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Eine Leseempfehlung von Kind 1.0

Wer es noch nicht weiß, das Graphitti-Blog gibt es als Buch. Genauer gesagt als zwei Bücher. Das zweite (Was wir tun, wenn es an der Haustür klingelt) habe ich von Katjaberlin als Rezensionsexemplar geschenkt bekommen.

Ich konnte es leider nicht vollständig lesen, weil Kind 1.0 es mir sofort aus der Hand gerissen hat. „Saucool“ findet es das Buch. Immer wenn es in der Schule war, habe ich mir das Buch zurück geholt und kann das bestätigen (auch wenn ich mich vielleicht anders ausdrücken würde).

Die optimale Lektüre für Eltern, die im Alltag maximal fünf Minuten ohne Unterbrechung was machen können oder eben für (angehende) Jugendliche, deren Aufmerksamkeitspanne … oh schau mal ein witziges Katzenvideo.

Wer sollte dieses Buch lesen?

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Das Browser-Tipp-Alphabet

Leider unsäglich langweilig. Aber jetzt hab ich schon getippt.
Spiel: Man gibt den Buchstaben in den Browser ein und kopiert die URL, die dort erscheint.

A – Amazon.de (Moralisch zweifelhaft, ich weiß)
B – Bahn.de
C – christoph-koch.net (Kann ich empfehlen)
D – Dasnuf.de (Nein, ich bin nicht selbstverliebt!)
E – ebay.de (Das erstaunt mich)
F – facebook.com (Es ist ziemlich unspektakulär dieses Spielchen)
G – geborgen-wachsen.de (Kann ich auch sehr empfehlen, aber das erwähnte ich bereits)
H – herzdamengeschichten.de (Siehe C & G)
I – NIX (unfassbar)
J – journelle.de (Siehe C, G & H)
K – katjadittrich.de (Ähm, ich steuere offensichtlich diverse Blogs von Hand an o_O)
L – lindex.de (Die Babysachen! Leider habe ich kein Baby mehr.)
M – mail.google.com
N – nido.de/artikel/links-der-woche-teil-43 (Warum ausgerechnet Teil 43?)
O – ostel.eu (Hm, wollte ich mal ausziehen?)
P – http://www.pagerank.comlex.de/ (Ach Du schande)
Q – NIX
R – http://www.rundfunkbeitrag.de/ (Als brave Bürgerin!)
S – www.subtitleseeker.com (*hust* Es ist nicht wie ihr denkt)
T – twitter.com (Nein, nein. Ich bin nicht Social Media süchtig)
U – http://www.u18.org/das-projekt-u18/ (Für die nächste Wahl merken)
V – NIX
W – http://wirres.net/ (Siehe K)
X – NIX (Ich schreibe da doch nicht Xing hin, das ist VOLL peinlich)
Y – youtube.de
Z – zeitfuermehrzuhause.de (Aus Gründen)

Die Nacht der singenden Balkone

An Abenden wie gestern weiß ich, warum ich Berlin so liebe. Trotz der vermüllten Straßen, trotz der vollgeschmierten Wände und der Hunde, die auf die Gehwege kacken. Denn zu all den hässlichen Seiten der Stadt gibt es auch die, die strahlend schön sind. So zum Beispiel das Festival der singenden Balkone.
Insgesamt gab es drei Routen, denen man gestern ab dem frühen Abend folgen konnte, um von Balkon zu Balkon zu ziehen. An der jeweils angegebenen Adresse erschien zur angekündigten Uhrzeit eine Sängerin, eine ganze Band, eine Gruppe von Menschen, mit und ohne instrumenteller Begleitung. Weil wir mit Kindern unterwegs waren, konnten wir nur sechs Stationen anhören. Das habe ich ein wenig bedauert und sollte das Festival nächstes Jahr wieder stattfinden, werden wir auf jeden Fall einen Babysitter organisieren.
Schon von weitem konnte man an der entsprechenden Adresse den Balkon erkennen, von dem herunter in gesungen werden würde. Die Balkone waren mit Lichterketten und Nachttischlampen in Szene gesetzt und zur angekündigten Uhrzeit erschien der oder die Sängerin.
Wir haben uns die Gundigang angehört, die Gundermann sang (und teilweise auch herzerfrischend grölte). Hörten Tobi wie er mit Konzertbegleitung von CD Mozart und List in die Nacht sang.

Wir sangen auf Geheiß von Andreas Max Martin großartige Refrains seiner selbstgeschriebenen Lieder „Damenwahl (in Boltenhagen), Komm zu mir (Immer wenn ich schwimme, hör ich eine Stimme), Draußen liegt Schnee, drinnen liegst Du“ und zogen weiter zu Ursula, die sehr ambitioniert Radiohead und Aha-Songs zum Besten gab. In der Zwischenzeit waren aus den 50 Zuschauern rund 200 geworden und wir hörten Nature in the City (unbedingt klicken und die Lieder dort anhören! Sehr großartig!),

um dann weiter zu den vier Sängerinnen von Peperuda, die mit bulgarischer Folklore Fahrradfahrer und zufällige PassantInnen zum stehen bleiben brachten. Die Gruppe der ZuhörerInnen war in der Zwischenzeit so groß geworden, dass die Straße abgesperrt werden musste, damit Autos weiter passieren konnten. Die Sängerinnen hatten anscheinend nicht mit so vielen Menschen gerechnet und hopsten erstmal ein Paar Minuten und klatschten vor Freude in die Hände bevor sie lossangen.

Bis dahin waren schon 2,5 Stunden vergangen und wenn ich vorher Zweifel hatte, ob ich wirklich Lust haben würde, mehrere Stunden durch die kalte Nacht zu wandern und vor Balkonen rumzustehen, kann ich im Nachhinein sagen, es tat mir wirklich leid, dass wir nach Hause mussten, weil die Kinder keine Lust mehr hatten mitzulaufen.
Ich fand die Mischung der Vorstellungen wirklich sehr gelungen. Ich hab einfach nur zugehört, mich an Texten und an Stimmen erfreut, ich war ergriffen und fast zu Tränen gerührt. Ich habe laut lachen müssen, ich hab mitgesungen und manche Sachen haben mir so gut gefallen, dass ich gerne sofort eine CD gekauft hätte.
Für nächstes Jahr würde ich meinen Balkon gerne meinen singenden Freunden (@twatlik!) anbieten. Ich würde auch hübsch schmücken und äh Blumen ins Publikum werfen (naja gut und Klöße für die Sänger kochen).
Es war großartig. Den OrganisatorInnen herzlichen Dank! Bitte wiederholt das 2014! Den Sängerinnen und Sängern meinen Respekt für ihren Mut und ihre Leidenschaft.


rbb Beitrag Singende Balkone

(Die Vine-Aufnahmen sind schlecht, leise und viel zu kurz – aber mehr habe ich leider nicht)

20 facts about me

Anna Luz von Berlinmittemom hat mich auf instagram getaggt und #ich #antworte #der #Leserlichkeit #halber #lieber #hier #im #Blog.

1. Ich bin nicht zweisprachig aufgewachsen, obwohl mein Vater Italiener ist. Ich glaube, mein Vater hat auf eine zweisprachige Erziehung verzichtet, um mich vor Diskriminierung zu bewahren und so dafür zu sorgen dass mir alle Chancen im Leben offen stehen.

 

Mitte der 70er galt bedauerlicherweise eher „die Ausländerkinder sollen gefälligst ordentlich Deutsch sprechen“

2. Ich bin durch und durch ein Geizkörper.

vgl.

 

vgl. (SO ist es recht!)

 

3. Ich selbst finde, dass ich oft zu laut und ungeduldig mit meinen Kindern bin. Andere hingegen erkundigen sich regelmäßig bei mir, ob ich irgendwelche Tranquilizer nehme, weil ich so gelassen nach außen wirke. Es ist ein Kreuz mit der Eigen- und Fremdwahrnehmung.

4. Ich habe die 5. Klasse mit einem Schnitt von 1,4 zwei Mal gemacht. Fanden meine Eltern eine super Idee.

5. Mein Mann musste mir schriftlich bestätigen, dass wir nach der Hochzeit nur noch den Hochzeitstag nicht aber unseren Jahrestag feiern werden. Ich hätte mir sonst zwei Daten merken müssen.

6. Ich habe in einem fliederfarbenen Kleid aus einem Secondhand-Laden geheiratet (Erweiterter Geizkörper, siehe Punkt 2.).

7. Wir haben Eheringe aus Holz, die wir nicht tragen. Mein Ring hat 1,20 Euro gekostet. Der meines Mannes 80 Cent. Auf meinem ist eine Blume. Ich finde es völligen Unsinn schweineviel Geld für so etwas wie Ringe auszugeben. Ich erinnere mich auch ohne Ring daran, dass ich verheiratet bin. Mein Mann findet mich unromantisch.

8. Ich steigere mich gerne in Sachen rein. Positiv formuliert würde man vielleicht sagen: Ich bin sehr begeisterungsfähig.

9. In der Schule war ich das, was man klassischerweise eine Streberin bezeichnet. Im Diplomzeugnis habe ich leider eine 2. Darüber ärgere ich mich immer noch.

10. Das Internet hat mich gelehrt wie wundervoll es ist zu teilen und zwar über das Internet hinaus.

11. Ich habe eine deutlich jüngere Schwester, die mir sehr ähnlich sieht. Immer wenn ihr jemand als Kind gesagt hat: „Wenn Du älter bist, wirst du bestimmt genau wie deine große Schwester aussehen“ antwortete sie mit „Dann bringe ich mich um.“ Ich liebe sie trotzdem sehr.

12. Ich bereue wenig, aber ich bereue während des Studiums nicht ins Ausland gegangen zu sein. Ich hoffe, dass ich das meinen Kindern ermöglichen kann, sofern sie sich das irgendwann mal wünschen.

13. Bis ich 28 war, war ich ständig irgendwie traurig.

14. Bis ich 28 war habe ich mir meine Haare gefärbt. Bis dahin habe ich meine Haare immer gehasst. Seit ich sie nicht mehr färbe, finde ich sie toll. Jetzt werde ich grau. Traurig bin ich fast gar nicht mehr. Ob es eine Korrelation zwischen den beiden Umständen gibt, möchte ich anzweifeln.

15. Ich liebe Fremdwörter. Allerdings sind sie seit Abschluss meines Studiums kontinuierlich aus meinem aktiven Wortschatz gewichen. Kind 2.0, wirklich außergewöhnlich sprachbegabt, hat im zarten Alter von 2,5 Jahren gesagt: „Mama, ich weiß du magst das nicht, aber ich schlage vor, Du machst eine Ausnahme und kredenzt mir ein Nuss-Nougat-Creme-Brot.“

16. Ich habe mich fünf Jahre lang vegetarisch ernährt. Im Rahmen eines EU-Projektes, habe ich aber lernen müssen, dass es v.a. zu offiziellen Anlässen vielen Menschen unglaublichen Stress bereitet jemanden dabei zu haben, der kein Fleisch isst. Ich habe zu den Projekttreffen deswegen wieder damit angefangen.
Für immer wird mich diese Szene aus „Alles ist erleuchtet“ an diese Zeit denken lassen

17. Ich wollte eigentlich keine Kinder. Kind 1.0, das mein Mann mit in die Ehe gebracht hat, hat das geändert. In der Zwischenzeit tut es mir leid, dass ich so spät Kinder bekommen habe. Ich hätte gerne vier oder mehr.

18. Als Schülerin habe ich begeistert in einer Theatergruppe gespielt. Ich habe immer nur die schön und dumm Rollen bekommen (z.B. die Helena im „Midsummer Night’s Dream“ oder die Kurrubi aus „Ein Engel kommt nach Babylon“).

19. Mein Vater hatte und hat noch viele Ideen, was ich beruflich machen sollte. Nach dem Abitur wollte er, dass ich zum Finanzamt gehe. Zwanzig Jahre später glaube ich, er hat recht gehabt. So ein stark strukturierter Job mit festen Prozessen und dem ein oder anderen Stempelchen, das wäre eine feine Sache für meine Mentalhygiene.

20. Ich habe keinerlei Orientierungssinn. Nicht mal mit App. Wenn mich jemand nach dem Weg fragt und wir gemeinsam in die App schauen, schicke ich diese armen Menschen meist in eine völlig falsche Richtung. Immerhin habe ich Überzeugungskraft.

21. Trotz eines starken Faibles für Zahlen, Strukturen, Logik und Prozesse, habe ich Probleme mich an Regeln zu halten.


Weitere 20facts nachzulesen bei z.B. Susanne (deren Blog Geborgen wachsen ich uneingeschränkt empfehlen möchte),  bei Mama arbeitet und bei Frische Brise (danke!), Anne (danke!), Jademond (danke!) sowie bei Mutter & Mensch, WerdenundSein, BerlinFreckles, Kaltmamsell, Johannes Mirus, diplix, ronsens und Christiane Link.

Ich lese die 20facts sehr gerne und vielleicht hat ja Journelle Lust sie auch zu beantworten? Natürlich sind alle anderen auch herzlich willkommen.

Willkommen in der Bastelmuttihölle

Bastelmuttihoelle
Illustration: Johannes @beetlebum Kretzschmar

Wenn man darüber nachdenkt, ob man gerne Kinder haben will,
geht einem vieles im Kopf herum. Man denkt an die Schwangerschaft, an die Geburt, das Zahnen, das Krabbelalter, an vollgekackte Windeln und durchwachte Nächte.

Wenn das erste Jahr geschafft ist und die sprachliche Entwicklung langsam einsetzt, das Kind »Da!« rufen und gezielt auf Objekte seiner Begierde deuten kann, ist man erleichtert, weil man glaubt, im Wesentlichen war’s das. Die größten Herausforderungen sind gemeistert. Ab jetzt isses erst mal bis zur Pubertät ausgestanden.

Worüber man nicht nachdenkt, sind die Meilensteine der elterlichen Entwicklung. Niemand malt sich aus, welche Qualen man an Elternabenden erleiden muss und noch weniger ist einem gewahr, dass man für jedes Kind mindestens drei Mal im Jahr zum Bastelnachmittag gebeten wird.

Doch dann kommt der erste Herbst und es heißt: »Liebe Eltern, am 05. November basteln wir Laternen für den Laternenumzug.«

Bevor ich an meinem ersten Bastelnachmittag teilnahm, stellte ich mir Bastelnachmittage wie folgt vor:

Ich komme um 16 Uhr leicht abgehetzt von der Arbeit in die Kita. Mein Kind nimmt mich gut gelaunt in Empfang und führt mich zu meinem Platz. Auf dem Tisch liegen bereits vorpräparierte Materialien und eine Kopie, die mich in einfachen Piktogrammen aufklärt, wie ich aus einer DIN-A-4-Seite eine stabile Laterne baue.

Spätestens fünf nach vier sind alle Eltern da. Die Eltern schlürfen Kaffee während sich die Erzieherinnen wie Flugzeugbegleiterinnen vor uns aufreihen. Die Leiterin hält die Bastelbeschreibung nach oben, während die anderen mit synchronen Bewegungen kurz und prägnant erläutern, wie gebastelt wird.

Die Eltern beginnen zu basteln, während die Erzieherinnen die Kinder leise mit Fingerspielen beschäftigen. Alle beginnen gleichzeitig mit dem Basteln. Ungeschickten Eltern helfen die Erzieherinnen mit Ausbildungsschwerpunkt Bastelpädagogik. Sie sind dabei sensibel und achten darauf, dass das zarte Bastelselbstbewusstsein nicht schon in einem so frühen Stadium gekränkt wird.

Eine weitere Erzieherin schlendert durch die Reihen der eifrig bastelnden Eltern und legt motivierend ab und an die Hand auf eine Schulter. Nach zwanzig Minuten sind alle Laternen fertig. Dann kommen die Kinder an den Platz, bewundern die Laterne, bedanken sich, drücken ihre Eltern und alle gehen zufrieden nach Hause.

Liebe Menschen ohne Kinder, die noch planen, welche zu bekommen. Für euch ist der Artikel an dieser Stelle leider beendet.

Ich bitte euch, nicht weiterzulesen. Da ihr ohnehin nichts an der Realität eines Bastelnachmittags ändern könnt, lasst ihn einfach auf euch zukommen.

Wirklich. Lest nicht weiter.

Tut es lieber nicht.

* * *

Die Realität eines Bastelnachmittags ist so hart und ernüchternd, dass in jeder Bewerbung um einen Job unter dem Punkt »Besondere Qualifikationen« die genaue Anzahl aller überstandenen Bastelnachmittage stehen sollte. Und stünde da eine Zahl unter zehn, wäre die Person für das mittlere oder obere Management nicht geeignet.

Bastelnachmittage beginnen mit dem einstündigen Ankommen der Eltern. Manchmal dauert es auch anderthalb Stunden, bis endlich alle Eltern da sind. Weil es bereits nachmittags ist, sind die meisten Kinder nicht mehr sooo gut gelaunt. Einige liegen schreiend im Flur, andere schlagen sich gegenseitig mit stumpfen Gegenständen.

Überall auf den Tischen liegen »Bastelmaterialien«. Ich schreibe das mit Anführungszeichen weil »Bastelmaterialien« bedeutet, dass dort stumpfe Kinderscheren, angeschnittene Polyeder-Papiere (jedenfalls niemals irgendetwas Genormtes, das man auf Kante falten könnte!) und stark angetrocknete Klebestifte liegen.

Sehr oft liegt dort auch zur Verschönerung der Endergebnisse sehr viel Glitzerstaub. Wenn man dann an einem der kleinen Tische auf einem der klitzekleinen Stühle Platz genommen hat, kann man langsam bis Hundert zählen und spätestens dann ertönt ein erster Aufschrei, weil ein Kind eines der Glitzerstaubgefäße versehentlich umgeworfen hat.

Meistens so, dass sich der Glitzerstaub in hohen Bogen in die Luft entleert, um
dann minutenlang als glitzernder Smog den Raum zu verdunkeln. Danach rieselt der Glitzernebel langsam auf Tische, Stühle und Menschen herunter.

Sobald er mit Haut in Kontakt kommt, wird eine chemische Reaktion in Gang gesetzt und es bildet sich eine unentfernbare Patina.

Keine Dusche der Welt, kein Schwamm und keine Bürste entfernen diese Glitzerschicht. Wenn man sie erst mal hat, muss man etwa sieben Jahre warten, bis sich alle Zellen im Körper erneuert haben. Erst dann fällt sie ab.

Ein bisschen Glitzer schadet nicht, werden die ungehorsamen Kinderlosen, die trotz meiner eindringlichen Warnung weitergelesen haben, denken. Aber jetzt fragt euch mal, in welchen Berufsgruppen man normalerweise glitzert. Niemand denkt bei gold glitzernder Haut ans Laternenbasteln. Bestenfalls gerät der glitzernde Elternteil in den Verdacht nebenberuflich in der großen Gala-Show des Berliner Friedrichstadtpalasts mitzutanzen.

Wenn man also golden glitzernd in einem wichtigen Business-Meeting sitzt, kann das durchaus unangenehm sein. (»Laternenbasteln, Frau Cammarata, ich verstehe. Knick knack.« Mein Gegenüber zwinkert mir verschwörerisch zu und nickt.)

Jedenfalls, um zum Bastelnachmittag zurückzukommen – mit den herumliegenden Materialien kann kein normaler Mensch basteln.

Eine Bastelanleitung gibt es natürlich auch nicht. Die wurde 1873 einmalig auf einem Bastelnachmittag erläutert. Seitdem wird sie per stille Post von Elterngeneration zu Elterngeneration weitergegeben und enthält dementsprechend viele Erklärungs- und Logiklücken.

Und dann ist da noch das eigene Kind, das einem auf dem Schoß sitzt mitbasteln möchte…

Während man also versucht blind zu basteln (der Kopf des Kindes behindert die Sicht), greifen immer wieder kleine Hände von rechts und links dazwischen.

Man malt, faltet, rollt und am Ende klebt alles überall, vor allem an den Fingern die Laterne, die Laterne selbst aber, die klebt nicht.

Während man sich also den Tränen nahe die Papierreste von den Fingern puhlt, sorgt die statistische Normalverteilung zu allem Überfluss dafür, dass pro Tisch genau eine Profibastlerin sitzt. Die hat ihr eigenes Material und das eigene Werkzeug mitgebracht und bastelt aus vielen kleinen Origamipapierchen eine überdimensionierte Laterne. Die Laterne leuchtet in allen Farben des Regenbogens und das eigene Kind, die Laterne der Konkurrenz im Blick, fragt einen ständig:

Kind: »Was machst Du da?«

Ich: »Ich bastele eine Laterne.«

Kind: »Meinst Du Thomas’ Mama?«

Ich: »Nein, ich, ICH bastle gerade eine Laterne!«

Kind: »Wo?«

Ich: »Hier!«

Kind: »Das da ist eine Laterne, Mama?«

Dabei kämpft man die Tränen der Enttäuschung herunter und überreicht dem Kind das fertig gebastelte Objekt. Wenn man Glück hat, hat das Kind ein wenig Mitgefühl und murmelt nur so etwas wie »Eine Laterne?« und dreht sich dann um, damit die Laterne bis zum 11. November in den Schrank gestellt werden kann.

Dann rutscht das Kind auf einem der kleinen Glitzerseen am Boden aus und fällt mit seinem ganzen Gewicht in ebenselbe.

Ich habe für drei Kinder insgesamt dreizehn Laternen gebastelt. Ich kann einfach nicht mehr. ICH KANN NICHT MEHR.

Ich habe dieses Jahr eine fertige gekauft und mich selber drauffallen lassen. Das ging viel schneller.


Nachtrag vom 30. Juni 2016: Mit diesem Text bewerbe ich mich für den scoyo ELTERN! Blog Award.

Ich will nicht überwacht werden, merkel Dir das

Ein (pathetischer) Gedanken-Mashup einer politisch Ungebildeten

Sich mit Freunden auf einer großen Demo zu verabreden, ist nicht einfach. Wir orten uns also. Mir ist dabei durchaus bewusst, dass diese Art der Verabredung für eine Anti-Überwachungsdemo einer gewissen Ironie nicht entbehrt.
Ich benutze außerdem nach wie vor WhatsApp und habe einen Facebook-Account. Täglich liefere ich der NSA außerdem allerhand Datenmaterial per Siri und meinen Google-Account.
Auf Twitter lese ich Sätze wie „Ach? Wie naiv seid ihr denn, dass ihr dachtet, verschlüsselte Daten seien sicher?“. Ja, gute Frage. Wie naiv bin ich eigentlich? Und welchen Ausweg gibt es aus dem Überwachungsdilemma? Gibt es überhaupt einen? Auf was muss ich verzichten? Auf alle Appledienste, auf alle Googledienste, auf Dienste wie WhatsApp, auf facebook, auf Twitter? Welchen SSL-Zertifikaten kann ich trauen? Wie kann ich recherchieren, wer Anbieter ist und welche Standards benutzt werden? Muss ich auf Online-Banking verzichten? Ebay? Paypal? Kann ich mein Leben überhaupt noch annähernd weiter so führen wie jetzt? Reicht es technologisch zurück in die 50er Jahre zu gehen oder doch besser in die Zeit vor Erfindung der Elektrizität. Immerhin leben derzeit 1,4 Mrd Menschen ohne Elektrizität…

Es häufen sich die Fragen und Antworten gibt es so gut wie keine. Unsere Regierung erklärt die NSA-Affäre für beendet. Immerhin hat die NSA entsprechende Dokumente zur Verfügung gestellt. Ein Großteil der Seiten sieht so aus und scheinbar handelt es sich wirklich um keinen Spitzenwitz sondern grausame Realität:

 

Damit wäre dann ja alles geklärt.

Ihr könnt mich auslachen, aber in der Nacht, in der ich den Zeitonline-Artikel über Bullrun las, hatte ich Alpträume. Mein innerliches Kopfschütteln, meine Empörung wandelte sich in Wut und Verzweiflung.

Ok, ich bin ein unwichtiger Wurm in diesem Staat, aber muss ich mir das gefallen lassen? Muss ich mir diese unsägliche Politikerarroganz gefallen lassen? In den allermeisten Fällen rede ich mit meinen unter sechsjährigen Kindern respektvoll und erkläre Dinge ohne weitere Diskussion oder Aufklärung nicht einfach für beendet.

Kaum bin ich auf Twitter ist meine Welt wieder in Ordnung. Die Timeline ist voll von besorgten und empörten Menschen. Aber wenn ich Zeitung lese, wenn ich mir die Vorhersagen der Wahlergebnisse anschaue, dann wird mir klar: Die NSA Sache interessiert kein Schwein. Die allermeisten sehen keine Gefährdung ihrer Grundrechte. Man hat nichts zu verbergen und glaubt, mehr Überwachung bringt mehr Sicherheit.

Es ist mir ein Rätsel. Wie treffen Menschen ihre Wahlentscheidung? Was bewegt sie? Wer liest Wahlprogramme? Wer hört sich an, was die Kandidaten zu sagen haben, die man mit der ersten Stimme wählen kann? Offenbar der kleinste Teil der Bevölkerung. Man wählt vermutlich traditionell das was man schon immer gewählt hat, das was die Eltern gewählt haben. Keine Ahnung. KEINE VERDAMMTE AHNUNG. Anders kann man doch nicht erklären warum die CDU wieder und wieder und wieder gewählt wird. Egal was sie gelogen oder verbockt hat. Für mich persönlich gibt es spätestens seit der Wiedervereinigung keinen Grund schwarz zu wählen. Da hat man sich hingestellt und behauptet, die Wiedervereinigung würde aus der Portokasse bezahlt werden, kein Bürger müsse das finanziell ausbaden und dann? Kack egal. Sie werden wieder gewählt.
Warum? In Ermangelung von Alternativen?

Seit ich 18 bin, gehe ich wählen. Zu jedem Volksentscheid, zu jeder Landtagswahl, zu jedem Bundestag. Immer wußte ich, was ich wählen möchte. Dieses Jahr bin ich wirklich verzweifelt weil ich es immer noch nicht sicher weiß. Ich weiß nur sicher welche Parteien ich nicht wählen will. Ich versuche mir Schwerpunkte zu suchen. Familienpolitik. Umweltpolitik. Netzpolitik. Dann habe ich einigermaßen eine Entscheidung getroffen und lese in den Wahlprogrammen weiter, schaue mir an was meine KandidatInnen dazu sagen, aber dann lese ich wieder Artikel über einzelne VertreterInnen bestimmter Parteien und dann wird mir schlecht und ich denke, so eine Partei kannst du einfach nicht wählen. Egal was die für Ziele haben.

Dann liege ich in meinem Bett. Schlaflos. Denke über Demokratie nach und mir wird bewusst, wie weit das strahlende Vorbild von Demokratie und Freiheit – die USA – wie weit die von meiner Demokratieauffassung entfernt sind und wie sehr mir langsam der Glaube fehlt, dass in Deutschland in dieser Angelegenheit irgendwas besser oder anders ist.

Dann stelle ich mir vor, wie das Ganze aussieht, wenn meine Kinder groß sind, wenn doch irgendwelche 1984-Szenarien Alltag geworden sind und was mich meine Kinder dann fragen: Hast DU das gewusst damals? Warum habt ihr nichts getan?
Ich stelle mir das schrecklich vor. Und so bleibt mir in all meiner Ratlosigkeit nur an der ein oder anderen Demonstration teilzunehmen und weiter darüber zu grübeln, wen ich wählen könnte, damit sich endlich etwas ändert.

Heute auf der Freiheit statt Angst Demo hatte ich wenigstens vier Sekunden das Gefühl das Richtige zu tun. Da lief ich zufällig neben Jacob Appelbaum und er schaute erst auf mein Kind rechts an der Hand und dann auf mein Kind links an der Hand und dann lächelte er mich an. Vielleicht ist das der Kern von Demokratie. Politische Verantwortung zu übernehmen. Für sich und auch für die Zukunft der eigenen Kinder.