Deutsch lernen, eine Lebensaufgabe

Im zarten Alter von ca. 26 erfuhr ich erstmalig, dass ich unter begrenzten Sprachverwirrungen leide. Da hat mir nämlich endlich jemand gesagt, dass es nicht heißt: Fenster (singular) Fenstern (Plural).
26 Jahre lang habe ich meine Umgebung aufgefordert „… bitte mal die Fenstern zuzumachen“.
Im Jahr darauf versuchte ich das Wort inbunganommen zu schreiben und stellte fest, dass es sich vermutlich um die Wortkombination „Im Grunde genommen“ handelt. Auch hier hat meine Umwelt nicht rechtzeitig interveniert.
Mit fast 28 wagte es jemand, mir mal mitzuteilen dass es nicht heißt „Ich habe das Makening Of des Filmes XY gesehen“.
Gestern habe ich gelernt das Wort wohlmöglich gibt es gar nicht. Das Wort heißt absurderweise womöglich und meint, obwohl doch eindeutig auf einen Ort – wo? verwiesen wird, möglicherweise.
So ist das, wenn man als unschuldiges und ahnungsloses Ausländerkind in einem fremden Land aufwächst.

20 Gedanken zu „Deutsch lernen, eine Lebensaufgabe“

  1. Ach ja. Die Eifel. Gott sei Dank bin ich Ausländerkind, denn sonst hätte ich wohl nie Hochdeutsch – bzw. eine ausländische Abwandlung davon gelernt. Leute aus meiner Schule, die nur „Datt“ und „Watt“ sagen KONNTEN, taten mir leid.
    Bis man mir mal sagte, ich spräche Rheinisch. Wenn auch nur von der Melodie. Aber an einem Wort hört man es immer wieder: „mantschmahl“. Außerdem wurde ich von gewissen intellektuellen Eltern für meine derbe Ausdrucksweise verpönt, was zum Großteil daran lag, dass meine Mutter eine recht derbe Ausdrucksweise an den Tag legte, da sie die „schlimmen“ Worte nicht einschätzen konnte. Das ist auch heute noch so…

    Bis zum Abitur hatte ich allerdings meine Rechtschreibung und Interpunktion nahezu perfektioniert. Dann kam die Reform. So ist das Leben.

  2. Bis vor ganz kurzem dachte ich ernsthaft, der Name „Biennale“ leitete sich von der Schweizer Stadt Bienne ab.

    Ganz plötzlich erschloss es sich mir aber, dass diese Veranstaltungen so heißen, weil sie alle 2 Jahre stattfinden.

  3. zumal vulkanausbrüche kurz bevorstehen.. alle 10.000 Jahr solls da ordentlich RRRRRRRRUUUUUUUUUUUUMMMS machen!

  4. „übrigens“ war auch immer ein Wort, dass ich mit „d“ schrieb, genauso wie nirgends, schrieb ich dafür immer ohne „d“. Ich weiß auch nicht ob es „zur Zeit“ oder „zurzeit“ heißt. Hat man überhaupt noch die Wahl „Phantasie“ mit „ph“ zu schreiben oder wäre es dann falsch und müsste, seit es die „neue“ Rechtschreibung gibt, richtigerweise „Fantasie“ geschrieben werden?

    Gegen Dialekte habe ich solange nichts, solange die Leute die sie sprechen hochdeutschfähig sind.

  5. Ich habe 22 Jahre lang unkorrigierterweise geglaubt es hieße umbedingt (mit m!). Viele Menschen sprechen das auch so aus – und ich kann mich nicht erinnern in einer Klausur das korrigiert bekommen zu haben.

  6. man muss nicht unbedingt als ausländerkind hier aufwachsen, um jahre später darüber aufgeklärt zu werden, dass „grundlegenden“ nicht die legenden vom meeresgrund sind, sondern etwas grundlegend anderes.

  7. So ähnlich geht es mir auch, vom Schwäbischen über Ostrfriesenplatt zum Moselfränkischen mit Kölneinschlag habe ich alles durchlebt und ich weiß es nun genau: es gibt kein Deutsch.Überall ist alles anders, nur die Tagesschau vermittelt die Illusionen, wir sprächen alle gleich und meinten dasselbe. Pustekuchen!

  8. @Fräulein Wunder:
    Hör mir mit der Eifel auf. Ich, der gebürtiger Ost-Westfale und damit rein Hochdeutscher ist, der die letzten drei Jahre im tiefsten Allgäu und davor 3 Jahre im Schwabenländle lebte, ausgerechnet mich hat es seit Januar in die Eifel verschlagen. Und der Dialekt ist echt seltsam. Das ist wie Kölsch mit irgendwas anderem vermischt :)

  9. in der Eifel, wo ich herkomme, auch sehr gern genommen: „plau“, „krün“ und „Fernsehenpokramm“. Erst an der Uni vor zehn Jahren hat mich ein Dozent zur Seite genommen und mir gesagt, dass ich ganz, ganz ehrlich kein Hochdeutsch spreche.

  10. Ich bin auf meine alten Tage gerade dabei, Latein zu lernen, weil ich immer über Wörter mit lateinischem Ursprung stolpere :)

    Naja, und dann gibt es noch dieses „H“-Problem bei einigen Wörtern (Rhytmus, Rythmus oder Rhythmus – was ist richtig?). Und die neue Rechtschreibung macht es auch nicht besser. So weigere ich mich auch weiterhin den Delfin anzuerkennen und mein Portemonnaie bleibt französischen Ursprungs.
    Bin halt zu alt und zu stur, um mich da noch ändern zu lassen.

  11. Lebenswandel:

    Erst in diesem Jahr und damit in meinem 27 Lebensjahr habe ich erfahren, dass es „die Art zu Leben“ bedeutet und nicht (!) den „Wechsel des Lebensstils“ also von gesund zu ungesund.

    Vor ein paar Jahren dachte ich auch noch, dass man „paar“ sowohl mit 2 aa als auch mit 2 rr schreibt, je nach Bedeutung (Ein paar Schuhe und faelschlicherweise „ein parr Leute“)

    ;-)

  12. Mein Liebling ist immer noch Desoxyribonukleinsäure. Immerhin heisst das umgekehrt wohlklingend „Eruäsnielkunobiryxosed“, auch SND genannt.

    Ich habe herausgefunden, dass die Deutsche Sprache um so schwieriger wird, je weniger man sich damit befasst. Oder heisst es, desto weniger? Wie dem auch trotz, nichts desto sei ists heut Sonnig (mit ’s‘) draussen.

    Grüssgott!

    (PS: Aspirin wär ich jetzt auch für zu haben)

  13. ohja, das kenne ich. ich kann bis heute noch nicht Azetü… Acetylslcyl… Acetylsalicü… ach, scheiß der Hund drauf! Ich kann immerhin Aspirin schreiben.

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