[Rezension] Babyboom und Hebammenmangel: Autogeburten werden bald zum Alltag gehören

Disclosure: Ich habe das Buch kostenlos als Rezensionsexemplar überlassen bekommen.

Zwei Frauen denken weiter

Susanne Mierau, die ich schon viele Jahre von geborgen-wachsen.de kenne und schätze, hat mit Anja Constance Gaca vonguteneltern.de ein Buch über Geburten geschrieben. Ich muss zugeben, dass ich aus dem Thema Geburten prinzipiell etwas raus bin, da meine Kinder doch schon relativ groß sind und unsere Familienplanung auch keine weiteren Kinder mehr vorsieht. Nichtsdestotrotz habe ich das Buch sehr gerne gelesen, denn das Thema ist auf den ersten Blick doch außergewöhnlich: Es geht um Autogeburten.

Autogeburten sind in den industrialisierten Ländern schon lange keine Seltenheit mehr:

Auch in Deutschland wird schon jetzt jedes 200. Kind im Auto geboren. Ein Trend, der in Zukunft ganz sicher noch zunehmen wird. Als ich meine Kinder bekommen habe, war es noch problemlos möglich Beleghebammen zu bekommen. Eine Autogeburt musste ich deswegen nicht fürchten. Als der Geburtstermin näher rückte, war klar: Ich kann meine Hebamme anrufen und wenn es wirklich so weit ist, wird sie kommen und mich ins Krankenhaus begleiten. Sollte die Geburt wider Erwarten schon im Gange sein, würde sie mich einfach zuhause unterstützen.

Aber da war die Situation eine andere als heute. Nicht im Traum wäre man im Krankenhaus abgewiesen worden, hätte wieder ins Auto steigen müssen und hätte zum nächsten Krankenhaus fahren müssen.

„Da hat uns die Hebamme, die dort im Dienst war, aber schon gesagt, sollte das Kind heute Nacht kommen, müssen Sie nach Potsdam oder nach Bad Saarow zum Entbinden, weil alle Berliner Kreißsäle zurzeit voll sind. Ich war total vor den Kopf gestoßen, also einerseits total empört, weil Bad Saarow sind glaub ich 80 Kilometer, Potsdam weiß ich nicht, 50 Kilometer oder so, ich hatte Angst.“

Quelle: Krise im Kreißsaal

Mehr Geburten, aber kaum noch Hebammen

Die Politik reagiert auf solche Veränderungen kaum und wenn überhaupt viel zu spät. Die Versicherungsprämien für Hebammen in utopische Höhen steigen lassen und dann überrascht feststellen, dass viele Hebammen ihren Job an den Nagel hängen müssen, weil die Konstellation so wirtschaftlich nicht mehr tragbar ist.

Gleichzeitig aber verzeichnet Deutschland einen Anstieg an Geburten.

Auch eine Autogeburt kann ein entspannter Start ins Leben sein

Deswegen ist es nur konsequent, was Susanne Mierau und Anja Constance Gaca hier durchdenken: Wenn zukünftig immer mehr Frauen ihre Kinder im Auto bekommen, dann soll das wenigstens unter den best möglichen Bedingungen geschehen.

Die Autorinnen schreiben:

Die Autogeburt – gut & geborgen gebären auf Rädern“ ist ein praktisches Mitmach- und Kreativbuch für alle, die gerne anpacken wollen mit viel Mitgefühl und Empathie, um den Gebärenden heute bei der Geburt mehr Freude zu ermöglichen. Werde auch Du ein Held des Alltags im Sinne von Jens Spahn*.

Folgerichtig haben sie in ihrem Buch wunderbare Tipps zusammengestellt, die Menschen, die ein Kind erwarten, spielend leicht umsetzen können: So z.B. Aromaentspannungstherapie mit Duftbäumchen oder eine übersichtliche Darstellung von  Geburtspositionen im stark beengten Raum. Auch findet man hinten im Buch eine praktische Erweiterung der Krankenhaustasche – denn natürlich möchte man sich die schönen Autositze nicht mit dem ganzen Blut versauen – also sollte ab der 30. SSW auf jeden Fall immer eine abwaschbare Plastikdecke dabei sein. Am besten ihr werft selbst einen Blick ins Inhaltsverzeichnis.

Insgesamt gefällt mir an dem Buch, dass es auf unterschiedliche Bedürfnisse eingeht. Es ist also nicht ausschließlich an die Gebärdende gerichtet. Echte Männer, die ohnehin nichts lieber tun als Auto fahren, finden hier auch pragmatische und leicht umzusetzende Tipps, die ihren Frauen die Geburt im Auto nicht nur erleichtern sondern sogar richtig schön machen.

Wäre ich schwanger, ich würde das Buch sofort kaufen. So kann ich lediglich jeder und jedem ans Herz legen: Kauft „Die Autogeburt – gut & geborgen gebären auf Rädern“ (Amazon-Werbelink) und seht der Geburt trotz Hebammenmangel entspannt entgegen. Ich wünsche den beiden viel Erfolg. Und Deutschland – Land der AutofahrerInnen – Dir kann ich gratulieren, denn Du hast Deine neuen Heldinnen gefunden!

tldr: Keine Hebamme bekommen? Dann einfach dieses Buch kaufen


Lest auch, was Mama arbeitet und Runzelfüßchen über das Buch sagen.

325 Gedanken zu „[Rezension] Babyboom und Hebammenmangel: Autogeburten werden bald zum Alltag gehören“

  1. Tja, echt klasse gemacht, aber als Mann einer Ex – Hebamme blieb mir das Lachen doch eher im Halse stecken. Die Lage ist jetzt schon schlimm, aber bald wird sie verzweifelt sein.

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  2. Vielen Dank für diese auch für mich als Mann wertvolle Rezension des Buches.
    Ich werde mich morgen in einer Fahrschule anmelden, um den Führerschein zu machen.

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  3. Sehnlichst erwartet. Mein persönlicher Tipp: Zum Gebären das Auto auf dem hiesigen Bordellparkplazt abstellen. Da kann der Partner sich dann bei zu viel Streß ein wenig entspannen gehen. Schließlich ist die wichtigste Aufgabe für werdende Eltern, dass es einem selbst gut geht.

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  4. Sicher keine schlechte Idee, die kostenintensiven Krankenhäuser zu entlasten. Aber im Auto ? Ich weiß nicht. Wenn die Frau nicht aufpasst, sind hinterher die neuen Schonbezüge versaut und wer zahlt mir das , Herr Spahn ?

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  5. Auch wenn es bei mir persönlich gerade keine dringende Frage ist: Welches Modell sollten sich die Schwangeren vor der Geburt am besten anschaffen? Einen schicken 1er Cabrio, damit nach der Geburt das Baby allen präsentiert werden kann? Oder der gute alte VW Kombi, wo alle viere bequem von sich gestreckt werden können? Und ausserdem: fördert die Sitzheizung die Entspannung, oder wird das dem Neugeborenen zu Heiss? Und wie viel PS braucht man eigentlich, um es evtl doch noch in die Klinik zu schaffen?

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