Die Pandemie ist erst vorbei, wenn sie für alle vorbei ist

Was würden sie tun? Bildungssenat: „Lüften“
Quelle Originalwitz: @formschub****

Bis zu den Sommerferien in Berlin ist es nicht mehr weit. Kaum 45 Tage (Wochenenden mitgezählt).

Immer mehr Menschen sind geimpft, das Thema hat Fahrt aufgenommen. Man kann die Debatte um zusätzliche Privilegien für Geimpfte führen und finden* wie man will – unterm Strich bleibt die Logik: je mehr Geimpfte, desto besser.

Tatsächlich bin ich aber total dagegen, dass wir jetzt in Gruppen verfallen, die sich gegenseitig beschimpfen. Junge gegen Alte. Geimpfte gegen Ungeimpfte. Menschen mit Kindern gegen Menschen ohne. Die „echten“ Feministinnen gegen die „falschen“ Feministinnen… unabhängig vom Grundthema, ist es doch immer das selbe Spiel. Statt dass wir uns anschauen, was wir an gemeinsamen Zielen haben und wie wir sie erreichen können, zerfleischen wir uns gegenseitig.

Teilziel 1: Wir wollen gesund bleiben
Teilziel 2: Wir wollen möglichst schnell geimpft werden

Ich würde behaupten, das sind Ziele, die einen sehr großen Teil der Bevölkerung einen. Mindestens Familien wollen das übergreifend, oder? Was ist also zu tun? Wo sind wir schon auf dem Weg?

Die Impfungen schreiten voran.
Und: es sieht so aus als ob Kinder ab 12 gegen Ende des Sommers ein Impfangebot erhalten können.

Bleibt die Frage: Wie schützen wir die Kinder bis sie vollständig immunisiert sind und wie schützen wir die unter 12jährigen?

Das erste was mir einfällt, wenn ich lese, dass gegen Sommer Impfzentren geschlossen werden sollen und zukünftig nur die Hausärzte und Kinderärzte impfen sollen: NEIN

Kinder ab 12 sollen möglichst schnell geimpft werden können. Es ist absurd funktionierende Systeme runterzufahren und die Impfgeschwindigkeit zu verringern. Es ist unglaublich. Selbst wenn man JETZT im Mai impfberechtigt ist, bekommt man (bei bestehender Impfinfrastuktur inklusive Impfzentren) erst gegen Ende Juni einen ersten Termin. Je nach Impfung dauert es dann 6 bis 12 Wochen bis man einen zweiten Termin bekommt und dann tatsächlich immun ist. Wenn die Kinder also Ende des Sommers ein Impfangebot bekommen… wann werden sie dann einen Termin haben?

Warum das relevant ist?

Die Gesamtinzidenz sinkt. Und so wie die Politik die letzten Wochen und Monate entschieden hat, wird das für die Kinder am Ende der Sommerferien folgendes bedeuten: Es gilt wieder die Präsenzpflicht und die Kinder werden dann in voller Klassenstärke ohne Masken und Mindestabstand wieder in den Unterricht müssen.

Mark my words.

Weil für Schrödingers Pandemietreiber gilt: Kinder sind keine Pandemietreiber wenn es darum geht Schulen wieder zu öffnen.**

(Und ich habe neulich länger über das Wort „Pandemietreiber“ nachgedacht. Denn es ist ein ziemlich erbärmliches Gedankenkonstrukt. Die Konnotation lautet nämlich: Wenn sich herausstellt, dass Kinder ANDERE anstecken, dann muss irgendwas getan werden, damit das nicht passiert. Wenn es darum geht, ob sie sich selbst anstecken, krank werden, an den Folgen von Long-Covid leiden, naja dann interessiert es die Allgemeinheit nicht. Jedenfalls wurden Kinder nie als vulnerable Gruppe sondern immer nur hinsichtlich ihrer Gefährlichkeit für andere diskutiert.)

So und nehmen wir also mal an, meine Kristallkugel hat recht und nach dem Sommer heisst es: Präsenzunterricht für alle, was sind dann die sinnvollen Forderungen hinsichtlich unseres gemeinsamen Teilziels 1 „Wir wollen gesund bleiben“?

Bleiben wir bei lüften als Konzept?

Sollten wir nicht weiter auf Luftfilter bestehen? Auf die Fortführung der Testungen? *** Auf Masken und Mindestabstand? Auf eine Anpassung der Regelungen auf die altersspezifische Inzidenz?

Plus: Prüfung und Freigabe der Impfung für Kinder unter 12 Jahre? Schnellstmögliche Impfung aller Kinder?

(Und vielleicht massive Aufklärung, dass geimpftes Lehrpersonal… v.a. wenn erst einmal geimpft, weiterhin Überträger des Virus sein kann… denn es hat mich in letzter Zeit mehr als einmal ein ARGH gekostet, weil ich ständig höre: „Ich bin geimpft, da bin ich doch nicht mehr ansteckend!“)

Für meinen Teil will ich das. Ich will weiterhin, dass meine Kinder gesund bleiben, auch wenn sie ein sehr geringes Risiko für einen schweren Verlauf haben. Ich möchte ihre Gesundheit weiterhin schützen können. Ich bin froh um jede Magen-Darm-Grippe, jede Erkältung, jede Borkenflechte, jede Hand-Fuß-Mund-Krankheit, jeden Läusebefall (you get the point…), den wir umschiffen können. Wieso sollte es kein Ziel und auch kein Recht sein, die Kinder vor Covid zu schützen?

P.S.


*Persönlich fand ich ja schon immer das Konzept kinderfreie irgendwas (Cafés, Bahnabteile, Hotels) unmöglich, von daher unnötig zu erwähnen, dass ich es nicht gutheiße ganze Bundesländer nicht mit ungeimpften Kindern besuchen zu dürfen…)

**Wenn es um Ansteckung in Cafés, Restaurants, Zoos und Tagesurlaube geht, dann sind sie natürlich ansteckend und müssen draußen bleiben.

***Ich weiß, dass man keine Erkrankten rausfischt, aber 60% der Ansteckenden ist besser als 0%?

****

396 Gedanken zu „Die Pandemie ist erst vorbei, wenn sie für alle vorbei ist“

  1. Puhh…Vor lauter Twitter-Referenzen sieht man die einzigen 2-3 Kommentare hier schon nicht mehr. Ist das wirklich notwendig? Vor ein paar Jahren gings ja noch halbwegs, aber es ist langsam wirklich deprimierend geworden.

  2. Kinder und Familien werden beim Thema Urlaub auch komplett ignoriert.
    Der Impfabstand wird verkürzt damit alle in Urlaub fahren können.
    Alle? Nein. Familien nicht.
    Dabei wird in Kauf genommen, dass die Geimpften sich in falsche Sicherheit wägen, da der Impfschutz vermindert ist.

  3. Ich kann das nicht mehr kunstruktiv sehen so wie du. Mein 5-Jähriger hat Steine und Stöcker gesammelt und hinter einem Busch versteckt in „seiner Garage“. Der ü70 Nachbar hat das Versteck geplündert und alles in den Müll geworfen, weils es ihm zu unordentlich ist. Der Nachbar erzählt uns, dass einen Hausarzt gefunden hat, der ihn nicht mit AstraZeneca impft, weil er nicht einsieht „für die jungen Leute zu verrecken“. Er fährt zum Campingplatz und beschwert sich bei uns über die Auflagen dort. Zuletzt beschwert er sich bei uns warum wir das Gespräch mit ihm meiden, es sei doch wichtig, dass man nett zueinander ist in der Nachbarschaft.

    Die Boomer verlangen alles, einfach alles von uns und werden niemals satt.

    1. Können wir mal damit aufhören, von einzelnen Idioten und Arschlöchern auf die gesamte Gruppe zu schließen? Ist bei Migranten völlig zu Recht ja auch keine akzeptable Argumentation. Davon abgesehen sind wir Boomer Mitte bis Ende 50 und nicht Ü70.

      Den Umgang mit den Familien und Kindern finde ich übrigens einfach unglaublich! Und es kotzt mich an, dass unsere Politdeppen jetzt Lockerungen an die Zweitimpfung koppeln anstatt alles daran zu setzen, dass möglichst viele ihre Erstimpfung erhalten.

      Ich bin übrigens wegen chronischer Erkrankung bereits 1x geimpft. Als Mann habe ich AZ genommen und ich werde auch ganz geduldig die vollen 12 Wochen warten. Es ist nämlich mein dringender Wunsch, dass möglichst viel möglichst schnell mit dem für sie passenden Impfstoff geimpft werden.

  4. „Wenn sich herausstellt, dass Kinder ANDERE anstecken, dann muss irgendwas getan werden, damit das nicht passiert. Wenn es darum geht, ob sie sich selbst anstecken, krank werden, an den Folgen von Long-Covid leiden, naja dann interessiert es die Allgemeinheit nicht.“

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