Bitte stellen Sie keine Fragen…

Pixabay @Alexas_Fotos
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… also zumindest nicht, wenn Sie vorher nicht ganz genau über die Formulierung nachgedacht haben und ansonsten besser auch nicht, denn alleine die Frage ist – Zitat „anmaßend“.

Moment? Worum geht es eigentlich?

Ich habe am Montag über die Veranstaltung „Vater sein braucht Zeit“ gebloggt. Nachhaltig fasziniert haben mich v.a. die Männer, die zwar Kinder haben wollen/haben, die aber nach eigenen Aussagen kaum bis keine Zeit für Familie haben. Die Arbeit geht (aus den unterschiedlichsten Gründen) vor und eine Änderung dieses Zustands ist auch nicht zu erwirken.

Morgens hab ich mich beim Frühstück mit meinem Freund unterhalten, was wohl die Kinderhabenmotivation dieser Menschen sein könnte. Ich kann nämlich sehr gut nachvollziehen, dass man sehr gerne und viel arbeitet und ich glaube auch nicht, dass alle Menschen unbedingt Kinder brauchen.

Die Kombination von morgens bis abends und am Wochenende arbeiten und Kinder wollen, fühlt sich für mich fremd an.

Deswegen habe ich getwittert:

Darauf habe ich ziemlich viele Antworten bekommen. Zynische, sehr offene, konstruktive und sachliche Antworten und v.a. auch die Kritik, dass ich an dieser Stelle werte und im Grunde anderen Menschen (meistens wurde herausgelesen, dass ich Mütter meine…) verbiete, Kinder zu bekommen.

Ein Höhepunkt:

Nun.

Welchen Schuh ich mir gut anziehen kann: Ich hätte in der Frage das „eigentlich“ und das „überhaupt“ weglassen können.

Anderer Punkt: Twitter ist kein geeignetes Medium eine differenzierte Diskussion zu führen. Stimmt auch. Mir war tatsächlich nicht bewusst, dass dieser Tweet ca. 50 Antworten (und andere, empörte Nonmentions) hervorrufen würde.

Point taken.

Dennoch: Ich habe diese Frage getwittert, weil ich es schwer finde, Motivationen, die meiner eigenen sehr weit entfernt sind, nachzuvollziehen.

Und um das klar zu stellen: In dem Tweet steht nicht: Karriere UND Kinder sollen sich ausschließen. Es steht da auch nicht: Arbeitende Mütter sind doof.

(Ich würde mich selbst beschimpfen. Ich arbeite 30 Std die Woche als IT-Projektmanagerin, meine Kinder sind mit 11 und 18 Monaten in den Kindergarten gekommen.)

Der Tweet spricht Frauen und Männer gleichermaßen an. Wobei ich zugeben muss (siehe Vorgeschichte), ich hatte in aller erster Linie Männer im Kopf. Mütter als Rabenmütter zu beschimpfen, weil sie arbeiten gehen – die Sau wurde ja nun ausreichend durch das Elterndorf getrieben. Väterkarrieren in Frage zu stellen – das ist eigentlich tabu.

Da sind wir beim nächsten Problem: Was ist eigentlich Karriere?

Hachja und da merke ich, es ist wahnsinnig kompliziert die Frage korrekt zu stellen.

Denn ich meinte auch nicht den Vater, der abends in der Tankstelle arbeitet und tagsüber als Handyverkäufer, der das tut, weil er das tun muss, weil es eine wirtschaftliche Notwenigkeit gibt.

Durch die Antworten fiel mir dann auf: Stimmt. Ein Selbständiger, einer, der ein Geschäft aufgebaut hat, einer der für die Gehälter von anderen zuständig ist, der ist auch einem anderen Druck ausgesetzt als einer, der eben in erster Linie ein Bürojob hat.

Meine begrenzte Vorstellungswelt hat mir also einen Streich gespielt – denn in meiner Lebensumgebung gibt es einen bestimmten Vatertyp, den Johnny , der auch bei „Vater sein braucht Zeit“ war, gut beschreibt:

Ihre beruflichen wie sozialen Privilegien wollen sie insgesamt ebenso wenig aufgeben, wie ihre angebliche Unersetzbarkeit in Job und gar die eigene Karriere. Diese Entbehrungen schiebt man gern der Partnerin zu. Ganz auf Augenhöhe versteht sich – immerhin sind es ja modern denkende Männer.

Wie aber bekommt man mehr Zeit mit dem Kind, ohne dabei seine Privilegien, sein Haus, sein Boot aufs Spiel zu setzen? Richtig, man schaut nicht auf den eigenen Nabel, sondern fordert von anderen ein. Am liebsten natürlich von der großen Bundespolitik.

Also jene Väter, gut verdienend, in gehobenen Positionen, die ihre Priorität (siehe Tweet „über alles“) auf den Job gelegt haben, die Zuhause zwischen 8 und 20 Uhr v.a. durch Abwesenheit glänzen – warum wollen die eigentlich Kinder? Die es nicht zum Adventsbasteln, nicht zum Sommerfest, nicht zum Elternabend, nicht zum PeKiP-Kurs schaffen. Die nicht wissen, was das Kind zuletzt gelesen hat, wie der beste Freund heisst und wann die nächste Deutscharbeit ist oder welches Computerspiel das Kind am liebsten spielt und warum…

(Wollen habta gelesen, ne? Nicht sollen die haben dürfen)

Folgende Antworten haben mir geholfen zu verstehen, warum jener Mann Kinder haben möchte:

  • Man lebt bereits viele Jahre glücklich mit einer Partnerin zusammen, die einen Kinderwunsch hat. Man selbst hat keinen, aber der Partnerin will man das nicht verwehren. Das Paar geht davon aus, dass es mit Kind auch gut klappt.
  • Es scheint eine Art „heteronormative Vorstellung“ zu geben, die sagt: Ab Alter X ist eine Familie dann eine Familie, wenn sie aus den Elementen Vater, Mutter, Kind besteht. Das Kind gehört dazu, wie die Ehe, das Haus, das Auto. Familie haben ist ein Status.
  • Kinder zu haben ist (für manche) ein menschliches Grundbedürfnis. Egal wie die berufliche oder sonstige Lebenssituation aussieht.
  • Es gibt keinen zwingenden Zusammenhang zwischen „Kinder bekommen“ und „Genügend Zeit für Kinder haben“. Kinder kann man auch so bekommen. Eine gute Eltern-Kind-Beziehung kann man auch mit wenig Zeit aufbauen. (Die Grundannahme der Frage ist also falsch)
  • Insbesondere Teresa Bücker hatte (für mich) sehr einleuchtende Antworten:

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Am Ende ist die einfachste Antwort vielleicht die einleuchtendste:

Deswegen allen, die mir (und den anderen Antwortenden) geantwortet haben ohne mir Polemik, Dümmlichkeit, Dreistigkeit und Primitivheit vorzuwerfen: Vielen Dank. Ich kann es jetzt besser nachvollziehen (auch wenn es nicht mein eigenes Lebensmodell ist). Persönlich ist es mir wichtig verschiedene Lebensentwürfe zu verstehen. Im Grunde kann man von Pluralität immer nur profitieren. Schließlich ändert sich das eigene Lebensmodell auch mal. Manchmal auch völlig ungeplant und wie gut ist es da, wenn man sieht, dass man auf zig Varianten ebenfalls zufrieden und glücklich leben kann.

Bussi, arbeitende Rabenmama Patricia


Der Vollständigkeit halber – wen interessiert, was ich persönlich über den Zusammenhang von Zeit und Beziehungspflege denke, der kann lesen „Vereinbarkeit, Beziehungsaufbau und Smartphones“ und „Der Alleszusammenmachkult„.

Autor: dasnuf

Aha! Google doch "dasnuf" Muhahahahaha!

144 Gedanken zu „Bitte stellen Sie keine Fragen…“

  1. Es gibt keine dummen/falschen Fragen. Auch nicht auf Twitter.
    Ich finde es gut, dass Du genau diese Frage stellst, und noch besser, dass Du sie auf Kritik hin nachträglich in Frage stellst, reflektierst und noch deutlicher machst, was Dich bewegt.

    Meiner Meinung nach hast Du in diesem Fall alles richtig gemacht. Nicht beirren lassen!
    Wollte ich nur schnell loswerden, ohne konkret was zum Thema beizutragen, weil mir da grad der freie Kopf für fehlt. (Obwohl selbst teils etwas zu viel arbeitender Vater.)

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  2. Warum ich (als Mann) trotz Kinder Vollzeit arbeite? Weil meine Frau beim Lebensstil (Urlaub etc.) KEINE Abstriche machen wollte. Mehrfach sind Versuche gescheitert, die Arbeitszeit zu reduzieren. Und das lag NICHT an meinem Arbeitgeber.

    Aber ich sch***** auf Karriere, bin jeden Abend pünktlich zu Hause und bleibe auch mal spontan zu Hause, wenn ein Kind krank ist. Zeit mit den Kindern ist unersetzlich und niemand bringt sie einem zurück, wenn man das verpasst hat. Andere Dinge kann man verschieben, wenn es sein muss, aber das nicht.

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  3. Diese heteronormative Vorstellung, dass man als Hetero-Paar (insbesondere wenn man verheiratet ist), ist tatsächlich ziemlich stark. Mein Mann und ich wollen aus diversen Gründen keine eigenen Kinder. Die Umwelt davon zu überzeugen, dass wir es a) ernst meinen und b) deswegen den Kinderwunsch anderer Heteropaare nicht in Frage stellen, war gar nicht so einfach. Bei einigen Menschen hat es länger als 2 Jahre gedauert um zu akzeptieren, dass es nicht nur eine „Phase“ bei uns ist.

    Ich kenne tatsächlich auch ein Paar, wo der Mann nie Kinder wollte, die Frau schon. Die beiden haben ein Kind, allerdings hat er von Anfang klar gesagt, dass das Kind ihr „Job“ ist. Keine Ahnung wie glücklich damit alle Beteiligten wirklich sind.

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  4. Zu Karriere kann ich nicht viel sagen – da fehlt mir die Erfahrung (Künstlerin, viel Arbeit, kein Geld – working poor). Unsere drei Kinder haben wir mit dem (relativ bescheidenen) Einkommen meines Mannes groß gezogen.
    Ich denke, ein Sozialstaat, der diesen Namen verdient, sollte es ermöglichen, dass man mindestens zwei Kinder mit EINEM Einkommen vernünftig großziehen und ausbilden lassen kann. Wer für dieses Einkommen sorgt sollen sich Mama und Papa (bzw. Mama und Mama oder Papa und Papa) bitte selber ausmachen können. Wenn sie sich die Erwerbsarbeit teilen wollen, sollen sie auch diese Möglichkeit haben. Klingt doch ganz einfach, wieso sieht die Realität trotzdem so anders aus?

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  5. „Ist so“… ich weiß nicht. Ich gehöre zu den Frauen, die das niemals einfach so akzeptieren würden. Seit ich das 1. Mal schwanger wurde, bin ich in der 3. Beziehung. In allen war ich immer um Gleichberechtigung meiner (Karriere-) Bedürfnisse bemüht. Daran ist auch keine der Beziehungen gescheitert, auch wenn das viele gerne denken würden, aber das war nie das Problem. Mit jemandem, der da ein ernsthaftes Problem gehabt hätte, wäre ich nicht länger zusammen gewesen (und das war/bin ich jeweils).
    Ein wichtiger Aspekt, von dem sich dennoch meine Partner teilweise durchaus dankbar verabschiedet haben, ist der, als Mann der Ernährer sein zu wollen oder müssen. Ich glaube, das beantwortet doch Deine Frage für die meisten Männer. Es ist die erwartete Rolle, und die ist stark in ihnen. Ohne das werten zu wollen. Es hatte sicherlich einmal seine Berechtigung. Heute muss es das eben nicht mehr. Aber das muss in den Köpfen erst noch ankommen.

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  6. Hallo Patricia,

    ich kann Deine Frage total gut verstehen..den Gedanken hatte ich auch gern mal bei bekannten/befreundeten Familien aus Frankreich.
    Also wo es total normal ist, dass beide Eltern Vollzeit arbeiten, die Kinder aus der Betreuung von einem Kindermädchen abgeholt werden und die Eltern eh erst um 19-20 Uhr nach Hause kommen..
    Sprich, man sieht die Kinder eigentlich nur am Wochenende und im Urlaub.
    Das erschließt sich mir auch nicht……..
    Aber vielleicht ist das auch kulturell bedingt – mein Mann und ich kommen aus Osteuropa bzw. einem Land der Ex-Sowjetunion…Und da werden (zumindest oft, meiner Erfahrung nach) Kinder nochmal besonders geliebt. Also nicht nur individuell, sondern einfach generell.
    Also war das bei uns auch einfach überhaupt keine Frage, dass wir beide sehr gern viel Zeit mit unseren Kindern verbringen wollen. Und dass das aufgrund von Selbständigkeit (irgendwie, meistens) auch möglich ist.
    Mein Mann vermisst unsere Kinder wahnsinnig, wenn er beruflich (oft) unterwegs ist. Auch schon nach 24 Stunden. Mir geht es genauso (und natürlich genieße ich die seltenen Auszeiten auch total). Es ist einfach eine Priorisierung: Kinder sind das Beste. Da kommt nix dran, kein beruflicher Erfolg, kein großes Geld.
    Vielleicht sind wir auch beide zufällig besonders un-ehrgeizig. ;-)

    Viele Grüße, Julia

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  7. Ich frage mich witzigerweise immer anders herum: warum will man mit so einem Menschen ein Kind? Da ist das alleine erziehen, ob nun in Paarbeziehung oder getrennt, ja vorprogrammiert. Wenn das für alle okay ist: wunderbar. Aber das ist es ja nicht. Ich bin noch nicht ganz dahinter gekommen, wo da der Knackpunkt ist, denn ein „Ändert halt euer Beuteschema!“ greift da deutlich zu kurz. Dennoch, es wundert mich.

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  8. Ich hatte sowohl den Tweet als auch die Antworten darauf gelesen und dann erst mal tief durchatmen müssen. Dieses Twitter … Selbst hab ich keine Kinder, aber deine Frage (die ich übrigens auch als durchaus wertend gelesen habe, was wohl wirklich an den Wörtern »eigentlich« und »überhaupt« liegt) hat mich daran erinnert, wie das bei Freunden von mir lief: Die beiden waren bzw. sind auch ziemliche Arbeitsmenschen, die beruflich weiterkommen wollen – gleichberechtigt übrigens. Dann kam der Kinderwunsch dazu und ich glaube, ein Grund, weshalb Karrieremenschen Kinder wollen ist eben wirklich, weil Kinder Spaß machen, bzw. zu machen scheinen. Die beiden sahen ein potenzielles Kind eher so als cooles Addon, durch das man neben toller Karriere auch noch toll Spaß als Eltern haben kann. Na ja, dann der Sohn da und das Ende der Geschichte war, dass beide sagten, also SOOO anstrengend hätten sie sich das jetzt nun nicht vorgestellt. Geht wahrscheinlich allen so. ;) Aber ich schätze, so kommt dieser vermeintliche Widerspruch zustande. Nacklapp dazu: Sie mussten ihr Leben inklusive Job doch ein gutes Stück umstellen, wachsen aber für mein Empfinden gut in ihre Rollen hinein und scheinen zu merken, dass der Job eben nicht alles ist. Ich finde das richtig gut.

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    1. Total offtopic: Erinnere ich mich richtig, dass Dir die Bügelperlen Rey & Finn gefallen haben? Ich würde die gerne verschenken. Magst du sie haben? (Bitte nicht aus Höflichkeit ja sagen. War nur so ne Idee, falls du die irgendwie wirklich lustig findest)

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      1. Oh ja, das war ich, stimmt! :) Also die hätte ich wirklich gern. Wir ziehen in ein paar Wochen um und haben dann ein paar Zimmer mehr. Eines bekommt eine Star-Wars/Harry-Potter-Ecke, und da würden sich die beiden prima machen. Wenn’s passt, kann ich dir meine gern da lassen. Gibt’s hier ein Kontaktformular? Hmm, ansonsten schreib ich dir gleich bei Instagram.

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  9. Sehr schöner Artikel.

    My 2 cents: Mein Vater ist pensionierter Kapitän. Er war also sehr selten daheim. Trotzdem ist er für mich der ideale Papa. Ich wünsche mir, daß meine Tochter mich mal so liebt, wie ich ihn. Ich hatte nie das Gefühl, irgendetwas verpaßt zu haben. Wenn er anwesend war, war er immer für mich da. Wenn ich mir allerdings ansehe, was für Entbehrungen meiner Mutter hatte, weil er abwesend war (sie war voll berufstätig und mit zwei Kindern „allein“ in der DDR-Mangelwirtschaft), sehe ich, wo er als Vater versagt hat: Nicht beim Umgang mit uns – also in der eigentlichen Vaterrolle, trotz „Karriere“ -, sondern er fehlte bei der Bewältigung der täglichen Aufgaben, die ums Kind aber nicht direkt mit dem Kind zu tun haben, d.h. also der partnerschaftliche Aspekt des Elternseins zu kurz kam.

    Das ist ein Aspekt der hier in der Diskussion meiner Meinung nach noch fehlte.

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    1. Da hast du absolut Recht. Die Kinderperspektive ist bis jetzt noch gar nicht zur Sprache gekommen. Danke für die Ergänzung.
      (Es gibt eben solche und solche „abwesende“ Väter. Da habe ich von mir als Kind fälschlicherweise auf andere geschlossen.)

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  10. Danke! Sehr lesen- und sehr bedenkenswert. Was mir sehr oft auffällt und auch hier ist der wie ironisch auch immer gemeinte Nachsatz -arbeitende Rabenmama/ mutter etc. Von Männern kommt das nie. Mich beschäftigt das deshalb, weil ich obwohl kinderlos, sehr stark an einer großen Universität versuche mehr Frauen einzustellen und Konferenzen familienfreundlicher, sprich frauenfreundlich zu machen. Zum Beispiel professionelle Kinderbetreuung etc. Die Erfahrung der letzten drei Jahre zeigt: die Teilnehmerquote von Frauen ist fast unverändert schlecht. Evaluiert man das, dann habe ich von Müttern fast ausschließlich auf das Angebot Kinderbetreuung gehört: ich will doch keine Rabenmutter sein und mein Kind auch / auch noch / überhaupt in eine Betreuung geben. Die Väter indes, Einzelfälle zwar, haben das Angebot gern genutzt. Ich frage mich seitdem aber schon sehr intensiv, was ich als Arbeitgeber eigentlich anbieten muss, damit dieser Zirkelschluss aufhört und auch, was heißt Karriere für Mütter. Karriere als Mutter?

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    1. Erlauben Sie mir, dass ich auf Ihre Frage als Betroffene antworte: Ich arbeite an einer Uni, Qualifizierungsstelle, drei Kinder. Mein Mann und ich teilen die Arbeit gleichberechtigt, es ist eher so, dass er mehr macht. Es liegt zum Teil sicher an der eigenen Lebensplanung, dafür spricht ja auch der Tweet und der dann erklärende Text oben – es ist in unserer Gesellschaft immer noch mit negativen Konnotationen versehen, wenn die Kinder viel fremdbetreut werden. Das schreckt sicher ein paar ab. An der Uni ist es aber doch vor allem so, dass eigentlich immer noch das Konzept mittelalterliche Mönchsuniversität gelebt wird. Es werden keine Rücksichten auf Eltern genommen, zumindest nicht in der Realität. Sitzungen, Treffen, Networking meist nach 18:00 Uhr. Dieselbe Zeit für die Qualifizierung (teilweise bekommen Sie Semester wegen Kinder dazu), die gleiche Rate an Publikationen, Auslandsaufenthalten etc. Kinderbetreung in der Regel ein Witz – schon mal auf einem Kongress mit den Kindern gewesen? Sie schaffen ein paar Vorträge, das war es dann. Das alles zu leisten ist für Eltern schwierig. Wir sind nicht so flexibel wie kinderlose Kollegen und Kolleginnen. An den Wochenenden, wenn diese ihre paper schreiben, haben wir die Kinder zu Hause. In der vorlesungsfreien Zeit größtenteils auch. Das ist die Zeit, in der Forschung stattfindet. Im Grunde ist das wirklich absolut unvereinbar und eigentlich ist jede/jeder wahnsinnig, der das versucht. Aber dann kommt natürlich der Teil, an dem sagt, die Arbeit ist so erfüllend, dann nimmt man viel in Kauf, was aber niemand sieht: Man fährt nicht in den Familienurlaub, sondern nutzt die Zeit. Man ist am WE im Büro etc. Ständig haben Sie den absoluten Druck, nicht fertig zu werden und dann wird die Stelle nicht verlängert, Sicherheit haben Sie ja erst mit der Professur. Mit Kindern erhöht sich die Existenzangst. Sie sind nicht nur für sich verantwortlich. Also wählen Sie Sicherheit. Wenn Sie was ändern wollen, dann kümmern Sie sich um die Belange von Eltern. Die Gleichstellungsdebatte hat in erster Linie den Frauen geholfen, die um der Karriere willen auf Familie verzichtet haben – absolut legitim. Für Eltern war das aber keine besonders große Hilfe. Bei Bewerbungen zählen die Anzahl der Publikationen, internationale Kontakte etc. Dinge, die sie während die Kinder klein sind nur sehr schwer bewerkstelligen können. Lassen wir uns trotzdem auf diese Form der Vereinbarung von Job und Familie ein, dann bekommen wir solche Tweets um die Ohren gehauen. Und ja, ich würde ihn als sehr abwertend lesen und hätte ihn ohne Erklärung für eine sehr unangebrachte Einmischung und Vorverurteilung anderer Lebensentwürfe gehalten. Das geht genau in die Richtung, wie die Fragen „Wie schaffst du das eigentlich?“

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  11. Ich denke, beleidigend zu werden, ist prinzipiell völlig fehl am Platze. Das Problem ist vermutlich, dass es schwierig ist, seine Position auf die paar Zeichen zu beschränken. Das macht natürlich Platz für Missverständnisse. Auch ich bin über deinen Post gestolpert und fand es zunächst unverständlich. Gleichzeitig habe ich mich das gefragt, was du hier im Post auch erwähntest: Was ist denn eigentlich Karriere? Interessanterweise kam ich überhaupt nicht auf die Idee, dass du Väter gemeint haben könntest. Manchmal spielt einem das eigene Gehirn auch einen Streich – es ist schon interessant, wie eingeschränkt man selbst manchmal denkt :-)
    Deshalb: Vielen Dank für die Aufklärung im Post.

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  12. Tja – warum will man(n)/frau Kinder? Ich zum Beispiel vor allem aus dem Grund, damit ich weiß wie es sich anfühlt, wenn Leben in einem wächst. Mein Partner aus dem Grund, um mir den Wunsch zu erfüllen. Wenn man sich liebt, tut man Dinge, die andere glücklich machen. Meine andere Freundin ist alleinerziehend & fordert fast nichts von ihrem Expartner ein, weil sie ja nun „das Kind mehr wollte als er & dann muss ich auch sehen, wie ich´s hinbekomme“… Eine Frage, 1000 Antworten.

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  13. ich fürchte, diese frage wurde (und wird) müttern in unterschiedlicher direktheit sooft und in eindeutig reaktionärer/bevormundender/kritisierender absicht gestellt, dass sie einfach nicht mehr neutral gestellt werden kann. und wenn dann im geiste „wollen“ und „dürfen“ ausgewechselt werden oder aus einem „warum“ eine wertung geschlossen wird, erübrigt sich leider jede diskussion. wahrscheinlich ist das problem an twitter-diskussionen, dass es keinen gemeinsamen kontext gibt und aussagen immer öfter einfach losgelöst von dem_der sender_in hergenommen werden. weil, natürlich ist es ein unterschied, ob mir diese frage die familienministerin stellt oder ich sie am abend mit freund_innen diskutiere.

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    1. Ja und trotzdem übe ich mich darin sachlich zu bleiben und ggf. auch gegenzufragen („Meinst du wirklich die Mütter?“ „Warum hältst du Karriere und Kinder für unvereinbar?“ etc.) ohne herablassend, angreifend oder beleidigend zu werden. Das ist auch, was ich mir von anderen wünsche. Denn am Ende kommt auf die Art und Weise oft etwas erhellendes oder lehrreiches raus.

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      1. auf jeden fall, das glaube ich auch. also, dass am ende etwas erhellendes rauskommt. für mich zb diesmal, dass es endlich an der zeit ist, den leidigen karrieren-begriff zu überdenken, bei dem ja schon die „lean in“-debatte zeigte, wie wenig brauchbar er für das thema vereinbarkeit ist.
        danke jedenfalls fürs (weiterhin-)fragen-stellen. ist nicht in der „adventkalender-debatte“ der hinweis auf advocatus diaboli gefallen? davon bräuchte es ja meiner meinung ein paar mehr – und zwar dringend im, wenn man so will, „verbündeten-lager“. wegen des lehrreichen am ende wär’s :)

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        1. Vielen Dank für’s immer wieder Fragen stellen. Für mich kommt bei diesen Debatten schön fein säuberlich am Ende heraus, wie es um das Selbstbewusstsein von (arbeitenden) Müttern in Deutschland bestellt ist und wie wund und angreifbar sich da viele noch fühlen. Es ist offensichtlich immer noch nicht wirklich vereinbar, dass Mütter auch mal in erster Linie Frauen mit eigenen Bedürfnissen sind – abseits von Kindern und Familie und auch abseits von Karriere. Es ist auch nicht wirklich akzeptabel, dass es andere (weniger flauschige) Familienuniversen gibt, die man lieber nicht kennen und besuchen möchte. Daher dürfen all solche Fragen nicht gestellt werden. Sie treffen hintenrum ins Schwarze und tun weh.

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  14. Ich habe immer gern und viel gearbeitet und tue es noch… Ich bin wahnsinnig gerne Mama. Das schönste und größte Abenteuer meines Lebens!
    Ich habe mich keine Sekunde als berufstätige Mutter angegriffen gefühlt.
    Ich fand den Tweet sehr spannend. Kaum einer ist auf die Formulierung „über alles“ angesprungen. Für mich heißt das, dass alles andere im Schatten steht und das legitimiert die Frage um so mehr- für mich!
    Viele Grüße
    Tanja, Murmelmum

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  15. Wer sich mal gruseln will, kann mal „Mann + Kinder + überreden“ googeln, da findet man seitenweise Posting von Frauen die ihren Mann zu einem (weiteren) Kind überreden wollen. Und genau so wirken viele Beziehnungen auf mich, ein Partner wollte ein Kind, der andere hat halt mit gemacht. Das sich für den „passiven“ Partner nicht viel ändern soll, ist irgendwie nachzuvollziehen, wenn man sich schon gar nicht bewusst dafür entschieden hat.

    Das findet sich übrigens auch in der Popkultur wieder, hat jemand hier die neuen „Gilmore Girls“ Folgen gesehen? Mini-Spoiler: Dort spielt der homosexuelle Nebencharakter Michel mit, dessen Partner (den wir nie kennenlernen) sich ein Kind wünscht, er hat darauf aber gar keine Lust. Statt einer offenen Diskussion, wird die Situation humoristisch ausgeschlachtet, Michel muss sich in einer Szene geradezu zwingen nett zu einigen Kindern zu sein. Wie das Thema ausgeht, wird nie aufgeklärt, aber für mich ist das eine ebenso fürchterliche wie typische Message. Dann lieber das hier:
    https://www.youtube.com/watch?v=JoXtkK9d33o

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  16. Ich hab‘ mich gestern zurückgehalten, weil ich a) mich sofort angegriffen fühlte und merkte, dass das an mir und nicht an Deiner Frage lag, und b) weil ich mich seither frage, was „Karriere“ eigentlich ist. Ab wann beginnt das? Wie viel kann/muss/darf man arbeiten, bis das als Karriere gilt? Ist das an Einkommen geknüpft, an Zeit? Mache ich „Karriere“? Aber das passt auch nicht in 140 Zeichen.

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  17. Huhu, ich war ja auf Facebook auch eine der kritischen Stimmen. Wenn ich was bei Lebensmodellen Familie+Kinder+Job gelernt habe, dann dass JEDE Familie oder Beziehung oder Lebensweg da ihren eigenen Weg findet. Es gibt Singels ohne Kinderwunsch. Paare ohne Kinderwunsch (oder unerfüllt). Die Dreifach-Mama, die ihren Job als Erzieherin aufgibt, weil ihr Mann als Arzt einfach mehr verdient und sie Erfüllung findet als „Nur-Mama“. Es gibt die zwei Selbstständigen (hallo, wir hier), die sich irgendwo so durchwurschteln. Es gibt die Doppelverdiener, die ihr Kind 10 Stunden in die Kita bringen, aber in der einen ihnen heiligen Stunde am Abend versuchen, ihrem Kind alles zu geben. Und es gibt noch mindestens 100 weitere Modelle. Ich habe mir angewöhnt, nicht darüber zu urteilen, wie es andere machen (und mir auch nicht den Kopf darüber zu zerbrechen), sondern unseren Weg zu finden. Und das ist schwer genug. Ich hatte mal gaaaanz hohe Ziele: Studium beendet mit 24 (natürlich mit summa cum laude), direkt anschließend den tollen Job mit späterer Führungsposition, mit 26 das erste Kind, mit 29 das zweite etc. Ist alles nicht so gekommen. Und ja, ich könnte mich sicherlich mittlerweile in einer Agentur 70 Stunden die Woche um die tollen Aufträge kümmern. Aber mein Sohn ist noch klein. In den wenigsten Jobs gibt es aber Karrieremöglichkeiten, interessante Verantwortlichkeiten mit super Bezahlung auf Halbtagsbasis. Und da Männer eben noch nicht schwanger werden und stillen können (und oft besser bezahlt werden), sind es logischerweise die Frauen, die zu Hause bleiben. Ich weiß, es gibt zig Möglichkeiten der Kinderbetreuung, das Kind zum Stillen ins Büro bringen, abpumpen, Flasche etc. Aber will ich das??? Mein Mann und ich machen uns den Superstress, so viel wie möglich für das Kind da zu sein, genug Geld nach Hause zu bringen und auch mir eine berufliche Tätigkeit zu ermöglichen. Aber das ist eben unser Weg und der ist nicht für jede(n) der richtige. Und auch mir fällt es an manchen Tagen zugegeben schwer, meine Bedürfnisse zurückzustecken. Aber wie sagte eine Freundin letztens: Viele Worte für „ist so“.

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  18. Wie oft mir sowas schon passiert ist – und da gabs noch nicht mal Twitter… manch einer hört nur das, was er hören will (oder eben gerade nicht hören will) und nicht eine neutrale Frage.

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  19. Danke! Ja, Twitter neigt oft dazu, eben solche Fragen und die Antworten dazu missverständlich werden zu lassen, auch wenn das ursprünglich gar nicht beabsichtigt war.

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