Kinder haben ein Recht auf Privatsphäre

Wie Journelle geht es mir auch oft:

Meine Entgeisterung fand ihren Höhepunkt als ich neulich passend die Folge „Spying or Parenting – Do We Need to Respect Our Kids‘ Digital Privacy?“ des Podcasts Their own Devices gehört habe. Darin unterhalten sich  vier US-amerikanische Eltern darüber, dass sie natürlich die Passworte ihrer Kinder zu allen Social-Media-Accounts haben; es sei ihnen sonst viel zu unsicher mit diesem Internet. Ich war entsetzt. Vor allem über die Einigkeit der vier Erwachsenen. Selbstredend haben Kinder kein Recht auf Privatsphäre! Es sei gar elterliche Pflicht, alles zu überwachen, was die Kinder online machen.

Nicht ganz so extrem aber doch ähnlich findet die Diskussion in vielen Elternrunden statt. Es ist hierzulande auch ziemlich normal, den Browserverlauf regelmäßig zu checken oder selbstverständlich private Nachrichten auf Messenger-Diensten zu lesen.

Die Argumentation ist dabei immer die selbe: Man müsse die Kinder doch schützen! Ich wüßte offensichtlich gar nicht, was in Klassen-Chats abginge.  Beleidigungen, Sexismus, Rassismus! Das sei unfassbar!

Ja, aber nein.
Die UN-Kinderrechtskonvention, Ar­ti­kel 16: Brief­ge­heim­nis besagt:

Kein Kind darf willkürlichen oder rechtswidrigen Eingriffen in sein Privatleben, seine Familie, seine Wohnung oder seinen Schriftverkehr oder rechtswidrigen Beeinträchtigungen seiner Ehre und seines Rufes ausgesetzt werden.

Ist zu befürchten, dass die Sicherheit des Kindes in Gefahr ist, gilt dieses Recht nicht. Insofern steckt in der Befürchtung der Eltern, dass in den Chat-verläufen (Cyber-)Mobbing stattfindet und sie ihr Kind vor den Folgen schützen wollen in einem gewissen Maße eine nachvollziehbare Rechtfertigung.

Ich behaupte aber mal kühn aus den Beobachtungen, die ich mache: Das trifft auf sehr, sehr wenige Fälle zu. Meistens ist das Checken der Chat-Verläufe lediglich übergriffiges Verhalten, das aus einer Überforderung erwächst. Denn statt dass die Eltern den Kindern beibringen wie man sich sinnvollerweise im Internet verhält (nämlich nicht anders als in der Kohlenstoffwelt: respektvoll und höflich), statt dass Eltern ihren Kindern erklären wie schwerwiegend Mobbingfolgen sein können, statt dass den Kindern erklärt wird, wie man sinnvolle Regeln für Klassenchats vereinbart*, statt dass man Kinder also aufklärt und ihnen erst Geräte samt Apps überlässt wenn eine gewisse Einsichtsfähigkeit erreicht ist, macht man die Augen zu und schreckt dann regelmäßig hoch und kontrolliert willkürlich, um sich selbst ein Sichereitsgefühl zu verschaffen.

Journelle trifft den Nagel auf den Kopf, wenn sie sagt:

Die DKHW-Studie „Kinder. Bilder. Rechte. Persönlichkeitsrechte von Kindern im Kontext der digitalen Mediennutzung in der Familie“ unterstreicht diese Aussage, dass es sich bei dieser Form der Überwachung um eine hilflose Reaktion auf das elterliche Nachgeben handelt, nachdem der Peerdruck zu hoch geworden war, so dass zum Beispiel WhatsApp erlaubt wurde, obwohl Kinder in Deutschland diese App laut AGB erst ab 16 Jahren benutzen dürfen. Das gilt auch für andere Plattformen. Es folgt ein Unwohlsein, das nicht zuletzt aus der eigenen Unwissenheit resultiert. Dieses Unwohlsein „versuchen die Eltern durch teils tiefe Eingriffe in die Privatsphäre des Kindes schützend zu begrenzen. Sie lassen sich von den Kindern Passwörter der sozialen Netzwerk-Accounts geben, durchsuchen das Smartphone des Kindes regelmäßig inklusive der gesandten WhatsApp-Nachrichten und Chatverläufe, finden durch die Standortabfrage von Snapchat den Aufenthaltsort der Kinder heraus oder überprüfen mit Hilfe von Kontroll-Apps, was das Kind genutzt und mit wem es was kommuniziert hat.”

Mich macht dieses übergriffige Verhalten von Eltern wütend. Wie sollen Kinder lernen was Privatsphäre ist, wenn man ihnen selbst keine gestattet? Eines der ersten Dinge, die wir unseren (Kindergarten)Kindern beigebracht haben, war z. B. dass es sich nicht gehört auf fremde Displays zu schauen und ohne Erlaubnis mitzulesen. Das nächste ist dem Kind beizubringen, dass Endgeräte mit einem Code gesichert werden, der einen Zugriff auf das Gerät automatisch unterbindet, wenn es z. B. längere Zeit unbeobachtet irgendwo rumliegt. Das ist für die Sicherheit genauso wichtig wie regelmäßige Updates des Betriebssystems.

Es gibt so viel was man Kindern beibringen kann, was am Ende auch dazu beiträgt, dass Kinder medienkompetent werden. DAS sind die wahren Elternpfichten. Aufklärung zu Cyber-Mobbing, Cyber-Grooming, Erläuterung von Bildrechten, Diskussion von Datenschutz etc. (Ich hab gerade ein ganzes Buch dazu geschrieben…das leider erst 2020 erscheint). Mit Überwachung und Kontrolle ist rein gar nichts erreicht.

Meine Güte! Kinder und Jugendliche sind nicht doof. Eine zeitlang ertragen sie dieses Elternverhalten vielleicht noch. Irgendwann entwickeln sie Strategien sich gegen dieses Verhalten zu wehren, indem sie sich Rückzugsräume schaffen, auf die die Eltern keinen Zugriff haben. Dann ist es aus mit der Kontrolle und auch aus mit der vertrauensvollen Beziehung. So setzen sich die Kinder irgendwann „brav“ an Googledocs und chatten dort, weil die Eltern so gewissenhaft die Messenger-Dienste kontrollieren.

Ich wünschte wirklich mehr Eltern würden ihre Prioritäten in Sachen Medienerziehung überdenken.

 

*dazu schreibe ich demnächst einen Artikel in der SCHAU HIN!-Serie

Wenn euch meine Texte gefallen, könnt ihr mir einen Kaffee ausgeben. Darüber freue ich mich!

304 Gedanken zu „Kinder haben ein Recht auf Privatsphäre“

  1. Mein Tipp dazu: Jeder, dem die Privatsphäre seines Kindes wichtig ist, bitte das Kind drauf hinweisen, dass chats von den Eltern der Chatpartner mitgelesen werden. Gerne mit dem Hinweis, mit den Chatpartnern darüber zu reden (persönlich, nicht via Chat). Aufklärung.


  2. Was mich an dem Artikel stört ist, dass er davon ausgeht das es im Internet Privatsphäre gibt.

    Wenn man sich die letzten 5-10 Jahre anschaut sollte klar sein das dem nicht so ist. Snowden, täglich 100teMillionen oder gar Milliarden Datenleaks, Verschlüsselung wird nach wenigen Jahren gebrochen. Oder Millionen Datenbanken hängen ungeschützt direkt am Internet. ‚Menschliche Qualitatssicherung‘. Administratoren von Webseiten/Datenbanken mit Vollzugriff. Die Datensilos der grossen Konzerne. Werbenetzwerke. Tracking. Automatische Gesichtserkennung.

    => Alles was man über das Internet schickt ist potentiell Öffentlich und kann mit dir verknüpft werden.

    Das ganze überträgt sich gerade auf die Offline Welt. ((freiwillig) Micros und Kameras überall, immer höherauflosendere und in immer schnellerer Taktung bei den Satelitenbildern,…)

    Die Frage ist wie gehen wir mit der verschwundenen Privatsphäre um. Wie nutzen wir all diese Daten zu unser aller Wohl.

    1. Okay und das bedeutet, dass Erwachsene deswegen jeden Kommunikationsverlauf lesen sollen/dürfen? Weil der Facebook-Konzern, Apple oder Google die Daten eh schon haben?

  3. Als Gamer bin ich da anderer Meinung. Natürlich haben Kinder das Recht auf Privatsphäre. Was aber soziale Netzwerke oder Online Games angeht, weiss ich aus Erfahrung wie wichtig es in vielen Fällen sein kann zumindest grob zu wissen was da abgeht



  4. Ich finde es ja eine unabdingbare Voraussetzung für Vertrauen, dass Kinder ihre Privatsphäre haben. Das Vertrauen sorgt doch dann auch dafür, dass sie bei tatsächlichen Problemen offen sein können. Es ist ein Ausdruck von Respekt.


  5. Kann euch absolut zustimmen!!Ich vertraue meinen Kindern da sehr, bzw. versuche, sie zu einem verantwortungsvollen Umgang zu erziehen. Bei Problemen kamen sie deshalb bisher immer zu mir und wir konnten es gemeinsam klären.


    1. Cyber-Mobbing verhindert man am besten durch eine gute Prävention. Das bedeutet, dass Kinder erst die Mechanismen und mögliche Folgen lernen und dann alleine im Internet unterwegs sind und v.a. dass sie wissen, an wen sie sich wenden können, wenn etwas passiert (und zwar nicht nur wenn ihnen etwas passiert, sondern auch, wenn anderen etwas passiert).
      Persönlich halte ich es für falsch Kinder unaufgeklärt und zu früh Messenger-Dienste zu erlauben und dann als Ausgleich zu kontrollieren.
      Wie oft muss man denn bitte in einen Chat reinschauen (oder in die anderen 10 Apps auf denen man miteinander sprechen kann), damit man Mobbing verhindert? An manchen Tagen kommen Duzende von Nachrichten über den Klassenchat. Schaut man da jedes Mal nach? Oder nur alle 2 Tage und dann sind die krassen Sachen schon passiert?

      1. Ja, Privatsphäre ist wichtig.
        Ja, es gibt Urteile, dass es die Pflicht von Eltern ist, Chatverläufe zu kontrollieren.
        Beides müssen wir Eltern berücksichtigen und Chatverläufe weder unreflektiert prüfen noch unreflektiert nicht-prüfen.

        1. Poste gerne mal diese Urteile. Oder meinst du das Urteil von 2017 das besagt, dass Eltern das Einverständnis aller im Telefonbuch stehenden Kontakte einholen muss bevor WhatsApp installiert wird?

          1. Das ist genau das Urteil, das ich meine. Da geht es um Datenschutz und das Problem, dass WhatsApp bei verknüpftem Telefonbuch die Daten Dritter ohne deren Einverständnis an den Facebook-Konzern weitergibt. Es geht nicht um Chatverläufe. Es geht nicht darum Privatsphäre oder Briefgeheimnis zu brechen.
            „In diesem konkreten Fall ordnete das Gericht an, dass durch die Eltern oder den sorgeberechtigten Elternteil von allen Kontaktpersonen, die im Account von WhatsApp aufgelistet sind, eine schriftliche Zustimmungserklärung zu fordern ist.“

    1. Dann hoffen wir alle, dass der Pädophile WhatsApp oder einen anderen offensichtlichen Kanal benutzt und dass das Kind, weil es in seiner Privatsphäre nicht geachtet wird, nicht etwas hinter dem Rücken der Eltern tut. Toitoitoi.

    1. Das ist ja was ganz anderes. Finde ich persönlich total okay bzw. sogar gut, weil Dein Sohn so weiß: seine Privatsphäre wird geachtet UND Du bist ihm immer Ansprechpartnerin.

  6. Diese Überwachung führt auch dazu, dass die Kinder ihr Verhalten nicht selbst reflektieren und viel weniger risikobewusst sind – denn Papa kontrolliert ja jede Woche das Handy. Was sie machen, ist also auf jeden Fall OK. Die Kontrolle ersetzt das in vielen Fällen den Dialog.

  7. Ich bin SEHR gespannt auf Dein Buch! Vielleicht setze ich mich ja dafür ein, dass es in der Uni-Bibliothek (zugleich Landesbibliothek Thüringens) verfügbar ist. Dort ist nämlich bisher erschreckend wenig zu finden, vor allem erschreckend wenig ohne „Internet ist Teufelszeug“-Feeling.

    Vorausgesetzt ich vergesse es nicht neben meinem Abschluss. ^^

    1. Klar. Wenn, wie oben steht die Sicherheit gefährdet ist.
      Und auch wenn Kinder noch begleitet werden müssen (weil sie die Einsichtsfähigkeit noch nicht erreicht haben, die zur Aufklärung nötig ist). Dann vereinbart man das aber vorher gemeinsam und die App ist dann ein gemeinsamer Account und nicht der des Kindes. In einem Gruppenchat sollte dann auch für die anderen transparent sein: die Eltern lesen mit.

      Persönlich finde ich aber: wenn ein Kind zu jung ist, um grundlegende Umgangsformen und Regeln zu verstehen, dann sollte es die Apps tatsächlich noch nicht nutzen.

  8. Vielleicht solltest du dein Buch “Digitale Aufklärung – was Eltern wissen sollten” nennen.

    Schockierend wie Menschenrechte “zum Schutz der Kinder” verletzt werden. Passt aber wahrscheinlich wenn man davon ausgeht, dass Kinder nur halbe Menschen sind…


  9. Also ich finde bei Kindern die Browserverläufe zu checken ist sehr wichtig!
    Das geht so: Auf dem PC/Mobiltelefon/Tablet checken ob es einen Browserverlauf gibt. Wenn ja: Schimpfen!

    Gruß
    Aginor

    1. Nachtrag:
      Wegen aufs Display schauen etc.:

      Ich habe schon als Kind gelernt dass man sich umdreht wenn jemand sein Passwort eingibt.
      Und bei Bildschirmen persönlicher Geräte schaut man genausowenig ungefragt rein wie in einen Brief.

      Faustregeln:
      – Bei Bildschirmen gilt das gleiche wie in Massenumkleidekabinen. Natürlich kann man kaum vermeiden etwas zu sehen, aber man schaut wenigstens nicht direkt hin.
      – Passwörter sind wie Genitalien. Man gibt sich Mühe wegzuschauen, es sei denn man wird aufgefordert. Und man zeigt seine nicht ungefragt herum.

      Gruß
      Aginor

  10. Hallo,
    ich finde auch, dass die Privatsphäre unserer Kinde ein ganz wichtiges Thema ist. Vielen Dank fürs Zusammenfassen und Weiterführen der Diskussion auf Twitter! Ich glaube auch, dass es da meistens nicht um sicherheitsrelevante Fragen geht, sondern eher um das Bedürfnis der Eltern nach Information. Für mich z.B. ein ähnliches Thema bei der Frage, ab wann ein Kind ein Smartphone haben „sollte“. Im Gespräch sagen uns viele Eltern, dass sie es eigentlich noch zu früh finden, aber sie auf der anderen Seite gerne wollen, dass das Kind jederzeit (vor allem auf dem Schulweg) erreichbar ist. Dieses ständige Informiertsein gibt Eltern ein Gefühl von Sicherheit. Das kollidiert natürlich kolossal mit dem Bedürfnis des Kindes nach Privatsphäre und Autonomie. Wir schlagen Familien deshalb gerne vor, dass sie auch diese Ängste ganz offen besprechen und besprechen, was denn wäre, wenn es wirklich mal zu etwas Schlimmen im Chat kommt. Wenn man da vorher offen drüber spricht, gibt das allen Beteiligten ein bisschen mehr Sicherheit. Zum Thema „Regeln für den Klassenchat“ wollte ich gerne noch unseren Online-Kurs zum Thema Klassenchats empfehlen. Hier zu finden: https://akademie.digitale-helden.de/kurs/whatsapp-kurs/. Ich hoffe die „Werbung“ für den Kurs an dieser Stelle ist ok. Der Kurs ist kostenlos und bietet Unterrichtsmaterialien für Lehrer*innen, um das Thema Klassenchat in einer Doppelstunde oder einem Projekttag anzugehen. Vielleicht hilft das ja der ein oder anderen Klasse. PS: Kommenden Dienstag (17.09.2019) machen wir mal wieder ein Webinar zu dem Thema Klassenchats. Ebenfalls kostenlos: https://digitale-helden.de/angebote/webinare/stress-im-klassenchat-19-20/.
    Liebe Grüße
    Birte vom Team Digitale Helden

    1. Werbung ist okay, weil ich eure Arbeit gut kenne und auch oft empfehle.
      Wie ich oben schreibe: Lieber aufklären statt kontrollieren.
      Und was das elterliche Informationsbedürfnis angeht: Da müssen Eltern an sich arbeiten.
      Es ist für die kindliche Entwicklung und Psyche überhaupt nicht gut ständig kontrolliert und überwacht zu werden. Kinder brauchen eigene (sichere) Erfahrungsräume. Alles andere gibt unterschwellig das Gefühl „Du kannst das nicht. Wir trauen Dir das nicht zu.“
      Man muss es auch mal aushalten, dass ein Kind einen Weg von A nach B alleine bewältigt. Wie im Netz lässt man aber nicht einen 4-Jährigen ohne vorher zu üben alleine losziehen. Sondern man übt und je nach Straßenverhältnissen, lässt man dann ein 7 oder 8-jähriges Kind alleine zur Schule laufen.
      Das ist auch noch mal ein anderes Thema (das auch in meinem Buch behandelt wird), das einen weiteren Aspekt in der Diskussion darstellt.

    1. Wenn Pädophile Kinder angreifen, sind nicht die Eltern und nicht das Kind schuld. Das nennt sich Vicitim-Blaming. Abgesehen davon bewahrt das Kontrollieren an der Stelle vor nichts. Das Aufklären schon.

  11. Genau. Kleine oder große Geheimnisse gibt es sowieso irgendwann. Die süssen Kleinen erstellen sich fix einen Zweitaccount und die Eltern checken garnix mehr. Und auch Vertrauen sollte gegenseitig gelernt und gestärkt werden. Da steckt ja schon trauen im Wort. Das Loslassen ist für Eltern das Schwerste, merke ich selbst gerade. Wenn mein Sohn mir sagt, ich solle doch bitte nicht so um ihn rum helikoptern, fühle ich mich schon sehr ertappt.
    Wenn man allgemein die richtigen Werte vermittelt und Zuhause ein gesundes Weltbild herrscht, kann man das alles sehr gut übertragen in die Online-Welt. Dieses Spionieren erzeugt nur Gegenlügen und Heimlichtuerei.

  12. In unserem Kreis gibt es nur EINE Familie die das Thema entsprechend angeht. Die meisten schauen einen immer an wie’s Kälble wenn’s blitzt wenn man solche Themen diskutieren will. Vielleicht wird das erst mit der nächsten Generation besser wenn wir nicht mehr im Neuland sind.
    Eine Sache würde ich gerne noch zur Diskussion stellen. Gehört es nicht auch zum Thema Privatsphäre dazu, dass ich z.b. in den Öffis nicht meine Kontodaten groß im Display Anzeige. Sollte man nicht davon ausgehen, dass das Display eine Art öffentlicher Raum ist und ich erst aussteigen sollte? Sowas wird Ja in jedem Unternehmen gepredigt. Ich gehe hier auch IMMER davon aus das mir jemand dort auf das Handy schauen kann.

  13. Ich werde den Artikel mal an den Elternverteiler schicken. Wir haben hier das Problem, dass unsere Tochter ausgegrenzt wird, weil sie eben noch nicht WA nutzt (siehe AGB). Andererseits gibt es dann Disk auf dem Elternabend, die Nutzung doch bis 21 Uhr zu begrenzen. ????


  14. Zufälligerweise gerade riesiges Thema bei uns. Neue Schule, Klasse 5, erster Elternabend nach 3 Wochen. Ein extrem aufgebrachte Vater. In der WhatsApp-Klassengruppe (von der ich nichts wusste, da mein Sohn kein WA hat) haben „Jungs“ trotz Gruppenregel dass keine Fotos erlaubt sind extrem „ekelige“ pornographische Fotos gepostet. Während ich es auch für nicht OK halte, dass 10jährige Zugriff auf solche Fotos haben (wobei mein Mann meinte er hatte damals eben „Heftchen“ statt dem Internet, die Fotos waren ähnlich) fand ich die Reaktionen unfassbar.
    „Das traumatisiert meine Tochter, mein Kind hat geweint“, „Gleich privatrechtliche Klage einreichen“, „Klassenkonferenz“, „jeden Tag die Handys kontrollieren“, “ die brauchen doch psychologische Hilfe“ und schlimmer.
    Niemand hat mal gefragt woher die Jungs das haben und aus welchem familiären Hintergrund sie kommen. Sie waren einfach schuld. Kein Elternteil übernahm mal die Verantwortung dafür, dass fast ALLE mit 10 schon Smartphones inkl. WhatsApp haben und ohne groß zu fragen eine Klassengruppe erstellt hatten.
    Eine Mutter meinte ihre Tochter hat von der Gruppe erzählt und seitdem kontrolliert sie fast täglich was so geschrieben wird und auch sonst guckt sie immer was das Kind so am Handy macht.
    Ich sehe das anders. Natürlich gibt es bei YouTube/Tiktok und Co. extrem komische Videos. Aber ich vertraue drauf, dass meine Kinder vernünftig genug sind diese nicht zu schauen oder auszuschalten wenn es ihnen unangenehm ist. Gucken Sie Zuhause frage ich was das genau ist und sage notfalls nein.
    Wie sollen sie denn sonst mir vertrauen wenn ich ihnen nicht vertraue?

  15. Jup, unbedingt. Eingeschränkt allerdings durch die Altersfreigaben der diversen Messenger und das Mindestalter bei Telefonverträgen. Meist läuft das also über die Eltern, die sich – bewusst oder unwissend – über die rechtlichen Bestimmungen hinwegsetzen.


  16. Ich kenne das Thema „Privatsphäre nicht achten“ auch aus der Schule. Wir hatten Diebstähle und das leidige Thema, dass danach die Schulranzen kontrolliert werden sollten. Jetzt bekommen wir Schließfächer und auch hier sollen Schule und Hausmeister unkontrollierten Zugriff haben.
    Ich glaube das ist kein digitales Problem sondern eine grundsätzliche Einstellung zu Kinderrechten. Ab wann dürfen unsere Kinder selbstbestimmt über einen Raum verfügen?

    1. Vermutlich wird das „Preaching to the converted“ sein.

      Ich würde es trotzdem mal probieren, vielleicht hast Du ja Glück und findest den einen oder anderen fruchtbaren Boden.

  17. Passt vielleicht nicht ganz, aber doch ein wenig.
    In der letzten Kita, in der ich tätig war, hatte jedes Kind eine eigene Box. Die Kinder konnten dort Dinge aufbewahren, die ihnen wichtig wären. Bilder, Stecken, Steine, Schnürsenkel, Schokoriegel, Handschuhe – was Kindern halt so aufhebenswert erscheint. Die Kisten waren auch nicht im Bring- und Abholbereich. Für andere Kinder und vor allem uns Erzieher:innen waren diese Kisten tabu! In die Kisten durfte nur von Anderen geschaut werden, wenn es die ausdrückliche Erlaubnis dafür gab. Klappte unter den Kindern ganz gut, unter den Eltern eher so semi. Spätestens wenn die Mütze eines Kindes verzweifelt gesucht wurde, haben manche Eltern die Kisten als allgemeine Aufbewahrungsorte betrachtet.
    Alle halbe Jahre haben wir einen Vormittag damit zugebracht, die Kinder ihre Kisten ausmisten zu lassen. Das war dann, wenn sie aus allen Nähten platzten.

    Das Thema Privatsphäre beginnt schon im Kleinen und bei kleinen Kindern. Wenn da das Bewusstsein schon fehlt, hapert es in der Regel später auch an so abstrakteren Dingen wie Chatverläufen.

  18. Passt! Hatten diese Woche eine tolle Fortbildung zum Thema, da wir ein medienpädagogisches Konzept entwickeln. Zum Glück waren alle der Meinung, dass Kinder auch in der digitalen Welt ein Recht auf Privatsphäre haben.


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