Montage die so beginnen deuten dem Optimisten an, dass der Rest der Woche lediglich besser werden kann.
In den Ohren viel zu laut Chemical Brothers schmeiße ich mich todesmutig in den fast geschlossenen Aufzug und rufe ein fröhliches „GUTNMORGN!“ in den Kubus als ich merke dass ich gerade den Geschäftsführer in besten Absichten angebrüllt habe. Ich stelle schnell die Musik aus und will den Kopfhörer abnehmen als ich mich mit der Schnur in einem meiner Ohrringe verheddere. Bis zur vierten Etage sind dann auch meine Haare im Knoten integriert und ich kann den Kopf nicht mehr gerade halten, während ich wie Quasimodo ins Freie trete und ein verschämtes „Schüss“ im Lift zurück lasse.
Der Geschäftsführer schüttelt verständnislos den Kopf und wiederholt meine ungebührliche Verabschiedung.
Kategorie: Ex-nuf
Container für die „alten“ Beiträge
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Reisequiz: Um welches Land handelt es sich in nachstehender Beschreibung einer Reisenden:
Ich weiß nicht, ob es in *** wirklich Städte gibt. Ich gehe nicht davon aus. Diese Annahme drängt sich durch das aufmerksame Beobachten der Umgebung auf. Die Landschaft links und rechts der Autobahn ist karg und trocken. Man sieht eigentlich nur gemähte Weizenfelder. Keine Häuser, kaum Bäume, nichts eben. Ach so, das stimmt nicht. Gelegentlich fährt man an Atomkraftwerken vorbei und es gibt Unmengen rechteckiger Heuballen (ist hier >>Ballen
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Ich bin aus dem wilden Alter raus, dachte ich. Alte Tagebucheinträge beweisen mir jedoch, dass ich mich niemals in einem wilden Alter befand. Wenn meine Kinder in 24 Jahren Urlaub wie ich mit 24 machen, werde ich immer beruhigt schlafen können:
„Es ist ungefähr der 20. August, der schätzungsweise vierte Tag unseres Urlaubs. Es könnte auch der zehnte sein, ich erinnere mich nicht mehr genau. Der vierte Tag heißt: Ich habe einen Sonnestich, A. einen Vollbart, Ch. ein frisches T-Shirt und M. sieht aus wie jeden Tag. Ich muss sagen, der Urlaub artet in Freizeitstress aus. Von der ständigen Rumliegerei bin ich total erschöpft.
Die Tagesmission lautet über die erste Wellenfront hinaus zu kommen. Die ersten drei Tage habe ich das nicht geschafft. Meist verpasse ich den günstigen Wellenüberwindungspunkt, was zur Folge hat, dass ich unter die Welle gerissen werde. Mit etwas Glück wird man an den Strand zurück gespült. In weniger glücklichen Fällen wird man mit Verzicht auf zwischenzeitliches Luftholen in die nächste Welle gespült.
Ab und zu fliegt ein Hubschrauber über uns hinweg und transportiert Leute ab, die mutiger aber dafür weniger erfolgreich als ich waren. Nach zwei Stunden, zwölf Liter Salzwasser und 137 Gramm Sand im Mund, gebe ich auf. Den Rest des Tages verbringe ich mit Eincremen. Immer wenn ich an den Zehenspitzen angekommen bin, beginne ich wieder mit meiner Stirn. Die Jungs liegen geifernd im Sand und betrachten barbusige Strandschönheiten. Am Nachmittag bekommen wir Hunger und machen uns auf den Weg zum nächsten Supermarkt. Auch dieser Weg erweist sich als höllengleich, denn vor uns zieht eine Zirkusparade die Strandpromenade entlang. Meine Verwunderung und mein Mitleid gelten vor allem einem Menschen, der als Löwe verkleidet blind den Weg entlang rumpelt. Er wird vom Dompteur in regelmäßigen Abständen gepeitscht und verliert im Kunstpelz bei ca. 40 Grad sicherlich 60% seiner Körperflüssigkeit.
Unser Einkauf besteht, wie üblich, aus 52 Flaschen Bier, zwei Baguettes und ein Paar Keksen. Während die Kerle abends das Bier trinken, erfreue ich mich an einem gekühlten Seven-up und gehe pünktlich um 22 Uhr ins Bett.
Am nächsten Morgen weckt uns der Chef de Camping, der in einer unglaublichen Geschwindigkeit und ohne Rücksicht auf den Aspekt, dass wir im Grunde noch schlafen, einen Vortrag zum Thema „Feiern ja – aber nicht so.“ Ich habe keine Ahnung wovon er spricht und während ich noch darüber nachdenke was er gegen Seven-up haben könnte, höre ich mich auf französisch dummes Zeug plappern. Offensichtlich ist mein Französisch so mitleiderregend, dass wir die einzigen sind, die bleiben dürfen. Alle anderen im Umfeld von einem Kilometer werden des Campingplatz verwiesen. Ich wünschte, ich hätte mitbekommen, was in der Nacht vor sich ging. Ärgerlicherweise habe ich zu fest geschlafen und A., CH. und M. können mir keine Auskunft geben. Sie wirken leicht komatös. Da jetzt die besten Plätze frei sind, überreden mich A., Ch. und M. den strategisch günstigen Platz neben Duschen und sanitären Anlagen zu nehmen. Die Herren freuen sich deutlich mehr als ich. Meine Freude ist eher pragmatischer Natur, wohingegen ihre eher hormoneller sein muss. Sie liegen bäuchlings vor den Zelten und teilen weibliche Wesen in Busen, Beine und Ärsche ein, während ich mich darauf konzentriere eine Ausgangsthese für meine Diplomarbeit zu entwickeln. Ich schreibe in meine Kladde „Kommunikation ermöglicht partielle Parallelisierung der Realitätsvorstellung“ und entscheide mich, heute Abend mal ein Bier mit den Jungs zu trinken. Das dient der Tarnung. […]“
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Nach dem Abitur fuhr ich mit meinem besten Freund R. zu meiner Oma nach Sizilien. Traditionell lud man am ersten Freitag zum Essen in die Campagna ein.
Bevor wir am Tisch Platz nehmen konnten, musste ich mich vom kompletten Dorf in die Backe kneifen lassen und hören wie groß ich geworden sei. Als alle zahnlosen Omas mit der Begutachtung meines Wachstums und dem Bedauern meines Nichtverheiratetseins fertig waren, nahmen wir an einer großen Tafel Platz.
Der romantisch Verklärte sieht im Geiste vielleicht einen langen Holztisch mit weißer Tischdecke, bauchigen Kristallweingläsern und weißem Porzellan, der von Blumen und Kerzen geschmückt ist.
Bedauerlicherweise sehen so die Esstische in Italien nur in Filmen oder für Touristen aus. In Wahrheit handelt es sich um tapieziertischähnliche Vorrichtungen, die mit Papierdecken zugeklebt sind. Der Wein wird in Plastikbechern serviert und die einzelnen Gänge kredenzt man auf Papptellern. Lediglich zu außergewöhnlichen Anlässen, so wie beispielsweise einem Deutschlandbesuch gibt es Metallbesteck. Ansonsten sägt man sich mit Hilfe eines Plastikmessers an einem Stück Fleisch die Nerven durch.
Wenn die Gastmutter aus der Küche kommt, wickeln sich alle Anwesenden Küchentücher um die Hälse und sobald der Erste etwas hat, wird losgegessen. Es ist wichtig dabei zu schmatzen und gleichzeitig möglichst laut zu reden. Extrapunkte gibt es wenn man beim Gestikulieren Gläser oder Schüsseln umwirft. Der erste Gang, ein harmloser Krabbencocktail war schnell gegessen. Ich ließ, wie alle Italiener, den Salat in der Plastikschüssel. Mein Freund verputzte gerade das letzte Blatt als die Reste des ersten Gangs im Müllbeutel verschwinden. Als zweiten Gang reicht die Frau des Hauses Nudeln mit einer einfachen Tomatensoße. Die Soßen in Sizilien sind dickflüssig und süß. Chiara läuft, nachdem vor jedem Gast ein Teller steht, um den Tisch und wirft handtellergroße, intensiv duftende Basilikumblätter auf die Tomatensoße.
Es ist köstlich und doch esse ich als leiderprobte Familienfestesserin nur die Hälfte. Ein Blick auf meinen Freund an der anderen Ecke des Tischs zeigt, dass er sich stolz wähnt, den Teller bezwungen zu haben. Ich versuche ihn durch das lautstarke Tischgespräch hindurch zu warnen, da ihn noch einiges erwartet.
Meine Worte ereichen ihn nicht und so schickt er mir nur ein fröhliches Lächeln zurück, während meine Cousins ihn mit ihren aus „Eins, zwei, Polizei, Hallo, Tor“ bestehenden Deutschkenntnisse beeindrucken zu versuchen.
Als erste Hauptspeise gibt es einen fangfrischen Tintenfisch. Ich verweigere mich unter Bezugnahme auf weibliches Ekelgekreische das saugknopfübersähte Ungeheuer zu verspeisen. Im Augenwinkel sehe ich, wie R. langsam schwächelt. Als er die 2. Hauptspeise erblickt, weiten sich seine Augen im Erstaunen. Er sammelt seine letzten Kräfte und erbleicht als nach einem kurzen Zwischenespresso die Käseplatte gereicht wird. Meine Verwandten wedeln mit Käsestücken in der Luft und rufen „Probieren, probieren, gut, gut!“. Tapfer stopft er sich Käsehäppchen um Käsehäppchen in den Mund.
Als nach einer kurzen Verschnaufpause ein Kuchen aufgetischt wird, sieht er resigniert aus und jubelt leidenschaftslos im Canon meiner Verwandtschaft „Leckaleckalecka“.
Nach der letzten Gabel sinkt er erschöpft in den Plastikstuhl.
Auch ich habe meine liebe Not noch mehr Essen in mich zu stopfen. Meine Tanten strecken mir kuchenbeladene Gabeln entgegen und versichern mir, dass ich aussehe wie ein Skelett und vermutlich aus diesem Grund noch niemand um meine Hand angehalten hätte.
Während ich mir sehnlichst einen streunenden Hund unter den Tisch wünsche, der meine Kuchenreste verputzt, wird schon die Eisbombe gebracht.
Erschöpft rühre ich das Stück Eistorte in der Hoffnung, es möge schmelzen und niemand möge merken, dass ich nichts davon gegessen habe.
Als der letzte Gast den Löffel fallen lässt, packt Chiara die Papiertischdecke an den Zipfeln und schmeißt sie abzüglich des Bestecks mit allen Essens- und Plastikgeschirrresten lautstark in die Mülltonne.
In das Reisetagebuch schreibt R. Abends, er habe sich wie ein Mastschwein gefühlt. Seltsam, denn ich habe nach dem zweiten Gang an Gänsestopfleber denken müssen.
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Relativitätstheorie für Mädchen funktioniert so: wenn Du mit Kerlen zusammenarbeitest, bist Du das süße, kleine, zierliche Mädchen. Sobald Du mit 1,68 m nur noch mit 1,55 m großen Frauen zusammenarbeitest, bist Du der Godzilla unter den Frauen.
Warum muss ich den ganzen Tag an „Angriff der 30 Meter Frau“ denken?
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Die neue Bonbonmarke Rachengold Milch&Honig beschert interessante Geschmackserlebnisse. Erst finde ich es ekelig, weil es mich an das weit verbreitete Milch&Honig Duschgel erinnert. Dann schmecke ich die Milch und lobpreise die Chemieindustrie, die es möglich macht, dass ich Milch lutsche. Dann kommt die leichte Chillinote, die mich schwanken lässt, ob ich es mag oder nicht und ganz am Schluss kommt dieser Geschmack, den man aufschlürft wenn man ein Glas warme Milch mit Honig fast leer getrunken hat und nun den letzten dickflüssigen Rest vom Boden der Tasse trinkt.
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Nachtrag zur Nebenhöhlenentzündung. Seit dem Winter kann ich mir ohne große Mühe Eiteransammlungen aus den Nebenhöhlen rotzen ziehen. Können das alle Menschen oder habe ich eine spezielle Gabe erworben?
