Alle sollen Prinzessin sein dürfen

Uniformität
Symbolbild Elsaisierung
Pixabay @Aenigmatis-3D

Letzte Woche hat die Schule mit den Kindern Fasching gefeiert. Der Unterricht fiel aus und es wurden den ganzen Tag getanzt und gespielt. Die Kinder waren angehalten verkleidet zu kommen.
Abends im Bett unterhalte ich mich mit Kind 3.0, das sich als Kräuter-Experte verkleidet hatte.
„Als was hat sich deine Sitznachbarin verkleidet?“
„Elsa“
„Oh und Paula?“
„Auch.“
„Auch als Elsa? Das ist ja ein lustiger Zufall. Und Sabine?“
„Elsa.“
Ich schaue Kind 3.0 sehr verwirrt an.
„Eigentlich haben sich fast alle Mädchen als Elsa verkleidet.“

Vor meinem Auge tanzt ein Heer an Elsas.

Ich halte diese zunehmende Vereinheitlichung von Kinderphantasien für einen Effekt erfolgreichen Gender-Marketings.

[In den Kommentaren gerne eine Diskussion darum, ob Elsa nicht eigentlich eine feministische Prinzessin ist.]

Interessant ist für mich v.a. die Vereinheitlichung von Kinderphantasien. Warum trifft man auf einer Faschingsparty v.a. auf Prinzessinnen (und Superhelden, wenn man sich die Jungs anschaut)?
Warum blickt man nicht in eine große, bunte Schar von Astronautinnen, Wissenschaftlerinnen, Hasen, Polizistinnen, Räuberinnen, Cowgirls, Feuerwehrfrauen und Diebinnen?
Warum wagt es umgekehrt selbst an Karneval kaum ein Junge in die Rolle einer Prinzessin, eines Lehrers, einer Katze oder eines Tänzers?

Ich würde sagen, das hat viele Gründe: Zum einen werden die Geschlechtersterotypien durch Werbung und Co. immer stärker eingeschränkt und damit verbunden fürchten Kinder (oder deren Eltern) unbewußt um ihre Geschlechtsidentität. Kann ein Junge ein Junge sein, wenn er sich als Prinzessin verkleidet?

Da ist es wieder, das Prinzessinnen Thema.

Ich war gestern auf der Verleihung des Goldenen Zaunpfahls, ein Negativpreis, der das absurdeste Gendermarketing-Produkt kürt.

Wenn man das Hashtag #goldenerZaunpfahl auf Twitter filtert, stößt man immer wieder auf Frauen, die sinngemäß sagen: „Na und? Ich liebe Prinzessinnen! Ich möchte eben Prinzessin sein. Warum könnt ihr mir das nicht lassen?“

Diese Frauen möchte ich gerne ein bisschen zärtlich schütteln und ich frage mich: Wann werden sie es verstehen?
Wann werden sie verstehen, dass niemand ihnen das Prinzessinsein nehmen will (also ich zumindest nicht) – sondern, dass eine bestimmtes Prinzessinnen-Stereotyp erst dann ein Problem ist, wenn es die einzige Wahl, die einzige Phantasie, das einzige Vorbild für aufwachsende Mädchen ist.

Denn ja, ich persönlich habe ein Problem damit, dass meinen Töchtern als (Lebens)Ziel vorgegeben wird, dass sie artig, sittsam, brav, sauber, hübsch, sexy und nicht so vorlaut sein sollen.

Und genauso bedauernswert finde ich es für meine Söhne, wenn Männlichkeit sich über Kraft, Macht, Unterdrückung, Dominanz, Gewalt und Härte definiert.

Denn was ist mit den künstlerisch interessierten Jungs? Den Sensiblen? Denen, die gerne tanzen und singen? Denen, die Glitzer und Rosa mögen? Denen, die tierlieb sind oder denen, die fürsorglich sind?

In meiner Lebensfilterbubble haben wir mit solchen Stereotypen zum Glück nicht viel zu tun. Das liegt aber auch am Alter der Kinder. Allein schon kein Fernsehgerät mit Werbeunterbrechungen in den eigenen vier Wänden zu haben, hilft da ungemein. So bleiben wir von Werbung verschont, die uns zeigt, dass Frauen lächelnd Salat essen sollen, damit sie bloß nicht zu dick werden, dass sie teure Produkte kaufen, um ihre Defizite wie FALTEN und FRIZZ zu beheben, wohingegen die aktiven, leistungsstarken Männer samt Duschgel wagemutig von zehn Meter hohen Clippen springen.
Es gibt auch keine Frauen- und Männermagazine in unserer Wohnung, die uns z.B. zeigen, dass Männer anders backen NÄMLICH MIT HACKFLEISCH!

Wir kommen mit diesen absurden Frauen- und Männerbildern nur in Kontakt, wenn wir unsere Wohnung verlassen. Erst im Supermarktregal lernen wir was echte Frauen bzw. echte Männer tun sollen oder wie sie sein sollen.

Im Babyalter kann ich mich als Mutter noch wehren gegen diese Einflüsse. Sollte jemand so irre sein und mir einen Babystrampler schenken, auf dem steht „Ich hasse meine Oberschenkel„, dann kann ich den Strampler anzünden oder anderweitig entsorgen.

Was aber macht man, wenn die Kinder im Schulalter sind und all diese schönen Produkte geschenkt bekommen? Nimmt man sie ihnen ab? Streitet man sich mit der Verwandtschaft, die sowas niedlich oder witzig findet? Zwingt man ihnen zu jedem Produkt eine Diskussion über die Gefahren des Gendermarketings auf?

Besonders zur Verzweiflung bringen mich zur Zeit übrigens Bücher „für Jungs und Mädchen„.
Denn im Gegensatz zum gegenderten Wasser, enthält ein gegendertes Buch nicht den selben Inhalt.
Gegendertes Wasser ist einfach Schwachsinn. Wenn mein Kind dauerhaft Wasser aus einer rosafarbenen Flasche trinkt, passiert im Wesentlichen: nichts.

Wenn meine Töchter aber Bücher extra für Mädchen lesen, die ihre Aktions- und Entwicklungsmöglichkeiten bis zum Get-no auf Shoppen, Schönheit und Begehrenswertkeit einschränken, dann bekomme ich wirklich Wut.

Sehr viel schlimmer geht es nicht. Quelle: http://ich-mach-mir-die-welt.de/2014/09/drei-ausrufe-und-drei-fragezeichen/

Wenn meine Töchter aufwachsen und lernen: Mädchen können kein Mathe, Mädchen haben einen Pflegeinstinkt, Mädchen kochen gerne, Mädchen müssen von tapferen Rittern gerettet werden… dann muss ich würgen.

Mit meinen Söhnen geht es mir übrigens nicht anders: warum sollen sie lernen: echte Männer weinen nicht? Echte Männer lieben scharfe Soßen! Fleisch! Sie fahren schnelle Autos, sie sind mutig, sie haben Muskeln!

Das Problem sind also nicht die Prinzessinnen (und übrigens auch nicht die Kindertaschen mit glitzernden Delfinen), das Problem ist das Klischee, das damit verbunden wird.

Warum dürfen meine Kinder nicht unabhängig vom Geschlecht alles sein? Wenigstens als Kind? Wenigstens in ihrer Phantasie?

Wie sollen Mädchen sein dürfen?

Ich schließe mit den Worten von Antje Schrupp aus Gegen den Geschlechterblödsinn:

„Wir sollten das zugeben: Indem wir Gendermarketing tolerieren, zementieren wir Rollen, behindern wir Kinder in ihrer freien Entfaltung. Wir machen es ihnen schwer, zu ihren eigenen, individuellen Vorlieben und Stärken zu finden, indem wir sie schon als Babys darauf trimmen, dass sie als Mädchen dies und als Jungen das zu wollen hätten.“

—-

Zum Abkühlen dann noch die Positivbeispiele der Preisverleihung gestern.

Denn auch ich freue mich, wenn Firmen versuchen es besser zu machen. Ich bin ganz bei Tarik Tesfu, der sinngemäß sagte: Ja, man kann da auch noch berechtigt kritisieren, aber zuerst kann man ja feiern, dass Feminsmus und Diversität in den Mainstream-Medien angekommen sind.

Deswegen hier drei schöne Beispiele: Telekom, Audi und H&M:

Ganz großartigen Hip-Hop, der sich mit dem Thema Rollenklischees beschäftigt, gibt es übrigens auch:

Abschließend: Ganz herzlichen Dank an Almut Schnerring, Anke Domscheit-Berg und Sascha Verlan für ihren Einsatz! Möge der Goldene Zaunpfahl schon sehr bald nicht mehr nötig sein.

Autor: dasnuf

Aha! Google doch "dasnuf" Muhahahahaha!

124 Gedanken zu „Alle sollen Prinzessin sein dürfen“

  1. Pingback: pat
  2. Ich sehe viele sehr freche Mädchen, die sich in Wlsa-Kostüme wickeln und sehr freche Elsas sind. Es gefällt mir mäßig. Als Mutter von 2 Jungen frustriert es mich allerdings sehr, zu erleben, wie andere Jungs meinen Sohn die Idee von coolen Jungs-Sachen in den Kopf gesetzt haben – und uncoolen Mädchensachen – wie z. B. Seiner bisherigen Lieblingsfarbe: rot. So traurig. Er. Verliert sich gerade ein Stück weit. Und ich kann nichts tun, als Anregungen geben und ihn stärken und darauf vertrauen, dass er wieder zum Mut zurück findet. Mit 3 war er eine unbeschwerte rosa Elfe…
    Ich vertraue auf ihn! Rot kommt wieder!
    LG Anna

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  3. Als Kind (kleiner Junge) war ich nicht sooo sehr beliebt bei den Mädchen, aber zu Fasching hatte ich immer meinen großer Auftritt -> Ich war Prinz! und hatte eine Schaar von Prinzessinen zur Auswahl.
    Kleiner Tipp an alle Jungs : Das funktioniert auch heute noch!

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  4. Ganz abgesehen davon, dass ich als Kind NIE als Prinzessin habe gehen dürfen (und das war vor fast 50 Jahren), weil meine Mutter das doof fand, beobachte ich diese Genderdingens-Entwicklung mit sehr viel Sorge.
    LG Sabienes

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  5. Hmm … das mit der sexualsierten Darstellung lasse ich mal so stehen, auch wenn ich es eher für einen Nebenaspekt der Figur halte. Zur Erklärung (und wohlgemerkt nur zu Erklärung und nicht etwa zu Rechtfertigung) warum Elsa so bliebt ist noch eine Ergänzung.

    Seitdem ich den Film gesehen und unsere Tochter latürnich auch davon begeistert ist, denke ich drüber nach, was den wohl so aussergewöhnlich erfolgreich macht, bin mir aber auch noch ganz sicher. Aber ein paar Anhaltspunkte gibt es doch …

    Elsa ist ja nicht die einzige Protagonistin. Ich glaube, die Tatsache, dass der Film sich _zuerst_ mit Anna _und_ Elsa beschäftigt, ist ein zentraler Grund, warum er bei Mädchen so beliebt ist. Stichwort „Bechdel“-Test. Mulan (um mal irgendeine andere der Disney-Heldinnen rauszusuchen) mag auch eine starke Figur sein, aber sie ist eben die einzige weibliche Figur. Zwei weibliche Protagonistinnen findet man glaube ich nicht sooooft. Und: Genau wie alle Einsichten, zu denen der Bechdel-Test verhelfen kann, ist es latürnich total krank. Man stellen sich das mal nur umgekehrt vor: Der Hobbit oder der Herr der Ringe mit nur einer männlichen Rolle … egal … ich schweife ab.

    Zweitens: Disney ist Konsens für Kinder. Und … das mag uns Eltern nicht gefallen, aber ich glaube, das ist für Kinder total wichtig. Warum sollte es auch nicht, für Erwachsene ist das ja auch total wichtig. Es kann mir doch keiner erzählen, er würde Tatort der grossartigen cineastischen, erzählerischen und schauspielerischen Leistungen wegen sehen. Das gleich dürfte jeweils für die aktuelle Top-Serie bei Netflix sowie Fussball gelten. Warum um alles in der Welt gewinnt immer nur Bayern die Bundesliga _und_ hat so viele Fans? Mir gefällt es selber nicht besonders aber … ich glaube Non-Nonkonformismus hat auch irgendwas Anziehendes … nur sonne Idee.

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  6. Pingback: ben_
  7. Pingback: ben_
  8. Ich finde es sehr gut, wenn nicht nur Kinder so sein dürfen resp. sich so geben dürfen, wie ihnen gerade zumute ist. Für Mädchen wird das ja inzwischen so halbwegs akzeptiert. Für Jungs gar nicht.

    Ich hatte vor vielen Jahren mal ein interessantes Gespräch mit einer jungen Frau. Sie sagte „Mein Freund trägt meine Röcke besser als ich“. Und auf meine Nachfrage sagte sie „In einem Rock hat er einen richtig süßen Knackarsch“. Das brachte mich zum Nachdenken. Ich habe darüber nachgedacht, warum ich eine Frau im Rock so attraktiv finde. Offensichtlich ist ein Rock in der Lage, die Figur der Trägerin besonders zu betonen. Also, in dem Fall macht der Rock die Trägerin noch weiblicher und damit für mich noch attraktiver. Der Aussage dieser Frau nach scheint es aber so zu sein, dass diese Wirkung eines Rocks nicht nur auf Frauen beschränkt ist. Anscheinend kann ein Rock auch eine männliche Figur betonen und für eine Frau noch attraktiver machen. Und, ganz ehrlich, nicht nur Frauen wollen schön und begehrenswert sein. Nun, bei dieser theoretischen Überlegung bin ich allerdings geblieben. In der Praxis kann ich das nicht nachvollziehen. Ein Mann wirkt auf mich grundsätzlich überhaupt nicht attraktiv. Ich finde das Beispiel mit dem Rap-Video oben zwar ganz amüsant, aber den Typ im Kleid finde ich nicht die Bohne attraktiv. Was aber wohl weniger an dem Kleid liegt, sondern einfach daran, dass ich nun mal auf Frauen stehe. Hier wäre also mal meine Frage an die weibliche Leserschaft: Wirkt ein Mann im Rock oder Kleid tatsächlich attraktiv?

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  9. Warum 99% der Jungs sich nicht als Prinzessinnen und 99% der Mädchen nicht als Cowgirls verkleiden? Weil die Gender-Verschwörung die Blanko-Vorlage „Kind“ seit Geburt an mit rosa oder blau vollpumpt!

    (Oder: es gibt keine Verschwörung und Jungs haben einfach andere Interessen als Mädchen. Revolutionärer Gedanke und schwer zu verdauen, ich weiß……)

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  10. Der Vollständigkeit halber:
    Kind.eins (w) war dieses Jahr Löwe mit großer Mähne, Kind.zwei (m) Dinosaurier mit coolen Glitzerstacheln am Rücken.

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  11. Schau mal die aktuelle Sendung Schulz und Böhmermann vom 5.3., haut in etwa in die selbe Kerbe – Geschlechterrollen. Mit einem wunderbaren Herrn Pohl…

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    1. So gerne ich die beiden habe… Ich hatte mir von der Sendung wirklich viel, viel mehr erwartet. Unter anderem, dass sich die Moderatoren, die zum Beispiel in ihrem Podcast schon einige gute Dinge zum Thema Sexismus sagten, inhaltlich besser vorbereiten und differenzierter äußern. Besonders Olli Schulz zeigte m.A.n. durch seine „lustigen“ Kommentare (zu Laura Himmelreich „Wie passen „Aufschrei“ und die Tatsache zusammen, dass bei euch auf Vice „Analsex auf LSD“-Artikel veröffentlicht werden? – zu Herrn Pohl „Können Sie über einen guten Pimmelwitz lachen?“) eher, dass er eben nicht verstanden hat, worum es beim Thema Gender geht. Und auch die Überlegungen von Jan Böhmermann zur Vereinbarkeitsdebatte sind undifferenziert.
      Dann auch noch die Tatsache, dass Ben Teewag wohl nur eingeladen wurde, damit man den „Sexisten par excellence“ vorführen kann… schade!
      Herrn Pohl und seine Ausführungen fand ich hingegen auch wirklich wohltuend.

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    2. So gerne ich die beiden habe… Ich hatte mir von der Sendung wirklich viel, viel mehr erwartet. Unter anderem, dass sich die Moderatoren, die zum Beispiel in ihrem Podcast schon einige gute Dinge zum Thema Sexismus sagten, inhaltlich besser vorbereiten und differenzierter äußern. Besonders Olli Schulz zeigte m.A.n. durch seine „lustigen“ Kommentare (zu Laura Himmelreich „Wie passen „Aufschrei“ und die Tatsache zusammen, dass bei euch auf Vice „Analsex auf LSD“-Artikel veröffentlicht werden? – zu Herrn Pohl „Können Sie über einen guten Pimmelwitz lachen?“) eher, dass er eben nicht verstanden hat, worum es beim Thema Gender geht. Und auch die Überlegungen von Jan Böhmermann zur Vereinbarkeitsdebatte sind undifferenziert.
      Dann auch noch die Tatsache, dass Ben Teewag wohl nur eingeladen wurde, damit man den „Sexisten par excellence“ vorführen kann… schade!
      Herrn Pohl und seine Ausführungen fand ich hingegen auch wirklich wohltuend.

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  12. Mein Sohn ist dieses Jahr als Elsa zu Gasching gegangen, da er noch nicht in das Meerjungfrauen-Kostüm rein gepasst hat. Meine Tochter wäre Spiderman gewesen, wenn das eigentlich rechtzeitig bestellte Kostüm angekommen wäre. So wurde es dann doch noch eine Hexe. Aber mit Spinne, um den anderen Spidermans in der KiTa-Gruppe helfen zu können (Ihre Idee!)

    Ja, es geht zum Glück manchmal so. Die Großmutter hat bis zum Schluss nicht glauben können, das wir ihm tatsächlich im Kleid in die Öffentlichkeit lassen…

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  13. Liebes Nuf,

    ein phantastischer Artikel, danke dir dafür! Und danke für den Hinweis auf die Hip-Hop-Videos, die kannte ich noch nicht.

    Als Mutter von einem Mädchen und einem Jungen besorgt mich dieses verstärkte „Gendering“ sehr. Natürlich können wir als Eltern versuchen, ihnen andere Werte zu vermitteln, sie dabei unterstützen, zu sein, wer sie sein möchten, ihnen alternative Rollenvorbilder vorleben. Aber vor dem medialen und gesellschaftlichen Druck, dem sie tagtäglich ausgesetzt sind, können wir sie nicht beschützen.

    Das beschert mir ein mulmiges Gefühl.

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  14. ******************KOMMENTAROMAT**********************
    Genau!
    *****************/KOMMENTAROMAT**********************

    Ich habe allerdings aktuell wenig Kapazität, mich über die Prinzessinnenphase aufzuregen, denn uns kam jetzt ein Topmodel-Malbuch ins Haus. Da kann man gleich das nächste Fass aufmachen.

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  15. Wenn ich die positiven Beispiele richtig auffasse, geht es darum möglichst das zu machen was nicht Spaß macht, weil die Gesellschaft sagt es macht keinen Spaß.

    Ich finde das alles geht viel zu weit. Erwachsene wollen Kinder erzählen wie sie zu sein haben. Das war genau das Problem in der Vergangenheit. Wir, die in den 70/80ern gross geworden sind, konnten uns so sozialisieren wie wir es wollten. Rollenklischees für die, die es wollen und alle anderen konnten „aussteigen“ oder „Alternativ“ werden.

    Heute gibt es dagegen wieder einen breiten Konsens darüber, dass Kinder „erzogen“ werden müssen und die Richtung im gesellschaftlichen Konsens erzwungen wird. Hurra, wir befinden uns wieder in den 50’ern. Kinder dürfen sich nicht nach ihren Bedürfnissen entwickeln, da ihnen die Erwachsenen ständig erzählen wie sie zu sein haben. Diese Welt ist aus meiner Persepektive, die ich als Kind hatte schlimm. Ich war frei, für mich klingt das hier nicht nach Freiheit.

    Mir ist es ein Rätsel warum Klischees oder Stereotypen schlecht sein sollen. Sie helfen den Menschen bei der Identifikation und der Selbstfindung. Viele Menschen möchten irgendwo dazu gehören und solange dies eine freie Entscheidung bleibt, solange ist das völlig ok. Warum soll das zwanghaft abgeschafft werden? Welcher Fortschritt entsteht, wenn Jungs und Mädchen nicht mehr Wissen, was typisch ist?

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    1. Es geht nicht darum dass Geschlechterrollen was schlechtes sind, sondern dass es schlecht ist wenn sie zementiert werden, wenn JEDER ihnen entsprechen muss.

      Identitätsfindung ist wichtig, und ja, da gehört auch die Rollenfindung dazu. Aber ich vermute, ein Kind das verschiedene Rollenvorbilder erlebt anstatt immer nur das ewig gleiche, kann sich sehr viel freier entfalten weil es sieht „Ich kann so sein oder so, oder vielleicht so, oder von allem etwas“. Um bei deinem Duktus zu bleiben: Ich verstehe nicht was daran schlecht sein soll ;-)

      Ich fand die drei Jahre in Folge, in denen meine Töchter an Fasching Prinzessinnen sein wollten, nicht schlimm. Aber ich habe mich gefreut als die Phase vorbei war. Seitdem waren sie Hulk/Spiderman, Gangster und Teufel. Im ersten Jahr als sie nicht mehr Prinzessinnen sein wollten, haben mein Mann und ich uns als Prinzessinnen verkleidet. Das hat Spass gemacht.

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      1. Klischees oder Stereotypen behindern doch genau bei der von Dir gepriesenen freien Entfaltung weil sie ein Korsett vorgeben, wie es richtig ist ein Junge oder ein Mädchen zu sein.

        „Erwachsene wollen Kinder erzählen wie sie zu sein haben“ – genau und zwar die Erwachsenen, die durch Gender-Marketing vorgeben: Mädchen sind lieb und zart und Jungs sind wild und stark (etc.)

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    2. Es geht darum Kindern nicht je nach Geschlecht vorschreiben zu wollen WAS ihnen Spaß machen darf und was nicht. „Die Eiskönigin“ ist ein netter Disneyfilm mit zwei starken Mädchen in den Hauptrollen. Deshalb ist eigentlich nichts dagegen einzuwenden, wenn KINDER den Film anschauen und die Figuren toll finden. Schlimm ist es aber, wenn MÄDCHEN den Film sehen und toll finden dürfen und bei Jungs die Eltern schon vorsorgend sagen „ach, mein Sohn mag sowas nicht“. Und auch bei uns in der Kita waren gefühlt 9 von 10 Mädchen an Fasching als Elsa verkleidet. Bei den Jungs war der Trend Ninjago. Wo bleibt denn da die freie Wahl? Wo sind die Hexen und Clowns, die Zwerge, die Ritter etc… geblieben?
      Ich muss sagen ich war ein bisschen stolz, dass meine Tochter in der Reihe der Elsas als Fußballerin komplett rausfiel. Mein Sohn war letztes Jahr als Prinzessin unterwegs (beides übrigens selbst gewählt, ich habe meinen Sohn dieses Jahr auch gerne als Ritter verkleidet). Aber meine Kinder sind da bei uns im Umfeld doch die klare Ausnahme und müssen sich zum Teil dafür rechtfertigen, dass sie eben nicht den Gendernormen folgen.
      Ich finde schon diese Einteilung hier merkwürdig „Rollenklischees für die, die es wollen und alle anderen konnten „aussteigen“ oder „Alternativ“ werden.“. Meine Tochter liebt Feen und Prinzessinnen und Pferde und Fußball. Sie guckt gerne „Bibi und Tina“ und „Bob der Baumeister“ und „Feuerwehrmann Sam“. Ist sie jetzt „ausgestiegen“ und „alternativ“? Nein sie ist einfach ein Mädchen mit vielfältigen Interessen und Punkt. Genauso wie mein Sohn eben ein Junge ist der gerne lärmt und baut und hämmert und außerdem rosa und pink und glitzer liebt und wenn er sich richtig schick machen will Kleider trägt.
      Den meisten Kindern wird heute eben nicht die freie Wahl gelassen.

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  16. Ich finde es schade, dass Anna, die meine Hauptfigur ist, viel zu kurz kommt. Sie ist mutig, lustig, trifft Entscheidungen und läßt sich von Widerständen nicht aufhalten. Während Elsa sich die ganze Zeit in ihrem Zimmer/ Eispalast versteckt und wenn sie nicht mehr weiter weiß, ihre Eisblitze verschießt. Warum steht sie trotzdem so im Mittelpunkt?

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  17. Ja, meine Tochter (4,5) liebt Elsa, war aber an Karneval Marienkäfer, Hexe, Prinzessin (nicht Elsa) und Clown. Auch mein Sohn (6,5) findet Elsa toll, auch wenn ihm der Film zu gruselig war (kleines Sensibelchen). Er wollte aber zu Kindergartenzeiten auch mal unbedingt einen Rock anziehen, da ich schon einen auf Zuwachs für seine kleine Schwester da hatte, habe ich ihm das auch erlaubt! Hat sehr unterschiedliche Reaktionen hervorgerufen – von „cool, dass du das zulässt“ bis „geht ja gar nicht“. In dem gleichen Jahr – er war Vorschulkind – ist er Karneval auch als Mädchen im Kleid zum KiGa gegangen :-)

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  18. Elsa ist zumindest schon mal cooler als die gängigen Disneyprinzessinnen. Aber richtig cool und auch ziemlich gute Rollenvorbilder aus dem Disneyhause sind Merida, Astrid aus ‚Drachen zähmen leicht gemacht‘ und Mulan!

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  19. Elsa ist tatsächlich keine Prinzessin, sondern eine Königin, sie hat keinen starken Prinzen an ihrer Seite, sie hat Superkräfte und ist nicht rosa. Insofern schon ein großer Schritt in die richtige Richtung, wenn Mädels Elsa sein wollen und nicht Lillifee. Dass dann aber beim Kinderfasching geschätzt 25 Elsas am Start waren, sah schon irgendwie lustig aus. Meine Tochter hat bei Faschingskostümen dagegen so eine Art „starke Frauen“-Faible. Die letzten Jahre ging sie als Indianerin, Cowgirl, Hermine Granger, Wikingerin Astrid und Piratin. Alles von ihr selbst ausgesucht natürlich. Sie spielt auch gern mit Lego oder Holzschwertern (aber auch mit Topmodel-Büchern und Barbies). Wenn unser kleiner Neffe kommt, sagt der immer: „Wieso hat die so was. Das ist Jungsspielzeug!“ Das finde ich traurig.

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  20. Aufgrund deines Textes habe ich gerade „Elsa“ recherchiert. Muss ja ein phänomenaler Film sein, den ich bis jetzt nicht kannte. Durch dich konnte ich diese Bildungslücke schließen. Besten Dank. Herr Söder verkleidet sich übrigens gerne als Frau. Find ich gut.

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  21. Liebes nuf,
    was mir gerade so aufgefallen ist: obwohl ich dein Blog seit langem lese und auch dein Buch gekauft habe, weiß ich eigentlich nicht wirklich, welches Geschlecht Kind 1.0, Kind 2.0 und Kind 3.0 haben. Manchmal meine ich, einen Hinweis, eine Andeutung vernommen zu haben, so dass ich denke, ah, Kind x.0 ist ein/eine … und einen Tag später hab ich es schon wieder vergessen. Weil es egal ist! Weil du es schaffst, deine Kinder nicht in Geschlechterstereotype zu pressen, sie nicht über ihre Rollen als Mädchen oder Junge zu definieren.
    Danke!

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      1. <3
        Ach übrigens, unser Kind 2.0 war Krake! Alle fanden es toll. Und in der ganzen Klasse keine Elsa. Überraschenderweise.

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  22. Als Kommentar, weil ich den Text lang genug fand: Der Fall Elsa hat mehrere Ebenen.

    Elsa ist in aller erster Linie Prinzessin.
    Sie ist blond, normschön, schlank und trägt schöne Kleider. Nichts neues in der Prinzessinenwelt. Im Vordergrund steht die hetero-normative Begehrenswertheit.

    !ABER!, höre ich nun die Frozenfanfraktion rufen. Aber Elsa ist viel mehr. Elsa hat sozusagen Superkräfte. Elsa ist Thronanwärterin. Elsa überwindet ihre Ängste und verbündet sich mit ihrer Schwester. Eine klassischer Coming-of-Age-Narrativ eigentlich, oder?

    Nun. Am Ende geht das leider nicht ohne dass Elsa stärker sexualisiert wird:
    \“Furthermore, powerful women are portrayed to be sexual beings. For instance, when Elsa is claiming her power, she literally begins to strip her clothing and her clothing is magically altered to show her independence. Her new dress, even her shoes, are extremely sexualized in comparison to the modest way she dressed before. […] If the message was to show that Elsa has reclaimed her identity and has accepted all of who she is, then the message would’ve been stronger if she did not physically change her appearance.\“
    Quelle: Frozen: A Postfeminst Princess

    Also in meinen Augen ist Elsa nicht unbedingt eine wesentliche Verbesserung

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