+++ Ich brauche keine Liveticker +++

Innehalten und abwarten
Unbeschwerte Kindheit trotz weltpolitischer Krisen

1995 habe ich Abitur gemacht. 1975 bin ich geboren.
Natürlich hatte ich in der Schule auch Geschichte und dadurch einen groben Plan, welche Krisen die Welt, welche Krisen Deutschland in meiner Kindheit und Jugend durchlebt hat.

Tatsächlich aber war ich bis in die 90er im Großen und Ganzen sorglos. Es gab nur wenig, das ich aktiv mitbekommen hatte. Tschernobyl (1986) zum Beispiel. Für mich als Kind bedeutete das eine zeitlang Spielplatzverbot und wir hörten auf Pilze zu sammeln, etwas, das ich als Kind sehr gerne mit meinen Eltern gemacht habe.

Ich bin in Bayern groß geworden und wir hatten einen Hund, was bedeutete, dass wir jeden Sonntag lange Spaziergänge im Wald gemacht haben.

In der Herbstzeit haben wir die Spaziergänge genutzt, um Pilze zu sammeln. Trompetenpilze, Steinpilze, Maronen hauptsächlich. Wir haben alle Pilze in einen Korb gepackt und sind dann zu einer alten Frau, die sich mit Pilzen sehr gut auskannte. Sie kam mir damals wie eine Hexe vor.

Ich erinnere mich an eine kleine, sehr faltige, gebeugte Frau, die uns an einem Steintor erwartete. Sie schaute sich an, was wir gesammelt hatten, sortierte die ungenießbaren Pilze aus, behielt einen kleinen Anteil für sich und dann gingen wir nach Hause, machten die Pilze sauber und kochten sie.

Mit Tschernobyl war das vorbei.

Dann in den 90ern, ich war schon im Gymnasium und hatte das Fach „Politik und Zeitgeschichte“ belegt, sorgten wir uns als der zweite Golfkrieg (1990) ausbrach.

Genau in diesem Sommer war ich mit meinen Eltern in Istanbul bei Freunden zu Besuch. Diese hatten große Angst vor möglichen Folgen und Eskalationen. Ich meine mich düster zu erinnern, dass sie sogar mit Gasmasken und anderen Sachen ausgestattet waren, um sich vor Biowaffen zu schützen. Sie baten uns Istanbul zu verlassen und zurück nach Deutschland zu gehen.

Sonst war meine Kindheit und Jugend völlig unbeschwert. Ich habe nichts mitbekommen.

Wie ging es damals meinen Eltern?

Heute, da ich selbst Mutter bin, frage ich mich, wie das damals für meine Eltern war. Haben sie sich ständig gesorgt? Waren sie geschockt von dem was passierte? Wie viel bekamen sie mit?

Vom Kalten Krieg (von der Nachkriegszeit bis 1989) hörte ich beispielsweise wirklich erst im Geschichtsunterricht.

Auch für den Deutschen Herbst (1977) war ich natürlich viel zu klein. Aber wie haben sich meine Eltern gefühlt?

Was will ich eigentlich sagen? Ich will sagen, ich bin voller Sorge. Ich weiß auch gar nicht, was mich am meisten sorgen soll. Die Aussicht auf einen Präsidenten Trump? Die Zustände in den „Flüchtlingsländern“? Der Terror, der langsam über Spanien und Frankreich nach Europa zieht? Dass Europa langsam zerbricht? Die Zustände in der Türkei? Schießereien in den USA? Amokläufe in Frankreich? In Deutschland?

Für mich bleibt auch die Frage „Darf ich mich weigern bestimmte Dinge sehen zu wollen„?

Den Putsch in der Türkei und den Amoklauf in Nizza und auch den in München habe ich auf Twitter mitbekommen. Ich wurde überflutet von Nachrichten und Fotos. Das Problem ist nur: die Nachrichten sind im Grunde alle inhaltslos. Die meisten Bilder sind verstörend, für die Menschen vor Ort vielleicht sogar gefährlich und ich kann ihren Wahrheitsgehalt nicht ausmachen. Trotzdem fällt es mir schwer nicht durch meine Timeline zu scrollen.

Das erste Mal war ich auch froh, dass Facebook diese „markiere, dass du dich in Sicherheit befindest“-Funktion hat. Denn ich habe sowohl Freunde in Nizza als auch in München.

Gestern habe ich mich gefragt, ob 2016 wirklich ein schlimmes Jahr ist oder ob einfach die Transparenz höher ist. Ob mich Nachrichten leichter erreichen.

Ich habe erst seit knapp zehn Jahren ein Smartphone und Accounts bei facebook, Twitter und Co.

Davor war alles ruhig. Ich hatte nicht mal einen Fernseher.

Durch Twitter wird jede Katastrophe zum 11. September

Mit Ausnahme des 11. Septembers 2001 habe ich nie etwas live mitbekommen. Wenn etwas passierte, dann habe ich das morgens in den Schlagzeilen der Zeitungen gelesen, die in den Kiosken auslagen.

Wie hypnotisiert saß ich am 11. September vor dem Fernseher eines Freundes. In Dauerschleife sah ich Flugzeuge in das World Trade Center fliegen. Immer und immer wieder. Stundenlang.

Dann sah ich irgendwann Menschen aus den Gebäuden springen. Kleine, schwarze Flecken. Diesen Anblick werde ich nie vergessen. Erst da habe ich den Fernseher abgeschaltet.

Durch Twitter sind quasi alle Katastrophen, alle Anschläge, alle Amokläufe so nah wie der 11. September. Das ist unerträglich und hilft niemanden.

Deswegen wünsche ich mir die Zeit zurück, in der mich Zeitungen am nächsten Morgen oder Tag erst informierten. Ich wünsche mir die Zeiten zurück in denen Journalisten nicht senden und posten sondern nachdenken und recherchieren dürfen.

Ich will mir nicht von einzelnen Tweets angetrieben in Panik Infos auf Wikipedia selbst zusammensuchen und versuchen zu erahnen wie sich Geschehnisse auswirken könnten.

Ich möchte, dass es weiterhin Experten gibt und zwar Experten, die sich jahrelang mit einem Thema beschäftigt haben, die Zusammenhänge und Akteure kennen, die über ihre Wortwahl nachdenken können. Die Durchatmen dürfen und sich überlegen, ob sie wirklich von Terror sprechen müssen, ob es wirklich hilfreich ist irgendein Land zu benennen, in dem womöglich die Eltern eines Täters geboren wurden.

Ich möchte keine Experten, die Experten werden, weil sie vor Ort ein Foto posten.

Kann Journalismus bitte wieder mehr sein als die schnellste Mutmaßung zu äußern und das erste Foto zu veröffentlichen?

Wirklich.

Die Liveticker, die Bilder, nichts davon ist hilfreich.

Ich werde deswegen in Zukunft das tun, was ich als Kind bei Löwenzahn gelernt habe – abschalten (und dann abwarten bis es fundiertere Analysen und Schilderungen gibt).


Nachträgliche Ergänzung:

„Die Zeitläufte sind leider so, dass öffentlich-rechtliche Sender mittlerweile fast im Monatsrhythmus an den Pranger gestellt werden, wenn sie nicht ohne Zögern und ohne Zeitbegrenzung „drauf gehen“. […]

Es ist niemandem geholfen, wenn die Öffentlich-Rechtlichen sich mit ihren traditionell ausgestrahlten Programmen auf ein Rattenrennen mit Social Media einlassen. Oder Netzfunde unreflektiert weitergeben.“

Quelle: Claus Kleber über Fernsehjournalismus

Auch interessant zu lesen:

Autor: dasnuf

Aha! Google doch „dasnuf“ Muhahahahaha!

349 Gedanken zu „+++ Ich brauche keine Liveticker +++“

  1. Ich kann dich gut verstehen. Mich nerven die Eilmeldungen im Smartphone auch manchmal. Da muss ich mir aber an die eigene Nase fassen und zugeben, dass ich das Handy sehr oft/ zu oft anmache im Alltag. Früher hab ich einfach ein Buch gelesen, wenn ich ein paar Minuten Zeit hatte zwischendurch oder zum Einschlafen. Heute verliere ich mich oft in Twitter, Facebook oder Instagram. Allerdings nicht in der Nachrichtenflut, sondern im Anschauen schöner Bilder, Lustigem oder dem Lesen von Blogbeiträgen. Das ärgert mich manchmal, dass ich da soviel Zeit verbummele. Andererseits ist das auch Entspannung für mich.
    An dem Abend als der Irre München unsicher gemacht hat, feierte meine Tante Geburtstag. Meine Schwester, die lange in München gelebt hat, setzte sich gleich vor den Fernseher. Nach einiger Zeit entschloss sie sich zum Weiterfeiern. Ihren Vorsatz, später weiterzuschauen hat sie zum Glück in einen netten Kneipenabend verwandelt. Ich finde, es hilft keinem weiter, den Liveticker zu verfolgen. Die Falschmeldung, dass der Täter auch am Stachus sei, hat bestimmt viele verunsichert. Andererseits war die Entwarnung und aktuelle Verkehrsmitteilungen hilfreich.

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  2. „Deswegen wünsche ich mir die Zeit zurück, in der mich Zeitungen am nächsten Morgen oder Tag erst informierten. (…) Die Liveticker, die Bilder, nichts davon ist hilfreich.“

    Also ich wünsche mir diese Zeit nicht zurück. Ich wohne in München und als der „Live Ticker“ Freitag Nacht gemeldet hat, dass der Täter tot ist, war das schon eine Erleichterung für uns. Die Pressekonferenz der Polizei fand um 2:00 Uhr statt, in manche Zeitungen hätte es das vielleicht gar nicht mehr geschafft. Dafür haben zig Online-Medien die entsprechenden Meldungen innerhalb von Minuten an die potentiell 1,5 Millionen Betroffenen verbreitet.

    Außerdem war an dem Tag der öffentliche Nahverkehr komplett eingestellt und ich wollte am nächsten Morgen mit meiner Tochter zu den Großeltern fahren. Auch hier war es sehr hilfreich zu wissen, dass der Attentäter gefunden ist und die S-Bahnen wieder regulär fahren. Wenn ich das nicht gewusst hätte, wäre ich vermutlich zu Hause geblieben. Bekannte haben an dem Abend stundenlang im Keller eines Restaurant ausgeharrt, bis endlich Entwarnung gegeben wurde.

    Nein, man muss hier finde ich differenzieren. Es gibt heute großartige technische Möglichkeiten und diese lassen sich sehr sinnvoll nutzen. Es gibt Fakten die man verkünden kann ohne immer gleich einen Experten einfliegen zu lassen und ein Live Ticker kann richtig genutzt hilfreich sein. Die Herausforderung ist mehr die Angebote zu finden, die keinen hechelnden „Wir wissen nichts neues, aber schreiben trotzdem irgendwas!“ Journalismus betreiben.

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    1. Du hast recht. Man muss differenzieren. Die Nachricht, dass der Täter gefasst bzw. dass es keine weiteren Täter gibt, war ebenso wichtig wie die Info über die öffentlichen Verkehrsmittel.

      Für den Transport von konkreten, sachlichen Infos ist SoMe sehr wertvoll.

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    2. So lange es um Fakten geht, wie eben die Meldungen zum Nahverkehr oder zum Tod des Täters, stimme ich Dir voll zu. Leider wird die ganze Zeit dazwischen dann zwanghaft mit Spekulationen, unbestätigten Gerüchten und nicht für alle Mitleser geeigneten Fotos gefüllt (das gilt umso mehr für die sozialen Netzwerke, nicht nur für die Liveticker).
      Hier wäre es wirklich sinnvoller, sich auf die Fakten zu beschränken und die Zeit für eine vernünftige Recherche zu nutzen.

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    3. Am Freitag war eigentlich nur der Twitter Account der Polizei München wichtig. Das Problem war und ist aber, dass man, wenn man dem folgt, automatisch in den restlichen Newsstrom rutscht. Und dort wimmelte es den ganzen Abend von vielen Falschmeldungen, die auf Hörensagen basierten und man hatte kurzzeitig den Eindruck, überall in der Stadt wird geschossen. Das hat uns an dem Abend zusätzlich verunsichert (wir waren nicht zu Hause, sondern noch in einem Restaurant).

      Ich weiß, dass eigentlich nur die offiziellen und gesicherten Informationen relevant sind, kenne aber den von Patricia beschriebenen Drang ebenso, trotzdem ständig live nachschauen zu wollen.

      Wir werden in den nächsten Jahren alle lernen müssen, damit umzugehen, zu filtern, einzuordnen. Die Medien müssen sich diesem inneren Drang nach schneller Information ebenfalls entziehen. Niemand bringt es was, wenn in den Tagesthemen ein offensichtlich überforderter Reporter Informationen zur Messerattacke von Würzburg verbreitet, die er „in der Tankstelle“ gehört hat. Wenn es keine gesicherten Informationen gibt, dann muss das so gesagt und einfach auch mal nicht mehr gesendet und spekuliert werden.

      Und auch Einschätzungen von Politkern, die persönlich schon irgendwie glauben, dass es sich um einen islamistischen Anschlag handelt, ohne gesicherte Ermittlungsergebnisse der Polizei abzuwarten, sind wenig hilfreich und schüren nur Angst.

      Der Drang nach schneller Information ist bei allen beteiligten Parteien groß, wir müssen aber lernen dem zu widerstehen.

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      1. Ja, ich hatte hier auch explizit die Accounts der Polizei München im Hinterkopf. Bei denen gab es den ganzen Abend lang vielleicht zehn relevante Posts, darunter mehrmals der explizite Aufruf keinerlei Fotos und Videos zu posten, Spekulationen zu unterlassen und Hinweise auf den Facebook „Safety Check“, einen Fileupload der Polizei selbst (zur Beweissicherung) und Notrufnummern. Auch die „Katwarn“ App finde ich diesbezüglich erwähnenswert.

        Klar, wenn man dann weiter klickt, hört man irgendwas von einem angeblichen zweiten Anschlag, aber da muss man sich letztlich selbst disziplinieren. So wie man von der „Tagesschau“ vielleicht nicht zu den „RTL2 News“ zappen will.

        Ach und noch was: Wer in so einer Situation fragwürdige Fotos oder Videos in meine Timeline spült, fliegt dort auch konsequent raus. Herr Gutjahr zum Beispiel.

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  3. Claus Kleber steht der Digitalisierung an sich ja extrem skeptisch gegenüber. Das hat er nach seiner Kalifornienreise sehr deutlich gemacht. Es ist ja dennoch so, dass die klassischen Medien ihr Publikum verlieren. Als Öffentlich-Rechtlicher kann er da noch etwas gelassener sein als andere. Insofern verstehe ich sehr gut, warum die Medien fast gezwungen sind, mitzumachen. Es ist, um nicht unterzugehen.
    Meine Eltern waren früher oft vor dem Fernseher bei dramatischen Nachrichten. Ich habe das als Kind wahrgenommen, aber nur am Rande. So wie meine Tochter vorgestern die Schießerei auch – wobei sich diese 15km Luftlinie entfernt von uns zugetragen hat; vergleichbares hatte ich als Kind nie. Alles war immer weit weg.
    Ich glaube nicht, dass Abschalten die Lösung ist und ich glaube, wir halten es auch nicht lange durch. Ganz ehrlich. Es ist doch am Ende auch nur eine Scheinruhe, in die man sich dabei begibt. Vielleicht sind wir einfach nur verwöhnt von Ruhe und Frieden? Terror immer nur weit weg? Andere leben mit ganz anderen Ängsten jeden Tag. Für die ist das Internet vielleicht ein Segen. Endlich kriegt es der Rest der Welt mal mit…
    Sorry, Gedankenfetzen.

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  4. ******************KOMMENTAROMAT**********************
    Gerne gelesen
    *****************/KOMMENTAROMAT**********************

    … hinzu kommt noch ein anderer Punkt, der mich an dieser ganzen Bilderflut stört: wenn nämlich Anwesende an einem Unfallort anstatt zu helfen lieber den Unfall und die Opfer filmen und den Helfern und Rettungsdienste im Weg herumstehen. Anstatt Ertrinkende zu filmen, könnte ich ganz provokativ fragen „Warum habt Ihr nicht geholfen, wenn Ihr vor Ort wart?“ — das zu meinen ganz persönlichen 5 cents

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  5. Ich würde mir auch oft mehr Gründlichkeit und weniger Spekulation wünschen. Vier Wochen nach einem Vorfall wissen wir mehr und fällen Urteile auf einer weniger spekulativen Basis. Gleichzeitig glaube ich nicht, dass die Zeit sich zurückdrehen lässt. Wir müssen eben mit dem vorläufigen Charakter unseres Wissens leben und uns klarmachen, dass unsere Interpretation der Dinge in zwei Wochen eine andere sein kann.

    Was Deine Sicht auf die Siebziger angeht, scheint das sehr unterschiedlich zu sein. Ich bin bekanntlich genauso alt, aber ich erinnere mich ganz anders. Im Freundeskreis meiner Eltern wurden über meine gesamte Kindheit die wüstesten Verschwörungstheorien geschmiedet. Der Wald starb, die Atomlobby wollte uns alle umbringen, die Regierung hatte es auf arme, progressive Lehrer und Lokführer abgesehen, ließ aber alle Nazis frei herumlaufen, und deswegen musste andauernd demonstriert werden, man investierte in Gegenöffentlichkeiten, stritt über den Rückzug ins Private und den Weg in die Parlamente, und das Ganze in einem fortwährenden Krisenmodus. Ich fand das übrigens okay. Ich glaube nicht, dass es richtig ist, Kinder von Politik abzukoppeln.

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    1. Danke für den Artikel, was ich gerne noch dazu sagen möchte ist, dass die Leute – durch diese ganzen Meldungen – so ein arges Gefühl kriegen und diese negative rauslassen müssen – am liebsten auf uns Frauen mit Kopftuch (ersichtlich Muslima)
      Es ist so schlimm geworden, dass kann ich nicht beschreiben und es sind die Medien, die sogenannten Experten und die rechten Politiker schuld, diese Hetze und Stimmungsmacherei trifft auf uns Mütter mit kleinen Kindern die unsere Angst spüren und eingeschränkt werden weil nicht willkommen…

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  6. Seit ich Nachrichten aus anderen Ländern schaue, bin ich sehr mißtrauisch auch gegenüber den deutschen Berichtetstattungen im Fernsehen geworden und glaube nicht mehr an unzensierte Nachrichten.
    Zwei Journalisten bzw. Experten, zwei Meinungen / Ansichten. Ich versuche mir meine eigene Meinung zu bilden, was zugegebenermaßen viel Zeit kostet.
    Daher möchte ich ungefilterte Nachrichten nicht missen. Nicht erst seit der Silvesternacht in Köln habe ich den Eindruck das einiges geschönt wird.

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    1. Halten Sie es nicht für normal, dass unterschiedliche Stimmen zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen? Auch Journalisten sind nur Menschen, die Ereignisse unterschiedlich interpretieren, und dabei vermutlich ebenso oft daneben liegen wie wir, nur mit dem Unterschied, dass unsere Möglichkeiten der Recherche schlechter sind. Am Ende sieht jeder durch die Brille seiner eigenen Erfahrungen und Vorurteile.

      (Und gerade bei den Silvestervorfällen, auf die Sie sich beziehen, hatte ich den Eindruck eines sehr guten Journalismus, u. a. die ZEIT hat hier breit recherchiert und aufgearbeitet, so wie weder Sie noch ich es jemals könnten. Wenn Sie annehmen, es werde „geschönt“, schließen Sie sich sehr bedenklichen Tendenzen an.)

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  7. Gestern am Abend kamen wir recht erschöpft aus dem Urlaub. Im Fernseher die verstörende Nachricht, da wir sehr müde waren gleich ins Bett. Heute um 13.00 Uhr mal den Fernsher angemacht,
    Pressekonferenz, es war ein Amoklauf nicht politisch motiviert. Kurze knappe Infos zum derzeitigen Stand. Schluss und gut! Nein, ich muss nicht wissen aus welchem Milieu der Täter kommt, wo er zur Schule gegangen ist, ob er sich schon lange mit dem Vorhaben beschäftigt hat usw. Es ändert null Komma null an der Situation. Ja, es ist nicht unwichtig sich mit dem Thema auseinander zu setzten. Es war ein 18 jähriger Junge, ich habe auch zwei Kinder. Was treibt einen ( jungen ) Menschen dazu?
    Was aber sicher nun in den Medien folgt bricht mich jetzt schon an. Es werden Augenzeugen, dann Nachbarn, dann evtl. Mitschüler, der Schuldirektor…..usw. zum Interview vor die Kamera gezerrt.
    Es war ja evtl. so ein netter unauffälliger Junge, man konnte ja nicht ahnen… Was soll die Sch…?
    Ich bin deratig genervt, genervt, genervt, genervt, von dem jedesmal sich gleich abspielenden Medienspektakel. Wetten, in drei Wochen interessiert sich keine Sau mehr dafür!!
    Ich kann’s nicht mehr, es überfordert mich.

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  8. Sie sagen es. Jedes Gerät hat einen Knopf zum abschalten. Falschinformation ist schlechter als gar keine Information. Twitter nütze ich gar nicht. Fundierte wahrhaftige Analysen benötigen Zeit, die kann niemand 10 min. nach einer Tat liefern. Planloses spekulieren hilft niemand.

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  9. wer hysterisches Nachrichtenentertainment braucht, um nicht wegzuschauen; wer smartphonegekurbelte Livebilder schreiender flüchtender Menschen braucht, um die Entsetzlichkeit eines Gewaltereignisses empfinden zu können – wer all dies für sich als Notwendigkeit begreift, um Zusammenhänge einordnen zu können, politisch zu denken und zu handeln – der hat vielleicht nur keine Zeit und kein Hirn mehr frei über sich selbst zu reflektieren?
    Ich kann auf Spekulationen um Zeit zu überbrücken bis zum nächsten vermeintlichen Faktenhäppchen, auf Expertenanalysen in jeden spekulativen Winkel, auf ungefilterte Telefoninterviews mit geschockten Augenzeugen, auf atemlosen Investigationsjournalismus, verzichten und finde den Gipfel der Lächerlichkeit, wenn mir der Nachrichtenentertainer im Fernsehen den Screen seines Smartphones in die Kamera hält, damit ich mitschauen kann, was „das Internet“ gerade als Livebild rumschickt.
    Wer glaubt, via der sozialen Medien perfekt informiert zu werden, muss halt dort lernen Infos von meist Laien, oft Wichtigmachern, zu filtern und zu verarbeiten.
    Von ausgebildeten Journalisten und Medienleuten würde ich mir als Gegengewicht selbstkritischen Abstand von dieser spektakeligen Event-Berichterstattung bei katastrophalen Ereignissen wünschen. Reduziert auf Fakten und DANACH Analysen.

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  10. Bewegender Artikel …
    Ich muss sagen, dass ich mir schon selbst die Frage gestellt habe, wie wir diese Ereignisse ohne Twitter wahrnehmen würden. Es ist für mich schlicht nicht vorstellbar, weil ich – Mitte der 90er geboren – nur die überdimensionierten Spekulationsstrudel auf Twitter kenne, und diese Push-Eilmeldung derzeit zu meinem Alltag gehören. Ich will das nicht länger. Und München war der ultimative Beweis, dass es besser ist, zu warten. Vielleicht ändert sich ja diesbezüglich wirklich etwas.

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  11. Im grunde genommen sind unsere digitalen Mediendienste noch viel zu rudimentär.

    Warum kann nicht einfach sagen. Tweets mit hashtag xyz für 24 Stunden nicht anzeigen. Oder momentan keine Bilder und Videos aus der Region x anzeigen.

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  12. Eigentlich ärgere ich mich jetzt schon, dass ich auf diesen Beitrag reagiere, aber angesichts der vielen Likes, die mich mindestens so entsetzen, denke ich dass es vielleicht doch einer Gegenstimme braucht.

    Man kann die Zeit nicht zurückdrehen und die Beschreibung der Zustände Ihrer Kindheit lässt mich den Kopf schütteln. 1975 geboren und so wenig mitbekommen? Wirklich? Das kann ich fast nicht glauben – vielleicht einfach nicht so sehr als persönliche Bedrohung wahrgenommen, im schönen Kuschelzelt des Wohlstandswestens… aber gut, politische Bildung kommt manchmal einfach später.

    Aber ein ganzer Artikel darüber, wie wenig man den Zustand und die Berichterstattung heutzutage aushält und als Konsequenz darauf nun beschließt, einfach mal auszuschalten – ach, echt, so eine überraschende Lösung, und so schön einfach – dazu braucht es einen ganzen Artikel der die Vergangenheit beschönigt?
    Auf Expertenmeinungen warten? Ja, aber man muss ja schon auch ein gewisses Maß an Mündigkeit mitbringen um zu erkennen, wer sachlich/fachlich/moralisch gut arbeitet. Und diese Mündigkeit muss man sich nun mal mühsam erarbeiten, sich erlesen und sich informieren.

    Ich finde ja, mit der Veröffentlichung eines solchen Artikels betreibt man ja auch selbst ein Stück weit Journalismus. Hier hätte ich mir vielleicht auch ein bisschen mehr Reflexion vor dem Schreiben gewünscht. Die Rückkehr zum Biedermeier, wie eine Kommentatorin schrieb, kann ja wohl keine Lösung sein. Ein Ruf zur Achtsamkeit und die Warnung vor panischer Nachrichtenexegese auf twitter ist etwas anderes – hier kommt es leider rüber als würde jemand das Plakat mit den drei Affen an der Haustür aufhängen wollen. Schade.

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    1. Ich wünsche mir auch von den LeserInnen Reflexion beim Verfassen von Kommentaren übrigens.

      An keiner Stelle schreibe ich, dass man sich den Geschehnissen und Nachrichten verschließen soll. Ich schreibe, dass man auf fundierte Infos warten soll.
      Am Beispiel München: Was hat dir Twitter besser vermitteln können als eine Sachliche Pressekonferenz am Vormittag?
      Was verbessern Fotos von Blutlachen und Toten?
      Was verbessern Fotos von Polizisten, die versuchen ihre Arbeit zu machen?

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      1. Ich schaue mir das ebenfalls nicht an, halte das für Gaffermentalität.
        Empfinde aber nun nicht das Bedürfnis, einen Artikel darüber verfassen, der eine – aus meiner Sicht! – fragwürdige Argumentationslinie verfolgt.
        Ich bin sehr unglücklich mit der Kombination aus: früher war alles gut, als ich noch nichts mitbekommen habe (denn faktisch war schon damals ganz ganz vieles nicht besonders gut auf der Welt) und: jetzt ist mir alles zu viel und ich brauche andere, die für mich filtern und bewerten.

        Allein für sich hätte ich den Artikel nicht kommentiert. Aber die Reaktionen darauf finde ich teilweise wirklich seltsam.

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        1. Habe übrigens jetzt gesehen, dass du den biedermeiern-Kommentar kommentiert hast, so ergibt deine Argumentation für mich mehr Sinn.

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        2. Der Unterschied zu früher ist v.a. dass ich früher Kind war und jetzt Erwachsene. Ich finde es gut, wenn Kinder ohne Sorgen aufwachsen können.

          Das ist keine Argumentationskette sondern eine Schilderung wie meine persönliche Entwicklung in Sachen Nachrichten abgelaufen ist.
          Erst habe ich kaum was mitbekommen, dann durch die Schule mehr, später hab ich mich über die Zeitungen informiert und jetzt online – und dort angekommen, sehe ich, dass das keine gute Art ist sich zu informieren.

          Und ich finde es nicht schlimm, dass andere für mich filtern. Die Zusammenhänge sind oft so komplex, dass das ansonsten meine Kompetenzen überschreitet.

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          1. So wie ich die Zahnärztin bestimmen lasse, was notwendig ist, zu tun, so möchte ich Journalisten den Raum geben, zu recherchieren und für mich zu filtern. Ich habe das nicht gelernt und es kostet mich zu viel Kraft
            und Zeit, selber für ein reales Bild der Situation zu sorgen.

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  13. Dieses »Abschalten« ist natürlich auch ein zweischneidiges Schwert. Zum Einen war es in den 90ern auch nicht unbedingt anders. Nur die Flut war mangels Internet erträglicher. Ich erinnere da an die Geiselnahme von Gladbeck, die sogar schon in den 80ern war, als Journalisten wie die Krähen über das Geiseldrama herfielen, sich sogar noch live vor Ort mit den Geiselnehmern unterhielten. Das krasse Gegenteil – und das meine ich mit dem zweischneidigen Schwert eigentlich – wäre der Völkermord während des Bosnienkriegs, wo die Welt genau das tat: wegschauen und »abschalten«.

    Und kommt hinzu, dass der Journalismus leider auch nur tut, was offensichtlich die Mehrheit erwartet. Als letzte Woche in der Türkei der Putschversuch startete, war die Empörung darüber riesig, dass ARD und ZDF nicht sofort in Aktionismus ausbrachen und mit der Berichterstattung begannen, sondern erst später ins Geschehen einstiegen.

    Ich glaube, es ist ganz, ganz schwer, hier den richtigen Weg zu finden. Ich würde mir wünschen, dass zeitnah berichtet wird, wenn es FAKTEN gibt und nicht nur Mutmaßungen, dass man die Arbeit ansonsten der Polizei und den Behörden überlässt und dass der eine oder andere, der meint, sich durch Livebilder etc. auf Twitter und Co. persönlich profilieren zu müssen, einfach einen Moment länger nachdenkt und sich das Foto oder den Kommentar spart. Das gilt auch für die Medien, die sich gestern nicht mit Ruhm bekleckert haben, was Zurückhaltung anging.

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    1. Wie gesagt, ich plädiere nicht für abschalten im Sinne von verdrängen und geschehen lassen. Deswegen der Zusatz „und dann abwarten bis es fundiertere Analysen und Schilderungen gibt“.
      Und ich spreche ja nur für mich… jeder soll das handhaben, wie er/sie mag.
      Wobei ich unterm Strich daran glaube, dass dieses live mitverfolgen ohne einen ordentlichen Kontext zu haben/ohne ordentliche Evaluierung eher Panik verstärkt als dass es hilfreich für irgendwen ist.

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    1. Naja, ich meine ja nicht bierdermeiern sondern abwarten bis ausreichend Fakten zusammen getragen und bewertet worden sind.
      Wenn es z.B. um die Flüchtlingsproblematik geht, ist es für mich wichtig sich damit auseinander zu setzen und sich auch zu engagieren.
      Was ich aber nicht brauche sind Fotos ertrunkener Kinder. Für mich ist das auch in Worten beschrieben schrecklich genug, so dass ich gerne dazu beitragen möchte, dass Menschen nicht mehr fliehen müssen.
      Wenn es um akute Berichterstattung geht, um Ereignisse, auf die ich aktuell keinen Einfluss nehmen kann, dann möchte ich statt des minütlichen Livetickers lieber einen ausführlichen Artikel lesen, der die Ereignisse zusammenfasst…

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      1. Ja, klar, das sehe ich auch so.
        Das Internet kennt halt keine Ironie. Trotzdem schreibe ich nun so: ich lese die (Kölnische) Zeitung und teile ihm das Wesentliche mit.
        ?

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  14. ******************KOMMENTAROMAT**********************
    Gerne gelesen
    *****************/KOMMENTAROMAT**********************

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  15. Tut mur leid, es Ihnen sagen zu müssen – aber gerade WEIL die meisten Menschen es, aus Ihrer Bequemlichkeit (wie Ihrer) heraus, sich leisten können wegzuschauen, gibt es auch soviel Leid und Elend auf dieser Erde. An dieser Stelle kann ich Ihnen nur empfehlen, sich an A. Einstein zu erinnern: „Die Welt wird nicht bedroht von den Menschen, die böse sind, sondern von denen, die das Böse zulassen.“

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    1. Tut mir nicht leid, Ihnen das sagen zu müssen, aber wegschauen und abwarten bis fundierte Informationen verfügbar sind, sind zwei völlig unterschiedliche Dinge.

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      1. Das ist eben das Problem! Von wem werden denn Informationen Ihrer Meinung nach fundiert? Von sogenannten „Experten“ etwa? „Demokraten“? Journalisten? Nobel-Preis-Trägern? Genau darin liegt auch die von mir genannte Bequemlichkeit. Wir, ahnungslosen 99%, lassen uns bei vollem Bewusstsein, aus unserer Bequemlichkeit heraus, von all diesen selbsternannten Experten in Abwesenheit jeglicher Haftung in allen Belangen unseres Lebens vertreten und für uns stellvertretend Entscheidungen von enormer Tragweite treffen. Und zwar IMMER zu unserem eigenen Nachteil! Wir leben in einer Zeit, in der jeder von uns seinen Teil der Verantwortung an dieser Welt übernehmen muss und auf jedem Gebiet ein kleiner „Experte“ sein muss. NOCH haben wir dafür die nötigen Kommunikationswege – nutzen wir Sie!

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    1. Vielen Dank für Deinen Beitrag, der mich sehr berührt und beschäftigt. Ich bin einige Jahre älter als Du, kann für mich nur antworten, dass solche Themen mir seit meiner Kindheit bewusst sind. Ein Unterschied zu Dir ist, dass ich mich in der digitalen Welt seit 12 Jahren ganz bewusst nur für meinen Blog und gegen eine aktive Teilhabe von Twitter, FB, … entschieden habe. In Momenten wie diesen entgehen ich so schon einmal vielem, habe für mich das Gefühl, alles besser steuern zu können. Das ist natürlich mein völlig subjektiver und ureigener Weg.
      Herzlichst, Ev

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