Ankündigung eines noch namenlosen Familienmagazins

Von Frau Mierau gibt es den Begriff „Eltern-Clan“. Sie schreibt:

Was Eltern brauchen sind andere Eltern

Sie brauchen Austausch und Informationen. Sie müssen sehen, wie andere mit Babys umgehen und wie ein Baby gestillt wird, damit das auch beim eigenen klappt. Eltern brauchen andere Eltern. Würden wir mit anderen Familien eng zusammen leben (und zwar nicht durch dicke Mauern getrennt), würden wir sehen und hören, dass auch andere Babys (und Kinder) nicht durchschlafen. Wir würden sehen, was gemacht wird, wenn ein Baby Bauchweh hat und – das Beste – wir würden uns gegenseitig unterstützen und abwechseln […] „Allein mit Kindern sein – das ist weder für Erwachsene noch für Kinder artgerecht“.

Ich finde den Begriff so gut, dass ich ihn sofort ganz intuitiv in meinen aktiven Sprachgebrauch aufgenommen habe. Der Begriff beschreibt sehr gut, warum ich meine Eltern-Filterbubble im Internet so liebe. Nie habe ich mich besser aufgehoben gefühlt als in meinem Eltern-Clan, in dem es nur so wimmelt von Schlaflosigkeit, dauerverrotzten Kindern, unaufgeräumten Wohnungen, Kindern, die nicht um Punkt zwanzig Uhr schlafen und die am Tisch lieber das Essen verschmieren als sittsam und fleckenlos zu speisen.

Zu wissen, dass es bei so vielen Eltern ähnlich ist, tut mir gut. Geteiltes Leid ist eben halbes Leid und manchmal auch gar keines mehr. Durch meinen Eltern-Clan habe ich verstanden, dass das was ich als „OMG! Ich habe erzieherisch versagt“ oder „WARUM MACHEN DAS NUR MEINE KINDER??!“ empfunden habe, falsch ist. Ich bin nämlich gar nicht allein.

Ich weiß nicht wieso, aber tatsächlich war ich als Kinderlose von dieser Realität total abgeschottet. Meine Familienrealität setzte sich zusammen aus Bildern, die ich aus der Werbung hatte. Kinder, die, wenn sie einmal die richtige Windel am Po haben, nach wenigen Monaten durchschlafen. Pausbäckige Kleinkinder, die ein ganze Portion Brei essen – essen und nicht in der Küche verteilen und zwar eine PORTION – nicht nur drei Löffel. Eltern, die abends noch was anderes machen als schlafen (wenn man sie lässt). Weiße, aufgeräumte Wohnungen, durch die ein lauer Sommerwind weht, während die Kinder sich alleine mit Holzklötzchen beschäftigen.

Kaum war ich Mutter, zerbrach diese Werbewelt und meinen Trost habe ich erst online bei den anderen Eltern gefunden, z.B. wenn wir uns auf Twitter samstags um 6.30 Guten Morgen wünschen.

Ich lese sehr gerne. Habe massig Elternratgeber gelesen und so ziemlich jede Elternzeitschrift probiert, die es auf dem Markt gibt. Dennoch musste ich feststellen: Was anderes als diese Scheinfamilienwelt gibt es im Großen und Ganzen nicht. Es gibt nur Erziehungstipps zum Durchschlafen, die nicht funktionieren, Rezepte, die kein Kind isst und Kinderklamotten, die kein normaler Mensch zahlen kann. Nicht zu vergessen die Eltern, die trotz Kleinkinder permanent heißen Sex haben.

Warum ich das alles schreibe: Für mich gibt es nach wie vor eine unendlich große Lücke für alle relevanten Themen im Familienalltag. Ich möchte wissen, wie andere Familien ihren Alltag leben. Wie Geschwister untereinander umgehen. Wie man mit den eigenen Eltern umgeht. Welche Tricks kennen die anderen Familien? Was machen eigentlich diese Jugendlichen den ganzen Tag? Was kann ich vorlesen, wenn mir Conni & Bobo auf die Nerven gehen? Was hören, wenn ich die Kinderkopfstimmenchöre nicht mehr ertrage? Was mache ich mit scheußlichen Spielsachen? Was mit rosahellblau Plunder, den sich meine Kinder so dringend wünschen? Wie ergeht es Trennungsfamilien? Bestechen andere Eltern ihre Kinder auch mit Gummibärchen? Es gibt so viele Fragen und außerhalb der Elternblogs kaum Antworten.

Ich hab mich deswegen gefreut als ich von den Der Sender Leuten gefragt worden bin, ob ich nicht Lust hätte mit Caspar Clemens Mierau ein Familienmagazin auszuprobieren.

Wir haben uns im Anschluss viele Gedanken gemacht und auch gemeinsam Formate entwickelt, die wir für interessant halten. Wir haben Themen gesammelt und überlegt, welche Gäste interessant sein könnten.

Was letztendlich daraus wird: Das weiß der Hase.

Ich hab jedenfalls Null Erfahrungen im Vorderkamerasitzen. Aber ich fand die Idee super, ich finde Caspar und seine Haltungen zum Thema Familie sehr sympathisch und glaube deswegen, dass das mit ein bisschen Glück gut funktionieren kann. Dass wir zumindest schaffen eine Stunde miteinander vernünftig zu reden, haben wir beim gemeinsamen podcasten schon ausprobiert. Ob das auch mit Bild und zum Thema Familie funktioniert, werden wir sehen und so wie beim realen Elternsein allen Perfektionismus von uns abschütteln.

Am 14.4. nehmen wir ab 21h die erste Testsendung auf. Ihr könnt live dabei sein und es wird parallel einen Chat geben, wo ihr eure Eindrücke und Anregungen abgeben könnt. Für Twitter denken wir uns noch ein Hashtag aus. Tatsächlich wird es das allererste Mal sein, dass ich vor einer Kamera sitze. Seid also milde mit mir!

Wir haben auch noch keinen Namen für die Sendung. Den könnt ihr dann auch mitentscheiden. Das Thema der Sendung lautet „Rollenverteilung“ und wir werden das Autorenpaar Stefanie Lohaus und Tobias Scholz des Buchs „Papa kann auch stillen“ zu Gast haben.

Ich bin gleichzeitig aufgeregt, gespannt und ich freue mich schon sehr.

 

Lest auch gerne Caspars Vorankündigung

Autor: dasnuf

Aha! Google doch „dasnuf“ Muhahahahaha!

18 Gedanken zu „Ankündigung eines noch namenlosen Familienmagazins“

  1. Ich lese Deinen Blog unglaublich gerne. Du schreibst einfach so erfrischend und lustig. Ausserdem erkenne ich mich und die Situationen sehr häufig wieder. Vor allen Dingen sehr sympathisch finde ich, dass Du alles andere als perfektionistisch bist, auch mal Dinge machst, die vielleicht nicht pädagogisch wertvoll sind und darüber hinaus nicht versuchst, Deine Leser zu belehren.

    Ein ganz anderes Gefühl habe ich bei den verlinkten Blogs von fraumierau und leitmedium. Die hätte ich jetzt ohne diesen Artikel (okay, vermutlich stehen sie auch unter Deinen Links) nicht mit Dir und Deinen Ansichten in Verbindung gebracht. Trotzdem werde ich mir den podcast demnächst mal in Ruhe anhören und auch die Pilotfolge der Sendung werde ich mir nicht entgehen lassen! Mach weiter so!

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  2. Mal eine Nachfrage: Interessiert dich auch die („erwachsene“) Kindperspektive zu den aufgeworfenen Fragen? Da könnte ich was zu sagen.

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  3. Tolle Idee! Euren Podcast fand ich auch super (als ich dann irgendwann einige Woche nach dem Post dazu die Kinderschlafenszeit zum Anhören nutzen konnte). Mit dem Eltern-Clan geht es mir genauso. Beim ersten Kind las ich noch ausführlichst „Babyjahre“ und diverse andere Ratgeber, mittlerweile nur noch Blogs – da wird so oft über Themen und Situationen geschrieben, die sich so auch 1:1 bei uns zu Hause abspielen und mir so ein bisschen Rückhalt geben, dass ich auch ohne ausgereiftes pädagogisches Konzept und 100-Pro-Konsequenz vielleicht nicht ganz falsch liege.
    Bin schon sehr gespannt!

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  4. .

    (ha, von wegen: das erste mal vor der kamera … was war denn 2014, hm? „sind bloggende väter eine nischenerscheinung“ erfolgreich verdrängt? du kannst ja vielleicht drüber nachdenken, deine erscheinung deinem expressivem rant-schreibstil anzupassen. ein paar stilmittel: erhobene faust beim argumentieren, zu schießscharten zusammengekniffene augen beim kontern, die augen weit aufreissen und den mund zu einem punkt verkleinern bei deinen lieblingsthemen wie etwa gegenderter kinderkleidung. so wirst du der welt und dir in erinnerung bleiben, auch wenn DU es nicht willst! :) bin gespannt auf den talk, viele grüsse von hier …)

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    1. Gut, da saß ich auf der Bühne und wurde gefilmt.
      Meine Erscheinung ist weiterhin ruhig und zurückhaltend. Das wird sich nicht ändern. Wenn du was lauteres bevorzugst, musste wohl was anderes anschauen…

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      1. @wenn du was lauteres bevorzugst: das war doch nur spass, ich habe schon verstanden, dass du zurückhaltung bevorzugst, daher steht unten auch: auch wenn DU es nicht willst! :)

        der kontrast innenwelten/ äussere erscheinung fasziniert mich einfach seit jeher … freue mich schon auf euren talk und auch den angekündigten podcast wenn du zeit dafür findest … grüsse von hier …

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  5. Ich find’s ne schöne Idee, toi toi toi und viel Erfolg!

    That said – ich bin in einer Großfamilie aufgewachsen und heilfroh, dass mich dicke Wände von anderen Familien trennen – man verklärt ja gerne das, was man nicht hat, und meiner Erfahrung nach ist eine Kleinfamilie bei allen Nachteilen trotzdem weniger anstrengend als eine Großfamilie, in der die meiste Abeit wieder an den Erwachsenen der Elterngeneration hängenbleibt, dafür aber viel mehr soziale Kontrolle herrscht. Also neee….gebt mir dicke Wände als default option, dann kann ich entscheiden, wieviel weitere Familien wie nahe dran für mich noch „artgerecht“ sind!

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  6. Wie?!? Deine Kinder lassen dich am Wochenende nicht ausschlafen? Und räumen Abends nach dem Spielen nicht alles ordentlich wieder auf bevor sie den Abendbrottisch decken? ;-)
    Ich finde euren Plan super und bin sehr gespannt.
    Als Musiktipp für sehr gute Kindermusik kann ich übrigens die Band Pelemele empfehlen. -> http://www.pelemele.de

    VG
    Wolfgang

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Mentions

  • Die Sendung aka ey guck doch ma in die Kamera | Das Nuf Advanced

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