Girls‘ Day, 25 Frauen und Scully

Gestern war Girls‘ Day. Bei meinem alten Arbeitgeber, einem IT-Dienstleister, habe ich einige Jahre selbst den Girls‘ Day organisiert.

Nicht nur, um den Nachwuchskräftemangel in den MINT-Berufen zu beseitigen, ist es wichtig Mädchen zu zeigen, welche Berufe es in diesem Bereich gibt. Persönlich fand ich es auch wichtig, das Thema Vereinbarkeit mit anzusprechen.  Als 15jähriges Mädchen ist es einem vermutlich ziemlich schnurz wie das so ist mit Familie und Arbeit – allerdings wird das Thema später irgendwann eine Rolle spielen und da war meine Hoffnung, dass sich die Mädchen erinnern und sich z.B. sagen: „Cool. Mama und Software-Entwicklerin sein, das ist eine gute Kombination.“

In meinem damaligen Arbeitsumfeld war es z.B. völlig normal über seine Arbeitszeit selbst zu bestimmen. Homeoffice, Gleitzeit, Freizeitausgleich – all das war Standard. Und weil wir auch ein gut funktionierendes Intranet mit guter Projektdokumentation und geregelten Übergaben hatten, war es kein Problem länger Urlaub oder Elternzeit zu machen. Während der Elternzeit haben die MitarbeiterInnen Kontakt zum Arbeitgeber gehalten und sind in bestimmte Sitzungen auch mal mit Baby gekommen. Wir haben auf familienfreundliche Sitzungszeiten (nicht vor 10 Uhr/nach 16 Uhr) geachtet und die Reisetätigkeiten wurden in einem vernünftigen Rahmen gehalten. Im Vordergrund stand das Team und für Alleingänge sowie „Hero-Verhalten“ (krank arbeiten, die Nacht durcharbeiten, …) war kein Platz.

Man kann da jetzt sagen, dass das nichts mit den MINT-Berufen zu tun hat – ich sage aber – doch hat es und wird es in Zukunft immer mehr, denn auch kleine und mittelständische Unternehmen, werden Software-EntwicklerInnen (und andere MINT-Menschen) brauchen. Gehaltsmäßig kann man gegen Großunternehmen wie Amazon & Co. nicht anstinken. Die einzige Stellschraube, die solche Unternehmen haben, sind die Rahmenbedingungen und die kann man so gestalten, dass es attraktiv ist zu einem geringeren Gehalt bei einem kleinen oder mittelständischen Unternehmen zu arbeiten. Gerade in Berufsumfeldern, in denen um die MitarbeiterInnen gekämpft wird, ist das so.

Aber ich schweife vom Thema ab, denn ich wollte eigentlich auf den Girls‘ Day eingehen. Ich fand es immer wahnsinnig toll vor einer Gruppe Mädchen zu stehen und mir anzuhören, was die alles schon gemacht hatten oder wofür sie sich interessieren und gleichzeitig habe ich gehofft, dass meine damalige Geschäftsführerin und meine Projektleiter-Kolleginnen und ich den Mädchen Inspiration sein könnten.

Wie wichtig Inspiration und Vorbild in Sachen Frau ist, habe ich letztes Jahr auf der 25 Frauen Veranstaltung wieder gespürt. Ich habe nach der Veranstaltung geschrieben:

Es fühlt sich so gut an zwischen all den phantastischen Frauen zu sein und zu denken: Ja! Das sind die Menschen, die ich sehen will, das sind die Menschen, die ich meinen Kindern zeigen will, ich will, dass sie sich inspiriert und ermutigt fühlen, dass sie auch denken: Meine Idee ist super, da setze ich mich jetzt einfach mal ein paar Nächte hin und bastle was und selbst wenn es nicht funktioniert, dann bin ich nicht gescheitert sondern dann habe ich eine Erfahrung gesammelt und neues Wissen aufgebaut, das mir später weiterhilft.

Ich habe körperlich gespürt, dass es etwas total anderes ist, physisch zwischen so einer großer Menge Frauen zu sein als im Internet mal den ein oder anderen Artikel über inspirierende Frauen zu lesen.

Es braucht die Sichtbarkeit, es braucht die Vorbilder für die kommenden Generationen und auch für mich und meine Generation.

Es hilft nicht zu wissen, ah eine einzelne Frau im Vorstand, ah eine weibliche Ausnahmeerscheinung in der Techszene, ah eine Physikerin, die bahnbrechendes erfunden hat.

Man muss diese Frauen SEHEN! Im Alltag. In den Medien! Auf Podien. Man muss sie hören.

(Auch 2018 werden wieder 25 Frauen ausgezeichnet, die die Wirtschaft revolutionieren)

Daran musste ich wieder denken, als ich heute in der taz von dem „Scully-Effekt“ gelesen habe. Der Artikel befasst sich mit einer Studie, die zeigt, dass der fiktive „Akte X“ Charakter Dana Scully nachhaltig das tatsächliche Verhalten von jungen Frauen beeinflusst:

Die Ergebnisse zeigen eindeutig, wie wichtig der Charakter Scully für sie war: Wer Scully kennt, entscheidet sich eher dafür, im Bereich Naturwissenschaft und Technik zu arbeiten. 63 Prozent der Frauen, die in diesem Bereich tätig sind, sagen gar, dass Scully ihr Vorbild sei. Genauso viele gaben an, dass Scully sie darin bestärkt habe, in einer männlich dominierten Arbeitswelt zu bestehen.

(Bemerkung am Rande: Für mich war Dana Scully auch ein großes Vorbild und ich kann empfehlen, der Schauspielerin Gillian Anderson in den sozialen Medien zu folgen, weil sie auch unabhängig von ihrer „Akte X“ Rolle eine Person mit großem Vorbild-Charakter ist. Und Stichwort Fiktion: Die Serie „The Fall“,  in der sie Stella Gibson spielt, kann ich auch sehr empfehlen.)

Kurzum: Helft mit Frauen sichtbar zu machen.

Neu: Micropaying-Dienste sind tot. Aber Du kannst mir einen Kaffee ausgeben, wenn Du meine Texte gerne liest.

3 Gedanken zu „Girls‘ Day, 25 Frauen und Scully“

  1. „Die einzige Stellschraube, die solche Unternehmen haben, sind die Rahmenbedingungen und die kann man so gestalten, dass es attraktiv ist zu einem geringeren Gehalt bei einem kleinen oder mittelständischen Unternehmen zu arbeiten.“

    Die wahre Ursache für den ebenso berühmten wie geheimnisvollen „Gender Pay Gap“ in einem Satz erklärt. Frauen sind halt meistens zu klug, um ihre Seele an irgendeinen miesen Konzern zu verkaufen und Tagaus, Tagein wie verrückt im Hamsterrad zu laufen. Da schickt man lieber die Männer.

  2. Genau…und die Jungs dürfen dann wieder irgendwelche Pflegeheime und Kindergarten angucken, in der subtilen Hoffnung, dass sie sich für schlecht bezahlte Jobs mit miesen Rahmenbedingungen entscheiden. So klasse der Girls‘ Day ist, ich bin nicht völlig überzeugt von der momentanen Ausprägung des „Boys‘ Day“.

    Zum Scully-Effekt – ich las mal irgendwo, dass seit dem Auftreten diverser Forensikerinnen in TV-Serien in der realen Welt der Anteil von Studentinnen in dem Bereich massiv angestiegen ist – „if you can’t see it, you can’t be it“ und umgekehrt, das stimmt sowas von!

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