Schulzeit

Selbstklebende Folie - ein großer Spaß
Selbstklebende Folie – ein großer Elternspaß zum Beginn des Schuljahres

Da ist sie wieder: die Schulbüchereinbindezeit
Die letzten Jahre bin ich schier daran verzweifelt. Selbstklebende Folie klebt bei mir überall nur nicht an dem Buch. Es sei denn man hat schief angefangen. Dann klebt sie für immer. Unentfernbar.
Ausflippen könnte ich da. Und ich schwöre, auch wenn das im Blog vielleicht manchmal nicht so wirkt: Ich bin ein total ruhiger Mensch. Eher etwas verlangsamt. Leicht faultierhaft. Meine Gedanken ruhen sich oft aus und wenn dann der Groschen fällt, ist es meist zu spät.
Mein Symbol ist der erhobene Zeigefinger in der Luft, der anzeigt, dass mir gerade was eingefallen ist. Ca. eine halbe Stunde zu spät.
So bin ich. Sehr ruhig und langsam.

Aber selbstklebende Folie zum Einbinden von Schulbüchern ist mein Feind, mein Endgegner, in Sekunden pochen meine Schläfen, das Blut rauscht, der Mund wird trocken, die Hände zittern, ich werde zum Einbindehulk.

Ja und wenn ich dann für ein Kind die Bücher eingebunden habe [1] (so schlecht, dass die Lehrerin dem Kind was ins Elternheft schreibt: „Bitte das nächste Mal einen Elternteil die Bücher einbinden lassen“ …), dann kommt die zweite Disziplin: Das Beschriften.

Auf diverse Bücher, Hefte und Plastikhefter muss ich den Namen des Kindes schreiben.
Wer schon mal die dünnen Papierstreifen aus Plastikheftern raus- und v.a. wieder reingepult hat, der weiß wovon ich spreche. (I hear you sister! )

Immer und immer wieder. Vorname Nachname, Vorname Nachname, Vorname Nachname, Vorname Nachname, Vorname Nachname, Vorname Nachname, Vorname Nachname, Vorname Nachname, Vorname Nachname, Vorname Nachname, Vorname Nachname, Vorname Nachname, Vorname Nachname, Vorname Nachname, Vorname Nachname, Vorname Nachname, Vorname Nachname, Vorname Nachname, Vorname Nachname, Vorname Nachname, Vorname Nachname, .

Die Hände werden schwach, die Schrift schwabbelig (wieder ein Eintrag im Elternheft, neinneinnein!).

Und ab 2016 sind alle drei Kinder Schulkinder. Yeah!
Zwei Wochen Urlaub kann ich im Sommer nehmen. Eine zum Urlaub machen, eine um Schulmaterialien vorzubereiten.

Hass. Hass. Hass.

Wo ist das Zeitalter der Digitalisierung geblieben? Warum muss ich Bücher im Umfang einer Dorf-Bibliothek einbinden und beschriften und das Kind muss sie täglich schleppen?

WARUM?

Ein schönes, kleines Ebook täte es doch auch?

Nein, natürlich nicht. In 100 Jahren nicht. Die Kulturpessimisten halten fest am jährlichen Elterfolterritual. (Und ganz ehrlich: Wir müssen jedes Jahr für rund 130 Euro Schulbücher kaufen… das mit dem technischen Endgerät kann keine Frage des Preises sein)

Gut und kultiviert ist eben nur das Papier. Danke Herr Spitzer.

So klebe und beschrifte ich, wie die Goldmarie Betten ausschüttelt. Nur dass ich hinterher durch kein Tor schreite und mit Gold übergossen werde, sondern Einträge ins Elternheft bekomme, die mir sagen, ich soll es besser machen.

Und dann heute, heute ist was wunderbares passiert.
Nach all den Jahren der Tortour habe ich mich überwunden und fertige Buchumschläge gekauft. Weil die auf Twitter mir das gesagt haben: Geh mit den Büchern in einen Laden und suche dir die passenden Umschläge dazu.

Gut, meinen Geiz zu überwinden war nicht leicht. Kostentechnisch ein Gau. Gut zehn Mal so teuer wie die verhasste Klebefolie. Aber was solls. Die Kinder sind im Urlaub – ich muss gerade kein Essen kaufen. Dann esse ich eben mal Kühlschrankreste. Einen kleinen Klumpen Butter. Einen Haps Lavendel vom Balkon. Etwas geraspelte Folie mit Käserinde und schon ist das Konto wieder ausgeglichen.

Und was soll ich sagen? Zwanzig Minuten hab ich gebraucht. ZWANZIG – MINUTEN – statt DREI STUNDEN!

So springe ich also durch die Wohnung. Zahlen schreiend. Wie Rumpelstilzchen. Da blickt der Freund etwas träge in meine Richtung und sagt vier magische Worte:

Ich

habe

eine

Etikettiermaschine.

Wie leicht sich das sagen lässt. Etikettiermaschine.
Er kramt und holt ein Gerät hervor, das aussieht wie einer der übergroßen Taschenrechner mit denen meine Mutter in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts die Buchhaltung gemacht hat. Ratratrat. Brrrrr. Brrrr. Ratrat.

Und da fällt es mir wie Schuppen von den Augen, wie ein Schleier vom Hirn. Die Kinder, sie haben verdammt nochmal alle den selben Namen. Also Nachnamen – und – jetzt kommt es: Ihre Vornamen beginnen alle mit dem selben Buchstaben.

Wie eine Ärztin (einfingrig und mit Nachdruck, so als ob man die Tasten einer Schreibmaschine anschlägt) gebe ich den Namen ein: „T. Cammarata“. Ich beginne mit den Materialien des ältesten Kindes. „T PUNKT CAMMARATA, Klasse drölzig A“ und da höre ich eine Stimme, an der Zimmerdecke tut sich ein Riss auf, ein Licht kommt auf mich zu – ich – bin – erleuchtet.

Ab jetzt bis in alle Zukunft spare ich Arbeit. Wenn das eine Kind aus der höheren Klasse eine Klasse weiterrückt, muss ich nur noch die bereits eingebundenen und beschrifteten Materialien von dem einen in den anderen Schulranzen legen.

Fertig.

FERTIG!

VERSTEHEN SIE?

Wieviel Zeit man spart?

Ratratrat. „T. Cammarata“.

Wenn Sie also gerade schwanger sind – die Bedeutung eines Namens, der Klang, die Schreibweise, das Verhunzungspotential, die Schreibarkeit am Spielplatz – es. ist. alles. egal.

Hauptsache gleicher Anfangsbuchstabe.

Das ist mein Rat.
Ich bin leidgeprüfte und erfahrene Mutter.

Hören Sie auf mich.


 

[1] Drei Stunden brauche ich im Schnitt

Der Rückblick 2015

Autor: dasnuf

Aha! Google doch "dasnuf" Muhahahahaha!

183 Gedanken zu „Schulzeit“

  1. Ich habe ab einem gewissenen Altern selbst sehr gerne die Schulbücher eingebunden.
    Hatte sogar eine große Freude daran und habe es damals auf für Freundinnen mit tollen Geschenkpapier etc gemacht.
    Mal sehen ob die Freude noch genauso groß ist wenn meine Kleinen dann soweit sind :-)

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  2. Beim Einbinden kann ich nicht helfen, aber gutmarkiert hat Etiketten für alles (sogar Stifte und Klebedingse für Kleidung und Schuhe), die gehen nicht mal in der Spülmaschine ab und sind ein echter Lebensretter. Passt auch eine Telefonnummer drauf

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  3. In Kanada muss jeder Stift, den das Kind mit in die Schule bringt, mit Namen versehen werden. JEDER EINZELNE STIFT.
    Gut, dass das Kind mittlerweile schreiben kann.

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  4. So schlecht ist Zeitung als Einband gar nicht. :) langweilige Schulstunden können wunderbar mit einem Kreuzworträtsel überbrückt werden. :)) und für Religion gab es immer die Seite mit den Kontaktanzeigen… ich habe meine Bücher immer gern und auch öfter im Schuljahr eingebunden… Bin mal gespannt, wenn meine Große nächstes Jahr in die Schule kommt. ;) zumindest für die Grundschule muss ich mir das wohl noch verkneifen.

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  5. Es gibt Bucheinschlagfolie im Bibliotheksbedarf, die kann man beim Verkleben nochmal lösen (verbindet sich erst nach ein paar Stunden fest mit der Buchoberfläche). Hilft wenn man schief ansetzt. Manche haben sogar vorgestanzte Rückseiten, so dass man nicht ständig an den Ecken knibbeln muss, um die Folien voneinander zu lösen. ;-)

    Chapeau zu der Vornamen-Problematik. :) Gutmarkiert-Etiketten sind hier bei uns allerdings auch im Gebrauch, kann ich wirklich nur empfehlen!

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  6. Schlagschere nehmen, Buch rücken abtrennen, alles in einen Ocr Scanner stecken. Durchlaufen lassen. Das ganze auf ePub konvertieren und auf ein iPad.

    Dann maximal auf das iPad einen Namen mit Laser gravieren lassen – fertig

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  7. Einfach normale Folie und Tesafilm verwenden. Die fertigen Einbänden werdet ihr in zwei Monaten bereuen, wenn die roten Kleberänder abgehen und versiffen. Und beim Entfernen bleibt der Kleber mitsamt Schmutz an den Büchern pappen.

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  8. Klingt wirklich nach Endgegner ^^

    Gegen das Beschriften gibt es gutmarkiert.de
    Etiketten für alle Lebenslagen. Bei uns zunächst für Kleidung genutzt, jetzt für alles, was beweglich ist, von der Tupperdose bis zum Stofftier!

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  9. ******************KOMMENTAROMAT**********************
    Gerne gelesen
    *****************/KOMMENTAROMAT**********************
    Umd ich weiß immer noch nicht wozu fad ganze gut sein soll . Als Kind fand ich diese Umschläge und Einbände immer so eklig

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    1. Naja, ich kann nicht verstehen, wie man Bücher in plastik einbinden kann. Dieser ganze Plastikmüll, papiert würde es doch genauso tun. *unverständlich*

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      1. Das Kind, das seine Bücher in Zeitungen oder Geschenkpapier eingebunden bekommen hat, wurde bei und immer gemobbt. Also lieber nicht ausprobieren.

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  10. es verliert sich im Dunkel, aus welche Richtung, Mutter, Vater oder eine von zwei Omas: Ich hab -früh- selber Büchereinbinden gelernt, ohne Festkleben am Buch(!) und kann auch einigermaßen rechteckige Geschenke mit Papier und Band einpacken ohne auf Klebstoffe zurückzugreifen.

    Und ich bin regelmäßig erstaunt, das ich eine Minderheit darstelle.

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  11. Meine Schulzeit liegt zu lange zurück, aber ich erinnere mich dunkel daran, dass die Bücher gestellt und nicht eingeschlagen werden mussten. Nur die Hefte, in diese hässlichen Plastikschonbezüge von herlitz, wo ich immer gedacht habe, das h im Logo sei ein b. Lila, blau, gelb, rot, grün, weiß … alle mit so merkwürdigem Schraffurmuster darauf und spätestens in Woche 3 irgendwo eingerissen. – Die Namen drauf- bzw. reinzuschreiben war aber immer Sache des Kindes, jedenfalls ab der 2. Klasse. Wozu geht’s schliesslich in die Schule, wenn es nicht einmal seinen Namen auf die paar Schulhefte schreiben kann? Wie ich bei den Patensöhnen sah, sind Hefte inzwischen wohl mehr so eine Alibinummer, jedenfalls arbeiteten sie in der Grundschule hauptsächlich mit kopierten Zetteln, die lose im Ranzen herumflogen und entsprechend aussahen.
    (Nunja, meine Eltern haben noch mit der Schiefertafel gearbeitet, insofern …)

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    1. Ganz ehrlich habe ich nie verstanden, wozu diese plastikeinbaende für Schulhefte gut sein sollen. Schließlich befindet sich auf jeder Heftvorderseite ein Feld zum beschriften

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  12. Das mit der Folie war bei uns damals gar nicht erlaubt… stattdessen wurde in Packpapier eingeschlagen. Ist zwar nicht so fest, aber man kann es wahlweise erneuern und hat individuelle Umschläge die nicht so viel kosten. Und auf die das Schulkind wunderbar malen und kritzen kann! Ist ein bisschen wie Geschenke verpacken und bekommen die Kinder auch schnell alleine hin…

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  13. Wunderbar. Ich habe selbst in einer Bibliothek „professionell“ Bücher eingebunden. Wenn man’s kann ist es ganz einfach und macht großen Spaß. Selbst große Atlanten sind schwierig aber machbar. Übung macht den Meister. Wenn die Kinder in der 13. sind, wirst Du es können.

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  14. Kenne ich nur so (Baden-Württemberg hat Lehrmittel Freiheit, ausgeliehene Bücher müssen unbeschadet zurück gegeben werden). Man gewöhnt sich dran. In der Oberstufe hab ich meine Bücher mit Plastiktüten eingebunden. Ist einfacher als mit der steifen gekauften Folie und individuell ?

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  15. Bei uns ums Eck gibts einen Buchladen, der macht das mit soner Maschine. Kost natürlich mehr als das Geschenkpapier, das ich mir als Kind selber um die Bücher falten musste.

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  16. Bei mehr als zwei Kindern in der Schule ist es ein riesiger Vorteil wenn man sich um solche Dinge nicht kümmern muss (Danke an die Schulbehörde Hamburg). Was Kinder ab dem 2. Schuljahr angeht machen diese das selbst! Auf den Kommentar der LerhrerIn kommt dann die Antwort das wir unsere Kinder zur Selbstständigkeit erziehen. Für den Rest gibt es Klebeetiketten mit Namen (etwa 10€ für je zwei Bögen a 4 Namen). Damit kommen wir ganz gut durch das Schuljahr.

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  17. Habe gerade festgestellt, dass unser Elternanteil bei 25€! liegt und wir die Leihbücher eingebunden bekommen… Und ich wollte schon ümma eine etikettiermaschine!

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  18. yes, auch ich habe mich für die dinger entschieden, nachdem meine kinder sich mords beschwert haben über mit folie eingebundene bücher mit bunten klebestreifen. ich fand die so hübsch und praktisch. sauarbeit, ok.
    ICH hatte früher mit alter barocktapete eingebundene bücher weil meine mutter klebefolie irgendwie abgelehnt hat. und alte tapete wahnsinnig originell fand. puh.

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  19. ******************KOMMENTAROMAT**********************
    Made my day
    *****************/KOMMENTAROMAT**********************

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  20. Echt mal! Kaum sind alle Laternen und Schultüten gebastelt, kommt die nächste Folter. Die neuen käuflichen Umschläge sind ja scheinbar genial, aber (wenn auch klebefrei!) irgendwie auch tüdelig… Trage jetzt einen schweren Bücherstapel zur Papierwarenhändlerin meines Vertrauens. Die ist so fingerfertig. Der Tipp, auf identische Initialen zu setzen, ist sowas von Nerven schonend!

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  21. An unserer Grundschule wird Büchereinbinden für Fortgeschrittene verlangt: Einbinden OHNE Festkleben! Der Einband muss am Schuljahresende RÜCKSTANDSFREI entfernt werden. Ich wollte schon mal zum Rektor gehen und mir das von ihm persönlich zeigen lassen.

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