Danke, Horsti

Symbolbild Horsti in allen Wellnessthermen der Welt

Ik hab nochmal nachjedacht über die Sache mit die Kinderfreundlischkeit.

Angeregt durch einen Artikel, den eine Leserin mit mir geteilt hat, der beschreibt, wie Kinder in Israel behandelt werden, habe ich nochmal über Kinderfreundlichkeit nachgedacht.

Kinderfreundlichkeit in Deutschland ist: ein Kinderstuhl, eine Malvorlage mit Bärchen, einige abgebrochene Buntstifte dazu, die Erlaubnis öffentlich zu stillen, ein Wickeltisch am Klo, vorwiegend ungesundes Essen (Pommes, Hühnchennuggets, totgekochte Nudeln, Eierkuchen mit Zuckerpampe), Extraeinrichtungen wie Eltern-Kind-Cafés oder Eltern-Kind-Abteile. Familienhotels gibt es wohl auch, dazu kann ich nichts sagen, die sind so teuer, die kann ich mir nicht leisten.

Kinderfreundlichkeit wie ich sie in Italien erlebt habe: alle Kinder laufen rum, werden angelacht, bekommen Zeug geschenkt, sind immer dabei, Babys werden rumgereicht, bis Kinder Teenager sind, werden sie in die Wangen gekniffen und alle äußern lautstark, wie süß sie sind. Kinder sind da so laut, dass Kind 1.0 seinerzeit total entsetzt war. Nie werde ich vergessen, wie es sagte: „Entschuldigung? Es ist schon 22 Uhr und die Kinder sind hier immer noch wach und spielen? Wann machen die Erwachsenen mal was?“

In Schweden habe ich es ähnlich erlebt, nur dass da die komplette Infrastruktur auf Kinder ausgerichtet ist. Kinderwagenparkplätze, Aufzüge, gefühlt vor jedem Restaurant Spielplätze, für die man in Deutschland Eintritt zahlen müsste. Überall freundliche Menschen, die sich über Kinder freuen und die Kinder verhalten sich in Restaurant so ordentlich, dass ich öfter dachte: „WTF? Wie machen die Schweden das????“

Keine Ahnung wie es in Griechenland ist, aber wenn wir hier zu unserem Lieblingsgriechen gehen, dann flachsen die Kellner mit den Kindern, die Kinder bekommen in Schnapsgläsern Saft und das Essen gefühlt in 2 Minuten nach der Bestellung. Ich habe auch schon erlebt, dass die Kinder mit in die Küche genommen werden oder Getränke servieren dürfen oder oder oder – sie werden eben einfach integriert.

In Deutschland wie gesagt, da werden sie separiert und persönlich habe ich das Gefühl, dass die bloße Existenz von Sondereinrichtungen dazu führt, dass viele denken: „Alter, muss die hier stillen? Kann die nicht in ein Eltern-Kind-Café gehen?“ Gleiches sobald Kleinkinder Geräusche machen.

Und ganz nebenbei gesagt: liebe Kinderlose, die ihr noch nie in Eltern-Kind-Cafés gewesen seid – die meisten Eltern-Kind-Cafés sind total nervig. Zum Beispiel weil das (so vermute ich) irgendwelche Liebhaberprojekte sind und die Bedienung keine professionelle Bedienung ist, sondern seltsamerweise oft eine Person, die total überfordert ist, wenn drei Eltern gleichzeitig sowas exotisches wie einen Cappuccino bestellen. Oft wartet man ewig auf die Bestellung und ich habe ausreichend Zeit Rach-der-Restauranttester-Fantasien zu entwickeln und bis die Waffel fertig gebacken ist, habe ich Prozesse geistig so optimiert, dass ich… aber lassen wir das. Die Qualität der Getränke und Speisen ist meistens mittelmäßig, dafür zahlt man aber gut 20% mehr als ein anderen Cafés (plus Spielgebühr von 2-5 Euro pro Kind).

Eltern-Kind-Cafés sind außerdem total laut. Ja, lachen Sie mich jetzt gerne aus. Aber in Eltern-Kind-Cafés denken eben alle: Das hier ist ein Eltern-Kind-Café, da muss ich jetzt nix mehr sagen/machen, da können die Kinder spielen und schreien. Nur dass da eben nicht 3 Kinder auf 30 Erwachsene spielen und schreien sondern 50 Kinder auf 30 Erwachsene. Es ist heiß, die Kinder schwitzen, ständig fällt irgendwo was um, alles klebt. Ich hasse Eltern-Kind-Cafés.

So. Jetzt ist es raus.

Also: Das Argument – lasst uns doch die kinderfreien Orte, ihr habt doch die Eltern-Kind-Wasauchimmer – naja.

Und bei näherem Nachdenken, habe ich festgestellt – eigentlich (so hoffe ich) geht es doch nicht darum, ob die Anwesenheit von Kindern ok ist oder nicht. Es geht doch eigentlich um den Wunsch nach Ruhe. Akustisch und im Sinne von ungestört sein.

Und mit Ruhe im öffentlichen Raum ist es so eine Sache. Komplette Ruhe kann man im öffentlichen Raum nicht verlangen. Da muss man zu Hause bleiben oder in den Wald gehen oder hochwertige Noise Cancelling Kopfhörer kaufen. Echt jetzt. Ich kann nicht irgendwohin gehen, wo 20 andere sind und verlangen, dass die mucksmäuschen still sind, weil ich meine Ruhe möchte.

Es gibt vielleicht Ausnahmen, wo Ruhe durch den Ort vorgegeben ist – wie etwa in der Bibliothek oder in der Kirche oder in der Wellnesstherme. Aber hier wird in Diskussionen immer so getan als wenn Thermen voller arschbombenmachenden Kinder sind – vielleicht weil das irgendwer irgendwann mal ein einziges Mal erlebt hat. Und weil 1997 Horsti mal eine Arschbombe in der Neuruppiner Therme gemacht hat, stören Kinder allgemein in Thermen und es wäre schon gut, wenn Thermen kinderfrei wären, nä? Gleiches gilt für Restaurants! Und warum gehen da Familien überhaupt hin, es gibt doch Familienrestaurants! (Kenne keins, kenne nur die ollen Cafés)

Die Antwort ist: Weil sie gut essen wollen. Und zum „gut essen wollen“, gehört übrigens auch der Wunsch „in Ruhe essen können“ und jetzt raten sie mal was man als Familie mit Kleinkindern in der Regel nicht macht? Richtig! Essen gehen. Weil Kleinkinder sind nicht gut zu regulieren und auch nicht so verständig sind und weil Geräusche und herumlaufende Kinder unerwünscht sind (Danke, Horsti!), bleibt man halt meistens zu Hause.

(Es sei denn man hat Geburtstag. Da hab ich es selbst mit Kleinkind gewagt essen zu gehen)

Danke, Horsti und danke Menschen, die aus vereinzelten Fällen von Fehlverhalten ein Präzedenzfall stricken, der eine ganze Bevölkerungsgruppe ausschließen soll.

Kinder nerven dich? Top! Spende damit ich mir eines Tages ein Familienhotel leisten kann.

226 Gedanken zu „Danke, Horsti“

  1. Offen gesagt, obwohl ich den Artikel gut und wichtig und richtig finde, tun mir aber auch manchmal die Kinder leid, die zu Unzeiten (Abends) in Restaurants sitzen müssen und sich langweilen. Schlimmer noch Säuglinge, die ununterbrochen weinen, weil die Geräuschkulisse unangenehm ist oder die stickige Luft… Alles nur, weil unsere Gesellschaft den Eltern vermittelt, ein Kind würde das Leben nicht verändern. Interkontinentalreisen, Restaurants, Babykino… Kein Problem. Ist ja nur ein Kind. Viele Eltern sind dann ebenfalls gestresst, was sich wiederum auf den Abend oder die Reise auswirkt. Erholung und Spaß ist das dann auch nicht. Warum können Familien nicht etwas gemeinsam unternehmen, bei dem sich alle Familienmitglieder wohl fühlen?

  2. Ich habe das größte Problem mit der Altersabgrenzung. Wenn dort stehen würde: Ab 17 Uhr sind wir ein „Ruherestaurant“ – kein Problem…
    Es gibt auch Kinder, die sehr gerne Ruhe mögen – in fast jedem Alter. Die gerne leise Tischgespräche führen und gerne langsam das Essen genießen. Vielleicht nicht so viele – aber es gibt sie. Und diese Kinder sollten dort auch willkommen sein. In einem „Ruherestaurant“ könnten dann Eltern selbst – nach Art und Tagesform des Kindes – entscheiden, ob das gerade eine gute Idee ist.
    Familienhotels sind übrigens wirklich toll – wir waren schon zweimal in einem – und besonders laut ist es dort gerade eben nicht. Klar schreit mal ein Kind – aber die meisten Familien nehmen Rücksicht auf andere Menschen und die Kinder haben so viel Spaß, dass sie gar nicht laut und anstrengend werden müssen. Die Mitarbeiter nehmen die Kinder ernst und es ist wirklich für alle ein entspannter Urlaub.

  3. Vielen Dank für deinen tollen Artikel. Du sprichst mir aus der Seele.
    Ich habe unheimlich viele Kommentare gelesen, in denen sinngemäß folgendes geschrieben wurde: „Ich bin zwar auch Vater/Mütter von 1/2/x Kindern, aber ich möchte auch mal in Ruhe aus Essen gehen.“
    Mir fallen dazu zwei Dinge ein:
    1. Ich gehe häufig und gerne Essen. Oft sind dort auch Kinder unterwegs. Ich habe es bisher nicht ein Mal erlebt, dass Kinder „über Tische und Bänke gegangen sind“.
    2. Wer in der Erziehung so versagt, dass er Ruhe von seinen eigenen Kindern braucht und durch eine schlechte Ausrede „da dürfen aber keine Kinder hin“ unterstützt werden muss, der sollte keine Kinder bekommen dürfen.

  4. Ich hab bei der Oma auch schon kommentiert, war die mit dem Wellnessbereich und dem Verständnis für Ruhebedürfnis. Ich finde, Du siehst das Ganze etwas eng. Ich bin grundsätzlich nicht für Separieren. Bin NICHT der Meinung, Eltern sollen gefälligst in die Eltern -Kind-Cafés gehen und sich da gegenseitig von ihrer Kindern vollschreien lassen. Ich hab selbst drei Kinder und werd nicht gern ausgeschlossen noch hab ich Lust, mehr zu zahlen, damit ich die Kinder mitbringen darf.
    Aber: Ich hab mich schon von Kindern gestört gefühlt. Zb in de Sauna, wo ältere Kinder wirklich laut waren und ins Abkühlbecken sprangen und die dazugehörigen Erwachsenen eben nichts sagten.
    Es geht doch um Nischen, dass es vielleicht auch mal ein Restaurant, Hotel oder wasauchimmer ohne Kinder gibt unter vielen. Wirklich so ein Drama? Soll man dann auch die Frauensauna wegen Diskriminierung verbieten? Werden ja auch alle Männer irgendwie abgeurteilt, lüstern auf die Frauen zu glotzen. Wozu ü40-Diskos? Muss ja alles nicht sein. Ist aber auch nicht schlimm.

  5. Ich stimme vielem, vielleicht fast allem zu. Die deutsche Mentalität könnte sicher an vielen Stellen offener sein. Aber an einigen Stellen denke ich auch, dass die Vorwürfe überzogen sind. Im Zug wird der telefonierende „Businessaffe“ genauso schief angeschaut wie die feucht fröhlichen Kegel Senioren. Ist die Gesellschaft deshalb anti-kapitalistisch oder seniorenfeindlich? Und dann leugnet man völlig, dass der Wirt womöglich wirklich wiederholt schlechte und rücksichtslose Erfahrungen gemacht hat. Für so ausgeschlossen halte ich das gar nicht. Es ist sein Laden und sein Herzblut. Wer bin ich, ihm vorzuschreiben, wie er den zu führen hat? Und selbst wenn’s keine Grundlage hat. Sollen die doch ihren Kinderfreien Laden machen. Mal geschaut, was da für Leute drin sitzen? Die tun mir ja eher leid… Die haben keine Freude am Leben. Die kann man eher auslachen. Bedrücken tun mich die jedenfalls nicht.

  6. Als meine Tochter 1,5 Jahre alt war, waren wir am einem Badesee. Neben uns war eine Gruppe von jungen Männern aus Polen, die ziemlich laut Musik hörten. Die Menschen auf den umliegenden Decken haben wegen der lauten Musik grimmig geschaut. Meine Tochter aber begann zu tanzen, daraufhin kam ein ca. 20jähriger auf sie zu und schenkte ihr eine Milchschnitte. Das fand ich total süss. Ich finde es so schade, dass die meisten Menschen sich heutzutage nicht trauen ein Kind einfach anzusprechen und Kontakt aufzunehmen….

    1. Ja, das ist in der Tat traurig und auch seltsam. Ich habe in dem oben verlinkten Artikel über Kinderfreundlichkeit in Israel die Kommentare gelesen und war sehr verwundert, dass so viele Angst haben, dass die Freundlichkeit falsch gedeutet werden kann.

  7. Die Damenmannschaft des Kegelclubs die in unserem IC Wagen reiste, uns so laut krakelte und Prosecco trank dass das Baby nicht schlafen konnte.
    Ich fordere ü50 freie Züge. Die können sich von Natur aus nicht benehmen.

  8. Hm, ich als Mutter habe ein Problem mit Menschen, die sich anmaßen, das „fehlende Benehmen“ fremder Eltern und Kinder verurteilen u Gastronomen „verstehen“, welche die Wortwahl „Kinder, die nicht auf dem Arsch sitzen bleiben können“ als adäquate öffentliche Kommunikation erachten

  9. Ich glaube, es war Karl Valentin, der den Satz sagte „Mei, was hilft die ganze Erziehung, die Kinder machen einem eh alles nach.“

  10. Ich finde das Problem, welche Maßstäbe mitunter angesetzt werden, um zu beurteilen, ob sich ein Kind „gut“ benimmt oder nicht. Da hat man gerne den Eindruck, es sollte wie die eigene Oma am Tisch sitzen und sich nicht bewegen und auch keinen Mucks von sich geben. Ich glaube, es ist den meisten vermutlich kinderlosen Menschen nicht bewußt, was alterentsprechendes Verhalten ist – was man da erwarten darf und was erst noch gelernt werden muss. Außerdem finde ich es ausgesprochen problematisch, wenn vermeintliches Fehlverhalten sofort mit „Versagen der Erziehung“ gleichgesetzt wird. Was soll ich denn machen, wenn mein Sechsjähriger schrilles Schreien als eine wirksame Form der Unmutsäußerung entdeckt hat? Ihn schlagen, bis er still ist, damit er das nicht a) an der Bushaltestelle oder b) im Café macht? Natürlich finde ich das nicht super, aber ich fänds auch nicht super, wenn ich nicht mehr aus dem Haus gehen kann, weil meine Kinder einfach Kinder sind…

  11. Wir waren mit unserer 7jährigen im Oman und das Kind war völlig verstört, wie nett man permanent zu ihr war. Man sprach sie im Hotel und im Restaurant immer zuerst an, strich ihr über den Kopf, brachte ihr Getränk zuerst & schenkte ihr permanent Süßigkeiten. Gott sei Dank, waren wir nach 10 Tagen zurück in Deutschland. Nichts auszudenken, dass das Kind annimmt, Kinder seien eine Freude. ;-)

  12. Nö, das kriegt man schon relativ schnell mit. Wenn man zum wiederholten Mal einem Kind sagen muss, dass xy nicht geht, die Eltern daneben sitzen, betreten gucken und sagen: „Das haben wir echt nicht drauf.“
    Benehmen im öffentlichen Raum. Wichtig.

  13. Ich hab‘ drei Kids, ich weiss was die in den verschiedenen Altersstufen konnten.
    … ich hab‘ durchaus Verständnis für Dinge; wie die gerade jetzt neben mir sitzende, fremde 7-jährige, die im Zug Peppa Wutz ohne Kopfhörer schaut ?

  14. Klar gibt es solche Eltern. Ich denke aber, dass man das als Außenstehender nur begrenzt beurteilen kann, ob die Eltern Kindern kein „Benehmen“ beibrigen wollen oder ob es halt nur altersgemäßes Verhalten von Kindern ist. Oder ob es in der Situation grad nicht anders geht.

  15. Als Vater habe ich mit dem Rügen-Restaurant überhaupt kein Problem. Ich habe – und das ist wohl eher des Pudels Kern in der Gesellschaft – schlicht ein Problem mit Eltern, die ihren Kindern nicht begreiflich machen können, dass man sich benehmen kann ;-)

  16. Ich habe keine Kinder und ich fühle mich manchmal auch durch Kinder gestört, z.B. wenn sie durchgehend schreien oder, noch schlimmer, kreischen. Aber ich fühle mich genauso durch einen lautstark telefonierenden Menschen gestört oder eine laute Straße direkt neben dem Restaurant. Es ist tatsächlich das Bedürfnis nach einer etwas ruhigeren Atmosphäre (keine ruhige(!) Atmosphäre), das mich ungehalten reagieren lässt. Vielleicht liegt es bei uns im Gegensatz zu den südlichen Ländern daran, dass die Innenräume der Restaurants meistens eine schlechte Akustik haben und im Gegensatz zu draußen alles dreimal lauter klingt?
    Aber ich sehe auf keinen Fall die Kinder als Problem, wenn mich das stört dann gehe ich entweder woanders hin oder ich akzeptiere es einfach, weil ich weiß (oder hoffe), dass das Kind nicht durchgehend die zwei Stunden schreien wird, die ich dort esse. Und selbst wenn – es mag mich stören, aber weder das Kind noch die Eltern können was dafür, also hilft nur aushalten.
    Und ich glaube, deswegen fände ich separate Mutter-Kind-Cafés auch furchtbar. Außerdem möchte ich ja trotz Kindern irgendwann mal nicht nur auf deren sondern auch auf meine Bedürfnisse eingehen. Und wenn dazu Essen gehen gehört, dann gehört auch das Kind dazu. Punkt. Kinderfreie Räume finde ich unmöglich.

  17. Ein schöner Beitrag, dem ich auch weitestgehend zustimme.
    Was ich nicht ganz teile, ist die Kritik an den Spiele-Cafés. Das liegt daran, dass ich die ganz anders wahrnehme. Wenn ich Kaffee trinken und Kuchen essen will, gehe ich in ein Café – mit Kindern und ohne. Wenn ich möchte, dass die Kinder 2 Stunden irgendwo spielen können, aber das Wetter schlecht ist, wir keine Lust auf großen Ausflug, aber auch nicht auf die Wohnung haben, … dann gehen wir ins Spiele-Café. Ich habe das wirklich eher immer als Kinderspielraum (mit Eintritt) gesehen, wo es quasi als Zusatzangebot auch noch Kaffee gibt.

    Und zu deinem allgemeinen Teil: wieviel Ruhe kann man an öffentlichen Orten erwarten? Ich meide mittlerweile viele Cafés in denen (gefühlt) 90% der Leute am Laptop arbeiten. Ich bilde mir dann sehr schnell ein, wenn ich mich jetzt dort mit Freunden/meinem Mann unterhalte, störe ich die anderen beim Arbeiten und fühle mich unwohl. Eigentlich ist das ja Blödsinn. Wie du sagst, die anderen haben ja auch bewusst einen öffentlichen Ort gewählt.

  18. Warum das in anderen Ländern besser klappt? Hmmmh… könnte es vielleicht daran liegen, dass Eltern entspannter sind, wenn sie nicht mit der Erwartung ein Restaurant betreten, dass die Kinder sich auf jeden Fall möglichst tadellos (sprich: leise und angepasst) benehmen müssen? Kinder spiegeln nun mal auch die Eltern und spüren instinktiv, wenn die Eltern z.B. nervös oder angespannt sind.

    Habe in Dänemark jedenfalls mal erlebt, dass ein Paar mit FÜNF kleinen Kindern (von Grundschule bis gerade auf der Welt) in aller Seelenruhe ein Restaurant betrat. Niemand zuckte auch nur mit der Wimper und…. die Kinderschar war extrem ruhig.

    Und in Italien: Unsere beiden Kinder hatten einen ganz schlechten Tag und waren im Lokal außer Rand und Band. Irgendwann war plötzlich Stille und wo fand ich die beiden? In der Restaurantküche. Die Betreiber hatten den beiden eine Portion Erdbeeren mit Sahne spendiert und Kellner, Köche und Besitzer bespaßten die Kleinen.

    VAMOS ist übrigens tatsächlich sehr zu empfehlen für Reisen mit (kleinen) Kindern. Leider nur bezahlbar außerhalb der Schulferien.

    Und ja, Eltern/Kind Einrichtungen sind meist schrecklich, wenn man sich nicht die superteuren Luxusherbergen leisten kann, die es z.B. im Alpenraum öfters gibt. Am schlimmsten fand ich immer Indoor-Spielplätze. Wenn man da raus kommt, kann man sich auch zur Erholung an die Startbahn West am Frankfurter Flughafen setzen.

  19. Und zum Thema Restaurants noch: Kinder müssen erst lernen, wie man sich in Restaurants benimmt. Und das geht halt am besten, wenn man mit ihnen auch hingeht. Und Restaurantpersonal kann ohne viel Aufwand einiges tun, damit Kinder ihr volles Nervpotential gar nicht erst entfalten.

  20. Muss jetzt mal loswerden, daß ich erst 1 negatives und viele positive Erlebnisse mit Kindern in Restaurants/ Geschäften hatte. Oft in Läden, die gar nicht speziell für Kinder sind. Es wäre möglich, daß mir das Positive auffällt, weil es nicht die Norm ist. Da muss ich nachdenken.

  21. Da fällt mir ein wie wir mal eine Flussfahrt unternamen und 1Paar sich total darüber aufregte, dass wir 2 (!) Kleinkinder mit auf diese Reise genommen haben. Das hätten Sie ja nicht gewollt…
    Dafür kamen dann andere und erklärten uns wie glücklich unsere Kinder sie machen. ??

  22. Ich habe meine Kinder in den Ferien nach Deutschland gebracht, in ein kleines Dorf, wo schöne Erinnerungen gemacht wurden. Meine Kinder waren laut fröhlich, und lebhaft. Direkt
    schlechte Erfahrungen habe ich nicht.
    Im Vergleich zu Hunden, die in Deutschland im Gegensatz zu den USA überall mit hin dürfen , muss ich aber sagen, dass Tiere in Deutschland in der Öffentlichkeit viel besser behandelt werden als Kinder. Es ist auffallend.

  23. Ich hatte heute so viel Kinderhass in den Replys – auch und viel von Eltern. Denn Horsti war offenbar schon überall und seine Eltern sind ja das wahre Problem, weil die sich ja gar nicht kümmern! Und das sind immer für anderen Eltern, denn meine Kinder sind nicht so!

  24. Genau das ist der Punkt ! Je mehr sich alles in extra Einrichtungen trennt, desto mehr können die einzelnen Gruppen auch in die für sie bestimmte Ecke verwiesen werden. Kinder-Cafe und Only-Adult sind dann kein Zugewinn und kein Privileg mehr, sondern der Ort, an den man sich gefälligst trollen soll.
    LG

    1. Ich hatte in der Elternzeit eine Jahreskarte für die Museen Preußischer Kulturbesitz und bin jede Woche 1-2 Mal ins Museum gegangen. V.a. vormittags wenn es leer war. Sehr oft hat sich das Personal dann über das Krabbelkind gefreut.
      (Ich hab ja auch positive Erfahrungen gemacht, so ist es nicht).

      1. Ich gehe regelmäßig mit meiner Tochter in ein Eltern-Kind-Zentrum mit kleinem Selbstbedienungs-Cafe. Da kann ich mit der Tochter einen Vormittag oder Nachmittag im Sandkasten, auf der Schaukel oder in der Spielküche verbringen. Das kostet mich keinen Cent. Ausser ich möchte Kaffee trinken oder zu Mittag essen. Das ist ein Ort, wo ich viele Leute kennen gelernt habe, die zu meinem erweiterten Dorf gehören. Die Leute dort hätte ich an keinem anderen öffentlichen Ort kennen gelernt. Ich hätte mich auch sonst nirgendwo mit endlich schlafendem Baby neben mir im Kinderwagen aus Sofa legen und ausruhen können. Waffeln backen in angemessener Geschwindigkeit können die ehrenamtlichen Helfer und Bufdis dort zwar auch nicht. Unglaublich laut und zu voll für mich kann es dort auch mal sein.
        Ich persönlich finde solche Orte aber trotzdem unglaublich wichtig, vor allem beim ersten und einzigen Baby im Verwandten- und Freundeskreis.

  25. Bestimmt hat Deutschland in Sachen Kinderfreundlichkeit eine andere Kultur als Italien, Schweden, Israel. In Deutschland werden Kinder vielleicht eher dazu erzogen, sich anzupassen, sich an Vorschriften zu halten, nicht übermäßig aufzufallen und die Erwachsenen nicht zu stören. (In Stadtteilen wie meinem, die einen hohen Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund haben, merkt man das besonders, da ist die Kinderkultur nämlich eine andere, eher italienische, wobei hier insbesondere die kleinen Jungs alles dürfen, aber das ist nochmal ein Thema für sich.)
    Das ist das eine Thema, das Grundsätzliche, die Kultur. Die zu ändern, wird dauern, aber man kann es versuchen.

    Das andere Thema ist die Frage, was daran so verwerflich sein soll, wenn jemand ein Angebot nur für Erwachsene macht. Es ist ja nicht so, dass du auf nervige Elter-Kind-Angebote angewiesen wärest. Du kannst – mit Kindern! – überall hingehen. Nur nicht in die Handvoll Hotels und Restaurants, in denen Kinder nicht erwünscht sind.
    Es ist ja nur ein Angebot. Wer seine Ruhe haben will, geht zu Adults-Only, und wer das blöd findet, geht in ein Restaurant für alle. Und die ganz Harten gehen ins Eltern-Kind-Cafe. Wo ist das Problem?
    Und davon abgesehen: Auch die Schweden haben zum Beispiel Hotelangebote nur für Erwachsene. Es scheint da auch in ausgewiesen kinderfreundlichen Ländern so einen Bedarf zu geben.

    1. Naja, mitnichten. Wie gesagt: Dadurch, dass es Eltern-Kind-Einritungen gibt, ist man zunehmend der Forderung ausgesetzt die auch zu nutzen.
      Wenn ich mir die Situation umgekehrt vorstelle, also jemand beschwert sich, dass meine Kinder zu laut sind und ich würde sagen: „Es gibt doch Adult-Only, geh doch dahin, wenn du Ruhe haben willst. Dafür gibt es diese Einrichtungen doch extra!“, ob sich da nicht auch der ein oder andere an den Kopf greifen würde und mir dann erklärt, dass Restaurants eben für alle da sind.

    2. Ich finde es überhaupt nicht schlimm, zu sagen „hier ist ein Raum nur für Erwachsene.“ Punkt. Und dann muss man das auch so stehen lassen können.
      Was diesen Präzedenzfall kinderfeindlich macht, ist die Begründung „weil Eltern ihre Kinder nicht im Griff haben, gibt’s hier keinen Eintritt mehr für Kids.“ Weil diese Aussage nämlich bedeutet, Kinder haben gefälligst ruhig und angepasst zu sein und Eltern haben dafür Sorge zu leisten. Das ist kinderfeindlich. Oder wie nein Vater sagen würde: man kann es drehen und wenden, wie man will. Der Arsch bleibt immer hinten.

      1. Dann gerne nur Adults-only Einrichtungen nutzen.

        Das Problem ist die Verallgemeinerung „Die Eltern“ „ihre Kinder“ nicht im Griff haben = Ausschluss aller und nicht der Wunsch, dass sich Kinder den Gegebenheiten anpassen. Das können Kinder nämlich und der Großteil der Eltern trägt genau dafür Sorge.

        1. Ok, der Ausgangspunkt war ja eher – mein Verständnis -, dass der Rügener Wirt dafür in der Kritik stand, ein (Teilzeit-)Adults-Only-Angebot gemacht zu haben.
          Die Kritik daran, dass man als Familie (gefühlt) auf Familienangebote verwiesen werde, ist eine ganz andere als die, dass ein Wirt ein Angebot nur für Erwachsene macht.
          Familien können überall hin, nur nicht zu Adults-Only, und alleinreisende Erwachsene können auch überall hin, dürfen sich aber bei ausdrücklich familienfreundlichen wie auch bei sich an alle richtenden Angeboten nicht beschweren, dass Kinder da sind.
          Ich verstehe das Problem immer noch nicht. Es können doch alle da glücklich werden, wo sie wollen.

          1. Das mit dem Wirt war der andere Artikel. Hier geht es mir u.a. darum, dass die bloße Existenz der Extra-Kind-Einrichtungen zunehmend argumentativ genutzt wird, dass sich Familien doch bitte da und nicht in den „normalen“ Einrichtungen aufhalten.
            (Plus dass das wachsende Adults-only Angebot anhand von Einzelfällen verargumentiert wird und FehlVERHALTEN Einzelner dazu genutzt wird ganze Gruppen pauschal auszuschließen.)
            Mal abgesehen davon gibt es ja das Ungleichgewicht, dass Kinderlose natürlich in Eltern-Kind-Cafés dürfen. Umgekehrt gilt das für die kinderfreien Einrichtungen natürlich per Definition nicht.

  26. Ich habe keine Kinder, freiwillig und das bleibt auch so. Ich mag Kinder. Und wenn ich meine Zeit in einer kinderfreien Umgebung verbringen will, dann bleibe ich zu Hause. Fast überall sonst gehören Kinder nämlich dazu.

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