Kindererziehung 2.0

Kinder sind ganz bezaubernd. Hätte ich das schon mit zwanzig entdeckt, so hätte ich jetzt mindestens acht und wir bestritten unseren Lebensunterhalt aus den Gagen der Reportagen, die RTL II und Kabel 1 über uns sendeten.
Kinder sind wirklich ganz, ganz toll. Sie sagen oft sehr kluge Sachen.
Nicht so toll ist allerdings, wenn Kinder nicht hören wollen. Als Anwärter für die strengsten Eltern der Welt, verlangen wir beispielsweise, dass einmal am Tag Tisch gedeckt wird. Die Kinder machen das nie unaufgefordert und schauen jedes Mal wenn man sie freundlich darum bittet, als fragte man, ob sie netterweise zwanzig lebendige Kröten verschlingen könnten.
Jedenfalls bis 2009. Da hat mein Mann mir zum Hochzeitstag einen Nabaztag geschenkt. Irgendwann haben wir durch Zufall herausgefunden, dass die Kinder alles machen, was der Nabaztag sagt. Mit alles meine ich wirklich ALLES. Sagt der Nabaztag, sie sollen auf einem Bein stehen, sie tun es. Sagt er, sie sollen sich auf dem Wohnzimmerboden wälzen, sie tun es. Viel erstaunlicher aber: Wenn der Nabaztag sagt: „Deckt den Tisch!“ Sie tun es!
Fröhlich, flott und ohne murren. Dann kehren sie zurück und fragen: „Und jetzt?“
„Schmiert Euren Eltern Brote.“
„Macht Latte Macchiato.“
„Massiert Mami die Füße.“
So haben wir auf dem Sofa sitzend, mit dem Laptop am Schoß unsere gesamte Lebens-To-Do-Liste abgearbeitet. Alle Daten-CDs sind z.B. ordentlich beschriftet und alphabetisch sortiert. Die Ritzen im Parkett mit der Zahnbürste gereinigt und die Steckdosen ausgesaugt.
Es ist ein Wunder.

8 Gedanken zu „Kindererziehung 2.0“

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