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ElterngeldPlus unterstützt die Vereinbarkeit von Job und Familie

Vieles war mir, bevor die Kinder dann da waren, nicht bekannt. Banale Dinge wie z.B. dass man ein Kind in der Regel erst zum August in den Kindergarten geben kann. Ich dachte, man sei da an kein Datum gebunden. Mein erstes Kind wurde im Frühling geboren. Ich habe 12 Monate Elternzeit eingereicht und hatte dann keinen Betreuungsplatz und musste alles neu aushandeln. Das war organisatorisch und finanziell eine Herausforderung.

Tatsächlich werden die Kindergartenplätze mit der Einschulung eines anderen Kindes erst frei. D.h. ein Kind kommt in die Schule, ein anderes Kind bekommt den frei gewordenen Kindergartenplatz. Gut für alle Eltern, deren Kinder zwischen August und maximal Oktober geboren worden sind, „doof“ für alle anderen.
Zumindest, wenn man, wie in Berlin relativ üblich, nach einem Jahr Elternzeit wieder arbeiten gehen möchte.

Ich schätze mich in der glücklichen Lage, den familienfreundlichsten Arbeitgeber der Welt zu haben und mit einigen Absprachen haben wir ein gutes Wiedereinstiegsmodell gefunden. Beim ersten Kind habe ich Teilzeit von Zuhause aus gearbeitet und beim zweiten Kind konnte ich meine Elternzeit verlängern bis ich schließlich Teilzeit wieder eingestiegen bin. In beiden Fällen habe ich meinen alten Job wieder bekommen und zu keinem Zeitpunkt irgendeine Art von Druck erfahren. Ganz anders bei gefühlt 70% meines Freundeskreises. Da erfahren die Mütter, man kann es wirklich nicht anders sagen, die absurdesten Formen von Diskriminierung wenn es darum geht in den alten Job zurück zu kehren.

Teilzeit zu arbeiten, stellt für mich einen der Hebel zur Vereinbarkeit dar. Bestenfalls arbeiten beide Partner zeitversetzt Teilzeit und teilen sich die Erziehungsarbeit 50/50*.

Theoretisch jedenfalls. Praktisch sieht es so aus, dass ein Großteil der Kinderversorgungsarbeit sowie Haushaltstätigkeiten weiterhin an den Frauen hängen bleibt. Selbst wenn man auf die Führungsetagen schaut, „kümmern sich [die Frauen] fast doppelt so lange um den Nachwuchs wie Männer in einer vergleichbaren Position.

Ich habe ein bisschen Hoffnung, dass sie Einführung des ElterngeldPlus diese Verteilung langfristig ändert. ElterngeldPlus gilt für alle, die nach dem 1.7.2015 ein Kind bekommen haben oder bekommen werden.

Sehr einfach gesagt, bietet das ElterngeldPlus die Möglichkeit aus einem Monat Elterngeld (in dem man gar nicht erwerbstätig ist) zwei Monate ElterngeldPlus zu machen, wenn man nach der Geburt des Kindes bis zu 30 Wochenstunden arbeiten geht.
Bislang war es so, dass das Teilzeiteinkommen auf das Elterngeld angerechnet wurde, mit der ElterngeldPlus-Reform kann jetzt das halbe Elterngeld parallel bezogen werden. Das bringt tatsächlich mehr Geld, wie man mit dem Elterngeldrechner prüfen kann.

Was ich im Sinne von Gleichberechtigung super finde: „Entscheiden Mütter und Väter sich, zeitgleich mit ihrem Partner in Teilzeit zu gehen – für vier Monate lang parallel und zwischen 25 bis 30 Wochenstunden – erhalten sie mit dem Partnerschaftsbonus vier zusätzliche ElterngeldPlus-Monate.

Es werden also deutliche Anreize gesetzt, die Erziehungsarbeit gleichwertig zwischen beiden Partnern aufzuteilen.

Neben den finanziellen Aspekten, kann durch die Einführung des ElterngeldPlus die Elternzeit flexibler gestaltet werden. Zum Beispiel ist es möglich, maximal 24 der 36 Monate Elternzeit bis zum vollendeten achten Lebensjahr des Kindes in Anspruch zu nehmen. Eltern können diese Elternzeit in bis zu drei Abschnitte aufteilen. Arbeitgeber können erst vor dem dritten Abschnitt dringende betriebliche Gründe anführen, wenn sie einen Antrag ablehnen wollen, was der BDA kritisiert**.

Schön für Elternpaare! Was ist denn mit den Alleinerziehenden?

Alleinerziehende können das ElterngeldPlus inklusive Partnerschaftsbonus natürlich auch nutzen. Alles andere würde ja nicht wirklich Sinn ergeben!

Wie gut das ElterngeldPlus letztendlich den Familien in Sachen Vereinbarkeit hilft, wird sich zeigen. Auf jeden Fall macht es flexibler und bringt mehr Geld in die Familienkasse wenn (beide) Partner Teilzeit arbeiten gehen. Wenn ich mit FreundInnen über Vereinbarkeit spreche, dann geht es immer wieder um mangelnde Flexibilität. Da sollte das ElterngeldPlus einen größeren Handlungsspielrahmen eröffnen. Persönlich finde ich sehr gut, das Paare so von Anfang an überlegen, ob es nicht sinnvoll ist, wenn beide Elternteile Teilzeit arbeiten. Vielleicht mindert diese Option das ganze Thema Frauen Wiedereinstieg in den Job, Altersarmut etc.***

Dennoch – es bleibt kompliziert. Meine persönliche Empfehlung ist deswegen – ausführlich mit dem Partner besprechen, wie man sich das die nächsten Jahre vorstellt, ein Modell entwerfen und dann bei der Beantragung des Elterngelds einen Termin im Amt ausmachen. Wenn nicht beide vor der Geburt Vollzeit als Angestellte arbeiten, ist der Antrag – sagen wir komplex. Die Damen und Herren beim Amt haben viel Erfahrung und führen einen gemeinsam durch den Formulardschungel. Man erspart sich ein Antragspostpingpong.

Zusammenfassend

Mit dem ElterngeldPlus wird es ab 1.7.2015 für Eltern einfacher, Elterngeldbezug und Teilzeitarbeit miteinander zu kombinieren. Paare können nun wählen, ob sie nach der Geburt gar nicht erwerbstätig sein wollen (und weiterhin das bereits bekannte Elterngeld beziehen) oder aber, ob sie bis zu 30 Wochenstunden arbeiten gehen wollen (und dann ElterngeldPlus beziehen). Sollten sich Mutter und Vater entscheiden gleichzeitig Teilzeit arbeiten zu gehen, erhalten sie mit dem Partnerschaftsbonus vier zusätzliche ElterngeldPlus-Monate.

Im nächsten Schritt wird dann hoffentlich etwas in Sachen Kinderbetreuung und v.a. Krippenplätze getan.

Weiterführende Links

FAQ zum Elterngeld PLUS

ElterngeldPlus in Leichter Sprache

Mehr Geld für teilzeitarbeitende Eltern, Zeit Online (inkl. Rechenbeispiel)

 

32 Stunden sind genug, Süddeutsche Zeitung

„Arbeitgeber müssen ihren Mitarbeitern zutrauen, auch in weniger Stunden ihren Job hinzukriegen, ja sogar führen zu können. Weg von ewigen Abendschichten, hin zu Doppelspitzen und Jobsharing-Modellen; und keine Konferenzen mehr nach 16 Uhr. Die effizientesten Mitarbeiter sind schon jetzt Mütter in Teilzeit, weil sie sich schlicht aus Zeitmangel die Hälfte der Flurgespräche sparen.“


 

*Allen Paaren, die ein 50/50 Modell in Sachen Kindererziehung und Arbeit anstreben, empfehle ich übrigens das Buch „Papa kann auch stillen

** Die Kritik lautet dass das Aufsplitten der Elternzeit in drei Teile die die betriebliche Personalplanung erheblich belaste, weil bei jeder Elternzeit bis zu drei Mal Ersatz gesucht werden müsse. Besonders für kleine und mittlere Unternehmen sei dies schwer umzusetzen.
Ich kann dazu nur sagen: Sollte Elternzeit wirklich in drei Teile gesplittet werden, wird sie dadurch aber deutlich kürzer und somit leichter zu überbrücken sein. Unternehmen werden sich umstellen müssen. Know-how nicht auf einzelne Personen zu konzentrieren ist immer sinnvoll – auch im Sinne einer allgemeinen Vertreterregelung. Es gibt durchaus Möglichkeiten Wissen ordentlich zu dokumentieren und an mindestens eine weitere Person zu übertragen. Das ist auch im Sinne des Unternehmens.

Die Elternzeit muss im Übrigen nun mit 13 statt mit 7 Wochen Vorlauf angekündigt werden. Ich finde das ist ein Planungshorizont mit dem man gut arbeiten kann.

***Das wäre ein ganzer Artikel, deswegen nur die Stichworte


 

Dieser Text ist mit freundlicher Unterstützung vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend entstanden.

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Andreas Murkudis

Als ich die Nachricht bekomme, dass ich bei der GLS Blog-Kooperative dabei bin, freue ich mich sehr. Ich schreibe meistens kurze Texte und hab nur wenig Zeit. Mir gefällt die Idee, mich mal länger mit etwas auseinanderzusetzen. Natürlich habe ich eine bestimmte Erwartung welche Art Projekt mir zugewiesen wird. Die GLS Bank fördert laut Website vor allem soziale, sinnstiftende und ökologische Projekte. Ich rechne mit einem Bio-Bauernhof, einer Behindertenwerkstatt oder einem Jugendprojekt. Als ich die Mail bekomme, über wen ich schreiben soll, bin ich total (sagen wir es ehrlich) enttäuscht. „Wir haben für dich Andreas Murkudis ausgesucht.“ Aha, kenne ich nicht. Ich google also und gelange auf seine Website und verstehe nur Bahnhof:

Aspesi, Barena, Boglioli, Bouchra Jarrar, Céline, Christophe Delcourt, Common Projects, CristaSeya, Dries Van Noten, E15, Felisi, Giorgio Brato, Isaac Reina, J. W. Anderson, Kolor, Kostas Murkudis, Leica, Ludwig Reiter, Lutz Huelle, Mackintosh, Maison Margiela, Mansur Gavriel, Marni, Marsèll, Michael Anastassiades, Mykita, Neri Firenze, Nymphenburg Porzellan, Officine Generale, Oyuna, Roberto Collina, Rosa Maria, Samuel Gassmann, Saskia Diez, Society, Sofie D´hoore, Sophie Bille Brahe, Stephanie Schneider, The Row, Tonello, Truzzi, Und Gretel, Venini, Werkstatt München, Yohji Yamamoto

Nun. Sagt mir alles rein gar nichts.

Ich schaue auf einen fast schon leer anmutenden Verkaufsraum und klicke als nächstes auf „Shop online“. Es geht irgendwie um Designer und Life Style. Luxus, soso. Meine Laune verschlechtert sich. Die meisten Artikel kosten deutlich über 500 Euro.

Ich frage mich: Warum ausgerechnet ich? Ich interessiere mich nicht für Life Style. Ich kenne keine Marken, sie interessieren mich nicht und ich bin furchtbar geizig.

https://twitter.com/dasnuf/status/591668133187977217

Warum  tun mir die von der GLS Bank sowas an und vor allem was haben die denn bitte mit so jemanden zu schaffen?

Die folgenden Tage lese ich Interviews mit Andreas Murkudis, schaue mir Videos an und besuche sogar einen seiner Concept Stores im Bikini-Haus. Concept Store. Nie gehört das Wort vorher und ich verstehe es auch nicht.

Concept Stores sind laut Wikipedia Läden „mit einer ungewöhnlichen, meist hochwertigen Kombination von Sortimenten und Marken. Concept Stores vertreten eine moderne Auffassung von erlebnisreichem Einkaufen und Kundenbindung„.

Mittelprächtig gelaunt stapfe ich durch einen der besagten Läden. Drei gibt es allein im Bikini-Haus. Da hängen Kleidungsstücke, ja nun. Es gibt Kosmetika, Schmuck, ich sehe Dekoartikel aus Holz. Ich erkenne kein Konzept. Wie passt das alles zusammen? Was soll das? Ist das irgendwie ökologisch? Sozial? Sinnstiftend ganz bestimmt nicht. Wenigstens an dem Holzzeug steht: Aus heimischen Hölzern. Irgendwas mit nachhaltig. Ja, ja. Schönes Buzzword. Ich schlendere durch den Laden, der in beide Richtungen in einen weiteren Laden übergeht. Nach zehn Minuten bin ich fertig. Das wird ein Spaß.

[caption id="attachment_6563" align="aligncenter" width="640"]bikiniberlin #bikinihaus toll! 1A Bahnhofsakustik. Absurd teure Läden und man kann auf Affenpopos schauen.[/caption]

Ich fahre wieder nach Hause, öffne den Browser, recherchiere wieder. Im Grunde lese ich in allen Artikeln das selbe – egal ob Zeit, Vogue oder Süddeutsche: Andreas Murkudis ist eine Art Kurator für hochwertige Konsumartikel. Alles ist handverlesen. Seine Läden sind in ganz Europa bekannt. Er ist sowas wie ein Star in Sachen Concept Stores.

Ich schreibe also an die mir übermittelten Kontaktdaten eine Mail. Ich denke, ich sag mal offen wie es ist: Ich bin keine Life Style Bloggerin, hab keine Ahnung von Mode und werde auch ohne großes Interview- und Fotoequipement kommen.

Kein Problem, antwortet mir die Assistentin. Ein Termin ist schnell gefunden. Man ist sehr entgegen kommend. „Kommen Sie in unser Hauptgeschäft in der Potsdamer Straße, die Läden im Bikini-Haus sind nur Ableger.“

Zum vereinbarten Termin fahre ich mit der U-Bahn. Nicht gerade das schönste Viertel Berlins. Alles ein bisschen schmuddelig, viele Baustellen, nicht gerade einladend. Wenn man die Adresse nicht kennt, ahnt man nicht, dass sich im Hof ein gut 1.000 Quadratmeter (!) großes Geschäft versteckt. Ganz klein steht vorne an dem Durchgang zum Hof der Schriftzug „Andreas Murkudis“.

Eingang

Etwas verschüchtert betrete ich den Laden. Nicht meine Welt. Ich hab H&M Klamotten an und fühle mich schäbig. Drinnen werde ich herzlich begrüßt. Ich sage meinen Namen und dass ich zu Herrn Murkudis möchte. „Ich gebe gerne Bescheid, wollen Sie ein Glas Wasser oder einen Kaffee vielleicht?“. „Wasser“. Ich sehe mich um und sehe ein Sofa, auf dem ich Platz nehme. Hoffentlich kein Verkaufsstück. Das wäre ja ein schön peinlicher Einstieg ins Gespräch. Das Sofa ist schlicht und über die Lehne gelegt ist eine Decke, auf der „Kosta“ zu lesen ist. Kosta Murkudis ist der Bruder von Andreas Murkudis. Das weiß ich aus meinen Recherchen. Er ist Modedesigner und so bekannt, dass er einen eigenen Wikipedia-Eintrag hat.

Ich warte nicht lange, bis Andreas Murkudis kommt. Er läuft auf mich zu, sagt Hallo und dreht dann noch mal ab, um der Verkäuferin etwas zu sagen, dann kommt er wieder und setzt sich. Er wirkt sehr gehetzt. Schnell erklärt sich warum: Am Wochenende, im Rahmen des Gallery Weekends steht eine große Eröffnung an. Das verfallene Kaufhaus Hertzog in Mitte wurde wiederbelebt, um die Dries Van Noten Frühlings/Sommer Kollektion zu präsentieren. Es gibt offenbar noch Baumängel. Er drückt mir einen Flyer in die Hand und fängt an zu reden. Aha, so einer, der nur werben will, denke ich und dann sagt er: „Ich habe nur sehr wenig Zeit.“

Wie ärgerlich, denke ich und frage: „Wie lange ist nur sehr wenig?“ „Zehn, vielleicht fünfzehn Minuten“, sagt er. Ich bekomme wieder schlechte Laune. Was soll ich in 15 min aus unserem Gespräch ziehen. Egal, das ziehe ich jetzt durch.

Ich falle also mit der Tür ins Haus. „Ehrlich gesagt, verstehe ich nicht, was Sie mit der GLS Bank verbindet. Ich hätte eher gedacht, ich bekomme einen Bio-Bauern oder ein Bildungsprojekt zugewiesen.“ Andreas Murkudis lacht: „Ja, die GLS Bank hat das scheinbar auch nicht so richtig verstanden.“ „Dann ist das die Gelegenheit das nochmal zu erklären.“ In der Zwischenzeit ist Andreas Murkudis aufgestanden, er zeigt mir eiförmige Vasen der Porzellan Manufaktur Nymphenburg.

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„Die hier zum Beispiel, die haben eine Geschichte. Mich fasziniert handwerkliche Kunst, vor allem dann wenn sie etwas sehr traditionelles hat. Diese Vasen, werden aus Porzellanmasse gefertigt, die handgeknetet ist. Sie müssen sich das so vorstellen, da sitzt ein kräftiger Typ, der auch noch Zeus heisst und knetet die Masse solange bis sie blasenfrei ist.“ Ich wage nicht auf den Preis zu schauen, aber die Vorstellung gefällt mir. Sehen ja hübsch aus. Die Porzellan Manufaktur Nymphenburg gibt es seit 260 Jahren. „Stellen sie sich das Mal vor! 260 Jahre und in der Art wie diese Vasen hergestellt werden, hat sich fast nichts geändert. Firmen wie Nymphenburg erhalten das kulturelle Gedächtnis. Ja, das hat was anachronistisches, aber ich finde das toll. Und ja Handarbeit hat ihren Preis.“

Noch bevor ich anmerken kann, dass die Preise tatsächlich ziemlich hoch sind, sagt Andreas Murkudis: „Es ist richtig, dass die Preise eine gewisse Schicht ausgrenzen. Das ist so und es ist auch nicht leicht, Menschen, die ausreichend Geld haben, zu überzeugen genau dieses in einzelne Stücke zu investieren, wie ich sie in meinen Läden anbiete,“ führt er weiter aus. „Am Ende will ich durch Qualität überzeugen. Qualität der Produkte und Qualität der Beratung.“

Ich frage ihn, ob das der Grund ist, dass er keine Werbung macht und drauf vertraut, dass man ihn kennt. Es gibt ja nicht mal ein ordentliches Ladenschild. „Ja, der größte Teil der Kunden sind Stammkunden. Manche Kunden kommen auch extra zu bestimmten Anlässen in den Laden. Zum Beispiel wenn wie jetzt gerade das Gallery Weekend stattfindet.“

Murkudis erzählt mir, dass es wirklich Arbeit ist die einzelnen Stücke im Laden zu verkaufen. Die Beratung muss eine hohe Qualität haben. Die Dinge müssen zu den Leuten passen und sie müssen eine Wertschätzung für die Gegenstände entwickeln. Deswegen werden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kontinuierlich von den Herstellern geschult, die neu ins Sortiment kommen.

Um den Druck zu nehmen, erhalten sie im Gegensatz zu dem, was in diesem Bereich normalerweise üblich ist, keine Verkaufsprovision sondern ein gutes Festgehalt. Ich notiere mir das. Vielleicht habe ich später noch Gelegenheit eine der Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter zu befragen.

„Wie kann ich mir denn die Käuferinnen und Käufer vorstellen?“, frage ich ihn.

„Das sind auf jeden Fall nicht diese Klischeefrauen, wie man vielleicht annimmt. Gelangweilte Ehefrauen gut verdienender Männer, die das Geld des Mannes ausgeben. Das sind ganz unterschiedliche Menschen, die bedarfsorientiert einkaufen gehen.“ Er erzählt mir, dass die meisten mit einem konkreten Anliegen herkommen. Sie suchen ein Geschenk oder etwas, das ihnen noch fehlt. Sie zählen auf die Beratung und darauf, dass sie nichts aufgeschwatzt bekommen. Am Ende kommen sie wieder, so Murkudis, weil sie von dem was sie gekauft haben, überzeugt sind. Von der Qualität und der damit verbundenen Langlebigkeit. Murkudis scheint es am Thema Langlebigkeit zu liegen. Langlebigkeit der Produkte, Langlebigkeit der Beziehung zu den MitarbeiterInnen, Langlebigkeit zu den KundInnen und nicht zuletzt Langlebigkeit der Beziehungen zu den DesignerInnen, die er in seinem Laden verkauft. Er erzählt mir von Lutz Hülle. Lutz Hülle ist ein Designer, der vor allem in Frankreich sehr bekannt ist. Hier in Deutschland hat er sich nie richtig etablieren können. Murkudis aber glaubt an die Qualität und die Ideen von Lutz Hülle. Seit neun Jahren hat er ihn in seinem Sortiment.

Murkudis erzählt mir, dass es in der Branche gang und gäbe ist, dass Kollektionen, die bis Mitte der Saison nicht zu 60% verkauft sind, zurück an den Hersteller zu schicken und sie aus dem Sortiment zu nehmen. Die Verkäufe der Lutz Hülle Kollektion liefen alles andere als prächtig. Murkudis hält aber fest an dem Designer. Er behält die Stücke. Später finde ich in der Welt ein Zitat dazu „Die deutschen Einzelhändler sind nicht besonders wagemutig, sie schauen nicht nach rechts und nach links. Sie wollen einfach eine Klientel bedienen, die Geld hat, und kaufen ganz platt bekannte Marken ein. Keiner hat Lust darauf, Designer zu etablieren.“ Tatsächlich verkauft sich Lutz Hülle in der letzte Zeit plötzlich ganz gut. „Die Ausdauer und Beharrlichkeit hat sich gelohnt.“ schließt Murkudis das Thema ab.

Wir schlendern durch den Laden. Andreas Murkudis erzählt mir zu sehr vielen Artikeln eine Geschichte. Er weiß wo und zu welchen Bedingungen alles hergestellt wird. Er kennt sich aus mit den Materialien und man merkt ihm seine aufrichtige Begeisterung an. Immer wieder geht es um das kulturelle Gedächtnis, um Traditionen, um Handarbeitskunst und um Langlebigkeit. „Etwas, das man hier kauft, wird man lebenslang besitzen.“

Über 8.000 Produkte hat er in seinem Laden ausgestellt, der mich von der Anmutung an ein Museum erinnert. Gut 200 kosten unter 100 Euro. Murkudis zeigt mir eine Schuhcreme von Ed Meier. Die Glasbehälter sehen kunstvoll aus. Murkudis schraubt einen auf und hält ihn mir unter die Nase. Instinktiv rümpfe ich die, Schuhcreme ist meistens ja kein olfaktorisches Hocherlebnis. Die Schuhcreme allerdings riecht angenehm. „Sieht gut aus, oder? Wie Nutella!“ Murkudis freut sich und er hat Recht. Man möchte eigentlich gleich mit einem Löffel ins Glas. Murkudis indes erzählt mir total begeistert was über Schuhpflege. Am Ende habe ich das dringende Bedürfnis diese Schuhcreme zu kaufen. Murkudis ist wirklich ein guter und überzeugender Verkäufer. Zum Glück bin ich so geizig. Noch eine halbe Stunde länger und ich hätte angefangen Dinge zu kaufen. Als Übersprungshandlung kritzle ich auf meinen Notizblog „Schuhcreme. Geschenk für Papa?“

Wir sind schon viel länger als eine halbe Stunde unterwegs. Ich bin schon ganz weich geredet. Finde alles nachvollziehbar und merke wie ich meine Übellaunigkeit und Skepsis schon in den ersten Minuten fröhlich über Bord geworfen habe.

Ich versuche wieder etwas kritischer zu werden und frage mich, ob man das wirklich komplett so durchziehen kann? Im eigenen Laden und im eigenen Leben?

Wir kommen auf Kinder zu sprechen. „Meine Tochter findet diese Dinge hier alle gar nicht so spannend. Die will das, was ihre Freundinnen haben und das ist H&M. Es ist gar nicht so leicht, sie davon zu überzeugen, dass es besser ist einige wenige, wertige Stücke zu haben als eine ganze Reihe minderwertiger Kleider, die zudem unter schlechten Bedingungen hergestellt wurden. Man muss lernen mit diesen Widersprüchen umzugehen.“

Wir sprechen weiter über Ernährung und das eigene Konsumverhalten, fragen uns warum es Menschen verantworten können bei Primark und Co. einkaufen zu gehen. Ich finde alles nachvollziehbar und glaubhaft. Andreas Murkudis erscheint mir ungewöhnlich offen und ehrlich.

Wir bleiben vor mehreren Tischen stehen. ClassiCon Bell Table steht da. Verschiedenfarbige Tische mit bauchigen Glasfüßen, die aussehen wie umgedrehte Vasen. Die Tischplatte ist in Metall eingefasst. Der Glasfuß ist mundgeblasen. Bevor der Bell Table in Serie ging und zum „Verkaufsschlager“*, stand die Manufaktur kurz vor dem Konkurs. Jetzt, da sich der Tisch gut verkauft, konnten nicht nur bestehende Arbeitsplätze erhalten sondern auch neue geschaffen werden. „Sowas ist doch großartig, oder?“, fragt Murkudis.

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In der Zwischenzeit ist schon eine dreiviertel Stunde vergangen. Das Telefon hat gut fünf mal geklingelt und es haben sich Menschen im Laden gesammelt, die alle auf Herrn Murkudis warten. Andreas Murkudis ist jetzt aber in Fahrt, ich höre noch viele Geschichten zu einem Nagelpflegeset von Neri Firenze, Bettwäsche der Ege-Textilmanufaktur und Schmuck von Stephanie Schneider.

Nach einer Stunde verabschiedet sich Andreas Murkudis. Am Verkaufstresen steht mittlerweile eine ganze Gruppe von Menschen, die auf ihn warten. Ich darf gerne noch Bilder machen und mich umschauen.

Tatsächlich laufe ich noch ein bisschen durch den Laden und berühre einige der Artikel, die wir uns vorher angeschaut haben. Die Materialien sind wirklich toll. Gerade bei bestimmten Lederverarbeitungen ist der Impuls des Anfassens kaum zu unterdrücken.

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Hinter der Kasse hängen Kinderzeichnungen. Das erfüllt mich mit Freude. Ich finde es toll, wenn Kinder sichtbar sind. In einem Laden, der eigentlich Luxusartikel verkauft, hätte ich das nicht erwartet. Ich spreche die Mitarbeiterin an der Kasse an. Sie erzählt mir, dass es sich um Zeichnungen der Kinder von Andreas Murkudis handelt. Manchmal sind sie auch im Laden. Ich ergreife die Chance und frage die Mitarbeiterin, ob sie gerne hier arbeitet. Am Anfang ist sie etwas zögerlich mit den Antworten. Sie arbeitet seit einigen Jahren hier, ist gerade aus der Elternzeit zurück gekommen. Elternzeit anzukündigen fällt vielen Frauen nicht leicht. Schnell kämpft man mit einem schlechten Gewissen. Ihr wurde aber gleich signalisiert, dass es völlig klar sei, dass ich danach wieder in ihren alten Job zurück kommen könne.

Ich freue mich über diese Aussage, denn in meinem Freundeskreis höre ich sehr oft, wie viele Steine Frauen in den Weg gelegt werden, die aus der Elternzeit zurück kommen wollen. Ich frage nach der Sache mit der Provision. Ja, das stimmt, bestätigt die junge Frau. Im Vordergrund stünde immer das Team. Es gäbe natürlich zwei bis drei MitarbeiterInnen, die wirklich gute Verkäufer sind, aber am Ende mache hier jeder das, was er besonders gut kann und würde dafür geschätzt. Niemand würde hier unter Druck gesetzt.

Wir reden noch ein bisschen. Im Hintergrund sehe ich einen zweiten Mitarbeiter durch den Laden gehen. Er rückt die Artikel gerade und poliert, wo nötig ist. Als die Sonne durch die Fenster scheint, entfernt er winzige Schlieren an den Glasscheiben. Er ist sehr präzise. Man sieht, dass er eine ähnlich wertschätzende Beziehung zu den Gegenständen hat, wie Murkudis selbst.

Ich verlasse den Laden mit einem Stapel Notizen. Das Gespräch ist völlig anders verlaufen als erwartet. Darüber freue ich mich und ich finde auch ein bisschen lustig, dass ich tatsächlich nach und nach Kaufimpulse entwickelt habe. Ich bin offenbar leicht zu beeinflussen – naja, oder – das wäre eine schöne Alternative – Andreas Murkudis hat ein überzeugendes Konzept.


 

 

* Sofern man bei Produkten dieser Preisklasse von sowas sprechen kann…

Der Artikel ist im Rahmen der GLS Blogkooperative entstanden. D.h. die GLS Bank hat jemanden ausgesucht, über den ich schreibe und ich bin dafür bezahlt worden.

Original veröffentlicht im GLS Blog

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#NetflixPartyBerlin

Seit einiger Zeit bin ich im Netflix Streamteam. Das bedeutet in erster Linie, ich darf Netflix schauen und ich werde entweder auf Netflixpartys eingeladen oder aber ich lade mich dort selbst ein. So geschehen gestern. Ich konnte einfach nicht anders. Der Das Event kündigte an, sowohl den Serienstart von Sense8 als auch die neue Staffel Orange Is The New Black zu promoten. Ich hatte den Trailer zu der neuen Serie Sense8 bereits vor einigen Wochen gesehen und freue mich auf den Start am 5. Juni in Deutschland.

Ich mag ja Action-Mistery-Dings total gerne und es spielen auch ziemlich viele Schauspieler mit, die mir schon aus anderen Serien bekannt sind (Sayid aus Lost zum Beispiel). Ich bin jedenfalls sehr gespannt. Ich glaube, ich brauche neben Game of Thrones mal wieder eine Bingewatching-Serie. Daredevil (Boring Martial Art Porn) und Better Call Saul haben mich irgendwie kalt gelassen.

Jedenfalls – die gestrige #NetflixPartyBerlin war im Soho House. Ich habe lange in der Torstraße gewohnt als das Gebäude noch unrenoviert war und mir immer gewünscht Millionärin zu sein und das Gebäude kaufen zu können (deutlich über 30 Mio hätte das gekostet). Ich kann nicht richtig beschreiben warum, aber dieses Gebäude hat was. V.a. Geschichte:

Das ehemalige Kaufhaus Jonaß in Berlin wurde 1929 als erstes Kreditkaufhaus eingeweiht. Nach der Enteignung der jüdischen Eigentümer während der Herrschaft der Nationalsozialisten diente das Gebäude der Hitlerjugend (HJ) und später der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) als Zentrale. In dem denkmalgeschützten Haus eröffnete im Mai 2010 das Soho House Berlin, ein exklusives Club-Hotel.

In das Soho House kommen eigentlich nur Mitglieder. Schön ist die Beschreibung zur Mitgliedschaft auf der Seite des Clubs: „Im Unterschied zu anderen Clubs, deren Mitgliedschaft oft auf Reichtum und Status basiert, liegt unser Ziel darin, Gruppen von Menschen zusammenzubringen, die eine Gemeinsamkeit haben – nämlich ihre Kreativität.“

Für Erwachsene kostet die lokale Jahresmitgliedschaft für Berlin nur 1.200 Euro. Wenn man unter 27 ist schnäppchenhafte 600 Euro.

Was mir ja sehr gefällt: Kinder kosten nur 190 Euro. Auch hier mein sehnlichster Wunsch nach überflüssigem Geld. Ich wäre so gerne Mitglied und dann würde ich mir gerne noch vier Kinder ausleihen und die gemeinsam mit meinen Kindern dort anmelden und immer mitnehmen. Und zwar nachdem sie eine Woche nicht auf den Spielplatz durften, 200 Gramm puren Zucker gegessen und je zwei Espressi getrunken haben. Das stelle ich mir sehr lustig vor. Ich sitze im Rooftop-Café und trinke Latte Macchiato während die Kinderhorde den auf 26 Grad angewärmten Rooftop Pool auf seine Arschbombentauglichkeit hin testet.

soho

Aber zurück zu Netflix. Ich wollte wirklich gerne mal ins Soho House und hab mich deswegen sehr gefreut mit auf die Gästeliste zu kommen. Das hatte auch noch andere Vorteile. Geladen waren nämlich hauptsächlich so krasse YouTube Personalities. In meinem Alter kennt man die weil man 2014 auf der re:publica mal einem Panel staunend gelauscht hat. Hinterher hatte ich Kind 1.0 von dem Panel erzählt und Kind 1.0 machte große Augen und fragte: „WAAAAS? DIE HAST DU ECHT GESEHEN? Hast du mir ein Autogram mitgebracht?“

Was blieb mir also anderes übrig, als meine Scham zu überwinden und den einen total bekannten YouTuber anzuquatschen und um ein Autogram zu bitten? Es war schrecklich peinlich, aber der YouTuber war sehr nett, kritzelte seinen Namen mit Widmung auf einen Zettel und ich durfte noch ein Foto machen.
Mir taten auch die anderen, ebenfalls total bekannten YouTuber leid. Ist bestimmt irgendwie unhöflich nicht alle nach einem Autogram zu fragen. Aber ich bin so schlecht mit Namen und nur weil einer ein paar Millionen Views hat, kann ich mir nicht gleich merken, wie der heißt…
Jedenfalls war das alles sehr aufregend und danach musste ich erst mal zwei Cocktails auf ex kippen.

Die erste Stunde war also überbrückt mit Autogrammen, Cocktails und ungewürzten Häppchen (die aber sehr super aussahen). Mett gabs auch…
Auf der Einladung stand außerdem noch „Special Guests“ und ich war sehr gespannt, wen Netflix da anschleppen würde. Neben Sense8 wurde die neue Staffel Orange Is The New Black angekündigt. Orange Is The New Black hat mir wirklich gut gefallen, ich schrieb mal darüber:

Eine Serie, die vor Diversität und Frauen quasi platzt. Eine Serie, in der es Falten gibt, schlechte Zähne, Narben, große Frauen, kleine Frauen, dünne Frauen, dicke Frauen und v.a. diese Frauen können alle sprechen (!).

Ich frage mich bis heute, wie diese Serie in den USA zum Erfolg werden konnte. Noch nie habe ich so oft Frauen ohne Klotür Pipi machen sehen wie in dieser Serie zum Beispiel. Das passt doch gar nicht zum prüden Hollywood-Amerika, in dem man auch nur Sex mit BH eingerollt in einem Seidenbettlaken hat?

Egal, die Serie ist wirklich gut und ich hätte wirklich nicht damit gerechnet, dass die den Hauptcast da anschleppen. Anwesend waren Taylor Schilling, Laura Prepon, Uzo Aduba und Laverne Cox. Eigentlich fehlte nur Kate Mulgrew. Kate Mulgrew ist mir v.a. als Captain Janeway der Voyager bekannt und auch wenn ich Voyager nie durchgängig gut fand, gehört die Serie eben in meine Star Trek Sozialisierung und ich wäre vermutlich bei ihrem Anblick tot umgefallen.

[caption id="attachment_6634" align="aligncenter" width="640"]oitnb Zwei von vier Stars haben sich was schönes gehäkelt.[/caption]

 

Für Sense8 war Daryl Hannah da. Sie blieb allerdings relativ unbeachtet – was ein bisschen schräg ist, immerhin hat sie in Kultfilmen wie Kill Bill und Blade Runner mitgespielt.

Nachdem ich schon peinliche Dinge getan hatte, hab ich Daryl Hannah angesprochen und gefragt, ob ich ein Foto mit ihr machen kann.

dh

 

Wir* hatten jedenfalls großen Spaß. Ich stehe langsam dazu, dass man sich auf Events amüsieren kann, einfach weil es gutes Essen und alkoholische Getränke gibt und alle in ihr Telefon starren. Isoliert betrachtet ist es schon ein wenig bizarr – aber #yolo eben.

 

Ach und wenn jemand eine psychologische Erklärung für mich hat, warum man sich mit Stars fotografieren möchte und wieso es Spaß macht Fotos von Freundinnen, die sich mit Stars fotografieren lassen, anzusehen, dann bitte her damit!

 

*diplix und katia z.B.

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Es müssen ja keine Rosen sein…

Letzten Sommer war ich länger im Krankenhaus. Nicht mal in Berlin sondern irgendwo in Franken. Eine liebe Freundin hat mir, als sie gehört hat, dass ich dort bin, einen unfassbar schönen Blumenstrauß geschickt. Den konnte ich gut zehn Tage bestaunen als ich da an diesen piepsenden Überwachungsgeräten angeschlossen lag und nicht aus dem Zimmer konnte. Ich nehme an, da habe ich mich angesteckt. An dieser Blumenidee. Die Blumen haben mir so viel Freude bereitet, dass ich im darauffolgenden Jahr selbst ziemlich viel Blumen verschenkt habe. Rosen (!) eingeschlossen. Und ich gestehe: ich habe mir sogar selbst ab und an Blumen gekauft.

Weil ich Blumen in der Zwischenzeit wirklich gerne mag,  freue ich mich in Kooperation mit BLOOMY DAYS ein Blumenabo an meine LeserInnen verlosen zu können. Ich verlose unter allen, die hier unter dem Post bis zum 1. Mai, 24h kommentieren ein Blumen-Abo mit insgesamt 3 Lieferungen und einem Add-on*. So erreicht euch der erste Strauß pünktlich zum Muttertag am 10. Mai**. Als Mutter kann man sich schon mal selbst einen Blumenstrauß schenken. Einzige Bedingung: ihr wohnt in Deutschland oder Österreich.

bloomydays

*Das ist entweder ein vergoldetes Armband oder ein Schlüsselband.
**Ich bin schließlich ein Muddi-Blog

Ach und P.S. Die Blumen dann bitte nicht aufessen.

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Schamlose, unbezahlte Werbung für ein großartiges Kinderbuch

Foto (2)Vor einigen Wochen habe ich mich an einem Crowdfunding zu einem Kinderbuch  mit dem Titel „Pinipas Abenteuer“ beteiligt. Noch vor Weihnachten erreichte uns das fertige Buch. Es hat dann noch ein paar Wochen gedauert bis Kind 2.0 das Buch rauskramte und wir angefangen haben, es abends zu lesen.

Ich habe das Buch hauptsächlich mit-gecrowdfundet weil ich die Illustrationen so toll fand. Die Beschreibung des Inhalts konnte mich auf den ersten Blick nicht richtig begeistern:

Ein Mädchen namens Greta schickt, weil sie gelangweilt im Stau steht, ihre imaginäre Freundin Pinipa in einer Seifenblase los, um Deutschland zu entdecken. Als Seifenblasenpilotin durchfliegt Pinipa verschiedene Regionen Deutschlands, wie das Ruhrgebiet oder die Lüneburger Heide. Pinipa erlebt allerlei Abenteuer und als die Seifenblase am Bodensee zerplatzt, steigt sie in ein Papierschiffchen um und schippert mutig den Rhein hinunter. So lernen die Kinder, die das Buch vorgelesen bekommen, verschiedene Regionen Deutschlands kennen.

Hmmmm, Büchern mit pädagogischem Vorsatz stehe ich immer etwas skeptisch gegenüber.

Was soll ich sagen? Ich habe das Buch sehr gerne vorgelesen und die Kinder hätten gerne gehabt, dass ich es in einem durch(vor)lese – was mir aber zu lang war. Also schleppten sie das Buch am nächsten Tag auch wieder an und waren sich ausnahmsweise auch mal einig in der Wahl.  Die Geschichte ist abwechslungsreich, unterhaltsam und auch lustig (Leseprobe unten auf der Seite). Pinipa begegnet auf ihrer Reise unterschiedlichen Tieren, die ihr im Gespräch von der Region oder den Städten erzählen. U.a. kommt der Schatz der Nibelungen vor, was Kind 3.0 sehr begeistert hat. Kind 3.0 wird jetzt Taucher und wird den Schatz sehr bald finden!

Mir hat v.a. die Sprache gefallen. Es gibt so viele Kinderbücher, die (behaupten) eine „kindgerechte“ Sprache haben, bei der man sich einen Knoten in die Zunge liest und ständig denkt: So spricht doch kein Mensch? Warum schreiben die so? Hoffentlich reden die Kinder nicht eines Tages so!

Ganz anders bei Pinipa. Das liest sich gut vor, klingt sehr rund und nicht so gestelzt ohne übermäßig komplexitätsreduziert zu sein. Ich freue mich schon auf das Hörspiel, das es wohl auch bald geben wird.

Die Illustrationen sind wahnsinnig schön und detailverliebt und ähnlich wie bei den Wimmelbüchern gibt es viel zu entdecken. Man muss also seeehr langsam lesen oder kann nur seeeehr langsam weiterblättern, weil die Kinder sich die Bilder ausführlich anschauen.

Jedenfalls – Achtung! WERBEUNTERBRECHUNG – das Buch ist großartig. Kauft es!

Das Buch kostet 14,90 Euro zzgl. Versand und kann direkt auf der Website der Illustratorin bestellt werden.

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Über die Risiken gesunder Ernährung

Ich bin kein sehr naturverbundener Mensch. Wenn es sich ergibt, habe ich nichts gegen einen Waldspaziergang, einen Tag am See oder einen Ausflug aufs Land. Am wohlsten fühle ich mich aber in der Stadt und am Besten innerhalb von Gebäuden. Genauer gesagt in meinen eigenen vier Wänden – im Idealfall in meinem eigenen Bett.

Für Eltern schickt sich diese Einstellung offenbar nicht. Am Elternabend im Kindergarten wird in ermüdender Regelmäßigkeit darüber diskutiert, ob die Kinder nicht öfter in den Wald gehen könnten. Wir wohnen mitten in Berlin und sehr leise denke ich: Wenn ihr wollt, dass eure Kinder in den Wald gehen, dann zieht doch nach Posemuckel an den Waldrand und geht mit euren Kindern in den Wald. Man kann doch nicht von den Erzieherinnen erwarten, dass die ein bis zweimal die Woche mit 25 kleinen Kindern in den Wald fahren?

Dabei sind die Erzieherinnen sehr bemüht, den Kindern die Natur nahe zu bringen. Kind 3.0 besucht zum Beispiel regelmäßig und mit großer Begeisterung eine Gartenschule. Die pädagogische Idee dahinter lautet den Kindern erfahrungs- und handlungsorientiert ökologischer Bildung zu vermitteln. So hat Kind 3.0 schon selbst Honig hergestellt, einen wunderhübschen Blumenstrauß geschnitten und eine schöne Auswahl an Kräutern geerntet und mit nach Hause gebracht.

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„Das ist fur disch. Das kannst du essen. Kräuters sind sehr gesund und schmecken lecka.“, sagt es und schmeisst mir einen Haufen Grünzeug auf den Tisch. „Guten Appetit!“

Ich schaue unentschlossen auf das Gestrüpp, wohlwissend, dass man sterben kann, wenn man einfach so Pflanzen isst, ohne zu wissen um was es sich handelt. Ich zögere. Selbst in Restaurants, die ihre Teller mit Blumen schmücken und man davon ausgehen kann, dass man die Blümchen essen kann ohne zu sterben, lasse ich diese unberührt zurück gehen.

Kind 3.0s Augen weiten sich: „Das hab isch fur disch geflückt, Mama? Freust du disch?“. Ich sehe wie die Augen am unteren Rand des Auges ganz leicht feucht werden.

„Ich ähhh, danke! Oh! So eine Freude. Was ist das denn?“

„Isch glaube Lavendel und Petersilikum. Riesch ma.“

Nun gut, ich bin denkbar schlecht vorgebildet in dieser Angelegenheit, aber es handelt sich weder um Lavendel noch um Peterslie oder Basilikum. Vorsichtshalber fotografiere ich die Pflanzen und frage im Internet nach, ob jemand diese Pflanzen kennt und ich sterben muss, wenn ich sie wirklich esse.

Am Ende nehme ich die vermeintlichen Kräuter, entsorge sie heimlich, fülle ebenso im Geheimen ein Glas Pesto in eine Schüssel und verspeise abends das Pesto mit einem Teller Nudeln: „Hmmm! Wie das schmeckt! Köstlich. Das hab ich aus deinen Kräutern gemacht!“ Das größere Kind riecht an meinem Teller, schaut skeptisch und will den Mund öffnen. Ich schüttle den Kopf und schicke einen Todesblick in seine Richtung. Es versteht und schweigt. Kind 3.0 isst glücklich seine Nudeln ohne nix: „Isch esse das nisch. Man kann auch stürben wenn das giftisch is, weisst du Mama.“

Aber Spaß beiseite: Kind 3.0 lernt viel in der Gartenschule und was mir besonders gefällt, ist dass es nicht beim theoretischen Wissen bleibt, sondern die Ernteerzeugnisse auch mit nach Hause gebracht werden und wir gemeinsam kochen können. Denn wenn es nicht gerade „seltene“ Kräuter sind, sondern Beeren, Tomaten oder Paprika, dann kenne ich mich ausreichend aus und wir können das gemeinsam essen. Wir können darüber sprechen was gesund ist und warum es gesund ist und was gesunde bzw. ungesunde Ernährung mit unserem Körper macht.

Ein Projekt das an die Idee einer Gartenschule anschließt, bietet die EDEKA Stiftung im Rahmen der „Initiative zum Nachwuchs“ an. Es heisst „Mehr bewegen – besser essen“ und schließt logisch an das oben beschriebene Projekt für Kindergartenkinder an und richtet sich an eine etwas ältere Zielgruppe – die GrundschülerInnen der 3. und 4. Klasse. Auch hier geht es um Nachhaltigkeit und es steht der Themenkomplex Ernährung, Bewegung, Verantwortung im Fokus.

Bis zum 31. Januar 2015 können sich Schulklassen für einen Projekttag bewerben, der genau diese Themen praxisnah behandelt. Die Broschüre der Stiftung beschreibt weiteren Details des Projekttags.

Die Kinder essen gemeinsam und lernen etwas über gesunde Ernährung. Sie lernen, wie wichtig Bewegung ist und was sie selbst tun können, um ihre (unsere!) Umwelt zu schützen. Wenn die Kinder alt genug sind, werde ich den nächsten Elternabend mal um das Thema Projekttag bereichern und anregen, dass wir uns um einen solchen Tag bewerben.

Dieser Beitrag entstand mit freundlicher Unterstützung der EDEKA Stiftung.

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Überwachung ist dann toll, wenn man selbst die NSA ist

Das Internet der Dinge ist gemeinhin der Kühlschrank, der selbst nachbestellt, wenn die Milch alle ist. Bislang also nichts, was der normal sterbliche Mensch besitzt.
Mich fasziniert das Thema und ich bin sehr traurig, dass mein Nabaztag-Server abgestellt wurde (und leider zu träge, mir selbst einen Server einzurichten). Mittels Nabaztag, lassen sich nämlich die Kinder sehr gut erziehen.

Ich habe mich deswegen sehr gefreut, dass ich das Gigaset elements zum Testen zur Verfügung gestellt bekommen habe.

Foto 1 (2)

Was kann man damit machen?
Nun, man kann: überwachen.
Und zwar: Fenster, Türen und Räume.
Die Installation ist wirklich unfassbar einfach. Man muss einfach den sechs Schritten der Gebrauchsanweisung folgen, die App runterladen und dann die einzelnen Geräte registrieren.
Ich habe den Türsensor an die Eingangstür, den Bewegungsmelder in die Küche und den Fenstersensor an das Fenster im Kinderzimmer angebracht.
Ich denke, der ursprüngliche Zweck dieser Geräte ist Einbruchssicherung. Wenn Bewegungen registriert werden, wird diese als Statusmeldung in der App angezeigt und sollte man sich sicher sein, dass im Moment eigentlich niemand die Tür öffnen sollte, kann man mit einem Klick den Polizeinotruf melden. Genauso kann man aber auch Zuhause anrufen.
D.h. die App unterscheidet „Homecoming“ und „Alarm“. Es heißt, dass der Alarm nur ausgelöst wird, wenn die Tür gewaltsam geöffnet wird. Prüfen konnte ich das natürlich nicht.
Ich finde die Sensoren in Zusammenhang mit Kindern eigentlich ganz praktisch. Kind 2.0 z.B. kommt schon alleine von der Schule nach Hause. Es könnte sich per RFID-Tag am Nabaztag anmelden (wenn der denn ginge), es könnte mich anrufen – aber noch einfacher ist es natürlich wenn ich in der App sehe, dass das Kind Zuhause angekommen ist.

Foto (2)

Der Türsensor meldet außerdem noch, ob die Tür geöffnet oder geschlossen ist.
Das ist auch sehr super, denn das Kind vergisst gelegentlich die Tür zu schließen.
Den Fenstersensor finde ich auch sehr praktisch. Wir wohnen ziemlich weit oben und ehrlich gesagt, habe ich panische Angst, dass die Kinder eigenständig das Fenster öffnen. Wir haben verschließbare Fenstergriffe – nur leider nicht in allen Zimmern und da ist es ganz beruhigend, wenn ich sehe, wenn ein Fenster geöffnet wird.
Alternativ kann ich mir bei Gewitter z.B. anzeigen lassen, ob alle Fenster geschlossen sind und dann sehr beunruhigt sein, wenn dem nicht so ist. Die Sensoren melden schließlich nur den Status und schließen (leider) nicht die Fenster. Das wäre natürlich schick.

Den Bewegungssensor habe ich in der Küche angebracht. Vielleicht auch zu meiner eigenen Sicherheit. Ich kann dann nämlich immer in der App sehen, wenn ich schon wieder am Kühlschrank war.

Ich bin jedenfalls gespannt, wie die Kinder die Sensoren finden.
Kind 3.0 hat zur Zeit ganz furchtbar Angst vor Einbrechern. Diese Phase hatte Kind 1.0 seltsamerweise auch. Es hatte allerdings Angst, dass Krokodile einbrechen könnten. Als ich ihm eine anatomische Zeichnung eines Krokodils anfertigte, die eindeutig bewies, dass Krokodile gar nicht in der Lage sind einzubrechen, war es beruhigt.
Ich hoffe den selben Effekt hat das Gigaset elements safety kit auf Kind 3.0 auch.

Ach und wenn ich noch einen Tipp geben darf: Wenn man die Sensoren an die entsprechenden Stellen klebt, nicht die Halterung unabhängig vom Sensor platzieren sondern einmal alles zusammen probehalten. Sonst muss man das nämlich alles wieder abreißen. Selbiges gilt fürs Registrieren. Erst an der Basisstation registrieren, dann festkleben.
Oder die Gebrauchsanweisung komplett lesen und dann erst Schritt für Schritt durchgehen. Oder die Videotutorials anschauen:

Was ich an Kritik habe?

  • Die Pushmitteilungen kommen nicht immer. Warum das so ist, konnte ich noch nicht rausfinden. Öffnet man die App, kann man aber zuverlässig sehen, ob die Tür geöffnet wurde
  • Man ist natürlich abhängig vom dauerhaft und zuverlässigen Laufen des Gigaset element-Servers – aber damit muss man bei allen webbasierten Services leben… und dauerhafte Stromversorgung ist natürlich auch nötig
  • Wie wohl die Polizei reagiert, wenn ich aus dem Urlaub anrufe und sage „Meine App zeigt mir, dass meine Wohnung soeben gewaltsam aufgebrochen wurde, bitte schauen sie schnell nach dem Rechten.“, möchte ich nie ausprobieren müssen
  • Und wenn man mal auf die Facebook-Seite von Gigaset elements schaut, dann würde ich mir wünschen, dass nicht nur zum Vater– sondern auch zum Muttertag Add-Ons verlost werden.


Fazit: Tatsächlich fühlt es sich sehr flauschig beruhigend an wenn man unterwegs ist und die App schaut und dann das hier sieht:

All is good

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Einblicke

Oft werde ich gefragt, was ich machen würde, wenn eines der Kinder anfangen würde zu bloggen. Meine ehrliche Antwort: Ich würde mich freuen (nachdem ich stundenlang, tagelang monatelang und vermutlich immer wieder Vorträge zu Urheber- und Nutzungsrecht, Privatsphäre und Vor- und Nachteile von Pseudonymen vs. Klarnamen gehalten hätte).

Was mir persönlich an Blogs so gefällt, ist die eigene Sicht auf Dinge und die Möglichkeit für die LeserInnen einen Einblick in völlig andere Welten zu bekommen. Deswegen hat mir die Vorstellung auch sehr gefallen, als mein Kooperationspartner Idee hatte, unser Zuhause von den Kindern fotografieren zu lassen.

Zugegebenermaßen musste ich etwas filtern. Wer will schon Geschirrberge in der Spüle sehen und Untertitel wie „Meine Mama stellt alles in die Spüle. Die Spülmaschine ist nur wenige Zentimeter entfernt. Wasserexperimente im Spülbecken kann man deswegen nicht so gut machen, weil immer alles vollgestopft ist.“ lesen?

Die schönen Seiten hingegen, gibt es hier zu bewundern.

Tatsächlich finde ich die Idee großartig und würde gerne eine neue Serie starten. Was würdet ihr gerne durch die Augen der Kinder sehen?

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