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3. Die Natur als solches
Die Natur und ich, wir sind keine Feinde im engeren Sinne. Ich bin sogar auf dem Land aufgewachsen. Jedoch vergrub ich mich in meiner Kindheit lieber in Büchern und wurde in meiner Jugend leider fernsehsüchtig. So kam ich mit der wilden und ungezügelten Natur eher selten in Kontakt. Theoretisch kann ich siebenundzwanzig verschiedene Baumsorten voneinander unterscheiden. Praktisch verhält es sich bedauerlicherweise so, dass die Blätter, Rinden, Farben und Oberflächenstrukturen eher selten wie im Buche aussehen.
So bleibt es bei den Grundkategorien Baum, Wiese, Tier zweibeinig, Tier vierbeinig, Tier mehr als vierbeinig. Erschwerend kommt meinen urlaublichen Naturbeobachtungen hinzu, dass ich bereits zu Beginn meine Kontaktlinsen an die Ostsee verloren habe. So lief ich augenkneifend aber guter Dinge durch die Natur und versuchte das Aufregendeste dennoch mitzubekommen. Am zweiten Abend sah ich beispielsweise eine riesige Fledermaus im Sonnenuntergang hektisch auf und ab fliegen. Nach einiger Zeit lies sie sich elegant auf dem Wasser nieder und angelte sich sogar einen kleinen Fisch. Ich schätze, fischende Fledermäuse sind selbst in meernahen Gegenden eine kostbare Seltenheit.
Eine andere Konversation ging so:
– Ohhhh! Schau mal Schatz!!! Daaa! Dahaaaa
(Mein Freund schaut in die angezeigte Richtung)
– Was ist denn da?
– EIN TIER DA AM BAUM!!!
– Ähm, was denn? Ein Eichhörnchen oder was?
– Neineineinein. Es hat einen roten Kopf! Schau doch dahaaaaa!
– ?
– Na da, gleich klöppelt es!
– ???
(Es ertönt ein regelmäßiges Klopfen)
– Ein Buntspecht?
– Jajajajajaja! Genau!

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Nach längerem Abwägen, werden wir den Roller als Transportmittel nun doch gegen ein Auto tauschen. Ein Auto hat den Vorteil, dass wir ALLES mitnehmen können, was uns einfällt. Das ist der Himmel. Meine letzten Urlaube waren stets autolose Campingplatzurlaube, die sich auf das nötigste beschränkten. Mehr als acht Kilo abzüglich Zelt konnte und wollte ich nie tragen. Dementsprechend saß ich die meiste Zeit in meinen müffelnden Klamotten auf dem Steinboden vor meinem Zelt, kaute auf trockenem Brot herum, welches mit Ameisen und schwitziger Wurst belegt war und beobachtete neiderfüllt die Ankunft anderer Campinggäste. Sie fuhren mit ihren Transportern zu ihren Plätzen, bauten ihre 10-Personenzelte auf, klappten ihre mit 7 Töpfen, einer Doppelflamme, 3 Pfannen, Gewürzregal und Vorratsschrank bestückten Faltküchen aus, um nach dem Kochen ihr kühles Bier aus ihren eingebauten Kühlschränken zu holen, sich auf ihre gepolsterten Couchgarnituren zu setzen und ihre autobatteriepedikürten Füße auf die Holztische zu legen. Mitleidig schauten sie zu mir rüber und der ein oder andere Nachbar mit Herz schmiss mir abgenagte Knochen zu, die ich dankend annahm.
Damit ist jetzt Schluss!
Nachdem ich meine Klamotten-, Schmink- und Schuhauswahl rollertauglich reduziert habe, kann ich nun alles mitnehmen, was irgendwie nützlich sein könnte.
Angefangen mit einer Taschenlampe, Hammer für die Heringe (die man dann nicht mehr mit blutenden Fäusten in den Felsboden einhämmern muss!) über die lebenswichtige Espressokanne, den Milchschäumer, einen Kasten Wasser bis hin zu fetischunterstützenden Sieben in verschiedenen Größen (mein Hobby: Sandsieben).
Die Beschränkung auf den wesentlichen Luxus fällt ab einem bestimmten Punkt schwer. Also packe ich noch Kopfkissen, Luftmatratze, Schminktisch, einige Zimmerpflanzen und kleine Raffinessen wie den aufblasbaren Wäscheschrank mit integrierter elektrischer Zahnbürste zusammen und betrachte stolz den Utensilienberg.
Endlich erwachsen! Endlich bin ich auf der anderen Seite und werfe den hageren Studenten MEINE Essensreste in den Straßenstaub, wohlwissend dass sie mich dafür sogar noch schätzen werden!

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Nehmen wir an, ich hieße Kosowskowski mit Nachnamen und wöllte mir endlich eine seriöse Emailadresse zulegen. Dafür ginge ich zu web.de und beantragte Kosowskowski@web.de und bekäme die Nachricht Kosowskowski@web.de ist leider schon vergeben, dann denkte ich: „Verdammte ******, welcher ********** schnappt mit denn meine Emailadresse weg?“ und stellte dann vier Wochen später fest, dass es mein Vater war, der zufällig auch den Namen Kosowskowski trägt.
Das wäre, rein hypothetisch, peinlich.

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Ohrwürmer sind, wenn sie gut sind, ansteckend. Ein besonders geeigneter Ohrwurm ist „Manamana“ der Sesamstraße. Man muss nur das Wort lesen schon beginnt der Kopf im imaginären Rhythmus zu nicken und das Gehirn sing dunkel Manmana während die Ohren von rechts und links im Kanon beisteuern: Ba di pi di, ba di pi di, ba di dp di dip, di di dip.

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Nach meiner Party am Samstag konnte ich mich zufrieden zurück lehnen. Ich hatte meine Jugend zurück erobert.
Gewöhnlich gehe ich nicht auf Partys. Das Abends-Weggehen ist für mich im Grunde ein abgeschlossenes Kapitel. Zu meinem 30. Geburtstag musste ich jedoch eine Ausnahme machen. Auch an diesem Tag war ich gegen 22 Uhr ausreichend müde um umgehend in das Reich der Träume überzusiedeln. Da ich es aber für unhöflich hielt als Gastgeber um zehn Uhr das Weite zu suchen, hielt ich es tapfer bis zum Ende aus. Da passierte etwas, was ich die letzten fünf Jahre nicht mehr erlebt hatte: Die Sonne ging auf. Von vier Uhr Früh bis sieben Uhr drückte ich also begeistert mein Gesicht an die Fensterscheibe und zeigte mit dem Finger in den Himmel, um den letzten Partygästen die frohe Botschaft immer und immer wieder zu verkünden: Es ist hell geworden! Es ist hell geworden.
Schließlich machte ich mich dann im Ponygalopp mit rotierender Handtasche auf den Weg nach Hause und sang dabei zur Melodie von Grönemeyers Gib mir mein Herz zurück: Ich hab’ mein-e Jug’nd zurück, ich brauch deine Faltencreme nich …

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Meine Sternzeichen-Aszendent-Kombination macht mich höchst geeignet EU-Projekte zu koordinieren. Gerne halte ich siebenhundertsechsunddreißig Regeln ein, um entstandene Kosten für den Steuerzahler transparent nachzuweisen.
Ähnlich gerne dokumentiere ich mein Privatleben. Als ich früher noch Theater spielte, kopierte ich alle Zeitungskritiken und umrandete akribisch die Stellen, an denen ich erwähnt wurde. Alle meine Erfolge heftete ich nummeriert in meinem Ordner „Nufs Leistungen“ ab.
Gerne würde ich das nun machen, nachdem ich diesen Zeitdingenspreis gewonnen habe. Das Dumme daran ist nur – die Zeiten sind zu modern als dass sich für meine Enkel ordentlich nachweisen ließe, dass Oma Nuf mal etwas gewonnen hat (also neben der Reise nach Legoland).

Wie soll man Internetartikel festhalten? Hätte ich ein Kopiergerät, versuchte ich es mit Flatscreen auf selbigen legen und kopieren. Doch ohne Kopiergerät, sind meine Möglichkeiten begrenzt.

[…] In der Rubrik „Leben/Vermischtes“ gab es eine Menge toller Beiträge. Ich erlag dem komischen Non-Sense von „DasNuf“. Die Frau ist wunderbar! Hoffentlich sagt ihr niemand, dass sie einen Preis gewonnen hat.

Danke an alle Teilnehmer.

Wolfgang Harrer, San Francisco

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Die nächsten Tage werde ich übrigens ein gewagtes Experiment wagen. Ich werde mich vier ganze Tage von meinem Rechner wegbewegen und Urlaub machen. Gewöhnlich komme ich für diese Zeitspanne mit 20 Kilo Gepäck aus. Nun verkündet mein Freund, dass wir mit dem Roller fahren werden, was den Umfang meiner Kleidungs- und Schönheitsartikelmitnahmemöglichkeiten stark einschränkt.
Bei meinem letzten Rucksackurlaub nahm ich mir bereits fest vor, nur das Wichtigste einzupacken. Als ich den prall gefüllten Rucksack vor mir sah, rief ich: Tschackaaaaa! ICHBINEINEAMEISE, ICH TRAGE PROBLEMLOS DAS SIEBZIGFACHE MEINES EIGENEN KÖRPERGEWICHTS, schnallte die Tasche auf meinen Rücken und kippte wie ein Baum um. Erst wedelte ich kräftig mit meinen Armen und Beinen, um wieder nach oben zu kommen, da ich nach einer halben Stunde keine nennenswerten Veränderungen meiner Position bewirken konnte, entschloss ich mich zu meinem Handtelefon zu greifen, meinen Nachbarn anrufen, damit er mich, zu diesem Zeitpunkt wie ein Käfer auf dem Rücken liegend, aus meiner misslichen Lage befreien konnte.