Putz doch mal

So sieht es auf meinen Arbeitsflächen nie aus! Ich hasse Krümel auf Arbeitsflächen!

Die Mär der unterschiedlichen Sauberkeitsstandards ist vielleicht gar keine Mär, habe ich mir neulich beim Nichtputzen überlegt. Für meinen Teil ertrage ich z.B. Krümel und anderen groben Dreck auf dem Boden außergewöhnlich gut. Ich laufe meist ohne Hausschuhe durch die Wohnung und kann ihn deswegen ganz gut fühlen. Schnell hat man sich Maiswaffelreste oder eine vom Wind verwehte Knoblauchschale eingetreten. An pedantischen Tagen pule ich sie von der Fußsohle und werfe sie in den Müll. An entspannten Tagen schnipse sich sie einfach in die Weiten des Raumes, in dem ich mich gerade befinde.

Eine Freundin von mir, deren Wohnung ich jetzt auch nicht für instagramtauglich halten würde, kann Krümel nicht ertragen. Nach jedem Essen kommt sie mit einem besenartigen Gebilde, das vorne eine Art Schwamm angeschnallt hat und fegt. Aus den Fenstern kann man kaum schauen, die Kacheln im Bad haben bei genauem Hinsehen kleine Kalk-Stalaktiten. Auf dem Boden kann man jedoch zweifelsohne Operationen durchführen.

So scheint jede/r Dreck zu haben, der entweder wahnsinnig oder überhaupt nicht stört. Für meinen Teil liebe ich blitzeblanke Arbeitsflächen (weswegen ich sehr gerne von dort auf den Boden fege). Das finde ich sehr hygienisch.

Manchmal wenn ich sinnierend in meiner Küche sitze und Kaffee trinke schaue ich auf den Dreck und denke: „Wie glücklich ich mich schätzen kann, dass mein Partner diesen Dreck so gut ignorieren kann.“ Hui! Da erschrecke ich mich vor meinen Gedanken selbst. Denn eigentlich sagt das gar nicht mein Kopf sondern die Stimme meiner Mutter, die lobt, dass mein Partner so tolerant mit meiner Unordentlichkeit umgeht.

Tatsächlich glaube ich, dass es meinem Partner herzlich egal ist, wie es bei mir aussieht. Ich traue ihm sogar zu, dass er, sofern er sich gestört fühlte, selbst einen Staubsauger in die Hand nehmen könnte.

Um ehrlich zu sein, ich meine, ich habe noch nie einen Mann in meinem Freundeskreis getroffen, der viel Wert auf Sauberkeit gelegt hätte – im Sinne von – es soll sauber sein, aber dafür ist die Frau zuständig. Ich habe in meiner Kindheit und Jugend oft davon gehört, dass Haushalt und Sauberkeit meine Aufgabe sein würde, aber als ich dann mit 17 ausgezogen bin, ist mir kein Mann begegnet, der verlangt hätte, ich solle doch bitte mal putzen.

(Vielleicht hatte ich einfach Glück weil sie allesamt schlampiger waren als ich)

Ich muss dazu sagen, seit die Kinder geboren sind, ist es schon immer einigermaßen ordentlich bei mir. Früher war das anders. Ein Ex-Freund hat sich bei einer meiner Freundinnen im Smalltalk mal erkundigt, ob bei mir das Geschirr immer noch in der Spüle schimmele.

Tut es seit Jahren nicht mehr. Ich war mir des Problems durchaus bewußt und habe damals einfach mein Geschirr reduziert. Wer nur ein Glas hat, muss das Glas spülen bevor er es (wieder) benutzen kann. Klug bin ich ja!

Heute ist alles ordentlich, alles hat seinen Platz, die Arbeitsflächen sind poliert, die Kacheln glänzen, durch die Fenster fällt ausreichend Licht. Lediglich der Boden weist eine leichte Dauerverkrümmelung auf, wird aber ebenfalls regelmäßig gesaugt und dann meine Damen und Herren, sauge ich sogar die Fußleisten, Steckdosen und Lichtschalter ab!

Und doch spüre ich immer wieder dieses Gefühl der Dankbarkeit, dass der Partner nicht schimpft. Wie stark die Erziehung doch in die Seele eingewachsen ist.

170 Gedanken zu „Putz doch mal“

  1. Bei mir – als Mann – hat immer die Küche erste Priorität. Und die räume ich am liebsten selber auf (incl. Abwasch etc.), weil ich dann sicher sein kann, dass der Kram an einem Ort verstaut ist, wo ich ihn auch wiederfinde. Ich koche gerne und regelmäßig, habe aber keine Lust, immer erst mühselig nach den passenden Utensilien zu suchen.

    Daher ist die Küche auch der ordentlichste Raum im Haus, denn meine Frau hat da nicht so die großen Ambitionen. Sich darüber zu beschweren fände ich aber höchst unpassend, denn schließlich ist Frau auch berufstätig. Wenn mich was stört, kann ich das auch selber beseitigen.

  2. Ich verstehe nicht ganz, warum man Rücksichtnahme in der Partnerschaft sofort auf das Mann-Frau-Erziehung-zum-Hausmütterchen-Thema reduzieren muss.
    Ich bin VERDAMMT froh, dass mein Partner meine Unordnung so gut aushält. Umgekehrt ist er VERDAMMT froh, dass ich seine Unordnung so gut aushalte. Wenn wir das nämlich nicht täten, dann würden wir uns möglicherweise ständig angiften (weil Umerziehungsversuche ja wenig helfen) und unser gemeinsames Glück würde sich ziemlich eintrüben. Das hat aber nichts damit zu tun, wer wie mit welchen Erwartungen erzogen wurde, sondern dass zwei Menschen sich einen engen Lebensraum teilen, und sich beide damit wohl fühlen sollen.

    NB: Dass sich da altersmäßig etwas ändert, ist mir an mir auch schon aufgefallen. Früher, in meinen 20ern und frühen 30ern herrschte um mich herum Chaos pur. Mittlerweile, in meinen Vierzigern, möchte ich es bitte so ordentlich, wie mit begrenzten Ressourcen möglich. Ditto bei Bekannten in einer ähnlichen Altersschiene. Erinnert an die Sex and the City-Folge, als die gute Carrie nach einer heißen Nacht mit einem Mittzwanziger aufwacht und die Kamera dann einmal um den Raum herumschwenkt und dann auf das fassungslos-angeekelte Gesicht Carries. Als sie dann auf dem Klo sitzend erfährt, dass das letzte Blatt Klopapier als Kaffeefilter verwendet wurde (In der Not…), muss sie sich eingestehen, dass die Zeiten vorbei sind, als ihr Chaos egal war. Ich glaube, sie geht dann nach Hause und streicht ihre Küche in einem Creme-Ton, aber das kann ich nicht mehr beschwören.

  3. ich finde, man kann sich durchaus freuen, dass der Partner mit der eigenen Unordnung /Unsauberkeit klarkommt – er kann sich ja auch freuen, wenn ich mit seiner klarkomme! Für mich hat das nix mit Männlein/Weiblein, sondern mit normaler Rücksichtnahme und Toleranz innerhalb einer Beziehung zu tun. Aber ich bin auch nicht so erzogen worden, hab daher vielleicht leichte Rede.

  4. Ich bin auch Krümelphobiker.
    Daher bestehe ich darauf dass Krümel vom Verursacher bzw. der Verursacherin zeitnah entfernt werden.
    Da der Verursacher bzw. die Verursacherin meistens entweder die Kinder oder ich (beim ungesunden Knabbern auf dem Sofa) sind, habe ich einen Handstaubsauger gekauft den ich griffbereit in der Nähe habe. Der Lärm und die Sperrigkeit des großen Staubsaugers nerven mich (und die Katze) zu sehr als dass ich den dauernd holen will.
    Das Wegsaugen erledigt idR der oder die nächststehende Erwachsene den bzw. die die Krümel stören, also wenn ich im Haus bin ich, ansonsten….öhh… keiner. Also abseits der normalen Putztätigkeiten.

    Kinder stellen mich da ganz schön auf die Probe. Man kann gefühlt zehnmal täglich die Wohnung saugen und findet ca. 31 Nanosekunden später wieder krümlige Böden vor.

    Gruß
    Aginor

  5. Find ich immer sehr amüsant zu beobachten wie jeder individuell tickt und ganz unterschiedliche „grün+rot“-Vorstellungen der Sauber-und Ordnungsempfinden hat…..
    Staub auf den Regalen oder Chaos in meinem Kleiderschrank tangieren mich nur minimal……was für mich aber für ein wohliges, reinliches Zuhausegefühl elementar wichtig ist, ist zum einen die 100%ige Vermeidung von Straßenschuhen im Wohnbereich (alles andere empfinde ich als höööchst unreinlich), sowie das Bedürfnis- und ebenso die Erwartung an Familienmitglieder oder Besuch- insbesondere beim Reinkommen (ooooder aber auch beim niesen oder anderen Virenschleuderaktionen) sich doch bitteschön intensiv die Hände zu waschen…und nicht kurz darauf mit den bakterienbenetzten Händen mein Baby zu begrabbeln!! (..nein..erfahrungsgemäß ist das Händewaschen nicht für jeden selbstverständlich..)..

    So hat halt jeder seine eigenen Empfindungen und Prioritäten ;)….,die wir gegenseitig gar nicht nachvollziehen und verstehen müssen..wichtig find ich jedoch, sie gegenseitig zu respektieren und zu akzeptieren..denn jeder „tickt“ anders..und das ist auch ok so :)

  6. Ich denke immer, es hat sicher noch niemand auf dem Sterbebett bereut, no im Leben nicht mehr Zeit ins Putzen und Aufräumen investiert zu haben. Ich finde Menschen gruselig, bei denen es daheim aussieht, als ob dort niemand wohnt

    1. SAND?! Der verteilt sich überall, wenn ihn die Kinder erst einmal mitbringen. Man glaubt gar nicht, wo Kinder überall Sand haben können. An den Schuhsohlen und in den Hosentaschen kann ich noch verstehen; aber in den Socken, den Jackenärmeln und der Unterhose?
      Am besten gleich in der Dusche ausziehen, sonst landet der Sand nicht nur in der Küche oder auf dem Sofa. Kind 2 konnte eines Tages nicht einschlafen, weil das Bett so kratzen würde. Kein Wunder, ich könnte im Sandkasten auch nicht einschlafen.

  7. Mich stören die Krümel auf der Arbeitsfläche zwar auch, aber schlimmer ist zum Fakir mutieren zu müssen wenn ich Barfuß herumgehe. Dauernd etwas an den Füßen kleben zu haben, macht mich wahnsinnig!
    Saugroboter sind eine richtig tolle Sache. Leider wollen die auch, dass man ihren Behälter leert, die Bürste von Haaren befreit und den Filter tauscht. Also so ganz allein werkeln die daher auch nicht und irgendwie haben alle Modelle noch Luft nach oben. Wir haben uns einen zugelegt und ich musste ein wenig nachbessern (www.gadgetgedanken.de/search/label/Neato).
    Für den Rest an Krümeln und auch für die Treppe verwende ich einen Handstaubsauger, so einen beutellosen „ohne Saugkraftverlust“ (http://www.gadgetgedanken.de/2017/04/volle-power-fur-den-handsauger.html). Den möchte ich keinesfalls mehr hergeben.

  8. Genau so einen Typen hatte ich mal.
    Komme nach der Arbeit nach Hause und finde(von dem arbeitslosen Schmarotzer)einen Zettel:“ Du könntest auch mal wieder sauber machen!“
    Danach brauchte er von dem Besuch bei seinem Bruder gar nicht mehr wieder kommen und konnte seine Sachen abholen(ich war so blöd. Aber man kann Leuten nur vor die Stirn gucken. Und wenn man(n)aufgrund einer Wohnungskündigung sonst auf der Straße stehen würde, wollte ich helfen.Für solche Typen nicht mehr!).
    Ich kenne viele mit „Instagram-tauglichen“ Wohnungen. Ich weiß nur nicht ganz, wie sie das schaffen?
    Achso. Sie arbeiten „nur so’n bißchen“. Oder haben einen Mann, der mit „anpackt“. Keine kleinen Kinder. Oder eine „Hausfee“. Hab ich alles nicht. Bei mir kann man vielleicht nicht vom Boden essen, Arbeitsflächen in der Küche habe ich nicht(10 cm zwischen Spüle und Herd, 30 cm neben dem Herd, das wars)?. Aber eine Grundordnung und -sauberkeit muss sein. Wenn die Kinder Rumkrümeln oder ihre dreckigen Schuhe quasi im Flur „ausklopfen“, dürfen sie auch gerne mal selbst Besen und Kehlblech in die Hand nehmen.
    Und als Nächstes kommt der Teppich bei meiner Großen aus dem Zimmer raus,da er „verziertes mit Farbe, Tinte und Knete. Alles innerhalb eines halben Jahres.

    Grüße aus derHalbsauberkeit!

  9. Krümelige Arbeitsflächen mag ich auch nicht, vom Küchenfußboden kann man (deswegen) gut essen, man findet immer was ;)
    Und wenn der Herr der Schöpfung was dran auszusetzen hätte, dann könnte ich ihn darauf hinweisen, dass der liebe Gott, die Evolution oder was-auch-immer ihm ebenfalls zwei Hände geschenkt hat.
    Ein Saugroboter wäre toll, würde hier allerdings an Übergängen verzweifeln.

  10. „Also mache ich immer alles wie eine Maschine, wenn es gerade ein Zeitfenster gibt.“

    Hier auch inzwischen. Kann ich mir auch unter Mühe nicht abgewöhnen, was dazu führt, dass es mit der Erholung (zuhause) nicht weit her ist…

  11. Krümel auf der Arbeitsfläche! Das gruselt mich genau so, wie dich. (Während das allen anderen hier im Haushalt Lebenden völlig egal ist, was dazu führt, dass ich die Arbeitsfläche jeden Tag ca 6x abwische.
    Krümeligen Fußboden haben wir auch (geht das anders mit zwei kleinen Kindern…?) aber ich überlege aktuell, dass wir uns einen Staubsaugerroboter anschaffen. Vielleicht ist das auch was für dich?

  12. Das mit dem „noch kein Mann wollte mehr Sauberkeit als ich“ kann ich so bestätigen. Meine Stichprobe ist auch so.
    Das aktuelle Exemplar trägt in der Wohnung keine Brille, und ist so kurzsichtig dass er nur an der Farbe seiner Füße erkennen würde ob er barfuß oder in Socken ist. Der fragt gelegentlich, wieso ich staubsauge, ist doch nirgends Dreck sichtbar.

  13. Gerne gelesen.
    Aber…
    „Ich muss dazu sagen, seit die Kinder geboren sind, ist es schon immer einigermaßen ordentlich bei mir. Früher war das anders.“

    Wie? Erst seit sie älter sind, oder? Oder?
    Bei mir ist es genau andersrum. Ich habe mich immer noch nicht an das ständige Chaos gewöhnt, aber es ist ein Kampf gegen Windmühlen für den mir meist die Kraft fehlt.

    1. Dass das in der Tat ein wenig seltsam ist, ist mir beim Schreiben aufgefallen. Aber es ist wirklich so: Mit Geburt der Kinder bin ich ordentlich(er) und organisiert(er) geworden. Bei Dir hat vermutlich das Geschirr vorher nicht geschimmelt. Wenn man also schon ordentlich war und die Kinder geboren werden, muss man Abstriche machen. Ich hab einfach gemerkt, dass ich Sachen überhaupt nur geregelt bekomme, wenn ich sie SOFORT mache und nicht später, weil später schläft das Baby vielleicht nicht, später ist einem anderen Kind eingefallen, dass es noch Hausaufgaben hat oder dass es morgen einen Kuchen für die Kita braucht. Also mache ich immer alles wie eine Maschine, wenn es gerade ein Zeitfenster gibt.

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