Ich schwöre, ich habe meinen Kindern die ersten Jahre kein rosa und kein hellblaues Kleidungsstück gekauft. Gerade in der älteren Generation stieß ich damit auf wenig Verständnis. Ein Baby in grünen Kleidungsstücken? ”Ach Herrje, da weiß man ja gar nicht was es ist!” Meine Antwort darauf: “Es ist ein Mensch.”
Natürlich dauerte es nicht lange, bis wir mit hellblauen und rosa Kleidungsstücken überhäuft wurden und natürlich war es so, dass unser Mädchen mit ca. drei Jahren NUR rosa tragen wollte. Dann kamen die Fillys, die Einhörner, die Prinzessinnenliteratur – all das was ich auf gar keinen Fall im Haus haben wollte. Das gleiche passierte natürlich bei den Jungs. Zuerst die Autos, Bagger, Transformers, die Eisenbahn, Power Ranger usw. Das Gute daran: Wenn man beide Geschlechter im Haus hat, dann hat man das komplette Sortiment und das hat am Ende dazu geführt, dass mit allem gespielt wird. Die Transformers bekommen hübsche Puppenkleidung, die Fillys galoppieren über die Hot Wheels Rennbahn und alles ist gut. Wenn die Kinder sich streiten, greift die Tochter zu Darth Mauls Doppelklingen Lichtschwert und der Sohn hält schützend die Babybornpuppe vor sein Antlitz.
Wir hatten ideale Bedingungen. Weder mein Mann noch ich wurden als Kind irgendwelche Klischees unterworfen. Unser Kindergarten nimmt unseren Sohn im glitzerrosa Feenkostüm mit den Worten: “Hey, Du hast Dich aber schick gemacht!” entgegen. Noch nie sind dort Sätze wie “Jungs malen aber nicht so gerne” gefallen. In Berlin kümmert es zudem sowieso nicht, wie wer aussieht. Man kann im August auch als Clown verkleidet durch die Gegend laufen – in der Regel wird man nicht besonders überrascht angeschaut.
Ich finde es ganz selbstverständlich, dass sowohl meine Tochter als auch mein Sohn Nagellack “haben” dürfen, wenn sie das interessant finden, weil sie mich dabei beobachten, wie ich mir die Nägel lackiere. Das folgende instagramobligatorische Fußbild, das ich vor Monaten gepostet habe, zeigt dementsprechend die Füße meines Sohnes:
Zum Thema Benachteiligung von Jungen haben Antje Schrupp mit “Beim pinken Überraschungsei geht es nicht um Mädchen, sondern um Jungen“, Kaltmamsell mit “Zwischenspiel: Buben in Röcken” und Journelle mit “Das rosa Ei in der Familie” schon sehr viel kluges gesagt.
Aus dieser Erfahrung heraus möchte ich alle ermuntern, ihren Söhnen diese Art von Diskriminierung nicht anzutun. Zeigt Euren Söhnen die vermeintlich weiblichen Aspekte des Lebens. Lasst sie doch mal fühlen wie es ist in Stöckelschuhen rumzulaufen, lasst sie sehen, wie bunt lackierte Fußnägel aussehen, wie luftig Röcke sind, wie schwierig es ist, einen geraden Lidstrich zu ziehen. Ich glaube, wenn man sie das alles erfahren lässt, schafft man eine gute Grundlage in späteren Jahren verständnisvoller zusammenzuleben.


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emanzipation ist halt nicht nur was für mädchen.
.~.
Nein, ich werde meinem Sohn keine Stöckelschuhe anziehen.
So ein lächerlicher Bullshit kann nur von gelangweilten Wohlstandsmenschen wie uns Deutschen kommen. :D
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Gerne gelesen
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Und der Kommentaromat ist auch super!!
@skythe: Wirst Du es ihm auch verbieten, wenn er es gerne ausprobieren möchte? Und wenn ja, warum? Und wenn Du eine Tochter hast, darf die mit Autos spielen?
Ich glaube das Problem derzeit ist eher, dass Jungen zu wenig ihre männliche Seite ausleben dürfen und nicht, dass sie mit Stöckelschuhen schräg angesehen werden.
@Josef: Word!
Hab selbst drei Mädels und einen Bub daheim. Die Mädels sind cool, wenn sie “JUngssachen” machen, anders rum kommt gleich das Gerücht hoch, dass er mal schwul werden könnte. Und wenn er rumflippt, ist es gleich zu wild.
@Thomas
Stimmt ohne weiteres, aber da musst du dich eben selber überwinden und das an dir und deinen jungs abprallen lassen. Auch klar ist, dass das nicht einfach ist.
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