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Das Wetter … es ist … zum Weinen. Heute Abend ist Grillabend. Das sieht dann so aus: Einer steht mit Schirm draußen und grillt und die anderen schauen Fußball. Hätte die Sonne geschunen bzw. schünte die Sonne, hätte ich wenigstens in selbiger liegen können und blinzelnd ab und zu ein Paar unqualifizierte Kommentare zum Fußballspiel von mir geben können. Vielleicht fällt der geplante Grillevent aber auch aus. Schade wäre es nur um den Kuchen, die Blumen und den guten Rotwein, den wir dem Gastgeber als Zeichen unseres Danks spenden wollten. Wobei. Mein Kollege sagte gerade, wäre doch super. Ich könnte den Rotwein trinken, wir teilen uns die Torte und bewerfen uns im Anschluss mit den Blumen.

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Wenn einer meiner englischen Geschäftspartner mir auf deutsch zurückschreibt, kann das nur zwei Dinge bedeuten:
1. Engländer sind überaus höflich oder
2. Engländer haben Sinn für schwarzen Humor und teilen mir auf eine sonderbare Art und Weise mit, dass ich mein Englisch aufpolieren sollte.

„Hallo,

Dank für lädt ein werde zu ich besuchen treffend. Könnten Sie bitte ein Hotelzimmer für den 28. Juni buchen? Könnten Sie bitte einen Flug von Gatwick Flughafen London auf der 28. Rückkehr auf dem 29. zu Gatwick Flughafen buchen?
Wenn Sie unfähig sind, ist einen Flug zu arrangieren, es möglich, durch Zug zu gehen? Dank sehr!

Name des Geschäftspartners
Kopf von Erwachsenem Lernen und Fähigkeiten Lernend Fähigkeitrat“

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Hilfe. Ich war gestern wieder im Schulalter. Marshall Brainstorm spielte im Bassy. Falls es tatsächlich Menschen geben sollte, die diese Band nicht kennen sollten: Sie wurde vor zehn Jahren in Forchheim (Zentrum der Welt) gegründet. Der Aufstieg ist seitdem unaufhaltsam. Elf Uhr war angesagt und als wir ankamen, waren wir exakt Gast fünf, sechs und sieben. Eine halbe Stunde später war halb Franken versammelt. Ich war noch nie in Berlin weg und kannte fünfzig Prozent der Anwesenden. Das Erstaunliche: alle sahen exakt so aus wie vor zehn Jahren nur pro Jahr ein Kilo mehr. Ich kritzel mir Emailadressen auf den Arm bis gar nichts mehr geht und frage junge Männer, ob sie mich heiraten wollen. Durchweg war die Antwort ein völlig erschrockenes „nein“. Erschütternd. Zumindest dass so etwas ernst genommen wird. Nächstes Traumata: Jemand fragt mich, ob ich die von Finya mit dem Dreck im Gesicht bin. Zwischendrin springt eine andere wildgewordene Partykanone (auch von Finya) durch die Gegend und grölt „Franken ruuuules“. Ich verliere langsam den Überblick. Dann sucht die Partykanone mir tolle Männer aus und ich muss smalltalken, meine Königsdisziplin (jedenfalls seitdem ich das Buch „Erfolgsfaktor Smalltalk“ gelesen habe). Alles in allem (und ich erspare hier weitere Details) mal wieder ein Abend nach dem ich mir selbst Hausarrest verpasse.

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Morgens beim Brötchen-aus-dem-Ofen-holen, habe ich mir ein weiteres hippes Branding verpasst. Hoffentlich ist das gerade in!
Von meinem Mitbewohner habe ich zum Frühstück fortwährend nur den Hintern gesehen, da die Polizei sich entschlossen hatte, genau vor meiner Haustür eine Autokontrolle zu errichten. Wie ein Rentner lehnte er also aus dem Fenster und murmelte stetig die neusten Beobachtungen vor sich hin. Z.B. empörte er sich, dass die Verbandskästen nicht kontrolliert wurden. Ich vermutete, dass es daran lag, dass ein neuer EU-Erlass die Verbandskastenpflicht gegen eine Arztmitsichführpflicht getauscht hat. Die Autos waren jedenfalls immer mit mindestens vier Menschen gefüllt, was die Mutmaßung nahe legt, dass es sich bei einem der Insassen um einen Mediziner handeln muss.

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Beim abendlichen Bügeln hab ich mir wieder ein cooles Branding verpasst. Es ist so beruhigend in diesem fortgeschrittenen Alter zu sein. Mein Feierabend sah so aus: ein Schläfchen, der Mitbewohner kocht, wir essen zusammen und schauen ein Video. Dafür bügel ich seine Hemden.
Höhepunkt des Tages: Ein Fotoshooting für den Personal- und Sozialbericht. Wir stellten dynamische Mitarbeiter dar. Meine Kollegin war leider ansehlicher als ich und durfte in die erste dramaturgische Reihe. Ich immerhin in die zweite. Wir laufen 37 mal durch ein Drehkreuz und der Fotograf repetiert: „Ahhh, das war sehr gut. Einmal noch“. Nach dem vierten Mal hat er an Glaubwürdigkeit verloren. Fotosessions sind eine merkwürdige Sache. Man macht total merkwürdige Dinge, wie elefantengroße Ausfallschritte und der Mann mit der Kamera behauptet, hinterher sähe das natürlich aus. Das ist ungefähr so wie das was die Kommentatoren bei Dressurreitwettbewerben von sich geben, wenn der arme Gaul seitwärts schreitet und man das Gefühl hat, gleich verknoten sich die Beine und das Pferd kippt wie ein gefällter Baum um: „Es ist erstaunlich mit welcher Natürlichkeit der Reiter das Pferd zu lenken vermag“.
Ach: und ich hab mich als Groupie des Monats Juli bei I.Z.E.T.I.T beworben. Wehe, die nehmen mich nich. Noch mal klettere ich nicht in das Ding.

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Nachtrag: Gestern habe ich ein grandioses Geschenk bekommen. Ein Buch. Auf den ersten Blick mag dies nicht das Herz erwärmen. Beim genaueren Hinsehen entpuppt es sich jedoch als Highlight. Ich drehe das Buch um und an der Stelle wo meine anderen Freunde stundenlang mit Kulli versuchen den Preis unkenntlich zu machen, steht ein großer Pfeil auf die 3,60 € mit dem Hinweis „So viel bist Du mir noch wert“. Ich habe schallend gelacht. Es ist so ergreifend, wie sich in den kleinen Dingen des Alltags, die Zuneigung und der Charakter meiner Mitmenschen offenbart.

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Nachdem ich in einem anderen Blogg einen merkwürdigen Traum gelesen habe, hatte ich heute Nacht auch einen sehr bizarren. Da ich bei Traumdeutung nie in der Uni war, frage ich mich, was mein Unbewusstes mir sagen wollte. Szene 1: Ich wohne in einem Apartment mit Wandfresken. Meine Freundin klopft diese in großen Stücken von den Wänden und ich versuche sie wieder aus dem Mülleimer zu holen und zusammenzusetzen. Leider sind sie in Staub verwandelt. Szene 2: Ich muss in einem Minipanoramaglasflugzeug einen Walt Disneyfilm schauen. Szene 3: Ich lande mit dem Flugzeug im Dschungel an einem Holzsteg. Mir fällt ein blauer Haarclip ins seichte Wasser. Immer wenn ich versuche danach zu angeln, kommen von allen Seiten riesige pelikanartige Vögel und kreischen ganz laut „nak, nak“.
Letzteren kann ich zuordnen. Mein Nachbar hat gestern beim Didgeridoospiel in meiner Küche schlimme „nak, nak“-Geräusche von sich gegeben. Das hat Eindruck gemacht. Festzuhalten bleibt, ich muss an meiner Zirkularatmung feilen.
Außerdem war ich heute morgen beim Finanzamt und wollte einen Bogen für meine Steuererklärung 2000 abholen. Als ich die Frage formuliert hatte, brachen alle in schallendes Gelächter aus. Diese Bögen gibt es nicht mehr. Ich soll einfach eins von 2003 nehmen und das Jahr durchstreichen, … und die Währung – 2000 war schließlich noch die Ära der deutschen Mark. Naja und alles andere was nicht stimmt, soll ich auch einfach durchstreichen. Aber ganz wichtig: Das Formular muss benutzt werden. Ich kann nicht einfach einen handschriftlichen Zettel abgeben.

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Wieso? Diese Frage stellt sich v.a. im Zusammenhang mit unangemessener Kleidung. Also wieso habe ich zu allen Gelegenheiten grundsätzlich das Falsche an. Gestern Besichtigung Cargo-Bahnhof. Ich: total schlau. Diesmal nicht in den hochhakigen Schuhen, neeee, ich packe Turnschuhe ein. In meinem Kopf war aber leider Hochsommer. D.h. Rock und keine Jacke. Als der Bahnhofsleiter sich dann sein neonorangenes Fleece-Jäckchen überzog und mir eine dünne Weste reichte, schwante mir Schreckliches. Die ersten zwei von vier Stunden in den Gleisen war noch total aufregend. „Nicht auf die Schienenköpfe treten, nicht auf die Schienenköpfe treten“, murmel ich heiter vor mich hin, denn einen Kieferbruch würde ich gerne vermeiden. Ich finde es absolut grandios, dass ich ständig Gleise übertreten darf – sonst warnen Schilder davor und ich darfs immer und immer wieder tun. Der freundliche Cargobahnhofchef ist sichtlich irritiert warum eine in der Interessentengruppe permanent von Schiene zu Schiene hüpft. Meine Kolleginnen und ich versuchen uns als nächstes im Hinweisschilderdechiffrieren. Aha, dieser Wagon darf nicht schwarz-weiß gestrichen werden. Ein Kollege widerspricht: nein, das heisst, er darf nicht einseitig beladen werden. Wir stimmen ehrfürchtig zu. Herr Bahnhofchef klärt uns auf: Dieser Wagon darf nicht mit offenen Türen gefahren werden. Schilderlesen fällt offensichtlich nicht in jedermanns Kompetenzgebiet. Ein Bildchen vor dem Kohlesäurewagon und eins noch vor dem Holzwagon, ach und eins noch bitte vor dem hübschen roten, dessen Lichtraumprofil so groß ist, dass er nicht für den internationalen Verkehr zugelassen ist. Lichtraumprofil ist überigens eine Sache, die ich in meinen aktiven Wortschatz aufnehmen werde. Das ist die maximale räumliche Ausdehnung von Güterwagons, so dass er gerade noch alle Strecken im Netz abfahren kann, ohne an Masten oder Brücken anzuecken. Je kleiner, desto besser, denn desto mehr Strecken können befahren werden. Das ist dann quasi wie mein eigenes Lichtraumprofil. Ich sollte auch einen möglichst geringen Teil meines tatsächlich möglichen Lichtraumprofils ausfüllen. Zum einen hat das rein ästhetische Gründe, zum andern passe ich so viel besser durch Türen aller Art. Dabei fällt mir ein (wenn wir denn schon mal beim Eisenbahnerjargon sind), ein Herr hat mir mal bescheingt, dass meine Beine schöner seien als die von einem speziellen Güterwagon, dessen Baureihe mir gerade nicht einfallen will. Das finde ich sehr erfreulich – zumal mir bis dato nicht mal bewußt war, dass Wagons Beine haben. Bei der Eisenbahn lernt man nie aus. Zumindest weiss ich jetzt, dass ich Bremsschuhe nicht anziehen kann …