Pokémon Go – die Tweets und anderes

Ja, für alle, die sich nicht interessieren, ist es eine echte Plage. Mich hingegen amüsiert sowohl Pokémon Go als auch alles, was drumherum entsteht.

Da wären zum Beispiel die anderen SpielerInnen. Als ich am Nachmittag vom Arzt nach Hause komme, stehen da rund ein Duzend Menschen vor dem Turm des Frankfurter Tors.

Irgendwas passiert, einer hebt den Kopf und schnauzt einen Typen drei Meter neben ihm an: „Alter bist du gelb?“

„Ne, ich bin nich gelb.“

Ein ca. zwölfjähriges Mädchen grinst: „Ich bin gelb.“

Die anderen im Kanon: „Na toll!“

Offensichtlich hat das Mädchen, Team Gelb, soeben die Pokémon-Arena erobert. Ich grinse in mich hinein und laufe weiter.

Noch bevor Pokémon Go in Deutschland erhältlich ist, entsteht diese Seite: Pokewalk.

Ich nehme an, die Seite ist ein Fake. Hier wird angeboten, dass jemand das Handy abholt und dann je nach Bezahlung (2 km – 10 $, 5 km – 15 $, 10 km – 20 $) Pokéstops abfährt, Items einsammelt und Pokémon jagt.

So unwahrscheinlich sind solche Dienste tatsächlich am Ende nicht. Ich erinnere mich noch gut an die MoMA Ausstellung 2004 in der neuen Nationalgalerie.

Mit meiner Freundin, die extra aus Stuttgart angereist war, stellte ich mich zu Beginn der Ausstellungsperiode vier Stunden an, um rein zu kommen. VIER STUNDEN!

Ich redete mir ein, dass ich das aus Liebe zu meiner Freundin über mich ergehen hab lassen.

Tatsächlich war das kurze Zeit später die allerkürzeste Wartezeit von der mir anschließend berichtet wurde. Man konnte damals sogar Menschen auf ebay ersteigern, die sich für einen anstellten. Zehn, zwölf Stunden war da keine Seltenheit.

Warum also nicht Menschen dafür bezahlen, dass man Pokémons einsammelt?

Echte Nerds, so sagte man mir, würden ohnehin nicht selbst durch die Gegend rennen und Pokémon einsammeln sondern rausfinden, wie man das Spiel spielen kann ohne sich zu bewegen.

Genau 24 Stunden später taucht ein Video auf, das erklärt wie man Pokémon Go vom heimischen PC aus spielt.

Und dann sind da noch die ganzen Tweets, die irgendwie darüber berichten, wie das Spiel sich in wenigen Tagen in die Kohlenstoffwelt integriert hat:

Oder die Tweets, die schöne, neue Ideen präsentieren:

Am Ende muss nicht alles schlecht sein, was ein Hype ist:

Nöte, wie ein schnell leer laufender Akku, machen auch erfinderisch:

Richtig hip ist man sowieso erst, wenn man alle Hypes verbindet:

Dass da die Server nicht mithalten können, ist nicht verwunderlich:

[Und irgendwie hab ich jetzt einen Buzzfeed-Eintrag geschrieben, oder?]

Ziemlich bitter ist der Artikel Pokémon Go Could Be A Death Sentence For A Black Man

„The premise of Pokémon Go asks me to put my life in danger if I choose to play it as it is intended and with enthusiasm. Let’s just go ahead and add Pokémon Go to the extremely long list of things white people can do without fear of being killed, while Black people have to realistically be wary.

Honestly, I wish this was a joke post or satire of some sort. It isn’t. Something needs to change.“

18 Gedanken zu „Pokémon Go – die Tweets und anderes“

  1. Ich finde die Möglichkeiten fürs Marketing viel interessanter als das Spiels selbst, sehe aber auch Gefahren, Menschen an bestimmte Orte zu locken (bspw. durch Lockmodule oder Fake-Meldungen) oder gar Massen damit zu generieren und zu lenken…

  2. Ich bin doch sehr erstaunt in welchem Ausmaß und mit welcher Geschwindigkeit sich dieses Spiel verbreitet hat. Find ich faszinierend und noch amüsieren mich die Berichte darüber.

  3. Finde ich dann doch sympathisch an diesem Blog: Während der Weltuntergang beschworen wird, weil mal irgendein zweitklassiges Cafe in irgendeiner unwichtigen Stadt irgendwas gegen Mütter habe könnte, kann hier völlig gefahrlos die Werbetrommel für die Komplettüberwachung durch Google geschlagen werden.

  4. Ich finde die App (abgesehen mal vom Datenschutz, der in der Tat katastrophal ist) ein wenig arm vom Gameplay her. Zu einem richtigen Pokémonspiel gehört für mich, dass man mit seinen eigenen Pokémon zunächst die zu fangenden schwächen muss, damit das fangen auch klappt.
    Hab die App bei einer Kollegin gesehen und fand sie – bisher – nicht so überzeugend.

    Kann also den Hype nicht _ganz_ verstehen. Hatte mir (aufgrund meines Hintergrunds als Ingenieur, Softwareentwickler und Gamer) vielleicht einfach zu viel erhofft.

  5. „Ja, für alle, die sich nicht interessieren, ist es eine echte Plage.“

    Für mich ist das nicht mehr oder weniger eine Plage als die Fußball-EM, bloß da gab es kaum jemanden der genörgelt hat. Jetzt war schon gefühlt der dritte Tweet ein „boar, hört doch mal wieder auf!“. Dabei ist es doch schön wenn die Timeline mal nicht voll Terroranschlägen und Co. ist.

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