
Über die ersten beiden Staffeln Black Mirror schrieb ich bereits. Seit dem 21. Oktober kann man auf Netflix nun die dritte Staffel anschauen.
Mein Gesamturteil bleibt (um mich selbst zu zitieren): „Diese Serie ist das Beste, was ich an Dystopien je gesehen habe.“
Korrekter beschreibt es eine Kommentatorin auf IMDb:
This is NOT anti-utopian, it is an actual mirror of a utopian idea gone terribly wrong.
Auf IMDb erhält die Serie 8,8 von 10 Punkten. Völlig zu Recht.
Es spielen überproportional viele Frauen die Hauptrollen und – was man sonst auch nicht so oft sieht – es spielen auch auffällig viele People of Colour mit. Genau genommen spielt das Geschlecht für den Seriencharakter tatsächlich keine Rolle und die toughe Soldatin von Folge Men against Fire ist eben das: eine Killerin und Jägerin. Sie hat eine blutverschmierte Nase wenn sie geschlagen wird, eine kampftaugliche Frisur unter ihrem Schutzhelm und trägt keine überflüssige Schminke. Sie schleppt kein Weiblichkeitsklischee mit in die Rolle und verliert dadurch nichts von ihrem Frausein. Das finde ich wirklich erstaunlich gut inszeniert und hab das (bewusst) so auch noch nicht gesehen.
Mich ermüden mittlerweile Filme und Serien, die sich hauptsächlich aus einem männlichen Cast zusammensetzen, in denen Frauen kaum sprechen dürfen und meistens schönes Beiwerk sind.
Aus diesem Einheitsbrei tritt Black Mirror angenehm durch eine gute Verteilung der Geschlechter hervor. (Frauen dürfen sogar Falten und Tränensäcke haben!)
Es scheint mir so, als ob sich die dritte Staffel übergreifend v.a. mit Fragen der Unterscheidbarkeit von Virtueller Realität und „echter Welt“ beschäftigt.
Jede Folge gab mir einen unangenehmen Gedanken mit auf den Weg. Besonders unangenehm deswegen, weil ich doch so gerne fortschrittsgläubig sein möchte. Mich langweilen die Zukunftsdarstellungen a la Terminator oder Battle Star Galactica in der die KI am Ende immer böse wird und die Menschheit mit allen Mitteln auslöschen will.
Ich möchte lieber die Zukunft in der mich freundliche Androiden im Alter begleiten. Die Zukunft in der die flauschige Roboterkatze mir auf meinem Schoß Gesellschaft leistet und Wärme spendet. Die Zukunft in der uns Implantate verbessern, klüger und gesünder machen.
Black Mirror berichtet von einzelnen Themen in denen die jeweiligen Aspekte entgleiten. Und zwar alle. Jede Folge.
Bemerkenswert finde ich deswegen, dass ich auf diversen Seiten gelesen habe (z.B. Serienfuchs), die Folge „San Junipero“ hebe sich von den ansonsten düsteren Teilen von Black Mirror ab.
SPOILER!
Für mich war das eine der schlimmsten Gedankenexperimente. Im Wesentlichen geht es ja darum, dass man seine Seele (wie auch immer) digitalisieren und dann in eine Art Virtual Reality – San Junipero eben – hochladen lassen kann. Dort sind alle Menschen jung, gesund, das Wetter ist schön, man kann für immer Party machen.
Jeder Mensch der Welt kann frei entscheiden, ob er sich kurz vor seinem Ableben (in einem gewissen Alter eben oder bei schwerer Krankheit) hochladen und dann den eigentlichen Körper sterben lässt.
Es sei denn man stirbt unvorhergesehen. In einem Unfall beispielsweise. Dann ist man leider einfach tot.
Eine der beiden Hauptpersonen erlebt nun dieses Dilemma. Der eigene Mann hat sich nach 47 Jahren Ehe gegen San Junipero entschieden und ist einfach so gestorben. Das Ehepaar hatte nämlich eine Tochter, die mit 39 bei einem Autounfall starb. Der Vater entscheidet sich deswegen gegen das ewige Leben in der San Junipero Cloud.
Am Ende ihres eigenen Lebens angekommen, muss sich nun die Mutter Kelly entscheiden: Ab ins ewige Leben oder normal sterben in der Hoffnung Mann und Tochter in einem wie auch immer gearteten Leben nach dem Tod zu begegnen.
Das ist nur ein winziger Aspekt der Folge, der mich aber durch und durch erschaudern lässt. Tatsächlich ist das was jede Folge Black Mirror mit mir macht: Mir einen grauenhaften Gedanken mit auf den Weg geben.
Manche Folgen haben mir mit ihren Ideen richtig körperliche Schmerzen gemacht. Ungefähr so wie wenn einem jemand von einer Augen-OP erzählt, die er ohne Betäubung erlebt hat (Danke Malik für diese unvergesslichen Erinnerungen, ich spüre das Unbehagen noch im Steiß).
Am schwächsten fand ich Shut Up and Dance. Der Serienhauptcharakter Kenny ist ein Außenseiter und von unbekannten Hackern erpresst, weil diese ihn beim Masturbieren mit seiner Webcam filmen. Er wird gezwungen seine Handynummer rauszugeben, andernfalls würde das Filmmaterial geleakt. Von da an erhält er Aufträge, die immer heftiger werden. Er quält sich, doch am Ende tut er alles, was man von ihm will.
Ganz am Ende gibt es einen Hint warum er so handelt. Für mich war sein Handeln im Laufe der gesamten Folge ab einem gewissen Punkt überhaupt nicht mehr nachvollziehbar.
Alles was ich von dieser Folge mitnehme ist: Klebt immer schön die Webcam ab, benutzt VPN Verbindungen und verschlüsselt eure Kommunikation.
Der Rest der Folgen: wwwäähhhh üüüääähhhhh bäh. Vielleicht lege ich mein Telefon doch mal öfter aus der Hand.


