Sind die „neuen Mütter“ die besseren Väter?

„Es ist wirklich so toll, dass deine Frau euren Kleinen am Mittwoch Nachmittag abholt!“ sagt Peter begeistert zu seinem Freund Steve. Seiner Tanja ist das leider nicht möglich.

Sie ist Teamleiterin in einem großen Konzern. Auch wenn man da eigentlich auf Familienfreundlichkeit setzt, ab Teamleiterebene ist es einfach nicht mehr möglich schon am frühen Nachmittag nach Hause zu gehen. Tanja hat schließlich eine Vorbildfunktion, da sieht es einfach nicht gut aus, wenn sie schon um 16 Uhr verschwindet. Sie würde das wirklich gerne machen. Das ein oder andere Gespräch hatte sie mit ihrem Chef schon. Am Ende war aber klar: Es geht nicht.

Glücklicherweise waren sie so flexibel dass Peter zuhause bleibt. „Man hat die Kinder schließlich nicht um arbeiten zu gehen!“, sagt Peter. Trotzdem ist es natürlich toll, wenn auch die Mutter sich an der Kindererziehung beteiligt. Es ist ja außerdem nicht so, dass Tanja nichts tut. Wann immer es geht, kümmert sie sich um die Kinder. Abends, wenn sie um 20 Uhr müde und erschöpft von der Arbeit kommt, liest sie vor.

Peter denkt an Steves Frau. Die hat durchgesetzt einen Nachmittag mit den Kindern zu verbringen. Sie gehört zu den sogenannten „Neuen Müttern“. Ava, so heißt sie, sind die Kinder einfach eine Herzensangelegenheit. Sie geht einmal in der Woche mit ihnen auf den Spielplatz. Aber das ist bei weitem nicht alles. Sie wechselt sich mit Steve auch am Elternabend ab. Sie weiß, was die Kinder gerne essen und auch wenn ihr gesunde Ernährung wichtig ist, drückt sie mal ein Auge zu: Pommes mögen schließlich alle. Ava ist eine entspannte Mutter. Das hat sie Steve voraus. Steve ist oft unentspannt und streng. Hat ganz eigene Vorstellungen wie das mit den Kindern zu laufen hat. „Dabei finden es die Kinder eigentlich ganz schön, wenn man mal fünfe gerade sein lässt.“ sagt Ava schmunzelnd.

Es war für Steve und Ava nicht immer leicht.

Ava hat mit ihrem Chef viele Diskussionen führen müssen, aber am Ende war klar: Direkt nach der Geburt der Kinder bleibt sie zwei Monate zuhause. Beide waren sich schon vor der Geburt einig: für die Bindung zu den Kindern ist es elementar, dass beide Elternteile präsent sind.

Am Anfang war es anstrengend für Ava. Aber sie hat die Zähne zusammen gebissen und ist nachts auch aufgestanden, um den Nachwuchs zu füttern. Steve durfte dann weiterschlafen. Schließlich hat er den Frühdienst übernommen.
Schwierig wurde es erst nach Ablauf der 8wöchigen Elternzeit: Durch den wenigen Schlaf war Ava unkonzentriert auf der Arbeit. „Das kann ich mir nicht leisten,“ sagt sie. Man merkt ihr das Bedauern an. „Am Ende haben wir uns entschieden, dass die Kinder bei Steve schlafen und ich im Gästezimmer. Irgendwann wird das sicherlich anders, aber jetzt müssen wir das so regeln. Als Kompromiss schmiere ich morgens die Schulbrote. Das entlastet Steve wenigstens ein wenig.“

Wenigstens das mit dem Abholnachmittag konnte Ava durchsetzen. „Ich möchte das unbedingt, schließlich liebe ich meine Kinder!“ Unter der Hand erzählt uns Ava: Außerdem ist es nicht immer leicht Steve die Kinder abzunehmen. Sie würde viel mehr machen, wenn Steve sie machen lassen würde. Aber Steve lässt Ava ungern auf sein Territorium. „Alleine wie Ava die Kinder manchmal anzieht!“ Steve winkt lachend ab „Da passt kein Kleidungsstück zum anderen.“

Aber am Ende des Tages ist Steve froh eine Frau wie Ava zu haben. Das Familienmodell von Peter wäre ihm nichts. Doch das würde Steve seinem Freund Peter nicht sagen, der hat es sich schließlich ausgesucht und jeder Mensch muss für sich entscheiden, wie es am Besten klappt Familie und Job unter einen Hut zu bekommen.

 


 

Andere Gedanken zum aktuellen Spiegeltitel: „Sind Väter die besseren Mütter?“ nachzulesen bei Jochen König „Der Spiegel und die Väter“ oder Leitmedium „Väter sind auch nur Eltern„. Zum Begriff „Maternal Gatekeeping“ habe ich auch schon mal was geschrieben.

Autorin: dasnuf

Aha! Google doch "dasnuf" Muhahahahaha!

60 Reaktionen zu „Sind die „neuen Mütter“ die besseren Väter?“

  1. Sehr cool – Leider sehe ich in meinem Umfeld tatsächlich selten, dass sich Eltern wirklich die komplette Arbeit gerecht aufteilen (gerecht muss ja nicht bei jeder Kleinigkeit 50% sein, aber halt so, dass Beide am Ende des Tages gleich erschöpft/erholt/zufrieden mit der Aufteilung sind).
    Wir sind da leider echt ne Ausnahme, was ich auch total traurig finde, wenn ich denke, dass es unseren Kindern noch so vorgelebt wird, wie es vor 159 Jahren war…

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  2. Dieser erhellende Effekt lässt sich auch sehr gut erreichen, wenn man Kindern ihre Kinderbücher mit vertauschten Geschlechtern vorließt. Die Katze Finda, das Sioux-Mädchen Yakari mit ihrem Mustang-Mädchen Kleiner Donner, und auch bei den Kindern von Bullerbü öffnen sich Jungs und Mädchen ganz neue Tätigkeitsfelder, wenn ihre Namen vertauscht werden. Glücklicherweise lassen sich meine Kinder sehr gern vorlesen, so dass ich immer noch die Namenshoheit über die Kinderbücher habe. Nur bei Harry Potter war ich leider nicht schneller als die Hörspiel-CDs.

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    1. Dass Yakari ein Mädchen ist, sieht und vor allem hört man den Filmen doch überdeutlich an. Meine Kinder haben echt gestutzt, als sie irgendwann mitkriegten, dass das ein Junge sein soll.

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  3. das ist eine replik auf irgendwas im „spiegel“, oder?

    die vermutung kam mir erst im letzten absatz, was dann auch den seltsamen tonfall etwas erklärte.

    mal ehrlich: lesen sie den aus nostalgie? seien sie doch nicht grausam mit sich selbst, das gibt keine extrapunkte!

    .~.

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  4. Danke.
    Made my day.
    Zumal du konsequennt alle Lebensbereiche abarbeitest, in denen die Verteilung in Deutschland weiterhin ungerecht ist und gleichzeitig die „Mehrmacher“ so gepriesen werden.

    Ich weiss nciht, wo ich es las, aber es fasst für mich den Kernpunkt zusammen:
    Auch die wenigen Eltern, die 50/50 zu leben versuchen, werden ständig extern unter Druck genommen, denn
    100% erwartet und 50% geliefert (Frau)
    und 0 % erwartet und 50% geliefert (Mann)
    werden von anderen verdammt unterschiedlich gewertet.

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    1. @fujolan: 50/50 Aufgabenverteilung ist enormer Druck. Da muss man ständig aufpassen, man stelle sich nur vor die Frau macht 51%! Oder der Mann !!1!1!elf!

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  5. Da es sonst ein sehr langer Kommentar geworden wäre habe ich ein wenig mehr auf meinem Blog dazu geschrieben – aber in der Kurfassung bin ich über Jessica’s Kommentar weiter oben gestolpert und musste mir ein wenig verwundert die Augen reiben…das beschriebene Modell weiter oben ist einfach Mist – egal welches Geschlecht das jeweilige Elter hat.

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  6. Ein drittes Mal (ich habe die beiden Kommentierenden mit dem gleichen Hinweis wahrgenommen, will aber noch einmal bekräftigen): Die Töchter Egalias!

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  7. Komisch. Ich musste mir tatsächlich die Kommentare durchlesen um zu merken, dass der Text satirisch gemeint ist. In meinem Umfeld ists normal, dass es geschlechtsunabhängig ist, wer daheim bleibt. In welchen Steinzeitfamilien und Firmen befindet ihr euch? Und wieso habt ihr es so geregelt, wie ihr es nicht wollt? Außer in puncto Mutterschutz, der biologisch bedingt ist, ist es den Familien freigestellt, wie sie es regeln.

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    1. geht mir auch so. meilenweit von dem entfernt, was ich in meinem umfeld erlebe. bildzeitungs- oder spiegelleser kenne ich auch keine.

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    2. Ich weiß nicht, in was für einer hübschen Bubble Sie alle leben – hier in meiner ist das Modell „Papi malocht gaaaanz viel und Mami geht halbtags“ Standard; die Unzufriedenheit von Müttern und, soweit ich das sagen kann, Vätern scheint sich in Grenzen zu halten. Mag am tendenziell höheren Alter der Eltern liegen – wer mit 40 schwanger wird, weiß sowieso, dass keine große Karriere auf sie wartet; dazu hat sie bereits lange gearbeitet und Bock auf einen anderen Fokus, den auf die Familie. Und die Männer sind oft in Positionen, die sie nicht durch Fokus auf die Familie gefährden wollen.
      Meine andere Vergleichsposition ist Land in Kleinstadtnähe, und auch da herrscht das Modell Mama= Halbtagsarbeit, Papa= schwer beschäftigt vor. Nochmal, ich möchte das nicht werten, es scheint mir einfach so zu sein.

      Es scheint mir, dieses „Wir teilen alles so gerecht wie möglich“ ist eher auf jüngere Paare in urbanen, oftmals unkonventionellen Lebenszusammenhängen beschränkt?

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  8. Als ich bei den großen Kindern eine Zeitlang alleinverdiener gewesen bin, wurde ich aus Meetings geholt von sehr ignoranten Frühpädagogen. Einmal wirbelte das Jugendamt durchs Haus, weil eine Dame aus der Nachbarschaft meinte das dies so nicht geht. Heute bin ich daheim und der Papa wird gefeiert, wenn er vor der Arbeit Muffins in die Kita bringt. Die backe nach wie vor ich.

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  9. Made my day. Danke Patricia. Es soll ja durchaus Familien geben, die gar nicht so weit von diesem „Modell“ entfernt sind. ;-) Und die Kinder überleben’s auch.

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  10. ******************KOMMENTAROMAT**********************
    Gerne gelesen
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    und abgrundtief geseufzt. Es gibt nichts Neues in der Welt … also dranbleiben und die Zehen zusammenbeißen!

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  11. Wie leicht es sein kann! Einfach umkehren und die Absurdität der Diskussion liegt in null komma nix auf dem Tisch. Hoffentlich lesen viele Väter (und Mütter) deinen Text.

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  12. Kennst Du eigentlich „die Töchter Egalias“ von Gerd Brantenberg? (Die Autorin ist Norwegerin, da ist Gerd ein Frauenname) Diese Ertöhling aus den 0ern oder frühen 80er halte ich für feninistische Pflichtlektüre. Sie beschreibt, wie Dein Text hier, eine Gesellschaft, in der de Frauen bestimmen und beruflichen Erfolg haben. Ist ja auch völlig logisch – schließlich kriegen ja die Männer die Kinder!

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  13. Leicht Off-Topic: Getrennte Betten finde ich irgendwie genauso traurig in einer Beziehung wie „wir schenken uns nichts“. Wenn man 30 Jahre verheiratet ist ok, aber mit Mitte 30??

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  14. Toll, danke. Was ich total schade finde ist, dass ich sowas schon in den 80ern gelesen habe und es noch genauso aktuell ist.

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  15. ******************KOMMENTAROMAT**********************
    Gerne gelesen
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    Gute Idee! Da merkt hoffentlich auch der letzte 50er-Jahre-Familienmodell-als-Normalität-Verfechter*, wie absurd das ist, wenn ein Part nur so nebenbei mitläuft.

    * Das soll niemanden beleidigen, der die Kernfamilie für sich am besten findet, sondern herausstellen, dass es auch intolerante Menschen gibt, die arbeitende Mütter als Rabenmütter betiteln. Und schlimmeres.

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    1. Ich lebe im Moment dieses Familienmodell und muss sagen, es kommt nicht ganz von ungefähr. Ich habe nach 20 Jahren Erwerbstätigkeit gar nichts gegen eine Pause und genieße jeden Tag mit dem Kind und der Papa ist in einem Job und einer Position, wo um 4 gehen eher nicht so drin ist und arbeitet sehr gern in diesem Job, steht sich aber weniger auf Babybetreuung. Natürlich sind damit Weichen gestellt, die für mich später größere Verantwortung für die Tagesgestaltung des Kindes und weniger Geld bedeuten werden, aber hey, you play, you pay. Ich zahle mit niedrigerer Rente später, der Papa zahlt mit weniger Zeit mit und weniger enge Beziehung zum Kind. Die Alternative in unserer Situation wäre gar kein Kind. Auch nicht toll.

      Disclaimer: dies ist keine Wertung der Modelle anderer Menschen. Macht, was immer für Euch stimmig ist und geht. Viele Wege führen nach Rom. Das ist unserer.

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  16. ******************KOMMENTAROMAT**********************
    Made my day
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    Super. Wie einfach Dinge ad absurdum geführt werden können, wenn eine es einfach mal umdreht.

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  17. Toller Text. Ich finde auch, dass Mütter sich mehr um ihre Kinder kümmern und nicht nur die Karriere im Blick haben sollten. Das hätte es früher nicht gegeben!

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  18. ******************KOMMENTAROMAT**********************
    Gerne gelesen
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  19. Es schmälert den Text in keiner Weise, aber „Zehen zusammenbeißen“ finde ich als Redewendung noch nicht in meinem Wortschatz.

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