Die Krise als Chance

Na? Was macht ihr alle mit der vielen freien Zeit, die ihr Dank der Corona-Situation habt? Falls ihr auch so viel Langeweile habt, wie ich, hier ein paar Basteltipps:

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Quelle: imgflip.com

Huch! Ist der Blutdruck gerade angestiegen? Meiner steigt nämlich ziemlich schnell an, wenn ich diesen Langeweile- und freie-Zeit-Satz lese. Und noch schlimmer: In meiner Timeline wird darüber philosophiert, wie gut man die Krise jetzt nutzen könnte, um endlich mal an dem Thema Mental Load und der besseren Aufteilung von Aufgaben zu arbeiten.

Ehrlich?

Glaubt wirklich irgendwer, dass es ausgerechnet jetzt, wo die Belastung für Frauen noch höher als sonst ist, der richtige Zeitpunkt gekommen ist, mal auszuhandeln, wie man besser mit Mental Load umgehen könnte?

Mental Load? Was war das noch gleich? Im Rahmen des Equal Care Manifests wurde auf Twitter diskutiert, wie man Mental Load griffig definieren könnte. Dabei kam ein guter Vorschlag von Markus Tschannen:

„Die oft vergessene planerische und organisatorische Last rund um das Familienleben.“

Schlicht „Projektmanagement“, würde man in der freien Wirtschaft wohl sagen. Eine gut bezahlte Stelle, die im Privaten aber wenig Wertschätzung erhält, denn, planen und Verantwortung übernehmen, dass alles läuft, das muss ja nicht extra rausgestellt werden, das Kümmern liegt den Frauen schließlich in den Genen, es ist ihre Natur, sie machen sowas gerne! Wer Anerkennung dafür will, ja pfui, mit dem stimmt was nicht.

Soweit so gut und jetzt sitzen wir in der Coronazeit und die Kinder, die sonst im Kindergarten und in der Schule sind, sitzen zuhause, isoliert von ihrer Peer-Group und müssen beschäftigt und unterrichtet werden. Zeitgleich findet der Staat, der viel investiert hat, dass Frauen doch bitte erwerbsarbeiten gehen: „Ja, haha. Ist jetzt anstrengend diese Sache, aber naja, haha, da müssen wir jetzt durch.“ und von vielen Ecken krakelt es: „Jahaaa! IHR habt doch Kinder gewollt und jetzt, da ihr EINMAL Zeit mit ihnen verbringen müsst, heult ihr so rum…“ und „Wie hat das Großmuttern damals eigentlich geschafft mit den sechs Kindern im Krieg als sie im Schnee fliehen mussten, hmmm?“

Danke für nichts. Wie schade, dass ganz grundlegende Dinge nicht verstanden werden und dass es doch so wenig Empathie gibt und so viele denken, es handele sich hier um eine ganz individuelle private Problematik und die sei doch ganz einfach zu lösen wenn man sich an den Rollenbildern der 1950er orientiert. Denn da hat das ja noch geklappt und sind wir doch mal ehrlich: Ja, mei, die meisten Männer verdienen eben mehr und damit die Familie finanziell abgesichert ist, ist es doch völlig klar, dass sich jetzt die Frauen um Haushalt und Kinder kümmern!

Was bedeutet Corona-Lockdown für die Belastung? Wenn früher erwerbstätige Frauen drei Jobs zu erledigen hatten (Projektmanagement, Sacharbeit Umsetzung ToDos und Erwerbsarbeit), dann sind sie jetzt bitte auch noch Köchin, Hygienebeauftragte, Erzieherin und Lehrerinnen für Deutsch, Mathe, Englisch, Sachkunde, Kunst, Französisch, Chemie, Physik etc. und Systemadministratorin.

Denn:

  • Wer kümmert sich darum, dass alle in der Familie mehrere Masken haben?
  • Wer näht sie vielleicht sogar?
  • Wer denkt dran, dass die Masken regelmäßig ausgekocht werden?
  • Wer übt mit den Kindern das korrekte Anziehen, Tragen, Ausziehen von Masken?
  • Wer erinnert die Kinder ans regelmäßige Händewaschen und achtet auf die korrekte Durchführung?
  • Wer kocht die zusätzlichen Mahlzeiten und bereitet die Snacks?
  • Wer trägt Sorge für den täglichen Bewegungsausgleich?
  • Wer kommuniziert mit den Lehrer*innen, schaut auf die Plattformen, ob neue Aufgaben da sind? Begleitet die Kinder beim Lernen? Sorgt für die fristgerechte Einreichung fertiggestellter Aufgaben?
  • Wer sorgt dafür dass die 200 Arbeitsblätter ausgedruckt, geordnet und zugeteilt werden?
  • Wer hält im Auge, dass es genug Druckerpapier und Toner gibt?

Die Liste ist also viel länger geworden und nicht kürzer. Wie kommen Medien nur darauf, dass es jetzt die Zeit ist, neue Sprachen zu lernen oder die Wohnung mal auszumisten?

Und wie kommen einige darauf zu glauben, dass genau JETZT der richtige Zeitpunkt ist, dass man Aufgabenverteilungen neu aushandelt. Klar theoreisch wäre es jetzt noch nötiger als ohnehin schon, aber die Realität sieht anders aus. Jetzt beißen wir die Zähne zusammen und kämpfen uns von Tag zu Tag durch diese Zeit und sagen uns das Mantra auf, dass es bestimmt eines Tages wieder anders wird, besser wird, dass es wie vorher sein wird.

Wie ich drauf komme, dass es jetzt eher schlechter als besser läuft? Schaut die Statistiken über den Anstieg von häuslicher Gewalt an. Schaut die steigenden Scheidungsraten an. Und wem das zu hart ist (und weil ja nicht ALLE davon betroffen sind) schaut euch das „Ohne ein Glas Wein halte ich das nicht mehr aus“-Mems auf den sozialen Plattformen an. Weil haha, nehmen wir es mit Humor und einem Weinchen, nicht wahr?

Und wem das alles zu böse und einseitig war, dem sei der großartige Text Hannelore radikalisiert sich von Antonia Baum empfohlen. Denn das ist aktuell der beste Text zum Thema Mental Load, den es im Netz gibt.

Sie begann, aggressiv in ihrem Risotto zu rühren, und fragte sich, wer eigentlich dem Söder, diesem Faschingsliebhaber, der wegen Corona gerade die Zeit seines Lebens hatte, sein Hemd gebügelt hatte, wer passte auf seine Kinder auf, wer putzte die Räume, die ihn umgaben, wer ermöglichte es ihm, hier derart durchzuregieren und zu glänzen? Und das Gleiche, dachte Hannelore, gilt für die Experten, deren Gesichter ständig auf meinem Telefon erscheinen und mir die Krise erklären (dazu Virologe Kekulé in Kekulés Corona-Kompass„Auch meine Frau ist nah an der Verzweiflung„), während die meisten Frauen für Krisenerklärungen überhaupt nicht die Zeit haben, dachte Hannelore. 

Amen! Hannelore! Amen!

66 Gedanken zu „Die Krise als Chance“

  1. Pingback: Ariana
  2. Nachdem wir alle im Home Office gelandet waren (ja, wir hatten einen Pandemie – Plan, die nötige Ausrüstung und sogar seit über 10 Jahren ein großes Lager mit Desinfektionsmitteln, Masken, usw.), haben wir uns neu organisiert. Und eine der ersten Sachen, die der (kinderlose) Chef angestoßen hat, war die Umverteilung von Aufgaben. Die Eltern mit kleineren und kleinen Kindern wurden deutlich entlastet und niemand erwartet von denen, dass sie auch nur annähernd die volle Leistung bringen, so lange Schulen und Kitas geschlossen sind.

    Außerdem gab es vom Arbeitgeber noch bis zu fünf Tage bezahlte Freistellung bei Problemen mit Kinderbetreuung oder Pflege und außerdem das Versprechen, dass während der Krise niemand entlassen wird.

  3. Nun ja. Für die Familien gibt es zu Hause viel mehr zu tun, weil zusätzlich noch Kinder zu betreuen und allenfalls zu beschulen sind. Wie immer ist es an den Eltern, dafür gemeinsam faire und umsetzbare Lösungen zu finden. Wäre ganz schräg, wenn es stimmen würde, dass die Mehrarbeit (inklusive Mental Load) ausschliesslich von Frauen geleistet würde, und es diesen gar einfach zufallen würde. Wie kommts?
    Ach ja, in vielen Berufen fällt übrigens gerade auch sehr viel mehr „Mental Load“ an als gewohnt.
    Dazu kommt, dass zumindest in der Schweiz ganz viele Menschen in Kurzarbeit sind, also tatsächlich mehr Freizeit haben. Zumal das gewohnte Freizeitprogramm (z.B. Vereinstrainings) ja auch lahmgelegt ist. Also spricht viel dafür, dass eine Mehrheit der Menschen tatsächlich mehr Zeit hat als gewohnt.

  4. achje, da ist er ja, der Kampf der Menschenmitkindern gegen Menschenohnekinder.
    meine zwei Gedanken dazu:erstens haben die wenigsten Menschen länger als 20 Jahre lang ein minderjähriges Kind mit im Haushalt, das Erwachsenenalter dauert aber eher drei Mal so lang. die Menge der Gelangweilten dürfte also tatsächlich Recht groß sein, denn: zweitens darf man zur Zeit als kinderlose gelangweilte Person sich eben nicht alle Kinder aus der Nachbarschaft/Großfamilie schnappen, um die Eltern zu entlasten, sondern soll entspannt zu Hause sitzen.

    1. Ich persönlich habe den Eintrag von dasnuf jetzt nicht so gedeutet, als würden „Menschen mit Kinder“ jetzt gegen „Menschen ohne Kinder“ kämpfen (wollen). Ich glaube, als Eltern mit Kind(ern) UND beruflicher Tätigkeit ist man nach mehrwöchtiger Schließung von Kinderbetreuung und Schulen einfach am Rande seiner Kapazitäten. Die Firma will Leistung sehen, die Kinder wollen betreut werden, der Elternteil muss aber neben den alltäglichen Dingen wie Essen kochen, Wäsche waschen und bügeln, Staubsaugen, Putzen, Einkaufen usw aber auch nochmal die Chance haben, Luft zu holen. Dabei meine ich jetzt explizit nicht die Eltern mit 16-jährigen Kindern zuhause, sondern schon die mit Kindern in Altersstufen, die auch wirklich noch Betreuung benötigen (Kleinkinder bis Grundschulkinder). Auch hier mag das Außmaß, wieviel Aufmerksamkeit ein Kind braucht, durchaus unterschiedlich sein. Wenn man aber zwei, drei, vier Kinder zuhause hat, verschärft sich auch dieses Problem ganz automatisch.

      Wenn man dann seit Wochen in diesem Konflikt zwischen Arbeitgeber-Kinder-Haushalt gefangen ist, kann es aufgrund der eher strapazierten Nerven schonmal schlecht ankommen, wenn ein „Mensch ohne Kind“ ankommt und fragt, was man selbst denn mit der „vielen Zeit“ anfängt oder man ungläubig über solche Diskussionen in der eigenen Timeline den Kopf schütteln muss.

      Daraus gleich einen Konflikt zwischen Eltern und Kinderlosen herauslesen zu wollen, denke ich, ist ein wenig übertrieben. Dabei kann ich jetzt nur für mich und meine eigene Situation sprechen, weil ich nicht weiß was dasnuf im Sinn hatte, aber ich hege (wie schon in meinem vorherigen Kommentar geschrieben) keinen Groll gegen meine kinderlosen Kollegen, die jetzt gefühlt „die (Frei)Zeit ihres Lebens“ zu haben scheinen. Denen mag schon auch die Decke auf den Kopf fallen, aber so belastet und angespannt wie man selbst mit Kindern zuhause und Job gleichzeitig, dürften sie in aller Regel nicht sein.

      Und nein, es hilft auch in der aktuellen Situation nix, sich einzureden, dass eine solche Belastung aufgrund der Betreuungsbedürftigkeit der eigenen Kinder, gemessen an der eigenen möglichen Lebenserwartung nur eine recht kleine Zeitspanne einnimmt.

      Ich persönlich fühle mich da von den politischen Entscheidern ein wenig im Stich gelassen, die lieber seit Wochen über den Restart der Bundesliga diskutieren, anstatt tragfähige Konzepte wie man die Eltern ein wenig entlasten könnte zu präsentieren. Und nein, liebe HERREN mit politischer Karriere, Home Office für Eltern, ist keine Lösung einer fehlenden Kinderbetreuung oder von Schulunterricht. Von den Ankündigungen und Überlegungen von Frau Giffey der letzten zwei Wochen, hatte ich mir persönlich auch deutlich mehr versprochen, als die jetzt vorgestellten Überlegungen. Aber das nur von mir persönlich am Rande.

  5. Hallo Patricia, ist es nicht einfach so, dass vielen Frauen jetzt einfach umso mehr auf die Füße fällt, dass der (meistens vorhandene) Partner nicht gleichberechtigt in die Verantwortung genommen wurde? Ich habe mich schon lange über die Mamablogger und Instamuttis gewundert, die einerseits betonten wie toll diese Selbständigkeit mit Irgendwas sei (Vereinbarkeit und so, der Mann ist ja so wenig daheim) und gleichzeitig wurde sich beklagt, weil man tagsüber zu nichts komme und daher abends noch Stunden am Rechner sitzen muss. Offenbar kein besonders krisensicheres Modell. Abgesehen davon, dass ich nach 8h im Büro zu Hause auch arbeiten muss. Und zwar in den Bereichen für die ich tagsüber keine Zeit habe, weil ich auf Arbeit bin. Ich find das zur Zeit auch alles Mist. Und Mental Load kenne ich nur zu gut. Ich wundere mich aber auch sehr in diesen Tagen.
    VG

  6. Siehe meinen ersten Kommentar –> Ich habe es tatsächlich geschafft, Ihren Namen falsch zu schreiben, liebes Nuf. Soweit sind wir schon … vielleicht bin ich auch einfach nur müde.

    -.-

  7. Liebe Patrizia,

    ich weiß gar nicht, was Du hast?

    Als gut gebuchte freiberufliche Lektorin mit zwei Gymnasialkindern (10 und 11 Jahre alt), die werktäglich umfangreiche und anspruchsvolle Aufgaben bereitgestellt bekommen, welche fristgerecht abgeliefert werden sollen und fast allesamt zensiert werden, schlafe ich einfach nicht mehr als 3-4 Stunden pro Nacht. Dann klappt das mit dem Plan und 90 Minuten Freigang sind auch noch locker drin.

    Kein Grund zum Meckern, bis zum Herbst halte _ich_ das auch locker durch.

  8. Dass Familien überlastet sind, negiert ja nicht den Fakt, dass viele Singles im Homebüro gelanweilt sind! Die Lebenssituatiuon von Menschen ist nun mal sehr verschieden. Und genau wie die Familiensituation derzeit doch viel thematisiert wird, erscheinen eben auch Artikel für die Zielgruppe „gelangweilt“. Warum auch nicht?

    Ich halte es für ein Zeichen schwindender Toleranz, dass derlei mittlerweile skandalisiert wird. Offenbar erscheint es manchen zunehmend unersträglich, dass es noch andere Problemlagen, Betroffenheiten und Interessen abseits der eigenen Situation gibt.

    Keine gute Entwicklung!

  9. Wow! Und ich dachte schon, meine Frau und ich wären die Einzigen, die auf die Frage „Was macht ihr jetzt eigentlich mit der ganzen zusätzlichen Zeit“ eher irreperabel die Zunge verschluckt hatten, als wie so manch andere Kinderlose mit neuen, exotischen Hobbies oder einer umfangreichen, abgearbeiteten Watch- und Readlist zu antworten. Auch in den Medien liest und hört man viel von „Was Sie jetzt mit Ihrer vielen Zeit anfangen können“ oder „So entgehen Sie der Corona-Langeweile“.

    Also mehr Zeit hat man als Doppel-Berufstätige (in Teilzeit) mit Dreijährigem zuhause wirklich nicht und Langeweile kommt höchstens beim Kind auf, dass nach fast sechs Wochen zuhause halt nun mal nicht mehr dauernd Vorgelesen bekommen, Malen, Basteln, Hörspiele hören, Lieder hören, Lieder singen, Versteckenspielen, Fahrradfahren, Spazierengehen, Fußballspielen, Im Sand spielen, Pflanzen eingraben, Kochen, Staubsaugen (oder was der Junior dafür hält…), Kneten, Puzzlen, Legobauen, Spiele spielen, usw, usf., will. Er will mit Gleichaltrigen spielen und er will mal wieder andere Gesichter sehen als seine zwei (vergleichsweise) betagten Eltern. Die Fragen nach wann der Kindergarten wieder öffnet und wann man wieder Oma & Opa besuchen kann und wann man wieder in den Urlaub fahren darf, wiederholten sich jetzt täglich mehrfach und immer öfter. Seit letzter Woche sind die Fragen verstummt. Das Kind hat zum ersten Mal in seinem Leben sichtbare Zeichen von Langeweile. Das ist für uns Eltern neu!

    Mit täglich jeweils einem halben Tag Home Office und dem anderen halben Tag Kinderbetreuung (sch**** Wort für eine Familie, ohne den anderen Elternteil, zu sein), ist man, wenn das Kind dann erfolgreich im Bett ist, einfach platt. No time for Netflix & Co. Noch ein wenig privates und familiäres „Projektmanagement“ danach und man geht als ausgelaugter Elternzombie ins Bett. Wie guckt man da neidisch auf die kinderlosen Kollegen, die bestens erholt (neue Hobbies & Co.; siehe oben) im Büro sitzen, ihre persönliche Leistung deutlich nach oben geschraubt haben und die eigene, aktuelle Arbeitsleistung um ein Vielfaches übertreffen? Es sei Ihnen vergönnt!

    Aber auch in unserem, ein wenig gerechterem Haushalt als bei Wolfgang und Hannelore, fragt man sich, wie solche Entscheidungen und ihre Folgen von Karriere-Wissenschaftlern getroffen werden, die hauptsächlich männlich sind und die Teilzeit und Kinderbetreuung vielleicht aus der Presse (lästig) oder von der eigenen Ehefrau (teilweise sicher auch lästig?) gerüchteweise kennen, die die Karriere defacto erst ermöglicht hat ohne dass es jemals auch nur gedacht, geschweige denn gedankt, wird! Herr Söders Haarschnitt wirkt auf mich z.B. auch nicht so, als hätte er unter Frisörsalonschließungen zu leiden…

    Und ja, niemand erwartet, dass ab morgen alles wieder beim Alten ist. Aber, wie ich schon mal in einem anderen Blogpost in den Kommentaren schrieb, es wären Visionen für Leute wie Hannelore nötig. Mögliche Szenarien, die greifbar werden und die auf halbwegs handfesten Voraussetzungen basieren, anstatt, wie in manchen Bundesländern Schulen und Kitas recht kommentarlos in den PKen zu behandeln oder gar nicht zu adressieren, aber anzukündigen, dass Kita-Beiträge der nächsten Monate im Falle einer erzwungenen Nicht-Inanspruchname erstattet werden bzw. nicht eingezogen werden sollen. Oder das Thema pauschal mit „Da sehen wir ab Herbst weiter“ abhandeln… Da kocht die Hannelore in uns allen ein wenig (mehr) hoch, die momentan im Gegensatz z.B. zu Fußballbundesligaspielern oder Kirchgängern – nicht in den Überlegungen unserer politischen Entscheidern vorzukommen scheinen, obwohl man sich als Eltern für die Rentenzahler von morgen entschieden hat.

    Zum Zeit-Artikel: Sehr toll und vieles richtig, auch wenn für mich manchmal ein wenig zu langatmig. Aber im Kern trifft es den Nagel auf den Kopf! Super!!! Ändern wird sich halt dadurch (wie üblich) nix, außer dass die Scheidungsrate hochschnellt und in ein paar Monaten/Jahren die Eheschließungen entsprechend wieder nachlegen. Wolfgang wird aber immer Wolfgang bleiben. Man kann die Hoffnung nur auf Wolfgangs Kinder setzen, aber die haben ja auch wieder das altgediente Rollenbild als einziges Vorbild vor Augen. Ein Teufelskreis.

  10. Meine Frau und ich haben am Wochenende mal Bilanz gezogen. Im Grunde hat sich unser Leben nicht so dramatisch verändert. Und ja, das liegt hauptsächlich daran, dass wir keine Kinder haben. Gemeinde, Tanztraining und Freunde, das sind so die 3 Bereiche, in denen wir was vermissen. Wir haben noch eine Lammkeule im Gefrierschrank, die wir schon vor Wochen zusammen mit Freunden genießen wollten. Kochen ist übrigens überwiegend meine Baustelle. Jetzt liegt das Ding im Gefrierschrank und wartet auf das Ende der Coronakrise. So, wie wir auch.
    Gestern war schönes Wetter. Die 2 Doraden zum Mittagessen sind mir diesmal ganz besonders gut gelungen. Dazu gab es einen schönen Weisswein. Essen im Garten. Anschließend hat meine Frau sich in den Gartenliegestuhl gelegt, den ich eigentlich für mich vorbereitet hatte. Sie hat das Geschirr dann eben später in die Spühlmaschine geräumt. Das Leben so zu handhaben haben wir uns von unseren Katzen abgeschaut. Die können Sowas sehr gut. Hektik und Stress habe ich bei der Arbeit genug. Da brauche ich in meiner Freizeit ganz bestimmt nicht noch mehr davon. Ein klein wenig Fatalismus, sehr viel Geduld, und der Wille, das Leben so zu nehmen, wie es eben ist, das hilft gut über solche Krisen hinweg.
    Das Einzige, das mir Sorgen bereitet, ist, dass wir uns in dieser Krise vielleicht an Einschränkungen gewöhnen, die nach der Krise besser wieder verschwinden. Nach den derzeitigen Kontrollmöglichkeiten haben sich zu viele zu lange alle Finger nach abgeleckt. Jetzt ist es mit einem Mal Realität. Für Manche ist das wie ein Sechser im Lotto. Ich kann nur hoffen, dass wir nach der Krise unsere Bürgerrechte vollständig widerherstellen können.

  11. Projektmanagement. Das macht ja jeder 2. beruflich, wenn man LinkedIn glauben darf.
    Erstaunlich, daß zuhause die Ehefrau „das einfach besser kann“.
    Auch interessant, daß die Parkplätze der Dienstwagen hier im Wohnviertel seit ein paar Tagen zwischen 7 und 19 Uhr wieder leer sind. Das Projektmanagement macht im Einzelbüro wohl mehr Spaß als zuhause mit Familie.
    Ich habe etwas outgesourced: Unser Essensplan vermerkt nicht nur das (basisdemokratisch) gewünschte Gericht, sondern auch den Zuständigen für fristgerechtes Kochen, Tischdecken sowie anschließendes Aufräumen der Küche. Heute z.B. waren die Damen (8+10 Jahre) für Nudeln mit Soße und Reibekäse verantwortlich. War pünktlich fertig, hat gemundet, aber beim Topfspülen später gab es Kompetenzgerangel.
    Naja, auch in der Firma gibts nicht nur gute Projektmanager…

  12. Einer der ersten Kommentare einer befreundeten Mutter war damals „Oh Gott, jetzt muss ich fünf Wochen lang jeden Tag Mittagessen kochen!“. Inzwischen sind wir in Woche 7…

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