Wie haben das die Mütter damals eigentlich geschafft?

Symbolbild: Stell dich nicht so an, noch ist das Boot nicht komplett untergegangen

Vor einigen Wochen stand ich das erste mal in 16 Jahren Internet mit in einem Shitstorm. Ich hatte mich an #CoronaElternrechnenab beteiligt. Eine Aktion, die exemplarisch quantifizieren soll, was Elternarbeit (die statistisch gesehen zum überwiegenden Teil Mütterarbeit ist) in Euro [1] wert ist und so darauf hinweisen wollte, dass endlich auch Familien in der Corona-Krise gesehen und entlastet werden.

Ich habe natürlich mit Empörung und Geschimpfe gerechnet. Ganz blöd bin ich nun auch nicht. Üblicherweise wird man auf Twitter von ein paar Eierköpfen [2] und dann von ein paar Männern angemeckert, was man für eine schlechte Mutter/Frau/Mensch ist – dann ist gut.

Diese Erwartungen wurden erfüllt.

Was aber für mich unerwartet kam und was mich wirklich verstört, verletzt und verärgert hat, war eine Rotte Frauen und v.a. Mütter, die in alle Varianten von „Wie haben das unsere Großmütter im Krieg mit ihren sechs Kindern eigentlich geschafft ohne sich zu beschweren???!? Früher ging das alles. Wieso habt ihr überhaupt Kinder bekommen? Jahaaa! EINMAL müsst ihr euch um die Kinder kümmern und habt sie nicht WEGORGANISIERT [3], schon heult ihr rum!„.

Nach #CoronaElternrechnen ab, habe ich sehr viele Anfragen von Radio- und Fernsehsendern bekommen. Nach zwei Tagen Dauerbeschimpfung hatte ich aber keine Lust mehr irgendwas dazu in der Öffentlichkeit zu sagen. Ich habe meinen Tweet zur Aktion gelöscht und meinen Blogbeitrag mit einem Passwort unzugänglich gemacht. Self-Care nennt man das. Wenn ich nämlich eine Sache in der Corona-Zeit nicht zu verschenken habe, dann ist das Energie.

Der Shitstorm geht aber weiter. ZDF aspekte z.B. berichtet über „Frauen im Corona-Alltag“ und teilt den Beitrag auf Facebook. Von den >1.300 Kommentaren stellen gefühlt 900 Varianten der oben genannten Vorwürfe von Frauen gegen Frauen dar. Das Social Media Team schreibt deswegen alle 10 Kommentare:

Liebe Community, 
wir verstehen, dass es sich hier um ein emotionales Thema handelt. Aber beachtet bitte: Hetze und Beleidigungen werden auf unserer Seite nicht geduldet und konsequent entfernt. Diskutiert bitte sachlich und konstruktiv zum Thema, dann bleiben eure Kommentare auch stehen. Weitere Infos zu unserer Netiquette findet ihr hier: https://ly.zdf.de/ASX/

Die Kommentare gehen los bei „Herzlichen Glückwunsch Du bist Mutter *lol*“ und enden bei ekelhaften, persönlichen Anschuldigungen.

Ja, herzlichen Glückwunsch, Du bist Mutter,… dazu ein Zitat aus meinem Buch „Raus aus der Mental Load-Falle„:

„So vergingen Jahre. Jahre in denen ich mich kraftlos und ständig müde fühlte. Aber das schien normal. Andere Mütter hatten das auch. Die Dauererschöpfung gehört zum Muttersein, so schien es mir logisch und quasi natürlich. Mütter, die nicht total platt waren, Mütter, deren Kinder durchschliefen, Mütter, die vielleicht nur ein genügsames Kind hatten oder die finanziellen Mittel, sich zu entlasten, entschuldigten sich bei den Müttern, die fix und alle waren. Die anderen Mütter waren Teil eines Geheimbunds. Wir verstanden nur allzu gut, wie gut es denen ging, die mal in Ruhe duschen konnten. Die, die mal 20 Minuten nur für sich im Bad hatten. Die, bei denen nicht ein Kind mit in der Wanne saß oder an die Tür klopfte, weil es genau jetzt auch mal dringend die Toilette benutzen musste.“

Dauererschöpfung als Normalzustand des Mutterseins. Auch Susanne Mierau berichtet in Mutter.Sein ausführlich über dieses Thema.

Wer nicht erschöpft ist, bei dem läuft etwas falsch. Wer um Hilfe bittet, mit dem ist charakterlich was nicht in Ordnung. Wer überlastet ist, der hätte keine Kinder bekommen sollen.

Überlastung wird glorifiziert. Wenn es schon so anstrengend ist, dann schreiben wir die Story einfach um. Bloß nicht die Wahrheit sagen. Lieber irgendein Supermommy-Narrativ erfinden. Schau, wie wir es wuppen! Zähne zusammenbeißen kann aussehen wie Lächeln – mach was draus! Vielleicht hast du sogar weniger Zeit zu essen. Super. Dann kannst du gleich noch deinen After-Baby-Body optimieren!

Das auf dem Zahnfleisch kriechen wird zum identitätsstiftenden Element. Die Mütter, die das nicht (mehr) wollen, sind Hexen. Dementsprechend werden sie angegangen. Weil die Überlastung so schwer zu ertragen ist, weil sie überhaupt nur zu ertragen ist, wenn man möglichst alle Gefühle wegdrückt, geht anscheinend als Kollateralschaden das Empathievermögen verloren.

Und bevor ich jetzt aufstehe und arbeiten gehe: Wie haben die Frauen das früher alles ertragen ohne sich zu beschweren?

Ertragen haben es viele, weil sie mussten. Ob sie sich nie beschwert haben, sei dahin gestellt. Die Zeiten waren einfach anders. Nach dem Krieg gab es einen schönen Backlash, der die Frauen zurück an den Herd geschickt hat. Für Westdeutschland war die Entlastungslösung z.B. Beruf und Kinder gibt es nicht beides. Wer Kinder will, bleibt zuhause. Viele Kinder wiederum konnten auch wunderbar von morgens bis abends alleine bzw. mit anderen Kindern draußen sein. Sie wurden gar nicht betreut. Ich kenne das von mir selbst. Bis zur Pubertät gab es nur eine Regel und die hieß: Wenn es dunkel wird, bist du wieder zuhause.

Ich könnte jetzt auch Stunden mit Recherchen verbringen. Wie hat sich das Thema Gewalt gegen Kinder die letzten 40 Jahre entwickelt, z.B.? In meiner Kindheit war es z.B. total normal, dass man ab und an eine geknallt bekommen hat oder sich eine ordentliche Tracht Prügel abgeholt hat. Vielleicht auch ein Zeichen von elterlicher Überlastung?

Wie hat sich das Thema Alkoholismus in den letzten 40 Jahren entwickelt? (Spoiler: Ist kontinuierlich zurückgegangen. Vielleicht ist das [übermäßige] Alkoholtrinken auch ein Zeichen elterlicher Überlastung? Das derzeitige „Lass uns mal um 16h ein Weinchen trinken, um diese Corona-Zeit zu überstehen“-Mem ist für mich ein Indiz in diese Richtung…)

Wie haben sich die familiären Netzwerke entwickelt? Die Entfernung von Wohnorten unter Familienmitgliedern?

All das könnte Antworten auf die Frage geben, wie unsere Großmütter und Mütter das eigentlich geschafft haben damals.

Aber ganz ehrlich: Das geht am Ende am Thema vorbei. Denn die Frage war nie, wie wir es schaffen nicht nur Familie und Erwerbsarbeit unter einen Hut zu bekommen und parallel mehrere Kinder zu beschäftigen und in mehreren Fächern zu beschulen.

Die Frage war: Warum werden die Belange von Familien in der Corona-Krise zu allerletzt gesehen? Wenn ein Schiff untergeht, heisst es „Frauen und Kinder zuerst!“. Für die Corona-Krise gilt das ganz offensichtlich nicht. Da heisst es „Reedereien first!“.

—-

[1] Mir war auch völlig klar, dass eine Methode eine Diskussion vom Kern wegzuführen eine Diskussion um Formalitäten sein würde. Egal wie, der Stundenlohn wäre zu hoch und egal wie, die hinterlegten Zeiten wären nicht korrekt und die aufgeführten Tätigkeiten auf die ein oder andere Weise falsch. Ich habe mich deswegen bewusst für einen Bruttostundenlohn entschieden, der die Wertigkeit der Arbeit betont und über dem liegt, was die betroffenen Personen üblicherweise verdienen. Denn, orrrrrrr jetzt fange ich mit dem Rechtfertigen an, ich halte Care-Arbeit und dazu gehört auch die Arbeit von Erzieherinnen z.B. für total unterbezahlt.

[2] Das sind Menschen, die sich extra einen neuen Account anlegen, um andere zu beschimpfen. Sie haben kein personalisiertes Profilbild. Es erscheint nur das Dummybild von Twitter – der Eierkopf.

[3] Was hier übrigens komplett fehlt: Die Sicht, dass es nach wie vor v.a. für Männer total normal ist ihre Kinder „weg zu organisieren“, um ihrer Berufstätigkeit nachgehen zu können und zwar in erster Linie über ihre Frauen und in zweiter Linie, wenn die Frauen auch erwerbsarbeiten gehen wollen, über Kita, Schule, Hort. Ich hab keinen einzigen Tweet gesehen, der Vätern vorwirft ihre Kinder wegzuorganisieren und in Frage stellt wieso Männer eigentlich Kinder haben wollen, wenn es für sie ganz normal ist sich nur wenig um die Kinder zu kümmern. Bis heute nehmen 60% der Väter keine Elternzeit z.B. – warum bekommen diese Männer eigentlich Kinder, wenn sie sich gar nicht kümmern wollen, hmmmm????

[4] Ohne Kontext, aber einfach zu gut um den Tweet hier nicht zu bringen:

Dir gefallen meine Texte? Das freut mich. Vielleicht hast Du Lust mir einen Kaffee auszugeben?

502 Gedanken zu „Wie haben das die Mütter damals eigentlich geschafft?“

  1. Neben vielem, das früher sicher nicht besser war, ist ein Aspekt, dass die elterlichen Ansprüche immens gestiegen sind. Das ist eine Sache, die mir bei meiner (allerdings zugegeben oberflächlichen) Lektüre zu Mental Load üblicherweise zu kurz kommt, denn dort geht es zumeist um die Verteilung von Aufgaben zwischen den Elternteilen, während nicht reflektiert wird, inwiefern diese Aufgaben denn überhaupt nötig sind.

    Du sprichst das ja an, wenn Du sagst, früher waren viele Kinder nachmittags unterwegs bis es dunkel wurde – war das wirklich so schlecht? Ist es eine elterliche Aufgabe, Playdates zu organisieren und die Kinder dort hin- und herzujuckeln, Obst- und Gemüsetellerchen herzurichten und die Kinder gar auch noch zu bespaßen? Klar, kann man machen, aber das sind halt Aufgaben on top. Ein anderes Beispiel sind Hausaufgaben, die zu meiner Kindheit im wesentlichen eine Verabredung zwischen Lehrern und Schülern waren und wer sie nicht gemacht hat, hatte halt mit Konsequenzen zu rechnen. Wenn man heute hingegen von Eltern nach einer Prüfung der Kinder hört, dass „wir das ja gar nicht gelernt haben“, dann spricht das, meine ich, Bände, denn „wir“ sollten es ja im Normalfall (d.h. jenseits von Corona) eigentlich auch nicht lernen, sondern zunächst einmal das Kind. Am frappierendsten finde ich elterlichen Perfektionismus bei der Gestaltung von Kindergeburtstagen, zugegeben ein Detail, aber durchaus beeindruckend, welchen Aufwand da allein bei der Dekoration von Geburtstagskuchen getrieben werden kann.

    Und bei alledem habe ich die Erfahrung gemacht, dass die Mütter meist mehr übernehmen als die Männer, was schade ist, aber leider auch wenig gesprächsbereit sind, wenn es um die Frage geht, ob das denn alles wirklich so sein muss oder ob es nicht auch eine Nummer kleiner geht: Z.B. dass die nächstgelegene Schule gewählt wird, damit man sich die Fahrerei spart und das Kind spätestens nach einem halben Jahr den Schulweg selbst bewältigt; dass man dem Kind zutraut, für seine Schulsachen selbst zu sorgen und es überleben wird, wenn es mal den Turnbeutel vergessen hat; dass es im Normalfall zuallererst selbst für seine Hausaufgaben zuständig ist; dass es die Freiheiten und auch das Zutrauen bekommt, auch seine Nachmittagsgestaltung in großen Teilen selbst zu übernehmen usw.

    In unserer Partnerschaft war es leider so, dass frau sich auch stets über die Belastung beklagt hat, aber schon zum Gespräch über das, was man vielleicht vereinfachen könnte, nie bereit war, alles musste stets so sein und die anderen, die machen noch viel mehr und so bleibt man ewig im Hamsterrad.

    Und wenn mann dann etwas macht, z.B. mit den Kindern zum Strand losjuckelt, dann geht das auch nicht einfach so, denn dann muss frau vorher nicht irgendeine Sonnenmilch heraussuchen, sondern genau die richtige und die richtige Kleidung usw. usf. M.a.W. Mental Load ist z.T. auch das, was man sich selbst auflädt. Und ja, Männer sind da meist schmerzbefreiter und das ist auch nicht zwingend immer schlechter, sondern manchmal einfach nur anders.

    Insofern sollten Männer natürlich mehr übernehmen als früher, aber Frauen sollten sie dann auch mitreden lassen a) welche Aufgaben überhaupt nötig sind und b) wie die Aufgaben dann erledigt werden. Wenn das gelingt, ist echte Partnerschaft möglich.

  2. Auch wenn irgendwie zu spät so möchte ich dennoch an dieser Stelle was da lassen, ich hatte deine Berechnung gesehen und dachte mir: HUT ab, das ist mutig! Und eigentlich war schon dieser Gedanke so traurig. Denn, und das ist ja kein Geheimnis: Wer sich gegen dieses unsichtbare Konstrukt der Mutterschaft und wie man es scheinbar zu tun hat, der ist in dieser Welt ein Nestbeschmutzer.

    Und es ist so schade das das heute noch so ist wie vor ~40 Jahren als meine Eltern sich für Kinder entschieden haben. Meine Mutter (aber auch mein Vater) hat ihr Leben lang darunter gelitten in dieser Zwischengeneration zu stecken: Nachkriegskind die unter dem Trauma das die Eltern inne hatten gelitten hat. Und damit wurde sie zur Mischung aus beidem: Unglaublich Autonom, aber im Süden Deutschlands Anfang der 80er immer noch eingezwängt in „so macht man das halt“. Extrem gut ausgebildet, aber dennoch nie genug wert weil kein Mann. Gezwungen lange in Teilzeit zu arbeiten um für uns da zu sein und dennoch immer zu merken das man eben nicht genug ist weil nicht den ganzen Tag zu hause wie alle anderen Mütter.
    Die Mütter haben sie das spüren lassen, die Männer haben sie nicht aktzeptiert weil Frau und Mutter und mit Teilzeit eh nicht ernst zu nehmen.

    Sie hat halt die Zähne zusammen gebissen, weil es schlicht niemanden interessiert hat. Mein Vater hat viel und lange gearbeitet damit eben halbwegs Geld da war. Und Kinder waren damals eben üblich. Psychische Überforderung: Sowas gibt es nicht!
    Knapp 40 Jahre später, 3 Enkelkinder die meine Eltern quasi nebneher mit aufziehen und vielen Gesprächen weiß ich das meine Mutter ein typischer Kandidat für Regretting Motherhood war und auch Selbstmord im Raum stand. Mein Vater der, nachdem er nun soviel Zeit mit seinen Enkeln verbringt es unglaublich schade findet soviel Zeit mit seinen Kindern verloren zu haben und seiner Frau soviel Last aufgebürdet hat. Der erst heute lernt das Kinder Zeit brauchen und meine Mutter erst heute weiß das man nicht immer ertragen muss.

    Nach nun fast 2 Monaten habe ich mich heute auch durch die Kommentare hier gelesen und ehrlich: Das früher das ich dort zu Gesicht bekomme ist für mich nicht annähernd erstrebenswert. Und es ist traurig das es so glorifiziert wird, denn es tut niemandem gut um unsere Gesellschaft soziel voran zu bringen. Ich für meinen Teil möchte die Traumata der letzten Generationen nicht weitertragen und das können wir nur wenn wir uns als Gesellschaft diesen Problemen bewusst werden.

    Liebe Grüße und danke fürs Aufstehen :)
    …aus Steglitz
    Janine

  3. Jaaaa …. Früher! …. Da war alles besser!!!! Oder schlechter.
    Das heißt natürlich nicht, dass ich nicht die Leistungen meiner Mutter, die damals ganz ohne Waschmaschine, Spülmaschine usw. den Haushalt wuppte, niederreden möchte. Aber nur, weil in den 50ern, 60ern eine 50jährige Hausfrau und Mutter schon komplett krumm gearbeitet war, waren die Zeiten bestimmt nicht besser.
    Sie waren anders.
    LG
    Sabiene

  4. Ach ja, woher kommen diese Denkmuster? Vielleicht, die die selbst die Zähne zusammenbeißen und Frust runterschlucken, gönnen der anderen auch keine Erleichterung. Vor kurzem stand in der Berliner Zeitung ein Artiküber 2Männer, deren Frauen täglich Vollzeit ins Büro gingen und sie waren zuhause und versuchten, Kinder und home-office zu wuppen, und ich dachte: was für zwei tolle Kerle. Und dann stop: bei Frauen hätte ich das ganz normal gefunden und nicht besonders toll. Das ist verrückt.

  5. Im Übrigen tun mir alle sehr leid, die in ihrer Familiengeschichte so furchtbare Beispiele für mütterliches Horrorregime hatten, väterliches kommt ja kaum vor.
    Ich glaube, dass sich viele besser fühlen, wenn sie sich in der langen Ahnenreihe von Frauen sehen, die mit ihrer Situation nicht zurechtgekommen sind. Das mag ja sein, aber das ist sicher nur ein Teil der Wahrheit. Meine Mutter und meine Großmutter waren beide Frauen, die sehr bestimmt das Heft in die Hand genommen haben und sich ihre Leben so eingerichtet haben, wie es für sie weitgehend passte. Sie haben sich beide ein unterstützendes Umfeld geschaffen. Ihre Kinder waren für beide zentral und wahrscheinlich wichtiger als ihre Ehemänner, sie haben es als ihre Aufgabe angekommen, den Kindern einen guten Start zu geben. Speziell meine Großmutter hat immer sehr gut für sich gesorgt, auch meine Mutter hat letztlich ihr Programm durchgezogen. Ich glaube nicht, dass sie so viel über ihre Gefühle von Forderung/Überforderung reflektiert haben – sie hatten die Kinder, die sie wollten, der Rest ergab sich. Meine Mutter wurde stärker in Arbeiten miteinbezogen als wir in unserer Generation und hatte immer sehr stark das Gefühl mit ihrer Mutter ein gutes Team zu bilden. Männer waren in dem Modell eher sekundär, es war ausreichend, dass sie Geld nach Hause brachten, wie es ausgegeben wurde und was mit den Kindern geschah, das war Frauensache. Niemand hat uns Mohntee gegeben, niemand hat getrunken, niemand hat uns geprügelt, niemand hat meine Mutter um 6 vor die Tür gesetzt, damit sie sich den Tag um die Ohren schlägt. Das waren keine reichen Familien, aber ich denke doch, dass deren Bilanz zum Thema Mutterschaft ganz gut ausfallen würde, liebevolle, sehr patente Mütter, berufstätig, mit dem sehr klaren Bewußtsein, von you play, you pay.

    1. Ich habe deinen Text jetzt mehrfach gelesen und störe mich sehr an Deinem Männerbild. Ich verdiene im Moment den Großteil unserer Familienkasse, nehme für mich aber auch genauso die Familie als meinen sozialen Mittelpunkt in Anspruch. Ich entscheide mit, was mit den Kindern und unserem Geld passiert und will meiner Frau nun auch ermöglichen, ihre Karrierepause nach drei Kindern wieder aufzuholen. Ich akzeptiere, wenn sich Männer und Frauen mit klassischer Rollenvorstellung finden und damit ihren Frieden finden. Ich sehe aber auch, dass es viele insb. sehr gut ausgebildete Frauen gibt, die mehr aus sich machen wollen und könnten und bereits große Schritte in diese Richtung gegangen sind, ehe sie Kinder bekommen haben. Ich würde auch darunter leiden, wenn ich einen Weg anfange, den dann abbrechen muss und jemand anderem dabei zusehen muss, wie er ihn munter weiter geht, während ich ihm dafür den Rücken frei halten darf. Obwohl unsere Voraussetzungen doch mal die gleichen waren. Das ist unfair und darum geht es bei diesen Frauen. Und es gibt auch Männer wie mich, die das stört, dazu wünsche ich mir mehr Flexibilität in unseren festgefahrenen Denkmustern.

      1. Hm, ich weiß nicht, ob wir da nicht aneinander vorbeireden. Was ich hier beschreibe, ist tatsächlich nicht mein Männerbild, sondern das ist so, wie meine Mutter und Großmutter sich in ihrem Leben eingerichtet haben. Das war ein zutiefst matriarchalisches Gefüge, in dem Frauen selbstbewußt und von Männern weitgehend unbehelligt die Weichen für sich und ihre Kinder gestellt haben. Ich habe das deshalb aufgeschrieben, weil mir hier ein bisschen zu einseitiges Narrativ über arme, gequälte, tyrannisierte Frauen vorherrscht und das tatsächlich nicht zu meiner Lebenserfahrung in diesem Familiengefüge passt. Ich wollte dieses Bild nicht verallgemeinern oder als besonders empfehlenswert darstellen – im Gegenteil, für die Männer in dieser Familie war das Ganze mühsam, die waren imme leicht an der Peripherie; sie haben allerdings auch nie versucht, sich stärker einzubringen.

  6. Mir ist die (Pseudo-)Analyse „ich werde von Müttern angegangen, aber die tun das nur, weil sie in Wirklichkeit überfordert und/oder enttäuscht und/oder verbittert sind“ ein bisschen zu billig. Ich persönlich fand die Aktion befremdlich, ohne mich in irgendeine öffentliche Diskussion einzumischen. Vielleicht könnte man ja davon ausgehen, dass die Frauen, die die Aktion kritisiert haben, genauso ihre guten Gründe dafür hatten wie die Frauen, die eine Rechnung gestellt hatten. Ein Nagel im Sarg des Feminismus wäre sicher die altbekannte und tragische Tatsache, dass Frauen nicht gelingt, an denen, die sie kritisieren, ein gutes Haar zu lassen. Notfalls sind sie dann halt verbittert, enttäuscht und keifen aus Selbstschutz. Naja.

    NB: Und natürlich war es eine Unverschämtheit der Politik, sich darauf zu verlassen, dass die Mütter das Ganze schon schaukeln werden. Nachdem man davor, wohlgemerkt, die politischen Weichen so gestellt hat, dass Mütter möglichst bald möglichst viel Erwerbstätigkeit erreichen müssen, um längerfristig keine Nachteile zu haben.

    1. Kritik ist halt nicht „Was bist du nur für eine beschissene Mutter…“, „Du kannst froh sein, dass Deine Kinder nicht vom Jugendamt abgeholt werden…“, „Ich bin total froh über die gewonnenene neue Zeit, wieso kannst Du sie nicht genießen?“

      (Und im Übrigen ist alleine das Wort „Pseudo-Analyse“ in Deinem Kommentar auch schon sehr herablassend…)

      1. Ein Analyse, die allen denen, die nicht meiner Meinung sind, pauschal irgendwelche Defizite unterstellt, halte ich für nicht sehr seriös, sorry.

        Ansonsten gebe ich Dir recht, der Ton macht die Musik etc. etc., Herumpöbeln geht gar nicht.

  7. Hallo Patricia,
    ich reihe mich mal ein bei den stillen Mitleser*innen, die sich immer wieder über deine großartigen, pointierten, ironischen und manchmal ein bisschen bösen Texte freut. Ich kann nicht zählen, wie oft ich schon den Link zu deiner Seite weitergegeben habe, davon abgesehen, dass ich mich durch all deine Podcasts und Bücher höre und lese. Von ganzem Herzen Danke!

  8. Wie sie das geschafft haben, auf Kosten der eigenen Gesundheit und auf Kosten ihrer Kinder, wurde alles schon gesagt und muss nicht wiederholt werden. Das waren harte Zeiten für Frauen, die nicht zum Vergleich herangezogen werden können. Das heißt aber nicht, dass Frauen heute keine harten Zeiten zu bewältigen hätten. Super Text! Und die Dummheit und Ignoranz sterben leider nicht aus, den Shitstorm nicht zu Herzen nehmen und bleib wie Du bist.

  9. Ich fand die Abrechnung zum Teil auch befremdlich, weil ich mir immer gedacht habe: warum habt Ihr denn von vornherein kein gleichberechtigteres Modell gelebt? Aber das Glück, dass ich habe (mir gemacht und hart gefordert habe), haben viele Frauen nicht.

  10. Das Glorifizieren der guten alten Zeit ist zum Teil auch der Unwillen und das Unvermögen, sich die aktuelle Realität anzusehen und einzugestehen. Denn macht man das, hört man zwangsläufig auf, sein Hamsterrad zu bewegen und fällt raus ?

  11. Naja, ich weiß schon wie meine Mutter und meine Großmütter das geschafft haben. Aber 1. Ist diese Erziehungsform inzwischen mit einer Anzeige beim Jugendamt verbunden und ich bin absolut nicht gewillt dass wieder einzuführen und 2. Wir hatten ein großes Gemüsebeet, eine Tiefkühltruhe mit Schweinefleisch vom Bauern und wir hatten 1 Auto und haben nicht ständig Ausflüge oder Urlaub gemacht. Man brauchte viel weniger und investierte mehr Zeit darin Lebensmittel selbst zu erwirtschaften und selbst zu kochen. Meine Großmutter hatte 2 Kellerregale voll mit Eingemachten.
    Die Quittung hat meine Mutter aber inzwischen. Sie ist mit ihrem rentenbescheid knapp über der Grundsicherung. Ihren erlernte Beruf konnte sie nach 12 Jahren Elternzeit nicht ausüben. Als meine Schwester Krebs hatte wurde sie nicht freigestellt, sondern musste ihren job kündigen um sich um sie kümmern zu können. Ja wie haben sie es damals eigentlich geschafft. Sie sind genauso oft gescheitert wie wir heute, nur haben sie ihren Mund nicht aufgemacht sondern geschluckt was ihnen zugemutet wurde. Daher Scheitern als Chance wahrnehmen und darüber sprechen und der gescheiterten Generation zeigen, dass sie es hätten besser machen können!!!
    LG Christine

    1. Ich möchte ein Herz und einen Wutschrei hier lassen.

      Ja.
      Sie haben es geschafft. Der Preis war unter anderem ALTERSARMUT und Scheitern und Traumata.

      Ersteres – Altersarmut – ist VERDAMMT nochmal gesamtgesellschaftliche Verantwortung und Entscheidung.

  12. Danke Dir für deinen Einsatz.Ich habe ebenfalls mit Verwunderung und Unbehagen feststellen müssen , dass die übelsten Kommentare von anderen Frauen/ Müttern stammen. Dieser Aspekt hat mich längere Zeit beschäftigt .Ich denke für einige Frauen/ Mütter ist es zunächst ein äußerst schmerzhafter Prozess festzustellen, dass die Vereinbarkeit von Familie, Beruf und eigenen Bedürfnissen nur unter sehr, sehr , sehr optimalen Bedingungen so umsetzbar ist, wie frau sich das wünscht. In den meisten Fällen sind solch optimale Bedingungen jedoch nicht gegeben.In einer Gesellschaft, in der Elternschaft einen so niedrigen Stellenwert hat, wie in Deutschland , schon gar nicht.

    Ich kann mir vorstellen, dass diese üblen Reaktionen, als eine Art Selbstschutz für die Shitstormer*innen fungieren. Nach dem Motto: ‚Wenn ich mir und anderen immer und immer wieder einrede, dass das alles zu schaffen ist, dann klappt es auch. Und ich muss mein Leben ( das vielleicht gar keines ist, da es zum großen Teil aus Funktionieren besteht) nicht weiter hinterfragen. Ich bekomme das ja alles hin. Die anderen , die jammern sind vielleicht einfach zu blöd…‘

    Das kann natürlich eine Methode sein, mit diesem Wahnsinn umzugehen- Auch , wenn sie meiner Meinung nach sehr fragwürdig ist. Denn damit werden andere, die sich ihrer Menschlichkeit bewusst sind, und in diesem Wahnsinn eben nicht mehr nur funktionieren wollen und können , als unfähig degradiert.

    Was wir sicherlich fast alle gemeinsam haben : Wir wollen gut für unsere Kinder sorgen können. Dies geht am besten, wenn wir weitestgehend unbeschwert sind und hin und wieder auch für uns selbst sorgen können. Unbeschwert können wir jedoch nur sein, wenn wir unseren Platz in der Gesellschaft haben, wenn gesehen wird was wir tun ,wenn dies entsprechend honoriert wird und wenn uns Zukunftsperspektiven geboten werden. Kinder großzuziehen ist definitiv nicht nur eine Privat-Angelegenheit: Wenn ein weitestgehend gesundes Aufwachsen von Kindern gewährleistet ist, profitiert die gesamte Gesellschaft davon. Schon allein aus Kostengründen ist es absolut nicht verständlich , dass diese Machbarkeitslüge aufrechterhalten wird. Der Preis hierfür ist groß: Die Zahl derjenigen , die in Deutschland wegen stetiger Überlastung ( psychisch ) erkranken steigt stetig, die Zahl der verhaltensauffälligen Kinder ebenfalls. Woran das wohl liegen mag? Schade, das Geld das die Gesellschaft hierfür aufwenden muss ,könnte auch dafür eingesetzt werden, dass es erst gar soweit kommt.

  13. Und mal eine Männermeinung dazwischen: Erstmal danke fürs Aufstehen!
    Ich fürchte aber, die Veränderung der Frauenrolle geht nur über eine Drohkulisse, um endlich auch mal die Männer zu mobilisieren, dass hier auch etwas für sie auf dem Spiel steht: Was, wenn Frauen keine Kinder mehr in unsere Welt bringen wollen? Wer zahlt dann unsere Rente, wer rückt nach? Was, wenn die Frauen einfach nicht da sind als doppelter Boden bei der Betreuung?
    Als ich Vater wurde, wurde mir klar, wie abstrakt schön die meisten Männer bis heute Familie begreifen, wie viel einfacher es angepasste Frauen in dieser fabulierenden Männerwelt haben und wie sich diese Meute bis heute auf emanzipierte Frauen stürzt, wenn sie zu viel von ihrem Platz abweichen. Und wie unfair und sogar volkswirtschaftlich dumm doch immer noch das meiste in unserer heutigen Familienpolitik läuft, von ausgefallenen Rentenzeiten über Unterhaltsansprüchen, lächerlichen Vätermonaten, die trotzdem in der Arbeit diskutiert werden müssen, bis hin zum Splitting ist, das die gedruckte Bescheinigung einer unbeweglichen Gesellschaft ist. Den volkswirtschaftlichen Schaden könnte man übrigens auch berechnen… Mir ist es ernst: Wir reden am Ende darüber, ob wir Männer wirklich wollen, dass ihr Frauen unsere Kinder nicht mehr haben wollt, weil Familie mehr Nachteile als Vorteile für Euch bringt? Es geht um unser aller Wohlstand, nicht darum, nur euch Frauen ein kleines Zugeständnis zu machen. Das mit Zahlen exemplarisch vorzurechnen finde ich nur eins: sehr intelligent.

      1. Tja, ich weiß nicht, wie das auf der individuellen Ebene ist. In meinem Umfeld war die Auffassung sehr verbreitet, dass Männer gar keine Kinder wollen, sondern nur in Kauf nehmen, damit die Frau dableibt. Und ich kenne keine Familie, in der der Vater der mit dem konkreten Kinderwunsch war.
        Es könnte also ganz schön lange dauern, bis die Drohkulisse tatsächlich wirkt… Und dann werden erstmal die Frauen verantwortlich gemacht.

        1. Ich kenne eigentlich keine Familie, wo der Kinderwunsch explizit vom Mann ausging. Die Initiative kam in allen Fällen von der Frau, die Männer haben mehr oder weniger begeistert mitgezogen. Aber der Kinderwunsch und die Kinder, die sind klar bei der Frau verortet, egal, wiel alt, wohlhabend und gebildet die beiden Eltern waren.

          1. ich bin so ein Mann, sorry. Mein Kinderwunsch war dringender als der meiner Frau, heute haben wir drei. Ich weiß aber auch, dass das eher selten ist, glaube aber, dass es im Moment unter Männern einen Trend gibt, dass Kinder zu haben langsam „cooler“ wird. ?

        2. Deine Erfahrung ernst nehmend, möchte ich korrigierend persönliche Evidenz daneben stellen: Ich kenne Väter mit großem Kinderwunsch. Und Mütter ohne oder mit geringem Kinderwunsch.

  14. Ich weiß von meiner Oma, das ihre Mutter die 2 großen Mädchen zu den Großeltern geschickt hat, weil sie mit den neugeborenen Zwillingen schon ausgelastet war. Die Mädchen blieben 6 Jahre bei den Großeltern im Nachbarort. Es war früher ganz und gäbe, Kinder zeitweise oder ganz bei Verwandten unterzubringen, wenn das Geld oder der Platz fehlte. Und mit 5 Jahren (das war1930) musste meine Oma ihrer Oma beim Kochen, Putzen und der großen Wäsche helfen. Und als sie wieder zu Hause bei ihren Eltern lebte, musste sie nach der Schule in Haus und Garten helfen. Das war früher einfach so Standard.

  15. Tja, wie haben die das geschafft? Bei uns: Oma gibt die fünf Kinder bei den benachbarten Nonnen ab und geht bei Opa im Betrieb (unentgeltlich natürlich) mit arbeiten. Die “Betreuerinnen“ regieren mit Kälte und Härte, die Kinder sind bis heute traumatisiert…


  16. Liebe Patricia,
    Dass du für deinen Artikel mitten in einem Shitstorm gelandet bist, erfüllt mich mit Entsetzen. Ich finde es so wichtig, dass es Frauen wie dich gibt, die auf die Gleichberechtigungs-Themen aufmerksam machen. Auch mir selbst wird erst durch deine Arbeit immer wieder klar, wie viel da in unserer Gesellschaft noch zu tun ist. Daher danke ich dir aus vollem Herzen für deine Stimme, die du auch in meinem Namen laut gegen diese Missstände erhebst! Vielen Dank!

    1. Ich möchte mich meiner Vorrednerin anschließen und dir danken.
      Ich fand die Rechnung genau die richtige Mischung aus Offenlegung der Problematik und Ironie. Ich habe über die tolle Idee herzlich beim Lesen gelacht und wollte damit einigen Leuten damit auf humorvolle Weise die Augen öffnen, indem ich die Rechnung teile. Schade, dass das nun nicht mehr geht, nur weil so viele Leute es nicht ertragen, das du/wir uns dafür einsetzen, dass es uns mal besser geht, als ihnen.

  17. Danke für diesen tollen Artikel!
    Und danke für all die Kommentare, wie Mütter das vor 70 Jahren geschafft haben. Es ist nicht schön zu lesen, aber es zeigt sehr gut, wie sinnlos diese Kommentare zu „Oma zog sieben Kinder im Schnee groß und beschwerte sich nie“ sind. Mir nehmen diese Beispiele ganz viel Druck…

  18. Ich bin ansonsten stille Mitleserin und bei allen Blog Einträgen von Dir auf Deiner Wellenlänge.
    Du bist so seit Jahren meine innerr Internetfreundin, die das schreibt, was ich denke. Gern würde ich dir analog einen Kaffee ausgeben und den mit Dir trinken und quatschen.

    Lange Rede, kurzer Sinn:
    Es tut mir leid, dass Dir der Shitstorm passiert ist, nur weil Du benannt hast, was ist.

    ??

  19. Das Ertragen meiner Großmütter hat dazu geführt, dass Familientraumata sich vererbt haben. Jede Mutter (und Vater) hatte jeweils ihr Päckchen vererbt. Bis es nicht mehr ging. Darüber müssen wir uns klar sein: wenn wir unsere Überlastung verdrängen, schadet es unseren Kindern.

  20. Vielen Dank für diesen tollen Blog-Beitrag.

    Die wichtigste Erkenntnis für mich darin ist der Satz: „Überlastung wird glorifiziert.“

    Das ist so wahr!
    Bist Du nicht überlastet, dann bist Du nichts wert. Genau so wurde ich geprägt.

    Schluss mit dieser Denkweise!

  21. Vielen, vielen Dank für diesen tollen Artikel!

    Ich bin sonst immer die typische stille Mitleserin im Internet, aber angesichts der Tatsache, dass so viele Mütter, die an der Aktion teilgenommen haben so sehr mit Häme und Hass überzogen werden, finde ich es wichtig, dass ihr wisst, wie sehr diese Aktion und auch die vielen Artikel dazu mir und noch vielen anderen im Bekanntenkreis aus der Seele sprechen.

    An alle anderen stillen Mitleser, die sich vielleicht nicht trauen zu kommentieren, weil sie denken es sei banal oder unwichtig: Werdet laut, wenn euch ein Blogeintrag gefällt – sagt einfach Danke. Auch das ist wichtig, um die beleidigenden, respektlosen Stimmen leiser werden zu lassen.

    In diesem Sinne – alles Gute und lasst euch nicht unterkriegen.

    Liebe Grüße, Anna

  22. Danke.Die Glorifizierung von „damals“ nervt .Kinder wurden oft nur in den Laufstall gesetzt u. sich selbst überlassen.Wenn sie nicht gespurt haben, bekamen sie ein paar geknallt.Das war der Preis für den Tip Top Haushalt. Dazu keine eigene Rente.?

  23. Vielen Dank für diesen wundervollen Text. Als alleinerziehende Mutter von Zwillingen bin ich gerade in den letzten Wochen öfter an meine Grenzen gekommen. Wenn ich anderen Leuten davon erzähle, bemerke ich oft, wie unwohl die sich dabei fühlen. Kommentare in den sozialen Medien kann ich schon seit geraumer Zeit nicht mehr lesen. Spätestens als eine Mutter von drei Kindern schrieb „kein Wunder, dass Alleinerziehenden die Kinder weggenommen werden, wenn die immer so jammern“, ist mir klar geworden, dass ich in diesem Land, in dieser Ellenbogengesellschaft nicht mehr leben möchte und ich meine Kinder hier nicht aufwachsen sehen möchte. Viele reden davon, wie diese Krise uns zusammenwachsen lassen hat, ich sehe nur, wie schlecht Menschen sein können.

  24. Liebe Patricia,

    ich teile deine Meinung voll und ganz und bewundere dich dafür, dass du dich dem ganzen social-media-sh** überhaupt aussetzt. Mir reichen ja schon die verschieden Schul- und Kita-WhatsApp-Gruppen für meine tägliche Dosis Wahnsinn.
    Liebe Grüße und eine dicke Umarmung, Britta

  25. Da kommt mir immer der Satz meiner Oma in den Sinn, als Junior ca. 3Wochen alt war:“Schläft er schon durch? Wir haben die Kinder ja immer Nachts in den Hausflur gestellt, da haben wir nicht gehört wenn sie geweint haben“.

  26. Ich kann nur aus meiner Kindheit berichten und wie meine Mutter das geschafft hat, die immer berufstätig war (nach einer Babyzeit erst halbtags, dann aber wieder voll, sobald ich einen Schlüssel im Schloss umdrehen konnte). Und ich kann mich auch gut an die Maxime „wenn es dunkel wird, wahlweise wenn die Glocken läuten, bist du zu Hause“. Es war bestimmt hart, aber es wurde auch dezent weniger Geschiss um Kinder gemacht. Sowohl, was den Konsum anging, als auch in Sachen Betreuungsaufwand. Da war mehr kindlicher Freiraum, was auch die elterliche Carearbeit kleiner hielt. Wenn ich mir angucke, was allein eine Kollegin geackert hat nur um die Einschulung eines Kindes. Mit dem gleichen Aufwand hätte man auch eine Mondlandung organisiert. Wo kommen diese Erwartungen her? An welcher Stelle sind die auf einmal aufgepoppt?

  27. Wenn man jeden berechtigten Protest von Frauen als Hysterie verunglimpft, sie in Sanatorien schickt, schlagen darf, von Bildung und Politik ausschließt, ihnen die besseren Jobs (oder Erwerbsarbeit überhaupt) verwehrt und ihre Publikationen missachtet, nur dann hört man sie nicht!

    Wenn sich dann einige Missstände durch Protest und Kampf anfangen aufzulösen und man die Frauen ein wenig hört und sieht, dann kommt man mit dem Mythos um die Ecke, so etwas habe es früher nicht gegeben.

    Wieder werden sichtbare Frauen als fehlerhaft gedeutet.

    Musterhaft

  28. Ich weiß, wie meine Großeltern es mit ihren Kinder geschafft haben. Alkohol und Prügel, drakonische Strafen.
    Die Kinder waren wenn möglich den ganzen Tag draußen mit anderen Kindern unterwegs. Die Großen passen auf die Kleinen auf.
    Die Großeltern dazu noch kriegstraumatisiert. Fertig ist die perfekte Bullerbükindheit. Nicht.
    Diese Kindheit mussten meine Eltern aufarbeiten (leider erst während meiner Kindheit, aber zum Glück überhaupt), und ich natürlich ebenfalls noch.
    Ich weiß aber auch aus Erzählungen, wie es bei meinen Urgroßeltern zu ging. Noch härtere Strafen, noch schlimmere Prügel.

    Und nun noch was nettes. :D
    Ich fand deinen Artikel toll und lese seit Jahren gerne still bei dir mit. <3

  29. Mir hat eine Mutter meiner Muttergeneration mal erzählt, dass sie ihr Baby einfach alleine zuhause im Bett gelassen hat und arbeiten gegangen ist. Der Arbeitsplatz sei nah genug gewesen, um regelmäßig nach dem rechten zu schauen und das Baby zu füttern. Es hätte ja nichts passieren können, das Baby war sicher im Bettchen aufgehoben und geschrieen hätte es auch nie…

  30. Meine Geschwister (10+14 j. Älter) mussten den Nebenerwerbs-Bauernhof voll mit versorgen. Icc lief später einfach so mit, essen gab’s von Oma, HA-Hilfe von der Nachbarin (ex-Lehrerin) und als familienhighlight der sonntägl. Spaziergang mit Hund. Es gab ein dörfliches Netzwerk…

  31. Wie haben Mütter das damals geschafft? Als mein Vater 1956 auf die Welt kam war meine Tante bereits sechs Jahre alt. Meine Oma musste arbeiten gehen. Also hat das sechsjährige Mädchen einen Wecker bekommen der alle 4 Stunden klingelte. Alle 4 Stunden nahm sie das Baby aus dem Bett gab ihm eine Flasche wickelt es und legt es dorthin zurück.

    Vor einigen Jahren musste ich eine Arbeit schreiben zum Thema soziale Frage im 19. Jahrhundert. Die Quellen die ich dort gelesen habe, unter welchen Umständen die Frauen ihre Kinder verwahrlosen und sterben haben lassen, um arbeiten gehen zu können, konnte ich zum Teil gar nicht zu Ende lesen weil es einfach zu grausam war. So haben Mütter das geschafft.

    Vereinsamung
    Verwahrlosung
    Wegsehen

    Traurig, dass wir uns heute damit vergleichen sollen….

    Danke für deinen Beitrag

  32. „Für jedes Kind einen Zahn“
    „Die Hochzeit ist der erste Schritt ins Grab“
    Nein, unsere Großmütter haben nicht „gejammert“, sondern diese Sprüche gebracht und es war einfach eine Zustandsbeschreibung. Sie hatten keine Alternativen. Und haben die Arbeit geschafft, indem sie die Kinder festgebunden oder mit Mohntee betäubt haben, später die größeren Töchter angestellt. Bis weit ins 20. Jahrhundert. Und ein Haufen Kinder und manche Frauen haben es eben nicht „geschafft“, sondern sind schlicht gestorben.

  33. Danke, danke, danke für deine Arbeit und deine Texte. Das hildt mir immer, mich klar zu ziehen in dem Argumente-Geschwurbel. Und ich sind absolut zu: in meinem Umfeld (Geburtsjahrgang 1980) gab und gibt es fast nur Hausfrauen als Mütter, von denen konservativ geschätzt 70 Prozent psychische Probleme haben oder hatten. Manche diagnostiziert und in Behandlung, viele nicht. Begonnen bei meiner Mutter, die sich zu Tode getrunken hat und ein valider Grund dafür ist, dass ich niemals Hausfrau sein könnte. Das ist, wenn nicht per se ungesund (was ich nicht ausschließen würde), mindestens verstärkend für alle psychischen Probleme, die jemals auftauchen könnten.

  34. Leider muss ich sagen das mich das nich überrascht hat. Am Anfang der „ich werde papi“ Phase hab ich mit erschrecken die Diskussionskultur in Elternforen gesehen und das hat mich nachhaltig verstört. Das sagt jemand der seit den 90ern im Netz ist.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Mehr als 5x können Sie in einem Monat nicht kommentieren. So sorry! Ist das Gegenteil der Fall und sie möchten einen Kommentar hinterlassen, wissen aber nicht, was sie schreiben sollen, dann nutzen Sie den KOMMENTAROMAT! Ein Klick auf einen der Buttons unten trägt automatisch die gewählte Reaktion in das Kommentarfeld ein. Sie müssen nur noch die Pflichtfelder "Name" und "E-Mail" ausfüllen und den Kommentar abschicken