Damals™ als alles noch besser war

1994 bin ich zuhause ausgezogen. Natürlich wollte ich in meiner neuen Wohnung ein Festnetztelefon haben. Also bin ich in den Telekomladen gegangen, habe einen Anschluss beantragt und vier Wochen später hatte ich einen.

So war das damals.

Ich musste nicht stundenlang im Internet die einzelnen Tarife der unterschiedlichen Telefongesellschaften vergleichen. Ich musste mich nicht fragen, ob es gar eine Kombination mit einem Internetdatentarif gäbe, der in Summe günstiger wäre als ein Festnetzanschluss und ein Mobilanschluss einzeln.

Und einmal entschieden, hatte ich den Anschluss die nächsten 10 Jahre.

So schön!

So ist das mit Monopolen. Und ja, manchmal wünsche ich mir die Einfachheit der Welt auch zurück. Eine Krankenversicherung (die der Eltern), eine Haftpflichtversicherung, ein Stromanbieter, ein Gasanbieter.

Im Grunde war das in allen Lebensbereichen so.

Papa arbeitet, Mama ist zuhause, natürlich sind meine Eltern miteinander verheiratet, ich gehe in die Schule (und zwar die eine, die es eben im Dorf gibt). So war das bei allen Kindern. Alles ist klar. Keine Fragen. Wir hatten (soweit ich mich erinnere) bis ins Gymnasium keine „Ausländer“ und keine behinderten Menschen. Nur ich bin die Tochter eines Spaghettifressers, Pizza-Patty, haha. Alles nicht so schlimm. Ist ja lustig gemeint. Italien ist schließlich ein Land in dem die anderen gerne Urlaub machen.

Schöne Welt. Lehrer, Ingenieure, Handwerker, Politiker, Verkäufer, Chefs. Frauen alle mitgemeint. Wir erzählen uns unlösbare Rätsel:

Ein Vater fährt mit seinem Sohn im Auto. Sie haben einen schweren Unfall, bei dem der Vater sofort stirbt. Der Sohn wird mit schweren Kopfverletzungen in ein Spezialklinik eingeflogen. Die Operation wird vorbereitet, alles ist fertig. Der Chef-Chirurg erscheint, wird plötzlich blass und sagt: „Ich kann nicht operieren, das ist mein Sohn!“.

Wie kann das sein?

Mein Gehirn hat damals keine Antwort ausgespuckt.

Es kommen die 90er. Die Mädchen werden rosa, die Jungs blau. Die Mamas (in Bayern am Land) weiterhin zuhause, die Papas machen Karriere.

Zur Geburt schenkt man einen rosa Strampler. So niedlich! Am besten dem Babymädchen gleich Ohrringe stechen lassen. Schließlich soll jeder wissen, dass es ein Mädchen ist.

Sowas verrücktes wie Elternzeit für Männer gibt es nicht. (Oder kaum, nur so krasse Alternative, die womöglich in WGs wohnen, machen sowas). Nichts muss diskutiert werden. Kein Chef gefragt werden. Wenn Frauen vor der Geburt eines Kindes arbeiten, dann halbtags (Bayern = wunderschönes Westdeutschland) und wenn dann ein Baby kommt, bleiben die Frauen zuhause. Natürlich. Es gibt wenig Kindergartenplätze, wenn überhaupt, dann ab drei. Um 9 Uhr kann man die Kinder hinbringen, um 14 Uhr (wir hatten einen Kindergarten, der lange geöffnet hatte!) holt man sie ab. Wenn das Kind krank ist, bleibt die Frau zuhause.

Wunderbar passt dazu die Passage aus dem sehr lesenswerten Text „Rosa ist scheiße„:

Wer gleichberechtigt Kinder erzieht, muss auch zu Hause jede Entscheidung aushandeln, muss ausdiskutieren, wer zum Impftermin geht und wer den Elternabend wahrnimmt. Wer die Rollen dagegen klar verteilt, mag nicht immer glücklich sein. Aber er hat seine Ruhe. Wir lassen uns in die alten Muster sinken wie in ein bequemes Sofa.

Das ist es nämlich: wenn alles so bleibt, wie es immer war, dann hat man seine Ruhe. Schön für die Privilegierten, denen es in dieser Position gut geht. Pech für die, die Minderheiten angehören, die Ansprüche jenseits des Immerschonsogewesenen haben.

Ich habe mich tatsächlich schon oft gefragt, wie das gewesen wäre für mich: Nehmen wir an, ich wäre aufgewachsen in einer Welt, in der mir die Wäsche gewaschen wird, sie in den Schrank zurückwandert, jemand zuverlässig für mich einkauft, kocht, die Küche aufräumt. Einer Welt in der ich sagen kann: „Tut mir leid, Schatz, ich hab einen wichtigen Termin. Ich würde ja gerne, aber ich denke, du musst auf das kranke Kind aufpassen. Du arbeitest doch nur Teilzeit, ich verdiene mehr Geld. Wir müssen das vernünftig sehen. Du weisst ja, mein Chef ist tolerant, aber wenn ich ständig wegen eines kranken Kindes ausfalle, das sieht er nicht gerne.“

Hätte ich jemals gesagt: „Stopp! Heute koche ich.“, „Lass bitte das dreckige Geschirr stehen, ich kümmere mich darum!“, „Den Kuchen für das Kindergartenbuffet backe ich, auch wenn es schon 22 Uhr ist.“, „Bitte, bleib liegen, ich stehe auf, das Baby weint.“

Hätte ich? Hätte ich das aushandeln wollen gegen die gewohnten Muster? Hätte ich mich dem Stress und den Nöten meines Partners stellen wollen? Alles ständig aushandeln? Jeden Tag neu?

So ist es doch schön, oder?

Das Kind hat Geburtstag. Leider weiß ich nichts über das Kind und seine Interessen. Ich muss nur in einen Laden gehen und jemand fragt mich: „Für Mädchen oder Jungs?“ Und ich sage: „Mädchen“ und schon führt man mich an das Regal mit den passenden Geschenken.

Ja, ja, ich vermische jetzt Äpfel mit Birnen. Kirschen mit Mangos und Papaya mit Pfirsichen.

Aber das Muster verstehen Sie, ja?

Wenn alles schwarz oder weiß ist, wenn es immer schon so gewesen ist und immer so sein wird – dann muss ich wirklich nicht viel denken. Mir keine Mühe geben. Mich nicht in andere reinversetzen. Die Welt ist überschaubar, Papa, Mama, Kind, alle weiß. So schön.

Nehmen Sie doch bitte Kersten Augustin* an die Hand. Er hat Angst vor der Welt im IKEA-Katalog, die diese neue Welt widerspiegelt:

Die meisten deiner Fotos zeigten früher Kleinfamilien: Vater, Mutter, Tochter, Sohn. Im neuen Katalog sieht man dieses Familienmodell auf einem einzigen Foto. Versteh mich nicht falsch: Ich freue mich, dass du in vielen Dingen deiner Zeit voraus warst. […] Aber jetzt übertreibst du.

Wenn man deinen Katalog betrachtet, bekommt man den Eindruck, dass Deutschland sich in den vergangenen zwanzig Jahren sehr verändert hat. Niemand wohnt mehr in Vorort-Reihenhäusern mit Garten, alle in der Großstadt, in Fabriklofts mit bodentiefen Fenstern. Fast nur Männer kochen, am besten selbst gefangene und ausgenommene Fische. Nicht mehr die homogene Kleinfamilie, sondern der möglichst heterogene Freundeskreis wird in Szene gesetzt, multiethnisch, multikulturell. Warum nennst du BILLY nicht gleich YUSSUF?

Quelle: Zeit Online „Lebst du noch oder überlegst du schon“

So ist es, Herr Augustin. Deutschland hat sich verändert, das macht nicht nur Ihnen Angst (sieht man ja an den Wahlergebnissen). Aber ich fürchte, Sie werden damit leben müssen.

Ein paar Jahrhunderte musste man sich als weißer Mann keine Sorgen machen, nichts aushandeln, alles war geregelt. Doch jetzt kann man nicht mal im Reihenhäuschen in Ruhe leben. Ständig muss man sich Fragen stellen. Ständig. Man muss nachdenken, Zusammenhänge begreifen, aushandeln, Rücksicht nehmen.

Denken, denken, denken, zuhören und überdenken.

Ja. Das ist scheißanstrengend. Finde ich auch. Aber so ist das jetzt.

Damals™ ist vorbei.


*Übrigens Geburtsjahr 1988 nicht 1950, was man beim Lesen des Textes ja denken könnte.

 

183 Gedanken zu „Damals™ als alles noch besser war“

  1. Witzig, ich fand den Artikel auch doof, besonders die Kritik der gezeigten Familienkonstellationen. So wie er schreibt, hätte ich den guten Herrn Augustin aber auch deutlich älter als 28 geschätzt.

    Mein Mann und ich leben das 50:50 Modell, zu dem neben der vollständig gleichberechtigten Mitarbeit im Haushalt (und mein Mann kocht, weil, glauben Sie es mir Herr Augustin, niemand essen möchte was ich koche) auch die Teilung der Elternzeit gehört. Umfragen im erweiterten Bekannten- und Verwandtenkreis (alle 25-40) führten zur Erkenntnis das wir tatsächlich die einzigen sind, die eine derartige Aufteilung leben.
    Wir brauchen also noch sehr viele solcher IKEA-Kataloge, damit sich Herrn Augustins Angst bewahrheitet und Deutschland tatsächlich nicht mehr im engen Reihenhaus-Idyll Mutter/Vater/Kind spielt…

  2. Wer ist denn schon wirklich geistig unabhängig? Die Allermeisten passen sich ihrer persönlichen Filterbubble im real life an oder finden von Vornherein eher mit Gleichgesinnten zusammen. Um betriebsblind zusein, braucht man kein Muttchen in der Provinz zu sein; das kommt auch unter Berliner Hipstern durchaus vor. Nur, weil eine ihr Kind in die Krippe gibt, ist sie nicht automatisch eine kühne, freie, kritische Denkerin. Vielleicht macht sie auch nur, was alle in ihrer Umgebung machen. Nur, weil ein Paar eine klassische Rollenverteilung lebt, ist es nicht automatisch verachtenswert reaktionär. Es kann auch lange überlegt und nach bestem Wissen und Gewissen dafür entschieden haben. Und das ist die eigentliche Frage: Handeln wir, weil wir uns bewußt, nach langem Abwägen, dafür entschieden haben? Oder tun wir, was alle in unserem Umkreis tun?

    Ich will mein Kind nicht in eine Norm-Kita stecken, weil ich es für schädlich halte. Sie sind personell unterbesetzt, der Personalschlüssel wird meist nicht eingehalten. Sagen die Insider aus den Krippen selbst. Interessiert mich nicht. Ich will Teilzeit arbeiten, weil mir wichtig ist, Zeit für das Kind, den Haushalt zu haben. Ich habe bereits ein Kind vollerwerbstätig großgezogen; eine Übung in Stress und Notlösungen – nie wieder. Der Mann trägt das freundlicherweise mit.

    Und machen wir uns nichts vor: dass dieses Modell in Berlin als hinterwäldlerisch und womöglich reaktionär und superpöhse gilt, hat mir seiner Qualität nichts zu tun. Sondern mit einer wirtschaftsfreundlichen, letztlich familienfeindlichen Riege von Politiker/innen, die eben NICHT besonders frei und originell denkt, die auch keine Wahlfreiheit bieten möchte, sondern ihr favorisiertes Modell puscht: Vollzeitnahe Erwerbstätigkeit für alle. Die sitzen auch nur in ihrer eigenen Echokammer, und deren Interessen meine Familie zu opfern, dafür ist sie mir zu wertvoll.

    Jeder soll auf seine Facon selig werden. Macht, was ihr wollt, es ist mir egal, es ist euer Ding. Nur tut doch bitte nicht so, als wären nur neue Lösungen gute Lösungen. Sie sind es nicht.

    1. Als Kind einer Teilzeit-Mama gebe ich dir absolut Recht!
      Wenn beide immer arbeiten wäre mir wohl das passiert, was einigen meiner Freunde passiert ist: Ich wäre unsicher. Sie wussten nicht was sie tun sollten, denn sie waren oft allein, hatten auch keine Geschwister, denn mehr als ein Kind wenn beide arbeiten? Wie soll das gehen?
      Mit Sicherheit haben meine Freunde teurere, größere Geschenke bekommen.
      Dafür hatte ich einen großen Bruder und eine Mutter die nachmittags mit mir gespielt haben, die immer da waren und da sind, mir immer Unterstützung gewährt haben.
      Gut. Klassischerweise war der Vater den ganzen Tag arbeiten, aber meine Mutter war ohnehin mehr für Kinder und spielen, aber der war irgendwann weg, also wurde unsere Familie kleiner, während die Zeiten so blieben wie vorher.
      Ich möchte es später ebenso handhaben wie meine Mutter, meinen Kindern Zeit und Zuspruch gewähren.
      Oder etwas machen was heute ganz am Aussterben ist: Im Hause meiner Mutter weiter wohnen und ihre Unterstützung bei der Erziehung ergreifen während ich und mein Mann (oder ist Ehe zu altmodisch?) Vollzeit arbeiten können.
      Früher lief das häufig so ab, warum also nicht dieses Modell fortführen?
      Modern ist es schließlich auch seine Angehörigen zu pflegen, wenn sie hilfsbedürftig werden, damit sie weiterhin zuhaus bleiben können.
      Modern, reaktionär, traditionell… Heutzutage wird doch die Toleranz gepredigt, also bin ich der Überzeugung, dass man jeden in seinen Entscheidungen akzeptieren und auch Herr Augustins Meinung anerkennen sollte.

      1. Deinen letzten Satz bzw den letzten Teil fand ich wichtig. Es gibt keine einzig richtige Lösung. Meine Eltern waren beide Berufstätig, Vollzeit, Schichtarbeit. Meine zwei älteren Geschwister und ich sind zu selbständigen Menschen geworden die mit beiden Beinen im Leben stehen. Unser Verhältnis ist harmonisch usw usf.

  3. Naja,dass sich viel verändert,ist ja erstmal nicht schlecht,aber ich finde nicht,dass heute wirklich mehr hinterfragt wird als damals…Es wird alles komplizierter, aber ich finde,nicht wirklich komplexer (also unnötig kompliziert ^^),da sich viele scheinbar sehr mit Kleinigkeiten aufhalten…Aber warum einfach,wenn’s auch kompliziert geht?

  4. Eben haben wir noch schwungvoll in unserer privaten Netzecke diskutiert und schon räumst du einmal ab. Gut zu lesen.
    Vor allen Dingen dieses „das ist mir aber zuviel“ – eeeeej das ist immer noch weniger als der Alltag und die Kleinfamilie im Reihenhaus war schon in den 80er Jahren ein Fake, damals von Kohl gepusht.

  5. Hatte innerlich auch schon ein bisschen die Augen verdreht bei dem Artikel, bin dann auf deinen gestoßen und wusste dann, warum. ;-)
    (Obwohl der Artikel auch Aspekte enthält, die ich gut finde. Z.B. regt es mich auch auf, dass Firmen neuerdings durch die Bank als Ratgeber getarnte Werbekataloge rausbringen. Ich will keine Babytipps von Drogerieketten, Pharmaunternehmen, uswusf!)

    Und dann habe ich die Kommentare gelesen und DANN war ich wütend! Man kann hier anderer Meinung, bin ich auch. Aber warum den Autor als „dumm“, „armes Würstchen“ usw. bezeichnen? Warum nicht die eigene Meinung so darstellen, dass der andere sie möglichst überzeugend findet? Mit Arroganz und Belächeln verhärtet man Fronten. Ich denke, so kann Demokratie nicht funktionieren.
    Vielen Dank an die sachlichen Schreiber wie z.B. Julie Paradies mit ihrem Hinweis. DAS bringt eine Diskussion doch weiter!

  6. Danke! Ich hab mich über den bösen Artikel an Ikea auch geärgert, konnt im Kopf irgendwie keinen Weg finden, meinen Ärger in etwas Produktiveres zu drehen und habe daher dazu dann nichts mehr gesagt.

  7. und du hast mal wieder Recht. Bin gerade schwanger und werde „nur“ 6 Monate Erziehubgsurlaub nehmen. Bisher hat much noch jeder gefragt warum ich denn auf den Rest ( hier alles in allem 1 Jahr) verzichten möchte. Auf die Idee dass der Vater den auch gerne nehmen möchte ist keiner gekommen … ( hat er schon bei Kind 1 gemacht)

  8. Zum Artikel: Das sind ja nicht mal die problematischsten Stellen. Will sagen, dass er tatsächlich Werbung ist für Kopf auf Ikea-Tisch.

    Und doch erfahre ich gerade selbst in der Berlin-Bubble nochmal eine Bubble: Ich erwarte mein erstes Kind, und die Reaktionen darauf, dass der Vater und ich uns die Elternzeit teilen, ich nach 6 Monaten wieder arbeiten gehe, sind zu 90% auf der überrascht bis ablehnend-Skala verortet. Wohlgemerkt, bei unseren Berlin-Kontakten. Leute zwischen 30 und 50; ProgrammiererInnen, DesignerInnen, KünstlerInnen, JournalistInnen etc.

    In unserer Heimatstadt (knapp 100.000 Einwohner, keine Uni), hält man das für dermaßen egoistisch/waschlappig/überkandidelt, dass man das lieber nicht direkt mit uns bespricht ;)

    Zusammengefasst: Der Zeit-Artikel ist völlig daneben. Punkt. Gleichberechtigtes Aufziehen noch in sehr weiter Ferne. Punkt.

  9. Guter Text, dass man oder Mann in alte Rollen fällt weil es bequemer und weniger anstrengend ist, war mir nicht bewusst.
    Danke für den Hinweis aufs Geburtsjahr von Herrn Augustin, Made my Day, armes Würstchen, so unabenteuerliche Sehnsüchte mit 28 …

    Achja, nochwas für die Statistik: Ich finde Sie voll Scheiße und wollte Ihnen das schon immer mal ehrlich sagen ;-)

  10. Also ich gebe ja zu: Ich bin entweder schon so…. post-irgendwas dass mir das (künstliche oder natürliche) Multikulti in jeglichen Medien überhaupt nicht mehr auffällt, oder ich bin einfach nicht aufmerksam genug, dass ich es bemerke.
    Die Menschen in IKEA-Katalogen finde ich eher störend, unabhängig von ihrer Hautfarbe. Ich will die Möbel sehen.

    Zum Rest: Ich weiss nicht ob das nicht so ein gefühlter Unterschied ist zu früher. Bei Dir in Berlin sieht das ganze wohl anders aus als irgendwo außerhalb des Dunstkreises einer Millionenstadt, aber anderswo hat sich gegenüber früheren Zeiten (80er, 90er) weit weniger getan als man eigentlich erwarten würde.

    Unabhängig von dem ganzen gilt aber aus meiner Sicht auch: Früher war nicht alles besser. Nicht mal das meiste. Hier in der Zukunft ist zwar auch nicht alles Gold was glänzt, wir haben unsere Probleme, aber overall finde ich dass die Vorteile überwiegen. Jetzt müssen wir nur noch was daraus machen.

    Gruß
    Aginor

    1. (Ich glaube auch nicht, dass es überall wie in Berlin ist – allerdings ändern sich Dinge eben.
      Selbst in dem Dorf in dem ich groß geworden bin, gibt es in der Zwischenzeit einen Hort für die Schule.)

      1. Gott ja. „Braucht keiner“ hieß es in meinem Herkunftsdorf, wenn es darum ging, den Kindergarten bis nachmittags zu öffnen. Und alle arrangierten sich irgendwie zähneknirschend. Die Oma musste dann halt mitbetreuen, ob sie wollte oder nicht. Und dann nach 20 der 30 Jahre gab es endlich mal einen neuen Bürgermeister. Und der neue machte das einfach mal. Und siehe da: die Ganztagsplätze waren alle voll. Viele wollten das.

        1. „Die Oma musste dann halt mitbetreuen“ wäre natürlich heute auch so eine Sache. Oma arbeitet schließlich auch, bis sie 67 ist. Angenommen, beide haben mit 27 das der einfachheit halber mal nur eine Kind bekommen, dann ist da nicht mehr viel zu betreuen, wenn Oma in Rente geht…

  11. Danke, danke, danke! So viel Mimimi von Herrn Augustin, da möchte man ihm gerne ein wenig Eieiei spendieren. Sein nächster Artikel geht dann sicher um den Erdnuss-Schokoriegel, der angeblich den Hunger stillt, „wenn’s mal wieder länger dauert“ und dass das gar nicht stimmt und ihm ein völlig falsches Bild vermittelt von der Realität. Oh, wait…

  12. danke liebe nuf. ich hatte tatsächlich auch überlegt, ob ich auf den artikel von kersten augustin reagieren sollte…und ich war auch überrascht, wie jung kersten augustin in jahren im verhältnis zu seinem text ist.

    jetzt ist diese reaktion hier erfolgt und ich möchte nur danke dafür sagen!! danke!

  13. In was für einer Welt leben Sie ? Geändert, meine Liebe, geändert hat sich nichts. Realschulabschluß, Lehre, Heirat, zwei Kinder, Scheidung, alleinerziehende Mutter. Es ändert sich nie etwas. Müsste ein Mensch Ihrer Intelligenz eigentlich begreifen.

  14. Irgendwie ist es schon interessant, dass sich das Außen ändert und das sogar recht schnell, aber das Denken immer noch in eingefahrenen Bahnen stattfindet. Und all das findet in ein und derselben Gesellschaft statt, verrückt. Ich wünschte, Selbst-denken als Möglichkeit würde mehr Menschen zur Verfügung stehen. So langsam macht mich das alles so müde. Als Mutter, deren Kinder beim Papa leben, erschöpft und erschreckt es mich immer wieder, was Menschen da denken bzw. was nicht.

    Du hast das schön zusammengefasst und ich werde das jetzt als General-Antwort auf so vieles nutzen. Deshalb bedanke ich mich artig für diesen Satz:

    „So ist das jetzt. Damals ist vorbei. Komm‘ klar. Potzblitz.“

  15. Vor allem muss man sich diese Ausgeburt des Multikulti, den IKEA-Katalog, mal näher anschauen und sich fragen: Welche kleinen Veränderungen fallen den Neurotikern des „Wo ist die Hetero-Kleinfamilie im Reihenhaus“ denn da auf? Ja, da steht ein Mann allein am Herd (!) mit einem Fisch. Und ein paar Seiten weiter steht eine Frau alleine in der Küche und macht irgendwas anders. Und auf den allermeisten Bildern ist überhaupt kein Mensch zu sehen!

    Hin und wieder mehrere Menschen auf einem Bild. Ob das Familien oder Freunde oder was auch immer sind, weiß man nicht. Manchmal sind es viele, dann denkt man: Oh, Besuch. Oder Großfamilie. Und manchmal wenige. Und, uih, manchmal haben einige etwas dunklere Hautfarbe. Wie schön, weil die nämlich sonst NIE zu sehen sind in solchen Printprodukten. Als ob es meine Nachbarschaft gar nicht gäbe für Katalog-Versender. Das fällt einem als Durchschnittsweißen halt auch nur selten auf, weil man selber ja „nicht betroffen“ ist. Wie neulich, als Jermaine Jackson im Epi-Zentrum des weißen deutschen Mittelstands („Klein gegen groß“ im Öffentlich-Rechtlichen Fernsehen) zu Besuch war. Und man sich plötzlich fragte: Was denkt denkt der sich eigentlich, wenn er sich hier umschaut, dass wir keine Schwarzen Menschen haben, hier in Deutschland?

  16. Mal eine ganz faule, vielleicht auch dumme Frage, weil ich nicht recherchiere, ob … : Wird denn der Ikea-Katalog, was die Fotos angeht, für jedes Land/Region einzeln produziert? Oder sollen nicht vielmehr möglichst viele/alle Regionen abgedeckt werden? Ist am Ende gar nicht „unser“ Deutschland gemeint? Dann nämlich zeigte sich, was für ein bornierter Egoismus hinter der Annahme steckt, dass Ikea irgendetwas anderes mit der Darstellung und Auswahl der gezeigten Menschen auf den Fotos steckt als — Kosten zu sparen. Und, wenn dem so ist: Regt man sich in Brasilien oder Shanghai oder Tel Aviv auch darüber auf?

    1. Tatsächlich scheint der Katalog in allen Ländern grob ähnlich auszusehen – https://www.facebook.com/IKEACATALOGS/

      (Ich frage mich, nachdem ich den ganzen Artikel gelesen habe, ohnehin, ob das wirklich das erste Mal ist, dass der Autor entdeckt hat, dass Firmen gar nicht sachlich Produkte bewerben sondern jeweils irgendein Lebensgefühl vermarkten…)

  17. Gerne mehr in der Art!
    Als Mitteljunge Frau mit Kind in einem Vorort,nun auch mit Reihenhaus und ohne Ehering ?am Finger hab ich mir so manche deiner Fragen auch gestellt.
    Ist es ein Fehler ein altes Rollenmuster zu leben?
    Ist es ein Problem mein Kind weder windelfrei,noch langzeitstiller zu erziehen?Oh ja und Frühenglisch hat sie auch nicht,oder sind es teilweise die alten Werte auf die man sich besinnen sollte?Es war sicher nicht Alles toll,aber die heutige Zeit macht mir mehr Angst,mit Feindlichkeiten,Zukunftsangst und dem dauernden Diskussionen.

    Herzlichst
    Kerstin

    1. Also ich für meinen Teil möchte mich auf keine alten Werte besinnen. Das sollte der Text nicht ausdrücken.
      Ich hätte es gerne manchmal einfacher, aber ich schätze es durchaus sehr eine ordentliche Bildung genossen zu haben, gute Kinderbetreuungsmöglichkeiten zu haben, arbeiten zu gehen und finanziell so unabhängig zu sein, dass ich mich einfach scheiden lassen konnte, um jetzt mit einem Mann zusammenzuleben, der alle Aufgaben des täglichen Lebens mit mir teilt.

  18. schöner Text. Der Zeit-Auszug hat mich dann unvermittelt in Rage versetzt. In so wenigen Zeilen so dumm daher zu schreiben, mit dem klimaktischen Yussuf-statt-Billy, ist schon beeindruckend. Und dieser Vergleich Yussuf-Billy ist auf so vielen Ebenen bescheuert, und sogar gar nicht mal knapp an der Xenophobie vorbeischrammend, dass ich kaum fassen kann, das in der Zeit zu finden, die ich mal für mittig-links gehalten habe.

  19. So ein „Was wäre, wenn …“ Gedankenspiel zu umgekehrten Geschlechterrollen ist auch das Buch „Die Töchter Egalias“ der Norwegerin Gerd Brantenberg (Ja, Gerd geht dort als Frauenname).
    Nicht unbedingt das allergrößte literarische Highlight, aber lohnt sich mal zu lesen.

  20. Hihi, wie du den zugehörigen Artikel passiv aggressiv einfach mal nicht verlinkst. ;) Ich hab da auch ein bisschen mit dem Kopf schütteln müssen, aber auch drüber nachgedacht. Tatsächlich ist mir das in den Ikea-Katalogen noch nie aufgefallen. Jetzt dagegen schon. Und ich halte das in den Katalogen dargestellte Bild auch nicht für sonderlich realistisch. Das fängt allerdings schon da an, dass man, wenn man Ikea-Möbel kauft, aufbaut und ein bisschen Deko ergänzt, NIEMALS alles so schön hindrapiert bekommt, wie das die Profi-Home-Designer von Ikea schaffen.

    Und so geht es eben auch bei den Lebensmodellen weiter: Die WGs, die ich kenne/kannte, haben sich mit dem Nötigsten eingerichtet, sicher aber nicht mit einer 8.000-Euro-Ikea-Küche mit eigener Kochinsel. Und im Anschluss ziehen sie alle in eigene Wohnungen oder Häuser, gründen kleine Familien, leben einigermaßen spießbürgerlich, wenn man dieses wertende Attribut verwenden möchte. Aber nie so wie in den Katalogen dargestellt. Vielleicht liegt das an meiner „personal bubble“? Weil wir aus der Kleinstadt kommen, die Kleinstadt aber nie aus uns herausbekommen haben? Vielleicht ist Ikea ja auch Science Fiction und zeigt schon mal, wie’s in 20 Jahren sein wird?

    Ich find die Darstellungen im Katalog ziemlich okay. Sie erregen mich nicht negativ, sie lösen eigentlich gar nichts aus. Sie propagieren ja nichts, sie zeigen nur, wie es auch sein könnte, wenn die Gesellschaft so funktionierte, wie sie sollte: ohne Menschen auszuschließen. Mir käme gar nicht in den Sinn, mich über die Multi-Kulti-Darstellungen im Ikea-Katalog aufzuregen. Da muss man schon einigermaßen unzufrieden mit sich selbst sein, um nicht akzeptieren zu können, dass Gemeinschaft auch anders funktionieren kann. Alles kann, nichts muss. Ist ja nicht so, als würden andere Lebensmodelle als das eigene einem irgendwas wegnehmen. Aber so schien das der Autor zu sehen. Leider.

  21. ******************KOMMENTAROMAT**********************
    Genau!
    *****************/KOMMENTAROMAT**********************
    Absurder Text, ich war auch ziemlich irritiert, als ich das Geburtstagsjahr gesehen habe.

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