Der liebe Haushalt

Egoistisch, weil man nicht unbezahltes Personal der Familie sein will?

Morgens im Bett schaue ich mir gerne Instagram-Storys an. Zum Beispiel die von Ringelmiez, die darüber schrieb, wie sie ihre Kinder in den Haushalt miteinbezieht. Als ich die Reaktionen auf ihre Story gelesen habe, habe ich fast meinen Kaffee ausgespuckt. In welcher Welt leben manche Menschen eigentlich?

Kinder, die miteingebunden sind, sind für mich selbstverständlich

OK. OK. Man soll nicht auf rhetorische Fragen antworten, v.a. nicht auf eigene, aber eines ist gewiss: Dieser Mensch lebt in einer völlig anderen Welt als ich. Für mich ist es selbstverständlich die Kinder miteinzubeziehen. Aus so vielen Gründen! Die Kinder „müssen“ helfen seit sie laufen und Dinge tragen können. Jetzt mit über 10 Jahren sage ich im Scherz immer, dass sie eigentlich ausziehen können – eben weil sie in der Lage sind für sich selbst zu sorgen. Das glaube ich wirklich. Was Haushaltsdinge angeht, wissen sie so gut wie alles. Ich lasse sie nicht alles (unbeaufsichtigt) machen. Mit kochendem Wasser und heißem Öl bin ich immer etwas ängstlich, aber die Kinder können kochen (Rührei, Bratkartoffeln, diverse Nudelgerichte, Pizza, Flammkuchen, Dressings für Salate, Pfannkuchen, unterschiedliche – teilweise sehr aufwändige Kuchen //Danke an YouTube an dieser Stelle//, Ofengemüse etc.), kennen sich mit Wäsche aus, können alleine Einkaufen, Dinge schälen und kleinschneiden, putzen, saugen, Tisch decken, Tafeln schmücken, dass ich nicht mithalten kann, staubsaugen, Wäsche aufhängen, falten… was man eben so macht im Haushalt.

Der Clou: Sie wollten schon von klein auf mithelfen. Ich glaube, alle Kleinkinder wollen das. Sie wollen sich einbringen, sie wollen lernen, sie wollen Erwachsene nachahmen.

Natürlich ist das am Anfang etwas anstrengend, weil sie rein motorisch vieles noch nicht so gut können. Beim Backen gehen Eier daneben, das ganze Kilo Mehl wird in der Küche verstäubt, beim wischmoppen kann man hinterher nur noch in Gummistiefeln durch die Wohnung und nach 30 min staubsaugen sieht es nicht wesentlich sauberer aus als vorher.

Mit zunehmenden Alter lässt der Enthusiasmus zugegeben etwas nach. Bei mir aber auch und das müssen die Kinder verstehen. Ich gehe in Haushaltstätigkeiten nicht auf. Ich koche gerne für Freunde, aber hinterher aufräumen und putzen, naja. Es gibt vieles, das ich in meinen hmmmm 2 Std, die ich täglich an „Freizeit“ habe, lieber mache. Ich sehe es überhaupt nicht ein, dass ich diese Zeit für Haushaltsarbeiten investiere und bestehe deswegen auf Unterstützung. Wir sind ein Team. Die Kinder essen abends gerne warm. OK. Aber das heißt eben, sie müssen auch ihren Teil dazu beitragen. Wenn sie Sonderwünsche haben (alle zwei Tage Bratkartoffeln), müssen sie sie selbst machen.

Erlernte Hilflosigkeit

Die ältere Generation scheint das befremdlich zu finden. Oft habe ich früher gehört (auch in anderen Kontexten) „Der arme Junge!“, weil der arme Junge mal Tisch decken oder schmutziges Geschirr in die Spülmaschine räumen musste. Komischerweise habe ich übrigens nie gehört „Das arme Mädchen!“ und da sind wir auch schon beim nächsten Punkt: Der lebensfähige Mann.

In der Großelterngeneration gibt es Männer, die können nicht kochen, nicht waschen und sind auch sonst schnell in Sachen Haushalt überfordert. Sie warten darauf, dass ihre Frauen mittags mit den Einkäufen nach Hause kommen und kochen. Wenn die Frau mal krank ist, gibt es Dosenravioli.

In abgeschwächter Form lebt dieses Rollenbild weiter. Die Frau macht den Haushalt und der Mann äh verdient das Geld? Nur dass die Frau in der Zwischenzeit auch das Geld verdient und es deswegen den Helden gibt, der „im Haushalt hilft“. Wow.

Hierzu auf ewige Wiedervorlage:

Zu dem Jungen/Mädchen-Ding könnte ich noch ganze Abhandlungen schreiben, gibt es doch ausreichend Untersuchungen, die zeigen, dass von klein auf Jungs viel weniger in den Haushalt integriert werden als Mädchen.

Bei uns wird es das nicht geben. Es wird auch keinen Sohn geben, der Mutti die Wäsche nach Hause schickt, die sie dann wäscht und gebügelt zurück schickt. Keine Urban Legend – ich habe das im Studium wirklich mitbekommen.

Jedes Kind übernimmt bei uns Aufgaben im Haushalt. Ein Kind war clever und erledigt proaktiv und regelmäßig Dinge, auf die es gerade Bock hat. Ich komme dann von der Arbeit nach Hause und die Wäsche ist abgehängt und gefaltet oder es wurde eingekauft oder gekocht. Dieses Kind bekommt nur selten zusätzliche Aufgaben. Ein anderes Kind hat nichts eigeninitiativ gemacht und durfte sich Aufgaben als feste Verantwortlichkeit aussuchen. Wir haben lange Diskussionen geführt, dass das Gejammer und Diskutieren, ob man da jetzt Bock drauf hat oder nicht, ermüdend für alle ist, weil es eben nicht ums Bock haben geht. Zu meiner eigenen Verwunderung stoppte das Gejammer eines Tages und wenn ich jetzt rufe: „Tisch decken!“, kommt als Antwort „Komme gleich!“ und dann wird der Tisch gedeckt.

Teil des Teams sein

Tatsächlich glaube ich übrigens, dass es den Kindern gut tut eingebunden zu sein. Sie fühlen sich so als beitragenden Teil einer Gemeinschaft und sie bauen echte Kompetenzen auf, die sich auf ihre Selbstwirksamkeit und auf ihr Selbstbewusstsein positiv auswirken.

Deswegen: Natürlich helfen 10jährige mit. Und zwar schon seit Jahren.


In „Mit Kindern Leben“ habe ich mich mit Caspar auch schon zum Thema „Arbeitsteilung in der Familie“ unterhalten.

235 Gedanken zu „Der liebe Haushalt“

  1. Klasse Text! Das bringt es auf den Punkt. Die Familie ist eine Gemeinschaft, zu der jeder seinen Teil beiträgt – natürlich bei Kindern abhängig vom Alter. Aber selbst die Kleinsten können schon was machen. In der Kita räumen sie ja schließlich auch ihren Teller nach dem Essen auf….
    Ich bin der Meinung, dass man sich als Frau keinen größeren Gefallen tun kann, als darauf zu achten, dass alle Familienmitglieder ihren Beitrag in Haushaltsdingen leisten. Sonst landet man am Ende mit der Verantwortung für Job, Kinder/Familie & Haushalt früher oder später in der Überforderung….und da hat ja schließlich keiner was davon …. ;)

  2. Meine Nichte ist 14. Sie kann ihr Zimmer aufräumen, Chicken Wings mit Pommes zubereiten und ihren Teller in die Spülmaschine einräumen. Und wird für alles exklusiv gelobt.
    Als ich in dem Alter war, ist meine alleinerziehende Mutter seit 5 Jahren ganztags arbeiten gegangen und ich habe sehr viel im Haushalt gemacht.
    Etwas dazwischen finde ich sehr gut. Der Vorteil war bei mir: Ich bin mit 18 ausgezogen (ich musste weiter weg, es gab keine Arbeit in der Nähe) und konnte das alles. Meine Nichte… nun, wir werden sehen. Irgenwann müssen die Kinder das ja mal lernen und ich fand das abschauen von jemand, der es kann, sehr viel einfacher als alles auszutesten. So wie die Freundin, die dann Eier im Schnellwasserkocher kochen wollte…..

  3. Es gibt immer so Themen, bei denen ich mich wundere wie man eine andere Meinung haben kann als meine eigene :D Das ist so eins davon. Wir Eltern sind niemandes Putzfrau und das was ein Kind motorisch und geistig kann, muss es auch machen. Bei „Ich will aber nicht den Tisch decken.“ folgt auch nur „Dann kannst du auch nicht mitessen.“

    Ums wollen geht es eben manchmal nicht und um noch einen Spruch meines Papas anzubringen: „Viele Hände, schnelles Ende“ :)

    PS.: Bei Krankheit oder sichtlicher geistiger/körperlicher Erschöpfung des Kindes werden natürlich Ausnahmen gemacht.

  4. Häh? Klar müssen die Kinder mit anpacken. Kinderarbeit finde ich super!

    Komme allerdings auch aus einer eher „modernen“ Familie. Meine Mutter (jetzt 80) war immer auch berufstätig und hat in der Küche vermutlich seit 20 Jahren keinen Topf mehr angefasst, während mein Vater (jetzt 82) exzellent kochen kann und das auch jeden Tag macht. Auch bei uns ist die Küche mein Revier und kochen (incl. einkaufen, Abwasch und aufräumen) fast immer mein Job. Bügeln kann ich mindestens so gut wie meine Frau und das einzige, was ich nicht beherrsche, ist nähen.
    Beide Kinder können kochen und beim Backen macht meinem Sohn in der Familie keiner mehr was vor. Sie können auch einkaufen und die Waschmaschine bedienen. Das ist schließlich eine Familie und kein Hotel. Na gut, über die Kinderzimmer reden wir lieber nicht. Aber da wohne ich ja nicht drin.

    Das heute zwischen Mädchen und Jungen bei der Mithilfe im Haushalt Unterschiede gemacht werden, halte ich für einen Mythos. Das habe ich seit vielen Jahren nicht mehr erlebt.

  5. Huah!
    BGB is super.
    Hierso unterscheiden wir
    1. 15 Minuten für die Gemeinschaft
    2. „Verursacherprinzip“ in der Gemeinschaftsfläche: also wegräumen was mensch verursacht hat (im Weg stehende Schuhe, Reste von „mal eben was zu essen nehmen“)
    3. für eigene Sachen verantwortlich sein (Brotdose, Wäsche verräumen)
    Für das 10-jährige Kind.

    Es war gut für Kind und mich zwischen 1) und 2) zu trennen

    Das zweijährige Kind kann (zum guten Zeitpunkt) dank Kita super Spielzeug aufräumen und deckt manchmal Tisch.

  6. Mmmh. Grundsätzlich stimme ich vollkommen zu. Kinder wollen helfen und das zu sehen und zu fördern ist ein großartiger Weg hin zu selbstbestimmten Heranwachsenden und guter Aufgabenverteilung in der Familie. Und je mehr Familien dies öffentlich als gut gangbaren Weg zeigen, wie Familie Nuf, umso Gewinn für alle. Bravo und danke dafür!

    Gleichzeitig frage ich mich, ob diese Empörung der zielführende Weg ist. Da draußen sind Eltern, die ihre Kinder lieben und nur das Beste wollen. Sie haben noch nichts von Selbstwirksamkeit gehört. Wohl aber den auch in den Medien immer wiederholten Satz „Kinder müssen wieder mehr Kinder sein.“ Diese Eltern wissen vielleicht nicht, dass damit andere Dinge gemeint sind als „Muss nicht helfen.“ Aber auch diese Eltern wollen nur das Beste.

    Und ja, die haben angefangen und waren zuerst unhöflich. Und ja, den Ton und die Art und Weise zu kritisieren finde ich auch wichtig.

    Aber können wir mit „Zurückschießen“ auf der anderen Seite Erkenntnis und vielleicht Umdenken erreichen? Ich meine nein.

    1. Zurückschießen? Dann hätte ich wohl einen anderen Ton und eine andere Ansprache gewählt. Hier geht es um das Darlegen meiner Position.
      Was wäre denn die Konsequenz wenn man deinem Kommentar folgt? Nichts schreiben? Keinen Diskurs führen? Jeder macht wie er/sie es mag und nicht drüber sprechen?

  7. Eltern, die ihre Kinder nichts machen lassen sind schlechte Eltern. Bei Menschen, die im Erwachsenenalter noch immer Hilfe brauchen und nicht wissen, wie die simpelsten Dinge gehen, hat das Elternhaus versagt.

  8. Ich musste meinem eigenen Gefühl nach als Kind nicht besonders viel zu Hause helfen, aber offensichtlich habe ich doch genug gemacht und gelernt, dass ich als junge Erwachsene kein Problem hatte, meinen Haushalt selbst zu führen. Ich habe allerdings mit vielen Leuten in Studentenunterkünften gewohnt, die selbst mit eher simplen Dingen wie „Wenn Essensreste in der Spüle landen, muss man die danach einsammeln und wegwerfen“ oder „Wenn ich einen Fleck auf den Herd/den Tisch/ den Fußboden mache, wische ich den am Besten gleich weg“ oder „Wenn ich immer die Tür der innen nassen und warmen Waschmaschine zu mache, schimmelt es“ Schwierigkeiten hatten.
    Ich hatte da schon das Gefühl, dass diesen Leuten zu Hause total hinterhergeräumt und -geputzt wurde und sie deshalb gewohnt waren, solche Dinge einfach anderen zu überlassen.

    Meine Eltern waren beide früh wieder Vollzeit berufstätig und beschäftigen eine Putzhilfe, deshalb musste ich zu Hause nicht putzen — aber ganz ehrlich, so schwer ist das nicht (von Spezialreinigung jetzt mal abgesehen) und ich hatte kein Problem, es dann in der eigenen Wohnung selbst zu machen. Auch wäre ich nie auf die Idee gekommen, eine von mir verursachte Sauerei der Putzhilfe zu überlassen — das ist doch das allerletzte.

  9. Also meine beiden Kinder wollen definitiv mithelfen (ja, helfen. Es gibt bei uns noch keine verpflichtenden Aufgaben im Haushalt für sie) und tun das auch im Rahmen ihrer Möglichkeiten.
    Das ist nicht viel (das ältere Kind ist drei, das jüngere noch nicht mal zwei, die Fähigkeiten sind daher noch recht begrenzt) und…naja, gerade beim jüngeren erzeugt es vermutlich mehr Arbeit als es spart, (vor allem weil sie den Qualitätsansprüchen nicht gerecht werden) aber ich finde es ist gut wenn Kinder gleich von Anfang an Selbstständigkeit lernen.

    zu dem Männer vs. Frauen Ding:
    In meiner Erfahrung ist das bei Mädchen heutzutage (in meiner Generation) nicht (oder nicht viel) besser als bei Jungs. Habe so viele „Prinzessinnen“ erlebt, die praktisch gar nichts können.
    Aber das hat auch was positives: Die Experimente in den WGs die ich erlebt habe waren echt nett. Denn wenn jeder keine (oder nur wenig) Ahnung hat, oder vielleicht jeder ein anderes Spezialgebiet hat, dann ist das gemeinsame lernen (Kochen und backen vor allem, aber auch Tricks beim putzen oder Wäsche machen) irgendwie spaßiger. :)

    Ich erinnere mich z.B. an das schockierte Gesicht einer Kommilitonin, der ich meine T-shirt Falttechnik (die ich von der Bundeswehr kannte) gezeigt habe. T-shirts sind danach A4 groß und es geht sehr schnell. Dafür war ich im backen eine Niete, eine Freundin war aber extrem talentiert darin.
    Ein anderer aus dem Jahrgang war ein ziemlich guter Koch, von dem haben wir alle viel gelernt. Wieder ein anderer war darin völlig unbegabt, aber hatte tolle Tricks beim putzen auf Lager. Gerade beim Bad putzen stellen sich ja manche Leute (ich auch früher, hat sich bei mir auch erst bei der Bundeswehr geändert) zuweilen an als wären sie gerade in ein Biowaffenlabor eingedrungen.

    Natürlich gibt es immer Leute die gar nichts können, aber das kriegt man schon irgendwie hin. Ich habe das Gefühl dass es querschnittlich eher besser wird. Die Einstellung ist sehr entscheidend, das sind alles keine sooo schweren Dinge, die kann fast jeder lernen.
    Daher: so früh wie möglich Normalität erzeugen. Das ist schon richtig. :)

    Gruß
    Aginor

  10. Ich bin der Auffassung, dass jeder, der im Haushalt lebt, auch dafür mitverantwortlich ist. Der 3,5 jährige hilft beim Putzen. Er hat seine kleinen Aufgaben, er deckt den Tisch und räumt mit auf. Ich bin nicht die Bedienstete, die alles allein macht.

  11. Das sind wahrscheinlich genau die Eltern, die ihrem Kind die Klobrille warmfönen, damit dessen Hintern bei Zimmertemperatur nicht abfriert.
    Was für eine Weicheier-Generation wird hier eigentlich teilweise herangezogen?

  12. „Das ist KINDERARBEIT!!!“, musste ich schon oft hören. Nein, ist es nicht. Es ist die Erfüllung des Erziehungsauftrags, den alle Eltern haben. Es ist das Geben von Wertschätzung an das Kind. Das Wissen, dass einem eine Aufgabe zugetraut wird beflügelt und Kinder wollen dazugehören und sich einbringen. Kinder wollen ihren wertvollen Beitrag in der Familie leisten. Wie man sich die anstehenden Arbeiten in der Familie aufteilt ist Nebensache. Das Geschlecht darf jedoch keine Grundlage für die Aufgabenverteilung sein, vielmehr die Fähigkeiten. Da ist es wichtig, dass jedes Kind auch jede Arbeit im Haus erledigen kann. Dazu muss man es machen, sonst lernt man es nicht.

    Und für die Kinderarbeitgröhler verweise ich auf BGB §1619:
    Das Kind ist, solange es dem elterlichen Hausstand angehört und von den Eltern erzogen oder unterhalten wird, verpflichtet, in einer seinen Kräften und seiner Lebensstellung entsprechenden Weise den Eltern in ihrem Hauswesen und Geschäft Dienste zu leisten.

    Wer also seine Kinder zur Selbstständigkeit erzieht, handelt vollkommen gesetzeskonform!

  13. Ich habe nie im Haushalt helfen müssen. Das Resultat ist, dass ich 5 Jahre, nachdem ich ausgezogen bin immer noch leichte Schwierigkeiten damit habe. Ich musste anfangs googlen, wie man eine Waschmaschine benutzt und Badreiniger funktioniert.

  14. Meine Oma hat ihre Kinder auch so erzogen, postalische Wäsche inklusive. Das war Ende 80er Anfang 90er. Als Kind fand ich das schon SEHR strange. Wie konnte es sein, dass ich mit 10 wusste wie man Wäsche wäscht, mein 13 Jahre älterer Onkel aber nicht? Ich konnte übrigens früh waschen etc. weil meine Mutter (hat gleichen ‘Luxus’ genossen) bis heute mit ihrem Haushalt heillos überfordert ist. Damals mit 3 Kindern zu Hause war es ne Katastrophe und der Wäscheberg hatte teils 1.5qm hüfthoch. Aber Zeit für 3+ Stunden Mittagsschlaf war immer… Sie hat es nie gelernt.

  15. Ich musste nie mit helfen… Und das hat sich ganz böse gerächt, als ich dann einen eigenen Haushalt hatte. Nicht nur, dass es übel aussah, nein, ich wusste mir auch bei vielen Sachen überhaupt nicht zu helfen.
    Klingt echt bescheuert, ich weiß. :/

  16. Ich weiß gar nicht was es da zu diskutieren gibt? Schließlich kann es nicht das Ziel sein den Ableger irgendwann ausziehen zu lassen, wenn er nicht mal in der Lage ist seine Socken zu waschen oder selbst ne Tütensuppe anbrennen lässt? @dasnuf @ringelmiez

  17. Abschreckendes Beispiel für „Das Kind muß nix machen!“:
    Habe mal in einer WG einen Mitbewohner gehabt, dessen Mutter vorbeikam, um die gemeinsam genutzten Räume der Wohnung zu putzen, wenn ER damit dran war ? Und Getränkekisten hat ihm Papa dann auch gleich raufgeschleppt in den 4. Stock ????? Kannste Dir nich ausdenken!! (Ich trau mich nichtmal zu googlen, was aus dem geworden ist, vor lauter Fremdscham!!)

  18. Gerne füge ich noch den gern gezückten Kalauer an:
    *Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr*
    Sowie: bitte auch bedenken, welche zukünftigen Partner für die nächste Generation großgezogen werden (meint für den Haushalt: keine Mädchen, die dienstbeließend ständig für alles aufspringen/ keine Jungs, die sich nie angesprochen oder zuständig fühlen)
    (nur so als Außenstehende/ Kinderlose)
    … ansonsten gilt: wie immer gerne gelesen!

  19. Das gemeinsame Nest aller Familienmitglieder sauber zu halten etc ist also DEINE Aufgabe?? Wow.
    Die meisten Kinder möchten sich doch sogar gern beteiligen und sind stolz, wenn sie Aufgaben bekommen. Außerdem – wie sollen sie es denn sonst lernen??

  20. Meine alten Mitbewohner konnten überhaupt nicht kochen, weil es ihnen anscheinend nie gezeigt worden ist. Dabei ist grade das doch besonders spannend. Der eine hat später halbwegs enthusiastisch versucht, es zu lernen mithilfe eines ganz simplen Kochbuchs für Studenten, aber selbst das war teils zu schwer für ihn, weil auch da viele Basics vorausgesetzt werden. Er wusste nicht, mit wie viel Wasser man Salzkartoffeln kocht, wie man eine simple Bechamel macht, wie man würzt etc.pp. Sowas lernt man halt, wenn man zuhause beim Kochen hilft.

  21. Die einen sagen so, die anderen sagen so.
    Meine Kinder hatten (und haben) immer Aufgaben im Haushalt, meine Stiefkinder überhaupt keine.
    Ich lebe mit meinen Stiefkindern zusammen und fand es immer blöd, dass sämtliche Arbeit im Haus sich auf ihre Mutter – meine Freundin – und mich aufteilt.
    Zur ganzen Story gehört aber auch, dass wir nach unserem letzten Urlaub, den meine Freundin und ich allein verbracht haben und in dem die Kinder allein zuhaus waren, das Haus sauber, die Pflanzen gegossen und Getränkevorrat und Kühlschrank voll vorgefunden haben. Obwohl das niemand mit ihnen geübt hatte!
    Also, irgendwie sind die Kinder offenbar auch dann allein lebensfähig, wenn sie bis dato keine regelmäßigen Verpflichtungen im Haushalt hatten.
    Und deswegen, obwohl ich es besser finde, wenn Kinder ihren Teil zum Haushalt beitragen, finde ich, dass es keine allgemeine Regel gibt, nach der diese Beteiligung *natürlich* stattfindet.
    Natürlich ist – denke ich – das, worauf die Familie sich einigt.

    1. Ja, der Begriff „natürlich“ im Sinne von „wie es die Natur vorgesehen hat“ ist im Grunde fehl am Platz.
      Ich bin bei allen Erziehungsthemen immer hin und her gerissen. Ist überall die Botschaft: „Macht es, wie es euch passt“ oder ist es vielleicht doch manchmal hilfreich eine Position einzunehmen und ggf. auch zu verargumentieren/verteidigen?

      In dem Fall „sorge“ ich mich auch weniger um die Menschen, die dann kochen können oder nicht (sollen sie halt Fertigpizza und Ravioli essen, ist mir eher egal), sondern um die Folgewirkungen, die es hat, wenn man dann als Erwachsener wieder in einer Gemeinschaft lebt und nicht erkennen kann, dass nicht eine(r) für die Versorgung zuständig sein will/kann.

      Ach was. Tief in mir kann ich einfach nicht glauben, dass es gesund ist, wenn es sich eine Person auf Kosten einer oder mehrerer anderer gut gehen lässt. (Und dass es diese Menschen gibt, die den Part für diese Person dauerhaft gerne und freiwillig übernehmen)

      1. Tatsächlich übernimmt meine Freundin sehr viel dauerhaft gerne und freiwillig, sagt aber auch, dass ihre potenziellen Schwiegertöchter sie dafür wahrscheinlich hassen werden.
        Ich bin da auch sehr zwiegespalten und versuche in der Zwischenzeit, an der einen oder anderen Stelle im Alltag mal fürs Teller ab- und Geschirrspüler einräumen zu werben ;-)

  22. Klar kann man es auch übertreiben (ich kannte mal ne Familie, da MUSSTEN die Kinder fast alles machen, noch vor den Hausaufgaben und wenn nicht gab es Strafen, während der Vater am PC Solitär spielte, weil er ja schließlich müde von der Arbeit war). Aber dass auch Kinder von Anfang an altersgerecht ihren Beitrag zum Haushalt leisten, sollte eigentlich selbstverständlich sein.

  23. Stimmt, helfen ist nicht gleich machen. Bei uns gab es Aufgabe 1,2,3 und Person A, B, C hat sie halt je nach Zeitplan/Können erledigt. Ich konnte mit 10 selbstverständlich den öltank im keller bedienen und Öfen in den Zimmern heizen. Sonst hätten nämlich alle gefroren. Teamwork!

  24. Ich sag nur: § 1619 BGB
    Das Kind ist, solange es dem elterlichen Hausstand angehört und von den Eltern erzogen oder unterhalten wird, verpflichtet, in einer seinen Kräften und seiner Lebensstellung entsprechenden Weise den Eltern in ihrem Hauswesen und Geschäft Dienste zu leisten

  25. Keks ist 16 Monate alt, reicht Wäsche und Geschirr an, möchte ausgekipptes selbst aufwischen und versucht seit gestern den Tisch zu decken.
    Weil er das will. Als könnte ich ihm da reinreden in dem Alter ?. Staubsauger halten etc. Auch gerne.

  26. Das ist Teil des Familienlebens und wird deshalb extrem unterschiedlich gelebt, so unterschiedlich wie Familien eben sind. Es muss für alle funktionieren, Kommunikation und Consent. Und das ist auch schon meine ganze Philosophie. Wird kein Bestseller.

  27. Uff. Frage mich ob der Kommentator eigene Kinder hat. Sogar ein Kollege, der mir von seiner 8jährigen (?) erzählte, stimmte mir zu dass die Kinder eigtl im Haushalt helfen sollten, nur hatte er den Zeitpunkt verpasst, wo man das Kind noch spielerisch dafür begeistern konnte

  28. (Bestätigend)
    Der Sohn unserer Nachbarn – inzwischen geschätzte 30 Jahre alt – kommt regelmäßig einmal die Woche zu Mama nach Hause. Hat er aktuell eine Freundin, kommt er mit der; hat er aktuell keine, bringt er einen Wäschekorb mit dreckiger und geht mit einem Korb mit gebügelter Wäsche.

  29. Ja sicher. Sonst wirds haarig, wenn sie in dem Alter sind in dem von ihnen dann erwartet wird endlich mal wenigstens ihren eigenen Kram aufzuräumen.
    Tochter wird seit sie laufen kann altersangemessen mit einbezogen. Und gerade kleine Kinder freuen sich, wenn sie helfen dürfen.

  30. Wie sonst sollen sies denn lernen? Waschmaschine bedienen, Staubsaugen, Müll runterbringen (und die Tonne der älteren Nachbarin mit rausstellen), einkaufen (1x die Woche 15kg aufm Fahrrad), Abwasch – das alles konnte ich spätestens mit 14.

  31. Ich war echt geschockt, als ich mal mit ner Freundin im Urlaub war (noch ohne Kinder) und deren Sohn (ca. 8) bat, den Tisch abzuräumen (wir waren zu viert in der Fewo) und sie meinte, er muss nichts machen, er soll doch noch Kind sein.

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