Verdorben

Tatsächlich denke ich in letzter Zeit immer wieder „das Internet hat mich verdorben“. Was ich eigentlich meine: es hat mich durch das, was ich lese, für bestimmte Themen sensibilisiert. Vielleicht auch wieder sensibilisiert. Am deutlichsten merke ich das an „sprachlichen Feinheiten“ – wie z.B. der Verwendung an das Geschlecht angepasster Sprache. Ähnlich wie ruhepuls twitterte, finde ich es beinahe bizarr, wenn eine Frau von sich selbst sagt: Ich bin Autor, ich bin Projektleiter, ich bin Referent, …

Auch habe ich es mir zum Hobby gemacht, in Vorlagen und Präsentationen ein „In“ zu ergänzen. Das hat zur Folge, dass mich andere Frauen ansprechen und zum Ausdruck bringen, dass sie sich über die explizite Ansprache der Frauen in der Runde gefreut haben. Genauso oft höre ich Beschwerden über die Zumutung, die ein solches Binnen-I bezogen auf den Lesefluss darstellt. Über beides freue ich mich. Denn wenn ein kleines Binnen-I schon eine Bedrohung darstellt, habe ich Hoffnung, dass noch viel veränderbar ist.

Sehr gerne frage ich auch für Interviews und Zeitungsartikel nach, ob es nicht möglich wäre, die weibliche Form zu verwenden. Meistens ist es kein Problem eine Gewohnheit aufzubrechen. Gelegentlich bekomme ich die Antwort, dass in der Redaktionskonferenz explizit beschlossen wurde, aufgrund der Leserlichkeit keine weiblichen Formen zu verwenden.

Es gibt sogar Websites, die empfehlen, in den Disclaimer folgenden Zusatz zur „Gleichstellung“ mitaufzunehmen: In den Texten wird meist nur eine Geschlechtsform gewählt um eine bessere Lesbarkeit zu gewährleisten. Davon unbeeinflusst beziehen sich die Angaben dieser Webseite auf alle Geschlechter.

Neulich passierte mir wieder etwas, das mich früher wirklich aufgeregt hat. Es passierte allerdings so regelmäßig in meinem Leben, dass ich aufgegeben habe, mich aufzuregen und es nicht mal mehr registriert habe und jetzt – da ich wieder sensibilisiert bin, fällt es mir wieder auf.
Wenn ich von solchen Vorfällen berichte, gibt es meist zwei Arten von Reaktionen: Ungläubigkeit und ggf. der Hinweis, dass sowas doch nicht in Deutschland passiert (und wenn dann nicht mit aufgeklärten, „deutsch sozialisierten“ Männern…)!

Ich hab die Szenen schon getwittert, aber weil andere Frauen weitere Beispiele schilderten, will ich sie nochmal zusammentragen.

Ich gehe mit einen Mann einkaufen. An der Kasse lege ich die Artikel aufs Band und zahle. Der Kassierer (manchmal tatsächlich auch die Kassererin) gibt das Wechselgeld an den Mann.

Mit einem befreundeten Mann stehe ich eng zusammen, frage einen anderen Mann etwas. Dieser antwortet, schaut aber nicht mich sondern den Mann neben oder hinter mir an und wenn es Folgefragen gibt, richtet er sie an den Mann und nicht an mich.

Andere berichteten ähnliche Situationen: Eine Frau in Begleitung eines Mannes kauft ein Eis, bezahlt und das Eis wird an den Mann gereicht.

Diese Situation habe ich auch schon erlebt. Eine Frau erzählt einen Witz und es wird erst gelacht, wenn einer der Männer in der Runde die Pointe wiederholt.

Von anderen Frauen habe ich oft Erlebnisse der folgenden Art gehört: Für wichtige Projekte wird ein Mann als Projektleiter gefordert. Weltoffene Kunden und Chefs tolrieren eine Frau als Projektleiterin so lange wenigstens am Ende noch ein Mann das Ergebnis freigibt: „Wissen Sie, es ist immer gut, wenn anschließend noch mal ein Mann drüber schaut

In bestimmten Berufen, gibt es ebenfalls Klassiker der Art: Eine Ärztin ist im Raum und wird vom Patienten erstmal als Krankenschwester identifiziert. Betritt ein Mann (Pfleger) den Raum, wird davon ausgegangen, dass es sich zwangsläufig um den Arzt handelt: „Ah, der Herr Doktor!“

Auch schön Handwerkersituationen der Art: Ich habe im Labor mal einem Handwerker geöffnet, der schaute über meine Schulter in den Raum und stellte fest „Oh, da ist ja gar keiner da“.

Mein Highlight bislang vor einigen Jahren als ich als Referentin für einen großen Konzern arbeitete und neu in eine aus Männer bestehende Projektrunde trat – noch bevor ich mich vorstellen konnte – „Ah, sehr schön, bringen Sie die Brötchen?“.

Das sind alles keine Dramen sondern eher Situationen, in denen ich innerlich die Augen verdrehe. Aber genauso gibt es kleine Dinge, die mir wiederum bei anderen Männern auffallen, die mir sehr gut gefallen. Die selbstverständliche Verwendung des generischen Femininums (zumindest auf Folien und in anderen, für viele gültigen Dokumenten) oder so etwas banales wie das in einem Projektmeeting ein Mann die Kaffeekanne ergreift und in die Runde fragt, ob jemand Kaffee möchte und dann eingießt oder tatsächlich auch sein benutztes Geschirr nimmt und in die Spülmaschine stellt. Diese Dinge fallen mir extrem auf, weil sie nach wie vor selten sind. Und warum ich das jetzt alles getippt habe? Hm. Vielleicht fallen euch ja auch solche Situationen oder (Gegen)Gesten ein?

108 Gedanken zu „Verdorben“

  1. Meine Fallbeispiele: Meine Steuerberaterin schickt meinem Mann (den sie gar nicht kennt) eine Weihnachtsgrußkarte. Mir nicht.
    Steuererklärung in Österreich durch eine Kanzlei, die mich seit 4 Jahren kennt: „Herr L. T. hat uns beauftragt den Jahresabschluss 2012 zu erstellen.“ L.T. bin ich, eine Frau.

    Ich bin übrigens der Ansicht, dass die gedankenlose pflichtschuldige Verwendung von Binnen-Is die Rollenklischees nicht auflöst sondern weiter verfestigt. Schon 100 mal so oder so ähnlich gelesen: „Wenn die PatientInnen in die Klinik kommen, haben die Krankenschwestern zunächst mehr Aufwand, die Ärzte hingegen nicht.“
    Und das Wort Studierende wirkt auf mich kein bisschen weniger männlich als das Wort Studenten. Nur unbeholfen, unkorrekt und so offensichtlich eingesetzt um das tendenziell gendermäßig aufmüpfige Grüppchen der Studenten ganz bequem ruhig zu stellen. Oder wird das Gerundium sonst noch irgendwo verwendet?

  2. In der 5. oder 6. Klasse bin ich das erste Mal bewusst auf diese Art von Diskriminierung gestoßen. Ich war in einer gemischten Basketball-AG. Zu Beginn der Stunde sagte der Lehrer (damals Anfang/Mitte 40). „Ok, ich teile jetzt die Gruppen auf. Erst einmal die Jungs und dann gucken wir mal, ob und wo die Mädchen noch reinpassen.“ Ich weiß noch heute, wie sehr mich das damals gekränkt hatte.
    Das Ganze liegt mittlerweile über 20 Jahre zurück, aber scheinbar hat sich bis heute nicht viel geändert.

  3. Im Eintrag genannte Situationen kenne ich auch sehr gut. Ich versuche mich dann daran zu erinnern, dass es nicht generell auf diese Art vorkommt, sondern vom einzelnen Individuum abhängt. Außerdem gibt es tatsächlich mehrere Gründe warum solch ein Verhalten vorkommen kann: Schüchternheit dem anderen Geschlecht gegenüber, Respekt des gegenüberstehenden Pärchens (keine Missverständnisse verursachen wollen wie etwa: „Der/die stand auf dich und das obwohl ich dabei war!“)

    Im Beruf Webentwicklung/Computer passieren solche Sachen ständig und ich hatte mich all die Jahre nie aufgehört darüber aufzuregen…

    Ich merke aber auch, dass das Gleiche andersrum passiert: Stehe ich mit meinem Freund vor Frauen und wir unterhalten uns alle, gucken mich diese beim Unterhalten eher an als ihn etc. Das liegt auch viel an Erfahrung und Vorlieben mit dem gleich/anderen Geschlecht.

  4. Ich habe 4 Jahre in einem Beratungsprojekt für Existenzgründerinnen gearbeitet. Was ich mir da alles anhören konnte, welche Erlebnisse man da in den fachlichen Runden, mit überwiegend Männern, hat und wie oft all das, was Frauen in der beruflichen Selbstständigkeit machen/machen wollen in Frage gestellt wurde, sprengt hier den Rahmen.
    Es liegt an uns, es unseren Kindern anders vorzuleben. Zeit wird’s!

  5. Beim Lesen des Ursprungsbeitrag war ich tatsächlich einigermaßen erstaunt, dass „sowas“ heute und in einer Großstadt wirklich passiert. Was nicht heißt, dass ich es nicht glaube! Und dann habe ich natürlich überlegt: Wie ist das bei mir bzw. bei uns? Ich bezahle ich den meisten Geschäften und bekomme auch immer das Wechselgeld. Ich kommunziere meist mit den Verkäufern (außer es geht tatsächlich ums Auto, gehört meinem Freund, ich fahre nicht, ich habe keine Ahnung und auch kein Interesse:)). Aber zumindest in einem mexikanischen Restaurant habe ich tatsächlich schon erlebt, dass der Kellner völlig überrascht war, dass ich die Rechnung explizit zu mir rüberziehe und bezahle.
    Für mich ist diese „Denke“ so alt und absurd, dass ich selber gar nicht drauf komme. Mich tangiert selbst gar nicht, wer in einer Beziehung was regelt oder bezahlt. Die beiden werden das für sich schon geregelt haben.
    Auf Arbeit sehe ich bisweilen schon, dass andere Frauen gern mal Kollegen (und Kolleginnen) „bemuttern“, also den Tee oder Kaffee kochen, die Weihnachtsdeko aufstellen ect. Ich trinke keinen Kaffee und koche daher auch keinen im Büro. Ich bediene generell keine Kollegen, weil finde, jeder ist fähig, sich seine Tasse oder seinen Keks selber zu holen. Ich habe keinen Dekorier-, Aufräum- und Putzdrang . Und die Mutti-Rolle ist mir so fern wie irgendwas. War immer schon so. Das Gute: Weil ich nie dazu Anstalten gemacht habe, erwartet das sicher auch keiner von mir. Freundlich und nett bin ich trotzdem, aber das Klischee-Helfersyndrom ist irgendwie an mir vorbeigegangen. Ich find’s gut.

    1. Ich bin eine Mutti, und das überaus gerne. Aber ohne Dekorier-, Aufräum- und Putzdrang… ich erweitere hier noch um Koch- und Backdrang. Bei uns auf der Arbeit ist es auch gang und gäbe, dass Kollegen „bemuttert“ werden. Verletzend ist allerdings, dass man (von den Frauen!) als faul oder abgehoben hingestellt wird, wenn man nicht genauso handelt. Ich bin stur genug, mein Ding durchzuziehen, aber um den Preis, dass ich als arrogant, faul oder „irgendwie komisch“ angesehen werde. Krabbenkorbphänomen?

  6. meine alljährliche Anekdote: die Steuererklärung.
    Der Ehemann kommt immer als erstes vor, die Ehefrau ist in den Augen der Finanzverwaltung offensichtlich nur als bestenfalls dazuverdienende Hausfrau vorgesehen. Das regt mich jedes Jahr wieder auf – ich mache den ganzen Finanzkram bei uns, inkl. Steuererklärung, verdiene mehr, aber in der ersten Zeile oder Spalte steht immer mein Mann.
    Hier könnte man doch eine einfache Änderung vornehmen: „Steuerpflichtige/r“ für die erste Person, „Ehepartner/in“ für die andere, und schon kann sich jeder selbst überlegen, welche Reihenfolge passt.

    1. Hm, die Sache mit der Steuererklärung könnte man als äußerst unterhaltsam ansehen, wenn es nicht so traurig wäre. Die Finanzämter „können“ bei gemeinsam veranlagten Ehepaaren nicht die Frau als Steuerpflichtige ansehen, sondern es ist immer der Steuerpflichtige und seine Frau *Kopf > Tischplatte*. Natürlich völlig unabhängig davon, wer von beiden mehr verdient, o. ä. Noch lustiger wird das dann, wenn Frau auch noch selbständig ist und Mann angestellt. Da gibt es dann große Tragikkomödien mit den Ansprachen beim Finanzamt.

      Und ja, ich gehöre zu den Frauen, die oft nur die männliche Kurzform des Berufs/“Standes“ nennen, wenn ich von mir selbst spreche oder schreibe. Der Grund? Bequemlichkeit. Aber ich habe den Blogbeitrag mal zum Anlass genommen und zumindest auf den Hauptseiten meiner Website das „in“ beigefügt.

    2. Ja, genau so ist das bei uns auch! & das tollste ist, daß die Rückzahlung natürlich ungefragt auf dem Konto des Mannes landet (obwohl natürlich beide Bankverbindungen angegeben sind). Sch*steuerheinis; regt mich jedes Jahr wieder auf!

  7. Wie so oft würde ich mir hier etwas Augenmaß wünschen. Was oftmals Rollendenken ist, das seine Ursache noch in der Erziehung findet, wird schnell mal als Diskriminierung ausgelegt. Speziell das Beispiel mit der Küche: Wenn der Mann sich für die Küche interessiert, VerkäuferIn oder BeraterIn aber konsequent die Frau anspricht, reicht doch ein freundlicher Hinweis. So was wie „Da sollte unbedingt ein Mann noch mal drüberschauen“ ist allerdings natürlich ’ne Frechheit. Demjenigen gehören die … ach, lassen wir das.

    PS: Ich finde das große „In“ als Abgrenzung deutlich angenehmer als einen Unterstrich oder einen Asterisk. Ersteren habe ich mal ausprobiert, schaut in Fließtexten aber doof aus (gehört für mich eher in die Programmierecke, wo ich auch arbeite), und bei letzterem würde ich wohl immer die Fußnote suchen (Pratchett-geschädigt).

  8. Mein Tip zu dem Thema: „Bitterfotze“ lesen. (Und den Titel überall da wo man ihn schnell sehen kann überkleben…)

  9. Deine Beispiele sind betrüblich. In den Kommentaren kamen nun aber auch schon Beispiele von Männern auf, die gar nicht erst angeschaut werden, wenn sie eine Küchen-Arbeitsplatte kaufen wollen etc. – beides ist nicht gut.

    Mein Gedanke dazu: Vieles hängt auch sehr sehr stark vom Umfeld ab. Früher dachte ich, das sei eine Generationenfrage. Ist es aber nicht. Mein Vater backt zu Hause das Brot, meine Mutter kocht. In anderen Familien mit jüngeren Vätern ist der Mann stolz darauf, in der Küche nichts anrichten zu können. Manch einer ist überrascht, dass ich als Mann meine Wäsche selber wasche und selber koche – was ich bizarr finde, ich bin ja kein Kind mehr. Gleichzeitig gibt es wiederum manch eine, die fast schon erbost ist, dass ich keine Nähmaschine bedienen kann.

    Ich kann noch nicht genau festmachen, was ein solches Umfeld charakterisiert, in dem die Rollenverteilung (noch?) sehr klassisch ist. Mir scheint es jedenfalls so, als wäre die Emanzipation an bestimmten Bevölkerungsteilen (Männern wie Frauen) mehr oder weniger vorbeigegangen. (Aber an welchen? Während ich das schreibe, sehe ich am Nachbarhaus die Zimmerleute einlaufen, die das neue Dach drauf machen – die Chefin steigt als erste aufs Gerüst.)

    Es ist gar nicht so einfach, in diskriminierenden Alltagssituationen den feinen Unterschied zwischen unreflektierter Gewohnheit und Böswilligkeit zu finden. Aber möglicherweise muss man das auch gar nicht? Ein kleiner freundlicher Hinweis in der Situation könnte die Leute zum Nachdenken bringen. Und viele kleine Hinweise schaffen ein neues Bewusstsein. Es ist vielleicht ein mühsamer Weg, aber am Ende erfolgversprechender als mit dem Gender-Vorschlaghammer herumzuprügeln.

  10. Ich würde es gern irgendwie ändern, aber das Erziehungspersonal in der KiTa, welches leider zu 100% weiblich ist, spricht den Kindern gegenüber von sich selbst im generischen Maskulinum („die Erzieher“).

  11. Wenn ich das lese, möchte ich nie, nie wieder rausgehen und den Rest meines kurzen Lebens unter einer Decke auf dem Sofa verbringen.
    Aber ich glaube ja sowieso, dass die Errungenschaften der Emanzipation (fassen wir es so zusammen: Frauen sind auch Menschen und nicht per se Untergebene und Abhängige) sehr fragil in der Gesellschaft verankert sind. Ein bisschen schlechtere Wirtschaftsdaten, ein bisschen mehr politische Krise, und es heißt wieder: „Kaffeekochen ist deine Berufung, du wirst doch nicht einem Mann und Ernährer den Job wegnehmen wollen!“

    Mein Beispiel: 17-jährige werden als erstes Thema in Sozialkunde mit dem demographischen Wandel konfrontiert. Wie tragisch das alles ist, der Bevölkerungsrückgang und die armen Rentner und überhaupt! Das Buch gibt als Begründung als erstes an: „Emanzpiation der Frau“. Es erklärt NICHTS. Männer kommen NICHT vor. Dass oft Männer die treibende Kraft hinter Kinderlosigkeit sind (oder als Partner nicht zur Verfügung stehen), dass politische Steuerungsmechanismen da eine gewisse, nicht gerade klitzekleine Rolle spielen -vergiss es. Emanzipation der Frau und Konsumdenken, meine Damen, jetzt aber husch husch, lasst Euch ein paar Kinder machen, damit das Vaterland ob Eurer Gebärverweigerung nicht noch mehr Probleme hat.

    Alle Jahre wieder weise ich darauf hin, dass wir das nicht undifferenziert so stehen lassen können, erkläre usw.
    Alle Jahre wieder schreiben Leute in der Klausur: „Die Emanzipation der Frau ist schuld am demographischen Wandel.“

  12. Bin Ärztin und dieses Pfleger=Dr und Ärztin=Schwester ist immer noch Standard, auch wenn ich das Gefühl habe, dass die Akzeptanz für Ärztinnen steigt (die Medizin wird sowieso weiblich), ebenso wie die für männliche Pflegekräfte. Genauso wenn ich erzähle, dass ich im Krankenhaus arbeite, dann kommt in 99% der Fälle: Ach, Krankenschwester?

    Eine Automechatronikerin vom ADAC hat mich mal wieder flott gemacht und meinte anschließend: „Sie waren heute die Erste, die mich nicht gefragt hat, ob das nicht ein seltsamer oder schwerer Beruf für eine Frau ist“

    Die herabsetzenden Kommentare von Lehrern kenne ich aus meiner 16 Jahre zurückliegenden Schulzeit auch („Nur nicht denken, meine Damen, das macht häßlich“). Ob es mittlerweile besser ist, kann ich nicht beurteilen.

    Kenne aber auch wiederum einige Beispiele, wo sich die teilweise verhärteten Fronten langsam lösen. Das gibt mir Hoffnung, denn ich denke, eine Gesellschaft, wo Männer selbstverständlich Kindergärtner und Frauen Mechatroniker sein dürfen, wird dem einzelnen Individuum sehr viel gerechter.

    Die Sache mit dem Lesefluss ist reine Gewohnheit. Und gerade mit Gewohnheiten zu brechen, fördert die geistige Flexibilität und davon können wiederum nur alle profitieren!

  13. Eine Anektdote, die bei mir aus der Studienzeit hängengeblieben ist:

    Ein Dozentin hat erzählte, sie sei auf einem Empfang als (korrekterweise) als Frau Dr. K… vorgestellt worden. Direkte Reaktion einer Dame: „Ach, was für ein Arzt ist ihr Mann denn?“ Nein, sie war nicht in Begleitung und auch nicht verheiratet.

    Und meinem Alltag ist meine Frau die bessere Autofahrerin – insbesondere beim Einparken – ja, wir werden manchmal komisch angeschaut deswegen.

  14. Also das ist mir jetzt aber auch fast alles als Mann schon so passiert.
    Insbesondere das ich mit meiner Freundin einkaufen war, bezahle und das Wechselgeld ihr gegeben wurde.
    Der einzige Unterschied ist wohl das mir im Traum nicht eingefallen waere das das sexistisch sein koennte.

    Ueberhaupt nimmt das ganze langsam grotekse Ausmasse an, aber das hat der Kiezneurotiker nochmal schoen zusammen geschrieben :)
    http://kiezneurotiker.blogspot.co.uk/2013/12/kulleraugenfolter-reprise.html

    1. Ich finde es sehr interessant, welche Kleinigkeiten schon als „grotesk“ bezeichnet werden. Ich habe ja explizit geschrieben, dass das keine Dramen sind.
      Wenn mir jemand sagt, dass er etwas auf eine bestimmte Weise auffasst, dann genügt mir das in der Regel mein eigenes Verhalten (wie auch immer motiviert) zu überdenken und ggf. anzupassen. V.a. wenn doch dahinter gar kein böser Wille steckt.

  15. Kunde der ausschließlich weiblich besetzten Schulungsabteilung will sich beschweren: „Geben Sie mir mal Ihren Chef.“ Wird zur Vorgesetzten verbunden, die der Beschwerde mit klugen Gegenargumenten begegnet. Entnervter Kunde daraufhin: „Arbeiten bei Ihnen eigentlich gar keine Männer?!“ – Selbst erlebt, allerdings im vorigen Jahrhundert…

  16. Internationale Gewerkschaftskonferenz, von mir organisiert (insbesondere die Kohle), damals noch unter 30. Ich betrete den Raum, der Herr vor mir
    „Ach die Dolmetscherkabinen, da geht’s da lang“
    und neben mir haute sich vor Lachen eine EndFünfziger Gewerkschafterin weg und meinte
    „nee, wir kommen ab jetzt zu zweit, da können wir uns als Frau abwechseln“

  17. Oh ja, kenne ich. Ich verhandele mit vier verschiedenen Parteien seit Monaten einen Vertrag. Wir verhandeln bis zum Schluss online, kennen uns also nur als Name. Es ist auf unsere Seite nie ein anderer Name aufgetaucht als meiner. Nun also letzte Runde, wir treffen uns in einem Besprechungsraum am Flughafen. Ich betrete also den Raum, schließe hinter mir die Tür, und der erstbeste Mann im Raum streckt mir die Hand entgegen mit der Frage, wann mein Chef kommt.

  18. Nach der standesamtlichen Trauung von Freunden frage ich den ebenfalls befreundeten Standesbeamten, warum der Dr.-Titel nicht erwähnt wurde, ob der bei sowas offiziellem nicht Teil des Namens sei. Er antwortet, dass der tatsächlich nicht dazu gehört, dass er ihn im Ausweis von ihm (also dem Bräutigam) aber auch nicht gesehen hätte. Äh, stimmt, denn die Braut hat den Dr….

  19. Der Klassiker aus meiner Schulzeit:

    „Die Jungs machen, die Mädchen versuchen.“

    (Klassenlehrer, Politische Weltkunde und Sport, also mehrere Stunden Unterricht über die Woche, von der 10. bis zur 13. Klasse … sowas schafft ein seltsames Klima, ENTmutigte die Mädchen und ERmutigte die Unsensiblen unter den Jungs ungemein, den Eindruck lasse ich mir nicht ausreden.)

  20. Ganz ehrlich?
    Alle Beispiele, die du da geschildert hast, sind mir noch nicht passiert. Vielleicht gerade deswegen ist jedes einzelne davon für mich ein riesen Unding.
    Würde mir der Handwerker über die Schulter schauen und sagen, dass keiner da ist; würde man meine Kompetenz anzweifeln und verlangen, dass nochmal ein Mann drüber schaut; würde man einem Mann, mit dem ich unterwegs bin, Wechselgeld oder Ware in die Hand drücken, ich würde mich empören und das lautstark. Sowas geht gar nicht!
    Wie kann da denn irgendjemand drüber hinweg sehen? Wie kann man sich daran gewöhnen? Ich könnte es nie!

    Ich habe es bisher immer für unmöglich gehalten, dass sich das irgend eine Frau gefallen lässt. Aber wenn ich jetzt lese, dass das die eine oder andere einfach ignoriert, wenn ihr das passiert, weiß ich leider, warum es immer noch (!!!) so viele Chauvinisten da draußen gibt.

    Unglaublich. Steht doch mal für euch ein, verdammt! Und zwar alle!

  21. Dann ist meine Bald-Ex-Frau UnterhaltsbezieherIN. Werde Sie beim nächsten Treffen fragen, ob ihr das wichtig ist, so angesprochen zu werden oder ob ihr mein Geld reicht.

  22. Der Klassiker meines Arbeitsalltags: Kund*in landet mit dem Anruf direkt in meiner Abteilung (technischer Support), ich nehme ab, spreche meine Begrüßungsformel (die die Abteilung nicht einschließt) und werde mit „Hallo, kann ich bitte mal mit dem technischen Support reden?“ begrüßt. Zumeist wird mein „das tun sie bereits“ mit peinlich berührtem Räuspern, gelegentlich mit „das konnte ich ja nicht wissen“ quittiert.

  23. Die geschilderten Beispiele finde ich unter aller Sau…. allerdings bin ich davon überzeugt, dass das Binnen-I überhaupt rein gar nix zur Veränderung solcher Situationen beiträgt. Natürlich ist es richtig, eine Ärztin als „Ärztin“ und nicht als „Arzt“ zu bezeichnen.
    Aber ich bin mittlerweile emanzipiert genug, um mich mitangesprochen zu fühlen, wenn eine Mail kommt, die mit „Liebe Kollegen“ beginnt. In der Ansprache finde ich es auch ok, beide Geschlechter zu nennen, in einem Text aber echt nur anstrengend und überflüssig.
    Eine Bekannte von mir hat begonnen, „man“ durch „mensch“ zu ersetzen. Ich weiss zwar, was sie damit bezwecken möchte, finde aber, das schiesst total über’s Ziel hinaus.
    In spätestens 10 Jahren wird es die geschilderten Situationen nicht mehr geben. Ich finde, dafür, dass wir Frauen uns ja erst vor ziemlich kurzer Zeit emanzipiert haben, geht das einigermassen rasch voran. Inzwischen mache ich mir eher um die Jungs Sorgen. Das ist ein anderes Thema.

  24. Ich hab auch noch ein paar:

    Mein Chef (35 Jahre älter) und ich sind bei einer Konferenz, ein mittelalter Herr mit Dame im Schlepptau steuert auf ihn zu: Das ist ja schön, dass sie auch Ihre Frau mitgebracht haben, dann können die beiden ja jetzt was schönes unternehmen …

    Im KaDeWe, wir spazieren durch die Kleingeräteabteilung, mein Mann (der bei uns alles bügelt) hatte sich letztens über das Bügeleisen beklagt, es gab gerade eine Vorführung, die Verkäuferin zu mir: Sie könnem bestimmt ein neues Bügeleisen gebrauchen. Ich: Nene, ich bestimmt nicht, wenn dann er (zeige auf meinen Mann). Sie: Was soll er denn damit, aber wenn Sie ihn lieb bitten, kauft er es Ihnen bestimmt.

    Und hübsch ist auch immer, wenn wir (Vater, Mutter, Kind) jemanden im Auto mitnehmen, die Frage an mich: willst du den Beifahrersitz oder neben den Kleinen? Also ich würde gern fahren, denn ich lasse so ungern Fremde mit meinem Auto fahren und mein Mann fährt (mit dem großen Auto :)) nur wenn es sein muss.

    Komischerweise (vielleicht fällt es mir da aber auch mehr auf) sind es oft die Frauen, die solche Sachen sagen.

    1. Oh stimmt. Erinnert mich an den Stief, als er bei uns zu Besuch war.

      Er: „Also die Fenster könntest du shcon mal wieder putzen!“
      Ich: „Nee, damit ist >Freund< dran."
      Er: "Also das könntest ruhig DU machen!"

      Muss wohl nicht erwähnen, dass es für ihn selbstverständlich ist, dass meine Mutter den gesamten Haushalt trotz Schichtarbeit alleine schmeißt?

    2. Das mir dem Bügeleisen ist ja ne riesige Frechheit. Ich wäre ausgerastet, obwohl ich sowas meistens erst später richtig registriere und deshalb nicht immer reagieren kann.
      Aber gruseliges Weltbild was die Verkäuferin da hat!
      Bestimmt trägt die Zuhause auch keine Jogginghose vor ihrem Mann

  25. Bei uns ist es so: Er kocht. Und ich backe. Im Supermarkt haben wir mal eine andere Kundin nach der Zubereitung des Rollbratens gefragt – sie fing an, mir alles zu erklären, ich wies sie freundlich darauf hin, dass ER zuständig ist, sie bekam es jedoch nicht hin und schwiff [?] beim Erklären mit den Augen immer wieder zu mir.

    1. Oh, und auch schön: Wir heiraten, und er wird meinen Namen annehmen. „Wie hast du DAS denn geschafft?!“ war eindeutig die blödeste Rückfrage an mich, aber Fragen in der Art gab es tatsächlich jedesmal, wenn es zur Sprache kam.

        1. Wie kannst du böse Frau dem armen Mann sein männliches Privileg nehmen, den Namen fortzuführen? ;)

          Aber ja, in meinem Freundeskreis wurde das tatsächlich auch shcon einmal heiß diskutiert. Da habe ich gemerkt, dass Sexismus nicht immer mit einer bestimmten Lebensweise oder Sozialisation zusammenhängt, sondern bei vielen einfach aus Gewohnheit und der Unfähigkeit, aus dem immer gleichen Denken auszubrechen, geschieht.

  26. Naja, ich als Frau verwende eigentlich in Vorträgen die männliche Version. Ich finde, dass man nicht verlangen kann, dass Männer die weibliche nehmen, wenn man selbst als Frau auch die weibliche nimmt. Außerdem stimme ich aber auch zu, dass die weibliche Form das ganze unleserlicher macht. Eigentlich finde ich die ganze Diskussion lächerlich.
    … Was dabei herauskommt wenn es eine Frau damit übertreibt? So – meiner Meinung nach lächerliche – Konstruktionen wie „Reviewerin“ … Denglish par excellence … Alles schon gesehen…

  27. Der Paketbote fragt an den in der offenen Tür stehenden Kollegen vorbei mich, die einzige Frau im Büro, wo er denn das Paket abgeben könne. Die Kollegen haben es ihm abgenommen. Mir passiert sowas selten genug, daß ich es einfach amüsant fand – und ich hab ja noch nicht mal was tun müssen.

    Und ich glaube auch, daß Endungen viel ausmachen können, allerdings mit anderer Schlußfolgerung. Ein Bärchen ist was anderes als ein Bär – und für manche Männer ist eine Ingenieurin was anderes als ein Ingenieur. Auch darum verwende ich die männliche Berufsbezeichnung – ich mache schließlich die gleiche Arbeit wie die Kollegen. Und mein Geschlecht sollte bei der Arbeit absolut keine Rolle spielen, warum sollte ich es betonen?

    1. Weil Ingenieurinnen in den Köpfen vieler Menschen nicht existent sind. Was man nicht beim Namen nennt, gibt es nicht.

      Ein schönes Beispiel dafür ist die Bibel: damals, als die biblischen Texte entstanden, wurde für die Beschreibung einer Gruppe Menschen die männliche Form gewählt, wenn sich ein Mann in dieser Gruppe befand. 50 Frauen, 1 Mann – männliche Form. Im Laufe der Zeit wurden aus diesen Beschreibungen in den Köpfen der Leute rein männliche Gruppen. Deshalb sind so viele der Überzeugung, dass zu der Gefolgschaft Jesu nur Männer gehörten – was vollkommen unlogisch ist, weil das Christentum vor allem unterpriveligierte Gruppen ansprach: Sklaven und Frauen.

      Und auch heute ist das noch so. Wenn von „Ingenieuren“ gesprochen wird, denkt niemand an Frauen. Spricht man von Ingenieurinnen, denkt niemand an Männer – aber vielleicht reizt diese Ausdrucksform wenigstens zu Nachfragen.

      1. Oh, doch, daß es Ingenieurinnen gibt, das hat sich inzwischen rumgesprochen. Aber Frauen haben ja keine Ahnung von Technik, also muß eine Ingenieurin was anderes sein als ein Ingenieur.
        Ich habe das Problem in meinem derzeitigen Arbeitsumfeld zum Glück nicht mehr, zumindest nicht offen (gelegentlich fragt man sich schon, ob der eine oder andere gegenüber einem Mann genauso reagieren würde, aber das weiß man einfach nicht), aber ich habe das vorher durchaus schon erlebt. Und darum halte ich es für sinnvoll, im technischen Umfeld erst den Frauenanteil zu erhöhen und dann erst auf die weibliche Endung zu bestehen. Sonst nämlich zementiert man mit der anderen Bezeichung den Exotenstatus.

        1. Das sehe ich anders – wenn man nämlich nicht auf die bereits bestehende Existenz von Ingenieurinnen (hier stellvertretend genannt für alle MINT-innen oder auch, weil es mich selbst betraf, Feuerwehrfrauen) hinweist, dann kommen nur weniger Schülerinnen auf die Idee, dass dieses Berufsbild ein weibliches sein könnte.

          Solange Schülerinnen nämlich befürchten, als einzige Studentin unter lauter Männern zu enden, wenden sie sich lieber „weiblichen“ Fachbereichen zu, frau möchte lieber kein Nerd sein.

          Umgekehrt gilt das gleiche Problem für Männer in deutlich frauenlastigen Berufen. Es gab niemals Krankenbrüder, es musste erst die Bezeichnung in Krankenpfleger geändert werden. Kindergartenerzieher und Grundschullehrer kannst du an einer Hand abzählen, da reicht es offenbar nicht mal aus, dass die Bezeichnung weitestgehend geschlechtsneutral ist.

  28. Ich war früher als Produktvertrieblerin (und Expertin für das Produkt) für Software oft mit Account Managern (Preise verhandeln, Beziehungen pflegen) bei – weitestgehend – männlichen Kunden. Diese haben nicht selten fachliche Fragen während meiner Präsentation an den AE gestellt, der vom Produkt jedoch keine Ahnung hat. Auch die Tatsache, dass ich diese Fragen beantwortet habe, hat das Verhalten oft nicht geändert.

    Auch schön: „Kannst Du einen Vortrag beim XY-Kongress halten?“
    Ich: „Aber mein Produkt passt doch gar nicht zur Zielgruppe“
    Antwort: „Das ist egal, die freuen sich, wenn mal ne [junge/attraktive..] Frau auf die Bühne kommt.

  29. Einen hab ich noch:

    Damals, als ich noch in der Einsatzabteilung der Feuerwehr aktiv war und wir mal wieder Hochwasser hatten, habe ich eine Tauchpumpe und einen Schlauch von einen Keller in einen anderen tragen wollen. Ich war also in Feuerwehrklamotten und mit Feuerwehrmaterial bepackt.
    Auf der Straße guckt mich ein Mann erstaunt an und fragt: „Oh, Frauen in der Feuerwehr – was machen die da eigentlich?“
    Meine Antwort: „Kaffee kochen und Brötchen schmieren – sieht man doch, wa?!“

    Über dumme Aussagen und dämlich Sprüche, die ich mir als Einsatzleiterin anhören musste, könnte ich seitenweise berichten…

  30. 1995, Die örtliche Jugendbildungsstätte hat beschlossen, auch dieses Genderdings von dem in Pädagogenkreisen so viel geredet wird, auf ihre Art zu lösen – und alle Referenten scheiben brav vor ihre Protokolle »In diesem Protokoll wird durchgehend die männliche Form verwendet; das soll nicht diskriminieren, sondern den Lesefluss vereinfachen«

    Ein Freund und ich beschließen nach einem Seminar, das wir dort geben, unser Protokoll im generischen Femininum zu schreiben und den Satz entsprechend anzupassen.

    Wir werden ins Jugendamt bestellt und müssen uns rechtfertigen, was denn dieser provokative Unsinn soll.

    Außerdem:
    In jeder Apotheke, in jedem Klamottenladen konsequentes Ignorieren meiner Person und Ansprache der Liebsten, in jedem Computer- und Autoladen konsequentes Ignorieren der Liebsten, egal, wie weit weg vom Verkäufer ich mich gelangweilt guckend rumtreibe.
    Ungläubige Blicke und Gelächter, wenn ich ihr erkläre, Senfgelb wäre nicht ihre Farbe und tue nichts für ihren Teint.
    Ebenso ungläubige Blicke, wenn ich auf der Party unabgesprochen die Cola bestelle und der bin, der fährt.
    Aber auch noch niemand, die gemotzt hätte, weil ich das jawl seit Jahren meist im generischen Femininum oder in »Leserinnen und Leser« schreibe.

  31. Um das Binnen-I zu vermeiden, wird in letzter Zeit häufig die beide Geschlechter umfassende Endung -ende verwendet, z.B. Studierende statt StudentInnen. Leider in den meisten Zusammenhängen grammatikalisch völlig falsch… Am Samstag sitzen alle Studierenden in der Kneipe. Wenn man in der Kneipe sitzt, ist man kein Studierender!!!

    Zu den Anekdoten: Ich habe ein bisschen überlegt, aber mir fällt tatsächlich keine ein! Was vielleicht daran liegt, dass mein Mann fast den kompletten Haushalt schmeißt und sich häufiger ums Kind kümmert als ich, während ich die Oberhoheit über Finanzen, Organisation und Gedöns hab und in einem halben Jahr dank einem Master in BWL auch mehr verdienen werde als er…

    1. Der Fehler gilt aber nur, wenn man „Studierende“ als Subjektivierung (vermute ich mal, das das so heisst, ich bin da Laie) von „studieren“ festlegt. Wenn „Studierende“ die Bezeichnungen „Studentinnen und Studenten“ in dem Sinn, dass es auf ihren beruflich Status als Azubis an der Uni verweist, zusammenfassend ersetzen soll – wo ist das grammatische Problem? Jeder, der hört, wenn er gesagt bekommt, dass „die Studierenden in der Kneipe sitzen“ weiss, was gemeint ist, und darauf kommts doch an. Der Kontext verweist auf die gemeinte Verwendung von „Studierende“.

  32. Auch von mir zwei Anekdoten, die mich ziemlich aufgeregt haben:

    1. Praktisches Studiensemester BWL in einem mittelgroßen Unternehmen. Alle Diplomanden, Werkstudenten und Doktoranden sind in einem Raum untergebracht, der auch mit Filterkaffemaschine ausgestattet ist. Nach meiner Ankunft, einzige Frau, sind die Herren selbstverständlich davon ausgegangen, dass ich jetzt für das Kaffeekochen zuständig bin. Meine Anmerkung, dass ich keinen Kaffee trinke und daher auch gar nicht weiß, wie man so ein Teil bedient und wieviel Kaffee reinkommt, glauben sie mir erstmal gar nicht, denn als Frau müsste ich doch so etwas können.

    2. Mein Mann und ich werden zu einer Hochzeit von gemeinsamen Freunden eingeladen. Adressiert ist die Einladung an „Familie Dr. Andreas UnserFamilienname“. Ich konnte das erst gar nicht glauben und war kurzfristig verführt, die Hochzeit zu boykottieren.

  33. Genauso oft höre ich Beschwerden über die Zumutung, die ein solches Binnen-I bezogen auf den Lesefluss darstellt. […] Denn wenn ein kleines Binnen-I schon eine Bedrohung darstellt, habe ich Hoffnung, dass noch viel veränderbar ist.
    Hm, wurde bei der Beschwerde wirklich der Begriff „Zumutung“ verwendet? Und wieso ist eine Zumutung jetzt auf einmal eine Bedrohung? Wirkt für mich wie eine Übertreibung, die der an sich richtigen und wichtigen Sache nicht gut tut. Meine ich aber öfter zu beobachten, dieses „textliche Mittel“ bei diesem Themenkomplex.

    Mich stört ein Binnen-I genauso beim Lesefluss wie z. B. die permanente Kleinschreibe von ix. Ich fände die abwechselnde Verwendung des männlichen und weiblichen Begriffs dem Lesefluss weniger abträglich als ein Binnen-I. Aber mein Gott, wenn man sich darüber beschwert, dann hat man keine anderen Probleme und daher wohl ein erfülltes Leben, also Gratulation an die Beschwerenden.

    Das mit dem Wechselgeld ist aber echt merkwürdig. Wechselgeld bekommt, wer das ursprüngliche Geld hingegeben hat. Wie kann man hier eine andere Entscheidung fällen?

    Meine Anekdote zur Ungleichbehandlung: Als ich mal an der Fleischtheke ein Stück für Gulasch kaufen wollten (am Stück, ich schneid selber), wurde ich gefragt, was es denn sein soll, Nacken, Oberschale etc. Sagte ich, es ist mir egal, solange ich mir es vorher mal anschauen kann. Meinte die Dame hinter dem Tresen, hätte ich wohl mal lieber meine Frau gefragt. Die hätte wahrscheinlich genauso geantwortet, aber naja. War jedenfalls ein komischer Moment, wo einem so in bisschen der Hals schwillt.

    1. Wenn einer sich am Binnen-I stört, obwohl doch bekannt sein sollte, dass es Frauen wichtig sein könnte, wenn sie es schon in einem Vortrag einbauen, und dies derjenigen, die den Text verfasst hat, auch kund tun, scheint es für diesen also wichtiger zu sein, auf den Empfindungen der Vortragenden rumzutrampeln als zu versuchen, das Binnen-I sozusagen zu üben, um es in den Lesefluß einzubauen. Wenn einer sich also so verhält, dann darf man schon annehmen, dass das Binnen-I für diesen eine Zumutung darstellt. Und wenn es eine Zumutung ist, darauf Rücksicht nehmen zu müssen, dass andere berechtigterweise ihre Rechte einfordern, dann doch wohl, weil dies sich negativ auf die eigenen Privilegien (i.S. eines eingebildeten Rechtes, das alles so bleiben kann, wie es ist, weil man ja weiss Gott nicht Frauen diskriminieren will, sondern sich Sorgen um den Lesefluss macht) auswirken könnte. Das darf man dann Bedrohung nennen.

      1. Nun ja. Man kann sich auch am Binnen-I stören, weil es die Theorie absoluter Zweigeschlechtlichkeit reproduziert und damit Transgender, Intersexuelle und andere ausschließt. Dann doch lieber einen Unterstrich oder einen Asterisk zur Kennzeichnung, insbesondere Letzteren finde ich im Lesefluss auch viel weniger störend.

        1. Ein Aspekt über den ich noch nie nachgedacht habe. Wieso aber der Unterstrich anders differenziert (oder mehr einschließt) als das Binnen-I erschließt sich mir nicht ganz.
          Wie man das Sternchen verwendet, ist mir nicht ganz klar.
          Schreibt man dann: „Liebe Leser*“?
          Dann klebt man aber doch noch sehr am generischen Maskulinum? Das Sternchen wirkt dann für mich wie eine Art „Zensurzeichen“. Männer und * (alles was sonst nicht so erwähnenswert ist)… aber wie gesagt, ich habe das noch nie gesehen und wenn Du mehr für mich zum Einlesen hast – sehr gerne.

          1. Ich muss gestehen, ich bin in der Diskussion auch nicht wirklich drin, ich hab nur einige Bekannte, die mich da ab und zu auf meine eigenen Verfehlungen aufmerksam machen. ;)

            Als Anfang für eine Recherche könnte ich jetzt nach kurzer Suche anbieten:
            http://de.wikipedia.org/wiki/Binnen-I#Alternativen
            http://de.wikipedia.org/wiki/Gender_Gap_(Linguistik)
            http://de.wikipedia.org/wiki/Queer-Theorie

            Wie bei vielen Themen der emanzipatorischen Linken ist da natürlich viel Ideologie dabei, die man so für sich annehmen kann oder eben nicht. Der Grundgedanke am Gender-Gap und dem Asterisk ist, dass sich die Leute, die sich keinem Geschlecht zuordnen wollen/können, in der Lücke oder im Sternchen wiederfinden. Was, wenn man es so aufschreibt, dann auch irgendwie etwas esoterisch klingt. Aber sei’s drum.

            Mit Sternchen kann man es entweder als „Liebe*r Leser*in“ in der Einzahl bzw. „Liebe Leser*innen“ in der Mehrzahl schreiben. Oder, wenn man auf die Endungen komplett verzichten möchte (wobei das zumindest meinen Lesefluss stört): „Lieb* Les*“ in der Einzahl und „Lieb** Les**“ in der Mehrzahl (Mehr dazu unter http://de.wikipedia.org/wiki/Gender_Gap_(Linguistik)#Variationen)

    2. Interessanterweise habe ich die Situation mit dem Wechselgeld auch schon mehrfach erlebt und zwar immer im Supermarkt.
      Ich bezahle und meine Freundin bekommt das Geld zurück. Habe das nie als schlimm oder sexistisch empfunden; eher amüsant.
      Werde mal nachfragen, ob meine Freundin sich in solchen Momenten Gedanken darüber macht, wem sie das Geld zurück gibt, denn sie sitzt auch an der Kasse :)

  34. In der Medizin ständig! O-Ton: „Das ist ja rührend, wie Sie sich um mich kümmern, aber der Stationsarzt beachtet mich gar nicht!“. „Ist denn überhaupt kein Arzt auf der Station?“
    Im Restaurant: Weinkarte und Rechnung werden dem Mann hingelegt, egal wer danach gefragt hat. Der darf den Wein dann auch probieren, auch wenn er ihn nicht bestellt hat…

  35. Komische umgekehrte Situation mal bei uns.
    Mein Mann braucht dringend einen neuen Anzug. Da wir über s Wochenende bei meinen Eltern „auf dem Land“ sind, fahren wir in due nahegelegene Kleinstadt.
    Im (gehobeneren) Klamottenladen angesprochen, was wir denn suchten, antwortet mein Mann, daß er einen Anzug plus Hemd und Krawatte bräuchte.
    Daraufhin fragt die Verkäuferin MICH nach Größe, Armellänge, Kragenweite….
    Ich habe noch niemals einen Herrenanzug o.ä. gekauft und schlichtweg keine Ahnung von all dem, was ich auch genau so sehr deutlich sage. Mein Mann nennt ihr die gefragten Angaben. Sie reagiert zwar drauf, richtet aber weiterhin ALLE Nachfragen und Anmerkungen an mich. Mein Mann antwortet jedes Mal, ich sage gar nichts, aber bis wir den Bezahlvorgang beendet haben, bleibt sie dabei ^^
    Scheint so,als würde man in ländlichen Gebieten noch fest davon ausgehen, daß bei Klamottenkauf die Männer nur als Taschenträger dabei sind….

  36. Mein Mann und ich arbeiten im gleichen Betrieb – gleiche Position. Was ultraoft passiert: Ich habe eine Idee / einen Vortrag / einen Gedankengang
    Einige Zeit später wird mein Mann zietiert mit obigen Ideen, Vortägen, Gedankengängen…
    Ich koche manchmal innerlich, finde es aber auch ziemlich doof zu sagen: Ähhh – übrigens, das war in Wahrheit ich, die das sagte…“
    Wie macht ihr das, wenn ihr in ähnlichen Situatinen seid?

    1. Ich glaube die Situation, dass Frau und Mann im gleichen Betrieb arbeiten…in der gleichen Position gibt es nicht so häufig.

      Wenn Du meinst wenn Deine Ideen geklaut werden von Deinem Partner finde ich einen ordentlichen Krach zu Hause oder auf der Arbeit für sinnvoll.

      Wenn Du meinst dass Deine Ideen fälschlicherweise Deinem Mann zugeordnet werden und der nichts dazu sagt, dann wäre ein Krach zu Hause oder auf der Arbeit sinnvoll.

      Wenn Du meinst, dass Deine Ideen fälschlicherweise Deinem Mann zugeordnet werden in seiner Abwesenheit kann man ruhig mal sagen, so ein wenig beiläufig, dass die Idee von Dir kommt oder hin und wieder das ignorieren, je nach dem wie wichtig dass im konkreten Fall ist.

      1. Was ist denn das bitte für eine Antwort? Meine Güte, vielleicht könnte sie einfach zuerst ihren Mann ansprechen und in Ruhe mit ihm die Lage klären. „Krach auf der Arbeit“ ist angebracht. Was für ein Quatsch. Das ist doch keine Lösung.

        Die Lösung wäre das zu zweit zu klären und zukünftig ein besseres Miteinander im Unternehmen zu erreichen. Sorry, manchmal kann ich nur noch den Kopf schütteln.

  37. Ich (ver)zweifle an meiner Wahrnehmungsfähigkeit. Ich glaube alle diese Geschichten, aber ich scheine einfach in einem parallel Universum zu existieren. Ich erlebe sowas nie und nie und nie. Ich bilde mir ein, Frauen und Männer gleichwertig zu behandeln, trotzdem finde ich (aus anderen Gründen) Sprachveränderungen mit der Brechstange einen netten Versuch — aber sinnlos. Eher nervig im Alltag, da wird die Sprache sich immer verhalten wie Wasser und sich ihren Weg bahnen. Ich verstehe das als Mittel zum Aufmerksamkeit generieren.

    Aber zurück zu diesen Alltagssituationen, die ich nie erlebe … ich habe eher das umgekehrte „Problem“: immer wieder mal Frauen erzählen zu müssen, dass sie selbstverständlich komplexe Computerprogramme bedienen können und natürlich gut einparken können (jede Statistik belegt, dass Frauen bessere Autofahrer sind bei defensiver) usw. Man kann argumentieren, dass deren Selbstzweifel von einer Umwelt kommen, die das bedingt — aber das würde ich genauso viel auf die Einzelpersonen selbst zurückführen.

    Ich würde allerdings auch unterschreiben, dass wesentlich mehr Frauen, die ich kenne, ein unglaubliches Händchen dafür haben, „Nester zu bauen“, also aus zwei simplen Räumen eine unglaublich wohnliche Wohnung zu machen und auch zu erhalten. Ich versage da komplett und viele Männer die ich kenne auch. Die Festplatte ist aufgeräumt, der Schreibtisch nicht.

    1. Bist Du Frau oder Mann? Ich habe als Mann fast alle von den obigen Dingen ebenfalls nicht erlebt – dafür ein paar andere – die mich teilweise auch stören. Aber als nicht betroffener erlebt man das auch anders.

    2. Es geht mir ganz genauso. Mir ist noch nie was sexistisches in dieser Art passiert. Gewalt gegen Frauen – das ja. Aber keine dieser Kleinigkeiten. Vielleicht bin ich aber einfach auch der Typ Frau dem ein Mann nichts entgegensetzt, obwohl ich nicht androgyn bin. Wenn ich mit meinem Freund Computerteile kaufen gehe, dann wird grundsätzlich mit mir verhandelt, ebenso in anderen Geschäften. Oder es liegt daran, dass ich in Österreich lebe und wir hier nicht ganz so genau sind. Und vielleicht finde ich auch deswegen das Verfrauchlichen der Sprache unnötig bis nervig.

  38. Stichpunkt Auto: Mein Freund und ich fahren zu einer Familienfeier (seinerseits). ICH sitze am Steuer, es ist MEIN Auto. Ich fahre eigentlich zu 90%. Wenn mein Freund fährt, müssen wir zum Einparken am Ende trotzdem tauschen, er kann es nämlich nicht. Wir steigen also aus dem Auto aus und ein entfernter Verwanter sagt sofort „Mensch, M. (mein Freund), du hast aber ein schönes neues Auto!

    So etwas lässt mich ja noch Schmunzeln. Was mich richtig zur Weißglut bringt, sind Situationen der folgenden Art: Wir sitzen mit Freunden nach einem Abendessen noch im Restaurant zusammen. Ein (männlicher) Bekannter fragt meinen Freund, ob man noch eine Runde bestellen solle. Ich lehne mich zu meinem Freund und sage (ziemlich leise): „Komm, einer geht noch, wir müssen doch morgen nicht früh raus“. Mein Freund entscheidet sich dennoch, abzulehnen, denn er ist müde. Der Freund, der augefordert hat, dazu „schon klar, wir wollen ja nicht, dass der Haussegen schiefhängt“.

  39. Ich hatte eine Messgerätvorführung organisiert. Anwesend waren ein Techniker und ich als Ingenieurin. Der Vertreter hat ausschließlich mit meinem Techniker geredet, dabei sollte ich das Gerät aussuchen, kaufen und hinterher verwenden. Ich konnte mir das Grinsen nicht verkneifen. Und gekauft haben wir das Gerät auch nicht.

    1. Glaub ich Dir sofort. Bei uns bin ich auch die Auto-Zuständige. Habe zum Glück einen wunderbaren Kfz-Menschen gefunden, der das überhaupt nicht seltsam findet. (Und dazu fahre ich noch ein „typisches Männerauto“, von dem immer jeder denkt, es gehöre meinem Mann, der wiederum gar keinen Führerschein hat)

      1. Leute ihr seid wirklich toll.

        Über Sexismus aufregen aber “typische Männerautos“ fahren.

        Merkt ihr nicht das ihr selber sexistisch seid?

        1. Man könnte die Anführungszeichen ja durchaus als Hinweis auf ein Zitat oder eine ironisierte Verwendung deuten. Könnte man. Wenn man nicht zu beschäftigt damit wäre, mit dem Finger auf andere zu zeigen und „Sexismus!“ (die Anführungszeichen stehen hier übrigens als Zeichen für direkte Rede) zu brüllen, um die eigene sexistische Weltsicht zu relativieren.

          So, genug den Troll gefüttert.

  40. Ständig, früher. Auf meinem Klingelschild stand der Dr.-Titel mit drauf, und ständig wurde mein Mann (Handwerker, Gymnasium nach der 10. Klasse abgebrochen) angesprochen, ob er Arzt sei. Der fand das lustig, ich habe mich oft geärgert.

    Jetzt, im sozialen Wohnungsbau, sind keine Titel mehr an den Klingeln – das hat sich erledigt. Achja, und ein Mann wohnt hier auch nicht mehr. :)

  41. Mehrfach den Klassiker im Computerladen.
    Ich kaufe einen 24“-Monitor, der Verkäufer mehrfach betonend, dass der aber SCHWER ist, ob ich denn niemanden dabei hätte (es war kein Röhrenbildschirm, nein. Und der Karton hatte einen Griff. Und natürlich war er nicht schwer. Ein Kind auf dem Arm ist wesentlich unbequemer).
    Ein Freund begleitet mich, den kaputten PC in den Laden zu bringen, da ich noch das Notebook dabei hatte und alles zusammen etwas unhandlich alleine war. Obwohl ich sage, was nicht läuft und welche Fehler auftreten, wird er, der über einen Meter entfernt steht, angesprochen und gefragt. Leider war ich da so dermaßen verdattert, dass ich nicht sofort losschimpfen konnte.

  42. Ein Beispiel ist mir noch eingefallen: Wir mussten gestern unseren 10 Jahre alten Hund einschläfern. Als wir danach mit Leine und Halsband im vollen Wartezimmer der Tierklinik standen, um zu bezahlen, hat es niemanden interessiert, dass ich ausgesehen hab, wie Marilyn Mansons hässliche kleine Schwester vom ganzen Heulen. Wohingegen der Freund, dem natürlich auch die Tränen gekommen sind (nur hatte er das Problem mit der verronnenen Schminke nicht), angestarrt wurde, als wäre er gerade einem UFO entstiegen. Männer heulen einfach nicht. Frauen dafür immer.

    1. *tröst*

      Oh je, sowieso eine schlimme Situation. Beileid für Dich.

      Was die Mann-Frau-Wahrnehmung betrifft, genauso ging es uns damals auch, als wir unsere Hündin einschläfern lassen mussten. Alle im Wartezimmer glotzten meinen Freund an.

  43. Binnen-In in öffentlich Publikationen/Texten. Ja, natürlich.
    In Texten zu mir /über mich möchte ich es nicht, weil es mir nichts gibt. Ich glaube nicht, dass sich an der Situation der Frau etwas ändert, nur weil ich plötzlich „in” bin.

    Es würde auch nichts an den beschriebenen Situationen ändern. Aber in solchen Situationen den Aktionismus des Gegenübers offensiv und direkt in time anmerken und hinterfragen, das schafft die Veränderung. Und vor allem in den Situationen in denen typischer Frauenaktionismus verlangt wird, kontraindiziert antworten und agieren. „Ich sehe keinen emanzipierten Sinn darin, dass das unbedingt eine Frau machen muss.” (Verhindert, dass wenn Frau 1 ablehnt, nicht alle Blicke zu Frau 2 wandern können.)

    Übrigens als Eisverkäuferin würde ich bei einem offensichtlichen Paareinkauf demjenigen das Eis in die Hand drücken, der nicht damit beschäftigt ist, das Wechselgeld zu kassieren. Wen sie einen ausgibt, ist er das dann halt. Pragmatismus. Nicht Sexismus.

      1. Ich finde liebes Nuffchen, das teilweise überreagiert wird. Die Betroffenen sehen in den alltäglichen, normalen Dingen Diskriminierung. Aber das lässt sich als nicht betroffener auch immer leicht konstatieren und wegwischen.

          1. Ich nenne meine männlichen Arbeitskollegen Schätzchen – Du illustrierst sehr schön, wie man in alltägliche Dinge Diskriminierung hineininterpretiert.

    1. Danke das noch jemand anderes sagt das einige der Dinge einfach nur pragmatisch sind und nicht sexistisch.
      Mir persönlich kam noch nie in den Sinn das es sexistisch sein könnte das wenn ich bezahle meine Frau das Eis bekommt. Ich muss ja erst noch das Portmonee und Wechselgeld wegpacken.

    2. Vielleicht war das Eis gar nicht für meinen Mann?
      Das ist mir nicht nur beim Eis passiert, sondern auch zB. beim Bierkaufen.
      & Wechselgeld ist dabei nicht das Problem, das landet ganz schnell in der Tasche. Ich erlebe diese Situation ständig & vor allem in Spätis.

  44. Mein Freund fährt unser Auto in meinem Beisein beim Einparken auf einem belebten Parjplatz in eine Grube. Die Grube ist nicht tief, aber das Auto sitzt mit dem Tank auf und ist ohne Hilfe vom Pannendienst nicht mehr hinauszubekommen. Wir warten also rauchend neben dem Auto und alle Passanten (sogar die weiblichen) haben mich milde belächelt. Weil einem Mann so ein dummes Missgeschick ja nicht passiert. Das hat mich ziemlich aufgeregt. Obwohl es eigentlich Nichts Neues für mich war, da ich früher schon immer angestarrt wurde, wenn ich mit meinem Geländewagen schnell und schadenlos eingeparkt habe. Frauen dürfen das anscheinend nicht können.

    1. Ha, ha. Ja, das hatte ich auch in einer Variation. Mein Freund hatte nen riesigen Pickup mit dem man fast nie einen Parkplatz gefunden hat.
      Stellt er sich quer auf den Bürgersteig, um kurz was abzugeben: Wow! Cooler Typ!
      Stelle ich mich quer: Hä? Kann die nicht parken, oder was?

      1. Jetzt ist die Frage ob die Leute wirklich so denken oder ob das nur eure Interpretation ist und ihr nur eure antrainierten Erwartungen in das Verhalten der Leute projiziert.

        1. Dazu muss ich jetzt den Freund zitieren, der sehr oft selbst mit dem Geländewagen gefahren ist, und daher das durchschnittliche Aufmerksamkeitslevel, das man mit diesem Auto erzielt, kennt (und sich fürchterlich über solche Leute aufregen kann): „Warum schauen die alle so deppert?“ (Anm.: Wir kommen aus Wien, da spricht man so :)) Oder zu einem Passanten, der meinen Einparkvorgang sehr kritisch beobachtete: „Ja, das ist eine Frau. Die dürfen seit Neuestem auch den Führerschein machen und sogar richtig auf der Straße fahren. Da schaust, gell?“ Ich könnte das noch recht lange fortsetzen, aber die beiden Beispiele zeigen wohl, dass es sich dabei nicht nur um meine Wahrnehmung handelt.

  45. Ich habe vor einer Weile einen Text zu meinen 2 Jahren Elternzeit geschrieben (ich Mann). Ein Auszug – meine Frau ist auf der Suche nach einem Job – ich nicht, da ich in Elternzeit bin. In dem Text bin ich „FL“ meine Frau „MM“

    Der/die Bekannte/Verwandte (BV): „Und wie siehts dann mit der Arbeit aus? Suchst Du Dir dann bald wieder etwas, FL?“
    Ich: „Erstmal ist MM mit Suchen dran, ich fange damit frühstens zum 01.09 an. Sie sucht auch schon, ich noch nicht.“
    BV: „Und was benutzt Du dann? Zeitungen? Internet?“
    Ich: „Vermutlich das Internet, aber wie gesagt, noch ist das nicht aktuell.“

    Jetzt kam entweder Schweigen oder:
    BV: „Naja, in Berlin ist das nicht so leicht…“
    Ich: „Geht, wird sich schon was finden.“
    BV: „Hast Du denn schon etwas?“

    Dem geübten Auge in meinem ungeübten Text ist aufgefallen – ich werde wiederholt auf das Thema „Jobsuche“ angesprochen, obwohl ich ganz eindeutig nicht auf der Suche bin. Meine Frau die neben mir sitzt wird völlig ignoriert.

    Ich habe in meiner Elternzeit aber auch andere Dinge gesehen, bspw. im Forum Rabeneltern – was Mütter alles können. Fühlt man sich als Mann in Elternzeit auch irgendwie nicht wohl bei und verdreht ein wenig die Augen innerlich.

    1. Aus dem Tiefschlaf hochschnellen, wenn zwei Zimmer weiter ein Filzstift auf der Tapete quietscht

    2. In zehn dünnen Härchen mindestens 20 lustige Klammern unterbringen

    3. Im Bus eine diplomatische Antwort auf die Fragen finden: „Mama, warum ist die Frau so dick?“ oder „Mama, warum stinkt der Mann so?“

    4. Kapieren, dass kein Kinderkopf zu groß ist, um zwischen zwei Geländerstäben durchzupassen

    5. Am Elternabend auf winzigen Stühlen ausharren, ohne einzelnen besserwisserischen Supermamis an die Gurgel zu springen

    6. Nicht müde werden, zu versichern, dass Karotten groß und stark machen, aber Pommes klein und dick

    7. In Windeseile ein phantasievolles Kostüm zaubern

    8. Den selbst gebastelten Stifthalter aus Klopapierrollen tapfer auf den Büroschreibtisch plazieren

    9. Zu Tränen gerührt sein, wenn das Kind in der ersten Theateraufführung mitspielt, egal ob es ein Dornröschen, Frosch oder eine Dornenhecke spielt

    10. In 50 verschiedenen Tonlagen NEIN sagen

    11.Morgens um 2 Uhr Monster aus dem Kinderzimmer vertreiben

    12. Den ersten Liebeskummer als das zu nehmen, was er ist: eine Tragödie

    13. Locker bleiben wenn die Schwiegermutter fragt: „Meinst du, das ist gut für das Kind?“

    14.Strafende Blicke ignorieren, wenn sich das Kind im Supermarkt kreischend auf den Boden wirft

    15. Der Versuchung widerstehen, Benjamin Blümchen den Rüssel umzudrehen, weil sein *tööröööö* seit 2 Stunden durchs Auto dröhnt

    16. Trotz alledem: Mit niemandem tauschen wollen

    (Quelle: http://community.rabeneltern.biz/thread.php?threadid=37736)

    1. Ja, Väter in Elternzeit sind für viele unbegreiflich. Bei uns ähnlich. Ich (Frau) abgeschlossenes Studium uns seit 8 Jahren im Beruf. Mein Mann war noch im Studium als Kind 1 auf die Welt kam. Also arbeite ich und er ist bei den (inzwischen zwei) Kindern. Da hört man auch immer Dinge wie:
      „Kann der denn solange von der Arbeit wegbleiben?“
      „Hausmann und Vater. Mmmhh. Ja, wahrscheinlich können Männer das auch, oder?“

      1. Ja oder Dinge wie „Herzlichen Glückwunsch zu Deinem Mann“…ist nicht unbedingt das Erste was man als Frau hört wenn sie zu Hause bleibt. Trotzdem – Glückwunsche zu Deinem Mann ;-) Wir brauchen mehr davon!

        1. Euch ist aber schon klar das die Sätze wie oben und die Forderung nach mehr solchen Männer genau der Sexismus ist den ihr Anklagt.

          Davon abgesehen ist es fürs Kind genauso schlecht wenn die Frau die ganze Zeit arbeitet und der Mann zuhause ist bleibt, wie wenn es umgekehrt ist.

          1. Max – die Forderung nach mehr Männern in Elternzeit (Elternzeit definiere ich: 6 Monate oder mehr) ist sexistisch, bei gefühlten 1% die das machen?

            Ich meine das eher um ein Gleichgewicht herzustellen.

          2. Was heißt denn bitte „die ganze Zeit arbeiten“? Von den 8 Stunden, die ich arbeite, ist der große Sohn immerhin 6 Stunden im Kindergarten. Die Stunde zwischen Aufstehen und in den Kindergarten gehen habe ich exklusiv mit dem Großen, weil der Rest der Familie noch schläft. Wenn ich nach Hause komme, spiele ich mit den Kindern bis das Abendessen fertig ist. Ich mache die Kinder bettfertig und bringe eins von beiden ins Bett. Ich lese vor, wechsle Windeln, tröste, gehe auf den Spielplatz. Ich stehe nachts auf, wenn einer weint, kotzt, wasauchimmer. Ich finde nicht, dass ich „die ganze Zeit arbeite“. Ich verbringe deutlich mehr Zeit zuhause als bei der Arbeit. Es kommt nur drauf an, wie man die Zeit zuhause nutzt.
            Arbeitende Eltern sind nicht schlecht fürs Kind. Es gibt sogar Studien, die zeigen, dass arbeitende Eltern intensiver Zeit mit ihren Kindern verbringen als nicht arbeitende. Die körperliche Anwesenheit der Eltern allein, nutzt dem Kind wenig.

  46. ******************KOMMENTAROMAT**********************
    Genau!
    *****************/KOMMENTAROMAT**********************

    Danke für dein tolles Blog!!!

    1. Dauerhaft ist das natürlich genauso ungerecht wie das generische Maskulinum. Aber weil es so ungebräuchlich ist, führt das eigentlich jedes Mal zu Reaktionen und Fragen der Art: sind die Männer auch gemeint?
      Ich finde, das hilft zu verstehen, dass es umgekehrt genauso ist und eben nicht die „natürliche“ Art Frauen und Männer gleichermaßen anzusprechen.

        1. Die, wie die pampige Antwort zeigt, offensichtlich notwendig ist, wenn Pampigkeit alles ist, was einem auf eine freundliche Erklärung, die einem nicht passt, einfällt. Da haben wir schlechte Manieren und Ignoranz schön versammelt.

          1. Die einen nennen es „pampige Antwort“, die anderen vielleicht Kontra, Ungehorsam, etc.

            Viel Spass noch :)

  47. irgenwann im Küchenstudio, Freund (nicht Mann oder Partner!!) brauchte eine Arbeitsplatte für SEINE Küche, wir klapperten also freundschaftlich diverse Möbel- und Küchenläden ab, die Verkäufer haben ausnahmslos MICH als Entscheidungsträgerin und Küchenmeisterin angesprochen (als Gattin sozusagen;) faszinierend fand ich, dass besagter Freund trotz mehrmaliger Versuche, sein Anliegen vorzutragen, in den Antworten völlig ignoriert wurde (auch kein Blickkontakt).

  48. 2001, nach dem Einchecken in New York: beide Pässe gehen zusammen an den Freund, mir klettern die Augenbrauen in den Haaransatz. Und es war Delta in die Karibik, nicht Saudi Airlines in den Mittleren Osten.

Mentions

  • Eine Ladung Links (13) | repp.cc
  • Zukunftsprognose aus dem Jahr 1969: Mütter shoppen im Internet und Väter bezahlen online die Rechnungen ihrer Frauen | Fakeblog

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