Nur lautloses Spielzeug ist gutes Spielzeug

Es gibt Spielzeug, das schenkt man den Kindern anderer Leute nur, wenn man sie im Grunde nicht leiden kann. Also die Eltern. Spielsachen, die einen zu Tode erschrecken zum Beispiel.
Ich persönlich erschrecke mich oft vor dem Tiptoistift. Den mögen die Kinder so gerne, dass sie ihn sogar morgens vor dem Kindergarten und der Schule benutzen. Nur stellen sie ihn nie aus.
Die Kinder gehen dann los und ich bin manchmal noch zuhause. Alleine. Genieße die Stille in der Wohnung und plötzlich sagt hinter mir eine Stimme: „ICH SCHALTE MICH JETZT AUTOMATISCH AB!“
Da rutscht mir das Herz in die Hose und ich falle fast vom Stuhl oder ich spucke vor Schreck meinen Kaffee auf den Küchentisch.
Solche Spielzeuge gibt es in vielen Varianten.
Kind 2.0 hat mal so eine Puppe bekommen, die geweint (besser gesagt: hysterisch geschrieen) hat, wenn man ihr den Schnuller rauszog. Schlimm war die. Endlos Batterie. Üäääh! UUUÄÄÄÄÄHHHHH! Wenn das eigene Kind aus dem Babyalter gerade erst raus ist, dann neigt man zu echtem Mitleid mit solchen Puppen. Im Reflex trägt man sie auch herum oder man schaukelt sie ein bisschen. Irgendwann ist man genervt und möchte dass die Puppe aufhört. Den Kindern scheint das Geschrei gar nichts zu bedeuten. Nicht mal als reiner Schalldruck. Sie spielen mit ihr. Ziehen den Schnuller raus und wenden sich einer anderen Sache zu. Da liegt die Puppe am Boden und schreit und schreit.
Ich habs irgendwann nicht mehr ausgehalten und die Puppe in den Keller getragen und sie ohne Schnuller in einen Karton geworfen.
Endlich Ruhe!
Ahhh.
Die Puppe nahm schreckliche Rache.
Als ich das nächste Mal durch den Keller lief und in den Kisten nach irgendwas suchte, hörte ich plötzlich ein leises Wimmern. Ich bin fast ohnmächtig geworden. In Panik suchte ich nach dem Baby, das eine herzlose Mutter in meinem Keller zurückgelassen hatte. Wääääh! Sehr schwach war das Weinen nur noch.
Zitternd wühlte ich in der Kiste und fand … natürlich die schreckliche Babypuppe.
IK HASSE SPRECHENDES UND WEINENDES SPIELZEUG!

24 Gedanken zu „Nur lautloses Spielzeug ist gutes Spielzeug“

  1. Hatten diese Puppe auch, aber glücklicherweise auch eine technisch versierte ältere Schwester, die in einem passenden Moment die Batterie entfernt hat. Jetzt ist die Puppe leider ein bisschen ‚kaputt‘, aber lässt sich noch prima bespielen. Leider fehlt jetzt aber der Auslöser für die ganz spannenden Momente. Vielleicht bauen wir sie doch wieder ein?

  2. Vor Lachen weinend liege ich hier auf der Couch. Der Mann will auch hören, warum ich so lache, und lacht dann beim Vorlesen laut. Ich habe dann U 8 und den Pobeißer nachgeschoben. Göttlich!!
    Die Kommentare toppen das alles noch, dankeschön allen sprechenden Geräten.
    Mir geht es so mit den Handys aus der Bekanntschaft, alles Menschen mit Landliebe.
    Da sitzt man in aller Seelenruhe da und denkt an nicht Böses, und plötzlich kommt aus einer unbelebten Ecke ein lautes „KICKERIKIEEE“ oder ein “ MÄÄÄÄH“.
    Eine Schrecksekunde lang sucht man das Tier dazu.

  3. Mein Tipp: durchsichtes kräftiges Klebeband … unauffällig über die Lautsprecherlöcher kleben. Seitdem ist der köchelnde Spielzeugherd erträglich … (und Kind 2.0 hat’s noch nicht gemerkt.

  4. Oh ja. Das Bügeleisen in rosa (!), das ohne Unterlass „Für Elise“ kreischte. Die Nichte bestand auf dem Eingeschaltetsein- so wanderten wir samt dudelndem Kind durch Aachen. Bis der Schwager dann Bauschaum in das Ding gespritzt hat, da wurde es so leise, dass es niemanden mehr störte.

  5. Ich biete eine Plüschente, die „Old McDonalds hat ’ne Farm“ gequakt hat – leider ist dem armen Tierchen eines durchquakten Nachmittages das Batteriefach abhanden gekommen. Ich hatte blutende Ohren, Mordgedanken, eine Schere und einen letzten Rest Selbstbeherrschung. Ohne letzteres hätte ich mich ins Auto gesetzt und dem Schenker das quakende Elend zwischen Leber rund Milz platziert.

  6. Ahhhhh, grossartig. Da habe ich auch eine Geschichte:
    Mein Mann war auf Dienstreise, Kind2 kam irgendwann ins Bett gekrabbelt, nach einiger Zeit krabbelte es wieder ins Kinderzimmer, ich war ob des Gekrabbels im Halbschlaf, da ertönte „KUCKUCK, ICH SEH DICH!“. Der irre Axtmörder. Der wahnsinnige Stalker.
    Nein, es war das Fisherprice-Lernspasshündchen.
    Das Adrenalin hat mich noch Stunden wachgehalten…

  7. Wir hatten viel Spaß mit „Robbie dem rasenden Rasenmäher“. Der sagte immer so irrwitzige Sachen wie „Ich düse über das Gemüse“ und sowas. Sohnemann liebte ihn abgöttisch und gönnte ihm ein ausgiebiges Sport- und Wellnessprogramm.

    Im Paket inbegriffen waren ausgedehnte Spaziergänge über Kopfsteinpflaster, Sandkistenschlammbäder oder der dreifach gewickelte Axel mit anschließender harter Telemarklandung.
    Das alles wirkte sich irgendwie kontraproduktiv auf das elektronische Innenleben aus.
    Als wir ihn eines Tages wieder anstellten, redete er plötzlich siebenmal so schnell wie üblich. Wir haben uns beömmelt und schwelgen auch heute noch, nach seinem doch relativ schnellen Ableben, in humorvollen Erinnerungen.

  8. Meine Mutter beging ein Mal den Fehler, meiner Nichte (damals 1,5 Jahre alt) einen Polizeihubschrauber zu schenken, der eine Sirene mit verschiedenen Sirenentönen hatte. Meine Nichte war so begeistert, dass dieser Hubschrauber eine Zeit lang öfters am Morgen mit ins Familienbett musste. Meine Schwester und mein Schwager sind diverse Male knapp am Herzinfarkt vorbei geschrammt, weil sie von der Sirene sehr plötzlich und laut begrüßt wurden.
    Seitdem sind Geräusch-Spielzeuge als Geschenke verboten.

  9. Meine Tochter bekam einmal so einen Plastikball, der sich selbst durch due Gegend rollt, dabei unmögliche Musik macht und auf Knopfdruck irgendwelche Zahlen, Farben und Formen benennt. Ich fand das Ding schrecklich. Meine Tochter hatte ihren Spaß daran. Bis sie nach ein paar Tagen den „Ball“ nahm und damit warf. Tja … seitdem nur noch keises Geduddel und kein Rollen mehr. Landete daraufhin in der Ecke und wurde nicht mehr beachtet. Mein Glück!

  10. Wir hatten mal ein sprechendes Buch (Uroma-Geschenk). Das stand im Regal und fragte urplötzlich abends, wenn man ermattet auf dem Sofa saß und die Stille genoss, mit blecherner Stimme: „Wie viele Schweinchen kannst du auf dem Bild erkennen?“ Völlig surreale Situation – vor allem, wenn sich mal Besuch bei uns verirrt hat ;-) …

  11. Ich habe schon wieder Bauchschmerzen…
    Man kann den Eindruck bekommen, dass die Spielzeugindustrie Eltern nicht besonders gut leiden kann. Und dass, wo Ihr die doch finanziert?

  12. Spielzeug mit Geräuschen ist echt schlimm! Meine Nichte hat mal eine E-Gitarre bekommen die, sehr echt, losspielte sobald man nur vorsichtig eine Seite berührte. Und die hörte auch gefühlte fünf Minuten nicht mehr auf… Einen Ausschalter gab es nicht. Irgendwann ist wohl nachts mal eine Maus auf die Seiten gekommen und das Ding plärrte los.
    Mittlerweile haben wir das Ding geerbt. Das erste, was ich gemacht habe ist die Batterien zu entfernen! Einmal hat meine Tochter gefragt, ob ich die Gitarre mal anschalten könnte. Nach kurzer Zeit kam sie wieder und sagte: „Nimm bloß die Batterien wieder raus, das hält ja keiner aus“

  13. Hahaha! Ich lieg schon wieder in der Ecke! Diesen ‚Der Stift schaltet sich in einer Minute automatisch ab‘ -Schock kenn ich nur zu gut! Ich persönlich HASSE allerdings sämtliche Autos mit Sirenen! Ach so! Und dann haben wir noch so einen wundervollen Spieltisch mit Wackelkontakt, der auch gerne mal mitten in der Nacht anfängt zu bimmeln! :)

  14. Danke! Habe mich kringelig gelacht.

    Wir hätten ein sprechendes Spielzeughandy.
    Nach einem wunderbaren Tag mit einem trotrotzigen 3jährigen, saß ich auf dem Sofa und genoss die Stille.
    Auf einmal schallt es „komm spiel mit mir“ aus dem Flur.
    Ich hatte echt Herzrasen, bis ich es zuordnen konnte.

    Das Polizeiauto vom letzten Geburtstag habe ich sofort gespendet.

  15. Und bei Erwachsenen machen so etwas das Navi oder das Phone – darüber werde ich in Kürze berichten. Wahrscheinlich soll das der strafende Ausgleich für mich sein, weil ich in meiner Mamazeit vor solchen Spielsachen verschont wurde.

  16. Wir haben Schreisäcke und Plastikgespenster, die auf Bewegung reagieren. Die Katze findet das toll.
    Ich finde es eher gruselig, wenn sie die Teile zum plärren bringt und ich alleine zuhause bin.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Mehr als 5x können Sie in einem Monat nicht kommentieren. So sorry! Ist das Gegenteil der Fall und sie möchten einen Kommentar hinterlassen, wissen aber nicht, was sie schreiben sollen, dann nutzen Sie den KOMMENTAROMAT! Ein Klick auf einen der Buttons unten trägt automatisch die gewählte Reaktion in das Kommentarfeld ein. Sie müssen nur noch die Pflichtfelder "Name" und "E-Mail" ausfüllen und den Kommentar abschicken