Faule Eltern, faule Ehefrauen, faule Menschen

Auf Twitter kann man sich unter dem Hashtag #fauleEltern ein paar Inspirationen holen, wie man sich das Leben als Eltern leichter machen kann. Persönlich gehöre ich auch zu den faulen Eltern, denn faule Eltern sind entspanntere Eltern und das ist gut für Kind und Elter. Ich habe dazu unter dem Stichwort „Gesignation“ schon mal geschrieben. Nach mehr als einem Jahrzehnt Kinder bin ich irgendwo zwischen Gelassenheit und Resignation stecken geblieben.

Der erste Schritt in Richtung Entspannung war tatsächlich zu hinterfragen, warum ich so oft „nein“ sage, wenn die Kinder was wollen. Ich musste feststellen, dass es sich sehr oft um ein Reflex-nein handelte. Nein, weil man es nicht so macht. Nein, weil es eine Vorerfahrung gab, die mich die Erfahrung nicht wiederholen lassen wollten. Nein, weil ich dachte durch ein „ja“ in irgendwas involviert zu sein, das ich gerade nicht machen wollte. Wenn die Kinder jetzt fragen, denke ich erst intensiv darüber nach, was WIRKLICH dagegen spricht.

„Darf ich Experimente mit Eis machen? Ich würde gerne Perlen, Nudeln, Gummibärchen und Socken einfrieren.“

„Nein.“

Warum nein? Nein, weil meine Erfahrung gezeigt hat, dass die Küche dann unordentlich hinterlassen wird oder weil ich dann monatelang eingefrorene Socken im Tiefkühler habe. Also sage ich: „Ja, klar, aber die Küche sieht nach dem Experiment wieder so aus wie vorher und die Sachen bleiben maximal vier Wochen im Eisfach.“

„Ok“

Klappt in 80% der Fälle. In den anderen 20% rufe ich die Kinder erneut und zeige schweigend aufs Chaos.

Meistens kann ich aber auch einfach so „ja“ sagen. Und wenn nicht „Kann ich Pommes beim fernsehen essen?“, dann erläutere ich eben auch, warum ich das nicht will: „Wir sehen uns tagsüber so wenig, ich möchte abends mit euch gemeinsam essen und nicht dabei fernsehen.“

Reden hilft.

Ansonsten eben „ja“. „Ja“ verbraucht viel weniger Energie als „Nein“. Meine Energie ist begrenzt also „ja“ und „nein“ nur wohldosiert. Wenn ich bei Twitter die #fauleEltern Antworten durchlese, geht es da meistens auch ums Energiesparen.

Besonders energiesparend ist ein generelles „Ja“. Es gibt Dinge, die sind einfach erlaubt bei uns. Sind die Schulsachen erledigt, dürfen die Kinder z.B. immer Besuch empfangen oder Freund/innen besuchen gehen. Sie müssen nicht mehr fragen, sie müssen nur sicherstellen, dass ich weiß, wo sie sind.

Nachdem ich das verstanden habe, richte ich mich immer mehr im Alltag nach diesem Vorsatz des Energiesparens aus. Es gibt auch super Haushaltstipps, die Energie sparen.

Ich drehe Sachen beim Waschen und Aufhängen nicht um. Ich wasche und hänge auf, wie die Kinder die Sachen in den Wäschekorb werfen. So hänge ich sie auch wieder ab und falte sie. Rumdrehen können sie dann selbst beim Anziehen oder es fällt ihnen irgendwann auf und sie drehen die Sachen gleich nach dem Ausziehen richtig rum und werfen sie in die Wäsche. Total banal, spart aber viel Zeit und Energie.

Irgendwo habe ich mal von Schlüpper- und Sockenkisten gelesen. Man faltet nicht, sondern wirft die Sachen trocken rein. Klingt auch gut.

Ich bügle nur Blusen, die ich im Büro trage. Alles andere wird gar nicht gebügelt oder 10 min in den Trockner geworfen und kommt dann an den Wäscheständer. Sieht fast aus wie gebügelt.

So wird auch klar: Es geht nicht ums Faulsein, sondern darum lästige Alltagsaufgaben möglichst effizient und angenehm zu gestalten und v.a. auch zu priorisieren. Man schaut sich das große Schlachtfeld „Haushalt und Kinder“ an und überlegt dann, welche Schlacht man führt, welche nicht und nach welchem Maßstab.

Es gibt so viele Wege, sich das Leben ein bisschen einfacher zu machen. Ich freue mich deswegen immer, wenn Menschen mir von ihren Energiespartipps berichten wie hier Max z.B.:

„Wenn wir aus einem mehrwöchigem Urlaub wieder kommen, gehen wir zum Waschsaloon und machen etliche Maschinen voll und gehen während des Waschens nebenan Essen. Nach 45 min wird in die Trockner umgeladen und es gibt Nachtisch und im Anschluss wird zusammen die Wäsche gelegt. => Wir haben keinen tagelangen/wochenlangen Stress die Wäscheberge weg zu bekommen.“

Habt ihr noch mehr solche tollen Tipps oder wie man heutzutage sagt: „Hacks“? Dann lasst sie mich wissen!

58 Gedanken zu „Faule Eltern, faule Ehefrauen, faule Menschen“

  1. Küche und Bad werden manche Woche nicht gewischt, sondern nur gefegt. Gerade in der Küche sind’s doch nur Brotkrümel, da reicht das.

  2. Bei uns landet gerade im Winter fast alle Wäsche im Trockner. Das spart nicht nur einen Arbeitsschritt, sondern man bekommt die Sachen auch am gleichen Tag weg geräumt. Den Platz für den Wascheständer spart man obendrein.

    In der Küche schaffen wir nach Möglichkeit keine Sachen mehr an die nicht in die Spülmaschine können, das betrifft Tassen, Brotdosen, Trinkflaschen etc. Wir sind deshalb (unter anderem) auch von einer Espressokanne zu einer Siebträgermaschine umgestiegen.

    Last but not least haben wir uns vor einem Jahr einen Staubsaugerroboter geleistet, der inzwischen regelmäßig durch die Wohnung fährt. Gerade im Winter mit dem ganzen Rollsplitt ist das eine echte Hilfe.

  3. Wenn ich mit dem Kochen beginne, lasse ich auch immer Spülwasser ein. Alle Utensilien, die nicht in die Spülmaschine gehören (z.B. Holzbretter, beschichtete Pfannen und scharfe Messer) spüle ich beim Kochen nebenher und so ist – wenn das Essen fertig ist – auch die Küche wieder fit.

    Die Teenis kriegen die Wäsche auch in Körben ins Zimmer gestellt und gebügelte Sachen muss man sich extra bestellen (gilt auch für die Frau).

    Wir haben auch etwas (geerbtes) Silberbesteck. Das wird nicht mühsam geputzt, sondern einfach kurz in Kochsalzlösung mit Alufolie eingelegt. Das revidiert den Oxidationsprozess und die Sachen sehen dann aus wie neu.

  4. Ich spiele nicht mit meinem Kind. Wir machen zusammen sinnvolle Sachen (Haushalt, Erledigungen) oder Sachen, die uns beiden Spaß machen.
    Aber nur ganz direkter Druck bringt mich zu Brettspielen oder Spielzeug. Spielen kann er allein oder mit anderen Kindern.

  5. Bei uns ist ein Weg zur Entspannung tatsächlich (unter der Woche) getrennt frühstücken: ein Kind wacht auf, geht direkt zum Esstisch und fängt an zu essen (vorbereitet), das andere bleibt bis auf die letzte Minute im Bett und geht ungefrühstückt aus dem Haus. Ich mache mir Kaffee während das erste Kind schon isst. Jede andere Variante würde bei einem der Kinder zu Geheule führen, das brauche ich wirklich nicht morgens um 7. (Am Wochenende frühstückt das eine Kind einfach doppelt: sofort nach dem aufstehen und eine halbe bis Stunde später mit allen zusammen.)

    Zur allgemeinen Faulheit: wir haben 3 Wäschekörbe in der die Wäsche direkt in den „Waschfraktionen“ gesammelt wird. Ein knapp voller Korb ist eine Wäscheladung und bereits die 4jährige weiß, links Lappen, Mitte bunt, rechts schwarz und die dazugehörigen Waschtemperaturen. Die gesparte Zeit ist jetzt nicht enorm, aber ich sehe auf einen Blick, was bereits genug für eine Maschine ist und kann es ohne weiteres Sortieren einfach rein kippen.

    1. Ich finde abgesehen von der gesparten Zeit den Vorteil enorm,
      dass man Dinge (hier Wäsche) nicht zwei Mal anfassen muss.
      Meist bleibt das zweite Anfassen (sortieren) ja doch an der immer gleichen Person hängen.

      Das ist wie leere Tetrapacks auf den Mülleimer stellen, schmutziges Geschirr auf die Waschmaschine.
      gleich fertig (auf-/weg-/ein)räumen spart in Summe Zeit und Nerven.

      Das es hauptsächlich immer meine Zeit und Nerven sind, die gespart werden (würden),
      steht auf einem anderen Blatt.

  6. Ich habe einen festen Wäschetag (aus Gründen der bezahlten Arbeitszeiten). Was an dem Tag in der Wäschetonne ist, wird gewaschen. Alles andere darf eine Woche länger auf dem Boden der Teeniezimmer vor sich hin müffeln.
    Ich drehe auch keine Kleidungsstücke um und packe für jede Person des Haushalts die fertige Wäsche in einen Korb, den ich in die jeweiligen Zimmer stelle. Am nächsten Wäschetag brauche ich die Körbe und hole sie mir wieder… zur Not, indem ich den Inhalt aufs Bett des Besitzers kippe.
    In der ersten Zeit habe ich an den Wäschetag erinnert, jetzt wissen alle Bescheid. Ich quatsche mir nicht mehr den Mund fusselig und niemand beschwert sich (wenn ich es hören kann…) über nicht gewaschene Lieblingsstücke. Klappt!

  7. Bei uns hat jeder Erwachsene irgendwann mal 100.000 identische Socken gekauft, die sich deutlich von den Socken des anderen Erwachsenen unterscheiden. Kein Gefiesel mehr, welche Socken zu welchen anderen Socken passen, keine mühsame Vergleiche, wem welche Socken gehören, juhuuuu!
    Das Kind trägt bunt und leicht unterscheidbar, das geht dann noch.

    1. HA.
      In meiner Herkunftsfamilie wurde Unterwäsche nicht nur gefaltet (mehrmals), sondern auch gebügelt. Und Socken auch. Jeder einzelne Socken wurde gebügelt. Warum, hab ich nie verstanden, aber jegliche Reformversuche wurden brutal abgewürgt.

      1. Unterwäsche Bügeln hatte ursprünglich hygienische Gründe, um Bakterien und Co abzutöten.
        Wenn man nur Klat und mit dem Waschbrett beschrubbert hat und so.

        Das perfekte Argument, es jetzt nicht mehr zu tun!

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