Mosaike, Feministen und immer noch Mücken

Vor einigen Wochen – Monaten (? was weiß ich denn schon, ich bin hier seit 3 Tagen im Wald. Zeit ist nur noch ein kaum nachvollziehbares Konstukt, das ich aus Lehrbüchern kenne) habe ich ein phänomenales Mini-Steck-Set* bei den Buddenbohms gesehen und mir sofort auch eins zugelegt.

Also habe ich gestern die aktuelle Staffel Weissensee (leider enttäuschend langweilig) angesehen (6 Folgen), hunderte von Steckerchen abgepult und bin jetzt nicht mal mit einem Viertel des Bildes fertig (es hat 4 solche Platten):

Zur Entspannung lese ich im Anschluss „Der Ursprung der Liebe*“ von Liv Strömquist. Genau wie im Vorgängerbuch „Der Ursprung der Welt*“  möchte ich vor Begeisterung von Tür zu Tür rennen und alle wach klingeln und fragen, ob sie das Buch nicht kaufen und lesen wollen. Dafür müsste ich aber rund 2 km laufen. Vorher gibts hier keine Tür zum Klingeln. Das Buch ist so bitterböse und lustig. Ich hab beim Lesen immer Teresa Bücker im Ohr, die auf der Blogfamilia sagte, dass man heutzutage schon radikalfeministisch ist, wenn man geschlechterinklusive Sprache fordert und frage mich, was in Anbetracht der Inhalte der Bücher von Liv Strömquist die Steigerung von radikalfeminsitisch ist.

Tatsächlich habe ich heute fast den ganzen Tag in der Hütte verbracht. Die Mücken draußen machen mich fertig. Ganz tief in mir, finde ich das irgendwie nicht schlimm. Also das in der Hütte sein. Ich bin eigentlich leidenschaftliche Stubenhockerin. Ich lege allerdings viel Wert auf eine schöne Aussicht, wenn ich aus dem Fenster schaue. In Berlin habe ich das und hier auch. Ich frage mich was mir mehr gefällt? Der Spielplatz und die Fassaden der stalinistischen Gebäude oder die kämpfenden Amseln und die Bäume. Zumal – für die Fensteraussicht gibt es hoffentlich bald eine technische Lösung. Was WIRKLICH vor der Haustür ist, ist ja egal. Ich will nur eine schöne Aussicht. Da geht doch was mit projizierter Natur auf Bildschirmfenster?

Überhaupt. Die Stadt. Ich bin halt wirklich kein Landmensch. Der nächste Supermarkt ist ungelogen 10 km entfernt. Das ist fast wie in meinen Schwedenurlauben. Ich habe deswegen Essen für die vier Tage mitgenommen und alles per Excelliste minutiös geplant. Allerdings hab ich jetzt keine Lust mehr auf die Sachen. Maultaschen. Brrr! Ich möchte Shakshuka, Sushi, Bibimbap oder wenigstens einen kleinen Avocado-Mash-Bagel.

Während ich in meinem Bett liege und versuche einzuschlafen, fühle ich mich wie im Dschungelcamp (, das ich aus intellektuellen Gründen natürlich niemals persönlich gesehen habe!). Jeden Tag nur Nudeln mit Knoblauch, Würstchen mit Kartoffeln, Rührei, Arme Ritter, Salat, Müsli und Gulasch! Wie soll ich das aushalten? Ich wälze mich unruhig hin und her.

Und noch ein Nachtrag zu den Mücken:

Diesen Rat der Nichte habe ich befolgt. Mir ist irgendwann eingefallen, dass man Mückenstiche auch ausbrennen kann. Ich habe dafür Zuhause (!) ein Gerät*, das ich wirklich jedem wärmstens empfehlen kann. Frisch gestochen, brennt man sich die Stelle geschwind aus und es juckt nicht. Wirklich wahr! In der Gebrauchsanweisung des Geräts steht, es sei auch für Kinder geeignet. Das kann ich nicht bestätigen. Meine Kinder schreien bei der Anwendung so, als würde man sie foltern. Auch ich glaube immer, dass ich diesmal wirklich eine TOTAL KRASSE Brandblase haben werde – aber das passiert nie. Es passiert nicht, weil die Höchsttemperatur natürlich gedeckelt ist. Billiger kann man Mückengift in seine Einzelbestandteile zerlegen, wenn man sich einen Löffel heiß macht. Man fühlt sich dabei ein wenig junkieesk, denn man macht das über einer Flamme. Ich habs über der Flamme des Gasherds gemacht. Gefühlte vier Millisekunden und JAAAAAAAAAAUUUUUUUUUUU AHHHHH AAAUUUUUUUU – was soll ich sagen: Offenbar kann man Metall in vier Millisekunden auf rund 1.000 Gard erhitzen.

Ich bin jetzt juckreizfrei, habe allerdings ein paar Brandlöcherblasen und bin damit (s.o.) das Gruseligste im Wald. *highfivemitmirselbst*

Apropos heiß.

Am Nachmittag sitze ich auf der Bank vor dem Haus in der Sonne und höre Breitband. Das Internet wie es gewachsen ist und wie ich es kennengelernt habe, ist (bald) verloren, so jedenfalls Dave Winer (Sendung vom 12.05.) und Evgeny Morozov (Sendung vom 21.04.).

Die Sonne ist 149.600.000 km entfernt und ich spüre ihre Wärme. Ist das nicht faszinierend? Komischerweise ist die Sonne im Mai weiter von der Erde entfernt als im Dezember. Muss irgendwas mit dem Winkel zu tun haben. Was weiß denn ich. Ich kann nicht denken. Es ist einfach zu heiß. 23 Grad oder so.

Es ist 16.30 Uhr. Ich habe Kopfschmerzen. Ich schaffe mein Soll an entspannenden Freizeitaktivitäten wohl heute nicht mehr


*Amazon-Werbelinks

Lies auch Tag 1Tag 2 und Tag 3 meines Urlaubs.

Neu: Micropaying-Dienste sind tot. Aber Du  kannst mir etwas spenden, damit ich mir bald wieder Bibimbap kaufen kann.

30 Gedanken zu „Mosaike, Feministen und immer noch Mücken“

  1. Das mit dem Handy als biteaway Ersatz kannte ich auch noch nicht, coole Idee!

    Oh, und kurz zur Sonne, es ist – in erster Iteration – doch relativ einfach. (Sorry liebes Nuf, Du hast mich getriggert mit der Beiläufigkeit was einen naturwissenschaftlichen Sachverhalt angeht. :D )

    Tatsächlich ist das bisschen Entfernung mehr oder weniger das durch die elliptische Bahn entsteht nicht maßgeblich für die Temperaturen hier, die Jahreszeiten hängen nicht davon ab.
    Entscheidend ist die Neigung der Erdachse, die dafür sorgt dass die Sonne im Winter (auf der entsprechenden Halbkugel) einfach kürzer (u.U. nur wenige Stunden) und in flacherem Winkel auf die Oberfläche scheint .

    Einfache Gegenprobe: Läge es an der Elliptischen Bahn dann täte die Halbkugel auf der man sich befindet nichts zur Sache.

    Gruß
    Aginor

  2. Das Handy eignet sich hervorragend als biteaway Ersatz. Einfach die Taschenlampe einschalten und einige Sekunden auf die Haut drücken. Nicht ganz so fix wie ein Gasherd, aber geht auch – zumindest bei Android.
    Keine Ahnung wie heiß eine iPhone Lampe wird.

    Viel Erfolg!

Mentions

  • Maximilian Buddenbohm

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