Viele Menschen finden Hotelaufenthalte attraktiv. Ich hingegen und das ist nicht unwesentlich meinem Sternzeichen geschuldet, finde es vor allem Zuhause sehr schön.
Was mich in Hotels immer wieder aufregt, sind die scheinheiligen Lügen, die den Gästen aufgetischt werden. So wird man aufgefordert, die Handtücher nicht auf den Boden zu schmeißen, der Umwelt zuliebe. In erster Linie spart das nicht Wasser, damit die kleinen, in deutschen Gewässer lebenden Fischlein mehr Freude haben, sondern Geld, damit die kleinen, in Geld schwimmenden Hoteliers der großen Ketten mehr Freude haben.
Ich finde, wenn ich 70 € und mehr pro Nacht zahlen muss, soll ich auch jeden Tag alle Handtücher auf den Boden werfen dürfen. Wenn sie mich zur Sparsamkeit auffordern wollen, so sollen sie das beherzter tun, z.B. mit Schildern wie Bitte benutzen Sie Ihren Schlüpfer zum Abtrocknen, dann müssen wir keine Handtücher kaufen und waschen. Dafür hätte ich mehr Verständnis und ich würde mir auch alle Mühe geben mich mit meinen Slips trocken zu reiben.
Autor: dienuf
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Was ich außerdem an Hotels äußerst abschreckend finde, sind die Matratzen.
Oft liege ich mit geöffneten Augen, die Decke anstarrend, in meinem Hotelbett und versuche die Milbenkolonien unter mir zu vergessen. Vermutlich reist die gemeine Hausmilbe auf diversen Hotelgästen von deren Wohnung mit in den Urlaub und lässt sich eierlegend in den Hotelbetten nieder. Jede Bewegung führt zu einer Aufwirbelung verschiedenster Milbenstämme und so liege ich möglichst regungslos da und versuche nicht zu atmen. Vor meinen Augen sehe ich die durch das Elektronenmikroskop millionenfach vergrößerten Kaugeräte der kleinen Hautschuppenesser und kann nicht schlafen.
Wenn ich diese erste, ca. zwei Stunden andauernde Phase überwunden habe, fällt mir immer der schwule Mitbewohner meiner Freundin ein, der einmal Sagrotansprayschrubbend auf einem Sofa lag, das er gebraucht gekauft hatte.
– Was machst Du da?
– Ich schrubbe bartholinisches Drüsensekret weg.
Na lecker, denke ich, und gedenke in meinem Hotelbett all der hässlichen vögelnden Menschen, die schwitzend ihre Körpersäfte in die Matratze einreiten.
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Manchmal denke ich auf mir steht: Psychopathen bitte in meiner Gegenwart in Interaktion treten.
Da sitze ich nichtsahnend in der Kastanienallee 43 in einem kleinen, namenlosen Eiskaffee und lecke arglos an meinem Eis, als sich plötzlich auf die Gäste vor mir ein Wasserschwall ergießt. An einen übereifrigen Blumengießer glaubend, der sicherlich innerhalb von Sekunden kein zweites Mal in Aktion treten wird, wähne ich mich in Sicherheit, als ich mit dem Blick nach oben einen zweiten Bach in Zeitlupe auf mich zufliegen sehe. Mit einem gewaltigen PLATSCH verwandele ich mich in Millisekunden in einen begossenen Pudel. Während ich noch verwundert meine verlaufene Wimperntusche reibe, steckt im obersten Geschoss (Ich lade hiermit alle Passanten zu Klingelstreichen ein) ein Mann seinen Kopf aus dem Fenster und schreit Musiker an, die sich gut fünf Meter hinter mir befinden, sie sollen das Weite suchen, seine armen Söhne versuchten zu schlafen, was bei diesem Lärm unmöglich sei.
Wildes Geschimpfe geht zwischen den Musikern und dem offensichtlich geistig verwirrten Anwohner hin und her. Als der Mann schreit „Ey sollschrunterkommenoderwas“ ruft die gesamte wassertriefende Gastgruppe des Cafés im Kanon: „Jaaaaaaaaaaaaa!“ und reibt sich vorfreudig die Hände.
Der Mann verschwindet wortlos in seine Wohnung. Nur wenige Minuten später spitzen zwei, der Pubertät offensichtlich schon lange entwachsenen Jungs aus dem Fenster und ein schallendes Gelächter breitet sich über die Kastanienallee aus. Das sollen die armen Kleinen sein, die nicht schlafen können?
Spöttisch ruft eine Frau den 18jährigen zu: „Ohhhh, hat der Papa euch gerade eine Geschichte vorgelesen und dann haben euch die bösen Musiker wach gemacht? Ohhhhh!“
Die Sprösslinge verziehen sich und Papa kommt wieder zum Vorschein, um weitere Schimpftiraden an den Mann zu bringen.
Ein besonders lustiger Gast ruft drohend nach oben: „Eypassmaaufischweisswoduwohns!“
Da war endlich Ruhe.
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Schulsport war mir immer ein Graus. Irgendwann bin ich nicht mehr hingegangen.
Bereits in der 13. Klasse wohnte ich nicht mehr zuhause. Mit Vorliebe trampte ich von meinem Wohndorf in die Schule. Eines Tages hielt eine sympathische junge Frau und fragte mich, wo ich hin müsse. In die Soundso-Schule in Erlangen.
– Ahhh, sind Sie Schülerin?
– Jepp.
– Welche Klasse denn?
– 13.
– Sind Sie zufällig Nuf?
– Ähhm, ja, wieso?
Die Dame streckte mir freundlich zur Begrüßung die Hand entgegen.
– Hallo, ich bin Carola Schnell, ihre Sportlehrerin. Ich kenne sie von der Liste und da sie die einzige sind, die ich aus der Oberstufe noch nie gesehen habe, wusste ich gleich wer sie sind. Freut mich, sie kennen zu lernen.“
Obwohl Frau Schnell sympathisch war, blieb die Freude einseitig.
Ich war und bin bis heute so etwas wie ein motorischer Legastheniker. Es gibt absolut keine Sportart, die ich irgendwie kann. Während meines Studiums erfuhr ich, dass es Menschen ohne Kleinhirn gibt. Man merkt das im Alltag kaum. Man ist nur wahnsinnig unsportlich. Ich nehme an, ich gehöre zu der Gruppe der Kleinhirnlosen.
Sport – v.a. der Schulsport war immer eine erniedrigende Erfahrung. Ob ich mich bemühte oder nicht, ich war immer die letzte oder schlechteste. Beim Wettrennen suchte ich mir die Dickste aus und wurde trotzdem trampelnden Fußes überrundet. Beim Kugelstoßen konzentrierte ich alle Kraft in einem Schrei, um mir dann die schwere Kugel dumpf auf den Fuß zu werfen.
Ich habe nur eine Siegerurkunde bei den Bundesjugendspielen. Ehrlich gesagt, weil der Junge, der die Zeit nahm, in mich verknallt war. Beim Weitwurf lächelte er mich an. Ich hatte ihm gerade den Ball mit Schwung an den Kopf geworfen. „Ok, das lass ich mal als 11 Meter durchgehen“, hauchte er mir ins Ohr und erhoffte sich ein wenig Sympathie zu erschleichen.
Aus irgendeinem nicht nachvollziehbaren Grund war ich mal beim Gotcha. Ich traf zwei Kerle genau zwischen die Augen und war der Held des Tages. Natürlich habe ich nie jemanden gesagt, dass ich aus Angst sie zu verletzen, auf ihre Füße gezielt hatte.
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Um mich unauffällig in Twenkreisen bewegen zu können, lese ich Neon. In der aktuellen Ausgabe, steht mal wieder das Gerücht, dass Männer sich gerne über sexuelle Details austauschen. Dass das ausgemachter Blödsinn ist, sollte in der Zwischenzeit hinlänglich bekannt sein. Das Gerücht hält sich nichtsdestotrotz hartnäckig.
Die Wahrheit ist einzig und allein die Damenwelt unterhält sich über sexuelle Pikanterien. Das kann zuweilen wörtlich unter die Gürtellinie gehen.
Vor einigen Jahren hatte ich mal ein Tätatä mit einem jungen Mann, der sich über ein, für meine Vorerfahrungen prächtiges Genital freuen konnte. Das erzählte ich selbstredend meiner besten Freundin. Es trug sich zu, dass diese sich Jahre später nackend neben dem Mann wiederfand und ihr entfuhr: „Häääää? Und das soll jetzt groß sein, oder was?“
So etwas, liebe Neon, passiert niemals im gegengeschlechtlichen Falle.
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Es wäre so schön, wenn Makler täten, was sie laut Wörterbuch tun sollen.
Die kundenorientierte Wohnungsvermittlung sehen sie indes nicht als eine ihrer Kernaufgaben. Ihr Sein beschränkt sich auf das Abkassieren von Provisionen für das reine Nichtstun.
Da aber fast alle Berliner 4-Zimmer-Wohnungen fest in Maklerhänden sind, muss ich mir eine innere Ausgeglichenheit einreden, wie sie der Typ von den „World Harmony Concert“ ausstrahlt.
Da fange ich um 7.00 Uhr an zu arbeiten, damit ich mir um 16.30 Uhr eine Wohnung anschauen kann. So plane ich jedenfalls und stehe vergeblich wartend vor dem Haus. Entnervt wähle ich die Nummer.
– Hallo, wir hatten einen Termin um 16.30 Uhr.
– Ah ja?
– Ja, wann kann ich denn mit ihnen rechnen?
– Jar nüscht, ik hab jetzt Feierabend, wa. Hab den Termin janz verjessen, wa.
– Wie bitte? Und jetzt?
– Sie können ja morgen um zehn dreissisch vorbei kommen.
– Da arbeite ich.
– Ja, Pech wa. Dann jeht het nich.
– Können wir einen anderen Termin ausmachen?
[Zehn Minuten Diskussion]
In meinem Kopf läuft das Telefonat so:
– Hallo, wir hatten einen Termin um 16.30 Uhr.
– Ah ja?
– Ja, Du Arsch. Ich steh mir hier die Beine in den Bauch. Was ist denn nu?
– Ich hab verjessen den Termin su nortieren.
– Wie bitte? Das kann ja wohl nicht wahr sein.
– Sie können ja su ner anderen unmöglischen Uhrzeit nen Alternativtermin haben, wa.
– Nein, danke, da verzichte ich drauf, sie inkompetenter, arroganter Arsch. Möge die Wohnung für immer leer stehen, sie übel riechenden Ausschlag an ihrem Gemächt bekommen und ihr nächstes Date Fledermausärmel haben, die so lang sind, dass sie sich diese um die Arme wickeln muss, um nicht zu stolpern! [klick]
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Neulich an einem öffentlich einsehbaren Ort, fiel mir ein Ehepaar unangenehm ins Auge, weil schamlos Körperhygiene betrieben wurde. Gegen Sauberkeit ist im Grunde nichts einzuwenden. Wer kennt nicht den kaum zu unterdrückenden Impuls auf ein Taschentuch zu spucken und gerade bemerkte, durch den Verzehr von Schokoladeneins zurückgebliebene Flecken in den Mundwinkeln des Gegenübers zu entfernen?
Es gibt aber Tabus!
Das als Regel formulierte Tabu lautet in diesem Fall: Das öffentliche Ausdrücken von Mitessern und das Beseitigen von Hautunreinheiten aller Art, ist zu unterlassen.
Wie zwei Schimpansen saß das Paar auf den Stufen eines Bürogebäudes. Er, seinen behaarten Rücken stolz präsentierend ohne T-Shirt und sie, ihre angeklebten Fingernägel der einzig sinnvollen Verwendung zuführend, Eiterpickel ausdrückend. Als wäre das nicht schon übelkeiterzeugend genug, muss sie die gelblichen Würste stolz betrachten und zwischen ihren himbeerfarbenen Nägeln prüfend verreiben. Besonders schöne Exemplare mit schwarzen Enden oder aber durch ihre ununterbrochenen Länge bestechend, werden dem Männchen unter die Nase gehalten, auf dass er sie lobpreise.
Wenn ich das beobachte, möchte ich mit Sagrotan bewaffnet auf die beiden zulaufen, sie absprühen und dann eine grob gewebte Decke über sie werfen, um sie keimfrei zu rubbeln.
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Liebe Egalirgendwasandreher am Potsdamer Platz,
großes Verständnis habe ich für karitative Organisationen jeglicher Art, Studenten, die ihren Lebensunterhalt mit dem Verkauf von Zeitungsabos bestreiten und sonstige arbeitende Bevölkerung. Dennoch möchte ich Sie bitten, davon abzusehen, mich mehr als drei Mal am Tag anzusprechen. Es macht sich darüber hinaus schlecht, jemanden, der um 8.00 Uhr anfängt zu arbeiten, um 13.40 Uhr mit „Guten Morgen, darf ich Ihnen…“ anzusprechen.
Schon wenn ich nur in Sichtweite der Bittsteller komme, fange ich an meinen Kopf zu schütteln.
Ich schüttele ihn nicht, um mir mehr Volumen ins Haar zu bringen. Ich schüttele ihn nicht, weil ich Tics habe oder die Festigkeit meines Haarsprays teste. Das regelmäßige, eines Wackeldackels gleichkommende Bewegen meiner Nackenmuskulatur bedeutet:
a) Nein, ich möchte nichts spenden
b) Nein, ich habe schon ein Zeitungsabo und brauche kein weiteres
c) Nein, ich mag überhaupt nicht angesprochen werden
Wenn ich dann, nach dem vierten Versichern meines Unwollens angegeifert werde: „Ach kommen Sie, nur EINE Minute“ oder „Boah, vielen Dank, sie habens ja eilig“ müssen Sie sich bitte nicht wundern, dass ich wie ein wild gewordener Chiwawa anfange, zu kläffen.
Ab morgen trage ich in meiner Blazerinnentasche einige Buchstaben. Wer mich anspricht, dem sage raune ich blazeröffnend zu:
„Nein, ich will nicht [beliebiges Wort einsetzen]. Aber wollen Sie vielleicht ein N kaufen? Hmmm?“
Dabei schaue ich geheimnisvoll und rolle mit den Augen.