[Anzeige] Let’s talk – Interview mit Rike Drust

Zusammen mit SCHAU HIN! Let’s talk S01E02 mit Rike Drust

Im Zentrum meiner Serie Let’s talk stehen die Chancen, die digitale Medien mit sich bringen. Nachdem ich in der ersten Runde v.a. allgemein über Nutzung und Plattformen gesprochen habe, soll es jetzt konkreter werden. Wie sieht Medienalltag bei anderen aus? Deswegen befrage ich in der 2. Staffel Eltern, wie sie in ihren Familien mit digitalen Medien umgehen: Ich freue mich im zweiten Teil etwas über den Familienalltag von Rike Drust zu  erfahren.

Rike Drust
Rike Drust (Foto: Andrea Rüster)

Rike Drust ist für mich eine der sympathischsten und v.a. lustigsten Frauen, die ich im Internet kenne (und das obwohl Frauen doch gar nicht lustig sein können!). Bevor ich regelmäßig ihr Blog Infemme gelesen habe, ist mir ihr erstes Buch Muttergefühle. Gesamtausgabe.* begegnet. Ich habe das Buch während einer Zugfahrt gelesen und musste so laut lachen, dass mich die Leute im Abteil ganz seltsam angeschaut haben. Ich liebe ihren Humor, und ich liebe ihre Ehrlichkeit und den unverstellten Blick auf die (Familien)Welt, die eben nicht immer schön ist. Deswegen ist auch ihre Fortsetzung Muttergefühle. Zwei.* unbedingt lesenswert.  Im Internet habe ich Rike schon das ein oder andere Mal Dinge sagen hören, die nahe legen, dass sie dem Serienstreamen nicht abgeneigt ist und auch wenn sie in ihrem Blog mit Vorliebe großartige Kinderbücher aus echtem Papier vorstellt, vermute ich auch bei ihr eine positive Einstellung zu den neuen Medien.

Wie viele Kinder leben in Deinem Haushalt und wie alt sind sie?

Wir haben zwei Kinder im Alter von vier und neun Jahren.

Ab welchem Kindesalter habt ihr begonnen euch mit dem Thema Medienerziehung aktiv auseinanderzusetzen?

Eigentlich immer erst, wenn es kompliziert wurde. Als der Große anfing, so etwas wie Ninjago zu gucken, da war er vielleicht so vier oder fünf und diese aggressive Kämpferei hatte direkten Einfluss auf seine Stimmung. Spoiler: keinen guten. Da haben wir das erste Mal aktiv eingegriffen und konsequenter ausgesiebt, was er gucken darf und wie lange.

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Auf einer Skala von 0 (Wir haben keinen Internetanschluss! Teufelszeug!) bis 10 (Wir möchten unsere Körper zurücklassen und unsere Gehirne ins Internet hochladen!) wo liegt ihr ungefähr?

7

Was sind eure Lieblingscomputerspiele, die beliebtesten Apps, beliebtesten YouTube-Kanäle, liebsten Streamingdienst-Serien und warum?

Der Große spielt obsessiv Minecraft über die App oder auf der Nintendo Switch Spiele wie Super Mario Odyssey oder Fifa 18. Die Kleine guckt am liebsten über Netflix kinderadäquate Serien mit Gruseln oder spielt mit Apps, die ich für ok befunden habe. Das sind meistens welche von Fox&Sheep oder die Toca Boca-Spiele. Ich spiele auch gern auf der Nintendo Switch, gucke viel Tutorials auf youtube, die mir sehr beim Basteln und Stricken helfen, und mein Mann und ich gucken zusammen am liebsten Serien. Wir nutzen Netflix, Amazon Prime und Sky. Vielleicht sollte ich bei der vorherigen Frage doch noch 9 schreiben?

Wie handhabt ihr das mit der Medienzeit in eurer Familie?

In der Woche darf der Große jeden Tag 20 Minuten, (Level dürfen bis zur nächsten Speichermöglichkeit gespielt werden) und die Kleine gar nicht. Mein Mann und ich gucken auch erst etwas, wenn die Kinder im Bett sind. Am Wochenende dürfen beide manchmal, bis sie fast viereckige Augen kriegen.

Wie kommt ihr zu Regeln, was die Mediennutzung angeht?

Meistens blöderweise, weil etwas nicht klappt. Wenn wir also merken, dass bestimmte Sendungen oder Spiele die Stimmung beeinflussen oder die Medienzeit einfach zu lang war, um ordentlich verarbeitet zu werden, überlegen wir uns, wie wir das besser hinkriegen.

Die meisten Eltern kennen das bestimmt: Es gibt Dinge, welche die Kinder total begeistern und man selbst möchte sich die Augen auskratzen. Fallen Dir da Beispiele ein? Wie gehst Du damit um?

Das sind sowohl Serien, die die Kinder gut finden (Barbie, Zoes Zauberschrank) oder auch Spiele. Diese Begeisterung für Minecraft zum Beispiel erschließt sich mir gar nicht. Mein Kind will dann, dass ich zugucke, und das einzige, das ich denke, ist: Interessant, dass du in deinem Minecraft-Haus immer schaffst, die Tür hinter dir zuzumachen. Da würdest du vermutlich auch deine Jacke aufhängen, was?

Die Medienmomente sollen sich ja auf den wirklich gelebten Alltag beziehen. Mal ehrlich, macht ihr Ausnahmen oder gibt es Zeiten in denen alles entgleitet? Wenn ja, wie sieht das aus und warum gibt es solche Situationen?

Klar gibt es die. Andauernd. Wenn die Kinder krank sind zum Beispiel, dürfen sie viel mehr gucken. Als der Große letzt mit Fieber Zuhause war, hat er so viel geguckt, dass er nach zwei Tagen lieber Memory spielen wollte. Auch wenn ich nachmittags doch noch was arbeiten muss, aber die Kinder Zuhause sind, erlaube ich ihnen (mehr) Medienzeit. Oder wenn wir einfach alle platt sind und der Mann und ich auch einfach was Gucken oder auf unser Handy starren wollen.

In welchen Bereichen stellt ihr manchmal fest, dass eure Kinder schon Experten sind und ihr hinterherhängt?
Der Große kann sich unglaublich schnell Neues aneignen. Wenn wir gleichzeitig ein neues Spiel auf der Switch anfangen, zum Beispiel, ist er innerhalb kürzester Zeit besser als ich. Er kann sich außerdem jedes Level bis in die hinterste Ecke merken, wohingegen ich sofort alles vergessen habe, weil ich eben wirklich nur zur Entspannung spiele. Und wenn er Fifa daddelt, dann kriege ich fast unkontrollierten Schwindel, wenn ich ihm zugucke.
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Was ist durch die digitalen Medien im Leben von Familien besser geworden?

Zuallererst das Frühstück am Wochenende.  :)

Huch? Was ist denn damit gemeint?

Also, der Mann und ich können hinter unseren Zeitungen verschwinden, weil die Kinder Netflix gucken.

Ihr lest tatsächlich echte Zeitungen?

Ja!

Welche Aspekte von digitalen Medien machen das Leben manchmal anstrengender als früher™ und warum?

Die Tatsache, dass es jederzeit so viel Content gibt, der eigentlich noch nix ist, bereitet mir Bauchschmerzen. Viele Kinder kommen echt früh auf die Idee, „Sex“ oder so in den Browser einzugeben und müssen dann so eine Breitseite von Bildern und Informationen verarbeiten. Das finde ich schwierig. Deshalb haben wir inzwischen auch das iPad, das besonders der Große nutzt, mit strengen Sicherheitsvorkehrungen präpariert.

Welche Frage sollte ich den anderen Interviewpartnern unbedingt stellen, weil Du Dich da gerne mal abgleichen würdest?

Mich würde interessieren, wie besonders die mit älteren Kindern mit der Kontrolle fieser Inhalte umgehen? Haben die Kindersicherungen? Wenn ja, welche?

Hast Du über das Thema digitale Medien selbst schon geschrieben? Wenn ja, welche Artikel aus deinem Blog sollte ich unbedingt gelesen haben?

Ich hab die Switch getestet, den Artikel fand ich lustig.

Vielen Dank Rike, ich muss unbedingt mal schauen, ob Kind 3.0 in Minecraft auch die Türen schließt!


Liebe Leserinnen und Leser, ihr habt es oben gelesen: Wie geht ihr (besonders die mit älteren Kindern) mit der Kontrolle fieser Inhalte um? Benutzt ihr Kindersicherungen? Wenn ja, welche?

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Weiterführende Links auf SCHAU HIN! zu diesem Interview:


*Amazon-Werbelinks

Lies auch Teil 1 der Interviewserie mit Maximilian Buddenbohm

52 Gedanken zu „[Anzeige] Let’s talk – Interview mit Rike Drust“

  1. Hallo,
    ich schau ja immer hier nach, wenn ich nicht weiter weiß, also großes Danke für die Serie! Kind x 10 Jahre
    Regeln: besprechen was gewünscht ist, was so spannend ist und warum.
    Keine festen Medienzeiten, bei Regen und Sturm mehr, bei Sonne ist draußen spielen angesagt, mit Freunden bei uns auch nur analog spielen. Geht manchmal erst nach murren, dann aber doch.
    Youtube nur mit mir zusammen
    Internetnutzung bei Oma: soll Kindersuchmaschine Fragfinn nutzen, ob es das macht? Habe aber über fiese Bilder/Filme gesprochen und bisher hat es mit mir gesprochen, wenn mal was krass war ( das war aber dummerweise in der Schule…)
    Das Kind geht schon immer raus, wenn ihm ein Film was zu krass ist, auch im Unterricht :-) Sowas unterstütze ich, auch wenns der Schule nicht immer gefällt.
    Bitte mehr zum Thema
    Ach ja, Make Love kann ich auch empfehlen und auch besonders Frauenkörper neu gesehen und ,Vom Ursprung der Welt’für Mädchen ab
    ~12. (das Große ist schon 18)

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  2. sehr gerne gelesen!
    Und die Frage nach *Kindersicherung* finde ich als Kinderlose auch spannend! Kann man da überhaupt den Riegel vorschieben? Macht das Sinn, wenn Kind einfach ausweichen kann etwa über Medien-Möglichkeit des Klassenkameraden…? Wirkt sich das in irgendeiner Form auf Themen wie beispielsweise *sexuelle Aufklärung* aus?

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    1. Persönlich halte ich nichts von Filtern, weil die Kinder ja doch machen was sie wollen – nur eben woanders.
      Ich hoffe immer, dass es hilft wenn man vorher ausführlich mit den Kindern spricht. „Fies“ muss ja nicht Pornografie sein. Ich hoffe, es ist am Ende wie beim Fernsehen – dass die Kinder von alleine abschalten, wenn es sie ängstigt. So habe ich das als Kind gemacht.
      Ich glaube, der Reiz sich alles mögliche reinzuziehen ist größer, je verbotener das Ganze ist. Wenn man zuhause schon Tonnen von guten Aufklärungsbüchern gewälzt hat, dann ist das vielleicht gar nicht mehr so verlockend. Es wird ja immer unterstellt, dass sich Kinder und Jugendliche einfach alles reinziehen, was irgendwie geht. Das ist doch Unsinn.

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        1. Ja: Für große Kinder (ab Teenageralter): Make Love.
          Nicht klassisch Aufklärung, aber zum Thema Sexualität und Rollen etc. (auch für Große oder Erwachsene): Der Ursprung der Welt
          Für jüngere Kinder: „Mein erstes Aufklärungsbuch“ (ab 5), „Wie ist das mit der Liebe?“ (ab 9) und unser Favorit „Klär mich auf: 101 echte Kinderfragen rund um ein aufregendes Thema“
          Lustig fanden wir als Gesprächsaufhänger auch: „Mutter sag, wer macht die Kinder“. Aber da scheiden sich die Geister, wie du in den Rezensionen lesen kannst.

          Tatsächlich haben wir einfach einen ganzen Stapel im Regal frei verfügbar stehen.

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  3. Schade, dass es bisher keine Kommentare dazu gibt.
    Meine Aufklärung (jenseits des biologischen Vorgangs, wo die Kinder herkommen) fand zum Großteil durch die Bravo statt. Die Fragen und Geschichten bei Dr. Sommer waren sicher ähnlich echt wie Gerichts-Shows und Reality-TV, aber das Bild, das von den ersten Liebes-Versuchen Jugendlicher gezeichnet wurde, war doch ganz ok. Sowas vermisse ich für meinen 13jährigen bzw. wüsste ich gern, wie ich ihm eher sowas als irgendwelche Porno-Seiten („fiese Inhalte“) zum Selbststudium anbieten könnte. Das Blöde ist, dass man in dem Alter schlecht als Mutter daneben sitzen kann, das hätte ich damals als Teenie auch nicht gewollt.
    Vielleicht hat ja noch jemand einen Tipp, denn einfach nur Sperren und Verbieten kann nicht der richtige Weg sein. Drüber reden und zusammen geeignetes Material suchen ist aber gerade bei dem Thema schwer. Über manches spricht man einfach nicht mit seinen Eltern und erst echt nicht, wenn die mit dem Thema ankommen.

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    1. Für 13-jährige kann ich das Buch „Make Love“ von Ann-Marlene Henning wirklich empfehlen! Ganz unverkrampft, ganz viel „das ist alles okay so!“ und kein pädagogischer oder sonst wie gearteter Zeigefinger. Kann man ja mal aus Versehen rumliegen lassen, wenn das direkte Gespräch gerade echt nicht geht.

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      1. Das haben wir auch und ich kann es auch empfehlen. Toll sind Aufklärungsbücher auch dann, wenn sie mehr als das Kindermachenthema beleuchten. Das interessiert Teenager ja nun wirklich am allerwenigsten (und ist doch Fokus in den meisten Büchern oder in der Schule).

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    2. Gerade da würde ich mich auf YouTube umsehen. Da gibt es zwar viel fürchterliches (junge Leute, die sexistische Klischees happy wiederkäuen), aber wohl auch manches Gutes. Bisher fehlt mir persönlich da noch der Überblick, weil das bei uns noch nicht aktuell ist, aber ich würde bei Leuten wie Fräulein Chaos, Klein aber Hanna und It’s Coleslaw anfangen.

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