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Irgendwo in meiner Wohnung muss sich ein Müllmaterialisierer befinden. Andauernd werfe ich Tonnen von Krempel weg und kaum drehe ich der eben aufgeräumten Stelle den Rücken zu, steht da was Neues. Ein Elend. Den Tag habe ich mit Festplattenaufräumen begonnen. Seitdem ich eine Digitalkamera besitze, neigt sich der Speicherplatz bedrohlich dem Ende zu. Ich überlege, ob es genügt lediglich mehr Speicher zu kaufen oder ob ich mich am Ende auch noch von meinem wunderbaren Pentium I trennen sollte. Den habe ich erst fünf Jahre. Mein 3-86er hat immerhin acht Jahre überdauert … Nach dem virtuellen Aufräumen, bin ich zu meiner Wohnung übergegangen. Dabei musste ich feststellen, dass im Kleiderschrank nicht mal mehr vierzig Kilobyte zur Verfügung stehen. Ich befürchte, die nächste Bluse, die ich auf die Kleiderstange hängen möchte, wird zu einem Totalzusammenbruch führen. Es muss betont werden, dass dieser Umstand nicht von meinem Kleidungsrepertoire rührt. Es sind vielmehr die ganzen Anzüge meines Mitbewohners, die den Kollaps herbei führen. Ferner ist er krawattensüchtig. Ich habe in der Schranktür zwei Stangen für meine Gürtel. Leider sind diese Hängevorrichtungen komplett ausgelastet. Nach einer mehrminütigen Aktion gelang es mir lediglich einen meiner zwei Gürtel an den dafür vorgesehenen Platz zu drapieren.
Eben wollte ich mich mit meinem Nachbarn zum Wählen verabreden, aber der tut wieder ganz wichtig und gab vor arbeiten zu müssen. Dafür werde ich die drei Bücher, die er mir geliehen hat, dem Sonnwendfeuer zuführen.

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Da jetzt nicht mehr widersprochen werden kann, wie angekündigt, optische Eindrücke für Australien:

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Ansonsten macht mir nur meine Nasolabialfalte Sorgen. Ich muss auf die besungene Insel. „Auf dieser Insel behandeln sie das Altern mit Hypnose und behexen deine Falten. Hinterher sind sie nicht mehr, nach dem Schreck sind sie weg.“
Im Übrigen habe ich heute noch einen Meilenstein in meinem Lebensprojektplan bewältigt. Nach nur 14 Monaten im Osten habe ich einen neuen Schneider ausfindig gemacht. Der ist nicht nur billiger als der im Westen sondern er kann auch dieses unnütze Stück Stoff wegzaubern, welches bei Hosen hinten immer absteht. Irgendwie weltbewegend.

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Bis vor Kurzem war ich in meiner Arbeit als „todesmutig“ bekannt. Das lag mit unter an meinem unerschütterlichen Glauben an Otis und der Sicherheit des deutschen TÜVs. So habe ich in jeden noch so kleinen Aufzugtürschlitz ein beliebiges Körperteil gehalten um die Türen zu einem Wiederöffnen zu bewegen. Füße, Hände, Beine, Arme, Schultern – sogar meinen Kopf habe ich in den Schlund gehalten. Eine wagemutige Bewegung und die bewundernden Blicke meiner Mitfahrer im Innenraum waren mir sicher. Bis gestern. Da war die Aufzugtür im Grunde eigentlich noch offen als ich den Lift betreten wollte. Plötzlich springen mich synchron die beiden Seitentüren an und versuchen mich zu erquetschen. Nach einem kurzen Kampf befand ich mich dann innen und ich könnte schwören, dass ich ein bösartiges Kichern vernahm. Glücklicherweise gab es für diesen Vorgang keinerlei Zeugen. Seitdem ist mir der Aufzug unheimlich. Zusätzlich bin ich heute Morgen mit den merkwürdigsten blauen Flecken aufgewacht, die ich je mein eigen nennen konnte. An meinen beiden Armen zeichnen sich die Spuren zweier zehn Zentimeter dicken Metalltüren ab. Das hat mich kurz überlegen lassen, ob eine Hämatom-Fotosammlung nicht eine aufregende Bereicherung für meinen Blog sein könnte.

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Heute hab ich ES getan. Ich habe mich entschieden. Drei Jahre habe ich dafür gebraucht. Aber jetzt ist es soweit: In acht Wochen bekomme ich ein Sofa. Es heisst Fago. Wenn ich das Sofa habe, werde ich mir einen Fernseher kaufen und nie mehr meine Wohnung verlassen. Nie mehr.
Wahrscheinlich werde ich bis dahin sowieso verhaftet sein. Ich habe Post vom Finanzamt bekommen. Es wurde festgestellt, dass ich meine Steuererklärung für 2000 noch nicht eingereicht habe. Das möge ich nachholen. Innerhalb von drei Wochen. Sehr lustig. Das einzige was ich noch sicher weiß ist: 2000 habe ich gelebt und ich wohnte in Bamberg. An weitere Details erinnere ich mich nicht. Ob das vom Finanzamt anerkannt wird?
Außerdem hatte ich heute meinen weissen Blazer an. Meine Kollegen benutzten schon wieder das Wort „retro“. Ich finde ja eher Enterprise. Mein Nachbar hat mir nach mehrmaligen Nachhaken zugestimmt. Ich scheine also im Recht zu sein. Außerdem sagt er zu meiner neuen Frisur „Irgendwie interessant, man muss sich wohl erst dran gewöhnen“. Das sind die Worte des Todes. Dann lieber dumm stellen und so tun als habe man nichts bemerkt. Männer!
Mein Mitbewohner hat gerade „Element of Crime“ angestellt. Das macht mich sentimental. Hoffentlich ist bald September oder März.

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Im Zuge meiner Bemühungen ein ordentliches Mädchen zu werden, gibt es nach wie vor leichte Entgleisungen, die ich aber auf die Dopplung meines X-Chromosoms schieben kann. Ich habe mir heute schon wieder was gekauft: einen weissen Anzug. Weisse Anzüge üben eine zauberhafte Anziehung auf mich aus. Wie hätte ich also widerstehen können?
Beim Probetragen musste ich mir die Hosenbeine um ca. 35 Zentimeter nach oben klappen. Dabei stellte sich mir folgende Frage: Welche Frau, die an der Hüfte Größe 36 trägt, hat bitte 1,40 lange Beine? Meines Wissens nach nicht mal Julia Roberts. Warum also schneidern Kleidungshersteller Hosenbeine in dieser unsäglichen Länge. Das muss eine Verschwörung sein. Nicht so eine lapidare wie die mit dem ganzen Überwachungsdatenschutzquatsch. Nein, ich glaube ernsthaft ich bin hier auf eine echte Verschwörung gestoßen. Es muss was mit der unauffälligen Gilde der Schneider zu tun haben. Sie verschanzen sich in kleinen, unscheinbaren Geschäften und sehen völlig harmlos aus. In Wirklichkeit sind es die Keimzellen einer weltweiten Verschwörung der Bekleidungsindustrie. Sie sammeln Daten über Beinlängen. Aus den Beinlängen lässt sich das Kaufverhalten erschließen. Durch eine komplizierte Gleichung lässt sich das Einkommen des Kunden bis auf den Cent genau errechnen. Danach berechnet sich der Preis der Kürzung und dieser wiederum ist so angelegt, dass er den Käufer an das Existenzminmum bringt. Eingefädelt wurde das Ganze noch während des Kalten Krieges von einem russischen Geheimagenten, der sich als Schneider ausgab. Ziel ist es, die westliche Welt schrittweise – präzise formuliert zentimeterweise an den wirtschaftlichen Zusammenbruch zu bringen. Die westlichen Arbeitslöhne brechen ein und der gesamte Ostblock verlagert seine Industrie in die erste Welt … Einen kleinen Hinweis findet man bei Star Trek im Charakter von Garak. Gut dass ich sowas schaue, sonst wäre mir dieser Komplott verborgen geblieben.

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Manchmal muss man mit Versprechungen aufpassen. Meine letzte ist mir wieder zum Verhängnis geworden. Meinem bevorzugten Kinobegleiter habe ich dummerweise im Vorfeld beteuert an der nächsten Filmwahl nicht rumzumeckern und schweigend mitzukommen, sofern (das war die einzige Ausnahme) ich den Film nicht schon kenne. Ergo hieß es gestern Klappe halten und in „The Day after Tomorrow“ gehen. Der letzte große Emmerichfilm führt noch unangefochten die Liste worst-movies-ever-seen. Wie vermutet, wurde mir im Kino trotz der sommerlichen Außentemperaturen ziemlich kalt und ich folgte der Handlung leicht angespannt, da ich Merkwürdiges erwartete. Genauer gesagt, ich rechnete zu jedem Zeitpunkt mit dem plötzlichen Erscheinen eines Mannes im schauderhaften Hasenkostüm. Dass Donnie Darko in „The Day after Tomorrow“ mitspielt, irritierte mich durchgehend bis zum Schluss. Ich bin dann etwas verwirrt und bibbernd in die nächstgelegene Bar geschwankt, um noch ein alkoholisches Getränk zu mir zu nehmen. Bei dem eben genannten Etablissement, handelte es sich um „Möbel Olpe“. Auch hier fehlt mir mal wieder jedes Verständnis. Was ist an diesem grauenhaften Laden bitte so hip? Es gibt durchaus Gegenstände (sprich Einrichtungsgegenstände) die ob ihrer Unansehnlichkeit einen gewissen Reiz versprühen. Das Interieur dort kann jedoch nicht anders als schlicht und ergreifend HÄSSLICH bezeichnet werden. Als dann noch ein glückliches Paar gemeinsam auf die Behindertentoilette verschwand, war meine Konfusion komplett und ich bin zügig nach Hause gegangen.