Declutter your To-do-List

Im Haushalt mithelfen

To-do-Liste
Ich bevorzuge Apps, Hand geht aber auch.

Was Mental Load ist, habe ich an anderer Stelle beschrieben. Dabei habe ich auch Ansätze gezeigt, wie man nach und nach Mental Load und auch die eigentlichen To-dos besser auf die beiden Partner verteilen kann. In einer idealen Welt müsste man darüber gar nicht sprechen, denn es wäre völlig klar, dass man sich als Partner die Aufgaben teilt.

„I do not help my wife clean the house because I live here too and I need to clean it too.
I do not help my wife to cook because I also want to eat and I need to cook too.
I do not help my wife wash the dishes after eating because I also use those dishes.
I do not help my wife with her children because they are also my children and my job is to be a father.
I do not help my wife to wash, spread or fold clothes, because the clothes are also mine and my children.
I am not a help at home, I am part of the house“

Aus „I do not help my wife“ von Ben Tatinger

EIGENTLICH sollten so alle Männer denken und damit stirbt die Formulierung „Mein Mann hilft mir im Haushalt“ vielleicht eines Tages aus.

Wobei es – man muss nur die Kommentare im oben verlinkten Artikel lesen – offenbar schon Stufe II ist, wenn der Mann hilft. Schlimmer geht leider immer: „I admire those who have a spouse who views their wife as a partner, not as a subservient slave.“ oder „He basically eats, sleeps, goes to the bathroom and makes my life hell.“

Stufe I Der Mann atmet, schläft, benutzt das Badezimmer.

Stufe II Der Mann hilft im Haushalt und mit den Kindern.

Stufe III Der Mann erledigt seine 50% To-dos in Sachen Haushalt und Kinder.

Stufe IV Der Mann übernimmt seine 50% Verantwortung in Sachen Haushalt und Kinder.

Wie aber Stufe IV erreichen? Bei Anne Schüssler habe ich gelesen, dass der Haupthebel das Nichttun und das In-Ordnung-sein-Lassen ist. Und da hat es bei mir „klick“ gemacht.

Es sollte nicht darum gehen Methoden zu finden, wie man alles effizienter macht, um am Ende die gewonnene Zeit mit zusätzlichen ToDos vollzupacken. Es geht darum sich zu entlasten und das funktioniert erst mal indem man die zur Verfügung stehende Energie verdoppelt.

Energie ist begrenzt. Ein Kuchen eben. Den Kuchen kann man in beliebtig viele Teile teilen, um beliebig viele To-dos zu erledigen. Nur hat man dadurch nicht mehr Energie sondern weniger Energie pro Aufgabe. Nimmt man den Energiekuchen des Partners dazu, hat man tatsächlich mehr Energie. Noch mehr Energie bekommt man nur durch Tricks. Entweder weil man Aufgaben (bezahlt) auslagert oder aber, weil man endlich damit anfängt seine eigenen unendlichen To-do-Listen zu entmüllen.

To-do-Listen entrümpeln

Frei nach Marie Kondo. Jedes To-do anschauen und sich fragen: „Does it spark joy?“ Nö? Kann es weg?

Mit Marie Kondo entrümpeln

Wahrscheinlich werden die meisten die Kann-es-weg-Frage mit „Nein“ beantworten. Aber ist das wirklich so? Muss man das WIRKLICH machen? Robert Franken schreibt so passend:

„Um das zu erreichen, müssten wir uns mit der Frage auseinandersetzen, warum wir Dinge tun. Statt dessen agieren wir fast ausschließlich in den Kategorien Was und Wie. Das Warum ist jedoch die Grundlage für alles andere. Die Frage nach dem Warum wieder neu zu stellen ist die Art Aufbruch, der Kräfte freisetzen und Entlastung bringen kann.“

Aus: „Bartleby trifft Anti-Eisenhower – wie wir der Überforderung vielleicht entkommen“ von Robert Franken

Wir zerbrechen uns also die Köpfe um das Was und Wie – nehmen uns aber kaum Zeit für das Warum.

Also kann das weg? Vielleicht ja doch! Oder man kann das To-do ein bisschen abspecken?

Und wenn es wirklich nicht weg kann? Kann das nicht jemand anders machen? Im Idealfall sparkt das Joy für diese Person? Und wenn nicht – dann rotieren! Drei Monate ich, drei Monate Du. Und so geht man seine ganze Liste durch.

Rasenmähen? Does it spark joy? Nö? Rasenmähroboter kaufen.

Wäscheberge nach dem Urlaub waschen? Does it spark joy? Nö? Dann gemeinsam in den Waschsalon und zack ist die Aufgabe an einem Nachmittag erledigt und es ist nicht eine Person eine Woche nebenher beschäftigt.

Kuchen backen? Does it spark joy? Bei mir nicht. Beim großen Kind ja. -> Großes Kind backt Kuchen.

Müll runterbringen. Does it spark joy? Nö. Januar bis März mache ich das, dann der Partner, dann die Kinder, dann wieder ich.

In kleinen Schritten zu einer entmüllten To-do-Liste. Es gibt wirklich einiges, das man finden kann, wenn man sich nicht mehr ausschließlich auf das Was und Wie, sondern das Warum fokussiert.

Haushaltsaufgaben und Carearbeit gedanklich trennen

Ich glaube auch, dass es enorm hilft, Hausarbeit und Carearbeit, die mit den Kindern zusammenhängt, gedanklich zu trennen. Die Argumentation an der Stelle ist oft: Weil der Mann mehr verdient, übernimmt die Frau seinen Anteil an der Hausarbeit. Bei mir bildet sich da ein großes Fragezeichen im Kopf. Was wäre denn, wenn der Mann Single wäre und viel verdient? Macht er dann den Haushalt einfach auch nicht? Oder macht er ihn, weil es ja sein Haushalt ist? Oder zahlt er jemanden, der das macht?

Sollte man als Paar mit Kindern also schaffen das Thema Haushalt gerechter zu lösen, dann ist man doch (unabhängig vom Kinderhaben oder Nichthaben) schon einen Schritt weiter, oder?

Und was die Carearbeit angeht – ich hoffe immer darauf dass mehr und mehr Männer verstehen, dass alles rund um die Kinder auch immer eine Investition in die Beziehung ist. Lässt man die Mutter alles machen, gibt man auch ein Stück (innige) Beziehung zum Kind weg. Klar kann man für das Kind immer noch der nette Lieblingsonkel sein, der vorliest und mit dem Kind in den Zoo geht – ein Vater, der emotional der Mutter gleichgestellt ist, der Ansprechpartner und Vertrauensperson ist, wird man wahrscheinlich nicht werden, wenn man die Haltung verfolgt „Mit Kleinkindern kann ich nichts anfangen, ich kümmere mich ums Kind, wenn es Fußball spielen kann.“

Die gut-genug-Lösung aushalten lernen

Auf der anderen Seite sind da aber (auch wieder vom vielen Kommentarlesen gelernt) die vielen Frauen, die finden, dass Männer die Kinder falsch anziehen, falsch die Wäsche aufhängen, häßliche Schuhe kaufen oder der gebackene Kuchen fürs Buffet nicht gut genug ist. Die behaupten auch steif und fest, dass alle Herangehensweisen, die nicht ihre sind, zum unmittelbaren Zusammenbruch des kompletten Familienleben führen.

Alles wird katastrophisiert. Wird EINMAL nicht (das Richtige) eingekauft, verhungern die Kinder noch an diesem Abend. Oder sie bekommen Skorbut und ihnen fallen alle Zähne aus. Nein, Himmel. Einmal nicht einkaufen bedeutet, man geht zum Vorratsschrank und es gibt Nudeln mit Butter. Alle leben! Falsch aufgehängte Wäsche wird auch trocken und ist die Wäsche zu zerknittert, trägt man ein zerknittertes T-shirt.

Ich glaube wirklich (sofern man etwas an dem Verantwortungsgefüge ändern möchte), dass man aufhören muss ALLES zu tun. Einfach mal nicht machen. Anne hat das schöne Beispiel mit der Klorolle genannt. Sind Sie auch die Person, die immer die leere Klorolle gegen eine neue austauscht? Tauschen Sie sie einfach mal nicht. Machen Sie es wie Kohl. Machen Sie nichts. Sitzen Sie es aus.

Es lohnt sich einfach mal auszuhalten Dinge nicht zu tun. Und aushalten, dass Dinge anders gemacht werden. Das Ziel ist schließlich weniger (Mental) Load. Anders geht es nicht, wenn man nicht ohnehin schon einen Partner Stufe IV hat.

Bedürfnisse äußern und ernst nehmen

Und reden. Reden, reden, reden. Das persönliche Lebensglück hängt am tragen knitterfreier T-shirts? Sagen Sie es Ihrem Partner. Für eine gut funktionierende Partnerschaft ist es wichtig Bedürfnisse zu äußern und sie anzunehmen. Natürlich auch die des anderen. Jede/r hat spezielle Vorlieben und Wünsche. Da kommt man sich eben entgegen. Jede/m sind andere Dinge wichtig und dafür wieder andere komplett unwichtig. Ich mag saubere Arbeitsflächen, aber der Boden darf so krümelig sein, dass man denkt, man geht durch Sand. Am wichtigsten ist mir aber, dass mein Partner glücklich und ausgeglichen ist und uns als Paar geht es am Besten wenn ich auch glücklich und ausgeglichen bin. Ergo arbeiten wir an einer Reduktion und guten Verteilung des Mental Loads (und der eigentlichen Aufgaben).

Und nochmal: Ihr seid glücklich mit Mental Load und dem Aufgabenpensum? Fine for me! Bitte gehen Sie weiter. Es gibt hier nichts zu sehen.

Weiter gehen!

 

Ich freue mich jederzeit über Kaffeespenden. Beim Kaffeetrinken denke ich manchmal darüber nach was ich als nächstes NICHT mache.

123 Gedanken zu „Declutter your To-do-List“

  1. Ich als Mann stimme Dir da völlig zu!
    Ist einfach eine grundlegende Einstellungssache für beide Seiten. Vielleicht sollte man es eben einfach nicht als „Seiten“ wahrnehmen. Jeder ist ein Teil des großen und Ganzen. ;)

    LG
    Swen

  2. Was mir bei der Aufteilungsdiskussion immer wieder auffällt ist, dass aus der (für mich logischen) Tatsache, dass zwei Menschen selten die gleichen Ansprüche haben, häufig geschlussfolgert wird, dass Frauen viel höhere Ansprüche haben als Männer.
    Und die Frauen deswegen so häufig mehr übernehmen, nach dem Motto, ihm ist es nicht wichtig, er sieht den Dreck nicht etc. er ist ja ein Mann.

    Aber wenn man etwas genauer hinschaut ist es eben doch einfach ein Frage der Gewohnheit (bzw welches Bild will man erfüllen) und jeder hat eben an verschiedenen Punkten unterschiedliche Ansprüche. Der eine hasst Flecken auf dem Spiegel, der andere Socken auf dem Boden. Kann man sich drüber aufregen, drüber sprechen oder einfach erledigen. Aufregen hilft vermutlich am wenigsten.

    Wir haben einige Aufgaben bewusst verteilt (bspw Betten beziehen wegen Allergie, Einkaufen/Essensplan wegen Kreativität) und andere haben sich so ergeben (Spülmaschine ausräumen, Kaffeemaschine reinigen, Müll runterbringen).

    Aber helfen im großen ganzen gibt es nicht. Unsere Wohnung, unser Dreck, unser zukünftiges Kind. Helfen gibt es nur im kleinen, hilfst du mir mal eben beim Kartoffeln schälen oder holst du mal eben die Wäsche hoch. Und auch wenn das zum großen ganzen dazu gehört, kann man auch mal danke sagen. Danke dass du den Müll runtergebracht hast (ich hatte einfach keine Lust).

  3. Bin sofort dabei mit Stufe IV, weil etwas für und mit geliebten Menschen machen ungleich erfüllender ist als Lohnsklaverei in einem Konzern – Borgwürfel. Denn die Frau übernimmt ja selbstverständlich im Gegenzug 50% der wirtschaftlichen Verantwortung, ergreift einen Beruf, der finanziell auch was einbringt und haut auch ordentlich beruflich rein.

    Oder habe ich da was falsch verstanden?

    1. Nein, das hast du genau richtig verstanden. Die Frau hat dann ihren Beruf, mit gelegentlichen wichtigen Terminen, für die du dann in deinem Job früher gehen oder anderweitig die Kinderbetreuung abfangen musst. Weil ihr Beruf dann nämlich genau so wichtig ist wie deiner und sie nicht defaultmäßig beruflich zurücksteckt. War es das, was du hören wolltest?

      1. Ob du es glaubst oder nicht: Ja, dass habe ich so gemacht. Konnte noch nie die vielen Männer (und wenigen Frauen) verstehen, die ihre Seele an eine Firma verkaufen und dafür ihr Familien- und Privatleben vernachlässigen. Da platzten halt mal Termine oder der Chef kriegte einen Anruf, dass ich nicht kommen konnte.
        Karriere macht man so natürlich nicht, weil man so im normalen Konkurrenzkampf um knappe Ressourcen gegen die Fanatiker*innen den Kürzeren zieht, aber es hat trotzdem zu einer sehr ordentlich bezahlten Stelle gereicht.
        Auch sonst hat sich das gelohnt, denn ich habe ein ausgesprochen inniges Verhältnis zu meinen (jetzt fast erwachsenen) Kindern. Und auch die Frau konnte eine sehr ordentliche berufliche Entwicklung realisieren und hat inzwischen sogar Führungsverantwortung.

        Ich ärgere mich halt nur regelmäßig über das feministische „one trick Pony“, wieder und wieder die ach so schrecklichen Belastungen und Benachteiligungen der Frauen heraus zu streichen und sämtliche positiven Beiträge, Sorgen, Nöte und Zwänge der Männer konsequent zu ignorieren oder klein zu reden. Man muss sich schon das Gesamtpaket anschauen und jedes Paar muss für sich einen gemeinsam gangbaren Weg finden.

        Wer 50% zum Außenbeitrag beiträgt, kann selbstverständlich mit Fug und Recht erwarten, dass der Partner auch 50% vom Innenbeitrag übernimmt.

        1. Na mit der Auffassung kann ich und viele andere Frauen gut leben.
          In den Texten, die ich lese, geht es aber in der Regel um den Frust sehr wohl seinen Außenbeitrag zu leisten, aber anderthalb bis zwei Innenbeiträge dazu zu machen. (Und sich dann rechtfertigen zu müssen, warum frau nicht entspannt und glücklich aussieht.)

  4. Was hier zu Stufe IV noch fehlt ist: 50% des Konflikte vermeiden. D.h. freundlich sein auch wenn man müde/genervt/krank ist. Gereizte Stimmung durch einen Witz auflösen. Ernst gemeintes Fragen, wie es dem anderen geht. „Oh, das tut mir leid“ sagen. Eingreifen, wenn Partner aufgrund schlechter Laune ungerecht zu den Kindern ist.
    Seit ein paar Jahren versuche ich es (hauptsächlich unbewusst) mit der Strategie, es einfach sein zu lassen. Das führt zu einem Haufen vor den Kindern ausgetragener Konflikte. Aber so langsam wird es tatsächlich besser.

  5. Mein Freund musste zu Hause nie im Haushalt mitmachen – und das nehme ich seinen Eltern durchaus übel. Nicht dass er Sachen nicht richtig macht (er macht manches umständlich und langsam, aber was soll’s). Das nervige ist, dass er manche Arbeiten gar nicht wahrnimmt. Er dachte zB, dass ein Waschbecken oder eine Spüle durch die Benutzung immer gleich sauber bleiben.

    1. Badezimmerbenutzung, so dass das Bad immer sauber aussieht – ist ein Thema über welches ich seit längerem Nachdenke. Ich bin beim Vater aufgewachsen und diese Sitte war mir gänzlich unbekannt. Mit Eintritt der Pubertät wurde meiner Schwester (!) von einer Tante mitgeteilt, sie sei nun für die Integrität des Badezimmers zuständig, dass würde sonst auf sie zurück fallen. Wofür steht dieses saubere Badezimmer eigentlich? Kein Typ, den ich kenne, hatte je diesen „unbenutztes“ Badezimmer – Zwang. Jetzt mit zwei Kindern und 75% Berufstätigkeit, merke ich, dass meine Integrität anscheinend immer noch von einem unbenutzt aussehendem Badezimmer abhängt. So wird mir von Freundinnen versichert, Badezimmer putzen, sei kein Thema, dass machen sie quasi bei der Benutzung. Also bei jeder Klo und Waschbeckenbenutzung der Frau, putzt sie die Spuren aller anderen Hausbewohner weg. Ich möchte niemanden zu Nahe treten, aber das klingt für mich latent neurotisch. Ich mache da nicht mit.

  6. Kinderlos, aber Altersunterschied von 10 Jahren.
    Als ich noch studierte war und er die Putzfrau bezahlte war klar, wer den Rest macht… Als ich dann auch arbeitete und wir beide zahlten hab ich seine Wäsche konsequent liegen lassen müssen bis die Worte in Gedächtnis blieben.

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