Reizwort: Kuchenbasar

Stellt euch eine Welt vor, in der von einer Minute auf die andere Väter das selbe machen müssen, wie Mütter. So zum Beispiel Kuchen backen, weil in der Schule ein Kuchenbasar ansteht. Wie viele Jahre (Monate? Wochen?) würde es dauern, bis es keine Kuchenbasare mehr gäbe, weil jemand auf die Idee gekommen ist, dass das Prinzip Schwachsinn ist?

Also fangen wir nochmal von vorne an: Der Kuchenbasar

Die Idee ist folgende: es soll Geld gesammelt werden für einen guten Zweck. Deswegen backt eine Gemeinschaft von Menschen Kuchen. Die Kuchen werden dann in Stücke geteilt und verkauft. Der Erlös wird gespendet.

Im Falle der Schule sieht das prototypisch so aus: Mütter backen Kuchen, die sie ihren Kindern mitgeben. Das Kind informiert eine Woche vorher, die Mütter beziehen den Kuchen in ihre Wochenplanung mit ein. Sie überlegen: Welchen Kuchen können wir beisteuern, welche Zutaten brauchen wir, wann kann man ihn backen, wie wird er transportiert? Kostet so 8-10 Euro plus 1-2 Stunden Arbeitszeit insgesamt.
Der Kuchen wird in 8-10 Stücke geschnitten, jedes Stück für 1 Euro verkauft. Macht 8-10 Euro Erlös.
Weil man ja auch was beitragen will zur Spendenkasse, kauft man 2-4 Stück. Meistens kaufen die Kinder den Kuchen der eigenen Mutter. Ist ja zufälligerweise der Lieblingskuchen.

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Egal

Wer hat zu Ostern die Absprachen mit der Familie getroffen, wer wann wo ist und was mitbringt?
Wer hat die Ostereier mit den Kindern bemalt?
Wer hat vielleicht ein paar Weidenäste geschmückt?
Wer hat den Süßkram für die Kinder besorgt?
Wer hat die Einkaufsliste geschrieben? Daran gedacht bis wann alles erledigt sein muss?

Egal. Egal. Egal.
Das mache ich alleine, weil meinem Mann ist das egal.

Wer hat zum Geburtstag den Kuchen gebacken?
Wer rechtzeitig die Einladungen ausgedruckt und an die Gäste gegeben?
Wer hat an das Geschenk gedacht?
Wer hat es eingepackt?
Wer hat Luftballons besorgt und aufgepustet?
Wer hat an die Kerzen gedacht?

Egal. Egal. Egal.
Das mache ich alleine, weil meinem Mann ist das egal.

Wer hat der Kollegin, die einen neuen Job anfängt ein Geschenk organisiert?
Wer hat eine Karte besorgt und ist rumgelaufen und hat Unterschriften gesammelt?

Egal. Egal. Egal.
Das mache ich alleine, weil meinem Kollegen ist das egal.

Wer sorgt zuhause für Gemütlichkeit?
Zündet mal eine Kerze an?
Stellt ein paar Blumen auf den Tisch?
Fragt abends, wer einen Tee möchte?

Egal. Egal. Egal.
Das mache ich alleine, weil meinem Mann ist das egal.

Wer plant den Urlaub?
Wer organisiert dass der Garten nicht verdörrt?
Wer packt die Koffer und denkt an den Bademantel, den man kuschlig findet, die Spielsachen, die die Kinder beschäftigen, das Stofftier, das das Baby zum Einschlafen liebt?
Wer hat sich vorher Gedanken gemacht, was man besichtigen könnte, um schöne Erinnerungen zu sammeln?

Egal. Egal. Egal.
Das mache ich alleine, weil meinem Mann ist das egal.

<$THEMA>
<$REFRAIN>
WHD

Gerade jetzt höre ich das Lied wieder. Wer was macht und wem es egal ist und dass das ein Argument ist, all das nicht zu tun.
Mir wäre es ja auch egal, wenn zuverlässig jemand anders immer alles macht, damit ich es schön habe, damit ich es gemütlich habe, damit die Kinder happy sind.
Ich würde es auch konsumieren und es wäre mir egal, bis irgendwann sich niemand mehr kümmert und bis alle Tage so aussehen:

Ostern:
Aufstehen
Frühstücken
Rumhängen
Mittagessen aus der Dose
Rumhängen
Abendessen aus der Mikrowelle

Geburtstag:
Aufstehen
Frühstücken
Rumhängen
Mittagessen aus der Dose
Rumhängen
Abendessen aus der Mikrowelle

Urlaub:
Aufstehen
Frühstücken
Rumhängen
Nix, hat sich ja keiner Gedanken gemacht
Rumhängen
Abendessen vom Bestelldienst

Weihnachten:
Aufstehen
Frühstücken
Rumhängen
Mittagessen aus der Dose
Rumhängen
Abendessen aus der Mikrowelle

Repeat für 300 weitere Tage.
Repeat für weitere 70 Jahre.

Egal. Egal. Egal.
Ist alles Quatsch. Ich mach das nicht. Mir ist das egal.

P.S. Jahaaa, #notallmen

Gedöns 2.0

Mit den Worten „Du bekommst das Ministerium Familie und das andere Gedöns“ wurde Dr. Christine Bergmann von Gerhard Schröder 1998 ins Kabinett berufen. Lange ist das her und dennoch hat sich nicht viel geändert.

Die Formulierung „Familie und Gedöns“ gibt ziemlich genau den Stellenwert, den Sorgearbeit bis heute hat, wieder. Nicht besonders wertvoll, am Besten unsichtbar und selbstverständlich Frauensache.

Deswegen ist eine Familienministerin, die ihrer Familie in der Vergangenheit als  kommissarische Ministerin für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität vorübergehend Priorität einräumt, untragbar.

Das entspricht natürlich in keiner Weise dem Bild einer unverzichtbaren Führungskraft. Im Gegenteil, das widerspricht den gängigen Vorstellungen von Karriere, die da heißt entwederoder. Entweder Familie oder eben Karriere. Beides zusammen nie. Anne Spiegels Rücktritt ist quasi die Anti-Sternstunde der Sorgearbeit.

Es gibt offenbar kein Szenario, in der eine Familienkrise der Berufskrise vorzuziehen ist. Persönlich finde ich das absurd, denn in einer Familie ist eine Zweitsorgeperson tatsächlich viel schwerer austauschbar, wenn die Hauptsorgeperson krankheitsbedingt angeschlagen ist, als in einem hierarchisch aufgebauten Führungssystem.

Ein Chef, der delegiert, gar vertraut und Verantwortung auf sein Führungsteam überträgt, entspricht offenbar keinem Ideal sondern stellt das Worst-Case-Szenario dar. Ein Chef, bei dem der Laden läuft ohne, dass er selbst jeden Befehl erteilt und am besten jeden Hebel zieht, den kann man gleich abschaffen.

Verrückt und traurig zugleich.

Sich um Menschen zu sorgen, für sie zu sorgen, das ist unvereinbar mit dem Beruf. Ich habe lange überlegt, ob ich schreibe „mit bestimmten Berufen“ oder „mit Führungspositionen“, aber wenn ich länger drüber nachdenke, dann ist jeder Beruf, der ausschließlich in Vollzeit ausgeübt werden soll, unvereinbar mit Sorgearbeit und wenn man sich die Zahlen zum Gender Care Gap anschaut, dann sind auch alle Berufe, die in Teilzeit ausübbar sind, mindestens eine gute Grundlage für Raubbau an sich selbst und manchmal nahezu Garant für Überlastung. Deswegen ist es eine zulässige Vereinfachung Sorgearbeit als unvereinbar mit Berufstätigkeit zu sehen.

Eine Führungskraft ab einer bestimmten Ebene darf auch kein Mensch mehr sein. Ist er es trotzdem, dann wird das als peinlich, würdelos, als Versagen und als untragbar gesehen.

Vielleicht hätte es eine andere Lösung gegeben, vielleicht war die Entscheidung von Anne Spiegel 2021 tatsächlich ein so schwerwiegender Fehler, dass das Eingestehen als solcher nicht reicht und am Ende nur der Rücktritt bleibt.

(Es fällt mir sehr schwer, nicht in Whataboutism zu verfallen und mich zu fragen, warum bestimmte andere Personen gravierende Fehler machen dürfen und daraus keine Konsequenzen ziehen mussten und ihr Amt behalten durften.)

Es fällt mir schwer, nicht zu glauben, dass der ganze Verlauf etwas damit zu tun hat, dass Anne Spiegel eine Frau ist, dass ihr Fehler anders und härter beurteilt wird als das bei einem Mann der Fall wäre. Denn im Grunde entspricht es nach wie vor nicht unseren gesellschaftlichen Vorstellung, dass Frauen überhaupt Spitzenämter besetzen (WER KÜMMERT SICH DANN UM DIE KINDER??!) und es entspricht auch nicht unseren gesellschaftlichen Vorstellungen von Karriere und Führungskultur.

Sehr wahrscheinlich ist es für Anne Spiegel eine schwere Entscheidung gewesen final zurückzutreten. Ich hoffe sehr, dass sie sich im Privaten sagen kann: Der eigenen Familie in Krisensituationen Vorrang zu geben, ist richtig und hoffentlich hat das Vorbildcharakter, so dass sich immer weniger Menschen am Ende ihres Lebens wünschen müssen: Hätte ich doch weniger gearbeitet, wäre ich doch mehr für meine Familie dagewesen.

Zeit ist nicht Geld, Geld ist aber Macht

Neulich auf Instagram haben sich ein paar Frauen beschwert, ich würde ja immer so tun, als ob Frauen kein Geld verdienen. Das sei Quatsch.

Anlass war folgendes Posting:

Vorab die Statistik:

  • 58% der Männer nehmen gar keine Elternzeit.
  • Nur 2% der Frauen nehmen keine Elternzeit
  • Von den Männern, die Elternzeit nehmen, nehmen 7,6% zehn Monate
  • Bei den Frauen sind es 95,4%, die zehn Monate nehmen.

Interessant wird es danach! Wenn nämlich die Mutter wieder erwerbsarbeiten geht, dann tut sie es „obwohl“ das Zeit und Geld kostet. So jedenfalls die geistige Verrechnung. Das Einkommen der Mutter wird nämlich nicht als Erweiterung des Familieneinkommens gesehen, sondern es wird verrechnet mit den Kinderbetreuungskosten[1], Kosten für die Mobilität (z.B. 2. Auto, zusätzliche Jahreskarte öffentliche Verkehrsmittel…) und ggf. mit den Kosten für haushaltsnahe Dienstleistungen.
Die zeitliche Belastung wird auch nicht als Einsatz der Frau für die Familie gesehen. Sondern als etwas, das der Familie jetzt fehlt!

Die Entscheidung der Frau nach der Elternzeit wieder erwerbsarbeiten zu gehen, ist also gegen die Familie. Wow. 

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Das bisschen Haushalt

Nicht alles ist schlecht. Zum Beispiel steigt in den letzten Jahren das Engagement der Väter. Jedenfalls wenn man die Zeiten anschaut, welche die Kinderbetreuung angehen. Schaut man allerdings auf den Einsatz in Sachen Haushalt, so wird man feststellen: Der bleibt stabil niedrig.

Der macht ja selten Spaß. (Eines meiner Kinder jammerte neulich: „Mir macht Zimmer aufräumen und staubsaugen gar keinen Spaß!“ und schaute dann wirklich erstaunt, als ich sagte: „Tja, mir auch nicht. Weswegen es so wichtig ist, dass wir das alle machen und uns teilen…“)

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La vie en chiffres

„Wie hast Du geschlafen?“
„Ganz okay.“

Ist euch schon mal aufgefallen, dass es üblich ist, dass man sich komplett unpräzise ausdrückt? Ich meine – was bedeutet „Ganz okay“ eigentlich genau? Ist man dann ausgeschlafen oder nicht? Hatte man ausreichend Tiefschlaf? Ist man früh oder spät ins Bett gegangen? Mehrere Male wach geworden oder hat man durchgeschlafen? War das besser als gestern? Genauso gut wie immer? Schläft die Person sonst nicht „Ganz okay“?

„Wie geht es dir?“
„Gut.“

AHA?!?! WAS GENAU HEISST DAS?

Mich macht das ganz verrückt. Als Anhängerin des sozialen Konstruktivismus hab ich es doch ohnehin schon schwer genug. Über welche Realität sprechen wir eigentlich? Gibt es überhaupt eine gemeinsame? Wenn ja, wie wieviel?

OMG! Qualitätsschlaf unter aller Kanone
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Die Maus

Wir leben ebenerdig nahe eines Waldes. Es hat also nicht lange gedauert, da lebte auch eine Maus mit in unserem Haus.
Das erste Mal begegneten wir uns auf der Toilette. Zu meiner Überraschung habe ich vor Schreck geschrien – obwohl ich mich überhaupt nicht für die Art Mensch halte, die schreit, wenn sie ein Tier sieht. Die Maus hat vermutlich auch geschrieen, aber vor allem ist sie weggelaufen.
Von da an haben wir uns nicht mehr persönlich getroffen, sondern viel mehr indirekt. Zum Beispiel morgens beim Frühstück wenn ich mein Toast holen wollte und im Toast ein riesiges Loch fand. Ich finde das sehr unanständig von der Maus, warum frißt sie sich durch das ganze Toastbrot, wenn doch die Menge ungefähr zwei Schreiben entspricht. Ich kann ja teilen, so ist es nicht. Ich hätte ihr zwei Scheiben Toast abgegeben, aber so ein durchgefressenes Toast, das ist etwas unappetitlich.

Also bin ich in den Baumarkt gefahren und habe eine Lebendfalle geholt und die am Abend schön vor dem Toast aufgestellt.

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