Mein Clickbaitbeitrag – weniger Stress zu Weihnachten

In Kinderarbeit hergestellt, schmecken sie noch besser: Plätzchen

Besinnlich soll man sich ja fühlen die Wochen vor Weihnachten. In Teilen gelingt mir das die letzten Jahre. Zum Beispiel haben „wir“ es geschafft Plätzchen zu backen – denn nur wer Plätzchen backt, kann an den Adventssonntagen besinnlich Plätzchen futtern.

Damit das klappt, muss man so 7 bis 8 Jahre vorher Kinder machen, die dann die Plätzchen machen. Zugegebenermaßen ein wagemutiger Plan, aber er geht die letzten Jahre immer besser auf.

(Alternativ kann man bei Geschwistern bejammern, dass man über wenig bis keine Plätzchen verfügt und die backen dann – großherzig wie sie sind – und schicken Vanillekipferl und andere Leckereien.)

Dennoch versetzt mich die Weihnachtszeit immer wieder in Stress. Die Familie und viele Freunde leben über die Republik verteilt und so möchte man ihnen gerne Pakete schicken.

Bislang habe ich das gemacht, wie ich es als Kind gelernt habe: Ein Paket fertig stellen und mir dann in der Warteschlange der Postfiliale die Beine in den Bauch stehen.

Man muss dazu sagen, unsere Postfiliale ist sehr schön. Nettes Personal, ein wenig Rockmusik und man lernt die tätowierte Nachbarschaft und die zwanzig Hunde kennen, die hier so leben.

Doof ist, dass man die erste halbe Stunde draußen auf der kalten Straße anstehen muss und nur die letzten zwanzig Minuten im kuschligen Innenbereich wartet.

Auf der Suche nach Alternativen habe ich, topmodern wie ich bin* entdeckt, dass es weit angenehmere Arten gibt, Pakete zu verschicken.

  1. per Hermes-App

Das ist wirklich crazy einfach. Man packt sein Paket, dann öffnet man die App und klickt: „Ich möchte ein Paket verschicken“. Danach sind noch 2 Dinge zu tun. Erstens entscheidet man welche Größe und zweitens übernimmt man aus dem Telefonbuch** die Daten der Person, an die das Paket gehen soll.

Die App generiert einen QR-Code (ja, es gibt Szenarien, in denen QR-Codes sinnvoll sein können!), man geht in den Hermes-Shop, der Verkäufer scannt den Code, das Gerät druckt die Etiketten aus, der Verkäufer klebt die Etiketten drauf. Fertig! Man musste nicht mal selbst drucken und kleben. IST. DAS. NICHT. TOLL?

2. per Packstation

Man ruft die Seite DHL Online Frankierung auf. Hier geht man ähnlich vor wie in der App oben beschrieben. Man wählt, was man auf die Reise schickt, gibt Adressdaten ein und dann kann man entweder das Etikett selbst drucken oder aber man generiert einen Code, so dass man erst an der Packstation (DHL Paketshop und Filiale geht natürlich auch) das Etikett drucken lässt.

HOCHMODERN! SO AUFREGEND!

Man läuft dann also mit dem Paket zu einer Packstation. Tippt dort auf dem Bildschirm „Ich möchte ein Paket abgeben“, wählt die Größe des Türchens, dieses öffnet sich von Geisterhand (ja, ich weiß, es sind keine Geister, sondern kleine Wichtel, welche die Türentriegelung bedienen), man legt das Paket rein, bestätigt, dass man es reingelegt hat und bekommt seinen Beleg. Ohne Anstehen. Einfach so.

Bei 20 verschickten Paketen, für die man sonst je 20 Minuten ansteht, hat man fast 7 Stunden Lebenszeit gespart!

Ansonsten nervt mich in der Vorweihnachtszeit der Konsumrausch. Kaufen, kaufen, kaufen. Am schlimmsten, wenn man eigentlich nicht so genau WAS man eigentlich kaufen soll. Bestimmte Mitglieder meiner Familie wünschen sich zu Weihnachten regelmäßig „nix“ – sind dann aber tödlich gekränkt, wenn ich wirklich nix besorge.

Also schlendere ich ideenlos durch vollgestopfte Innenstädte, wo ich Menschen begegne, die ebenso missmutig wie ich sind (meistens Verkäuferinnen – in der Regel in einer Zweierkonstellation auftretend, die sich gerade angeregt unterhalten und sich arg gestört fühlen, wenn ich als Kundin ein Anliegen habe. Sie versuchen es erst indem sie sich weiterunterhalten als sei ich unsichtbar, wenn ich jedoch darauf beharre, nicht unsichtbar zu sein, drehen sie sich genervt in meine Richtung und fragen: wiekannihnendennjeholfenwerdenSTÖHN).

Es ist außerdem abwechselnd zu kalt, zu heiß und zu laut, zu grell und überhaupt (Leise singe ich mein Loblied auf den Onlinehandel, wo kein Verkäufer ein Buch im Regal unter M sucht, wenn ich ein Buch von Saramago [Wer? Sarah Mago???] haben möchte).

Irgendwann kaufe ich dann ächzend eines dieser fertig zusammengestellten Pakete, die extra für Menschen erfunden worden sind, die Sachen für Menschen kaufen, die keine Wünsche haben.

Auf dem Weg nach Hause kommt dann in mir der Wunsch auf, ich hätte die Geldscheine gleich verbrannt. Das hätte nicht so lange gedauert UND ich hätte nicht unter Menschen gemusst UND meine Hände hätte es auch gewärmt.

Jedenfalls – dieses Jahr habe ich das nicht mehr so gemacht, denn während ich all die Zeit gespart hatte, weil ich nicht in einer Menschenschlange zur Abgabe eines Pakets warten musste, hatte ich einen hellen Moment.

Ab jetzt spende ich für solche Menschen, die keine Wünsche haben, aber Geschenke wollen.

Ist das nicht schön? Deswegen meine Empfehlung: Wenn ihr jemanden etwas schenken wollt und nicht wisst was, dann bringt euer Geld zu Organisationen, die es brauchen können, weil sie sinnvolle Dinge damit tun. Ärzte ohne Grenzen, die Kältehilfe, Projekte, die Flüchtlinge unterstützen, Hospize, Kinderheime, Netzpolitik, wasweißich. Es gibt unendlich viele Organisationen, die Geld brauchen können.

Malt dann einen schönen Spendenbeleg und schenkt den. Ich verspreche, niemand beschwert sich: WAS FÜR EINEN GUTEN ZWECK HAST DU GELD AUSGEGEBEN????

So. Das waren meine drei Supertipps zur Entspannung der Vorweihnachtszeit. 2018 jetzt natürlich erst, aber immerhin.

Ich wünsche jedenfalls allen Wärme und Liebe im Herzen und eine schöne Weihnachtszeit!

 


*beides gibt es vermutlich seit Anfang des Jahrhunderts. Ich hatte es nur verpasst bislang.

** *seufts* Faulheit vor Datenschutz

 

55 Gedanken zu „Mein Clickbaitbeitrag – weniger Stress zu Weihnachten“

  1. Auch wenn es etwa spät kommt, aber hier meine Idee gegen die Schenk-Hysterie zu Weihnachten bei vielen Familienmitgliedern, die alle „nichts“ haben wollen, aber eigentlich doch: alle Namen der zu Beschenkenden auf je einen Zettel schreiben und in einen Topf legen. Dann muss jedes Familienmitglied einmal ziehen (wenn es seinen eigenen Namen zieht, diesen wieder reinwerfen und nochmal ziehen). Wessen Namen man nun gezogen hat, dem, und nur dem, braucht man ein Geschenk zu kaufen. Vorteil: jeder muss sich nur um ein Geschenk kümmern und man kann so durchaus auch etwas teueres kaufen. (Ist also wie Wichteln.). Leider waren meine Familienmitglieder bisher immer gegen diesen Plan ??

  2. Super, dass du Werbung für die komischen Apps machst, dann kommt man bald wieder ohne Schlangestehen zum Paketshop der Wahl und die Leute, die sich gerne anstellen stehen vor den Hermesläden und Packstationen :-)
    (Du merkst, so ganz, habe ich den Vorteil nicht verstanden. Was bringt die App, wenn ich das Paket doch selbst zu einem bestimmten Punkt bringen muss. Die sollen das bei mir, bzw. meinem Arbeitsplatz abholen.)

    1. Abholen geht auch, meine ich. Kostet halt mehr.
      (Es gibt viel mehr Paketstationen und -Shops als Postfilialen. Ich hab selbst in der Weihnachtszeit keine Warteschlangen gesehen. Außerdem muss man nicht mehr selbst drucken und aufkleben. Das reicht mir als Vorteil.)

  3. Ich verschenke ja gern Oxfam unverpackt Sachen. Die schicken sogar noch selbst ein Magnet über die Spende an die beschenkte Person wie ein Huhn, einen Baum oder was was man eben geschenkt hat. Cooles Ding. Frohe Weihnachten. Alu

  4. Fast bin ich ein wenig enttäuscht, von der glücklichen Wendung, die dein Text am Ende nimmt. Denn ich wollte dir nur zu gerne vorschlagen, jenen Menschen, die „nix“ wollen, doch einmal
    vierzig Enten oder ein Plumsklo zu schenken. Aber das machst du ja schon. Auch gut!

Mentions

  • grossekoepfe

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