Karrierefalle Vollzeitpartner

Bei Sophie Lüttich im Networking-Mom-Blog, habe ich den Artikel „Teilzeit-Mutter: Auch wenn man alles richtig macht, ist es nicht gut.“ gelesen. In dem Artikel berichtet eine top-ausgebildete Frau, die sich nach dem Studium hart eine Karriere erarbeitet hat, dass sie diese zu den Akten legen konnte, weil sie Kinder bekommen hat und sich deswegen für eine Teilzeittätigkeit entschieden hat.

Sie schreibt: „Als ich aus der Elternzeit zurückkam, sagte ich zu meinen Arbeitgeber: ich komme mit x Stunden, ich arbeite davon y Stunden im Home Office und an den folgenden Tagen wären die Präsenztage ideal. Mein Arbeitgeber hat gesagt: Das ist in Ordnung. Ein Traum! […] Teilzeit muss also die Lösung sein, oder nicht? Für Kinder ja. Für die Arbeit nein. In Teilzeit bleibt Vieles auf der Strecke für die Arbeitskraft: zB die rasche Einarbeitung in ein neues (Denk-)Gebiet, die Teilnahme an allem, was für die Einarbeitung und das Dranbleiben sinnvoll wäre (Vorträge, Symposien, Fortbildungen). Als Teilzeitkraft bin ich weniger gut aufgestellt. Ich bin am Nachmittag kein Ansprechpartner mehr. Ich kann bestimmte Vorgänge, die auch noch am Nachmittag besprochen werden sollten, weil ein Durchlauf wegen Terminierungen sinnvoll ist, nicht bearbeiten und hänge an den weniger wichtigen Dingen, die inhaltlich natürlich auch kaum interessant sind.

Das ist in der Tat so, wenn man Alleinerziehend ist. Aber mit Partner? Dazu finde ich im Text: „Hat man jemanden geheiratet, der weiterhin Vollzeit arbeitet und seinerseits ein klein wenig Karriere gemacht hat, also mit Dienstreisen und vielen Terminen belastet ist und hat man keine Großeltern vor Ort, dann fallen Vorträge, Symposien, mehrtägige Fortbildungen und weitestgehend interessante Aufgaben für das andere Elternteil überwiegend weg. Das andere Elternteil bin ich.

Mein Kopf fällt langsam auf den Tisch.

Wie oft muss ich solche Sätze eigentlich noch hören? V.a. in dieser Selbstverständlichkeit? Da kommen eine Mann und eine Frau zusammen, die beide einen super Job haben. In dem Fall klingt es wirklich beeindruckend. So dass ich sogar davon ausgehe, dass die Frau alleine schon ganz gut verdient und das Gehaltsgefälle vielleicht gar nicht so hoch ist. Dass wohlmöglich sogar ein Gehalt für ein gutes Leben reicht. Das Paar entscheidet sich Kinder zu haben.

Was passiert dann?

Das Paar entscheidet sich, dass die Frau Teilzeit arbeitet. Für den Mann ändert sich nichts. Er arbeitet weiter Vollzeit. Die Karriere der Frau ist futsch.

Warum?

Warum kommt es nicht so, dass ein Paar in dieser Konstellation sich nicht entscheiden kann oder möchte, sich gegenseitig beides zu ermöglichen? Eine Karriere UND eine Beziehung zu den Kindern? Wenn nämlich beide Paare Stunden reduzieren und zeitversetzt bzw. in Absprache arbeiten, dann kann man auch Dienstreisen, Fortbildungen, Abendveranstaltungen und Networking-Events wahrnehmen. Am Ende ist sogar genug Geld da, sich in Ausnahmefällen einen Babysitter zu leisten, wenn nämlich beide gleichzeitig abends mal irgendwo sein müssen.

Anstattdessen bekommt der Mann alles (Karriere UND Kinder) und die Frau gibt ihre Karriere auf und unter Artikeln dieser Art stehen dann Kommentare wie „Immerhin hat sie was von den Kindern“ oder „I feel you. So ist es eben mit Teilzeit.“

Puh.

P.S. Es geht mir nicht darum, die zitierte Person anzugreifen. Die Geschichte ist nur exemplarisch für ein Phänomen, das ich immer und immer wieder höre (und nicht verstehe).

127 Gedanken zu „Karrierefalle Vollzeitpartner“

  1. Hi,

    Meine Frau und ich haben die Rollenverteilung umgedreht. Sie macht Karriere und ich Teilzeit und Kinderbetreuung. Die mehrheitliche Reaktion war vor allem von „älteren“ Männern (so um die 50), dass sie auch gerne mehr Zeit mit ihren Kindern verbracht hätten und die neuen Möglichkeiten mit Elternzeit usw. toll finden.

    Ich glaube, dass wir gesellschaftlich noch nicht so weit sind wie manche es sich gerne wünschen oder glauben, aber dass wir auf dem richtigen Weg sind.

    Als meine Mutter von früher erzählt hat, erwähnte sie das Männer früher nicht mal den Kinderwagen geschoben haben, geschweige denn mal eine Windel wechselten. Von daher hat sich ja schon viel getan :)

  2. BTW: Hast du die Studie vom BMfSFJ gelesen?
    https://www.bmfsfj.de/blob/83858/928434dae7d841aadc5d2b0ef137573b/20160307-studie-mitten-im-leben-data.pdf?fbclid=IwAR1gt6YnFoZMu3SyAZTCwwPNDMuUj4Leb1Wdb6U06JObnQ7npNstk67Dk_M&mc_cid=fa78678aa9&mc_eid=44da3f7e3f
    Ab 2. Zentrale Befunde
    „3. Ein eigenes Nettoeinkommen über 2.000 Euro haben nur 10 % der Frauen im Alter zwischen 30 und 50 Jahren, aber 42 % der Männer im gleichen Alter.
    • Von den verheirateten Frauen dieser Altersphase haben 19 % kein eigenes Einkommen und insgesamt 63 % unter 1.000 Euro. Die Ehe wird für viele Frauen aufgrund bestehender Anreizstrukturen in ihren Folgen und Risiken abhängigkeitsfördernd und kann sich existenz- bedrohend auswirken auch für die Familie im Fall von Berufsunfähigkeit oder Arbeitslosigkeit des Hauptverdieners. Nur 6 % der verheirateten Frauen haben ein eigenes Nettoeinkommen über 2.000 Euro.“

  3. Ich bin ein sehr ähnlicher Fall wie die Frau in dem Artikel. Aber ich bin happy. Ich habe eine interessante und erfüllende Stelle, in Teilzeit, in einer Bundesbehörde. Ich habe am Nachmittag Zeit für unsere drei Kinder. Wenn sie noch größer und selbständiger sind, stocke ich auf. Mein Mann macht dabei eine Karriere, die in Teilzeit nicht möglich wäre. Da ist vielleicht der eigentliche Haken: Eine echte Karriere ist in D in Teilzeit in der Wirtschaft in der Regel nicht möglich. Beim 70/70 Modell müssen sich beide mit Mittelmaß begnügen, karrieretechnisch. Da müsste man ansetzen, wenn man was verändern will. PS: falls wir uns scheiden lassen, bin ich abgesichert. Ich bekomme die Hälfte seiner Rentenanwartschaften, so wie jede verheiratete Ehegatte in Deutschland. Außerdem habe ich ja noch meinen eigenen Job, in dem ich jederzeit auf Vollzeit aufstocken könnte und der auch Pensionsansprüche abwirft . Also keine „Teilzeitfalle“. Fazit: Die Frau in dem Artikel ist unzufrieden, und deshalb sollten sie und ihr Mann etwas ändern. Man kann aber im gleichen Modell auch sehr zufrieden sein. Es zeigt sich mal wieder die Vielgestaltigkeit der Lebensverhältnisse in Deutschland.

    1. Hier auch so – man darf aber nicht vergessen, dass die Beamten meines Wissens nach oft bessere Konditionen haben als die Arbeitnehmer in der „freien Wirtschaft“.
      Die Kombi Frau = Beamtin, Mann = Karriere da Draußen scheint aus Gründen ganz beliebt zu sein; ich habe viele Kolleginnen, die – weitblickender, als ich je war – sich schon bei der Berufswahl überlegt haben,womit sie denn Beamtin werden können, weil sich so Familie und Berufstätigkeit gut vereinbaren lassen.

  4. Wir haben eine vierjährige Tochter und sie geht in einen privaten Kindergarten. Diese Kita bietet recht ausgedehnte Betreuungszeiten und bei Bedarf können die Kinder auch am Samstag kommen. Allerdings erleben wir hier (in der Nähe von Münster) zur Zeit eine Renaissance des klassischen Familienmodells. Ein Elternteil bleibt Zuhause oder arbeitet in Teilzeit, der Andere in Vollzeit. Viele Kinder gehen lediglich zwischen 8 und 12 Uhr in die Kita und nur sporadisch nachmittags. Es gibt sogar Eltern, die wieder komplett Selbstbetreuung betreiben und ihren Nachwuchs bewusst nicht in die Kita geben. Das sind allesamt gebildete und wohlverdienende Menschen, die sich sehr für ihre Kinder engagieren und die ganz bewusst ihren Kindern Zeit schenken. Sie engagieren sich ehrenamtlich im Sport-oder Schwimmverein, unterstützen die Musikschule oder sind in Umweltprojekten und un der Flüchtlingshilfe aktiv. Mein Mann und ich sind selbstständig und arbeiten daher Vollzeit. Wir haben durchaus das Gefühl, dass den oben geschilderten Familienverhältnissen Positives abzugewinnen ist. Zumal diese Menschen allesamt Wichtiges für das soziale Leben leisten, was z.b. ich aufgrund meinen Arbeitszeiten nicht leisten kann. Davon profitiert natürlich auch unser Kind. Hier vor Ort sind Eltern in der Lage, jedes Verdienermodell (genügend Kitaplätze, ausreichend qualifizierte Arbeit etc.)zu leben, bevorzugen jedoch das oben Geschilderte und scheinen glücklich damit zu sein.

  5. Absolut, mich nervt das auch sososo sehr, das jeder davon ausgeht, das Frau weniger arbeiten.

    Und was mich im lesen der Kommentare hier und auch sonst so arg wütend und traurig macht ist: Warum zum fick, sehen das alle als Problem der Frau? “ Die Frau muss das von ihrem Mann einfordern. Die Frau muss einen Weg finden das besser zu machen. Die Frau muss sich erkämpfen, dass der Mann auch mal (!SIC) hilft (!SIC). Die Frau muss dafür sorgen, dass der Mann den Mental Load abnimmt. Die Frau muss ab dem Moment des Schwangerschaftstest darum kämpfen, dass sie Aufgaben 50:50 teilt“.

    WTF!

    Danke, dass du die Probleme immer wieder bennenst und aufschreibst, diskutierst und in den Köpfen der Menschen hälst. Was ich in Diskussionen darum immer wieder sage und auch mal bei dir gelesen haben „Warum muss eine Familie immer auf Gewinnmaximierung ausgelegt sein?“

    1. Ich habe in meinen Kommentaren häufig „die Frau muss…(wenn sie 50:50 will)“ geschrieben, und nachdem Dich diese Ansicht frustriert, möchte ich Dir schreiben, warum ich sie für realistisch (wenn auch nicht unbedingt beglückend) halte.
      Seit 25 Jahren beschäftige ich mich mit Feminismus bzw. auch der Vereinbarkeitsfrage. Seit 25 Jahren heißt es: „Die Neuen Väter werden…die Neuen Männer werden…der Feld liegt im Ball der Männer…“. Seit 25 Jahren passiert nicht besonders viel. Offensichtlich reißen sich die Neuen Männer und die Neuen Väter aus eigenen Stücken nicht wirklich darum, sich 50:50 in Haushalt und Carearbeit einzubringen.
      Es spielt sicherlich eine Rolle, dass die meisten mit einem klassischen Rollenbild aufwachsen, aber hey, ich persönlich konnte mit 18 auch keine Waschmaschine bedienen (meine Mutter traute es niemandem zu, das fachgerecht zu tun) und habe es gelernt. Es ist also lernbar.
      Junge Männer heutzutage pflegen auch alleine zu leben und verhungern dabei nicht bzw. ersticken nicht in ihrem eigenen Staub und Dreck. Sie können also zumindest einen Haushalt führen. Tatsache ist aber: in Familien landen Haushalt und Carearbeit überwiegend bei den Frauen, egal, ob sie mehr oder weniger verdienen als Männer, und auch, wenn sie im selben Ausmaß erwerbstätig sind wie ihre Männer. Die tun also überwiegend Dinge nicht, die sie tun können.
      Warum tun sie sie nicht? Obwohl es richtig wäre? Man denke nur mal daran, wie schwer es einem persönlich fällt, auch nur kleine Veränderungen an sich herbeizuführen und vor allem dauerhaft beizubehalten, selbst wenn es für einen selber wichtig, ja notwendig wäre; selbst, wenn er/sie rational völlig einsieht, dass eine Veränderung nötig und wichtig wäre. Wie vielen Leuten gelingt es nicht, dauerhaft mit dem Rauchen aufzuhören, selbst wenn sie gesundheitlich beeinträchtigt sind?
      Und nun soll jemand sein relativ kommodes Leben dauerhaft für sich unbequemer gestalten, und zwar aus eigenen Stücken, ohne Druck von außen, ohne Leidensdruck, nur, weil es moralisch *richtig* ist.
      Das erscheint mir, nachdem ich 25 Jahre lang beobachtet habe, wie das so abläuft, unrealistisch. Ich glaube, es nützt niemandem, darauf zu beharren, dass die Männer doch von sich aus ….müßten…, und wie unfair es sei, dass die Frauen immer…müssen… Ja, sie müssten. Meine persönliche 25-jährige Langzeitstudie ergibt: die meisten tun es nicht.
      Deshalb denke ich: ohne Druck geht gar nichts. Entweder er kommt von der Gesellschaft, er kommt über politische Weichenstellungen, oder er kommt über die Person in der Beziehung, die gerne etwas anders haben möchte. Am Wirkungsvollsten wäre wahrscheinlich ein Zusammenspiel aus allen drei Faktoren; aber die ersten beiden kann man selbst nur in kleinem Rahmen beeinflussen, wenn überhaupt, und die Beharrungskräfte sind sehr stark. In der Beziehung steckt man als Frau selbst drin und kann am meisten direkt bewegen, denke ich. Darum halte ich es für ehrlich, zu sagen: ja, der Ball läge im Feld der Männer, aber da liegt er halt so rum, während sie irgendetwas anderes machen und sich dabei ganz wohl fühlen. Wenn die Frau Veränderungen in ihrem Sinne will, dann sollte sie überlegen, ob sie sich den Ball zurückholen will.

  6. Deine Artikel öffnen mir immer wieder die Augen!

    Wir haben in unserer Partnerschaft einen für uns gut funktionierenden Weg gefunden – aber ja, aus Gründen ist dabei das „bequemere“ Ende bei mir. Das, was du hier immer wieder schreibst, sorgt aber (auch) mit dafür, dass das im Bewußtsein bleibt und wir uns Mühe geben, gefühlte Gerechtigkeit herzustellen.

    Den Begriff „Mental Load“ kenne und verstehe ich vor allem dank dir. Merci!

    1. Danke, dass Du mich das wissen lässt. Es gibt eigentlich keine größere Motivation zu bloggen, wenn ich das Gefühl habe im Kleinen was zu bewegen.

  7. Danke Nuf. Sehr bei dir.

    Dieser erste Kommentar und dessen Logik „Wenn beide Vollzeit arbeiten, kommt das Kind zu kurz“. Demnach wüchsen in all den Ländern wo 2x Vollzeit die Norm ist, lauter vernachlässigte Kinder auf. Als da z.B. wären Belgien, Frankreich, den USA, zu großen Teilen auch Schweden.
    DAS ist ein urdeutscher Glaube.

    Dann wäre da noch Arbeitskultur. Vergleicht mal die Meeting Agendas von Dänen, Deutschen, Belgiern, Finnen. Wenn eine Organisation sich dazu verpflichtet, dass keine Termine nach 17h stattfinden, ist das familienfördernd.

    Und Rahmenbedingungen für Familien. Guckt mal nach Dänemark. Dort hat ein großer Produktionsbetrieb (Nahrungsmittel) für seine MitarbeiterInnen einen 24h-Kindergarten (ich höre schon die entsetzten Aufschreie „Aber die Kinder“), wenns beim Schichtbetrieb knallt. Oder Belgien. Da gibt es für kleines Geld eine Kinderkrankenschwester, die ein krankes Kind zuhause betreut.

    Und es geht um Macht und Normen und Erwartungen. In Deutschland ist die Norm „Frau: Mutter: Teilzeit“ „Vater:Mann: Vollzeit“. Jeder, der das NICHT macht, bewegt sich außerhalb dieser Norm und das braucht Zusatzaufwand.

    Als Deutsche im Ausland fällt mir zudem auf, wie wertend in Deutschland mit Eltern umgegangen wird.

  8. Also….mal abgesehen davon, dass ich eine berufliche „Karriere“ überhaupt nicht erstrebenswert finde:

    Genau wie es im Internet von modernen Superpapis wimmelt, die natürlich ganz, ganz doll ihre Frauen unterstützen und sich um Kinder, Haushalt und alles kümmern, wimmelt es auch von modernen Superfrauen, die ohne Kinder ganz, ganz bestimmt eine Mega-Karriere hingelegt hätten. Die traurige Wahrheit:

    Wenn keiner beruflich zurückstecken will, gibt es nur eine Konsequenz: Keine Kinder. Denn Unternehmen werden IMMER die hirntoten Arbeitsdrohnen und Bürozombies bevorzugen, einfach weil man die besser ausbeuten kann als diejenigen, die noch andere Interessen verfolgen.
    Und an all die in Teilzeit arbeitenden Frauen, die hier die Ungerechtigkeit des Lebens beklagen. Es gibt ein Buch (Titel leider vergessen) voller Interviews mit Menschen, die wissen, dass sie bald sterben werden. Der Satz „ich habe in meinem Leben zu wenig Zeit für Lohnarbeit aufgewendet“ kommt in dem Buch nicht vor. Wohl aber ganz oft: „Ich habe zu wenig Zeit für die Menschen gehabt, die ich liebe“.

    Und woher kommt eigentlich dieser Arbeitsfetisch: Findet ihr es wirklich toller, einer beschissenen Deadline hinterher zu jagen oder in einem öden Meeting zu sitzen, anstatt euren Liebsten eine leckerer Mahlzeit zu kochen oder mit den Kindern auf dem Spielplatz zu sein?

    Na gut, ich fand Nachts aufstehen, volle Windeln wechseln oder ein vollgekotztes Bett frisch beziehen jetzt auch nicht toll und mit einem hyperaktiven Dreijährigen im Wartezimmer hocken ist definitiv vergnügungssteuerpflichtig, aber dagegen stehen doch wundervolle Momente, die unschätzbar wertvoll sind.

    1. Danke! Super formuliert.

      Ich bezweifle nicht, dass es für Menschen, die tatsächlich Karriere machen wollen, problematisch ist, TZ zu arbeiten usw. Aber es gibt auch Menschen, die eben andere Aspekte ihres Lebens als deutlich erfüllender betrachten (auch, wenn sie ihren Beruf sehr gerne ausüben).

      (Ich finde aber auch hier in den Kommentaren die Anmerkung, 2000€ Netto wären nicht viel, etwas hanebüchen. Ich arbeite im sozialen Bereich, bis ich bei 2000€ netto bin, dauert das noch.)

  9. Ich möchte mal 2 Themen zur Diskussion stellen:

    Zum einen wundert mich, dass dieses 50-50 oder 75-75 Modell immer so hoch gelobt wird. Wir versuchen es zu leben. Und es ist keineswegs so, dass wir den ganzen Tag strahlen und uns erquicken wie toll alles ist. Es ist oft verdammt anstrengend. Dass das Leben im Mix-Modell wunderbar und sorgenfrei wäre, kann ich also nicht bestätigen. Das Gegenteil ist der Fall. Und dass nicht jeder das möchte, kann ich auch nachvollziehen.

    Sobald beide im Schichtbetrieb oder mit variablen Arbeitszeiten arbeiten, ist 50-50 oder 75-75 ein täglicher organisatorischer Kampf. Bei dem oft Großeltern, Freunde etc. helfen.

    Jeder, der es sich „leichtfertig“ herbeiwünscht, sollte sich mal die Paare anschauen, die es leben.

    Es ist also keineswegs so, dass das Modell 50-50 „good“ und das Modell 100-0 „evil“ ist.
    100-0 wirkt auf uns oft, wie die bequemere Alternative (für beide Partner).

    Zum anderen:
    Was mich in diesen Diskussionen immer ein bißchen wundert ist, dass es stets um das „Karriere machen“ geht. Das scheint mir eine Filterblase zu sein. Ein großer Teil der Bevölkerung macht leider keine Karriere, sondern „malocht“ in teilweise harten Jobs.

    Es klingt immer so, als würden sich alle Männer wunderbar entfalten und die Frauen zu Hause versauern. In der Realität haben viele Männer einen normalen und vielleicht sogar harten Job, versuchen den Kredit fürs Eigenheim und Familienauto zu bedienen etc.

    1. Das 75/75 Modell macht natürlich kein einfaches Leben, es sorgt aber für langfristige, finanzielle Unabhängigkeit und beugt im Falle von Trennung auch (Alters)armut etc. vor.
      Außerdem schenkt es den Kindern zwei gleichwertige Bezugspartner.
      Allein deswegen ist es sinnvoller als das 100/0 oder 100/50-Modell.

      Und was das „malochen“ angeht: Es geht im konkreten Beispiel und in meiner Filterblase (ich weiß, dass es eine ist) um Akademikerpaare. Gleich gut ausgebildet in der Regel. Wenn das Geld hinten und vorne nicht reicht, dann muss man sowieso nicht über Stundenreduzierung nachdenken. Dann arbeiten wahrscheinlich beide 100% weil sie gar nicht die Wahl haben.

      1. Ja, schon klar. Da habt Ihr auch voll und ganz recht.
        Ich wollte nur sagen, dass 75-75 nicht nur rosarot, sondern organisatorisch oft anstrengend ist.
        Und man dabei auch Phasen hat, wo man frustriert ist und auf diesen permanenten Spagat schimpft…

    2. Es geht darum, dass das Teilzeitmodell einen großen Teil der Frauen später finanziell benachteiligt, was sich logisch aus dem geringeren Verdienst ergibt, politisch aber auch genau so gewünscht ist, um einen Anreiz für mehr Erwerbstätigkeit von Frauen zu schaffen.
      Natürlich ist ein Modell, in dem eine/r wirklich Zeit für die (kleinen) Kinder hat, sehr angenehm sowohl für Kinder als auch für alle anderen. Alles andere, wo beide Partner sehr viel mehr Zeit für Erwerbstätigkeit beanspruchen, bringt auch mehr Stress, wenn das Kind nicht so funktioniert, wie es dafür funktionieren müsste.
      Nur: mit dem „klassischen“ Teilzeitmodell schießen sich halt in vielen Fällen die Frauen in den Fuß, insbesondere, wenn sie wirklich das machen möchten, was man „Karriere“ nennt.

  10. Es geht ja in diesem Artikel darum, das man einen Wunsch hat, „Kinder UND Karriere“ und ob/wie man den erfüllen kann. Eine Karriere als Ölbohrinselmaschinist UND Kinder, wäre möglich, wenn dort entsprechende Räumlichkeiten geschaffen werden. Eine Karriere die rund um die Uhr Termine hat UND Kinder ist dagegen nicht möglich.
    Es halt ein Optimierungsproblem mit 2 Zielen, die vielleicht in einigen Aspekten in die selbe Richtung zu optimieren sind und in manchen Aspekten konträre Richtungen als optimal gelten.
    Dann muss der Mensch halt mal Abstriche machen, ob das hierbei der Mann oder die Frau oder der andere Mann oder die andere Frau oder das? Diverse oder das andere Diverse ist, weil wir haben ja nur Gemeinschaften mit je 2 Menschen. Im Idealfall einigen sich beide auf die jeweiligen Abstriche. Vielleicht findet ja der eine Mensch es erfüllender mit den Kindern und der andere es erfüllender mit der Arbeit. Vielleicht sollten sie nach 4 Jahren wechseln. Der Arbeitgeber hat aber auch ein Interesse daran nicht jedesmal alles neu erklären zu müssen. Darum werden lange Vollzeitstellen bevorzugt.
    Denn auch wenn man noch so gut die Arbeit dokumentiert, brauch es immer noch die Einlesezeit bevor man den Job gut ausfüllt. Oder wie es Nuf in ihrem Edeka-Artikel sagt, der Vater muss auch Zeit zum Lernen haben. Wichtig wär glaub ich generell die Welt zu entschleunigen.

  11. Also wir leben auch das Modell, bei dem beide Arbeitszeit reduziert haben. Wir haben theoretisch festgelegte lange und kurze Tage bei denen wir uns abwechseln, die dann bei speziellen Terminen (Dienstreisen, Abendtermine) getauscht und verschoben werden.
    Auf Arbeit vertrete ich die Linie, dass ich Dienstreisen mache und Abendtermine wahrnehme (so sie halbwegs sinnvoll sind), aber keine spontanen Sachen („nein, ich kann nicht heute Nachmittag um 5 mit zum Kunden.“). Mein Arbeitsumfeld kommt damit weitestgehend klar. Ich „darf“ nachwievor Projekte leiten, mich Fortbilden, etc.. Und doch gibt es es einige Kollegen, die mich in vorauseilendem Gehorsam gar nicht anfragen („Der Termin wäre ja Nachmittags – Du bist ja in Teilzeit“) oder jede Bitte um Terminverschiebung direkt auf meine Elternschaft beziehen und nicht auf die Idee kommen, dass ich auch noch andere Diensttermine habe. Da limitiert die Teilzeit dann leider doch, selbst mit unterstützendem Partner.

  12. Es ist einfach, was man bei seinen eigenen Eltern mitbekommen hat. Die meisten Männer haben beim Aufwachsen einen Vater gesehen der _natürlich_ Vollzeit arbeitete und um dessen Arbeit herum der komplette Alltag geplant wurde. (Oft, ohne das der Pascha es überhaupt merkte.)
    Außer bei den Ostdeutschen dürften die meisten eine Mutter gehabt haben, die das ganze den-Rücken-freihalten gemacht hat und außerdem Kindererziehung und vielleicht noch einen Teilzeitjob gemacht hat.
    Bei den Ostdeutschen hat die Mutter öfter Vollzeit gearbeitet und sich anschließend um die zweite Schicht gekümmert.
    Wenn eine Frau ihren Lebensunterhalt verdienen will – von Karriere reden wir mal noch gar nicht – muss sie spätestens vom positiven Schwangerschaftstest an geziehlt und konsequent darauf hinarbeiten. Und sie muss in der Lage sein, den Partner vor vollendete Tatsachen zu stellen und sich darauf verlassen können, dass er dann übernimmt.
    Ich unterschreibe voll Falks Beobachtung, dass Väter Elternzeit nehmen müssen. Da darf aber gar nicht die Frage aufkommen, ob gemeinsam mit der Mutter dann acht Wochen Mallorca, sondern das muss ganz klar vermittelt werden, dass er Elternzeit macht, damit sie arbeiten kann.
    Und es wird immer Widerstand geben von einer Umgebung und Institutionen wie Krippen und Kindergärten, die meinen sie hätten ein Recht auf Leistungen von der Mutter, die mit ernsthafter Erwerbsarbeit einfach nicht zu vereinbaren sind. Und die erste Lösungsmöglichkeit insbesondere vom Vater wird immer sein „Geh doch auf Teilzeit!“ Nein, einfach nein.

    1. Meine Prägung kommt auch von meinem Ossi-Vater. Meine Mutter hat voll gearbeitet und die zweite Schicht haben eben beide gemacht, so dass es für beide nur eine halbe war.

      Viele Grüße,
      Falk

    2. Meine Mutter hat immer voll gearbeitet UND trotzdem zusammen mit meiner Großmutter Haus & Garten gemanaget, während mein Vater sich von ihnen herumdirigieren ließ, wenn sie es für nötig befanden, und ansonsten Freizeit machte.
      Offensichtlich läuft es ja meist so, dass die Frauen sich mittlerweile um ALLES kümmern, der Anteil der Herren am Alltagsmanagement und an der Carearbeit…überschaubar bleibt. Man muss sich als Frau gut überlegen, welche Kämpfe man kämpfen will. Wer wirklich Karriere und Familie haben will, muss wahrscheinlich schon mal bei der Partnerwahl gut aufpassen (und sich knallhart ansehen, wie einen der Partner unterstützen können wird) und dann eine zweite Front eröffnen, um sich dauerhaft einen übermäßigen Anteil an Alltagsmanagement und Carearbeit vom Hals zu halten.
      Elternzeit – hm, weiß nicht so recht. In meinem Bekanntenkreis haben beim ersten Kind alle Männer Elternzeit gekommen, z. T., als die Frau arbeitete, z. T. , als die Frau nicht arbeitete. Bei beiden Gruppen ist drei Jahre nach Geburt der Kinder der Anteil der Männer an Alltagsmanagement und Carearbeit gleich überschaubar. Wenn die Zwänge nicht da sind (das können finanzielle Zwänge sein, stetes Insistieren der Frau, sozialer Druck…), pendelt sich anscheinend zumindest in meinen Kreisen das Engagement der Männer auf niedrigem Niveau ein, egal, ob Elternzeit genommen wurde oder nicht.

  13. Hallo Patricia, ich verstehe, was du da meinst, aber ich kann mir schon vorstellen, wieso so etwas immer wieder geschieht. Das Bild im Kopf, ein Kind braucht in erster Linie eine Mutter, ist in uns drin, auch wenn es meiner Meinung nach völliger Quatsch ist. Aber schau dir mal die Geschichte an. Nicht erst seit der Nazizeit bestimmt in unserem Land das Denken die Köpfe, dass eine Frau Mutter werden sollte und dann für ihre Kinder da ist. Auch viele Männer gehen wie selbstverständlich davon aus, dass sie Vollzeit arbeiten. Das ist in meinem gesamten Freundeskreis so, auch wenn die Männer scheinbar modern sind, die Babys wickeln und am Wochenende etwas mit den Kindern unternehmen (Ironie!). Die wahre Gleichberechtigung mag es in vielen Blogs, in unserer Bubble geben. Auf Twitter wimmelt es nur so von modernen Papas und ich habe den Eindruck, alles ist gut. In der Realität sieht es anders aus, es herrscht das Patriarchat. Und Frauen scheuen die Konflikte und wissen, dass ihr Partner nicht einverstanden wäre. Andere Frauen, die dann Kommentare wie die von dir genannten schreiben, geben ihnen den Rest. Ich selber kämpfe sehr mit meinem Mann um Gleichberechtigung, es kostet mich eine Menge Kraft. Er ist ein sehr offener und moderner Mann, aber das Gefühl, für die Familie zu sorgen und das gefühlte Risiko, nicht reduzieren zu können, ist groß. Ich könnte darüber viel schreiben, aber wieso das alles so ist, das kann ich mir erklären und sehe es tagtäglich um mich herum. Schlimm finde ich es genau wie du. Liebe Grüße, Laura

    1. Danke fürs gedankliche Abholen. In meinem Bekanntenkreis sieht es ähnlich aus. Die meisten Frauen sagen ja auch, dass sie es explizit so _wollen_. Ich bin sehr geprägt von meiner persönlichen Geschichte, die mir sehr nahe gebracht hat, dass ich auf keinen Fall finanziell abhängig sein möchte und dass mein Einkommen immer für mich und meine Kinder reichen muss. Danach habe ich mein Leben ausgerichtet.
      Ich habe mich wahrscheinlich im Alter zudem „radikalisiert“. Bin ja u.a. auch geschieden, weil das mit dem Verantwortung teilen nicht geklappt hat. Für mich war die Devise, wenn schon nicht teilen, dann mach ichs lieber ganz alleine.

      1. Ich würde sogar noch weitergehen. Von Frauen wird seit Jahrtausenden erwartet, dass sie ihr Leben in den Dienst anderer stellen. Punkt. Das mit den Kindern ist ein relativ neuer Twist, seit die Männer nicht mehr die unbestrittenen Herrscher sind, die einfach Anspruch auf die Lebensarbeit ihrer Frau haben.
        Und _alle_ heute lebenden Männer haben überwiegend Vorbilder dafür, dass ihre Arbeit und ihre Zeit die unbestritten wichtigste Ressource der Familie ist und alles sich danach zu richten hat. Meistens das eigene Aufwachsen, sonst die Peergroup.

        1. Man *könnte natürlich argumentieren, dass ein Mann, der sich eine Volllzeitstelle gibt, um eine Familie mitzuernähren, AUCH sein Leben in den Dienst von anderen stellt.

          1. Ja, Pflichterfüllung und Familie versorgen ist ein wichtiger Bestandteil der „man box“, also des klassischen Männerbildes. Nur geht damit halt auch ein erstaunlich absoluter Führungsanspruch über eben jene Familie einher, der von _allen_ Beteiligten komplett internalisiert ist.
            Deswegen sind seine Dienstreisen dann wichtiger als ihre usw.

      2. Ich möchte bei solchen Aussagen wie der oben zitierten, und überhaupt dem ganzen Narrativ der Teilzeitmutter, auch immer den Kopf auf den Tisch knallen. Je öfter ich das höre, umso mehr nervt es mich.

        Eventuell bin ich mittlerweile auch zu „radikalisiert“, aber ich frage mich wirklich, warum man das Konstrukt Frau-Teilzeit/Mann-Vollzeit als erstrebenswert empfinden kann. Und das Gehaltsargument kann ich auch nicht mehr hören. Wenn man sich das alles mal ganz genau durchrechnet, ergeben sich häufig überraschende Möglichkeiten. Und ja, eventuell muss man irgendwo Abstriche machen, wenn es um die Größe der Wohnung, den Besitz eines bestimmten PKW oder die Fernreise geht.

        So, und dann nenne ich mich mal gleich selbst als Beispiel: Ich habe ein Jahr Elternzeit genommen, obwohl ich hier die Hauptverdienerin bin. Das hat übrigens meiner „Karriere“ nicht geschadet. Mit etwas Planung war es gut möglich, und ich möchte echt nicht einsehen, wieso es denn andersrum eben nicht möglich sein sollte. Mein Partner war während der Elternzeit sehr viel da und ist danach auf einer Art Teilzeitlevel verblieben (wir sind Freiberufler), während ich wieder auf ähnlichem Level wie vorher weitergemacht habe. Privilegierte Situation, muss man immer dazu sagen – aber ich behaupte mal, dass Flexibilität im Denken bei vielen Paaren Möglichkeiten eröffnen könnte, die man so vorher vielleicht noch nicht mitgedacht hat.

        Und darüber hinaus regt es mich tierisch auf, wenn diese „eine/r muss halt zurückstecken, das hat doch nichts mit Ungleichberechtigung zu tun“-Argumente kommen. DOCH, das hat mit Ungleichberechtigung zu tun, denn in der Mehrzahl der Fälle ist es die Frau. Das sind keine Individualentscheidungen, dahinter gibt es eine gesellschaftliche Struktur.

        1. „Eventuell bin ich mittlerweile auch zu „radikalisiert“, aber ich frage mich wirklich, warum man das Konstrukt Frau-Teilzeit/Mann-Vollzeit als erstrebenswert empfinden kann.“
          Weil MICH zum Beispiel VZ-Arbeit extrem stresst und mir nach VZ- und dann TZ-Stelle schon vor dem Kind klar war, dass ich absolut nie wieder eine VZ-Stelle annehmen werden und 75% das vorstellbare Maximum ist, 50% aber das, was ich gerne machen würde. Dann kam das Kind, und aktuell bin ich zu Hause. Weil es MIR Spaß macht, mich hier um alles zu kümmern.

          Ein Akademikerpaar sind wir auch. Interesse an Karriere haben und hatten wir beide nie.

          „Das sind keine Individualentscheidungen, dahinter gibt es eine gesellschaftliche Struktur.“
          Ich finde es vermessen, das auf „alle“ Fälle runterbrechen zu wollen. Ich bezweifle nicht, dass eine entsprechende gesellschaftliche Struktur vorhanden ist, und trotzdem kann es durchaus Einzelfälle geben, in denen die Paare nach reiflicher Überlegung aus persönlichem Wunsch so agieren.
          Siehe meine Ausführungen oben.

          Persönlicher Hintergrund:
          Mich stört immer, wenn andere meinen, für mich zu entscheiden, wann ich impliziten gesellschaftlichen Forderungen erliege und wann nicht. Ich habe mich 25 Jahre meines Lebens damit rumgeschlagen, möglichst nicht den „vorgesehenen Weg der Frau“ zu gehen, obwohl vieles davon gegen mein persönliches Wohlbefinden ging und es piekst mich heute noch an, für meine Lebensplanung immer wieder kritisiert zu werden von Leuten, die meinen sie wüssten besser als ich, wer ich bin, was mich ausmacht und mir nicht zutrauen, gesellschaftliche Strukturen zu durchdringen, nur weil ich vielleicht einen Weg gehe, den sie als „falsch“ erachten. Das kann’s doch auch nicht sein. Dass das mit Selbstbestimmung nichts mehr zu tun hat, liegt meines Erachtens auf der Hand, wird aber immer wieder platt gemacht von Pauschalaussagen wie, man hätte die gesellschaftlichen Strukturen zu sehr verinnerlicht. Finde ich sehr, sehr schwierig und in einigen Fällen auch verbohrt.

  14. So machen wir das. Ich bringe die Kinder in die Kita und mein Mann holt sie ab.
    Jetzt arbeiten wir beide 40/40 früher habe ich 40 und er selbstständig gearbeitet, da hat er das immer übernommen, einfach auch weil die Kita meine Arbeitszeiten nicht abdeckte.

  15. Ich hab mal mehr verdient.
    Abgesprochen war, daß wir beide auf 75% gehen nach der Elternzeit.
    Rate mal bei wem das dann „nicht ging“ und wer jetzt 100% für Geld arbeitet und wer 60%.
    Und wer 0% sorgt und wer 100%.
    Allerdings ist er dann gegangen und darf seine Rente behalten.?????

  16. Ich teile diese Gefühle!
    Allerdings kommt es sehr auf die Stundenzahl der TZ an.
    In meinem Umfeld (Osten) gibt es häufig 40:40 oder 40:30-Kombinationen, dafür verdienen beide ähnlich (weniger), es gibt bei beiden keine klassische Karriere und jede/r übernimmt einen Weg zur Kita.

  17. Wir leben hier auch das Modell, dass ich Teilzeit arbeite und mein Mann Vollzeit. Das hat sich für uns als gut erwiesen. Klar meiner Karriere tut das nicht besonders gut, aber selbst mit einer Vollzeitstelle wäre das so.

    Denn mein Mann arbeitet im Drei-Schicht-System, natürlich Vollzeit. Teilzeit ist in der Produktion kaum möglich. Wir haben keine Großeltern, Tanten, Onkel etc. in der Nähe. Aufstieg wäre für mich mit Schulungen und Fortbildungen außerhalb unserer Betreuungszeiten und über Nacht verbunden. Zur Zeit nicht möglich, auch wenn mein Mann es jederzeit unterstützen würde.

    Ich habe in meiner Kindheit Eltern gehabt, die beide Vollzeit gearbeitet haben und ich habe besonders meine Mama als häufig gestresst und wohl einfach erschöpft wahrgenommen. Das wollte ich für mich persönlich auch nicht. Ich bin noch jung genug um auch in 5-6 Jahren noch am Aufstieg zu arbeiten und genieße jetzt die Zeit mit meinem Kind und mit verhältnismäßig viel Zeit für mich.

    1. Wenn das für euch passt, ist doch alles gut. Ich habe den Text so verstanden, dass die Frau darüber unglücklich ist die Karriere nicht weiterführen zu können.

    2. Ich bin auch sehr zufrieden mit dem „klassischen“ System und wöllte meinem kleinen Kind, aber auch mir, nicht zwei vollzeitarbeitende Eltern zumuten, aber die Frau im Artikel klingt einfach unglaublich frustriert.
      Ich lese gerade ein Buch über Frauen als Chefinnen, in dem die Autorin zwei Tipps gibt – der eine: kaum jemand gibt freiwillig ein einfacheres, entspannteres Leben auf, darum muss die Frau sich massiv auf die Beine stellen und Übernahme von care-Arbeit des Mannes unaufgeregt, aber deutlich, einfordern, wenn sie das möchte. Klingt natürlich nach wenig Spaß, ist es wahrscheinlich auch nicht, scheint aber in den meisten Fällen notwendig zu sein (s. auch den Artikel in der NY-Times, den jemand beim letzten Post verlinkt hatte.). Jedes Sich-verlassen darauf, dass der Kerl ohne sanftes oder weniger sanftes Stupsen 50:50 macht, scheint in den meisten Fällen verlorene Liebesmüh zu sein.
      Nachdem das Energie erfordert, die nicht jede aufbringt, greift der andere Tipp: Karriere beginnt bei der Partnerwahl.

  18. Ich kann deinen Gedankengang bestens nachvollziehen.

    Ich glaube das Problem startet noch eher, nicht erst wenn man überlegt, wie man das jetzt mit dem Berufseinstieg wieder machen will.

    Sondern in der Elternzeit. Väter müssen Elternzeit nehmen. Und bitte auch eine Weile allein. Danach ist alles für immer anders. Im Kopf von Vätern. Wenn du einmal weißt, wie das mit dem Füttern, Wickeln, zum Arzt gehen, überleben lassen, [hier bitte beliebige weitere Tätigkeiten mit Kleinstkindern] funktioniert, kannst (und wirst) du es immer wieder tun.

    Für mich ist das der Einstieg in gleichberechtigte Elternschaft. Stark verkürzt glaube ich, dass das auch auf Themen wie Mental Load und schlussendlich auf Gender Pay-Gap einzahlt.

    Als Feminismus unterstützender Mann gehst du nicht zur Demo, sondern ermöglichst es, dass deine Frau hingeht.

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