Wo sind all die Frauen?

Letzte Woche hatte ich das Gefühl, dass ich in der Erziehung vermutlich etwas richtig gemacht habe. Da kam nämlich mein Kind zu mir und sagte: „Ich soll ein Referat über Pioniere zusammenstellen. Christoph Kolumbus hat der Lehrer vorgeschlagen, aber ich mache lieber was über Amelia Earhart.“ Innerlich dachte ich „WTF? Wer ist Amelia Earhart?“, aber mir war ja klar, mein Kind hatte eine Frau ausgesucht und war nicht bereit, das vermutlich zwanzigtausendste Referat zu Kolumbus zu halten, also hab ich mich gefreut und später heimlich gegoogelt wer Amelia Earhart eigentlich war.

Die Frage war für mich: Woher hatte mein Kind dieses Wissen? Ich weiß selbst, dass es viele wichtige Frauen in der Weltgeschichte gab, aber ich bin ehrlich, in der Schule habe ich zum größten Teil Männernamen kennengelernt. Hätte ich eine wichtige Frau nennen müssen, wäre mir wie vermutlich allen Marie Curie eingefallen und das wäre es dann auch schon gewesen.

Amelia Earhart
Quelle: S. 24, Good Night Stories for Rebel Girls

Da erinnerte ich mich, dass wir letztes Jahr mit großer Freunde Good Night Stories for Rebel Girls: 100 außergewöhnliche Frauen (Amazon Werbelink) gelesen hatten. Und tatsächlich, das war meinem Kind so in Erinnerung geblieben, dass es aus fast jeder Wissenschafts- oder Kulturdisziplin den Namen einer Frau nennen konnte. Ich war schwer beeindruckt.

Das Rebel Girls Buch ist nicht das einzige Buch, das wir über Frauen in unserem Buchregal stehen haben. Mir war es wichtig, eine kleine Bibliothek aufzubauen, die genau dem entgegen wirkt, dem ich mich in meiner Sozialisation ausgesetzt gesehen habe: der reinen Männerwelt.

Empfehlen kann ich z.B. die wunderbaren „Unerschrocken“-Bücher (Teil 1, Teil 2; Amazon-Werbelink) von Pénélope Bagieu, in denen jeweils der Lebensweg von fünfzehn außergewöhnlichen Frauen vorgestellt wird. Das Buch ist eher für ältere Kinder und bedarf der Begleitung, es macht auch nicht Stopp vor Themen wie Vergewaltigung und Krieg – das nur zur Warnung.

Ich habe erst sehr spät verstanden, wie wichtig weibliche Vorbilder sind. Veranstaltungen wie der 25 Frauen Award haben bei mir großen Eindruck hinterlassen. Aber auch im direkten privaten Umfeld orientiere ich mich gerne an tollen Frauen. So z.B. an meiner ehemaligen und an meiner aktuellen Chefin oder auch an einer Kollegin, die super strukturiert und völlig angstlos an die unfassbarsten Aufgaben rangeht und diese mit Bravur bewältigt. Großen Vorbildcharakter haben für mich auch die Frauen des Lila Podcast, in dem ich regelmäßig Susanne Klingner, Katrin Rönicke und Barbara Streidl zuhören kann, wie sie ruhig und fundiert feminstische Themen aufarbeiten. Ohne sie (und Marcus Richter) hätte ich mich nie getraut auch zu podcasten. Oder die energische Frau Kirsche, meine Mitpodcasterin in der Weisheit, die nicht nur Professorin ist und mir jede Statistikfrage beantworten kann, sondern auch die wunderbarsten Kleider nähen kann. Weibliche Vorbilder sind für mich einfach toll und wirken auf mich ganz anders als männliche.

Seit meiner Kindheit hat sich im Kinder- und Schulumfeld wenig getan. Die Welt ist weiterhin männlich: Kolumbus, Polo, Gutenberg, da Vinci, Dürer, Kopernikus, Shakespeare, Galilei, Luther, Kepler, Newton, Kant, Beethoven, Goethe, Gauß, Freud, Picasso, Einstein, Armstrong… ich könnte die Liste lange weiterführen.

Selbst wenn man googelt: Die Wikipedia hat nach wie vor ein Frauenproblem, dem sich Gruppen wie „Women in Red“ versuchen anzunehmen:

„We recognized a need for this work as, in November 2014, only about 15% of the English Wikipedia’s biographies were about women.“

Aktuell z.B. wurde in der englischsprachigen Wikipedia kurz nach Erstellen der Beitrag zu Donna Strickland gelöscht, die kürzlich nach Marie Curie und Maria Goeppert-Mayer als dritte Frau überhaupt, den Nobelpreis für Physik erhalten hat. Begründung: sie sei nicht bekannt genug.

In „Die Erfinderin des Cheesegewehrs“ sprechen Marcus, Malik, Frau Kirsche und ich über das Wikipedia-Problem und bekommen eindrücklich durch einen Kommentar vor Augen geführt, warum es so anstrengend ist, in der Wikipedia Beiträge für Frauen zu erstellen und zu editieren.**

So versuche ich zumindest in den eigenen vier Wänden die Welt ein bisschen weiblicher zu machen. Wenn die Kinder durch die Sendung mit der Maus Alexander Gerst kennenlernen, dann erzähle ich als von Samantha Cristoforetti und spätestens mit der Espressomaschine im All ist das Interesse an ihr geweckt und sie bleibt genauso im Gedächtnis wie ihr ebenfalls beeindruckender männlicher Kollege.

Das ist der Rahmen, den ich geben kann und da war es natürlich eine große Freude so deutlich zu sehen, dass etwas hängen geblieben ist.

Neben den Büchern, halte ich Ausschau nach Angeboten wie den Girls‘ Day, der 2019 am 28.3. stattfinden wird (dessen Angebote ab November des Vorjahres im Netz stehen. Stellt euch einen Reminder. Die guten Angebote sind im Dezember schon lange weg) oder versuche meine Kinder fürs Programmieren zu begeistern. Mathe ist bei uns nicht zu diskutierendes Grundlagenfach. So wie Englisch. Das wird gelernt und fertig. V.a. die ersten Jahre ist das keine Frage der Neigung. Ganz ehrlich nicht. Ein paar Grundlagen muss man schlucken und dann solange wiederholen bis alles sitzt. Erst ab einem gewissen Komplexitätsgrad darf gestöhnt werden – denn dann geht es vielleicht wirklich um Neigungen und Talent. In der Grundschule geht es nicht um Talent und schon gar nicht um die Frage, ob ein Y-Chromosom hier besonders helfen würde. Ich kann Klischeesätze wie „Mathe ist nichts für Mädchen“ oder „Mädchen sind eher sprachbegabt“ nicht ertragen*.

Meine Kinder kennen meine Haltung in der Zwischenzeit natürlich und sie sagen mir auch manchmal, dass ich ein bisschen übertreibe. Aber sie sind ziemlich fit im Argumentieren und so führen wir zunehmend gute Gespräche zu gesellschaftspolitischen Themen oder strukturellen Ungerechtigkeiten, in denen auch ich dazu lerne. Das ist toll. Wenn ich meine Kinder anschaue, sehe ich, dass sie jetzt schon Dinge wahrnehmen und bewerten können, die ich erst weit jenseits der 30 verstanden habe. Und ich weiß: das ist deren Grundlage. Sie werden viel weiter gehen können als ich.

Apropos: gestern habe ich auf Netflix den französischen Film „Kein Mann für leichte Stunden gesehen“. Der Titel klingt nicht gerade einladend und der Trailer ist sehr klamaukig – der Film selbst ist wirklich großartig und tiefsinnig, weil er ein Gefühl gibt, wie absurd eine Welt wirkt, wenn es ein Matriarchat gäbe, das die genaue Spiegelung des heutigen Patriarchats ist. Man findet Dinge, die man für gewöhnlich ganz normal findet (z.B. mit freien Oberkörper joggende Männer; Männer, die beim Sex kommen und denen egal ist, wenn die Frau keinen Orgasmus hat; lustig gemeinten Sexismus etc.) plötzlich sehr befremdlich.

Noch mehr Tipps für Bücher und Filme aus den Kommentaren und von Twitter:

 

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*Im Übrigen gilt auch alles umgekehrt für die Jungs. Sie mögen Kuscheltiere und Puppen? Sehr gut! Sie lieben Sprachen? Top. Sie wollen basteln? Na gut, dann bin ich Bastelmutti! Sie wollen in den Tanzkurs – ab in den Tanzkurs. Sie wollen lange Haare. Natürlich, warum auch nicht? Für sie gilt alles, was für die Mädchen auch gilt. Sie dürfen auch das Ziel haben Vorstand einer Bank zu werden.

 

**Oder Themen wie den Equal Care Day

 

93 Gedanken zu „Wo sind all die Frauen?“

  1. Hier noch eine ganz besondere Frau: Frances E. Allen! Eine sehr bedeutende IT Pionierin und die erste Frau, die den Turing Award bekam. Das ist sozusagen der Nobelpreis für IT.

    Und Blythe Masters als Beispiel dafür, dass auch Frauen zu verheerenden Leistungen fähig sind. Sie war eine der Schlüsselfiguren bei der Erfindung der CDS, einem Finanzderivat, dass maßgeblich zum Ausbruch der Finanzkrise 2007 beigetragen hat.

  2. Tja, wo sind bloß all die Frauen? In den Parteien stellen sie gerade 30% der Mitglieder und auch bei der großen ZEIT Gesprächsrunde lag die Beteiligung nur bei 30%.

    Und an alle Frauen hier: Wieso macht ihr euch keinen Account bei Wikipedia und reicht Artikel über Frauen ein? Ja, dass ist harte Arbeit und oft auch unangenehm. Aber für alle. Es ist eben nicht so, dass Frauen sich gegen Männer behaupten und durchsetzen müssen, sondern alle müssen sich behaupten und durchsetzen. Ihr könnt euren Account auch so anlegen, dass überhaupt nicht zu erkennen ist, welches biologische Geschlecht ihr habt.
    Nur die geforderte Qualität müsst ihr schon liefern. Aber viele Frauen wollen sich dem nicht stellen und versuchen über die Geschlechterkarte, Extrawürste gebraten zu bekommen.

    So aber zementiert ihr die Rollenverteilung geradezu. In bester Tradition der bürgerlichen Ehefrau sitzt ihr da, beklagt euch über dies und das und erwartet permanent von den Männern, dass sie die Dinge in eurem Sinne regeln.

    1. Ich finde deinen Ton total unangemessen und auf der anderen Seite einen schönen Spiegel wie der Ton auch bei der Wikipedia ist.
      Ich habs aufgegeben, da was zu bearbeiten, weil alles sofort gelöscht wird und die Diskussionskultur unter aller Kanone ist. Es kann nicht der richtige Weg sein, von anderen zu verlangen sich so einer Kultur unterzuordnen und sich da durchzubeißen. Es ist tatsächlich an den Männern, das mal zu verbessern und sich anderen Editor*innen zu öffnen.
      Was die Politik angeht – aktuelle Leseempfehlung https://www.zeit.de/politik/deutschland/2018-09/gleichberechtigung-frauen-diskriminierung-fuehrungspositionen-ministerien

      1. Entschuldige bitte, es war nicht meine Absicht, dir zu nahe zu treten.

        Ich finde es nur zunehmend anstrengend, permanent auf allen Kanälen mit Artikeln zugeschüttet zu werden, die ALLE den gleichen Tenor haben: Wenn es für Frauen schlecht läuft, sind die Männer schuld. Läuft es für Männer schlecht, sind wir selber schuld. Wo bleibt den eigentlich die Verantwortung der Frauen für die aktuellen Zustände? Schließlich stellt diese „Minderheit“ über 50% der Bevölkerung und beherrscht vor allem einen Großteil des Erziehungswesens. Also den Schlüssel zu nachhaltigen gesellschaftlichen Änderungen.
        Und tut mir leid: In meiner Filterblase erlebe ich einfach viel zu viele Frauen, die es sich sehr, sehr gemütlich machen und sich vor allem von den ehemaligen Pflichten emanzipiert haben. Nach 25 Jahren Vollgas im Hamsterrad bin leider dann doch arg dünnhäutig geworden.

        Die Wikipedia ist allerdings wohl tatsächlich ein schlechtes Beispiel, denn da liegen sehr viele Dinge wirklich übel im Argen. Dort hat sich eine kleine Clique eingenistet, die aus dem Schutze der Anonymität heraus schlimm agitiert.

  3. Ich kann zu diesem Thema wärmstens die Seite http://www.kleine-heldinnen.de empfehlen. Da gibt’s ganz viele Buchtipps mit starken Protagonistinnen und Vorbildern, sortiert nach Alter und Themen. Außerdem Spielzeugempfehlungen in Richtung MINT und Kostümtipps jenseits von Elsa.

  4. Lustig, über Amelia Earhart bin ich auch vor kurzem auch erstmals gestolpert. In einem skandinavischen Roman übrigens, in dem beiläufig erwähnt wurde, wie die jugendliche Tochter ein Referat zu ihr vorbereitete. Hab ich dann auch heimlich gegoogelt. :-)
    Danke für die Buchtipps, die Rebel Girls gehen mit in die Herbstferien. Aber nicht bei Amazon bestellt – ich bestell lieber im Kiez ;-)

  5. Meine Tochter ist grad drei geworden und wir lesen mit Begeisterung die Bücher der Reihe „Little People, big dreams“. Da werden portraits berühmter Frauen kleinkindgerecht erzählt, ganz zauberhaft illustriert und die Kleine liebt vor allem gerade das Buch über Mutter Theresa und Anne Frank (!). Leider gibt es die Reihe noch nicht auf deutsch (wir hatten sie damals in Spanien kennengelernt), aber das English ist sehr einfach gehalten und ich übersetze einfach beim lesen.

    1. Woah. Die Bücher sehen sehr schön aus. Leider kann man online keinen Blick ins Buch werfen. Ich werde noch arm bei all den tollen Tipps. Danke.

  6. Es gibt einen sehr schönen Blog einer ehemaligen Lehrerin aus Köln, die in ihrer „Great Women“- Reihe sehr interessante und zu einem großen Teil unbekannte Frauen vorstellt, inzwischen sind es fast schon 150 Porträts, sehr empfehlenswert!„https://lemondedekitchi.blogspot.com/p/seit-oktober-2014-stelle-ich-in.html“
    Herzlichen Gruß!
    Doro

  7. Oh, und noch eins:


    Aktuell z.B. wurde in der englischsprachigen Wikipedia kurz nach Erstellen der Beitrag zu Donna Strickland gelöscht, die kürzlich nach Marie Curie und Maria Goeppert-Mayer als dritte Frau überhaupt, den Nobelpreis für Physik erhalten hat. Begründung: sie sei nicht bekannt genug.

    Laut der History von Wikipedia ist das nicht unbedingt korrekt. Ich habe mir eben den abgelehnten Artikel-Draft angeschaut und für mich sieht es ein wenig aus als hätten die Medien das daraus gemacht.
    Die Begründung lautete nicht dass Frau Strickland zu unbekannt sei, sondern dass der Artikel-Entwurf für seine Informationen keine unabhängigen, verlässlichen Quellen genannt hat.
    Das ist die Anforderung:
    „published, reliable, secondary sources that are independent of the subject“ müssen die Bedeutsamkeit der Person belegen.
    Die beiden genannten Quellen des Artikel-Drafts waren beide von der Universität selbst, an der Frau Strickland arbeitet.

    Kurzum: Der Artikel-Draft hat den Kriterien nicht genügt. Soweit ich das erkennen kann ging es nicht um Frau Strickland sondern um die Belege.

    Sagt natürlich nicht aus dass Wikipedia _kein_ Gleichberechtigungsproblem hat, aber ich finde man sollte es zumindest nennen.

    Gruß
    Aginor

      1. Da steht ja: wurde gelöscht (und zwar in der englischsprachigen) und da das danach durch die Presse ging, gibt es in der Zwischenzeit einen. Es geht darum wie schnell ein Eintrag zu einer Frau gelöscht wird. Ganz grundsätzlich. Selbst wenn sie einen Nobelpreis bekommt.

  8. Als Luftfahrtenthusiast fallen mir natürlich auch sofort Amelia Earhart und Beryl Markham ein. Amy Johnson oder Hanna Reitsch gingen z.B. aber auch, je nachdem wie weit man den Begriff Pionier fassen will.

    In der Wissenschaft sind – so aus dem Kopf – Lise Meitner, Marie Curie, Emilie du Chatelet und Barbara McClintock mindestens nennenswert.

    Woher das Kind Earhart kannte? Vielleicht aus dem Fernsehen? Gab mal eine interessante Reportage (glaube von der BBC) über sie. Oder vielleicht von XKCD #950? :D

    Zu Kolumbus noch kurz, passt aber auch z.B. für Hanna Reitsch, Wernher von Braun und viele viele andere:
    Ich finde man muss – bei allen bewundernswerten Leistungen – immer auch sehen, dass alle Menschen Kinder ihrer Zeit sind. Bei Kolumbus war es (unter anderem) Sklaverei, bei Reitsch und von Braun dass sie bei den Nazis mitgemacht haben (unterschiedlich motiviert aber es war einfach so), bei Isaac Newton dass er ein (unter anderem misogynes) Arschloch war (siehe Florian Freistetters Buch), und bei quasi jedem und jeder früher dass er oder sie Teil einer Gesellschaft war, die aus unserer heutigen Sicht verabscheuungswürdige Denk- und Handelsweisen als normal und/oder wünschenswert betrachtet hat. Manche nur als Mitläufer, manche aus Überzeugung.

    Also sollte man deren Leistungen trotzdem anerkennen und/oder feiern? Ich finde anerkennen ja, feiern… bei manchen vielleicht nicht. Ich finde z.B. dass Wernher von Braun die Würdigung für seine Verdienste um den Raketenbau verdient, Hanna Reitsch die für ihre fliegerischen Leistungen, Newton die für seine wissenschaftlichen Leistungen, oder eben auch Kolumbus die für seine Expeditionen. Auch wenn sie als Vorbilder allgemein nicht taugen.

    Gruß
    Aginor

    1. Eigentümlich. Ein Teil des Artikels hat bei mir vorhin nicht geladen, kann den erst jetzt sehen.
      Gute Buchtipps!

      Gruß
      Aginor

  9. Kolumbus ist ein exzellenter Vorschlag. Natürlich war er ein Pionier, auch wenn der verlinkte Artikel das bestreitet, und er war ein Pionier, an dessen Beispiel sich gut herausarbeiten lässt, dass der westliche Kolonialismus mit unglaublich viel Arroganz und Blutvergießen einherging.

    1. Sorry, das war als Antwort für Uli gedacht.

      Danke für den Buchtipp – wird bestellt, die Kleine ist zwar momentan noch etwas zu klein, aber das wird sich ja ändern.

  10. Toller Artikel, danke!

    Ich bin Mathematikerin und glaube, dass die meisten Frauen (und vielleicht auch eine Menge Männer) stark überschätzen, wie groß die Rolle von Begabung am Mathematikunterricht ist (der im übrigen mit ‚richtiger‘ Mathematik nicht allzu viel zu tun hat – dort geht es viel mehr um Logik und weniger um Rechnen). Ich würde behaupten, das ist vor allem Fleißarbeit, auch wenn es sicher einigen leichter fällt als anderen. Und logisches Denken kann auch erst mal jeder lernen.
    Leider ist es in unserer Gesellschaft gerade unter Frauen sehr gut sozial akzeptiert (fast schon erwartet), dass man Mathematik nicht mag und nicht kann. Z.B. die ganze aufstrebende Sparte von Data Science, Machine Learning und Algorithmen beruht aber auf Mathematik, und es wäre sehr schade, wenn sich das weiterhin so viele Frauen entgehen lassen würden. (Computer sind ja erst mal angeblich auch nichts für Frauen…)

    1. „Leider ist es in unserer Gesellschaft gerade unter Frauen sehr gut sozial akzeptiert (fast schon erwartet), dass man Mathematik nicht mag und nicht kann.“
      – Dazu fällt mir ein: Wie unglaublich wichtig Rollenvorbilder des gleichen Geschlechts sind darf nicht unterschätzt werden: Ich hatte zu meiner Schulzeit ein Jahr lang eine Lehrerin in Physik – Frau H. – sie war klein, hatte lange Haare, eines ihrer Hobbys war Fallschirmspringen. Vor und nach ihr hatten wir nur Lehrer. Bevor sie kam stand ich in Physik auf 4 – als sie da war: meine Motivation stieg ins unermessliche, ich lernte für sie, las freiwillig alles noch einmal zu Hause nach und hatte zum ersten Mal in meinem Leben eine 1 in der Klassenarbeit zu Thermodynamik. – Leider wurde sie dann schwanger und in ging in Mutterschutz. Als sie wiederkam war ich schon im Abitur. – Die Zeit bei ihr war mir so eindrücklich, dass ich wirklich noch Details dieser Klassenarbeit weiß. – Wie schade, dass ich sie nicht länger hatte – es hätte sicher meine Studien- und Berufswahl in einem naturwissenschaftlichen Bereich begünstigt. – So habe ich dann doch den eher klassisch weiblichen Zweig der Sprachen zum Beruf gemacht, mit all den eher schwierigeren Möglichkeiten, damit Geld zu verdienen.

    2. Deinen Kommentar lasse ich gleich mal meine Tochter lesen. Es ist immer besser, das mal von jemanden zu hören/lesen, der/die nicht die Mama ist :)

  11. Ich hatte schon mehrmals überlegt, das Buch zu kaufen; die Kinder waren bisher aber noch zu klein. Nun, da der Ältere ins richtige Alter kommt, hab ich ein Problem mit dem Titel:“Good Night stories for Rebel Girls“- das wendet sich so eindeutig an Mädchen (und die sind zur Zeit sowieso „doof“)- dass ihn das vermutlich von Beginn an nicht interessiert. Schade, dass der Titel nicht neutraler ist; die Geschichten wären sicher auch für die Buben spannend !

    1. Ich hab das Buch für mich und den Sohn gekauft und er findet es total spannend. Den Titel hat er so hingenommen, wir hatten aber bei seinen abenteuergeschichten für Jungs schon die Diskussion, dass es Quatsch ist, Bücher nur an Jungs oder Mädchen zu adressieren.

    2. An dem Buch gefiel mir, dass sich jemand die Mühe gemacht hat, viele beeindruckende Frauen zusammenzutragen und in einem Band nebeneinander zu stellen. Allerdings fand ich die Texte, da sie sich wohl auf eine Seite beschränken sollten, zum Teil ganz schön arg vereinfacht. Ich habe es für meine Töchter gekauft, aber insgesamt ist es mir zu oberflächlich. Man kann es bestenfalls als Referenz nehmen und dann ausführlichere Biografien heranziehen.

      1. Du meinst die Rebel Girls? Weil bei den „Unerschrocken“ Frauen ist es ja anders.
        Ja, Rebel Girls ist ein Einstieg. Aber ich habe bislang noch kein Kind getroffen, das nicht alleine von der Auswahl beeindruckt war.

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