Für die Einführung von Väter-Quoten

Wenn man seine Zeit regelmäßig mit dem Besuch von Krabbelgruppen verbringt, wird eines schnell klar: Melting Pot und alle Konzepte von gesellschaftlicher Assimilation oder Integration sind und bleiben Träume.
Es scheitert nämlich schon an der Vermischung von Krabbelgruppenvätern und Krabbelgruppenmüttern. Vielleicht würde hier eine Väter-Quote eine Änderung bringen?
Vor vier Jahren noch gab es auf jede zehnte Krabbelstunde einen Papaexoten. Die Leiterinnen haben ihn meist minütlich gelobt und stets in den Vordergrund gestellt, dass es total toll sei, dass die Papis jetzt auch massieren, schwimmen, singen und krabbeln.
Jetzt sehe ich eigentlich in jeder Runde mehrere Väter. Im Grunde hat sich aber nichts geändert. Sie sind jetzt nur keine Einzelexoten mehr sondern Gruppenexoten.
Es gibt Papaecken, in die sich selbige verziehen und von dort aus werden sie von den Mamas beäugt. Machen die auch alles richtig? Was ziehen sie den Kindern an? (Viel zu warm! Viel zu kalt! Diese Farbzusammenstellung!) Spielen die auch richtig mit den Kleinen? (Viel zu viel! Viel zu wenig! Viel zu wild!) Was gibt’s zu essen? (Viel zu ungesund! Viel zu wenig! Viel zu früh!)
Die Liste der bösartigen Beäugungen ließe sich beliebig fortsetzen. Und sollte es wider Erwarten einen Vater geben, der von den Verhaltensweisen der Mütter kaum abweicht, bleibt ja noch eines: Warum macht der eigentlich Elternzeit? Ist der arbeitslos? Was ist das überhaupt für ein Luschi?
Väter haben es echt nicht leicht. Das was in der Jobwelt Frauen widerfährt, bekommen sie eins zu eins im Kreise der Kinderentertainmentrunden zurück.
Chancen zur Integration gibt es kaum. Grenzen zwischen den Geschlechtern zu überschreiten ist nicht möglich, weil es das unausgesprochene Verbot gibt, Frauen anzusprechen. Wehe es wird übertreten! Was will der jetzt? Soll das eine Anmache sein? Was sagt seine Frau dazu? Noch schlimmer: Hat der überhaupt eine? Armes Kind!
Liebe Mütter, ich fordere hiermit auf: Öffnet Eure Herzen! Grüßt die Papas. Es sind auch nur Menschen.

13 Gedanken zu „Für die Einführung von Väter-Quoten“

  1. @anja: finde ich gar nicht. Denn die Krabbelpapa kritisierenden Frauen schießen sich doch damit eigentlich selbst ins Knie (oder rechtfertigen ihr Dasein? k.A.).

    Mich nervt das alles, diese gesellschaftliche Zwangsjacke, in der jeder – ob Mann oder Frau – ständig und zwangsläufig alles falsch macht. Als Frau ist man Rabenmutter (weil berufstätig), gescheitertes Hausmütterchen (weil nicht berufstätig) oder kaltherziges Karriereweib (weil kinderlos), als Mann dann arme Wurst (weil kinderlos), Luschi (kümmert sich um die Kinder, wie unmännlich!) und zum Teil leider immer noch toller Hecht (weil 70h Woche und ein paar Kinder, die dann natürlich von der Rabenmutter oder dem Hausmütterchen versorgt werden). Ich finde es furchtbar, dass es offenbar immer noch keine Selbstverständlichkeit ist, dass sich erstens beide Partner in irgendeiner Form um die Kinder kümmern, dass es zweitens vollkommen deren Sache ist, wie sie die Betreuung ihrer Kindern gestalten und aufteilen und dass der Umgang anderer Leute mit ihrem Nachwuchs drittens offenbar bis heute ein Thema ist, zu dem jeder Außenstehende irgendeine und meistens auch noch missbilligende Meinung hat. Manchmal frage ich mich – besonders auf die im Text beschriebenen, alles argwöhnisch beäugenden Weiber bezogen – ob die eigentlich nichts bessseres zu tun haben oder ihr eigenes Dasein dadurch aufwerten müssen, dass sie an anderen Paaren herum kritisieren.

  2. Also meinen Mann würde ich so etwas nicht zumuten. Dafür lieb ich ihn zu sehr. :-) Der macht schon genügend andere Dinge, irgendwas muss ja auch eine Frauendomäne bleiben dürfen.

  3. Haha, Gleichberechtigung für die Krabbelgruppe. Ich schmeiss mich weg. Ja Frau Mueller sagt wie es oft ist. So ist es halt, aber das ist auch OK. :-)

  4. Ja, so kompliziert kann das Leben sein. Aber niemals aufgeben. Auf ihr Väter ab in die Krabbelgruppen. Krabbelt was das Zeug hält. Und irgendwann kommt die so schwer ersehnte Gleichberechtigung automatisch. ;)

  5. die mama wird wohl essen kochen weil der papa und die kinners soviel futtern^^

    wie bereits erwähnt frau nuf, melde ich mich zurück nachdem ich jeden einzelnen eintrag gelesen belacht und weggescrollt habe^^
    danke für die letzten wochen belustigung und fleißig weiterschreiben^^

  6. Sie haben einen Punkt vergessen:
    Wo ist eigentlich die Mama? Und wieso lässt sie das überhaupt zu, dass der Papa sich kümmern darf, wenn sie doch weiß, dass der Papa, zu wild, zu viel, zu wenig…

  7. Tja… Gleichmacherei im Job ist Illusion… Genauso ist Gleichheit in der Krabbelgrupe Illusion…

    Man tut sich erheblich leichter, wenn man akzeptiert, dass Männer und Frauen nicht gleich sein.

    Gruß
    Joe

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  • Berliner Blogs im Wikio-Ranking Mai 2011 – Von Stefan Stahlbaum

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