[Anzeige] Let’s talk – Jugendliche kommen selbst zu Wort – Anna

Zusammen mit SCHAU HIN! Let’s talk S03E01 mit Anna

Im Zentrum meiner Serie Let’s talk stehen die Chancen, die digitale Medien mit sich bringen. Nachdem ich in der ersten Runde v.a. allgemein über Nutzung und Plattformen gesprochen habe, wurde es in der Folgerunde konkreter und Eltern berichteten mir von ihrem Familienalltag mit digitalen Medien. Jetzt kommen Jugendliche selbst zu Wort.

Interviewpartnerin Anna (16 Jahre alt)//Avatar gezeichnet von Kiki Thaeringen

Wie alt bist du?

16

Seit wann nutzt Du digitale Medien?

Ich nutze die digitalen Medien seit ich ungefähr 11-12 bin; also insgesamt nun fast 5 Jahre.

Welche drei Dinge machst du am meisten mit digitalen Medien?

Am meisten lese ich eigentlich (Fanfictions), schaue YouTube Videos (jedoch höre ich größtenteils Musik über Youtube) und google nach Dingen, die mich interessieren. Nebenbei bin ich auch noch bei mehreren RPG-Seiten (Role-Play-Game).

Wie handelt ihr zu Hause Regeln in Bezug auf digitale Medien aus?

Als ich noch jünger war, also 11-12 und bei meinem Vater lebte, gab es maximal zwei Stunden Internet – egal ob für die Schule oder privat. Es wurde alles gleich berechnet.
Jetzt gibt es eine einzige Regel: Solange ich mein Zeug, das heißt: Hausaufgaben, Lernen etc. fertig habe, kann ich solange dran bis ich ins Bett gehe.

Findest du das gut?

Die Reglung meines Vaters finde ich vom Ansatz zwar nicht verkehrt aber die Umsetzung extrem unglücklich. Weil wenn ich ein Referat machen muss und dafür eben vier Stunden recherchieren muss, darf ich das nicht, weil ich meine private Internetzeit aufgebraucht habe? Ich finde, man sollte Schule und Freizeit bei solch einer Regelung doch nochmal trennen, da es einfach unfair ist, dass die Schule einem offensichtlich Freizeitprogramm rauben darf.
Ich finde unsere jetzige Reglung Zuhause sehr gut, da sie auch sehr gut klappt. Wenn ich mit allem fertig bin, ist es meine Sache, ob ich am Rechner Geschichten schreibe; Musik per YouTube höre oder Fanfictions lese. Solange mein Real Life (normales Leben) dadurch nicht leidet, ist es ja meiner Meinung nach meine Sache, was ich mit meiner Freizeit mache.

Stell dir vor du hast Kinder – wie würdest du das mit den digitalen Medien regeln?

Also ich würde sagen, es kommt ganz auf das Alter meiner Kinder an. Wenn sie unter zwölf sind, würde ich (mit Kindersicherung eingeschaltet) zwei Stunden Internet maximal erlauben – aber wie bereits erwähnt: Schule und Privates trennen.
Wären sie jedoch älter als 12 oder 13 sind, dann wäre es mir egal, solange sie nichts illegales im Internet machen und ihre Real Life Sachen fertig haben. Leiden jedoch Hausaufgaben, Schule etc. unter ihrem digitalen Medienkonsum, dann würde ich erstmal gucken, warum mein Sohn/meine Tochter so viel in den digitalen Medien verweilt und dann entsprechende Maßnahmen ergreifen oder aber das Internet für eine gewisse Zeit streichen (jedoch nur für den privaten Raum).

Wie werden digitale Medien in deiner Schule eingesetzt/genutzt?

In meiner alten Schule (Realschule) haben wir mit digitalen Medien eigentlich recht wenig zu tun gehabt. Also außer mal für ein Referat. Das ist in der Berufsschule jetzt doch schon ganz anders. Wir googeln auch mal was oder schauen etwas nach. Aber dennoch: Handy im Unterricht ist verboten außer für vom Lehrer vorgesehene Zwecke.

Was wünschst du dir von den Erwachsenen (deinen Eltern, Lehrerinnen und Lehrern z.B.)?

Wenn ich ganz ehrlich bin: Nichts… Ich bin mit der Reglung völlig zufrieden und habe überhaupt kein Problem damit.
Von meinem Vater jedoch vielleicht, dass er die Begrenzung bei meiner kleinen Schwester, wenn sie in das Alter kommt, geschickter handhabt.

Medienpädagogen raten den Erwachsenen immer
  • Medienzeit vereinbaren
  • Medienkonsum konsequent begrenzen
  • Interesse signalisieren
  • Alternativen anbieten
Wie setzen die Erwachsenen in deinem Umfeld das um?

Ähm also meine Mutter setzt das nicht mehr wirklich um – solange ich halt meinen Kram gemacht habe. Deswegen weiß ich nicht, was ich hier sonst noch schreiben soll.

Findest du diese Tipps generell sinnvoll? 

Ich denke, für jüngere Kinder ist es deutlich sinnvoll, da diese vielleicht die Gratwanderung zwischen ‚realem Leben‘ und ‚virtuellem Leben‘ nicht schaffen. Also zwischen Real Life und digitalen Medien. Da finde ich eine stark geregelte Lösung durchaus sinnvoll, ansonsten aber ist es meine Freizeit und ich muss selbst lernen damit umzugehen. Unsere Eltern können uns nicht ewig behüten, wir müssen unsere eigenen Erfahrungen in der virtuellen Welt machen, vor allem da es eine Welt ist, in der sie nicht selbst aufgewachsen sind, sondern wir.

V.a. bei Computerspielen, in denen geschossen wird, sorgen sich viele Erwachsene, dass man bei Dauerkonsum verroht und die Aggressivität steigt. Wie siehst du das?

Ich würde mich gerne bei dieser Frage enthalten. Ich persöhnlich habe mit Shooter-Spielen nichts am Hut und hatte es auch noch nie. Das ist nicht meine Welt und ich möchte nicht über einen Aspekt der virtuellen Welt/digitalen Welt reden, die für mich völlig fremd ist. Da habe ich auch kein Recht zu als Nicht-Player.

Ok, einer der Haupttipps für Erwachsene im Umgang mit digitalen Medien und  Jugendlichen lautet: „Interesse signalisieren“. Gib uns als Hausaufgabe mit ein Spiel, eine App, einen YouTube-Kanal (oder was dir einfällt) näher kennenzulernen:

Also sowohl Spiele als auch Apps kann ich euch nicht empfehlen…Und auch YouTuber gucke ich eigentlich nur aus dem englischsprachigem Raum. Aber ich würde euch gerne LeFloid und eventuell noch Tommy Toalingling empfehlen. Welche die einzigen Deutschen YouTuber sind, die ich gucke und welche ich beide ziemlich unterhaltsam finde.

Was willst du den Erwachsenen mitgeben, die hier mitlesen, weil sie einen besseren Umgang mit digitalen Medien in der Familie lernen möchten?

Ich denke Kommunikation ist hier, wie auch überall im Leben, sehr ausschlaggebend. Redet mit eurer Familie darüber, vor allem mit den Kindern, die eure Regeln betreffen. Was sieht mein Kind? Gegebenenfalls auch: warum schaut es das? Und Ehrlichkeit, warum ich das für falsch oder zu früh für einen bestimmten Kontent halte, finde ich auch sehr wichtig. Nichts ist ätzender als ein scheinbar unnützes Verbot, welches für einen keinen Sinn ergibt, weil es einem nicht erklärt wird. Nichts ist frustierender für ein Kind, aus meiner Sicht, als wenn es das Gefühl hat, im Internet immer und ständig überwacht zu werden, aber niemals offen darüber gesprochen wird.
Unser Medienerziehungslehrer hat mal gesagt: „Wir befinden uns in einer zweiten industriellen Revolution“ und ich denke er hat Recht. Wir befinden uns in einer digitalen Revolution, welche stetig weiter geht, wir müssen lernen mit diesen Medien umzugehen, da sie immer mehr und mehr Teil unseres Arbeitslebens und Alltages werden und das können wir nicht, wenn wir nicht darüber reden und davor vollkommen abgeschirmt werden.

 

Vielen Dank, liebe Anna. Persönlich war es für mich sehr beruhigend Deine Antworten zu lesen, weil wir das Zuhause so machen wie Du es von Deiner Mutter beschreibst. Für viele Eltern, mit denen ich rede, übrigens eine nahezu undenkbare Regelung. Aber es gilt natürlich, was Du ganz am Ende schreibst: Wie soll man den Umgang mit etwas lernen, das man nicht kennt?

Weiterführende Links auf SCHAU HIN! zu diesem Interview:

 

Liebe Leserinnen und Leser: Welche Fragen würdet ihr Jugendlichen in Sachen Mediennutzung stellen?

86 Gedanken zu „[Anzeige] Let’s talk – Jugendliche kommen selbst zu Wort – Anna“

  1. Mal unabhängig vom Inhalt, dem ich nur zustimmen kann: wenn meine Kinder mit 16 nur annähernd so reflektiert und eloquent sein sollten, haben wir bis dahin vieles richtig gemacht. Danke euch beiden! :)

  2. Der letzte Absatz gilt wohl für jedes Thema bzgl der Erziehung von Kindern. Mir wurde als Kind und Jugendliche alles Mögliche verboten ohne eine Erklärung zu bekommen. Das ist wirklich ätzend. Wenn Eltern ihre Verbote nicht erklären können, führen sie immer zu Unverständnis 1/2

  3. Nettes Interview, danke!

    Hmmm….
    Wenn ich drüber nachdenke stelle ich fest, dass ich scheinbar doch Vorurteile habe.
    Denn ich war zugegebenermaßen überrascht, so etwas vernünftiges von einer 16-jährigen zu lesen. Sollte ich eigentlich nicht sein denn mit 16 ist ein Mensch ja nicht doof und hat idR schon eine Menge Bildung genossen und Zeit gehabt, vernünftige Ansichten zu entwickeln.

    Vor allem den letzten Absatz finde ich sehr gut. Ich erinnere mich noch gut daran, wie sehr blödsinnige Verbote und Ungerechtigkeiten, Bevormundung ohne Begründungen mich geärgert haben. Die Ansage „redet miteinander!“ ist genau richtig. :)

    LeFloid finde ich zwar unterirdisch, aber OK, muss einem ja nicht alles gefallen. Ich bin ja auch nicht die Zielgruppe. ;)

    Gruß
    Aginor

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