ich hab Dich blond gesehen.

Deine Stimme verblasst langsam aus meiner Erinnerung. Ich weiß, dass sie manchmal rauh klang, so als hättest Du eine Reizung im Hals – manchmal dachte ich, wenn wir sprachen, wenn Du Dich jetzt räusperst, dann klingt sie wieder weich.

Du warst wirklich eine Anpackerin. Keine Zeit zu klagen, keine Zeit stundenlang zu planen, erstmal machen, das wird schon.

V.a. aber warst Du immer für mich da und Du warst mir immer eine verlässliche Freundin – hast auch Sachen angesprochen, die unangenehm waren.

Über die Jahre Deines Fehlens hatte ich irgendwann große Sorge, dass ich Dir nie gesagt habe, wie viel Du mir bedeutest. Ich habe Tage damit verbracht unsere ausgetauschten Nachrichten nachzulesen und zwischen dem Alltag unsere Freundschaft heraus zu lesen.

Zu meiner großen Erleichterung hab ich nicht nur gefühlt, dass Du wichtig  bist, sondern es Dir auch gesagt. Wenigstens manchmal. Wahrscheinlich nicht oft genug.

Zurückdrehen kann man nichts. Ich kann es nur versuchen besser zu machen mit meinen anderen Freundinnen und ich halte Dich weiter im Herzen.

Du fehlst. Für immer.

Autor: dasnuf

Aha! Google doch "dasnuf" Muhahahahaha!

199 Gedanken zu „6. August 2017“

  1. Meine Erfahrung sagt: so ein aufgerissenes Loch in der eigenen Seele kann nie wieder gefüllt werden. Der Tod meines Freundes ist nun schon 17 Jahre her und er fehlt mir immer noch sehr oft und ich trage ihn mit mir herum. Das wird offensichtlich immer so sein. Irgendwie aber ist das auch eine glückliche Träne, er wird einfach nie ganz weg sein…

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  2. Guter Denkanstoß, den Freundinnen und Freunden mal zu sagen, wie gerne man sie im Leben hat! Danke für den Text!

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  3. Nein, es hört nie auf und die Person bleibt dennoch.

    Mein Erinnerungstag ist der 5. September, an dem vor nunmehr 12 Jahren eine meiner engsten Freundinnen starb. Allerdings mit Zeit zum Abschiednehmen und natürlich dennoch viel zu früh. Und nein, die Wut darüber „Warum gerade sie?“ ist nie in mir verraucht. Auch wenn ich weiß, dass es auf diese Frage keine Antwort gibt.

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