112374392647870900

Pünktlich zu meinem 30. Geburtstag begann meine biologische Uhr zu ticken. Nun – eher schon im 29. Lebensjahr und das Geräusch – es ist eher so etwas wie ein tiefes Grollen und Dauerwispern. So wie die Stimme von Sauron, die mich in das lustige Kinderland Mordor ruft. Wenn ich Kinder sehe, dann sagen sie: „Komm und sag dass ich süß bin“ und ich kann mich nicht wehren und sage, dass sie total süß sind. Selbst jene, denen der Rotz aus der Nase läuft, erwärmen mein Herz.
Neben den kleinen, hässlichen Biestern gibt es natürlich auch ganz bezaubernde Exemplare und so ergeben sich immer wieder wundervolle Dialoge, die mir Einblick in unschuldige Kinderherzen geben.

Dialog 1:
– Schau, da vorne, das ist eine S-Bahn!
(Kind schaut konzentriert in die Richtung, legt die Stirn in Falten. Stille. Es denkt. Zwei Minuten später kommt die Gegenfrage:)
– Aha und was kann man da essen?

Dialog 2:
– Siehst Du, hier das sind Wale. Die sehen aus wie Fische, sind aber Säugetiere. Das heißt, sie bekommen richtige Babys, so wie die Menschen.
– Hmmm.
– Da, das sind Delphine und hier ein Orca. Kennst Du den aus „Finding Nemo“?
– Nö.
– Orcawale nennt man auch Killer-Wale.
(Kind kichert, fängt an mich zu kitzeln)
– Und wen killern die?

Ist das nicht süüüüüüß???

Image Hosted by ImageShack.us

112368251238592070

Es gibt Worte, die darf ich in Gegenwart meines Kollegen nicht in den Mund nehmen. Eines der verbotensten ist „Steuererklärung“. (Ich flüstere selbst wenn ich es nur denke.) Jedes Mal, wenn ich es erwähne, wird er puterrot, hält sich die Ohren zu und singt laut „Lalalalalalala lalalalaaaa!“.
Als zwanghafter rechtschaffener und ordentlicher Bürger habe ICH meine Steuererklärung 2004 selbstverständlich schon gemacht. Von denen der Vorjahre nicht zu sprechen.
Die Steuererklärung als solches bleibt für mich dennoch eines der faszinierensten Naturphänomene überhaupt.

Das verblüffende daran ist der sogenannte Steuererklärungsvergessenszyklus, der mich Jahr für Jahr ereilt:
Im Februar sendet der Arbeitgeber die Lohnsteuerkarte zurück. Das Vorfinden des Zettels im Briefkasten zündet einen Bedürfniszyklus. Denn langsam und leise steigt das Bedürfnis, den farbigen Zettel wieder loszuwerden. Da Verbrennen keine adäquate Lösung darstellt, bleibt am Ende nur eines: die Steuererklärung zu machen.
So dauert es, zumindest bei mir, bis maximal April, bis ich schlimme Albträume habe, in denen nackte Steuerbeamte nur mit Krawatten bekleidet, dickbäuchig um mein Bett springen und sich gegenseitig ihre langen, golden glänzende Rückendhaare kämmen, während sie mit hellen Stimmen „Ehhhes ist deine Pflicht, Pflicht, Pflicht als Staaaahhhhaaatsbürger die Steeeeeuuuueeeeehhhrreeeeerrrkkkllläääähhhrung abzugeeeehhhben“ singen.
So kommt der Tag X an dem ich mich an meinen Schreibtisch setze, um die Steuererklärung zu machen. Als Kind der westlichen Hemisphäre natürlich nicht ohne ein Hilfsprogramm, das auf der Umverpackung verspricht:

– Schritt für Schritt durch den Steuerdschungel
– Ganz einfach, selbst bei komplizierten Steuerfällen
– Spielend leicht!
– Im Interviewmodus. Wir fragen und sie füllen aus

Is klar. Ich fülle also Name und Kontoverbindung aus und stoße dann auf das erste unlösbare Problem.
„Bei welchem Finanzamt wollen Sie Ihre Steuererklärung abgeben?“
Tja. Leider bin ich letztes Jahr von einem Bezirk in den anderen gezogen und weiß nicht so recht. Also versuche ich mein Glück mit der Hilfedatei. Drei Stunden später gebe ich entnervt auf.

Tag 2: Ich gebe kurzerhand irgendein Finanzamt an und lande prompt beim nächsten Problem. Ich soll die Daten meiner Lohnsteuerkarte in das Formular eintippen. Diese habe ich aber, damit sie mir durch das ständige Insaugefallen nicht allzu schlimme Albträume bereitet, an einem sicheren Ort verstaut. Der Ort ist so sicher, dass ich mich nicht mehr an ihn erinnere.

Tag 3: Ich suche vergeblich nach der Lohnsteuerkarte.

Tag 4: Ich wähle die sichere Methode und räume alles aus meiner Wohnung, was NICHT meine Lohnsteuerkarte ist und werde nach 17 Stunden fündig.

Tag 5 – 17: Ich lese aufmerksam die Hinweise der Steuererklärungssoftware, studiere die Hilfsthemen, fülle Erklärungen über Erklärungen aus, die besagen, dass ausgefüllte Erklärungen nur im Falle des Ungültigwerdens der vorher abgegebenen Erklärung gültig werden und keine gesonderte Erklärung darstellen, sofern gewünscht wird, eine eigene Erklärung des Sachverhalts abzugegeben. Ich kopiere, sortiere, markiere, ja stempele, ordne und hefte – bis schließlich der große Moment kommt und mein Interviewmodus verkündet:
„Sie haben alle erforderlichen Daten eingegeben. Wir errechnen jetzt Ihre Steuerersparnis.“

Tag 18 – 23: Ich melde mich bei meinem Arbeitgeber krank, weil ich von Heulkrämpfen geplagt bin. Für 32,00 Euro kaufe ich mir Taschentücher, die ich vollrotze, weil ich nicht verstehen kann, warum meine ganzen Sonderausgaben, nichtfondgebundenen Lebensversicherungen, Hausratsversicherungen, Kirchensteuern und Ausgaben im Gesundheitsbereich einen Gesamtwert von 32,17 € Steuerersparnis ausmachen.
Ein Jahr später bekomme ich die bereits ausgegebenen 32,17 € auf mein Konto überwiesen. Ab da falle ich in einen tiefen Schlaf des Vergessens, bis schließlich der Tag kommt, an dem der Postbote meine Lohnsteuerkarte in den Briefkasten steckt und alles beginnt von vorne.

112366628603016201

Nach einem Gipfeltreffen gestern nun auch von meiner Seite die offizielle Bekanntgabe über den Blogtausch. Vom 19. August bis zum 25. August werde ich meinen Blog mit Herrn Wirres tauschen.
Die Aktion ist initiiert von den Herren Sake und Malcom. Der Sinn bleibt mir verschlossen, was aber vielleicht daran liegt, dass ich die Vorbildersendungen „Frauentausch“ etc. nicht kenne.
Da wir ohnehin außerhalb der Vorgaben bleiben, werden wir uns aber das ein oder andere Schmankerl einfallen lassen. Jedenfalls freue ich mich, meine Leser an einem Tag zu verzehnfachen.
Im Grunde müssten wir nicht nur Blogs tauschen sondern auch alles andere. Ansonsten kann ich mich nicht in die ixische Welt einfühlen.
Was ich zu bieten habe: einen Pentium I, Internetanschluss (56 K Modem), mehr als 40 Röcke, 20 Pullover und eine beachtliche Sammlung an Nylonstrumpfhosen, 12 Paar Schuhe, ein 5 Jahre altes Handy, kein Radio, kein Fernsehgerät, keine Zeitung, einen humorvollen Freund mit phantasiebegabtem Kind, einen abweschlungreichen Job bei Deutschlands beliebtesten Arbeitgeber mit sympathischen Kollegen, in der oben angegebenen Woche mehrere aufregende Termine (Präsentation, Vertretung in internen Fachgremien, Workshops und sehr beliebt: Abstimmungsgespräche mit dem Betriebsrat), 12 Stunden Zugfahrt erster Klasse – Kopfhörer inklusive.
Darüber hinaus eine temperamentvolle italienische Familie und eine Gothicschwester.
Um sich wie ich zu fühlen, ist jeden Tag ausführliches Rasieren angesagt (Bauch, Beine, Po – ach ne, das war was anderes …). Fingernägel lackieren und Maniküre jeden Dienstag Abend. Kein Alkohol, keine Zigaretten, schlafen spätestens um 24 Uhr. Aufstehen um spätestens 7.00, am Wochenende gerne früher, dann aber unter Xylophonbegleitung. Zum Frühstück Latte Macchiato, Salamibrötchen, Mittagessen sehr, sehr pünktlich um 12.00 in der Kantine. Arbeiten bis 19.00 Uhr. Abendessen auswärts und an faulen Tagen: Reste des Kühlschranks (meist verschiedene Senfsorten, Currysoßen, Mangosaftreste). In meiner Wohnung Obstverbot. Nie mit Straßenkleidung aufs teure Sofa. Nicht auf dem Bett hopsen. Freitags aufräumen, damit die Putzfrau überhaupt putzen kann.
Ähm ja.
Aber ich denke, wir tauschen doch nur Blogs.

112359708000026319

Berlin, beim Besuch der sanitären Anlagen hat Frau N. eines der Rätsel der Menschheit gelüftet. Es handelt sich dabei um die grundlegende Frage: warum nimmt man im Alter immer mehr zu, obwohl man nur noch Hasenfutter mümmelt.
Die Antwort ist erschreckend einfach. Man friert nicht mehr so viel wie in den wilden Teenagerzeiten.
Um schön zu ein und nicht wie eine Presswurst auszusehen, hat frau in Jugendjahren alles auf sich genommen. Man trug auf gar keinen Fall ein Unterhemd (Spießer!), keine Strumpfhosen, keine Mützen (die Frisur!), keine Jacken, die über den Popo gehen, auf gargargarkeinen Fall Daunenmäntel, Handschuhe, geschlossene Schuhe, warme Wollpullover oder gar Schals.
Das sich Nichtvermummen sieht zugegebenermaßen besser aus, ist aber saukalt. Man friert und friert und verbrennt damit 300 zusätzliche Kalorien pro Stunde.
Dennoch bin ich sehr glücklich diese Macke abgelegt zu haben.
Ja, ich kann an besonders kalten Augustabenden sogar ohne mir dabei schäbig und ungeliebt vorzukommen, meine Elektroheizdecke aus dem Schrank holen und mir ein bisschen Wärme gönnen.
Es lebe das Alter!

112359587036258295

Herr Winkel hat es gemacht und ich mache es nach, weil es meine Idee hätte sein können.

Nuf kauft beim gleichen Rubbelloshändler wie MC Winkel ein Los und gewinnt ein Gespräch mit ihrem Ich im August 2010. Eine gute Gelegenheit ein Paar wichtige Fragen zu klären.

Nuf heute: Hallo Nu…
Nuf 2010: Ich, warte ma, ich … kannste ma halten (drückt Nuf eines der drei Kinder in den Arm, Kind macht feuchtes Säurebäuerchen auf Nufs Seidenpullover)
Nuf heute: Ihhhhh! Was?!
Nuf 2010: Danke!
Kind 1: Mamaaaaa?
Nuf 2010: Kannst Du mal bitte ruhig sein?
Kind 1: Wer is die Tante da?
Nuf heute: Ähm? Ich bin Deine Mama nur ähm jünger.
Kind 1 fängt an zu heulen. Kind 2 stimmt solidarisch in den Gesang ein. Baby weint mit und macht dabei gleichzeitig in die Hose.
Nuf heute: Ich muss weg!
Nuf 2010: Ey!

Nuf kauft sich ein zweites Los. Da das Glück mit den Tüchtigen ist, gewinnt sie ein zweites Gespräch, nur im Jahr 2035.

Nuf 2045: Aua! Geh weg da! Du stehst auf meinen Fledermausarmen
Nuf heute: ? (geht einen Schritt zur Seite)

Nuf heute: Und, wie ist es so in Rente zu sein?
Nuf 2045: Rente? Ich bin doch erst 70!
Nuf heute: Aber Du hast doch immer die Hälfte Deines Nettogehalts gespart!
Nuf 2045: Ja, deswegen kann ich mir diese 1-Zimmer-Wohnung jetzt auch leisten UND ich kann mir täglich was Warmes zu essen kaufen!
Nuf heute: Was ist mit Deiner Familie?
Nuf 2045: Nun, mein Mann hat mich schon vor 28 Jahren wegen einer 17 Jährigen Blondine verlassen.
Nuf heute: Und die Kinder?
Nuf 2045: Die sind meine ganze Freude, die haben mir erst vor zwei Jahren Weihnachten eine Postkarte geschrieben. Die studieren noch.
Nuf heute: Oh, gibt es denn etwas schönes in Deinem Leben?
Nuf 2045: Na klar! Ich habe wieder ein Fernsehgerät und „Fackeln im Sturm“ läuft jetzt in der 137. Wiederholung.