Ausflug in den Baumarkt

Baumarkt

Baumärkte sind ein bisschen wie Elektrofachmärkte. Wenn man eine bestimmte Sache sucht, braucht man ca. zwei Stunden, um sie entweder zu finden oder jemanden zu finden, der einem zeigt, wo der gesuchte Gegenstand ist. Meistens sagt diese Person dann sowas wie „Gang 3, rechte Seite, ganz hinten“ und während man in die Richtung blickt, in die der Baumarktmitarbeiter gezeigt hat, löst sich selbiger auf und man stellt fest: „Hmmm, die Gänge sind gar nicht nummeriert. Meint er jetzt von vorne oder von hinten und haben die rechts und links die gleichen Numm… oh.“

Wahlweise läuft es auch so ab: Man (in dem Fall Frau, also ich) findet einen Mitarbeiter und fragt nach den Rigipsdübeln. Der Baumarktmitarbeiter schaut einen darauf hin an, als habe man gesagt: „Wo bitte finde ich die flambierten Gummihähnchen in Aspik?“ Er wiederholt sehr langsam „Ri-gips-Dübel???“ und zieht dabei die Stimme am Satzende deutlich nach oben, so dass man auch ganz sicher versteht, dass er eine Frage stellt.

„Na so ne Dübel, die ich verwenden kann, wenn ich in einer Rigipswand eine Schraube anbringen will.“ Der Baumarktmitarbeiter denkt nach, dann geht ihm ein Licht auf und er freut sich, dass er einen verstanden hat OBWOHL man das völlig falsche Wort verwendet hat: „Ach se meinen Spiralgipskartondübel!“. Daraufhin läuft er los und führt einen zum Regal mit den Rigipsdübeln. „Sind se sicher, dat se sowas brauchen? Wat haben se denn für ne Bohrmaschine?“ „Keine, ich schraube die mit einem Schraubendreher von Hand ein.“ Der Baumarktmitarbeiter schaut einen verdattert an: „Von Hand?“ „Ja, das geht gut.“

„Sischa, dass se nich Metallzugdübel meinen?“ „Ja, sicher. Ich suche diese Plastikdinger. Ich hab Schrauben mit durchgehendem Gewinde und ich will nur einen Bilderrahmen aufhängen. “ Der Baumarktmitarbeiter schüttelt langsam den Kopf: „Naja, se müssen ja wissen, wat se brauchen“ und verschwindet.

Das sind die beiden Szenarien, wenn man genau eine bestimmte Sache möchte. Wenn man aber denkt: „Och, ich könnte ja mal streichen, ich hab ja sonst nix zu tun. Da gehe ich mal in den Baumarkt und kaufe ein bisschen Zeug.“, dann ist man zwar auch zwei Stunden beschäftigt, aber es ist ein bisschen wie ein Spaziergang durchs Wunderland. Man streunert ein bisschen in der Fließenabteilung, schnuppert ein wenig an den Holzpanelen, bewundert den Gang mit der Arbeitskleidung und spielt ganz kurz mit dem Gedanken sich eine Schutzbrille, ein Atemschutz und ein paar Arbeitshandschuhe zu kaufen, einfach weil sie Stronghand heißen und man mal Terry-Schlingengewebe tragen möchte und sich fragt was eine gesandete Nitril-Beschichtung ist.

Dann schlendert man an der Wand mit den Zangen vorbei und erinnert sich, dass man schon öfter eine Rohrzange gebraucht hat und die jetzt ja kaufen könnte, entdeckt dann aber, dass es auch Beißzangen, Eckrohrzangen, Revolververlochzangen, Sicherungsringzangen und Flachzangen gibt und verfällt in Optionsparalyse, so dass man die Rohrzange wieder weglegt und sie auch diesmal nicht kauft.

Wenig später passiert man das Regal der sehr nützlichen Dinge und entdeckt einen Tieflochmarker und Moltofill. So praktisch. Aber dann denkt man: „Ein richtiger Handwerker würde einen auslachen, wenn man sowas wie 120 g Moltofill für 6 Euro kauft, wenn doch 20kg Reparaturspachtelpulver, das man dann selbst anrührt, nur 2 Euro kostet!“ und lädt sich die 20 kg Reparaturspachtelpulver auf den Einkaufswagen. (Später, wenn man die 20kg zu Hause ablädt, wird man merken, dass man das beim letzten Baumarkteinkauf auch schon gemacht hat und den Einkauf davor auch und dass man jetzt stolze Besitzerin von 60 kg Reparaturspachtelpulver ist).

So geht das weiter und weiter und irgendwie vergisst man, was man eigentlich wollte, ist vielleicht auch ein bisschen geblendet von den 20.000 Lux-Leuchten, wenn man die Leuchtmittelabteilung passiert und packt sich dann eine Topfpflanze zu dem Reparaturspachtelpulver und geht an die Kasse. Dort zahlt man aus irgendwelchen Gründen doch 126, 99 Euro, weil irgendwie hat man doch vor sich selbst unbemerkt ein Schleifschwämmchen, eine Japansäge, 50 m Malervlies, sieben vergoldete Ringschrauben und ein Kilo Dachpappstifte in den Einkaufswagen gelegt.

Nach dieser Erfahrung ist man so erschöpft, dass man den Auftrag über ein Handwerkerportal an einen Fachmann vergibt, der dann seine eigenen 20 kg Reparaturspachtelpulver mitbringen und später vergessen wird.

Aber eigentlich mag ich Baumärkte und renovieren liegt mir ungefähr so wie basteln.

 

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55 Gedanken zu „Ausflug in den Baumarkt“

  1. Also meine Mutter ist häufiger im Baumarkt und meint, das letzte mal sei sie in den frühen 90ern irgendwie unangemessen behandelt worden (im Sinne von anders als männliche Kunden), und ganz ehrlich:
    Ich selbst habe von Hardware auch sehr, sehr wenig Ahnung, und ich habe das Gefühl dass die Verkäufer es merken und manche reagieren dann eben typisch menschlich, nämlich genervt, herablassend, wenden sich auch ggf. an andere anwesende Personen (meinen Schwiegervater z.B.)
    Aber natürlich hängt das individuell von den Mitarbeitern ab. „’s gibt halt sotte un sotte“ sagt der Schwabe. Das blöde ist dass man sich an die guten selten erinnert.

    Gruß
    Aginor

  2. Zum lustigen Beitrag eine ernst gemeinte Frage: geht es nur mir so, oder wird mal als Frau grundsätzlich gerne mal belächelt im Baumarkt? Oder geht das allen handwerklich mäßig bis weniger begabten genau so?
    Oder noch „besser“: Bin ich die einzige, welche auf meine gestellten Fragen keine Antwort bekomme, sondern der neben mir stehende ebenfalls handwerklich unbegabte Freund diese erhält?

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