PEKIP right from hell

Es ist ja so: Als kinderloser Mensch verpasst man im Leben nicht nur das Kinder-haben sondern auch das ganze Drumherum. PEKIP-Kurse zum Beispiel.
Die machen im Sommer sogar noch mehr Spaß als im Winter. Da kommt man von angenehmen 27 Grad Außentemperatur in einen Raum, der gefühlte 45 Grad hat. Die Luftfeuchtigkeit ist ebenfalls extrem hoch und das besondere daran: es handelt sich nicht nur um schnöde Luftfeuchtigkeit, nein, da die Kinder nackt sind und alles im zehn Minuten Takt vollpinkeln, handelt es sich um pipidurchtränkte Luft.
Man atmet also Pipi, zieht das Baby aus und schwatzt mit anderen Müttern. Vornehmlich solchen, die wirklich glauben, dass Babys eines Tages durchschlafen und zwar im Sinne von zehn Stunden am Stück schlafen.
Mit meinem ersten Baby habe ich das wirklich ein Jahr durchgehalten. Bei dem zweiten Baby muss ich leider passen.
Dachte ich beim ersten Kurs noch die haarigen Achseln und unrasierten Beine der Mamas seien die einzig zu ertragende Plage, bin ich mir nun nicht sicher, ob ich irgendwo unwissentlich Nektar der Ambrosia zu mir genommen habe.
Denn hier schreit die PEKIP-Leiterin gerne mal ein Baby an, das zu heftig lautiert, weil es versucht gegen ihr Dauergequatsche anzukommen: „NA WILLST DU ENDLICH MAL RUHIG SEIN“. Meinen sizilianischen Todesblick empfangend, lächelt die PEKIP-Leiterin sogleich und beteuert dass der Gefühlsausbruch ein kleiner Spaß gewesen sei.
Dann verteilt sie Zuckerbuchstaben, die wir mit unserer Zunge entschlüsseln müssen. Neun der zehn Frauen schaffen es nicht. „Ein super Party-Spiel!“ verkündet die Leiterin „Wenn man es nicht rät, muss man einen Schnaps trinken!“
Total lustig. Danach bekommen wir Empfehlungen welche Schnäpse sich besonders als Muttertagsgeschenke eignen.
Gerne verbietet die Leiterin uns auch die Babys auszuziehen. Es sei bitter kalt. Während ich vor Hitze und Wut schwitze, tut sie zur Bekräftigung das, was ich am allermeisten liebe. Sie fasst mich ungefragt mehrere Male mit ihren eiskalten Fingern an meinem Oberarm an. Ihr Handabdruck bleibt wie ein nie verklingen wollendes, kaltes Echo auf meinem Körper.
Bislang dachte ich die nie enden wollenden Sitzungen in großen Konzernen zur Abstimmung irgendwelcher Powerpointpräsentationen seien meine Zen-Übungen gewesen. Falsch, falsch, falsch! Es ist diese Frau, die mir die Tränen wie eine alte Zwiebel in die Augen treibt. Ich knirsche mit den Zähnen, atme durch die Nase, reibe meine Augen, zwirbele meine Haare – aber ich würge sie nicht. Ich würge sie nicht. Ich bin Ruhe. Ich bin Gelassenheit. ICH BIN EIN STILLER SEE. ICH BIN EIN VERDAMMT NOCH MAL LAUES LÜFTCHEN!!!! Und gehe lieber wieder zur Mama Aerobic oder zum Babyschwimmen.

17 Gedanken zu „PEKIP right from hell“

  1. Kenne Pekip nur aus zweiter Hand – frage mich aber was von den Ernährungsrichtlinien (kein tierisches Eiweiss und Süsses für Babies/Kleinkinder) zu halten ist. Selbst Veganer machen hier Ausnahmen…

  2. als erzieher im elementarbereich, tätig in einer gruppe mit kindern von 2 bis 6 muss ich ja auch sagen das förderung und elterninitiative zu begrüßen ist. aber zu prekip sage ich nur eins:frühförderwahnsinn.

    man kann es auch übertreiben…

  3. Damit haben sich meine schlimmsten Vorahnungen bestätigt: Ich bin niemals zu so einem Pekip-Dings gegangen! Ich werde die Warnung in die Welt hinaus tragen.

  4. Nur so als Nichtmutter:
    was bekommt man dafür oder kostet das noch was?
    Und was sagen die Babys?
    Vielleicht wollen die auch lieber angezogen pinkeln.

  5. Ich hab’s auch nur einmal bei meiner großen Tochter mitgemacht, bei der kleinen nimmer. Mir hat der Putzlappen, mit dem man gemeinschaftlich im Gemeinschaftswasser eingetaucht das Pipi aller Babies weggewischt hat, damals den Rest gegeben.

  6. Ja, und dann gibt es die Auffassung, es sei ja ganz dolle wichtig, dass sich auch die Väter gemeinschaftlich in die Pekip-Babysauna begeben und sich widerwillig dem Diktat der Pekip-Leiterin beugend, singend mit den Kindern und miteinander beschäftigen müssen.
    Da soetwas meist ja am Wochenende stattfindet, werden die Väter und Kinder selbstverständlich von den Partnerinnen beim Pekip abgegeben.
    Während die Kerle meist mit der Gesamtsituation überfordert sind und bereits in der Babyausziehphase die Krabbelmatten komplett vollschwitzen, schweifen die Blicke der Mütter neugierig prüfend durch die diversen Baby/Mann-Kombinationen, die dann später im Frauenkreis weiter erörtert werden müssen.
    Nach dieser kräftezehrenden halben Stunde gibt es dann noch ein ‚ungezwungenes‘ Miteinander in irgendeinem mittelmäßigen Cafe, das man für die ganzen Kinderwägen und Wickeltaschen komplett umräumen musste.
    Uninteressante Leute, erzählen über ihre uninteressanten Kinder.
    Nee, schön ist etwas anderes.
    In diesem Sinne, fühle ich mit Dir.

  7. Ich frage mich ja echt auch manchmal, ob in dem Moment, in dem der Nachwuchs zur Welt kommt, bei manchen Frauen alle Rasierer kaputt gehen. Ich habe da auch so ein paar nette Beispiele im Bekanntenkreis. Zum Davonlaufen.

    ich weiß allerdings nicht, ob ich sowas wie do oben beschriebene überhaupt auch nur 5 Minuten aushalten würde. Auch ohne Achselhaare.

  8. Also mir ging’s beim PEKIP damals vor allem um den Kaffee danach und nicht so sehr um die fröhliche Frühförderung des Nachwuchses …
    An übermäßige Behaarung der Teilnehmerinnen (oder der Leiterin) erinnere ich mich nicht, Thema war aber auf alle Fälle der post-schwangerschafttypische HaarAUSFALL.

  9. Manchmal hat es wirklich unschätzbare Vorteile, wenn man arbeitet und diese Babybespassungen verpassen muss. Zu denken, dass ich damals noch das Gefühl hatte, ich verpasse was und lerne nie mehr nette Frauen kennen…

    Das Kind hat sich derweil bei Oma wunderbar vergnügt, auch ohne PEKIP und Babyschwimmen.

  10. Hier gibt es den PEKIP-Zangegriff, der, eigentlich für Kinder gedacht, sich sicherlich auch wunderbar für die Hälse aller Renates, Hedwigs und Irmgards eignet, die meinen, sich toll als „Pekip-Frauen“ zu machen.

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