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Letzter Tag im Castingworkshop Karriere. Zu meinem Erstaunen fällt mir das Weggehen schwer. Stress schweißt die unterschiedlichsten Menschen zusammen. Ein Phänomen, das spätestens seit Deutschland sucht den Superstar bekannt ist. Jetzt verstehe ich, warum sich wildfremde Menschen, nach einem 4 tägigen Tanz- und Singworkshop weinend in den Armen liegen und sich schwören: „Ey, Du bis escht wie mein Bruder, weissu? Isch werd disch nie vergessen.“ Als ich vor zwei Jahren dort anfing, dachte ich, wir werden nie Freunde und jetzt werde ich mir ein Bild meiner Kollegen in orangefarbenen Warnwesten ins neue Büro hängen. Apropos neu. Am neuen Arbeitsplatz habe ich mich gleich als Honk der Woche etabliert. Vorbemerkung: In meinem jetzigen Glasturm lässt sich nur das obere Fünftel der Fenster per Tastenautomatik öffnen – sofern die Fallwinde in der Hochhausschlucht nicht zu stark sind. Da stehe ich also im neuen Büro, das Fenster ist geöffnet und es ist so laut, dass ich meinen Kollegen kaum verstehe. Ich stehe auf und laufe zur Tür, suche zehn Minuten nach dem Fensterschließschalter, bis mich mein Kollege freundlich fragt: „Was suchen Sie denn?“ „Nun, ich würde gern die Fenster schließen.“ Stille. Er verzieht keine Miene: „Das ist bei uns oldschool. Man geht zum Fenster und schließt es per Hand.“ Jetzt weiss ich wenigstens, warum die operativen Bereiche denken, dass wir aus der Holding merkwürdig sind.

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Mein Mitbewohner verfolgt einen teuflischen Plan. Aber heute bin ich ihm auf die Schliche gekommen. Sein Verhalten war einfach zu auffällig. Er kauft vorausschauend ein, holt Getränke, räumt sein Zeug weg und spült. Seit neusten kocht er auch noch. Heute war ich ein bißchen durch Mitte schlendern, als er anrief, um zu fragen, wann ich nach Hause komme. Als ich dann zur Tür hereintrat, stand er wieder vor einem köstlich duftenden Topf. Der Tisch war gedeckt und es gab sogar Nachtisch. Ich habe alles ahnungslos gegessen und fühlte mich dann, wie jeden Abend, nilpferdgleich. Das war der Moment in dem ich ihn durchschaute. Er will mich mästen, bis ich aussehe wie Miss Piggy. Niemand wird mich mehr als Freundin oder gar Frau haben wollen. Ich werde vereinsamen und dann wird er mir anbieten, dass ich in meinem Küchenschrank schlafen kann und für ihn und seine Freundin Haushälterin werde. Wahrscheinlich werde ich, ob meines Alleinseins sogar dankbar sein.

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Mytos 38: Ein hübscher Artikel auf gmx.de über den Wahn, dass alle Frauen maximal eine 38 tragen wollen. Zitat: „Die Masochistin von Welt geht derweil in eine High-Class-Boutique wie „Linette“ am Hamburger Jungfernstieg, lässt sich eine 42 reichen und passt höchstens dann rein, wenn sie im wahren Leben 36 trägt. Italienische Größen: eine besondere Form der Hölle.“ Ich hab heute bei H&M ein weiteres Kleid erstanden und gefragt, ob sie noch mehr von dieser Art haben. Die Verkäuferin sagte: Nicht in ihrer kleinen Größe. DAS sind die Dinge, die eine Frau hören will!!! Fast hätte ich sie umarmt. Da war mein nächtliches Horrorerlebnis fast vergessen. Um 4 Uhr wachte ich nämlich auf, weil ich das Gefühl hatte, etwas krabbelte mir über das Gesicht. Als ich wach genug zum Aufstehen war, begab ich mich ins Bad und erblickte im Spiegel einen quietschgrünen Grashüpfer auf dem Kopf meines Spiegelbildes. Großstädte sind nicht mehr, was sie einmal waren. Jetzt muss ich mich auch noch mit Majas Freunden auseinandersetzen.

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Ich fuhr mit dem Roller nach Polen. Die Oder ist wahrlich schön. Allerdings muss ich feststellen, dass ich kein Landei mehr bin. Das Getier in der Wiese irritiert mich. Ich habe aber erst gekreischt als eine weisse Spinne mit einem kirschgroßen, grün gemusterten Körper den Weg auf meinem Bein Richtung Badehose einschlug.
Zwei Jobs gleichzeitig zu machen saugt. So viel zum Wochenanfang.

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Pack die Badehose ein … und die Lomo … und das Peng-Peng-Spiel und ab an den See. Meine Putzfrau ist heute wieder aus der Versenkung aufgetaucht. Sie hat mich zugegebenermaßen ein wenig vorwurfsvoll angesehen was den Zustand meiner Wohnung angeht. Mein Mitbewohner hat einen Kasten Wasser geholt bevor er nach Bayern verschwunden ist. Die Sonne scheint. Ich habe ekelhaft gute Laune!

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Hallo, ich suche dringend jemanden mit Datenbankprogrammierkenntnissen. Ich kann es wirklich nicht mehr ertragen, jeden Morgen zu denken, ich hätte nichts zum Anziehen. Rational weiss ich, dass es nicht stimmt – aber emotional ist es Tag für Tag das selbe erschütternde Erleben. Folgendes Projekt muss umgesetzt werden: Ich fotografiere alle meine Kleidungsstücke und benenne passende mit dem gleichen Buchstaben. Beiger Anzug mit hellen Streifen = A, weisse Blusen und weisse T-shirts = a0, weisser Gürtel = A, weisse und silberne Ohrringe = A0, grüner Anzug = B (wobei 0 eine Art Universalkombinat darstellt) etc. Die Fotografien gebe ich alle in eine Datenbank ein und ein Zufallsgenerator sucht mir auf Knopfdruck ein komplettes Outfit aus. Das wär ein Traum! Ich muss nur aufpassen, dass ich zwischen Ober-, Unterteilen und Assesoires zuverlässig unterscheide. Ich denke, drei Gürtel und vier Paar Ohrringe kombiniert mit einem Rock sind kein angemessenes Bürooutfit.

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Bei diesem Wetter sollte ich das Büro gar nicht erst verlassen. Es kostet unmenschliche Überwindung wieder an den Ort des Grauens zurückzukehren. Manchmal bewundere ich meine Willensstärke! Außerdem, wenn ich vergleiche, was mir früher peinlich war und wie abgehärtet ich heute bin … z.B. setze ich mich ohne mit der Wimper zu zucken mit meinem Mittagessen im Anzug mitten auf den Marlene-Dietrich-Platz. Früher wäre das undenkbar gewesen! Es gibt auf diesem Platz genau zwei Arten von Menschen – meine, die Büroschnepfen und -hengstekategorie und die hippe Jugend. Wenn ich die Jugendlichen von heute näher betrachte, so springt mir lediglich ein Detail ins Auge: acht von zehn sind tätowiert. Ich bewundere Menschen, die so lang anhaltende Entscheidungen treffen können, aus der tiefsten Faser meines Herzens (bis aufs Myosin!). Andererseits macht mich der Anblick auch sehr traurig. Ich werde niemals die Kindergeneration dieser Jugendlichen erleben. Eine ganze Generation von Kindern mit tätowierten Eltern, die nicht im Knast waren. Ob das schwerwiegende psychologische Beeinträchtigungen nach sich zieht?

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In letzter Zeit … mit dem unaufhaltsamen Fortschreiten meines Alters sozusagen … mache ich mir öfter Gedanken über Schönheit. Dies ist zudem ausgelöst durch den Sachverhalt, dass ich stets als „nicht schön aber ganz interessant“ kategorisiert wurde. Wohl wissend, dass jegliche Schönheit und wahrscheinlich auch optische Interessantität irgendwann schwindet, habe ich mich bereits in meiner frühsten Teenagerzeit daran gemacht nach gewissen Auswegen zu suchen. Sei es drum. Mir ist aufgefallen, dass bestimmte, alsgemeinhin für sehr attraktiv gehaltene Frauen leider in den meisten Fällen indirekt proportional zu ihrer Schönheit ein gewisses Defizit an Bildung und Abstraktionsvermögen aufweisen. Meine These ist jene: Es handelt sich um ein schnödes Zeitproblem. Ich, die es mangels organisatorischerFähigkeiten nicht mal schafft, regelmäßig den Müll rauszutragen, habe das mal ausgerechnet. Zu bewältigen ist folgendes Programm: zwei bis drei Mal mindestens eine Stunde Fitnessstudio (Anfahrt, umziehen, duschen, Heimfahrtmit einer weiteren Stunde berechnet), zwei Mal pro Woche Solarium (pauschal je eine Stunde), einmal monatlich Frisör (mit Strähnchen pro Sitzung 4 Stunden), einmal pro Monat Nagelstudio (2 Stunden), shoppen und Sonderangebote erjagen (weitere pauschale 6 Stunden pro Woche), Frauenzeitschriften lesen, im Internet nach Trends und Tipps suchen (3 Stunden pro Woche), mit Freundinnen austauschen (6 Stunden pro Woche), schminken und Haare waschen (täglich 2 Stunden), Kosmetikerin aufsuchen (3 Stunden monatlich) … macht also insgesamt 157 Stunden pro Monat, die in Schönheit investiert werden. Zum Vergleich, die 38 Stunden-Woche kostet nur 152 Stunden im Monat. Nun: wann sollen diese wunderhübschen Dinger denn Zeit haben sich um etwas anderes als ihr Aussehen zu kümmern?