Elternzeit für Männer – unfinanzierbar

Weil ich mich gerade sehr intensiv mit der fairen Verteilung von Care-Arbeit beschäftige und u.a. der Frage nachgehe, woher die Schieflage in der Verteilung nach Geschlechtern geht, habe ich gestern etwas getwittert, das viele anmaßend, arrogant und überheblich fanden:

Und ja, da war ich sehr unpräzise. Ich versuche es mal einzuschränken [0]. Ich spreche von Paaren, bei denen beide angestellt arbeiten und einer von beiden mindestens so viel verdient hat, dass er/sie die Höchstgrenze des Elterngeldes, die bei 1.800 Euro netto liegt, erreicht.

Oder nein, ich rechne mal anders:

Versuchen wir es mal mit dem Median des Familieneinkommens. Der lag 2016 für eine Durchschnittsfamilie (2 Erwachsene, 2 Kinder unter 14) bei 3.392 Euro netto (!) [1]. Rechnen wir also mal kurz das Durchschnittsszenario durch. Dafür teile ich das Nettoeinkommen der Median-Familie durch zwei und verteile ein bisschen um. Der Mann bekommt 2.035,2 Euro und die Frau 1.356,8 Euro.

Szenario 0: Gerade macht niemand Elternzeit. In 14 Monaten beträgt das Einkommen = 47.488 Euro

Szenario 1: Die Frau geht 14 Monate in Elternzeit = 39.075,84 Euro [2]

Szenario 2: Frau und Mann gehen jeweils 7 Monate in Elternzeit = 39.177,6 Euro

Mir ist tatsächlich nicht klar, warum man das Rechenbeispiel oben nicht überbrücken kann. Es geht um eine Differenz von 101,76 Euro. Die Elternzeit kostet also 8.310,40 Euro wenn der Vater auch sieben Monate nimmt vs. 8.412,16 Euro wenn nur die Mutter Elternzeit nimmt.

Warum das nicht geht wurde mir auf Twitter erklärt. Denn die Differenz wird natürlich umso größer, je größer das Nettoeinkommen des Mannes ist. Da werden aus den 101,76 Euro schnell ein paar Tausend Euro und wenn man gerade eine Wohnung für 500.000 Euro finanziert, wirds halt knapp. Und irgendwie gibt es auch ein Problem mit dem Dienstwagen. Der wird anscheinend mit dem Elterngeld verrechnet? Und ja, es gibt auch so einige Kniffe und Fallen was die Versteuerung angeht. Und es gibt auch noch Kindergeld und Geschwisterbonus etc. An der Grundaussage insgesamt ändert das nichts. Der Unterschied im Einkommen ist nicht so dramatisch in der oben dargestellten Durchschnittsfamilie. Es geht nicht darum, ob man sich genug Essen leisten kann oder nicht. Bei all denen, bei denen es wirklich ums Überleben geht, möchte ich mich entschuldigen. Da war mein Tweet wirklich unangemessen pauschal. Man kann Tweets aber nicht nachbearbeiten und würde ich ihn löschen, würde man mir vorwerfen, dass ich etwas verschleiern möchte.

Ingesamt sind in Deutschland übrigens nur noch 28% der Männer Alleinverdiener. Zum Glück. Weil dieses Familienmodell ist finanziell natürlich nicht gerade robust, wenn es um Elterngeld oder auch um Krankheit geht. Aber das ist ein anderes Fass.

„Mehr als 2 Monate Elternzeit waren nicht drin“ (Vielleicht will ich bestimmte Menschen doch ein bisschen provozieren)

Und während ich also so nachdenke, stelle ich fest, dass in der Rechnung der Vater nicht mal annähernd an die 1.800-Grenze stößt (65% von seinen 2.035,2 sind ja nur 1.322,88). Und warum nochmal können diese Paare den Vater nicht in Elternzeit schicken? Weil er 4.000 netto verdient und die Differenz dann so groß ist und man den Lebensstandard die nächsten 10 Jahr… achso Elternzeit geht nur ein paar Monate? und man könnte vorher sogar ansparen, den Jahresurlaub ausnahmsweise mal streichen, die neuste Generation iPhones in der Elternzeit skippen und jaja, ich hör schon auf. Diese Paare können einfach nicht.

Ok.

Und natürlich kann das jede Familie selbst entscheiden. Jede/r hat ein eigenes Wertesystem. Wenn in diesem Wertesystem kurzfristge finanzielle Einbußen vor Beziehungs- und Carearbeit liegen, dann ist das so. Und Surprise: Niemand braucht meinen Segen für sein Lebensmodell.

Für mich (priviligiert, so wie in dem Rechenbeispiel) sind das ein paar Euro. Persönlich würde ich die nicht gegen Elternzeit eintauschen.

Und abgesehen davon: Ich hab recherchiert, warum Väter nicht so gerne Elternzeit nehmen (2/3 nehmen keine Elternzeit). Sie befürchten finanzielle Einbußen und Nachteile in der Karrierentwicklung.

Ersteres hat jede Familie ganz zweifelsohne. Und zwar um min. 35% gesehen auf ein Einkommen für die Dauer der Elternzeit. Zweiteres können Studien zumindest nicht nachweisen (Väterreport 2018 [3]):

Die Nutzung von Elterngeldmonaten führt bei der Mehrheit der Väter zu keinen langfristigen negativen Folgen im Beruf; dies gilt insbesondere für die mehrheitlich in Anspruch genommene zweimonatige Elternzeit durch Väter. Aber auch bei einer längeren Phase der Elterngeldnutzung sind die Auswirkungen meist temporärer Art. Statt eines Karriereendes lässt sich eher ein „befristeter Karriereknick“ beobachten.

Zum Ende dann die  gute Nachricht. Entscheiden sich Männer für eine längere Elternzeit, sind sie im Anschluss auch eher bereit Stunden zu reduzieren und das wirkt sich positiv auf die Partnerschaft und die Beziehung zu den Kindern aus. V.a. Mädchen profitieren übrigens von der Beteiligung der Väter am Lebensalltag.

Väter, die Elterngeldmonate in Anspruch genommen haben, sind auch nach dem Elterngeldbezug aktiver in der Kinderbetreuung. Mehr als die Hälfte der Väter, die drei Monate oder länger in Elternzeit waren, berichten, dass sie sich mit ihrer Partnerin die Familienarbeit nun gerechter aufteilen. Dabei gilt: Je mehr Elterngeldmonate der Vater in Anspruch nimmt, desto intensiver gestaltet sich die Vater-Kind-Beziehung und desto deutlicher fällt der Zuwachs an Egalität in der Paarbeziehung aus. Und sogar unabhängig davon, wie lange Väter Elterngeld bezogen haben, wird die Familienarbeit auch Jahre später gleichmäßiger zwischen den Partnern aufgeteilt als in den Familien, in denen der Vater kein Elterngeld genutzt hat.

In Familien mit partnerschaftlichen, vollzeitnahen Arbeitszeiten sind für die große Mehrheit der Kinder beide Elternteile gleichermaßen Bezugsperson, was als Bereicherung erlebt wird, denn viele der Eltern ergänzen sich in ihren Stärken und Eigenschaften, sodass sich das elterliche Angebot für die Kinder erweitert.

Dieser Vorteil, auch mit dem Vater unter der Woche Zeit verbringen zu können, wird ganz besonders häufig von den Mädchen formuliert. Für sie (aber auch die Söhne) öffnet sich die Tür zu einem anderen, eher geschlechtsuntypischen Aktivitätsbereich. Denn mit den Vätern gehen verstärkt außerhäusliche, sportliche und handwerkliche Freizeitaktivitäten für die Kinder einher. Von dem intensiveren Kontakt zu ihren Vätern und dem damit einhergehenden breiteren Aktivi- tätsangebot scheinen besonders die Mädchen zu profitieren.

 

Amen.


[0] Damit sind die Freiberufler schon raus. 4,3 Mio von 43,5 Erwerbstätigen in D

[1] https://www.finanzen100.de/finanznachrichten/wirtschaft/lohnunterschiede-mit-diesem-einkommen-gehoert-ihr-in-eurem-bundesland-zu-den-oberen-50-prozent_H54665573_476378/

[2] Bezahlt werden lediglich 12 Monate, wenn nur ein Partner Elternzeit nimmt! vgl. https://www.familienplanung.de/schwangerschaft/familie-und-beruf/elterngeld-elterngeldplus-und-elternzeit/elterngeld-basis-elterngeld/. Bei 14 Monaten Elternzeit würde die Frau also 12 Monate Elterngeld bekommen und 2 Monate kein Einkommen beziehen.

[3] https://www.bmfsfj.de/blob/127268/2098ed4343ad836b2f0534146ce59028/vaeterreport-2018-data.pdf

 

Der Artikel wurde am 13.10. bearbeitet, da ich da erst gelesen habe, dass 14 Elterngeldmonate nur dann bezahlt werden, wenn beide Partner Elternzeit nehmen

208 Gedanken zu „Elternzeit für Männer – unfinanzierbar“

  1. Sorry, aber ich finde das schon mega arrogant so was zu sagen. Es ist halt einfach in unserer Gesellschaft noch so, das Elternzeit nicht gernen gesehen ist. Da solltest du vielleicht eher gegen über den Arbeitgebern wettern als Eltern so anzugreifen. Ich habe meine erfolgreiche Karriere für meine Kinder aufgegeben. Auch deshalb weil es meiner Meinung nach nicht reicht nur ein Jahr für die Kinder zu Hause zu bleiben und sie dann Fremdbetreuen zu lassen. Mein Mann hat wegen genommene Elternzeit (die wie wirklich brauchten weil der kleine eine sehr frühe Frühgeburt war und wir beide nervlich am Ende waren) seinen Job verloren. Und dann haben wir natürlich beim 2. kind, das gesund und reif zur Welt kam nichts mehr riskiert.
    Man muss da schon weiter denken als an Geldeinbussen für ein Paar Monate.
    Und die Privilegierten Eltern die die Elternzeit für eine Weltreise nutzen, bestärken halt auch nur die negative Einstellung der Arbeitgeber gegenüber Elternzeit…

    1. Ich kann nachvollziehen, dass Du Dich aufgrund der negativen Erfahrungen, die ihr machen musstet angegriffen fühlst. Ich habe in dem Artikel versucht zu differenzieren, wann ich es nachvollziehbar finde und wann nicht. Dabei ging es um Geld. Bei einer Differenz von 101,76 Euro, durchgerechnet am Median des Einkommens, halte ich es für ein Nichtwollen. Du beziehst das Nichtwollen unterbewusst vielleicht mehr auf die Angst, dass jemand so wie Dein Mann gekündigt wird. Um das Szenario geht es im Text gar nicht und die Studien bestätigen, dass es seltener eintritt als Männer das erwarten.
      Wobei ich – mega arrogant wie ich bin – sogar denke, dass es Vätern helfen würde, wenn möglichst viele gut qualifizierte Männer auf ihr Recht auf Elternzeit bestehen würden. Denn v.a. in Bereichen wo es Fachkräftemangel gibt, würde das erheblichen Druck auf Arbeitgeber ausüben ihre familienunfreundlichen Bedingungen zeitgemäßer zu gestalten.

  2. Ich bin tatsächlich gefrustet über solche Tweets und fühle mich, uns, nicht gesehen in der Diskussion (und lese deine Texte aber im Allgemeinen sehr gerne!). Ich bin im Studium schwanger geworden (gewollt, geplant – wobei, das spielt eigentlich keine Rolle) und wir bekamen ein Kind mit Behinderung. Aufteilung von uns als Eltern im Studium 50/50. Während mein Partner (Ingenieur) sein Studium problemlos abschließen konnte, war es mir (Lehramt) nicht möglich, das Referendariat zu machen, weil das eine Stundenlast von ca 60 Std/Woche bedeutet hätte – dafür hätte mein Partner entweder auf maximal 20 Std reduzieren müssen, was wir uns finanziell (Großstadt, sehr mieses Ref-Gehalt, keine Ersparnisse) nicht hätten leisten können, oder wir hätten das Kind von 7-18 Uhr in der Betreuung haben müssen, was wir nicht wollten. Also – kein Ref erstmal. Und ich war und bin auch nicht unausgelastet. Jetzt steht die nächste Babyzeit an und wir bekommen mit Ach und Krach, mit Urlaub streichen, mit GradsoüberdieRundenkommen 3 Monate Elternzeit für meinen Partner hin. Grad so. Dieses „ach, dann schränkt euch halt bisschen ein, lebt doch ein gleichberechtigtes Modell, ist doch alles kein Problem“ – Pustekuchen. So einfach ist es nämlich manchmal nicht!

    1. Und wir sind beide glücklich mit unserem Leben. Es passt so für uns, auch wenn wir keine großen Sprünge machen können. Wir merken, dass wir aktuell an unserer Belastungsgrenze sind und dass der jeweilige Aufgabenbereich derzeit gut passt.
      Ich denke, dass es sinnvoll ist, jungen Familien zu sagen: übernehmt euch nicht völlig bis über eure Belastungsgrenze. Vielleicht sind 80 Stunden Erwerbsarbeit pro Woche und Familie nichts für euch. Vielleicht schafft ihr 40 und seid damit bereits ausgelastet. Dann macht das. Achtet auf euch und eure Kräfte. Teilt euch die Arbeit so auf, wie es für alle Beteiligten wirklich passt, wie auch immer das sein möge.

  3. Danke Nuf.
    Danke auch fürs Auskämpfen. Nee, ich finde an dem Tweet ist nix zurück zu nehmen. Joah, Menschen ohne genug Einkommen könnte mensch im nächsten Tweet noch mitnehmen.
    Ich freu mich – vor Jahren schriebst du mal, du würdest dich nicht als Feministin bezeichnen und damals wunderte ich mich und fand es schade. Brauche ich nicht ausführen, warum ich mich heute freue, oder?

    Mensch Leute, rechnet. Nuf hat ja noch nichtmal gerechnet, wie groß die Folgeverluste sind, wenn ungleich Elternzeit genommen wird.

  4. Die Elternzeit kann man sich auch gut teilen! Keiner der Elternpaare ist genötigt sich keine Auszeit nehmen zu können um sich dem neugeborenen zu widmen. Ich finde dabei sollte das Geld in erster Linie keine Rolle spielen, kann aber auch die Familien verstehen die sich das einfach nicht leisten können und dann sollte man nicht prangern, sondern eher den Einsatz und Opferbereitschaft anerkennen!

  5. Du hattest mit Deinem Tweet vollkommen recht und solltest Dich weder entschuldigen noch etwas berichtigen. Denn in der breiten Masse ist es mehr als zutreffend. So wie die Elterngeldrealität ausschaut, fühlen sich natürlich fast alle angegriffen… Lass Dich hier nicht bremsen. Hoffentlich setzt ein Umdenken ein.

  6. Danke, guter Text. Finde es super absurd, wer sich da auf den Schlips getreten fühlt. Wer bei K5, Selbstständigkeit, Studium, Krankheit mit dem EG-Höchstsatz hadert, ist erkennbar nicht gemeint. Die Mehrheit, wo bei den Vätern aber nicht mal 2 Monate drin sind, findet Ausreden.

  7. 3 mal Elternzeit. Zweimal als Studenten mit Erziehungsgeld und wenig Spielraum um die Existenz zu sichern- klassisches Modell mit Frau daheim und Mann im Job. Einmal beide arbeitend und mit annähernd gleichem Einkommen und gleich geteilter Elternzeit.
    Es macht was aus, in der Beziehung, der Carearbeit und für das Kind. Aber es ist ein Privileg genügend Spielraum zu haben, wie Sie schrieben.
    Dennoch erlebe ich oft Erstaunen. Man nahm immer eher an, dass das Kind mit 8 Monaten in die Krippe kam, als dass es beim Vater sei. Gesellschaftlich ist noch viel zu tun.. Danke fürs Wege machen für die Gedanken!

  8. Uns gehen durch die 3 Monate Elternzeit die ich nächstes Jahr nehmen werde etwa 10.000 € flöten. Mir ist es das aber Wert Mal länger meine Tochter zu sehen und wir können auch vorher gut einen Puffer ansparen für die Zeit. Groß Urlaub machen ist dann zum Beispiel nächstes Jahr nicht drin.

    1. Ich finde die Beispielrechnung sehr spannend. Mein Mann wird tatsächlich beim zweiten Kind ein Jahr Elternzeit nehmen und ich mit der halben Stelle nach sechs Monaten wieder arbeiten. So haben wir genug Zeit für beide Kinder, aber leider kein geld für den Kredit. Wir rechnen mittlerweile schon hin und her aber ohne unser Erspartes der letzten zwei Jahre wird es nicht gehen. Ein Problem was hier einfach dazu kommt ist, dass unsere Kids im zwei Jahres Abstand kommen und ich beim ersten zurück gesteckt habe. Sprich mein Mann ist unweigerlich eigentlich der, der uns die Zeit finanziell versorgt hat und so viel kann ich nach meiner Pause gar nicht erreichen.
      Uns ist es das trotzdem Wert, da ich kein anstehendes Arbeitsfeld liebe, aber ohne unsere Familie würde es wahrscheinlich nicht gehen.
      Ich finde es schade, dass so viele Aspekte aus der Realität nicht berücksichtigt werden…

  9. Meine Frau würde mir was Husten, wenn sie auch nur einen Monat weniger Elternzeit wegen mir hätte. Ich habe nämlich einen Bürojob, während sie in der Pflege gearbeitet hat. Da ist dann schnell klar, wer wie viele Monate nimmt. Zudem bin ich privat versichert und da gibt es einige Probleme, wenn man deutlich länger als die zwei Monate nimmt.

    Fazit, ist alles nicht so einfach und welche Familie entspricht schon dem Durchschnitt.

    1. Wir, mein Partner und ich, haben beide unabhängig voneinander entschieden wie lange wir Elternzeit nehmen möchten. Wir haben uns beide für 8 volle Elternzeitmonate entschieden, davon verbringen wir 6 Monate überschneidend als Familie Zuhause und auf Reisen. Anschließend gehen wir beide in Teilzeit wieder zurück in den Beruf. Wir gehören sicher eher zu den privilegierten Paaren, aber vor allem liegt uns mehr daran Zeit als Familie und mit den Kindern zu verbringen, als beispielsweise fürs Eigenheim zu sparen.

    2. Welche Probleme gibt es denn für Privatversicherte? Und wie lösen privat versicherte Frauen, die in Elternzeit gehen, das Problem?

      1. Die private Krankenversicherung besteht ja unabhängig vom Einkommen, d.h. auch in der Elternzeit muss man die vollen Beiträge weiterzahlen. Bei mir (Beamtin) blieben dadurch vom Elterngeld statt 1400 Euro nur noch ca. 1000 monatlich. Welche „zusätzlichen“ Probleme aber noch gemeint sind, weiß ich leider nicht.

        1. Mein Mann war noch in der Ausbildung und konnte deshalb leider nicht in Elternzeit gehen. Er hatte natürlich nur ein paar 100 Euro, das hat nicht mal für die Miete gereicht. Ohne das Elterngeld hätten wir es uns also nicht leisten können, unser Kind zu bekommen. Deshalb bin ich bis heute sehr dankbar!

  10. Spricht vielleicht nicht für die Mehrzahl der Paare, aber diese Konstellation, die du nicht bedacht hast, kommt vermutlich trotzdem immer mal wieder vor.
    Mein Mann arbeitete vor der schwangerschaft Vollzeit in einem unbefristeten job, ich arbeitete 30 stunden in einem befristeten job. Mein arbeitsvertrag ist in der elternzeit ausgelaufen. Hätten wir die von dir vorgeschlagene 7 – 7 Aufteilung gemacht, wäre ich in die arbeitslosigkeit mit arbeitslosengeld 1, mein mann in die elternzeit = viel zu wenig geld. Wäre die situation nicht so gewesen, hätten wir es gern anders gemacht. Viele Frauen verlieren auch heute noch aufhrund ihrer Schwangerschaft ihr Arbeit.

    1. Das ist richtig und eigentlich wirklich skandalös. Schwangerschaften und Kinder sind ein großes Risiko für frauen (und nur die!) arbeitslos zu werden oder keine Anstellung zu finden. Das sollte mehr thematisiert werden und einer Selbstverständlichkeit weichen Schwangere und Mütter anzustellen und wie jede/n andere/n Arbeitnehmer zu behandeln.

      Ich finde den Tweet wirklich krass gut!!! Ich kann gar nicht sagen wie oft ich mit drei Kindern schon dem Kommentar begegnet bin die Elternzeit sei nicht drin. Ich vermute das trifft tatsächlich in den seltensten Fällen zu. Wenn es in unserer finanziellen Konstellation geht, geht es fast immer (klar, eventuell muss man wo zurückschneiden oder überbrücken. Mir erzählen aber sogar zwei Oberstudiendirektoren das sei nicht drin. ??????)

      Schlimm finde ich, wenn Frauen diese Haltung ihrer Männer noch stützen. Denn hier geht es im Prinzip um unsere Haltung gegenüber carearbeit für unsere kinder. Oben genannter Tweet ist die einzige korrekte Antwort darauf. Am liebsten denke ich dann an den Leiter eines großen Bremer Espresso Herstellers, der keine Elternzeit nahm aus folgendem Grund, der das fehlende Geld ganz konsequent ergänzte und das tatsächliche Problem korrekt beschreibt: Wenn er das mache, könne es schließlich sein, dass demnächst auch andere Mitarbeiter seines Betriebs in Elternzeit gehen wollten…!

  11. Absolut!!! Mein Mann hat nicht nur Elternzeit genommen, er weiß wie anstrengend das Versorgen der Kinder ist. Und- Schock! – ich musste ihm nie sagen, was er auf Ausflügen alles mitnehmen soll und um die Impftermine kümmert er sich. Er wäre allerdings gerne deutlich länger in Elternzeit gegangen. 16 Monate aufgeteilt wäre noch besser (aber wie so vieles..).

    Aber bitte erwähne doch noch die Eltern, die in der Elternzeit in den Urlaub fahren und die Mütter sich dann anschließend ständig aufregen, der Vater packe nie an (weil wer hats im Urlaub hauptsächlich gemacht!??). Das scheint auch eine weit verbreitete Kombi zu sein.

  12. Als wir Kinder bekommen haben, gab es noch keine Elternzeit. Leider! Hätte ich toll gefunden. Ich hatte allerdings monatelang je einen freien Tag die Woche, an dem dann die Mama absolut gar keine Verpflichtungen hatte und tun und lassen konnte, was immer sie wollte. Wir haben das auch immer so geregelt, dass die Mama in mehreren Nächten die Woche durchschlafen konnte (mit Abpumpen).

    Beruflich habe ich zwar immer Vollzeit gearbeitet, aber rechtzeitig die Kurve gekriegt. War schon recht erfolgreich und hatte einen Job, bei dem man auch mal in Sternerestaurants ging oder zum Formel 1 Rennen nach Barcelona jettete. Aber der war auch hart. Das tat mir nicht gut und der Familie erst recht nicht. Habe mir dann was Ruhiges im gleichen Konzern gesucht. Das hat mich damals 20% Festgehalt und 90% Bonus gekostet, aber ich habe es nie bereut. Ich konnte die Kinder morgens wegbringen und war fast immer pünktlich zu Hause. Kochen, spielen, Hausaufgaben etc. und – vor allem – dabei sein. Das war 1.000x mehr wert und ist unersetzlich. Heute sind die Kinder fast erwachsen und ich habe zu beiden (Tochter und Sohn) ein sehr inniges Verhältnis. Mir tun die Väter leid, die das nicht erleben dürfen oder wollen.

  13. Wollte kurz sagen, dass wir uns schon vor 17 Jahren und all die Jahre die Verantwortung für die Kids komplett geteilt haben und auch heute haben wir beide Steuerkl. 4. Damals gab es noch gar kein Elterngeld. Krass, dass wir heute nicht einen Schritt weiter sind

  14. Spannende Rechnung, so deutlich hatte ich den 14 Monate versus 7/7 Unterschied bisher noch nicht gesehen.

    Ich frage mich ja oft wie das Familien eigentlich in den 2000er Jahren hinbekommen haben, als es noch kein Elterngeld gab. Hier in Bayern bekommen wir für Kinder ab 1 gerade noch ein Familiengeld oben drauf (250 € pro Monat für 24 Monate) und in München sind gerade die Krippen und Kindergärten massiv günstiger geworden. Klar man hat dafür den Mietenwahnsinn, aber es tut sich gerade wirklich viel.

  15. Ich hatte 2 Elternzeiten für 1 Kind. Ich, die Familie und Karriere sind noch am Leben. 1x 2 Mon. mit Elterngeld,
    1 Jahr später 1x 3 Mon. (Beide Elternteile zu Hause) aus den Ersparnissen heraus gelebt. Kosten ~ rund 12.000€ (Fix & Fun)

    Wo ein Wille, da ein Weg. <3

  16. Ja, danke. Das Thema diskutiere ich seit Jahren auf Spielplätzen in der ganzen Stadt. Und langsam werde ich dabei so sauer, dass ich die Diskurse vielleicht lieber lassen sollte, bevor ich mir einen Ruf erwerbe.

    Ich bin bei uns mit Abstand die Hauptverdienerin und habe 12 Monate Elternzeit genommen. Ich hab den Höchstsatz von 1.800€ bekommen. Mein Mann arbeitete in dieser Zeit Teilzeit und hatte etwa 1.300 netto – und wir sind von dem Geld gut über die Runden gekommen.

    Zusatzinfo: Wir wohnen zur Miete und haben eine genügend große, aber keine supertolle Wohnung, zahlen dafür jedoch auch keine Millionen an Miete. Urlaub machen wir 1x im Jahr, nix spektakuläres. Jedenfalls: Nach der Elternzeit bin ich wieder in den Job und der Mann arbeitet seitdem mehr oder weniger Teilzeit/Halbtags (beide Freiberufler).

    Es will mir nicht in den Kopf, wieso ähnlich gelagerte Paar- und Verdienstkonstellationen das nicht auch schaffen sollten. Wirklich, ich kapier das nicht. Wenn man Eigentum abzubezahlen hat und jeder Euro weniger des gewohnten Einkommens ein Problem bedeutet, ja, dann geht es wohl nicht. Wobei ich persönlich aber auch nicht verstehe, warum man sich diese Situation von vorneherein überhaupt schafft.

    Wir könnten eventuell auch was kaufen, aber ich will nicht. Das würde bedeuten, dass ich mehr arbeite als jetzt, und dass ich von meinem Kind kaum was mitbekomme.

  17. Ich weiss ja nicht genau, wie das in Deutschland läuft. In der Schweiz steht aktuell gerade ein zweiwöchiger Vaterschaftsurlaub zur Diskussion.
    Aber so wie ich es verstehe, sind die zwei vorgestellten und berechneten Szenarien doch nicht so einfach vergleichbar. Denn das würde ja heissen, dass die Frau auf die Hälfte ihrer Elternzeit verzichtet, und sie dem Mann überlässt. Weil der das unbedingt möchte.
    Vermutlich wird häufiger diskutiert, ob man sich nach der Elternzeit der Mutter auch noch eine für den Vater leisten kann.

  18. Danke, liebe Patricia! ? btw, hast Du schon die Spitzfindigkeiten bei der StKl-Wahl für Elterngeld mit 3/5 mit drin? Und: lustig, dass nach einer Trennung „paritätisch“ dann doch oft geht – aber, das betrifft ja Alleinerziehende, was brauchen die schon Whg/Haus, Auto etc? ?

  19. Mir tun diese Leute echt leid. Ich haben in der Elternzeit bei meinen Kindern so viele schöne Familienerlebnisse gehabt, welche ich ohne niemals erlebt hätte.
    Es passt nicht in 1-10 tweets was allein die Verbindung zwischen uns Eltern und den Kindern beschreibt.

  20. In meiner Peer-Group der MINT-Männer wollen schlicht einfach alle Familien (Männer wie Frauen) ein „angemessenes“ Eigenheim was in/um Hamburg nun 500.000 bis 800.000€ kostet. Das funktioniert dann halt nur wenn die Großeltern mitfinanzieren, der Mann die 80k+ verdient und die Frau halt noch was dazu und die Familienarbeit übernimmt.

    Wir sind da die Exoten, d.h. haben die ersten zwei Lebensjahre 2/3 aufgeteilt und im Anschluss beide reduziert, Frau 80%, Mann 90% und versuchen die Mental Load 50:50 zu teilen. Wir sind die einzigen in unserem Bekanntenkreis die zur Miete wohnen.

    Die Gespräche laufen immer gleich ab; die Frauen erzählen dass ihr Wohnungspreis schon wieder um x gestiegen ist und wieviel Glück sie ja noch gehabt haben. Die Männer beschäftigen sich eher mit ihren Karriere-Themen, also Management oder nicht, aushandeln wieviel Zeit auf Projekt verbracht wird.

    Obwohl wir nicht suchen bekommen wir auch Angebote von Freunden zugeschickt, „eine Wohnung ist zu verkaufen aus einer Scheidung! Ihr sucht ja auch!“. Das wir freiwillig nicht kaufen wollen kommt bei unseren Freunden halt einfach nicht an.

    Die Mittelschicht will halt unbedingt das Leben ihrer Eltern und das heißt nun mal Eigenheim und Job mit Titel in der Führungsetage. Ich hab mit jetzt einfach damit abgefunden immer der Exot zu sein, ab und an gibt es Lichtblicke wenn Kollegen die 10 Jahre jünger sind sagen, „so wie Herr Lorem will ich das später auch mal machen“.

    die impliziten Glaubenssätze sind:
    * du brauchst Eigenheim damit du im Alter nicht arm bist
    * wenn ich nicht 5 Tage im Büro / auf Projekt bin bin ich abgestempelt
    * unser Kind braucht das Eigenheim oder später die teure Ausbildung

    1. Das mit der Miete sieht ja ganz verlockend aus, wenn man jünger ist – Wenn ich mir dann aber ansehe, was hier mit meinen (sehr viel) älteren Freund/innen und Bekannten passiert, die zur Miete wohnen – da steigt dann halt die Miete, die Leute müssen weiter rausziehen und irgendwann sind sie dann in einem Dorf mit schlechter Verkehrsanbindung und völlig weg von ihrem gewohnten Lebensumfeld und Bekanntenkreis. Na, dann lieber Eigenheim!

      1. Ja, so in der Art haben wir das auch gemacht. Allerdings sind wir bereits frühzeitig „weit raus“ gezogen und haben uns da ein Eigenheim gekauft. Ein uraltes Fachwerkhaus, das wir voll finanziert haben über etwa 30 Jahre. Das hat den Vorteil, dass wir uns unseren Freundeskreis eben dort aufgebaut haben. Meine Frau ist bereits in Rente, bei mir fehlt noch ein Wenig. Wenn ich mir ansehe, wie die Mietenentwicklung gerade in den großen Städten ist, dann bin ich sehr froh, dass wir uns damals dazu entschlossen hatten. Auch, wenn wir eigentlich mehr dazu getrieben worden sind, weil es damals um’s verrecken keine Mietwohnung gab. Aber es hat sich gelohnt. Klar werden wir im Rentenalter sehr viel weniger Einkommen haben. Aber wir haben keine Mietausgaben. Und das ist heute viel wert. Wir kennen Einige, die im Rentenalter mit weniger als 1000€ auskommen müssen. Wenn da noch die Miete abgeht, bleibt weniger Als Hartz4 übrig. Das ist dann bitter. Die Meisten dieser Bekannten haben allerdings ein kleines Eigenheim, oft von den Eltern geerbt. Das sind keine Luxusvillen, sondern kleine alte Häuser, die manchmal schon seit Generationen im Familienbesitz sind. Anders kann man mit einer derartigen Rente gar nicht existieren.
        Die Frage nach der Elternzeit hat sich bei uns nie gestellt, da wir keine Kinder haben. Ist angesichts der Entwicklung vielleicht gar nicht so verkehrt.

  21. Ich melde mich mal als einer der Väter, die hier betroffen sind, auch auf die Gefahr hin hier eines First-World-Problems bezichtigt zu werden. :-) Ich finde Deine Punkte relevant und richtig und ich engagiere mich unabhängig von dem Elternzeit-Thema so gut ich kann in der Familie, auch wenn natürlich nicht von der Hand zu weisen ist, dass meine Frau viel, viel, viel mehr davon trägt. Das ist auch aktuell ein Thema bei uns, aber wir stecken in einer Alleinverdienerfalle, aus der wir aktuell auch nicht rauskommen.

    Wir haben vier Kinder und zahlen ein entsprechend großes Haus in einer Kleinstadt ab, dass wir relativ günstig bekommen haben. Dennoch liegen allein die Kosten für den Kredit ungefähr bei der Obergrenze des Elterngeldes. Dementsprechend ist unser Familieneinkommen, dass momentan ich zu erheblichen Teilen erwirtschafte, spürbar höher. Dennoch sind wir mit vier Kindern trotz gewisser Summen keineswegs so wohlhabend, dass wir leicht für einige Monate Geld zurücklegen könnten, um auf solche Teile meines Einkommens zu verzichten. Wir machen keine teuren Urlaube (1x im Jahr Center Parcs) und fahren auch keine teuren Autos. Wir sind mit diesem Einkommen gefühlt „nur“ Mittelschicht. Ich kann mir vorstellen, dass es vielen Hauptverdienern in entsprechenden Positionen ähnlich geht, auch wenn die meisten natürlich weniger Kinder haben. Dennoch steigt mit zunehmendem Einkommen immer auch der Lebensstandard und der lässt sich nicht einfach für 6 oder 12 Monate zurückfahren, wenn schon Miete/ Hauskredit und andere Basics die Obergrenze des Elterngeldes erreichen. Ich weiß nicht, wie vielen Familien es so leicht fällt auf auch nur ein paar Hundert Euro im Monat, geschweige denn mehr, zu verzichten. Bei uns wäre das trotz eigentlich komfortabler Summe nicht so einfach möglich.

    Ich persönlich würde gerne beruflich etwas kürzer treten und habe nach 15 Jahren Business-Wahnsinn und mittlerweile gläserner Decke weniger Motivation, immer und immer noch Überstunden zu schieben. Aber – das Haus muss bezahlt werden und größere Kinder werden immer teurer. Jobs wie meinen gibt es nicht um die Ecke und so pendle ich, weshalb ich an den meisten Tagen (inklusive kleiner Schleife zum abliefern des Jüngsten) von 7.30 bis 19.30 aus dem Haus bin. Vorher, nachher übernehme ich alles in der Familie was geht, womit ein typischer Tag aus Erwerbs- und Care-Arbeit leicht 14 oder mehr Stunden Aktivität beinhaltet. Meine Frau hat ein ähnliches Pensum mit Familie, Job und Start in die Selbstständigkeit.

    Persönlich würde ich allen Paaren raten, die Last gleichmäßiger zu verteilen als wir es tun. Auch wenn es bedeutet, irgendwann vielleicht den einen oder anderen Karriereschritt auszulassen. Aber das ist halt auch irgendwo eine Maschinerie, die sich dreht und man kann nicht mehr aussteigen.

    Ich hoffe, ich kann hier eine sinnvolle Perspektive liefern. Wie gesagt, persönlich bin ich mit dem Modell nicht mehr unbedingt glücklich, aber es greift auch etwas zu kurz uns Männern a priori zu unterstellen, dass wir uns ja nur in den Job flüchten, weil wir auf den Familienkram keine Lust haben. Familienarbeit ist leider die am schlechtesten bezahlte und am wenigsten angesehene Arbeit in Deutschland und ich finde es gut, wenn sich an der Aufteilung langsam etwas tut. Aber auch als Befürworter gleichmäßigerer Verteilung wie ich kann man in solchen Strukturen gefangen sein …

    1. Ja, wenn man den Lebensstandard auf Oberkante geplant hat, dann geht das nicht einfach und Rad zurückdrehen ist schwer. Verstehe ich. Ich persönlich hoffe immer, dass diese öffentlichen Diskussionen zumindest die Paare, die noch alles vor sich haben, nochmal anders nachdenken lassen.

      1. Mhm. Ich weiß nicht, ob du den Kommentar von Eldorado da so ganz richtig verstanden hast. Es gibt sicher viiiiele, viele Leute, die leider eben nur gerade so über die Runden kommen – und das nicht, weil sie vor den Kindern gierig ihren „Lebensstandard auf Oberkante geplant“ hatten. Vielleicht kann ich da ein bisschen besser nachfühlen: Obwohl ich mich, wenn ich mich so umschaue, immer noch als privilegiert bezeichnen würde, schaffe ich es seit Auszug aus dem Elternhaus/Studium in Berlin immer nur mit Ach und Krach, meine Rechnungen zu bezahlen. Ich bin Akademiker (freiberufliche Texterin), habe nie teuer gewohnt, fahre kein Auto und erlaube mir nun wirklich keine Luxusausgaben. Heute habe ich zwei Kinder und bin verheiratet. Mit dem Gehalt meines Mannes (er hat je 2 Monate EZ genommen) und meinem Elterngeld konnten wir uns wieder gerade so über Wasser halten… Vielleicht sind diese Fälle ja doch nicht so sehr die Ausnahme und die Fälle, wo es kein Problem ist, die Regel. Also müssen wir vielleicht doch weniger generalisieren und an einem anderen Punkt ansetzten? Was meinst du?

        1. Ich meine, dass ich das Beispiel anhand konkreter Zahlen durchgerechnet habe. Anhand eines Medians eines Familieneinkommens. Ich kann nicht so ganz nachvollziehen wieso sich Menschen mitgemeint fühlen die aus welchen Gründen auch immer unter diesem Einkommen liegen.
          Oberkante heisst im Übrigen nicht zwangsläufig Luxus, sondern dass es eben gerade so reicht. Einkommen und Lebensstandard. Deswegen war mein Gedanke: Vielleicht den Lebensstandard nicht zu schnell zu hoch schrauben. Wenn man gar keinen Puffer hat, ist es eben schwierig. Das setzt alle unter Druck.
          (Davon unabhängig wünsche ich mir auch vieles besser: Familienfreundliche Arbeitgeber, bezahlbare Mieten, bezahlbares Eigentum, gute und günstige Kinderbetreuung etc.)

          1. …ich persönlich hab mich auch gar nicht mitgemeint gefühlt :) Ich hatte nur das Gefühl, dass es schwierig ist, sich bei dem Thema so pauschal aufzuregen (weil: eventuell reicht hier die Unterscheidung zwischen Paaren, bei denen fair geteilte Elternzeit easy möglich ist auf der einen Seite und solchen, bei denen es „ums Überleben geht“ auf der anderen Seite, nicht aus). Aber vielleicht ist das wieder so ein Bubble-Ding. Vielen Bekannten/Freunden aus meiner Bubble bereiten eben ein paar Euro weniger schon Probleme. Weil, ja, ohne Puffer ist doof; aber nur durch diese Erkenntnis ist man eben auch nicht unbedingt besser gepuffert. (Wenn ich allerdings auch nur ansatzweise so gut rumrechnen könnte wie du, wäre mein Puffer bestimmt wesentlicher fluffier; ich verrechne mich halt schon bei 2 + 3 ?????).

  22. Mein persönlicher (eventuell absolut falscher) Eindruck ist, dass es doch seeeehr viele, auch gut ausgebildete oder studierte, Frauen gibt, die gar nicht arbeiten WOLLEN, sondern sich anlässlich der Kinder sehr gerne auch definitiv aus der Arbeitswelt/Karriere zurückziehen.


  23. Da wir unverhofft noch mal Eltern wurden, nehmen wir dieses Geschenk (und die Tatsache, dass es für mich nur eine Entfristung gab, wenn ich nach 4 Monaten wieder komme) gerne an und mein Mann nimmt 10 Monate Elternzeit und freut sich drauf. Er kommt aus dem Handwerk und der Chef hat es kommentarlos akzeptiert. (Hatten wir nicht mit gerechnet)
    Da ich mit der Entfristung auch meine Stunden reduziere, haben wir somit gemeinsam 10 Monate lang so viel Zeit für unsere Familie wie bisher noch nie… Klar macht das am Monatsende einen großen Unterschied, aber das ist es uns wert!! (Und wir können tatsächlich trotzdem in den Urlaub fahren und mal Pizza bestellen) ?

  24. Ich bewege mich eher in der Welt der sozialen und pflegerischen Berufe. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Paare, wo beide aus diesen Berufen kommen, das viel gleichberechtigter aufteilen. Vielleicht auch, weil Mann und Frau vorher schon mit Säuglingen oder Kleinkindern Kontakt hatten, sie pädagogisch tätig waren, mit Ausscheidungen Kontakt hatten. Die sind sich vorher schon sicher, dass sie das können. Mein Mann hat das erste Mal einen Säugling während der Schwangerschaft gehalten. Er war extrem unsicher zu Beginn und ich kann das verstehen. Elternzeit sind leider nur zwei Monate rausgekommen. Er hat übrigens alles gemacht und macht seinen Teil immer noch. Ein bisschen mehr Elternzeit hätte uns trotzdem bestimmt gut getan.

    Ich glaube, die Misere fängt damit an, dass die Mädchen die Säuglinge halten dürfen, Baby sitten, mit den anderen Frauen der Familie auf dem Teppich sitzen und sich mit den kleinen Kindern abgeben. Wenn der Sohn der Familie dabei Ambitionen zeigt, wird versucht das Mädchen dazu zu bringen, das zu tun.
    Ich erlebe das bei so vielen Paaren. Die Frau kommt zur Türe herein und sofort muss sie sich um die Kinder kümmern. Selbst wenn der Mann gerade Elternzeit hat, wenn die Frau genau so viel arbeitet. Ich persönlich erlebe das eigentlich nur bei Eltern anders, wo der Mann im sozialen Bereich arbeitet. Sonst sind die Frauen für Wohnung, Essen und Kinder zuständig und das wird ihnen immer noch schon als Mädchen beigebracht. Auch bei Berufswahl und Bildung. Beim Sohn wird geschaut, dass er was lernt oder studiert, wo es Kohle gibt. Bei der Tochter muss diskutiert werden, ob sie nicht doch zur Realschule anstatt aufs Gymnasium geht, weil sie da Hauswirtschaft lernt. Vielleicht wäre ein verpflichtender Unterricht in Hauswirtschaft und Säuglingspflege für alle sinnvoll. Auch Bildung für alle im Sinne von wie komme ich mit dem Geld aus, wie funktioniert unser Steuersystem, wie ist das mit dem Hauskauf oder wenn ich eine Wohnung miete und was passiert bei einer Scheidung.

  25. Hallo, herzlichen glückwunch für dein Artikel! Wir sehen alles genauso. Ich habe die erste 6 Monate wegen Stillen die Elternzeit alleine genoßen, der Rest haben wir alles geteillt (Teilzeitarbeit + Elterngeld + Partnaschaftbonus). Aktuell arbeiten wir beide Teilzeit und wechseln uns ab, um das Kind zu betreuen. Beste Entscheidung ever! Ich finde sehr lustig dass alle zu uns sagen: „klar, wenn es finanziell klappt, weiter so“. Als ob die Paar Monate eine große Unterschied finanziell machen würden. Wo die tolle Unterschied ist: mein Mann kann das Kind auch genießen, gleichberechtigte Beziehung zum Kind, Familie Aufgaben werden fair verteilt… Über die Paar Euro weniger im Monat (ein paar Monate lang) kann ich nur lachen. LG

  26. Hallo Patricia,
    erstmal finde ich es klasse, dass Du Dich der Diskussion stellst & Dich mit Deinen Lesern auseinander setzt. Das verdient meinen Respekt!

    Ich denke, dass es bei jeder Familie eine Einzellfallentscheidung ist. Wo ich Dir aber recht gebe, ist die Grundsatzfrage. & hier sind wir auf dem richtigen Weg, wenn es auch immer noch ein großes Delta bei der Elternzeit zwischen Müttern & Vätern gibt. Nicht zu vergessen bei der Thematik sind auch die Arbeitgeber, die einen wesentlichen Anteil daran haben, ob sie es ihren Angestellten ermöglichen, Elternzeit zu nehmen, auch über die 2 Partnermonate hinweg.

    LG, Richard vom https://www.vatersohn.blog/

    1. Ich hab drei Monate Elternzeit, plus 12 Monate auf 60%, danach auf 90% reduziert. Das wird vom Management tolleriert, aber eben nur auf meiner Ebene und es ist eine explizite Sonderlocker um mich zu halten. Ein Manager nimmt einen (1!) Monat Semi-Elternzeit, also er muss natürlich trotzdem arbeiten und das nur unter Diskussionen im Managementkreis. Alle anderen Manager haben Vollzeit-Nannies oder halt den Deal mit der Vollzeit-Ehefrau und dann drei Kinder.

      Willkommen im MDax Konzern.

      Ich glaub kaum, dass das andere Männer ermutigt, mehr als die zwei Standardmonate zu nehmen.

      1. Auch Dax Konzern hier, das Selbstbewusstsein eine komplette Elternzeit einzureichen haben wenige oder man hat gerade gebaut und ist auf das Geld angewiesen. Danach kommt man auch nur sehr schwer wieder aus dem Modell raus wie sich zeigt, da muss es schon sehr krachen und die Frau Druck machen wieder mehr arbeiten gehen zu können was voraus setzt das der Mann einfach pünktlich Schluss macht und nicht Überstunden schiebt.

        Da sehe ich eher Probleme im Führungsstil. Das ist oftmals eben der viel zitierte weiße Mann, der zwar auch Kinder hat, aber bei dem die Frau zuhause war und der gleiches von seinen untergebenen erwartet.

  27. Ohne mir das jetzt genau durchgelesen zu haben – da kannste Zahlen bringen, soviel Du willst, letztlich ist es *auch* eine Frage der Priorisierung und der Ideologie – auf Deiner Seite wie auf der anderen. Egal, was die Zahlen hergeben, jeder wird trotzdem genau so handeln, wie er/sie es für richtig hält.
    Wer meint, er möchte ein klassisches Modell fahren, wird Gründe und Wege finden, ditto umgekehrt.
    Die „gleichberechtigte“ Vater-Kind-Beziehung an der Elternzeit festzumachen, ist irgendwie lieb, aber trotzdem nicht recht realistisch. Ich habe Verwandtschaft in Schweden, wo viele Männer Elternzeit nehmen und dann nach getaner Elternzeit gerne wieder das Feld räumen und der Mutter die Alltagsorganisation überlassen.
    Das Problem ist ja nicht, dass irgendjemand ein Modell wählt, sondern dass diese Modelle oft unreflektiert gewählt werden – unreflektiert von beiden Seiten und ohne Überblick über langfristige Folgen. Da mag Deine Berechung bei dem/der einen oder anderen hilfreich sein.

    1. Ich lesen den Beitrag auch eher so, dass man sich nicht hinter dem Argument „Geld“ verstecken soll, wenn es nicht wirklich das stichhaltige Argument ist. Sondern in der Regel eher Haltungen und Einstellungen dahinterstehen.

      1. Danke. So ist es auch gemeint. Wenn jemand sagt: „Wir wollen es halt so“, ist mir das total schnuppe. Wer sagt „Wir können nicht anders“ und dann ist es so wie im Rechenbeispiel, den kann ich nicht ernst nehmen.

    1. In meinem Leben WOLLTEN mit wenigen Ausnahmen (zwei fallen mir ein) die Frauen in längere Elternzeit gehen, insbesondere die älteren Mamas, die sich beruflich nicht (mehr) beweisen wollten und ganz gern mal eine Auszeit nehmen wollten. Glaube nicht, dass die Papas da groß gefragt wurden, um ehrlich zu sein. :-) Ein einziges Paar in meinem Bekanntenkreis hat das so geregelt, dass jeder ein Jahr Elternzeit nimmt. Bei den anderen herrscht Klassik, und wie es scheint, zur Zufriedenheit aller. Ich bin mir aber AUCH sicher, dass da mit einer Ausnahme keine/r groß durchgerechnet hat.

      1. Die muss man auch nicht nachrechnen. Weil, dann sagen die einfach: Wir wollen das so und verstecken sich nicht hinter fadenscheinigen Argumenten wie dass es nicht finanzierbar sei.

        1. Naja, natürlich sollten die nachrechnen – jeder sollte die langfristigen Konsequenzen eines Tuns im Auge behalten. Aber selbst dann würden diese Mütter wahrscheinlich sagen: das ist uns jetzt aber völlig egal, ich hab das Kind doch nicht bekommen, um es gleich wieder abzuschieben (ich zitiere).

    1. Ich finde das echt superunehrlich – so zu tun, als würde man dem Zeitgeist huldigen, während man im Inneren doch froh ist, die Sache anders regeln zu können. Feige.

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