Umschlagplätze der Hölle: Flohmärkte

Ich hab mal ne Sendung über Messi-Gruppentherapie gesehen. Da sollten die Messis sich jede Woche einen Gegenstand aus ihrer überfüllten Wohnung raussuchen, den sie am Ende der Sitzung wegschmeißen sollten. Theoretisch klingt das nicht so schwer. Praktisch sah es so aus: Messi 1 hebt einen Gegenstand (z.B. einen zerbrochenen Kleiderbügel), Messi 2, 3, 4, 5 und 6 erleiden Höllenqualen. Der Bügel sieht doch noch super aus. Den kann man bestimmt noch gebrauchen. Messi 4 steckt ihn unbemerkt ein, während Messi 5 seinen Gegenstand zeigt.

So sind Flohmärkte irgendwie auch. Man verkauft dort seinen Tand und die Kinder schleppen viel, viel schlimmeren Tand wieder an. Nachfolgend ein Beispieldialog.

Kind 2.0: Ahhhh! So eine Kutsche habe ich mir schon IMMER gewünscht.
Mutter: HMPF.
Kind 2.0: BITTE!
Mutter: Na gut, ich frage, aber wenn sie mehr als 10 Euro kostet kaufe ich sie nicht. (Zur Verkäuferin) Und? Was soll die kosten?
Verkäuferin: 5 Euro.
Mutter: Ahhhhh!
Kind 2.0: Jaaaahaaaaaa! !!!

Der schönste Laden in Berlin

Koperni-Kuss, so heißt der schönste Laden in Berlin, achwas in Deutschland, DER WELT!
Ich weiß gar nicht wie lange es ihn schon gibt, aber wer noch nicht da war, sollte unbedingt mal hin. Wenn man ein kleines Geschenk für eine Freundin sucht, für das Patenkind, für die eigenen Kinder, für Kindergeburtstage, für sich selbst, für Mutti oder einfach Dekolücken in der Wohnung hat – unbedingt dort hingehen. Man findet immer was.

Besonders bezaubernd auch die Besitzerin, die dezent berät, einen auch einfach schauen lässst, dabei charmant das Kind und gegebenenfalls auch eine ganze Kinderhorde bespaßt. Wenn man fündig geworden ist, zaubert sie die herzallerliebste Verpackung. Ich kann wirklich gar nicht aufhören zu lobhudeln, weil der Laden so bezaubernd ist.
Gleichzeitig ist der Laden übrigens ein Café mit Spielecke.
Wer seinen Besuch unterbringen möchte, kann über fewo.direkt.de eine der beiden Ferienwohnungen mieten, die, wenn man den Fotos im Schaufenster glauben mag, nicht weniger liebreizend als das Geschäft sind.
Deswegen: Hingehen, einkaufen, Kaffee trinken, Besuch unterbringen.
Unbedingt.

Koperni-Kuss

Kopernikusstraße 34
10243 Berlin

Tel.: 030-29369141

Öffnungszeiten

Mo-Fr: 11-19 Uhr
Sa 11-17 Uhr

Fußnoten

Mein Mann hat mich neulich gebeten, nicht andauernd aus dem Hintergrund zu kommentieren. Das sei am Telefon nervig und vor den Kindern nähme ihm das die Autorität.
Mein Mann ist kein Geisteswissenschaftler und es ist nicht verwunderlich, dass er noch nie Niklas Luhmann gelesen hat. Denn sonst wüsste er, dass meine Kommentare aus dem Off wahnsinnig wichtig sind. Meine Darlegungen aus den anderen Zimmern sind so was wie die Fußnoten wissenschaftlicher Texte. Sie vertiefen, unterstreichen, differenzieren und führen weiter. Es ist also unmöglich auf sie zu verzichten.
Es sei denn man möchte unsachlich sein und Themen nur oberflächlich ankratzen. Ich bin aber weder gerne unsachlich noch oberflächlich. Also schreie ich stets meine wichtigen Ergänzungen von einem Raum in den anderen.
Das macht mich freilich nicht unbedingt sympathisch – aber was soll’s. Luhmann lesen macht auch keinen Spaß aber es ist gesellschaftspolitisch sehr wichtig, dass man seine Gedanken bis in die 253654. Fußnote nachvollzieht.
So ist es unverzichtbar, dass ich wichtige Details ergänze, wenn mein Mann lapidar zu einem der Kinder sagt: „Ich möchte, dass Du den Tisch deckst.“
Ich rufe dann: „Ja, das habe ich auch schon gesagt. Wir haben gestern darüber gesprochen. Da hast Du auch schon nicht decken wollen. Genau wie am Wochenende! Da hatten wir die ganze Zeit Stress deswegen. Wie oft haben wir das jetzt schon erklärt? Im Urlaub wolltest Du auch nicht spülen. Das willst Du ja nie. Das hast Du von Deinem Vater. Der will das auch nie. Kann ich verstehen. Lust habe ICH nämlich auch keine. Nicht dass das irgendjemanden interessiert. Also das was ich [halbe Stunde Vortrag ergänzen]“
Ich komme in einen richtigen csikszentmihalyischen Flowzustand beim Reden und wenn ich zu mir komme, bin ich meist alleine. Der Mann und die Kinder sind Eisessen oder so.
Banausen. Die haben eben keine Ahnung von selbstreferenziellen sozialen Operationen!

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Ich begrüße alle Soziologie-Studenten, die über Google in dieses Blog gefunden haben. Gehen Sie weiter, es gibt hier nichts zu sehen!

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War das eigentlich der längste und kälteste Winter meines Lebens?

Als gestern die Sonne schien, entschloss ich mich, meine Überstunden zu nutzen und das Kind früher aus dem Kindergarten abzuholen. Als ich ihm sagte, es müsse seine Presswurstjacke nicht anziehen, erstrahlte das Gesicht und es fragte: Ist jetzt Frühling?

Ja, jetzt ist Frühling. Wir liefen den Weg nach Hause und sangen Abwandlungen bestimmter Volkslieder. Ganz so wie Axels Hackes Der weiße Neger Wumbaba

# Kommt ein Vogel geflogen, setzt sich auf einen Schooooß,

hat nen Zeppel im Schnapel von Dimutti nen Gruuuuuß!

Am Spielplatz fühlte ich mich dann wie die Fleisch gewordene Verantwortungslosigkeit, denn die anderen Frauen hatten entschieden, die Kinder weiterhin in einer sich an einen Ball angleichende Form in Winterjacken mit Mützen und Schals umherlaufen zu lassen. Außerdem sprangen sie alle zehn Minuten panisch auf und betasteten die Köpfe und Hände der Kinder, um sicher zu gehen, dass sie nicht vielleicht doch fürchterlich froren.

Die Kinder schubsten sich gegenseitig um und panierten sich im noch feuchten Sand, worauf die aufgescheuchten Mütter wieder los rannten und einer Unterkühlung durch Rubbeln der Kinderkleidungsbälle entegegenwirken wollten.

Ich setzte mich derweil in das Kinderspielplatzsegelboot und ließ mich vom Kind um die Welt segeln. Die Sonne schien auf meine Nase und der Wellengang machte mich angenehm schläfrig.
Das war alles wunderbar. Bis das Kind mich mit Fragen löcherte, die ich nicht beantworten konnte.

– Warum verhalten sich Salz und Pfeffer unterschiedlich, wenn man einen statisch aufgeladenen Plexiglasstab (O-Ton „ein gerubbeltes Röhrchen“) in ein Gemisch der beiden Gewürze hält?

oder

– Wie baut man nochmal ein Periskop?

Stirnrunzelnd starre ich in die milde Frühlingssonne. Da gab es eine Aufgabe, die hat mir und meinem damaligen Freund mal ein Gast auf einer Party gestellt. Wir haben die ganze Nacht daran gerätselt, keine Lösung gefunden, gerieten in Streit, redeten die ganze Fahrt von Köln nach Bamberg nicht miteinander und trennten uns schließlich. Ich war der Meinung, dass es im n-dimensionalen Raum eine Lösung gäbe und er nicht.

Ich fand, wenn das Kind mir den Tag mit Fragen verdirbt, dann sollte es sich ebenfalls ein Paar Gedanken machen:

„Zeichne in die obere Hälfte eines Blattes drei freistehende Quadrate. Zeichne dann darunter drei weitere Quadrate. Die oberen Quadrate bezeichnest du mit „E“, „W“ und „G“ (E-Werk, Wasserwerk und Gaswerk). Die unteren Quadrate sind drei Häuser. Nun braucht jedes Haus eine direkte Leitung von jedem Versorgungsunternehmen. Wichtig ist nur eines: Keine der Leitungen darf sich irgendwo überschneiden.“

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