Gestern war ich Lebensmittel einkaufen und als ich mir so das Gemüseregal anschaute, wurde mir plötzlich klar: Es ist fast Mitte Juni! Und Juni bedeutet: es gibt bald keinen Rhabarber mehr und bald ist Johannistag und dann gibt es auch keinen Spargel mehr!
Katastrophe! Obwohl ich nämlich Spargel liebe, habe ich dieses Jahr erst zwei Mal Spargel gegessen.
Schlimmer als keinen Spargel essen können, ist für mich aber nicht bewusst abgespargelt zu haben. Die Vorstellung es ist einfach kein Spargel mehr verfügbar und ich habe verpasst mich psychisch darauf einzustellen: schrecklich.
Also entschied ich mich eine letzte Portion zu kaufen und diese heute zu essen. Ich haderte mit der Menge. Soll ich nur für mich einkaufen oder auch für meinen Freund? Der hatte schon angekündigt, dass wir uns morgen nicht sehen. Es wäre aber auch denkbar, dass ich mich morgen die Kochlust spontan verlässt und ich mir dann nur eine Stulle machen wollen würde, was hieße, dass ich den Spargel dann übermorgen essen müsste. Da wäre er aber da, d.h. dann würde er bestimmt auch Spargel wollen…
Gedankenverloren betrachtete ich die Spargelstangen und packte mir ein schönes Paket. Ich würde es schon schaffen zu kochen. Nie würde jemand etwas von dem Spargel erfahren.
Heute morgen als ich aufwachte, wohlwissend, dass ich Spargel im Kühlschrank habe, dachte ich wieder an meinen Freund. Vielleicht hätte er ja mittags Zeit? Vielleicht hat er auch Spargellust? Würde er sich freuen, wenn ich fragte, ob er spontan Spargel essen wolle? Aber andererseits: wenn er nicht weiß, dass es Spargel gibt, wieso sollte er dann Lust darauf haben? Ich müsste eigentlich nichts weiter tun als den Spargel den ganzen Tag nicht zu erwähnen.
Dann um 11:49 Uhr pingte plötzlich mein Handy:

Es ist natürlich extra beschämend, dass ER MIR Essen mitbringen wollte, während ICH IHM Essen verheimlichen wollte.
Ich hab mich dann aber zusammengerissen und ihm die Hälfte meines Spargels angeboten. Zum Abspargeln hatte ich glücklicherweise nochmal richtig zugegriffen und mein ganzes Geld in eine obszöne Menge Spargel investiert. Wie so ein Spargelkapitalist. Zum Glück! Nachdem wir nämlich gegessen haben, war mein Bauch so voll, dass mir klar wurde, ich hätte diese Menge niemals alleine geschafft.
Zum Glück hat mein Freund mir geholfen! Und ich? Ich werde nie mehr heimlich Spargel kaufen und planen ihn alleine zu essen. Ich bin geläutert. Mindestens bis zur nächsten Spargelsaison.
Hab ich es gut! Mein Mann hasst Spargel. Alles für mich, für mich allein!