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Auch mir wurde ein Stöckchen zugeworfen :

1. Welches Buch hat es aus deiner Sicht verdient, auswendig gelernt zu werden?
Ulyssess, dann wäre nachweisbar, dass dieses Monster überhaupt schon einmal komplett gelesen worden ist. Ansonsten arbeitere ich daran, die „Kurze Lebensläufe der Idoiten“ von Ermanno Cavazzoni auswendig zu lernen, um sie allen, die das Buch nicht gelesen haben, erzählen zu können.

2. Leidest du mit den Charakteren im Buch?
Kommt darauf an, woran sie leiden. Für Hysterie und andere Zustände des Wahnsinns bin ich anfällig.

3. Was hast du als letztes Buch gekauft?
The Enchantment of Lily Dahl, Siri Husdvedt

4. Das letzte Buch, was du gelesen hast?
Last Chance to see, Douglas Adams, Mark Carwardine

5. Welches Buch liest du gerade?
Long Dark Tea Time of the Soul, Douglas Adams
Der weiße Neger Wumbaba, Axel Hacke

6. Welches ist Dein liebster Klassiker (vor mindestens 50 Jahren veröffentlicht)?
Die Gelehrtenrepublik, sofern das in diese Kategorie gehört (?), Arno Schmidt

7. Welches Buch hast Du mehr als 2 Mal gelesen?
Einsam, Zweisam, Dreisam, Thommie Bayer
Ein Amerikaner kommt nach Tokyo, Dave Barry
Da schaue ich immer wieder gerne rein: Des Teufels kleines Wörterbuch, Ambrose Bierce
Generell habe ich mit dem zwei Mal lesen aber nach der Pubertät aufgehört. Es gibt so viele Bücher, warum soll ich eines davon zwei Mal lesen?

8. Fünf Bücher, die du auf einer einsamen Insel zurücklassen würdest.
Also Bücher aus denen man Feuer machen kann?
Alle Lebenshilferatgeber, vor allem die hippen.
Alle Schlaumeierbücher, allen voran: Zwiebelfischpseudohüter der deutschen Sprache, Spaßbremse Bastian Sick.

9. Wenn man Dich 3 Wochen in eine Mönchszelle in Klausur stecken würde, und Du darfst nur 3 Bücher mitnehmen, welche drei Titel würdest Du wählen?
Das Gleichgewicht der Welt, Rohinton Mistry
Everything is Illuminated, Jonathan Safran Foer
Schiffbruch mit Tiger, Yann Martel
Dann würde ich diese langweiligen Bücher vielleicht auch endlich mal zuende lesen…

10. Welche Kinderbücher magst du noch?
Am Samstag kam das Sams zurück, Paul Maar
Die kleine Hexe, Otfried Preußler
Sophiechen und der Riese, Roald Dahl

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Nach nur 24 Stunden ist mir jetzt endlich eingefallen, was ich gestern schreiben wollte, bevor ich mich quasi schreiberisch verlaufen hatte als ich über das Verlaufen schrub. Ich wollte schreiben, dass ich, nachdem ich mir vor siebzehn Jahren das linke Bein mehrere Male gebrochen hatte, wie eine Rentnerin Wetterumschwünge im Knochen vorausspüren kann. Herr Kachelmann könnte demzufolge täglich bei mir anrufen und mich fragen, was mein Knochen perspektivisch zu den Temperaturen in den kommenden Tagen zu sagen hat. Nachdem ich Montags also Beinschmerzen hatte, war mir Dienstag Abend klar, dass es nun endlich Sommer werden würde.
Als ich Abends vom Kino in die U-Bahn stieg, entschied ich mich, einige Stationen vor meinem eigentlichen Ziel auszusteigen und zu Fuß nach Hause zu laufen, weil das Abteil mal wieder bestialisch nach „geruchsbelästigenden Verunreinigungen“ (so nennt man das bei uns im Fachjargon) stank.
Ich verließ folglich Hausvoigteiplatz den Untergrund und wanderte durchs nächtliche Mitte.
Zum einen fiel mir dabei auf, dass ich in Berlin nachts eigentlich noch nie Angst hatte – was ich von Bamberg nicht sagen könnte. Dort gruselte ich mich auf nächtlichen Heimwegen grundsätzlich. Ich war mir sicher, dass es in Bamberg zwar potenziell weniger (quantitativ) Verrückte gab, dass aber jeder Verrückte deutlich verrückter (qualitativ) als die Verrückten in Großstädten ist. Demzufolge muss man sich keine schrägen Geschichten anhören sondern wird in Bamberg gleich umgebracht – jedenfalls wenn mal was passiert.
Zum anderen scheint mein Geruchssinn nach 147 Tagen Nikotinenthaltsamkeit langsam wieder in Normalform zurückzukehren bzw. in einigen Fällen befürchtete ich schon, dass ich eine Art Supernase entwickelt habe. Das scheint mir unter Anbetracht des Umstandes, das Körperenden im fortgeschrittenerem Alter wieder beginnen zu wachsen durchaus logisch. Während ich also meine Supernase in den Wind hielt, fiel mir auf, dass die Stadt dank des Dauerregens viel besser riecht als gewöhnlich. Es duftet würziger und zum Teil kann man den Duft der Blüten der Bäume erschnüffeln. Da die Nacht lau war und man fast keine Autos mehr hören konnte, musste ich an meinen italienischen Opa denken. Dessen Hände dufteten immer nach frischen Basilikum.

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An dieser Stelle muss ich eine weitere Phobie aufgreifen. Ausnahmsweise zähle ich mich nicht zu den Betroffenen. Die Betroffenen finde ich, unter uns gesagt, ziemlich merkwürdig. Es handelt sich um den Unwillen, in einigen Fällen starken Ekel, unbehandeltes Holz anzufassen. Unbehandeltes Holz tritt im Alltag v.a. in Form von Kochlöffeln und Eisstielen in Erscheinung. Ich bitte hiermit um anonyme Meldung der Betroffenen. Meinen Besucherstatistiken zur Folge, müssten sich hier mindestens 24 Leser melden.

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Seit „Die Dolmetscherin habe ich endlich einen fünften Mann für meine TOP 5 der geifererzeugenden Männer: Sean Penn.
Er sieht so klug aus und ich mag sein Kinngrübchen. Bedauerlicherweise trägt er gerne Rotzbremse. Zum Glück habe ich seine letzten 37 Filme noch nicht gesehen, was ich ab dem Wochenende nachholen werde. Man reiche mir Taschentücher, damit ich die Spucke aus meinen Mundwinkeln wischen kann.

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Ich verlaufe mich ganz gerne. In meinem Lebenslauf steht deswegen unter Hobbys: sieben, verlaufen, KiBoTu. Das ist sehr nützlich, denn in 90% aller Fälle sprechen wir so gut drei Viertel der Zeit über meine Hobbys.
Ich verlaufe mich natürlich nicht absichtlich, aber selbst in bekannten Gefilden passiert es durchschnittlich einmal die Woche. In letzter Zeit ist ein Anstieg in der Verlaufshäufigkeit zu verzeichnen, da der Dauerregen selbst die mir vertrauten Ecken in einem Maße verändert hat, dass sie mir neu erscheinen. Es wuchern die Rosenstöcke, dass man mit Kettensägen in sie reinsägen könnte ohne den Eindruck einer üppig blühenden Hecke zu verlieren. Zwischen den Tramschienen erscheinen blühende Wiesen. An jeder Straßenecke wehen die kniehochwachsenden Gräser.
Rein rational ist nicht nachvollziehbar, warum ich in traumwandlerischer Sicherheit immer genau in die entegegengesetzte Richtung los laufe, in die ich eigentlich müsste. Als ich noch für ein EU-Projekt gearbeitet habe, konnte ich so verschiedene Städte Europas intensiv kennen lernen.
In Prag beispielsweise stellte ich fest, dass Bahnhöfe noch das sind, was sie vor zwanzig Jahren in Deutschland waren – v.a. nachts. Auf dem Stadtplan hatte ich vorher schon herausgefunden, dass ich vom hinteren Ausgang des Bahnhofs der schnurgeraden Straße Richtung Norden folgen musste, um zu meinem Hotel zu gelangen. Als ich den Hinterausgang gefunden und mich durch Prostituierte, Drogendealer und sonstige zwielichtige Gestalten geschlichen hatte, musste ich feststellen, dass die selbst für mich kaum zu verfehlende Straße eine Stadtautobahn war. Natürlich gab es keine zu Fuß begehbare Parallelstraße und so dauerte es keine fünf Minuten bis ich mich hoffnungslos verirrt hatte. Im Glauben an Europa bzw. eher in einer westlichen Arroganz war ich im Vorfeld davon ausgegangen, dass man in Prag auch mit Euro zahlen könnte, was natürlich nicht der Fall ist. Ein Taxi kam also nicht in Frage. Ich irrte und irrte und den Tränen nahe, fragte ich schließlich einen im Gesicht tätowierten Mann mit Kampfhund wie ich in das Hotel käme. Durch Gestiken versicherte er mir, dass ich ausschließlich mit der Untergrundbahn dorthin kommen könnte. Die U-Bahn koste aber 6 Kronen. Vermutlich konnte er keine Tränen ertragen und schenkte mir deswegen das Geld bevor er mich an die Hand nahm, mich zur U-Bahn begleitete, in das Abteil setzte und mir abschließend anzeigte an der fünften Station möge ich aussteigen. Als ich dort schließlich wieder an die Oberfläche kam, erblickte ich das Hilton. Das Hilton war leider nicht das Hotel was ich suchte, ich hatte aber verstanden, dass ich, wenn ich es sähe, nach Osten (links) gehen musste. Was ich nicht wusste war, dass Hilton in Prag ist im Grundriss ein Oktaeder. Natürlich wusste ich nicht wo Osten war und irrte als Folge dessen, dass ich nach links gegangen war, eine weitere Stunde durch die nächtliche Stadt. Gerade als ich aufgeben wollte und meinen Rollkoffer als Kopfkissen zurecht getreten hatte, erschien an der nächsten Straßenecke das Hotel.
Ich schwor mir, nie wieder ohne Bargeld zu reisen.
Nächste Woche erzähle ich, wie ich mich in London drei Stunden nach meinem Hotel suchte, weil ich keine Pfund dabei hatte.

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Gelegentlich bekomme ich das Gefühl, dass meine Obstphobie nicht ernst genommen wird, in schlimmen Fällen sogar als Erfindung abgetan wird.
Aus diesem Grund habe ich mich entschlossen, in einer spannenden Serie meine abzählbaren Erlebnisse mit Obst zu schildern. Da vergangene Woche offiziell die Erdbeerzeit eingeläutet wurde, hier mein Erdbeererlebnis.
Es trägt sich in dieser Jahreszeit des öfteren zu, dass ich mit meinen Freundinnen an einem Tisch sitze und helles Freudengekreische ertönt, wenn die Gastgeberin verkündet, dass sie nun Erdbeeren auftischen wird. Alle klatschen in die Hände und bekunden onomatopoetisch ihre Vorfreude auf die gereichte Köstlichkeit. Jahr für Jahr wird vergessen, dass ich keine Erdbeeren esse. Wenn ich also sage: „Ich esse keine Erdbeeren“, wird der Freude darüber Ausdruck verliehen, indem, ebenfalls Jahr für Jahr, der Satz: „Oh, dann haben wir ja mehr!“ ausgesprochen wird.
Eines Tages entschloss ich mich also, im sicheren privaten Raum eine Erdbeere zu verspeisen. Ich kaufte mit eine bei einem türkischen Obsthändler. (Ich möchte betonen, dass sich dieser Schritt als schwieriger als gedacht herausstellte. Offensichtlich wachsen Erdbeeren in zu 200 Gramm abgewogenen Schalen. Die Entnahme einer einzigen Erdbeere führt offensichtlich zu einem Ungleichgewicht in der gesamten Erdbeer-Produktions-Verkaufsindustrie).
Zuhause wusch ich die Erdbeere. Sie erschien mir unnatürlich groß. Sie erreichte fast die Größe eines als S-kategorisierten Hühnereis. Sie war uneben und stank, wie die meisten Erdbeeren, bedauerlicherweise süßlich nach Erdbeere. Ich starrte eine gute halbe Stunde ihre Unebenheiten an und stellte fest, dass ich nicht in der Lage sein würde, sie komplett zu essen. Nach näherer Analyse der Problemsituation entschied ich die Erdbeere zu zerteilen, was das Geruchsbelästigungsproblem deutlich verstärkte. An dem Messer rann ekelerregende klare Flüssigkeit herab. Tapfer einen Würgereiz unterbrechend starrte ich die zerteilte Erdbeere eine weitere halbe Stunde an. Mein Ziel war es, eine halbe Erdbeere zu essen. Essen hatte ich im Vorfeld als mindestens drei Mal darauf rumkauen definiert. Mandalaartig redete ich mir ein, dass es wunderbar sein musste eine Erdbeere zu verspeisen und steckte sie mir todesmutig in den Mund.
Was ich dann erlebte, war schrecklich. Statt einer zuckrig schmeckenden Frucht, ein säuerlicher Geschmack und überall diese kleinen Pocken, die von der Haut der Erdbeere abstanden. Haarig und pockig rieb sich die äußere Schicht der Erdbeere meine Zunge entlang, während das weiche Innere zwischen meinen Backenzähnen klebte. Es war G R A U E N H A F T. Alle Haare stellten sich vor Ekel auf. Ich habe es nicht geschafft drei mal zu kauen. Das Ganze Schreckenserlebnis konnte nur durch ein Beherztes herunterschlucken der Erdbeerbröckchen beendet werden.
Erdbeeren sind demnach lebenslang von meiner Speiseliste gestrichen.