Noch mehr weltfremde Scheißtipps

Bildnachweis: DOOM (c) bethesda.net

Ich habe den Text „Jungs und Computerspiele: Wenn Mütter von Vorschlaghämmern träumen“ gelesen und eine Weile darüber nachgedacht, wie man Bezug auf den Text nehmen kann, ohne dass es besserwisserisch klingt. Tatsächlich vermute ich, dass es mir nicht gelingen wird, auch wenn das gar nicht meine Intention ist. Der Text hat mich aber bewegt und deswegen möchte ich mich darauf beziehen.

Die Autorin schreibt:

Wenn es um „Kinder und Computer“ geht, müssen sich Eltern immer wieder die gleichen weltfremden Scheißtipps anhören.  „Medienzeit vereinbaren“, „Medienkonsum konsequent begrenzen”, „Interesse signalisieren”, „Alternativen anbieten”: Alle Eltern in meinem Umfeld haben versucht, diese Tipps zu befolgen. Alle sind damit gescheitert, manche früher, manche später. Zumindest wenn sie einen Sohn haben.

Tatsächlich sitze ich auch regelmäßig in Elternrunden und höre ähnliches. Man habe ja versucht die Medienzeit zu begrenzen, aber am Ende habe man dennoch ewige Diskussionen und alle Parteien schlechte Laune.

Medienzeit vereinbaren

Die Autorin geht dann die Tipps durch und gleicht sie mit der Realität ab. Im Beispiel Medienzeit vereinbaren läuft es darauf hinaus, dass der Sohn auf seine halbe Stunde, die schließlich vereinbart wurde, beharrt und ggf. auch auf einen schönen Ausflug verzichtet.

Genau diesen Fall hatte ich mal als Beispiel in einem Eltern-Coaching. Am Ende habe ich mich gefragt, ob ich wohlmöglich die herzloseste Mutter der Welt bin, aber wenn mein jugendliches Kind lieber Computer spielt als mit an die Ostsee zu kommen, dann ist das so. (Gilt übrigens auch für lesen, chillen, netflixen und alles andere). Natürlich wünsche ich mir gemeinsame Aktivitäten mit meinen Kindern, aber ich erinnere mich gut an meine Teenagerzeit, in der ich gezwungen wurde mitzugehen und daraus leite ich ab: Ne. Wenn das Kind nicht mitmöchte, darf es zuhause bleiben. Es bekommt jedes Mal das Angebot sich anzuschließen, ggf. nachzukommen – aber ich überrede keinen Jugendlichen. Das macht ihm schlechte Laune, mir schlechte Laune und den Geschwistern schlechte Laune.

Interesse signalisieren und „Schießspiele“

Im zweiten Beispiel dreht es sich um den Tipp Interesse signalisieren.

Dazu kann ich sagen: Wenn das Interesse nicht aufrichtig ist, braucht man es auch nicht vorspielen. Wenn das Kind etwas mit „Leute erschießen“ spielt und man das deswegen von vornherein doof findet, dann kann man den Tipp wirklich in die Tonne treten.

Persönlich interessiere ich mich auch nicht für „Leute erschießen“-Spiele. Hab ich nie. Ich hab lieber SIMS gespielt und mich dort therapiert, indem ich die Spielfiguren wie verhasste Menschen aus meinem Leben genannt habe. Die habe ich dann eingemauert, so dass sie nichts essen konnten oder sich eingepullert haben und irgendwann unter Schmerzen starben. Hachja, jetzt werde ich doch sarkastisch.

Ich glaube, weil das doch ein starkes Gefühl in mir regt. Erwachsene schauen Hannibal, Westworld, Breaking Bad und von mir aus Tatort. Alles Serien, die irgendwie mit Menschen töten zu tun haben. Nie höre ich da diese Vorurteile, dass das irgendwie schlecht für die Charakterbildung ist oder sonstwie bedenklich. Sich zehn Staffeln blutrünstige Serien reinziehen ist ok. Doom oder Wolfenstein spielen, macht alle zu Psychopathen. Warum vertraut man beim einen auf die Differenzierungsfähigkeiten des Menschen und beim andern nicht? Gerne lasse ich mir das erklären – Antworten bitte in die Kommentare.

Alternativen anbieten

Der dritte medienpädagogische Tipp lautet Alternativen anbieten.

Diesen Tipp diskutiere ich sehr gerne mit anderen Eltern. Die meisten Alternativen, die angeboten werden sind im Sinne von „Hey, wie wäre es wenn du mal rausgehst?“

Und auch hier: Wahrscheinlich bin ich nicht erwachsen geworden oder unreif, aber wenn ich Freizeit habe, will ich über meine Freizeit frei verfügen. Wenn es 30 Grad hat und die Sonne scheint und ich möchte aber unbedingt noch eine Folge Ozark sehen, dann mache ich das. Von daher verstehe ich grundsätzlich das Bedürfnis.

Mit Alternativen anbieten ist vielleicht aber was anderes, ungleich schwierigeres, gemeint. Wenn ein Kind total Bock auf Computer spielen hat und ich biete Fußball an, dann ist das ein bißchen wie ich hab Lust auf Schokopudding und jemand sagt: „Hier, ein Thunfischsandwich!“

Erfolgsversprechender ist es dann zu sagen: „Ok, mir hängt der Schokopudding zum Hals raus, wie wäre es mit Eis?“

Was ich meine: Natürlich gibt es Computerspiele, die ich doof finde oder bei denen ich merke, dass sie meinen Kindern auf Dauer schlechte Laune machen. Was man also versuchen kann, ist ein anderes Computerspiel zu finden, das vielleicht „unbedenklicher“ ist oder weniger Frustrationspotenzial hat. Das ist – wenn man selbst nicht spielt – sauschwer. Wie kommt man dennoch zu Tipps, die man mal ausprobieren kann?

Einfachster Tipp: Lach‘ dir einen Spielejournalisten/in als Partner an. Der/Die kennt sich aus und kann beratend zur Seite stehen.

(Hab ich gemacht. Supersache. Leider sind die rar und manchmal hat man ja schon einen Partner, den man lieb gewonnen hat, da ist Wechseln wegen der Computerspieleproblematik vielleicht nicht der richtige Weg.)

Zweiter Tipp: Hör‘ dir Spielerezensionen an.

Ja, es gibt Spielerezensionen, so wie es Bücherrezensionen gibt und das auch noch in seriösen Radiosendern (z.B bei Deutschlandfunk Kultur bei Kompressor die Games-Rubrik „Vorgespielt„) oder als Podcast. Reingehört habe ich z.B. in Angespielt – die Wired hat weitere Tipps.

Dritter Tipp: Selbst Spiele recherchieren. Zum Beispiel auf Seiten wie Spielbar.de oder Spieleratgeber NRW. Da kann man sich wunderbar über Spiele informieren. Wenn man dort ein Spiel gefunden hat, das gut klingt, einfach auf YouTube per Let’s Play Kanal das Spiel anschauen. Und dann zur Überraschung des Kindes: Spiel kaufen und schenken. Das senkt die Schwelle zum Ausprobieren enorm.

Eine weitere Quelle der Inspiration sind Einrichtungen wie das Game Science Center oder Veranstaltungen wie die „A Maze“ (dieses Jahr 25. bis 29.4. in Berlin).

Loslassen

Außerdem: Persönlich glaube ich, dass es alles schwieriger wird, wenn man erst in der Pubertät anfängt die Tipps der Medienpädagogen zu befolgen. Mit der Vorarbeit – v.a. in Sachen Thunfischsandwich-Alternativen (s.o.) muss man schon Jahre vorher beginnen.

So. Jetzt ist der Artikel doch besserwisserisch geworden. Ich bekomme es nicht anders hin. Mir ist aber wichtig zu sagen, dass ich die beschriebenen Szenen des Artikels für mich eher exemplarische Aufhänger sind. Ich würde niemals auf andere Mütter und Väter zeigen und sagen: „Das habta aber kacke gemacht.“ Das wäre anmaßend. Denn natürlich haben Computerspiele (manche Formate ganz besonders) ein Suchtpotenzial. Außerdem glaube ich, dass die Pubertät ganz allgemein eine Lebensphase ist, in der sich Kinder abgrenzen wollen. Das geht mit Computerspielen ganz gut. Die Pubertät ist außerdem eine Phase in der man exzessiv Dinge tun möchte (alles nur anekdotische Evidenz). Ich wollte z.B. permanent Fingernägel feilen, mir Gesichtsmasken auftragen, meine Haare färben, knutschen, später rauchen, chatten, Brettspiele spielen und manchmal Alkohol trinken.

(Außerdem muss ich bei dem Suchtargument immer ein wenig lachen. Für meine Elterngeneration ist es z.B. total normal jeden Abend fernzusehen. Auch wenn man Besuch hat und auch im Sommer. Da stellt man sich die Glotze dann auf die Terrasse oder in den Wohnwagen oder oder – ohne gehts jedenfalls nicht. Es gibt offenbar gesellschaftlich akzeptierte Süchte und stigmatisierte Süchte.)

Eine oft gehörte Aussage muss ich jetzt noch in meinen Artikel reinpacken. Sie lautet ungefähr so: „Also ich hab ja nichts gegen das Computerspielen, aber mein Kind ärgert sich dabei manchmal so, das macht anscheinend nicht mal Spaß. Da möchte ich das am liebsten verbieten.“

Meiner Erfahrung nach haben alle exzessiv betriebenen Hobbys Frustpotenzial. Ich bügelperle z.B. sehr gerne. Das kann ich stundenlang machen. Riseige Bilder aus Bügelperlen legen. Ganz kontemplativ. Am Ende muss die Scheiße aber gebügelt werden. Da gibt es drei Ausgänge. A) Es klappt (Yeah!) B) Ich habe nicht heiß genug gebügelt. Alles fällt auseinander (Mehrere Stunden Arbeit für die Katz. ROOOAAAAR!) und C) Ich habe zu heiß gebügelt. Alles ist ein scheißhässlicher Brei. WAAAHHHH!!!

Ich mutmaße mal: Das geht mit anderen Hobbys auch gut. Ob man deswegen das Gärtnern, Torten backen, Stricken verdammen sollte?

In den Kommentaren des oben verlinkten Artikels habe ich gelesen: „Ich fühle mich oft hilflos, wütend, ohnmächtig und als Versagerin.“ Ich verstehe das und ich kenne das Gefühl auch. Es gibt eben keine Tipps, die für jedes Kind, für jede Familie passen. Mit meinem Artikel möchte ich eher sowas sagen wie: Es gibt noch mehr, das man probieren kann. Und ja, das ist mit Arbeit verbunden.

Die Hauptarbeit ist vermutlich mit sich selbst zu klären, warum man das alles so bedenklich findet. Stellt man eigene Wertvorstellungen/Ästhetikempfindungen/Meinungen zur sinnvoller Freizeitbeschäftigung vor tatsächliche pädagogischen Bedenken? Worüber genau sorgt man sich*? Sieht man es vielleicht als Kränkung weil die Kinder plötzlich eigene Vorstellungen von Freizeit haben, die immer weniger die Eltern berücksichtigen? Es gibt da wirklich viele Fragen, die man sich stellen kann. Und man kann auch experimentieren, um (Teil)Antworten auf diese Fragen zu bekommen. Z.B. was passiert eigentlich wenn ich den Medienkonsum nicht begrenze. Sehr lesenswert dazu das Experiment der Familie Buddenbohm.

Deswegen, wenn ich in Elternrunden höre, dass ALLES versucht wurde, dann stellt sich meistens heraus: Es wurde ALLES versucht um die Medienzeit zu beschränken. Alle anderen Sachen wurden in Ermangelung von Interesse und Zeit selten wirklich probiert.


 

*Klar gibt es auch Themen, die ich als diskutierwürdig ansehe. Die Darstellung von Frauenfiguren in einigen Computerspielen z.B. Dazu und zu ähnlichen Themen findet man übrigens gut aufgearbeitete Beiträge auf den Seiten der Stiftung Digitale Spielekultur (z.B. Ästhetik und narrative Relevanz weiblicher Spielfiguren).

 

381 Gedanken zu „Noch mehr weltfremde Scheißtipps“

  1. Als Vater dreier Jungs (halbe Stunde Spielzeit pro Tag … kicher) u ehemaliger, jahrelanger SelbstSpieleSüchtiger finde ich den Vergleich mit „Erwachsener sieht doch auch blutrünstige Serien“ bedenklich. EgoShooter bauen bei exzessivem Spiel einerseits ein enormes Aggressionspotential auf bei gleichzeitiger moralischer Abstumpfung. Deshalb ist es mMn gerade in der Phaser 14-19 Jahre sehr bedenklich Jugendliche diese Spiele spilen zu lassen. Die diversen Altersempfehlungen machen mMn durchaus Sinn u sind idR zu niedrig angesetzt.

    Das Suchtpotential hat definitiv durch BreitbandInternet zugenommen, weil das TeamPlaying einfach viel interessanter ist u der EinstiegsWiderstand *viel* geringer als vor 20 Jahren ist.

    Spielen lassen ja, das *was* sollte aber kontrolliert u restriktiv behandelt werden. Meine Cents…

  2. Mal wieder ein hervorragender Artikel zu dem Thema von dir. Wie immer!

    Meine Frau und ich haben immer versucht, Freiheit und Verantwortung zu koppeln. Nach dem Motto: Wer sein Zeug (Schule usw.) im Griff hat, darf auch zocken, Serien suchten etc.

    Was die Auswahl der Spiele, Altersbeschränkungen etc. angeht: Wer da mitreden will, muss sich auch informieren. Sonst wird man von den Kindern nicht ernstgenommen.

  3. Danke für diesen tollen Artikel, der zeigt mir, dass ich Glück hatte mit meinen Eltern und das ich das auch so an meine Kinder weitergeben kann. Die Links helfen mit ungemein, da die 6Jährige auch schon ganz wild darauf ist, den Rechner zu belagern.

  4. Danke für den Artikel, der mir aus der Seele spricht!
    Mein Sohn 14j funktioniert die ganze Woche und da finde ich es wichtig, dass er am Abend und am Wochenende unverplante Zeit für sich hat. Ich musste auch immer mitkommen und habe es gehasst. Wenn er entscheidet mitzukommen, dann ist es für alle schön, wenn er nicht mitkommt auch aber eben nicht zusammen. Dieses ganze Generve lassen wir weg.
    Er hat durch „Lets Plays“ super englisch gelernt, er spielt unterschiedlichste Charaktere, auch als Frau, Tier oder Fabelwesen. Er baut sich eine ganze Welt. Da steckt schon viel Kreativität drin.
    Und wir haben schon mehrfach die Erfahrung gemacht, dass bei Nichteinschränkung der Spielzeit, er einfach keine Lust mehr hatte und erstmal Klavier gespielt hat, liest oder sich einen Film anschaut.
    Natürlich achte ich auf die Balance, Schule, andere Hobbys, Freunde etc. Das habe ich ihm frühzeitig erklärt, damit er es nicht als Strafe empfindet, wenn er abends pünktlich Schluss machen muss, weil Schule ist.
    Trotz der Versuchung zu lernen, eine eigene Balance zu finden, ist eine wichtige Fähigkeit, die auch viele Erwachsene nicht beherrschen.

    1. Ja, dass Jugendliche bzw. auch schon Kinder durch Let’s Plays Englisch lernen, habe ich schon oft gehört. Klingt jedenfalls sehr ausgewogen bei euch. Es wäre so schön, wenn man sowas öfter hören würde.

      1. Ich habe damals (mit 14 oder so) auch viel durch Videospiele Englisch gelernt. Und durch semilegal kopierte und englisch untertitelte Anime. Und Internetseiten zu Serien und Spielen, die eben noch nicht auf Deutsch verfügbar waren.

        Und mal ganz ehrlich: Wir haben damals auch als kleine Kinder schon viel zu viel Zeit vor dem Fernseher verbracht – regelmäßig ohne dass unsere Eltern so recht wussten, was wir uns da angeschaut haben. Und aus uns ist trotzdem was geworden.
        Regeln im Sinne von „Solange du [rechtzeitig ins Bett gehst / zuhause bist / deien Hausaufgaben machst / gute Noten hast] darfst du auch [ Fernesehen / Videospiele spielen / am Wochenende bis morgens um 6 mit Freunden unterwegs sein] fand ich da sehr hilfreich.

  5. Jede Generation möchte sich von der Elterngeneration abgrenzen, das ist natürlich ein völlig nachvollziehbarer Prozess. Vor einiger Zeit galt es sogar noch als schädlich, zu lange zu lesen! Ich glaube nicht, dass ich genervt bin, dass mein Sohn (16) andere Interessen hat als ich. Ja, ich persönlich kann Computerspielen nichts abgewinnen aber das ist es nicht. Das Kind verliert sich so im Spiel wie ich damals in den Büchern, das verstehe ich und das finde ich persönlich völlig ok. Was ich allerdings schon bedenklich finde, ist das anscheinend hohe Suchtpotential dahinter. Es schlägt über ihm zusammen wie hohe Wellen über einem Ertrinkendem, da bleibt kein Platz mehr für irgendeine reale Wahrnehmung. Er würde nichts essen (oder eben nur schnell Chips und Süßigkeiten), nichts für die Schule tun und keinerlei Sport machen (was mit 16 in Verbindung mit Chips und Schokolade einfach blöd ist), WENN ich ihn nicht beim Spielen eingrenzen würde. Es gibt mittlerweile auch viele Studien zu gesundheitlichen Aspekten und auch zum Essverhalten in Stresssituationen, in denen sich Gamer sich ja oft befinden. Er würde wahrscheinlich noch nicht mal zur Schule gehen. Das reale Leben wird komplett (!) ausgeblendet und das finde ich auf Dauer bedenklich. Wir leben nun mal in einer realen Welt, der man sich auch in gewisser Weise irgendwann mal stellen muss. Und diese reale Welt ist auch wunderschön- wenn man noch in der Lage ist, sie wahr zu nehmen.

  6. Wahrscheinlich ist mitspielen der einzig wirkliche Weg, den Teenies die Ballerspiele zu vergällen. Wobei ich’s halt auch leider geil fände, mit dem Kind Doom zu zocken.
    Und da ich sowieso die Mutter der Nation bin, hat meine Kurze einen WoW Account mit dem sie Pets sammelt.

  7. Den Text von Julia Karnick fand ich gut und logisch – du setzt dich mit dem Thema aber so cool differenziert auseinander! Unsere Kinder sind noch klein und mir ist Karnicks Perspektive erstmal näher, aber ich ahne, dass ich von deinen Texten zum Thema total profitieren werde, wenn die Kids älter sind. Und damit auch die Kinder.
    Herzlichen Dank!

  8. Danke für Deinen tollen Artikel. Wir leben halt in anderen Zeiten. Auch ich habe lange mit mir kämpfen müssen, als meine 10-jährige Tocher in Sims 4 lieber ein Gestüt erstellt hat als etwas mit mir zu machen.

    Aber so sind nun mal auch die Zeiten. Und da ich selber leidenschaftlicher Zocker bin (FIFA-Serie und WoW)…Was sollte ich da auch noch sagen ;)

    Hätte ich es damals anders gemacht wenn es schon diese digitalen Möglichkeiten gegeben hätte? Ich denke nein!

  9. Computerspiele spiele ich selbst, wenngleich auch andere als die Kinder. Dennoch hab ich immer versucht, über ihre Spiele zumindest grob im Bilde zu sein. Da gibt es auch mal Lob, wenn ich einen Spielzug gelungen finde. Stress gibt’s nur, wenn ein Kind gerade den TV zum Spielen benötigt, ich aber doch lieber Fernsehen möchte. Aber auch da sind wir uns immer einig geworden.

    Einen sehr positiven Aspekt haben Computerspiele auch: Mein jüngeres Kind hat plötzlich angefangen, sich mit Mitmenschen ausführlich zu unterhalten. Gut, das war zwar meist über Headset im Spiel, aber auch vereinbarte gemeinsame Spielzeiten konnten auf einmal eingehalten werden und die Sinnhaftigkeit von Pünktlichkeit war kein Thema mehr.

    Was den Satz „Geh doch mal raus“ von Eltern angeht: Den hab ich als Kind gehasst, daher mussten meine Kinder den nie von mir hören. Meine Reaktion damals war nur, dass ich irgendwann widerwillig doch rausgegangen bin – und dann eben draußen gelesen habe. Das war vermutlich auch nicht das, was meine Eltern bezwecken wollten. *g*

  10. Toller Text! Wir sind beide begeisterte Spieler und haben gerade angefangen, unserem Kind (4) die Playstation mit einem Lego-Spiel nahe zu bringen. Und wir sind schon sehr gespannt, wie er in der Pubertät rebellieren wird; wahrscheinlich gärtnern oder so.

  11. Für meine Elterngeneration ist es z.B. total normal jeden Abend fernzusehen.
    Hier musste ich lachen. Das ist auch typisch meine Eltern: Stundenlang vor dem TV, aber mir vorhalten, ich säße nur vor dem PC. Was ich eigentlich so gut wie nie zuhause tue.
    Guter Artikel

    1. Ich empfinde Umgang meiner Mutter mit dem Medium TV schon anders als den meines Sohnes mit den Computerspielen. Ja, auch bei meiner Mutter läuft der Fernseher viel. Aber wenn sie 8 Stunden am Stück schreiend und schwitzend davor säße ohne zu essen und trinken, würde ich mir auch Gedanken machen….

        1. So wäre es, wenn wir unsren Sohn in diesem „Spieltrieb“ nicht einschränken würden. Ich stelle nur immer wider fest, dass man diese Dynamik nicht verharmlosen sollte. Es ist eben NICHT wie fernsehen.

  12. Ich habe selbst keine Kinder, spiele aber selbst sehr gerne Computerspiele. Jedenfalls ein paar wenige. Vor einiger Zeit habe ich mal eine Abhandlung darüber gelesen, dass die von mir präferierten Strategie- und Aufbauspiele eigentlich eine moderne Form des Geschichtenerzählens sind. Kann ich nachvollziehen. Ich habe vor etlichen Jahren angefangen, für solche Spiele selbst maps (levels, Scenarios,…) zu erstellen, und dabei bewusst den Aspekt der Geschichte in den Vordergrund gerückt. Zumindest ich selbst spiele solche Maps immer wieder sehr gerne.

    Andere Arten von Spielen werden wohl wieder andere Aspekte haben. Egoshooter sollen angeblich die Hand-Auge-Koordination fördern. Kann durchaus sein. Ich selber mag solche Spiele nicht. Aber das sind eben meine persönlichen Präferenzen.

    Verdirbt Monopoly etwa den Charakter, weil es zu rücksichstlosem Torbokapitalismus anleitet? Ich halte dieses ganze Geschwafel für Blödsinn. Das einzig negative in Zusammenhang mit Computerspielen ist, dass der Körper eher vernachlässigt wird. Bis auf die Handbewegungen für die Maus spielt sich Alles im Kopf ab. Ist etwas einseitig. Aber Sport auf der anderen Seite ist oft genug einseitig auf den Körper fixiert, der Kopf wird dabei vernachlässigt. Ist auch nicht gut. Computerspiele sind vermutlich einfach nur deswegen schlecht, weil die meisten Erwachsenen einfach keinen Zugang dazu finden.

  13. computerspiele in denen so viel zeit verbracht wird dass die frage aufkommt ob es zuviel zeit ist sind in der regel kompetitive team-vs-team oder zumindest multiplayer-spiele. wenn die kinder sowas exzessiv spielen ist das vergleichbar mit dem spielen in einem sportverein. meiner meinung nach könnte man das sogar fördern. anschauen würde ich mir da eher wie die kinder in dem spiel agieren und welche community da so am start ist.

    unsportliches verhalten wie z.b. ständiges foulen oder andere runtermachen sollte thematisiert werden. das setzt natürlich voraus dass man sich die wichtigsteen spielübertragungen zumindest ab und zu auch mal anschaut, auch wenn mans vielleicht langweilig findet.

    viele strategie-spiele sind an sich sind vielleicht unproblematisch für eine 14-jährige, aber wenn da peripher z.b. lauter nazis oder sonstige arschlöcher rumhängen sollte man eher daraus schauen.

  14. Moin, ein das sind keine weltfremden Scheisstipps, sondern Tipps die verallgemeinernd formuliert wurden und ohne Kontext zum Individuum stehen.
    Ich denke, es ist erstmal entscheidend, von welcher Altersgruppe wir gerade sprechen. Bei einem 12 oder 13 jährigen nach jahrelangem Desinteresse und mangelndem Durchsetzungsvermögen macht es gar keinen Sinn, mit Nutzungszeiten anzufangen oder Interesse zu heucheln…

    Und das mit den Medienzeiten kann vielleicht auch daran liegen, dass viele Eltern die stetige Auseinandersetzung mit dem Kind scheuen. Meine Güte, Erziehung ist halt nicht immer ein leckerer Schokopudding… Und ja, bei meinen beiden Kindern klappt das mit den Absprachen einigermaßen gut, weil wir von klein auf mit Regeln angefangen haben.

  15. ******************KOMMENTAROMAT**********************
    Genau!
    *****************/KOMMENTAROMAT**********************
    Aber sowas von!

    1. Das auch. Habe ich aber auch erst bei einem Vortrag im Computerspielemuseum verstanden, weil die da für best. Szenarien Team-Strategien gezeigt haben für ein Spiel gezeigt haben.

  16. Hi! Toller Artikel :) meine Mama zockte selbst gerne und hat mir deshalb auch nie verboten zu spielen. Am Ende ermutigte sie mich dazu sogar selbst zu streamen. Was mich beim Ausgangstext vor allem störte, dass ständig vom Sohm die Rede war. Als würden Töchter nicht zocken und nur Jungs hätten dieses Hobby…. Vielen Dank für deinen tollen Text :)

  17. ******************KOMMENTAROMAT**********************
    Gerne gelesen
    *****************/KOMMENTAROMAT**********************

  18. Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich Egoshooter verdammenswert finde und mir kann keiner erzählen, dass es gesund für die Psyche eines Menschen, noch dazu eines pubertierenden Menschen ist, wenn er sich wochenlang im abgedunkelten Zimmer mit Kopfhörern solchen Spielen hingibt. Ich weiß, dass ich damit in der Minderheit bin, und der Hass, der sich mir von Seiten passionierter Gamer darbietet wenn ich das laut sage wird in seiner Vehemenz nur von einer Gruppe Leuten erreicht oder getoppt: Verfechtern des zweiten Zusatzartikels der U.S.-Verfassung, wenn man den Begriff “gun control” fallenlässt. Go figure.

    Du fragst, wo der Unterschied zum Bingewatching von gewalttätigen Serien oder blutrünstigen Filmen ist. Ich denke, zum einen ist es der Zeitfaktor – ein Film ist in der Regel nach zwei, drei Stunden zu Ende, auch eine TV-Serie dauert nicht endlos (obwohl sich einige so anfühlen) und hat einen gewissen Rhythmus. Man kann nach einer Folge ausmachen und weiterspielen und selbst, wenn man alle Staffeln über ein Wochenende schaut, fängt man in aller Regel nicht am Mittwoch wieder von vorne an.
    Meinen Beobachtungen bei zwei Teenagerjungs – meinen Patensöhnen – nach, ist das jedoch der Fall bei Egoshootern, und vermutlich deshalb, weil man mit den Figuren interagiert, Teil der Handlung ist. Von meinen Handlungen im Spiel hängen weitere Schritte ab, inzwischen ist die Handlung nicht mehr immer linear sondern es gibt diverse Szenarien, die man alle mal durchspielen kann und zu einem anderen Ende gelangt als beim Spiel zuvor. Punkt zwei ist die Perspektive: Die Spieler stehen mittendrin, nicht als Zuschauer am Rande und durch weitere Gimmicks wie Kopfhörer und Oculus Rift wird die Simulation immer realistischer, zumal natürlich auch die Grafik immer realistischer wird. Wir sind heute weit entfernt von Pixelspielen wie Doom oder Wolfenstein. Und schließlich Punkt drei ist die Möglichkeit, Multiplayerspiele zu spielen. Der beste Freund vom Schulhof ist der Army Buddy neben mir im Spiel, man kriegt mehr Punkte und Belohnungen für Teamergebnisse. Das alles ist sensorisch doch sehr weit entfernt von zusammen Popcorn essend Saw gucken (so widerlich Saw auch sein mag).

    1. Das mit dem Zeitfaktor stimmt nur bedingt. Allein „The Walking Dead“ hat 117 Episoden. Selbst wenn man das durch hat, gibt es eben endlos Nachschub in Form anderer Serien.
      Dass es Situationen gibt, die problematisch sind und die auch im Einzelfall problematisches Verhalten hervorbringen, keine Frage (langes Thema, das ich als Kommentar in Kürze nicht behandeln kann). Dass aber Egoshooter grundsätzlich problematisch sind, halte ich eben für falsch.
      Es gibt natürlich nie ein Medium, das komplett unproblematisch ist (auch nicht die Serien, auch nicht YouTube, selbst Chatten oder Facebook nicht).
      Ich hab ja selbst schon was zu dem Frauenbild geschrieben. Ich glaube aber dass die allermeisten eben dennoch differenzieren können. Je älter und reifer, desto eher, auch da stimme ich zu. Aber ich sage ja auch immer wieder, dass man die Kinder (auch die Jugendlichen) begleiten soll und sie eben nicht komplett alleine lässt und dass man sich selbst ein Bild machen soll, damit man eben weiß worum es im aktuellen Wolfenstein geht und sich nicht von Vorurteilen lenken lässt.

    2. Ich denke, das sind die drei Punkte:

      1) Es kommt darauf an, wie Gewalt dargestellt wird.
      2) Es kommt darauf an, wie intensiv und lange man sich damit beschäftigt.
      3) Und es macht einen Unterschied, ob man die virtuelle Gewalt nur konsumiert oder selbst virtuell ausübt.

      Das bedeutet nicht, dass man Egoshooter deshalb dämonisieren müsste, aber es rechtfertigt durchaus, sie nicht unbedingt mit Fernsehen (im weiteren Sinne) gleichzusetzen. Nicht zuletzt spielt dabei der Realismus eine Rolle. Wer heute in den 30ern oder 40er ist, hat vermutlich als Kind und Jugendlicher vor allem Spiele mit – technisch bedingt – eher höherem Abstraktionsgrad kennengelernt: natürlich wurden da auch Menschen, Aliens oder was auch immer abgeschlachtet, aber letztlich passiert das beim Schachspiel ja auch … Von Pixeln, die mehr oder weniger realistisch Menschen oder andere Wesen symbolisieren, sind wir aber heutzutage weit entfernt.

      Andererseits sollte man sich nicht nur auf Gewalt konzentrieren, sondern auch auf die Darstellung anderer Verhaltensformen, bspw. – aber nicht nur – das Sexualverhalten, und – mangels einer besseren Bezeichnung – den „allgemeinen Verblödungsfaktor“. Bevor man sich stundenlang Trash-TV und „Reality-TV“ reinzieht, spielt man vielleicht doch besser ein paar gepflegte Runden CounterStrike (oder was auch immer mittlerweile en vogue ist).

  19. Also ich bin nie gern auf Ausflüge meiner Eltern mit. Als ich gross genug war dürfte ich daheim bleiben. Sonntags also selbst gekocht statt mit Mama und Papa im Restaurant. Fern gesehen ohne Ende (selten gelesen obwohl ich das auch sehr sehr gern mache). Und ich bin trotzdem sozial integriert und seit 20 Jahren nur vom mutterschutz unterbrochene Berufstätigkeit. Naja. Eigentlich hab ich im Mutterschutz trotzdem ein bisschen gearbeitet ?? Computerspiele sind nicht meins aber ich liebe das Internet. Unsere Tochter ist dagegen eine Zockerin. Könnte tagelang zocken… Bisher harmloses und ich hoffe es bleibt so. Sie hat viele Freiheiten und wir reden viel darüber. Auch über die Kontras. Ich hoffe ich verliere nie den Zugang zu ihr, denn im Nachhinein denke ich dass nur der zählt, zumindest war es be mir so.ich dürfte vieles selbst entscheiden und habe auch Fehler gemacht, aber ich wusste wo ich aufgefangen werden und Hilfe suchen kann. Und mit wem ich reden kann. Vierzig Jahre später ist meine Familie nach wie vor der beste Ratgeber. So ganz falsch haben die das Wohl nicht gemacht weil ich damit sagen.

  20. Ich, die seit 30 Jahren Videospiele spielt, finde es befremdlich, wie stark Videospiele stigmatisiert werden. Alle recherchieren stundenlang welche Bettwäsche unbedenklich ist, aber gute Spiele raussuchen oder YTer checken ist ihnen zu blöd. ?
    Danke für den Beitrag!

      1. Ne, kein guter Vergleich.
        Der Sinn von Bettwäsche erschließt sich mir sofort. Ich würde sogar soweit gehen zu sagen, es geht eigentlich nicht ohne.
        Genau das kann ich von Computerspielen nicht behaupten. Ganz im Gegenteil: mir persönlich würde rein gar nichts abgehen, wenn es Computerspiele gar nicht gebe. Komplett entbehrlich. Und nicht nur das, seit ich einen Sohn habe, wäre es mir sogar lieber, es gäbe sie gar nicht.
        Ansonsten, was Kiki sagt.
        Wenn ich Tatort schaue oder von mir aus SAW, agiere ich nicht und stelle mir nicht mal vor ich wäre der handelnde Schlächter. Bei Ego-Shootern geht es unter anderem genau darum mich dies möglichst realitätsnah erleben zu lassen.
        Braucht kein Mensch. Meiner Meinung nach!
        Genau wie Formel 1-Rennsport, Alpin-Skifahren und Rauchen. Schadet alles mehr (allen) als es nützt oder Vergnügen bereitet (mir).
        Ich übe mich in Toleranz, meistens.

        1. Aber genau darum geht es: Man selbst ist als Eltern nicht der Maßstab. Dass Dir nichts abgeht – ja. Aber das ist kein Grund das zu verbieten. Ich kann z.B. sehr gut ohne Fußball leben. Und?
          Rede mal mit Menschen, die Ego-Shooter spielen. Es geht nicht ums Schlachten. Ganz oft geht es um Strategie z.B.
          Ich glaube, dass die Tipps wie „Interesse zeigen“ eben scheitern, weil viele Eltern schon mit einer unglaublich vorgefertigten Meinung in so ein Gespräch gehen. Das hemmt die Kinder/Jugendlichen und ein offener Austausch ist gar nicht möglich.

  21. Zugegeben ich spiele zur Entspannung manchmal Counterstrike und stelle mir schon mal gerne vor, dass mein Gegenüber die Person ist, die mir in Laufe des Tages am meisten auf den Keks gegangen ist. So wie einmauern bei den SIMS. Mir hilft’s (auch noch mit knapp 40…

    1. Ich hab den Artikel auch interessiert gelesen. Mein Artikel soll kein Bashing des Artikels sein. Sehr beruhigend ist in der Tat am Ende die Sicht des erwachsenen Kindes.

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