Eltern fehlt manchmal der Respekt

Ich besuche seit neustem Vorträge und melde mich, wenn die Referentin sagt: „Gibt es noch Fragen?“ und sage dann: „Ich hab eigentlich keine Frage, es ist eher so eine Art Anmerkung, AAAALSO <20 minütiger Monolog>.“

Nein, nein – ich hab nur Spaß gemacht. Ich besuche zwar Vorträge, aber, so dünkt es mich, ausschließlich um anschließend einen Blogartikel zu schreiben. Aber was soll ich sagen – die anderen Eltern* geben dafür steile Vorlagen.

Der Vortrag beschäftigte sich mit dem Thema Medienkompetenz und hat mich schon sehr angesprochen, weil er irgendwas mit Familie 4.0 hieß.

Insgesamt, muss ich sagen, war es zwar eine bizarre Mischung, jedoch einer der (in meinen Augen) besseren Vorträge zum Thema Kinder und Medienkompetenz. Die Referentin kommunizierte ein breites Meinungsspektrum von „Wenn ihr Kind regelmäßig in die Schule geht, ist es nicht süchtig.“ bis „Handys nie in dem Raum liegen lassen in dem man schläft, heute weiß man ja nicht so genau was die Strahlung mit unseren Gehirnen macht.“

Was aber nach wie vor unerträglich für mich ist, sind die anderen Eltern*. Ich habe Zitate mitgeschrieben.

„Bed Wars Minecraft – das ist doch der Einstieg zu Doom und Counter Strike oder? Da werden Schafe getötet. Wir verbieten das deswegen.“

„Wie verbiete ich Instagram?“

„Wenn ich Interesse zeige, adele ich den Scheiß dann nicht?“

Ich möchte da leise weinen. Wie können sich diese Eltern denn noch wundern, dass es in Sachen Mediennutzung eine harte Front zwischen ihnen und ihren Kindern gibt? Diese Respektlosigkeit etwas, das den Kindern etwas bedeutet, so herablassend zu bewerten…

Und dann diese ganzen Fragen zu wie man Dinge verbietet und reglementiert. Wie man die FritzBox (Frage aus dem Publikum: „Was ist eine FritzBox?“) so einstellt, dass die Kinder nur Zeitspanne xy am Tag mit ihrem Gerät XY ins Internet können.

Hahaha.

Oder wie man den Kindern verbietet so dumme (!) Skins in Fortnite zu kaufen (auch nicht mit dem Taschengeld).

Wie man Handys so konfiguriert, dass bestimmte Apps nicht zu installieren sind…

Für wie dumm halten die ihre Kinder eigentlich?

Wie schnell ist bitte gegoogelt, wie man eine FritzBox auf die Werkseinstellungen resettet und dann neu einrichtet anhand der Daten, die unten auf der Box stehen? Oder wie man die MAC-Adresse eines Geräts ändert?

Haben die noch nie von PaySafe-Karten gehört?

Wissen Eltern nicht, dass Kinder, die bestimmte Spiele/Apps (ohne nachvollziehbare Erläuterung) nicht spielen dürfen, die einfach bei FreundInnen spielen?

Dass es in der Bibliothek, an allen möglichen Hot Spots, sogar in der U-Bahn WLAN gibt?

THE FUCK?

Wie kann man denn vergessen selbst Kind gewesen zu sein? Wie kann man denn vergessen, dass man mal andere Interessen hatte? Wie kann man sich so wenig interessieren? Wie kann man denn die Begeisterung von Kindern so abwerten?

Eine schöne Sache hat die Referentin gesagt: Die beste Prävention gegen Sucht ist Liebe. Dem Kind einfach ein Leben lang klar machen, dass es vollumfänglich für die bloße Existenz geliebt wird.

Tatsächlich glaube ich auch, dass sehr viele nervtötende Probleme in Sachen Medien zwei Faktoren entspringen:

A) Komplette Unwissenheit der Eltern

gepaart mit

B) Schlechter Beziehung

Und die schlechte Beziehung kommt von solchen Haltungen. Der Haltung „Was soll der Kack? Warum macht ein Hasenohrenskin mein Kind fröhlich? Das ist doch dumm“ und dem (gepaart mit A) Aussprechen von Verboten.

Wie soll ein Kind, das auf irgendeiner Plattform gemobbt wird, sich da vertrauensvoll an die Eltern wenden? Dass die Kinder sich in so einem Fall nicht mitteilen, hat wenig mit Pubertät zu tun. Es hat was mit der Einstellung der Eltern zu tun und der daraus resultierenden Beziehung (naja und wie mir scheint mit dem Umstand, dass sich viele Eltern jahrelang Null um Medienerziehung kümmern und dann plötzlich, wenn die Kinder 13 oder älter sind, erschrocken aufwachen und dann anfangen wollen zu erziehen).

 


 

*Not all Eltern! Es gab auch welche, die nicht so unsägliche Dinge gesagt haben.

 

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160 Gedanken zu „Eltern fehlt manchmal der Respekt“

  1. Hmmm.
    Aber manche Eltern wie ich sind halt so dumm und wissen nicht was paysafe-Karten sind. Woher?

    Eines der Themen bei Handyspielen etc. ist nun mal dass es nicht immer einfach ist sich das begleitende wissen zu organisieren.
    Ist halt „noch eine Zeit brauchende Baustelle „

    1. Was mich an den Kommentaren störte war nicht Unwissen. Ich weiß auch total viel nicht. Mir geht es um die herablassende Haltung (gepaart mit Naivität weil geglaubt wird, dass verbieten eine Lösung ist).

    2. Aber wenn ich keine Ahnung von den Sachen der Kinder habe, muss ich mich einlesen – informieren. Als das Kind geboren wurde, hatte ich auch vorher noch nie Kontakt mit Babybrei, gekühlten Kauringen, später LÜK-Spielen & Loombändern gehabt. Habe ich mich im Laufe der Jahre immer wieder neu auseinander gesetzt.. Jetzt schau ich Youtube Tutorials und lese (heimlich) Blogs für 12 jährige… Damit es mich nicht kalt erwischt…

  2. „Die meisten Menschen legen ihre Kindheit ab wie einen alten Hut.“….

    Erich Kästner

    Verundert mich immer wieder, wie recht er hatte.

  3. Unpopuläre Meinung:
    Mein Kind wird es mir in 10-15 Jahren danken, dass ich ihm kosmetische DLC generell verboten habe.
    Und eure Kinder werden euch fragen: Ey, warum habt ihr mir erlaubt, eure hart verdiente Kohle für so einen Mist rauszuwerfen?
    Die kurzfristige Bedürfnisbefriedgung des Kindes sollte generell nicht überbewertet und im Tausch für ein bisschen Gegenliebe feilgeboten werden.
    Ich erinnere mich noch, wie ich als 14-jähriger unbeding ein Schutzamulett gegen böse Geister haben wollte und meine Eltern mich daraufhin auslachten. Ich war monatelang sauer. Heute kann ich ihnen nicht genug danken, mich beim Thema Pseudowissenschaften einfach ausgelacht zu haben. War schmerzhaft aber hat den richtigen Denkprozess angestoßen.

    1. Wie gesagt: Ich vertrete die Meinung, dass man mit den Kindern darüber sprechen sollte, dass das eine Ausgabe ist, die man als Erwachsener evtl. nicht sinnvoll erachtet. Auch generell sollte man sich mit Kindern über Geschäftsmodelle vermeintlich kostenloser Spiele/Apps unterhalten…

      Allerdings ist Taschengeld zur freien Verfügung und ob das Kind nun sinnlose Süßigkeiten kauft oder Skins, ist irgendwie auch egal. Anders sieht es vielleicht bei Geburtstagsgeld oder ähnlichem aus.

      Naja und auslachen ist für mich jetzt persönlich kein adäquater Umgang mit Menschen. Wenn es dir dennoch geholfen hat – umso besser.

  4. Muss echt schlimm sein, wenn man so viel schlauer ist, als alle andern!
    (Nette Deppen-Checkbox bei den Kommentaren übrigens!)

    1. Ich behaupte nicht schlauer zu sein (sonst würde ich statt „ich glaube“ sowas wie „Fakt ist“ oder „ich weiß“ schreiben). Ich bin aber emphatischer als die zitierten Eltern und – es mag auch einfach nur Glück sein – bei uns gibt es keine Probleme mit Mediennutzung obwohl ich nichts verbiete.

  5. Diese verdammten Ingame Käufe sind aber tatsächlich ein echtes Problem. Habe mit den Kindern lange über die Mechanismen gesprochen, mit denen die Spieler dort gnadenlos abgezockt werden. Wenn man nicht aufpasst, kann so ein scheinbar „kostenloses“ Spiel auch mal locker einen dreistelligen Betrag im Monat verschlingen.
    Mögliche Lösungen: Richtige Vollversionen kaufen, bei denen alle Spielinhalte ohne zusätzliche Kosten nutzbar sind. Oder auch sich von den Kindern erklären lassen, wieso jetzt dieses tolle Schwert oder der Sack Juwelen unbedingt gebraucht wird. Und zwar ernsthaft und mit Respekt, auch wenn man innerlich gerade die Krätze kriegt.

    Cool auch: Sich richtig informieren und den Kindern irgendein tolles Gadget zum Geburtstag schenken. Das hat nämlich den Vorteil, dass man als Elternteil von den Kindern ernstgenommen wird und dann wird man auch einbezogen und kann im Auge behalten, was die lieben Kleinen da so treiben.
    Und wem es gar zur sehr widerstrebt, für ein paar virtuelle Pixel Geld auszugeben, sollte einfach mal daran denken, für welche virtuellen Dinge Erwachsene so Geld ausgeben. Mir fällt da z.B. ein: Markenklamotten, Briefmarken, moderne Kunst und generell Sammler- und Liebhaberobjekte. Die haben auch oft keinen „echten“ Wert, sondern nur einen, der ihnen von den Menschen zugeschrieben wird.

    1. Generell sind InApp-Käufe natürlich ein Problem und es gehört zur Vermittlung von Medienkompetenz den Kindern diese Mechanismen zu erklären.
      Taschengeld sollte den Kindern aber frei zur Verfügung stehen und demnach dürfen sich meine Kinder auch Skins davon kaufen.
      Auszuhalten für was Taschengeld ausgegeben wird, ist nicht immer einfach.
      (Mich nervte z.B. tierisch, dass meine Kinder das ganze Taschengeld in Bäckersüßigkeiten investieren, die es im Supermarkt für 1/3 des Preises gibt…)
      Insofern: Ja, Du hast Recht und hmpf es gibt bestimmt sinnvollere Dinge als Skins und Süßigkeiten vom Bäcker, aber es ist eben ihr Taschengeld.

    2. Mir stellt sich auch die Frage, warum es denn so verwerflich ist, dass sich Kinder/Jugendliche für ein Spiel Skins von ihrem eigenen Taschengeld kaufen. Wenn (Achtung, Klischee!) Mutti sich im Douglas einen Nagellack für 30€ kauft, oder Vati ’ne neue Basecap für den gleichen Preis – macht das jetzt irgendeinen Unterschied, außer dass es eben rein kosmetisch ist (virtuell oder nicht…)?

      Wenn das Taschengeld weg ist, ist das Taschengeld weg. Und wenn man dann doch noch was dringend kaufen möchte und bis zum nächsten Monat warten muss – naja, vielleicht kommt man dann auf die Idee, dass ein bisschen Sparen oder Abwägen wie wichtig mir das jetzt ist, gar nicht so verkehrt ist.

      Ich habe einen kleinen Betrag monatlich bekommen und habe das Geld ausgegeben wofür ich wollte – Süßigkeiten, Diddlkrams und später Merchandise von Bands oder auch mal ein Abo für ein Onlinespiel. Wenn es was größeres sein sollte, hab ich entweder in die Röhre geguckt, weil das Geld schon weg war – und/oder hab dann gespart.
      Ich hab in meinem Leben noch nie Schulden gehabt, und das obwohl meine Eltern mich mit meinem Taschengeld haben machen lassen, was ich wollte. Auch wenn es aus deren Sich sicher sehr albern war. Ich habe auch nie das Bedürfnis gehabt, mich jetzt bei meinen Eltern zu beschweren, weil sie mich all den Quatsch kaufen ließen – es hat mich ja glücklich gemacht und mich gelehrt, wie ich mit meinem Geld selber umzugehen habe. Danke dafür!

  6. Ich glaube im MKL Podcast hast du mal sinngemäß gesagt, dass Eltern oft „etwas blöd finden“ mit guter Erziehung verwechseln. Das sehe ich bei dem Thema ständig durchscheinen, ist ja auch schön einfach…

    Mich zerreißt es auch oft innerlich wenn meine Tochter die tausendste Bibi & Tina Folge sehen will, aber so ging es meinen Eltern sicher auch.

  7. Liebe Patricia, finde riesig gut, was du da schreibst. Es deckt sich sehr mit dem Kapitel im Buch „Das gewünschteste Wunschkind“, zweiter Teil, und hilft, sich da noch einmal selbst zu hinterfragen. Danke dafür und ich bin ganz deiner Meinung. Liebe Grüße, Laura

  8. Der Artikel war ein guter Gedankenanstoß für mich. Ich will selbst für die Kita in der ich tätig bin, eine Vortragende zu Mediennutzung im Kindergartenalter einladen. Ich sollte ihr vorher auf jeden Fall auf den Zahn fühlen.

    1. Meine Lieblingsfrage ist: „Was werden sie zu Mediennutzung sagen, außer wie man Zeiten vereinbart und reglementiert?“
      (Das wahre Problem sind aber leider meistens die Eltern)
      Antworten

  9. Es gibt da einen schönen Satz, den ich allerdings jetzt nur so ungefähr, sinngemäß, hinbekomme: „Man kann noch so sehr versuchen, die Kinder zu erziehen, sie machen einem doch Alles nach“.

  10. Vor knapp 30 Jahren ‘durfte’ ich keinen gameboy. Der war dumm und ein Daddelkasten, und als mir die Mutter meiner Freundin einen auslieh (es gab 4 in deren Haushalt, einen für jedes Kind) nahm mein Vater mir den weg, schimpfte und schrieb einen erbosten Brief. An die Nachbarin…

  11. Was nützt die resettete FritzBox, wenn man die Zugangsdaten nicht hat? Und ja, Kinder kriegen spitz wo der Zettel liegt auf dem das genau draufsteht, weil man sich nicht mit Technik beschäftigen will.

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